Archiv für December, 2014



Frohe Weihnachten!

Veröffentlicht am Wednesday, 24. December 2014, 20:28

Die Tasche mit den wichtigsten Utensilien ist gepackt, jeden Tag kann es soweit sein. Ausgezählt für morgen, aber man weiß ja nie.

Nervosität.

Und freudige Unruhe.

Das Zimmer ist auch schon eingerichtet, Sachen gekauft, die Familie freut sich mit und alle sind gespannt.

Gut, üben kann man vieles davor, doch wie wird es dann wirklich sein?

Sicher mit weniger Schlaf.

Sicher mit weniger Freizeit, weniger Party, vielleicht auch weniger Zeit für die Freunde.

Und werden es die Freunde verstehen, wenn man ab dann die Welt anders wahrnimmt, alles anders wird, die einen Sachen unwichtiger und andere Sachen wichtiger werden?

Doch - wie man es von anderen so hört - möchte man es danach nie mehr anders. Ob das auch stimmt?

Es soll eine Liebe sein, die man noch nie verspürt hat.

Erst dann soll man wirklich wissen, was bedingungslose Liebe heißt.

Ist das nicht alles übertrieben?

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich kenne das Davor und das Danach. Ich weiß wie es ist, wenn manche Nahestenden es nicht verstehen, daß man die Welt plötzlich anders wahrnimmt. Wenn alles anders wird. Wenn man eine Ahnung davon bekommt, was zu 100% bedingungslose und unverdiente Liebe sein kann. Doch auch ich möchte es nie mehr anders.
Und ich wünsche mir sehr, wie Franziskus von Assisi es mal vorschlug, daß wir Maria gleich Jesus jeden Tag neu gebären und Er durch uns in die Welt kommt, durch unsere Gedanken, Worte und Werke.
Möge er uns immer in freudiger Unruhe vorfinden und gut vorbereitet, wenn Er kommt.

Frohe Weihnachten!


Nicht gelogen, aber getäuscht.

Veröffentlicht am Sunday, 14. December 2014, 00:18

Nach langer Zeit kommt mal wieder was Medizinisches.

Und gleichzeitig ist es auch ein Lehrstück über die Macht, mit Statistiken die Wahrheit zu verschleiern, die eigene Ohnmacht zu kaschieren und das Enttäuschen von medizinischen Laien verhindern zu wollen, damit man selbst weiterhin als potent dasteht.

Vorgestern abend war ich auf einer sehr interessanten Fortbildungsrunde und Diskussion der Ärztekammer Nordrhein im Ärztehaus hier in Düsseldorf über den Sinn und Unsinn von Krebsscreeningmaßnahmen, also dem Mammographie-Screening, dem Darmkrebsscreening, dem Hautkrebsscreening und dem Prostatakrebsscreening als bekannteste Themenfelder.

Diese Screeningmaßnahmen - und das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen - haben dis heute keinen eindeutigen Beleg liefern können, daß durch das Screening überhaupt deutlich weniger Menschen an den Erkrankungen sterben, auf die man untersucht! Dies gilt insbesondere für die ersten drei, die alle von den Krankenkassen aufgrund der politischen Verpflichtung durch medizinische Laien (Politiker) großzügig bezahlt werden und für die Ärzte ein gutes zusätzliches Einkommen darstellen.

Desweiteren ist klar geworden, daß viel zu wenig auf die Schadensbelanz von Screeningfolgen eingegangen wird (der Referent über das Prostatascreening, urologischer Chefarzt an einer Uniklinik, erwähnte die Gefahr der Impotenz und Inkontinenz durch die OP mit keinem Wort, geschweige denn Zahlen dazu - die man natürlich trotzdem finden kann…)

Als Grundvoraussetzung muss man wissen, daß nicht nur nicht jeder Krebs tödlich ist, sondern daß es auch eine Vielzahl an Krebsen gibt, die überhaupt auch an dem Ort und der Stelle wo sie auftreten, nicht mehr weiter wachsen und keine Probleme verursachen. Leider ist dies im Einzelfall nicht immer gut zu prognostizieren - und das ist das statistische Hauptproblem und der Haupttrumpf des Screenings - aber summasummarum werden viele Menschen behandelt, die gar keine Behandlung benötigt hätten - und somit werden aus Gesunden Patienten. Dazu gibt es natürlich auch die falsch-positiven Befunde (man findet was, wo nichts ist) und die falsch-negativen (man übersieht was), was bei jedem(!) Test welcher Art auch immer vorkommt, menschlich oder automatisch, ist egal, gibt es immer in einem nicht unwichtigen Prozentsatz. Das ist eh doof, aber besonders schlimm ist das Krankmachen von Menschen, die wirkliche Befunde haben, die sie selber aber nie im Lebensverlauf einschränken würden. Diese werden durch das Screening zu behandlungsbedürftigen Patienten gemacht.

