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Überlegung

Nach längerer Zeit mal wieder was zum Thema Medizin…

Drei Jahre arbeitete ich im Krankenhaus, dann wollte ich raus und bin es auch - die unpersönliche Mühle in einem sehr starren System voller Intransparenz (monatelang wollte ich wissen, und keiner konnte es mir sagen(!), welche Kosten ich überhaupt mit meinen diagnostischen Maßnahmen verursache) war mir einfach zu viel.

Jetzt, nach sechs Monaten als Angestellter Arzt in Weiterbildung in einer allgemeinmedizinischen Hausarztpraxis einer Großstadt, stellt sich auch hier die Zukunft alles andere als rosig dar. Das System ist so kompliziert, daß da auch viele Ärzte nicht mehr durchblicken, so abstrus, daß alle, denen ich nur weniges bislang erklärt habe, die Köpfe schütteln und sich berechtigterweise fragen, wo die Beiträge denn landen.

Und erst kürzlich wurde höchstrichterlich festgestellt, daß Krankenkassenvorstände ihre Bezüge veröffentlichen müssen - also die Menschen wollten und mußten bislang nicht, die sich doch immer für bestmögliche Kosteneffizienz eingesetzt hatten …

Heuchler halt.

Insbesondere das ambulante Versorgungssystem ist immanent krank - der regionale Ärztemangel ist nur ein noch kleines, aber bald massives Symptom dafür. Es gibt Journalisten in Großstädten (wie bspw. dieser hier, der wohl als Redakteur in der Bundeshauptstadt sitzt und eben nicht 200km entfernt in der brandenburgischen Provinz, die doch bestimmt auch ein Regionalblatt haben), die sich darüber aufregen, daß wir Ärzte so ungern in Nester ohne breites kulturelles Angebot und ohne Internationalität gehen und daß wir Ärzte - dafür studieren wir doch das BesserMenschSein-Examen, oder? - eben auch bevorzugt da arbeiten, wo wir die materiellen Wünsche unserer Familien und von uns selbst am problemärmsten erfüllen können.

Ja, ich weiß, all dies ist verwerflich. Eigentlich muß der Arzt per definitionem ein besserer Mensch sein, eben der säkulare Priester der Jetztzeit. Er darf eben nicht so sehr auf den Euro schauen, muß auch Leistungen anbieten, die die Krankenkasse nicht (mehr) bezahlt. Daß er sie selbst dann bezahlt und auch nicht geschenkt bekommt, ist ja egal. Er ist ja Arzt. Er hat’s ja… (schön wär’s).

Nur ein paar Beispiele des Wahnsinnes Gesundheitssystem in Deutschland…:

1. jeder Hausarzt der hiesigen Region (Nordrhein, die Westhälfte von NRW) darf pro Jahr mit gesetzlich Krankenversicherten nur einen maximalen Umsatz von rund 2,4 Mio. Punkten machen (Vorsorgeuntersuchungen ausgenommen, es geht hier um die die wirklich krank zum Arzt gehen). Wieviel er dabei im Januar verdient hat, erfährt er im Juli, sprich alle Abrechnungen erfolgen erst ein halbes Jahr später. Da man von Punkten keine Miete bezahlen kann, wird rückwirkend(!) festgelegt, was ein Punkt damals denn so wert war (nicht ist). Kalkulation ist somit nicht möglich. Da die Gesamtsumme in Euro aller Punkte aller Ärzte aller Fachrichtugen in Nordrhein schon vorher feststeht (politisch entschieden), ist es also eine bloße Frage der Verteilung.

Zuletzt lag der Punktwert bei unter vier Cent (also ein Punkt wurde mit unter 4 Cent honoriert), aber ich rechne einfach mal mit 4 Cent. Das mal 2,4 Mio. Punkten ergibt 96.000 Euro Umsatz - mehr darf der Kassenarzt mit den gesetzlich Versicherten, die nicht zur Vorsorge oder Impfung in die Praxis kommen, nicht umsetzen, egal, ob 60 oder 2000 Patienten kommen, es gibt kein Maximalumsatz pro Patient, sondern pro Arzt! Davon gehen dann ab: Mieten, Personalkosten, Sachkosten etc. Da sind 60% Kosten nicht zu hoch gegriffen (zumindest in einer Großstadt wie Düsseldorf). Übrig blieben dann 38.400 Euro. Das ist dann der Bruttoverdienst.

Und wer kann jetzt nicht verstehen, daß Privatversicherte besser behandelt werden?

Weitere Beispiele folgen …





16 Kommentare zu “ Überlegung”

  1. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Hmm, korrigier mich, falls ich falsch liege:
    Bei einem bruttojahresverdienst von 38.400 Eure kommst Du auf einen Bruttomonatsverdienst von 3200 Euro. Wo ist da das Problem? Wir müssen als vierköpfige Familie mit 2900 Euro Brutto hinkommen, das geht auch. Und wenn ich mir vorstelle, dass dann zu Deinem Verdienst noch die Privatpatienten hinzukommen, dann verdienst Du in meinen Augen mehr als genug!
    Und ja, ich habe ÜBERHAUPT kein verständnis dafür, wenn Privatpatienten vorgezogen werden. Das ist menschenverachtend für alle Kassenpatienten.

