Anbetung muß bequem sein

Bis Anfang dieser Woche waren wir einige Tage an der Nordseeküste von Belgien, u.a. auch in dem nahe gelegenenen und sehr schönen Brügge (immer Besuche wert, auch aus katholischer Sicht!). Schon beim ersten Kirchbesuch in dem hauptsächlich katholischen Belgien (ob das auch in Flandern so ist, weiß ich aber nicht genau, und da waren wir ja) fiel mir auf, daß es zumindest in den Kirchen, in denen wir waren, keine Kirchenbänke gab.

Die Kirchen waren natürlich nicht leer oder ohne Bestuhlung.

Nein, es gab überall diesen Typ:

Nirgendwo sah ich Kirchenbänke wie diese:

oder zumindest Stühle mit Kniebank wie solche:

Wozu führt das im liturgischen Leben? Auch wenn meine orthodoxe Frau meinte, solche Unterschiede gäbe es auch in verschiedenen Traditionen der orthodoxen Nationalkirchen, eines hat mich sehr gewundert:

niemand hat gekniet.

Alle saßen fast immer: während der meisten Gebete, während des Evangeliums, während des Großteiles des Eucharistischen Hochgebetes, beim Agnus Dei etc.

Aufgestanden wurde nur dann, wenn man hierzulande kniet: während der Einsetzungs-/Wandlungsworte des Priesters.

Möbel machen nicht nur äußeren Eindruck, sondern formen Liturgie, wenn Unbequemlichkeit droht.

Der Einfluß auf den Glauben wird wohl nicht ausbleiben.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die ich mal hörte: in den USA kam ein neuer Ortsbischof ins Priesterseminar zur Hl. Messe. Auch dort gab es nur einfache Stühle.
Nach der Messe fragte er den Direktor des Seminars:
“Warum haben die Seminaristen nicht gekniet?”
“Nun, wir haben keine Kniebänke.”
“Okay, die Frage danach wäre meine zweite gewesen - aber das ist nicht die Antwort. Also, warum haben sie nicht gekniet?”





6 Kommentare zu “ Anbetung muß bequem sein”

  1. Tiberius meint:


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    Vielleicht klingt es sonderbar, aber ich würde die Kirchenbänke rauswerfen. Bei mir könnten die höchstens noch im Gemeindesaal unterkommen. Ich brauche das Sitzen nicht. Es verführt zur geistigen Passivität. Stehen zum beten, knien zum Anbeten. Wer nicht stehen oder knien kann, dem würde ich einen Hocker hinstellen, wenn es sein muß auch eine Liege, aber dort, wo es möglich ist, kann die Haltung des Körpers auch den Geist an seine Haltung erinnern.

  2. Ralf meint:


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    Da aber offensichtlich die menschliche Bequemlichkeit (zumindest im Westen) sehr ausgeprägt ist, halte ich das Rausnehmen von allen Sitzmöbeln auch nicht für zielführend. Wenn schon Möbel, dann etwas mit Hinknie-Möglichkeit.

  3. Maria Magdalena meint:


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    Zu meiner Schulzeit gab es im Aachener Münster im Oktogon auch keine Bänke, sondern nur Stühle. Die sahen dann aber so aus, dass die Sitzfläche ehrer niedrig angebracht war und die Lehne hoch, so dass man sie herumdrehen konnte, um darauf zu knieen. Nach dem Sanctus ging dann das große Stühlerücken los - aber gekniet haben alle, die körperlich dazu in der Lage waren (unsere Schulmesse war immer mal wieder im Dom). die Stühle sahen ungefähr so aus:
    http://cache.kalaydo.de/mmo/7/790/756/7_-487138185.jpg

  4. Braut des Lammes meint:


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    Den Vorschlag, gleich alles zu entfernen, halte ich für schwierig: was ist während der Predigt, was mit alten Leuten oder solchen mit Gelenkerkrankungen? Ich seh schon an hohen Feiertagen eine Schlacht um die wenigen Hocker losbrechen…

    Die hiesigen Kniebänke, wenn sie nicht zu kippelig (oder wie vor Ort, in einer 1999 geweihten Kirche) bereits für Riesenmenschen konzipiert sind, sind schon gut. Man kniet aber auf einem ebenen Boden auch sehr gut. Einfach sitzenbleiben käme jedenfalls nicht in Frage, solange mir nicht die Beine abfallen.

  5. David meint:


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    In Luxemburg, meinem Herkunftsland, gibt es mindestens schon seit meiner Kindheit diese Stühle, wie Maria Magdalena sie beschreibt. Mittlerweile haben sich aber große, breite, gepolsterte Stühle, wie man sie vorbildlich in unserer Kathedrale ausprobieren kann, weitgehend durchgesetzt. Ich finde diese Umdrehstühle schon blödsinnig. Bequeme, gepolsterte Stühle ohne Kniemöglichkeit wie sie unter Erzbischof Franck in Luxemburg eingeführt wurden sind aber noch schlimmer. Ein Sinnbild für kirchliche Dekadenz in meinen Augen.

  6. Tiberius meint:


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    Ich finde es nicht schlimm auf dem Boden, statt auf der Kniebank zu knien. Das könnte aber auch an meinen Knien liegen. Die fünf Minuten Predigt, die ich mir vor der Opferung wünschen, könnte ich auch im Stehen ertragen, halbstündige Vorträge würden das natürlich schwieriger machen. Insgeheim wünsche ich mir ohnehin einen anderen Ort für die Predigt - vor die Messe, nicht mittendrin. Wer nicht stehen kann, der bekommt natürlich eine Sitzgelegenheit und wer nicht sitzen kann, den trage ich auch mit einer Liege in die Kirche.


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