Diese Erkenntnis führte während der zum Teil hitzigen Diskussion zu Ausrufen wie “dann können wir ja gleich gar nichts tun” - was den unbändigen Wunsch nach ärztlichem Handeln dokumentiert. Warum ist es für Ärzte einzugestehen: wir wissen es nicht, Tests bringen nach derzeitigem Stand der Dinge nichts? Der Grund ist ganz einfach: nicht die Beratung wird finanziell honoriert, sondern die Untersuchung …

(Ein anderes gutes Beispiel ist der Hörsturz: mittlerweile geben selbst die HNO-Ärzte in ihrer Leitlinie zu, daß es keine(!) Therapie gibt, die eine Wirksamkeit verglichen mit einer Scheintherapie (Placebo) gezeigt hat - dennoch meinen sie, etwas tun ist besser als nichts tun - bloß eben mit gleichem Effekt …)

Auch für Laien ist es traurig zu hören, daß der Arzt auf die Frage: bin ich gesund? höchstens rein spekulativ antworten kann (wenn er es überhaupt bestimmen kann)…

Ich bleibe mal bei einem Beispiel der verschiedenen Screenings: dem Hautkrebsscreening. Erstaunlicherweise hat der Referent - ich war echt enttäuscht, von einem Epidemiologen hätte ich anderes erwartet - mit keinem Wort erwähnt, wieviele Menschen durch das Screening weniger an Hautkrebs sterben. Er fand das Screening nämlich gut.
Nur: seit der Einführung 2008, wieviele sind denn weniger daran gestorben?

Na?

Genau: keiner!

Im Gegenteil, die Rate derer, die daran sterben, ist gestiegen (dazu weiter unten Zahlen und Quellen)!

Ich beschränke mich mal auf den Hautkrebs, der am gefährlichsten, weil tödlich ist, dem sogenannten Melanom.

2007 wurde er (Quelle: http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Melanom/melanom_node.html, dort aufs Datenblatt klicken) bei rund 7600 Menschen das erste Mal diagnostiziert, im gleichen Jahr starben daran (das sind auch sicher andere als diese 7600, weil die Überlebensrate glücklicherweise meistens länger als ein Jahr nach Diagnosestellung ist) rund 1360, das entspricht einer Anzahl an Neudiagnosen auf 100.000 Einwohner umgerechnet (die sogenannte Inzidenz) von 18,9 (also jährlich 19 Fälle pro 100.000 Einwohner) und einer Sterberate (die spezifische Mortalität) von 3,4 (also “3 einhalb” Tote durch ein Melanom pro 100.000 Einwohner).

Als Vergleich: im gleichen Jahr lag die Mortalität an einem Herzinfarkt hierzulande bei rund 70, also das 20fache …

Warum nehme ich 2007? un, 2008 wurde das Screening eingeführt, die Zahl der Erstdiagnosen sprang stark an (klar, man findet auch vermehrt Frühstadien und solche, die sich nie verschlimmert hätten oder vielleicht wieder verschwunden wären, gibt’s eben auch), und zwar stieg die Inzidenz von 18,9 auf 22,9 im jahr 2008, das sind in Menschen ziemlich genau 1600 Personen mehr pro Jahr, Tendenz steigend.

Haben diese 1600 Personen was davon? Sinkt Ihr Sterberisiko, an einem Melanom zu versterben, schließlich findet man ja vermehrt Frühstadien? Wie erwähnt, leider nein.

Bis zum Jahr 2010, neuere Zahlen habe ich nicht gefunden, ist die Mortalität gestiegen, von 3,4 auf 3,9 (von total 1360 auf 1568). Der bisherige Effekt des Screenings ist also Null. Halt!, werden manche einwenden, nicht Null.