  2. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Hallo Vita!

    Danke ersteinmal für Deinen kritischen Kommentar. Ich nehme auch an, daß ihr bei eurem Verdienst erst mit Ende 20 angefangen habt überhaupt Geld zu verdienen, da durch die (m.E.) zu lange Schulzeit und das nachfolgende Studium ja bis dahin an keinen eigenen Verdienst zu denken war. Und ich nehme an, daß die Verantwortung (sowohl moralisch wie juristisch bei Umkehr der Beweislast, in der Medizin leider höchstrichtrlich abgesegnet hierzulande) in eurem Berufsleben genauso hoch ist wie als niedergelassener Arzt.

    Oder doch nicht?

    Und ich nehme auch an, ihr bekommt kein Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, was es für einen Selbständigen natürlich alles nicht gibt.

    Oder doch?

    In welcher Branche wird einem Unternehmer vorgeschrieben, wieviel er maximal verdienen darf?

    Daß jemand eine Person besser behandelt, die mehr zahlt, ist nicht menschenverachtend, objektive Notfälle (der subjektive Eindruck ist oft ein anderer, das ist wohl so) haben ja in Deutschland kein lange Wartezeit (verglichen mit anderen europ. Ländern ist das hier super für Patienten).

    Ich halte es für verächtlich gegenüber den Menschen, wenn man soweit gewollt eine Vollkasko fürs Auto abschließen darf, dies aber nicht für den eigenen Körper. Dafür muß man hierzulande erst wohlhabend sein.
    Ich halte es für menschenverachtend, daß Hartz-IV-Empfänger auch Praxisgebühr bezahlen müssen, und sei es auch “nur” im voraus.
    Die Existenz von über 200 Krankenkassen mit Vorständen und Verwaltungsapparaten und daher Beitragsverschleuderung halte ich auch für verächtlih gegenüber den Versicherten.

    Ich halte das Kassensystem für absolut asozial, insbesondere das Wohlhabende komplett aussteigen.

    Ich bin für - da es ja eh keinen Wettbewerb gibt - ein staatlich über Steuern finanziertes Gesundheitssystem mit strengen Vorgaben bezüglich Vorsorgeuntersuchungen, eben wie beim Auto: TÜV für alle. Und wer keinen Bock hat, der soll dann eben selbst sehen, woher er seine Medikamente für den Blutdruck bezahlt bekommt; der soll eben sehen, wer ihm seine Zähne bezahlt. Wer dagegen regelmäßig zur Vorsorge geht, der bekommt das als Belohnung bezahlt. Denn Spätfolgen sind die Kostentreiber schlechthin.

  3. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Du hast vollkommen recht! Ich bin krankheitsbedingt nicht berufstätig, mein mann hat erst wg. Studium mit Ende 20 das erste mal Geld verdient. Die Verantwortung in seinem Job ist immens, er hat die Macht ganze Firmen innerhalb von zwei, drei Tagen Konkurs gehen zu lassen. Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gibt es nicht. Der einzige Vorteil ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die allerdings nach sechs Wochen gekürzt wird, was wir bereits einmal mitgemacht haben und was uns an den Rande des Ruins treibt.

    Ich bestreite nicht, dass das deutsche Gesundheitssystem scheisse ist, aber ich finde, Du jammerst hier auf ganz schön hohem Niveau.
    lg
    Vita

  4. francis meint:


    Die Webseite von francis

    danke für deinen einblick, ralf. das ist sehr interessant, vor allem wenn man vergleichswerte aus der wirtschaft heranzieht. da sind 38.400 ein wert, den man in der industrie locker nach zwei jahren berufserfahrung hat (vorausgesetzt ist ein studium). und diese rechnerei mit punkten ist ja echt verwirrend. ich hab ja den verdacht, dass man solchen abrechnungsmodellen den wahren zustand des gesundheitssystems kaschieren will.

  5. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    @vita:

    Es mag durchaus sein, daß ich auf hohem Niveau jammere und natürlich kann man von dem Geld auch leben - aber angesichts der Tatsache, daß ein Berufsanfänger in der Klinik aber (inlusive Nacht- und Wochenenddiensten) genauso viel bekommt wie der Unternehmer Niedergelassener Arzt, finde ich das schon übel.

    Wenn der Staat einspringen würde bei Pleiten der Praxis - was er natürlich nicht tut - dann wäre das ja zumindest fair (wenn auch pervers). Aber er setzt die Obergrenze des Verdienstes fest, das ist das Kranke an dem System!

