Archiv für October, 2026



Unverdient

Veröffentlicht am Saturday, 31. October 2026, 10:57

Kardinal Fernández sprach neulich davon, daß er nicht überrascht war, daß ein Dokument zur Weitergabe des Glaubens auf so wenig Resonanz stieß.
Während seiner Ansicht nach es den “Progressiven” am ehesten darauf ankäme, von der säkularen Umwelt gemocht zu werden, betonten die “Konservativen” vor allem moralische Fragen, und die Einhaltung der Normen.

Ich denke dazu: in jedem von uns steckt Pelagius.

Pelagius war ein asketischer Mönch des 4. und 5. Jh. und der Meinung, daß der Mensch aus eigener Kraft das Gute wählen, die Sünde vermeiden können und letztlich das Heil erlangen könne. Und zwar, und hier ist der Knackpunkt, ohne göttliche Gnade. Das brachte den Hl. Augustinus als seinen Gegenspieler schließlich zur Entwicklung der Lehre von der Gnade Gottes.

Nur: hat Pelagius nicht doch ein wenig Recht? Ehrlicherweise fühlt es sich ja so an: ich entscheide, ich tue oder unterlasse. Gnade spürt man meistens nicht so direkt. Wer erbittet schon täglich Gnade bei jeglichen(!) Entscheidungen? Und wenn wir glauben, daß die Gnade ins uns gewirkt hat - was macht das mit unserem Selbstvertrauen, weil wir dann ja selbst nichts Gutes mehr getan, sondern “lediglich” der Gnade gefolgt und ihr Raum gelassen haben?

Postmodern gesehen ist das nicht gerade förderlich für die Entwicklung der eigenen selbstbewußten Persönlichkeit…das Gute kommt von Gott (also durch seine Gnade) und das Schlechte bleibt bei mir…

Deswegen: dagegen rebelliert der Pelagius in uns. Wir wollen das nicht.

Gebetsroutinen, Bußübungen, Einhaltungen der Moral - tun wir das wirklich alles aus selbstloser Liebe (Agape) oder nicht doch ein wenig, weil wir glauben, wir zahlen damit auf das Haben-Konto ein, um unser Seelenheil nicht nur nicht zu gefährden, sondern es vielleicht auch zu “gewinnen”? Es frage sich jeder selbst…

Franziskus, die Gnadenlehre verinnerlicht, hatte einen anderen, schönen Ansatz dafür. Für ihn war nämlich genau deswegen der Neid eine schwere Blasphemie. Wenn Gott in anderen das Gute wirke oder ihnen Gutes zukommen ließe - von oder besser in wem sollte auch sonst das Gute seinen Ursprung haben - dann ist der Neid eine Beleidigung dieses Gottes, der frei Seine Geschenke verteilt.

Dabei ist alles unverdient.

Besser hat das dieser prot. Pastor ausgedrückt. Beim ersten Mal sehen trieb es mir Tränen in die Augen:


Sich klein machen

Veröffentlicht am Sunday, 11. October 2026, 20:16

Dies Domini.

Erwachsene sind manchmal zu faul oder holen ein Objektiv mit Zoom, wenn sie etwas Kleines auf dem Boden genauer inspizieren wollen, doch was tun Kinder? Sie gehen in die Hocke. Sie machen sich klein. Denn das Kleine kann man aus der Nähe am besten beobachten. Um das Kleine zu sehen, muß man sich klein machen.

Vor 800 Jahren - und einer Woche - starb der Hl. Franz von Assisi. Viel wurde über ihn geschrieben in den letzten Tagen, in der weltlichen Presse wie natürlich in religiösen Zirkeln. Und auch wenn die weltliche Presse ihn wahlweise als Öko, als Friedensbewegten, radikalen Büßer, religiös Verrückten (der sich angeblich selbst Wunden zufügte) oder was auch immer darstellte und nicht als das, was er vor allem war: als ein Gottsucher, dann ist es doch immer noch besser, sie schreibt über ihn in ihrem Horizont als daß ihn nur Kircheninsider kennen.

Franziskus suchte Gott. Mit aller Inbrunst. Und er fand Ihn im Kleinen. Andere finden Ihn woanders und auf andere Art und Weise, er fand ihn im Kleinen. Einerseits im Anderen, der jeweils klein und unbedeutend war, aber auch in sich, wenn er tage- und nächtelang Sein Geheimnis betend betrachtete. Und er wollte Gott nicht verlieren (was jeder versteht, der dieses Gefühl, diese absolute Überzeugung mal hatte).
So blieb ihm gar nichts anderes übrig als sich klein zu machen. Sich mit den Kleinen abzugeben, zu leben wie sie, sich sogar noch kleiner zu machen. Es ging ihm nicht vor allem darum das Leben der anderen Kleinen besser zu machen. Er sah Gott in ihnen und diente ihnen um Gott zu dienen - das etwaige bessere Leben war die Nebenerscheinung dieses Dienstes. Es bleib ihm auch gar nichts anderes übrig als die Armut zu umarmen. Denn der Schöpfergott des Universums macht sich in Jesus so klein und hilflos wie kein Mensch sich überhaupt je klein machen kann.
Und in dieser Kleinheit ließ Er sich finden.

Von Franziskus. Von der viel zu unterschätzten Klara. Und von vielen Tausenden seither und immer wieder aufs neue.

Heiliger Franziskus, bitte für uns!