Nicht ganz erklärlich

Seit zwei Tagen bin ich nun ein mehr oder weniger vollwertiges Mitglied im OFS, dem Ordo Franciscanus Saecularis. Wenn ich auch mein sogenanntes “Versprechen” (gleichzusetzen mit der Ordensprofess, Versprechen ist eben das dt. Wort) erst einmal auf Zeit abgelegt habe, so ist es schon für mich etwas anderes als vorher, wo ich gleichsam wie im Noviziat war.

Es war und ist für mich immer sehr schwierig zu erklären, warum ich so etwas tue. An meinem Lebensstand ändert sich nichts. Die Ordensregel kann man auch ohne Gemeinschaft leben, muss man sogar die meiste Zeit können (weil es eben keine Lebensgemeinschaft ist) oder eben, und das ist zumindest in meinem Fall das wahrscheinlichere, es immer wieder versuchen.

Verglichen mit einem “normalen” Orden, also mit dem was man so kennt mit Kutte & Co., mag die Regel und mögen die Konstitutionen nicht so anspruchsvoll sein - doch für einen berufstätigen Familienvater sind sie das durchaus (Konstitutionen sind veränderbare Konkretisierungen einer Regel, welche selbst je nach Verkündigung durch den Papst mehr oder weniger unveränderlich ist).

Aber warum in einer Gemeinschaft, dazu noch in diesem, wie ich es mal las, “bestgehütetsten Geheimnis der Katholischen Kirche” (denn ist kirchenrechtlich ein richtiger Orden, somit der größte der Welt und doch enorm unbekannt)?

Ein Kernelement, für mich das Element schlechthin (aber da haben viele andere Schwerpunkte) franziskanischer Denkweise ist die Geschwisterlichkeit mit allen Geschöpfen. Und genau deswegen gehörten schon für Franziskus selbst Glaubensgeschwister als Geschenk Gottes dazu. Er suchte sie nicht, sie kamen zu ihm. Franziskus hat es aber seit seiner Bekehrung verstanden, daß seine eigene Gottsuche sein Ziel im Angesicht des anderen findet - er fand Christus in einem Leprakranken, den er daraufhin umarmte. Nicht tief versunken im Gebet, so enorm wichtig das ist, um empfänglich zu sein für Gottes Anruf und Gegenwart - nicht in der Liturgie, so wichtig sie in ihrer Schönheit für die Verherrlichung Gottes für Franziskus immer war, besonders die wahre, unumstößlich reale Gegenwart Jesu in der Gestalt von Brot und Wein - nicht in der Theologie, die für Franziskus nur ein Mittel zum Zweck war und eindeutig hinter dem Gebet die zweite Stelle einnahm - nein, im anderen.

Und das geht eben nicht allein.

Dann habe ich noch eines festgestellt, für das ich zutiefst dankbar bin: es finden sich in meiner lokalen Gemeinschaft des OFS viele, die einiges anders sehen als ich, wenn es um kirchliche Reizthemen geht. Und während das Internet dazu verführt, sich nur um Gleichgesinnte zu scharen, ist so ein reale lokale Gemeinschaft eine besondere Schule des Christseins.

Und es ist auch eine Schule des Lernens, denn manche sind viele Jahrzehnte schon im OFS und haben mit Höhen und Tiefen durchgehalten, bei aller persönlichen Schwäche und Stärke. Das ist besonders in seiner ersten Unscheinbarkeit sehr beeindruckend.





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