Kardinal Fernández sprach neulich davon, daß er nicht überrascht war, daß ein Dokument zur Weitergabe des Glaubens auf so wenig Resonanz stieß.
Während seiner Ansicht nach es den “Progressiven” am ehesten darauf ankäme, von der säkularen Umwelt gemocht zu werden, betonten die “Konservativen” vor allem moralische Fragen, und die Einhaltung der Normen.
Ich denke dazu: in jedem von uns steckt Pelagius.
Pelagius war ein asketischer Mönch des 4. und 5. Jh. und der Meinung, daß der Mensch aus eigener Kraft das Gute wählen, die Sünde vermeiden können und letztlich das Heil erlangen könne. Und zwar, und hier ist der Knackpunkt, ohne göttliche Gnade. Das brachte den Hl. Augustinus als seinen Gegenspieler schließlich zur Entwicklung der Lehre von der Gnade Gottes.
Nur: hat Pelagius nicht doch ein wenig Recht? Ehrlicherweise fühlt es sich ja so an: ich entscheide, ich tue oder unterlasse. Gnade spürt man meistens nicht so direkt. Wer erbittet schon täglich Gnade bei jeglichen(!) Entscheidungen? Und wenn wir glauben, daß die Gnade ins uns gewirkt hat - was macht das mit unserem Selbstvertrauen, weil wir dann ja selbst nichts Gutes mehr getan, sondern “lediglich” der Gnade gefolgt und ihr Raum gelassen haben?
Postmodern gesehen ist das nicht gerade förderlich für die Entwicklung der eigenen selbstbewußten Persönlichkeit…das Gute kommt von Gott (also durch seine Gnade) und das Schlechte bleibt bei mir…
Deswegen: dagegen rebelliert der Pelagius in uns. Wir wollen das nicht.
Gebetsroutinen, Bußübungen, Einhaltungen der Moral - tun wir das wirklich alles aus selbstloser Liebe (Agape) oder nicht doch ein wenig, weil wir glauben, wir zahlen damit auf das Haben-Konto ein, um unser Seelenheil nicht nur nicht zu gefährden, sondern es vielleicht auch zu “gewinnen”? Es frage sich jeder selbst…
Franziskus, die Gnadenlehre verinnerlicht, hatte einen anderen, schönen Ansatz dafür. Für ihn war nämlich genau deswegen der Neid eine schwere Blasphemie. Wenn Gott in anderen das Gute wirke oder ihnen Gutes zukommen ließe - von oder besser in wem sollte auch sonst das Gute seinen Ursprung haben - dann ist der Neid eine Beleidigung dieses Gottes, der frei Seine Geschenke verteilt.
Dabei ist alles unverdient.
Besser hat das dieser prot. Pastor ausgedrückt. Beim ersten Mal sehen trieb es mir Tränen in die Augen: