Archiv für March, 2026



Zusammenfassend

Veröffentlicht am Tuesday, 10. March 2026, 15:23

Der Hl. Franziskus nannte die Welt unser Kloster und den je eigenen Leib unsere Zelle, die Zelle des Bruders, die Zelle des Eremiten. Dabei wußte er aber auch selbst, daß es auch manchmal räumlicher Zellen bedarf, um sich zu sammeln und neu zu fokussieren. Franziskus verbrachte locker ein Drittel seines religiösen Lebens in Einsiedeleien und schrieb auch für sie eine kurze Regel (und nebenbei: vielleicht ist der Niedergang dieser Lebensform, des franziskanischen Lebens in Abgeschiedenheit in Einsiedeleien, auch ein Symptom manches anderen mehr…).

Der “weltliche” Mensch lebt zumeist nicht in Zellen, auch nicht im Kloster. Dennoch kann er von der kontemplativen Erfahrung profitieren und ein zeitweiliger Rückzug von der Welt, einfach nur in sein Zimmer, kann sehr fruchtbringend sein.

Der Gründer des eremitischen Zweiges der Benediktiner, der Hl. Romuald von Camaldoli, verfaßte im 11. Jh., also vor Franziskus, diese folgende kleine Regel. Wenn wir “Zelle” durch “Zimmer” und “ins Kloster” durch “in den Glauben” ersetzen, dann wird es für alle greifbarer:

Sitze in deiner Zelle wie im Paradies.

Wirf die Erinnerung an die Welt hinter dich

und achte auf deine Gedanken wie ein guter Fischer auf die Fische.

Der Weg, dem du folgen musst, liegt in den Psalmen - verlass ihn nie.

Wenn du gerade erst ins Kloster gekommen bist,

und trotz deines Eifers nicht vollbringen kannst, was du möchtest,

nutze jede Gelegenheit, die Psalmen in deinem Herzen zu singen

und sie im Geist zu verstehen.

Und wenn du bemerkst, dass du beim Lesen zerstreut bist,

gib nicht auf;

eile zurück und versuche deinen Verstand erneut

auf die Worte zu richten.

Sei dir vor allem bewusst, dass du in der Gegenwart Gottes bist,

und nimm die Haltung eines Menschen an,

der ehrfürchtig vor seinem Kaiser steht.

Lass alles von dir

und sitze wie ein kleines Vögelchen zufrieden in der Gnade Gottes,

das nichts anderes schmeckt und isst,

als das, was seine Mutter ihm gibt.