    Wer würde denn heutzutage ein Handwerksbetrieb aufmachen unter der staatlichen Vorgabe, daß er pro Kunde, egal wie oft dieser pro Jahr seine Hilfe braucht, maximal 120 Euro umsetzen kann (dieser Betrag ist übrigens reell! Ich weiß auch nicht, wo die Beiträge landen!)? Und jetzt wird der Handwerker öffentlich von manchen Politikern runtergemacht, weil er dann doch lieber zu denen fährt, wo er jedes Mal etwas abrechnen kann. Das ist doch albern. Aber Willkommen zuhause, so ist es. Und ich sehe keine politische Kraft, die den Mumm hat, dem Patienten “kassenbasiertes Gesundheitssystem” nur noch palliativ zu versorgen.

    Dazu wird die Versorgung der Armen immer schlechter…

  6. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Du hast ja recht Ralf und ich schrieb es weiter oben schon, unser Gesundheitssystem ist Mist. Da stimme ich Dir voll und ganz zu.
    Was mich nur gestört hat in Deinem Eintrag ist eine Haltung nach dem Motto “Ich bevorzuge Privatpatienten, da verdien ich wenigstens ordentlich was. Mir reicht nicht, was ich hab”.
    Das ist leider eine Haltung, die mir bei Ärzten öfters begegnet…
    Als mein Mann mit studieren anfing hieß es, in dem Job würde er kräftig Geld verdienen, als er fertig war, war der Arbeitsmarkt zusammengebrochen und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ich denke wir alle müssen damit leben, dass die ‘goldenen Zeiten’ (sofern es sie je gab) vorbei sind.

  7. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Warum soll man es Ärzten verübeln, was man allen anderen Menschen zugesteht? Jedem Handwerker würde man es nicht verübeln, wenn er lieber den Kunden bedient, der mehr zahlt - bei Ärzten dagegen schon. Man sollte von anderen Menschen, dazu gehören Ärzte, nicht mehr verlangen als von sich selbst und auch keinen anderen Maßstab anlegen. Damit wären wir in diesem Land schon weiter.

  8. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Ich fände es auch nicht o.k., wenn ein Handwerker nur reiche Kunden bedient. Es ist ja mittlerweile tatsächlich schon so, dass manche Handwerker für kleine Aufträge gar nicht mehr ausrücken. Sowas ist einfach frech….

  9. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Handwerker schreiben einfach eine Rechnung - Ärzte dürfen das nicht.

  10. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Ähm, das versteh ich jetzt nicht……..*verwirrt*

  11. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Der Kassenpatient bekommt keine Rechnung nach Leistung, sondern die Kasse bezahlt eine Pauschale, egal wie oft jemand kommt - alles andere ist nicht erlaubt.

  12. vita meint:


    Die Webseite von vita

    Ach so….
    Worum es mir ging, schreib ich ja weiter oben schon. Über unser Gesundheitssystem kann man natürlich noch lang und schlapp diskutieren…

  13. skhor meint:


    Die Webseite von skhor

    Interessant ist doch, wieviele dieses Thema gleich mitdiskutieren. Ich interpretiere das so, dass das Thema vielen brennt und das viele das Problem doch sehen. Das kann auch ein erster Schritt zur langsamen Verbesserung sein.

  14. Tiberius meint:


    Die Webseite von Tiberius

    Salvete!

    Bitte entschuldigt, daß ich so mit meiner Bemerkung dazwischen platze. Zum Schicksal des Arztes in ländlichen Regionen und zum säkularen Priester der Moderne kam mir spontan folgende Stelle aus Kafkas “Der Landarzt” in den Sinn:

    “>Wirst Du mich retten?

  15. Tiberius meint:


    Die Webseite von Tiberius

    Ups, daß hat nicht funktioniert. Wo ist andere Hälfte?

    … flüstert schluchzend der Junge, ganz geblendet durch das Leben in seiner Wunde. So sind die Leute in meiner Gegend. Immer das Unmögliche vom Arzt verlangen. Den alten Glauben haben sie verloren; der Pfarrer sitzt zu Hause und zerzupft die Meßgewänder, eines nach dem anderen; aber der Arzt soll alles leisten mit seiner zarten chirurgischen Hand. Nun, wie es beliebt: ich habe mich nicht angeboten; verbraucht ihr mich zu heiligen Zwecken, lasse ich auch das mit mir geschehen; was will ich Besseres, alter Landarzt, meines Dienstmädchens beraubt.”

    Ich finde, daß der Arzt, als säkularer Priester, ein treffendes Kennzeichen der modernen Weltanschauung ist.

    Valete!
    Tiberius

  16. Marvin meint:


    Die Webseite von Marvin

    Danke Ralf für diesen kurzen Einblick in die Ökonomie eines niedergelassenen Artzes. Allein das Wort “Punktesystem” klingt für mich schon scheußlich, aber daß Ihr Ärzte dermaßen unter der Knute der Kassen steht, hatte ich bisher nicht gewußt.


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