Archiv für July, 2004



Zur Freiheit berufen?

Veröffentlicht am Saturday, 31. July 2004, 22:03

Gerade habe ich den Abschnitt aus Dostojewskijs “Brüdern Karamasoff” gelesen, der auch als “Der Großinquisitor” in die Geschichte der Weltliteratur einging. Dabei geht es in diesem Monolog, den der Genannte dem wiedererschienenen Christus im Sevilla der Inquisition gegenüber hält um die Frage, ob der Mensch überhaupt zur Freiheit berufen ist, ob er mit ihr umgehen kann, ob nicht Jesus den Menschen eigentlich einen Bärendienst erwiesen hat, in dem er eben nicht der Aufforderung des Satans folgte und Steine nicht zu Brot werden ließ.

Man stelle sich vor, im ewigen Zeitalter des Hungers: Steinen werden zu Brot. Würden Ihn dann nicht alle anbeten?

Bestimmt mehr als heute. Aber es geschähe nicht aus Freiheit. Doch wollen die Menschen überhaupt Freiheit? Sind sie nicht vielmehr damit überfordert, wollen sie möglichst schnell abgeben, in vertrauensvolle Hände, damit andere ihre Entscheidungen übernehmen?

Gerade jetzt denke ich an die Medizin, auch da gehört das Axiom vom “mündigen Patienten” zu einem politischen Irrglauben. Nicht nur nach meiner Erfahrung wollen die Menschen wichtige Entscheidungen nicht immer selbst treffen. Doch ist das gut so? Haben sie dann die Fülle des
Menschseins erkannt?

Der Großinquisitor spricht etwas sehr Wahres an: die Masse will eben nicht die absolute Freiheit, die Masse will aber Brot und Spiele. Das war damals so und ist heute nicht anders.

Welchen Preis ist die Freiheit wert?


Impressionen

Veröffentlicht am Wednesday, 28. July 2004, 22:34

Rund zehn Tage war ich in Passau, Salzburg und Prag unterwegs. Alles drei sehr schöne Städte, von klein bis Metropole. Passau und Salzburg haben auch schon ein eindeutig südliches Flair mit den kleinen Gässchen, verwinkelten Straßen und Plätzen mit Springbrunnen.
Im traumhaften Prag dagegen fragte ich mich vor allem eins:

¿Por qué hay tantos Españoles en Praga?

Wo man hinsieht, besonders rund um die Karlsbrücke, scharenweise SpanierInnen. Alle scheinen Prag als Hauptziel des Urlaubes gewählt zu haben, ansatzweise hatte ich das schon in Spanien selbst gemerkt (wenn sie im Ausland waren, dann fast sicher in Prag…), doch diesmal im heißen sonnigen Prag selbst, echt krass.
Die spanische Messe findet natürlich in der Kirche statt, die ein kleine Jesuskindlein-Figur als “Hauptattraktion” beherbergt. Diese wurde auch ursprünglich aus Spanien im 16. Jh. nach Prag gebracht und zeigt ein typisches Bild spanischer Frömmigkeit (nicht wirklich so mein Ding, aber solange es katholisch ist…):


Wieder da

Veröffentlicht am Monday, 26. July 2004, 19:10

So, bis auf weiteres werde ich jetzt erst einmal zuhause sein…

Habe eine längere Tour über Passau, Salzburg und Prag gemacht, zumeist bei herrlichem Wetter. Die katholische Welt macht ja auch mal wieder von sich reden, bestätigt einige Klischees. Vielleicht werde ich dazu und zu persönlichen Erfahrungen ab und an meinen Senf geben. Echt Düsseldorfer natürlich (auch in Remagen), also vielleicht etwas scharf.


Angemeldet

Veröffentlicht am Monday, 12. July 2004, 23:31

So, ich bin umgezogen (mehr oder weniger) und verfüge nun auch wieder über einen Netzzugang, wenn auch vorerst analog. Allerdings bin ich bald wieder ein paar Tage weg - ein unsteter Geist halt…


Ausnahme

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 23:38

Mit solchen Aussagen, liebe Frau Ferrara, macht man sich bei den meisten westl. Katholiken aber keine Freunde:

Zum ersten Mal versuche ich zu hören, was die Kirche darüber zu sagen hat, wer ich bin, anstatt von der Kirche zu erwarten, sich dem anzupassen, was ich denke, dass sie sein soll. Im Allgemeinen reiben sich moderne Menschen an direkter Autorität, weil sie erwarten, dass das Außenleben einer Institution einen Dienst am psychologischen Innenleben von Individuen leisten soll. Wenn Frauen also Priester werden wollen und behaupten, Schmerz zu verspüren, weil sie nicht Priester sind, wird ganz automatisch gefolgert, dass sie Priester werden sollten.


Gelernt?

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 15:26

Geschichte soll man kennen, damit man die gleichen Fehler nicht mehrmals macht. Angesichts der Diskussionen um Euthanasie und andere bioethische Fragestellungen ist es immer sinnvoll, sich die Akten der Nürnberger Ärzteprozesse mal anzusehen, daher habe ich sie unter “Medizinisches” neu verlinkt.

Bei den angeklagten Ärzten handelte es sich nämlich mitnichten um Sadisten oder offenkundige Bestien, sondern um Menschen, die aus tiefer Überzeugung und ausschließlich rationaler Begründung ihre Taten begingen, sie bis zum Schluss als vollkommen richtig erachteten.
Wohin die Ratio allein so führen kann.

Oder wie es Franz Grillparzer mal viel treffender ausdrückte:

Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität.


Abmeldung angemeldet

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 13:10

Ich weiß nicht mehr genau, ob morgen oder erst in drei Tagen, aber bald werde ich für einige Tage festnetzlos und daher auch internetlos sein. Das ganz liegt an meinem bevorstehenden Umzug, der mich hierhin führen wird.