Nein, nicht ganz. Aufgrund der höheren Rate an erkannten Frühstadien steigt natürlich die immer angegebene sogenannte 5-Jahres-Überlebensrate (also die Rate derer, die 5 Jahre nach der Erstdiagnose noch leben). Aber wenn die nicht steigen würde durch ein Screening, wäre es überhaupt kein Screening. Das bedeutet aber erst einmal nichts weiter - vielleicht sterben die nur später bzw. das Screening hat ihnen das Wissen um ihren Tod früher “geschenkt”. Und dann sind noch all die mit dabei als Statistikverschönerung, die eh nie daran gestorben wären, weil das Melanom immer unbedeutend geblieben wäre - allein diese “Patienten”gruppe, die durch ein Screening erst das Boot der “Gesunden” verlassen haben und ins ärztlich gesteuerte Bott der “Patienten” gehievt wurden, hätten die Sterberate (also die Mortalität) senken müssen. Doch nicht einmal das ist bislang der Fall.

Eigentlich ist das alles enttäuschend. Und auch für mich als Arzt echt frustrierend. Aber wenn’s so ist, dann muß man das so hinnehmen, bis man anderes belegen kann. Das ist der Sinn von belegbarer Medizin, der Evidenz basierten Medizin.

Ent-Täuschung kann oft hilfreich sein. Sich Täuschungen hinzugeben war noch nie wirklich gesund.

Dazu noch eine wichtige Sache: wie konnten die Befürworter des Screenings generell denn ihre Position positiv darstellen? Ganz einfach, über die Angabe des Relativen Risikos und die Senkung desselben durch eine Maßnahme (nicht eindeutig belegt eben, aber schlecht belegt ist besser als gut widerlegt für solche Referenten …).

Was ist das Relative Risiko? Also: wenn 5 Leute an einem Krebs sterben und wegen des Screenings nur noch 4, dann ist das eine Risikosenkung, man nennt das Risikoreduktion, von 20%. 5 wären 100%, 4 sind davon nur noch 80%, also 20% weniger.

Und warum “relativ”?

Nun, wenn das normale Auftreten dieses Krebstodes nur 5 von 100.000.000 Menschen betrifft, und nach einem Screening dieser 100.000.000 Menschen nur noch 4, dann ist das auch einen Relative Risikoreduktion (RRR) von 20%. In absoluten Zahlen aber (also bezogen auf die ganzen 100 Millionen, die gescreent werden mußten) ist es eine Reduktion von 0,000001% (oder eine 0 weniger, weiß ich nicht genau :-) ). Diese absoluten Zahlen wurden aber nie genannt - warum wohl?

Selbst bei hypothetischen 50% RRR für den Hautkrebs würde das im Jahr 2010 eine absolute Risikoreduktion von 0,000009% bedeuten. 2010 lag das durchschnittliche Risiko eines Hautkrebstodes für jeden der 81,757 Mill. Menschen in Deutschland bei 0,000019% (das sind 1568 von allen in Deutschland). 50% weniger, also die Hälfte, wäre ganze 0,0000095%.

Ob da ein Screening lohnt?


Ausblick

Veröffentlicht am Tuesday, 02. December 2014, 22:52

Familienbedingt komme ich nur dazu, abends in Ruhe zu beten und bete dann die Vesper, auch manchmal zu Zeiten, an denen eigentlich die Komplet angesagt wäre (aber u.a. das Magnificat ist mir wichtig). Besonders nach stressigen Tagen fiel und fällt es mir dabei schwer, zu einer inneren Sammlung zu kommen. Ich habe schon mehrere Vespern hinter mir, die eher runtergebetet wurden …

Da kam es mir vor einigen Tagen in den Sinn, eine mir lieb gewonnene Christusikone (diesem Bild ähnlich) wieder herauszusuchen und vor diesem Angesicht zu beten. Diese Ikone war mir schon zu Zeiten als Alleinstehender sehr wichtig und mein allabendlicher Sammlungspunkt.

Und was soll ich sagen: der Raum füllt sich mit einer besonderen Gegenwart, die ich aber vielleicht auch nur spüre, weil es diese Ikone ist und keine andere, die so auf mich wirkt. Doch auch dann ist es gut, ist diese Gegenwart für mich real.

Ich habe einmal mehr verstanden, daß Ikonen einen Ausblick in die Ewigkeit anbieten können.