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Archiv für February, 2013



Ab heute abend leer

Veröffentlicht am Thursday, 28. February 2013, 09:26

Im Hochgebet entfällt das Bekennen der Einheit mit dem Papst.

Die Kirche hält ein wenig den Atem an.

Wachen und beten …


Noch ein paar Gedanken zum Rücktritt von Benedikt XVI.

Veröffentlicht am Thursday, 14. February 2013, 00:09

Es soll die Reaktion zahlreicher Gläubiger gewesen sein, daß sie jetzt das Gefühl haben, ihr Vater werde sie verlassen, wie bei einer Scheidung. Dieses Gefühl teile ich nicht, aus Gründen, die ich noch darlegen werde, aber ich kann sie in ihrer historischen Entwicklung verstehen. Selbst Kardinal Meisner ließ ein ähnliches Gefühl zumindest anklingen.

Andere sagen, Papst Benedikt tue jetzt doch das, was er fürchtete und wofür er zu Beginn seiner Amtszeit um Gebet bat, daß er eben nicht “furchtsam vor den Wölfen fliehe”. Das halte ich für eine Unterstellung - er hat selbst erlebt, wie sein Vorgänger im Amt, der Sel. Papst Johannes Paul II. aus allein körperlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, die Zügel selbst noch in den Händen zu halten und wie deswegen selbst er selbst und andere Kurienkardinäle faktisch die Amtsgeschäfte übernahmen. Ob deswegen gleich die römische Kurie mit den Wölfen gemeint ist, wage ich hier nicht zu beurteilen, aber offensichtlich wäre eine Flucht vor den Wölfen ein Einknicken in wölfische Forderungen gewesen - und das hat er nie getan.

Schließlich habe ich noch gelesen, daß er durch seinen baldigen Rücktritt das Amt in seiner Bedeutung relativiert habe - auch das sehe ich nicht so. Er hat es entmythifiziert, entzaubert, wie auch schon der Berliner Erzbischof und meiner früherer Weihbischof Kardinal Woelki gesagt hat. Dazu hatte ich ja schon etwas geschrieben.

Die Gefahr, daß das Amt ggf. bei mehreren Rücktritten (aber auch erst dann!) zu sehr funktional und somit weltlich gesehen wird, sehe ich zwar auch, aber gleichzeitig begrüße ich die Abwendung einer zu großen Fixierung auf den “Heiligen Vater” (wobei ich diese Bezeichnung an sich problemlos finde).

In den Ostkirchen gibt es keinen Rücktritt von Bischöfen welcher Art auch immer ab einer bestimmten Altersgrenze, und das hat auch sein Gutes, wie schon Kardinal Meisner in dem oben verlinkten Interview dargelegt hat. Da es aber seit Papst Paul VI. bei uns die reguläre Altersgrenze von 75 Jahren bei Ortsbischöfen und die Grenze von 80 Jahren bei Konklaven zu Papstwahlen gibt (also aktives Wahlrecht, d.h. selbst wählen dürfen - gewählt werden darf theoretisch ja jeder männlicher Katholik), ist es schon seltsam, daß gleiches bischöfliches Recht für die Amtszeit bei dem Bischof von Rom anders sein soll. Doch nicht nur der Name “Heiliger Vater” deutet eben die Sonderstellung an, er ist eben mehr als der Erste unter gleichen.

Für mich hat die Bedeutung des Rücktrittes einige Seiten, die ich noch nirgendwo belichtet gesehen habe, vielleicht auch, weil sie andere so gar nicht teilen.

Erst einmal, ganz kurz, wurde mehrfach berichtet, der Text zu geplanten Enzyklika über den Glauben (nach denen über die Liebe Deus Caritas est und die Hoffnung Spe salvi) sei noch in der Endredaktion und noch nicht fertig und werde daher nicht mehr als Enzyklika veröffentlicht. Für mich ist dieser Akt der Rücknahme seiner selbst zum Wohl der Kirche ein riesen Beispiel des Glaubens, da brauche ich keine Texte mehr!

Dann zur Figur des “Heiligen Vaters” und damit einhergehend zur Benennung als Vicarius Christi, als Stellvertreter Christi. Der erste Vater des Christenmenschen (neben dem Einen Unseren natürlich, ich meine jetzt auf Erden) ist der eigene Ortsbischof, ob es und paßt oder nicht (mir gefällt’s, aber andere sehen das problematischer, hier oder anderswo). Der Ortsbischof ist auch für sein Bistum der, und zwar ganz offiziell und lange gelehrt, Stellvertreter Christi - und zwar nicht als Papstvertreter, sondern als Apostelnachfolger mit eigener Würde (siehe u.a. Katechismus der Katholischen Kirche, Art. 1560).
Vielleicht hat Papst Benedikt XVI. mit diesem Rücktritt dem Amt des Ortsbischofs einen großen Auftrieb gegeben, dem - nach meinen unerheblichen Wünschen - noch viele weitere auch durchaus rechtlicher Art folgen dürfen. Und die Aufwertung des Amtes des Ortsbischofs ist nichts anderes als eine Grundvoraussetzung für eine reale praktisch-theologische Annäherung mit den Kirchen der Orthodoxie.

Ich bin ziemlich zuversichtlich, daß Benedikt dies mitbedacht hat.

Das alles, so sinnvoll und stimmig es auch sein mag, soll aber nicht über die tiefe Traurigkeit hinwegtäuschen, die auch ich immer noch empfinde - denn er war (und ist bis zum 28.02.2013!) ein verdammt super Papst.


Es paßt zu ihm

Veröffentlicht am Monday, 11. February 2013, 20:08

Ich konnte es, heute mit einer Grippe fast ständig zuhause im Bett, erst nicht glauben, als ich von der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts durch meinen besten Freund hörte - wahrscheinlich war ich auch noch zu benebelt vom Fieber. Ich wollte es aber auch nicht glauben.

Doch als auch mir dann klar wurde, daß das keine Ente ist, dachte ich: es paßt zu ihm.

Josef Ratzinger hat nie viel Aufhebens um seine Person gemacht. Was manche Leute anfangs für ein “überhebliches Understatement” hielten, nämlich seine erste päpstliche Selbstbeschreibung als “einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn” zeigt sich eben jetzt in Konsequenz. Hinter der Rücktrittsankündigung steckt bei ihm aber jetzt womöglich - reine Spekulation meinerseits - eine ernsthaftere Erkrankung, so daß ich ihm alles nur erdenklich Gute wünsche. Sein Wunsch, seinen Lebensabend in Gebet und Meditation zu verbringen, nach einem Leben für die Harmonie von Theologie und Vernunft, kommt auch nicht überraschend.

Das Wohl und Wehe der Kirche liegt trotz allen enormen Einflusses nicht am Papst, es ist nicht seine Kirche. Und schon vor Jahrzehnten schrieb der damalige Professor Ratzinger als Hauptgrund für sein Verbleiben in der Kirche, daß es eben Seine Kirche sei, die Kirche Jesu Christi. Alles andere ist weniger wichtig.

Ich habe kein Recht darauf, weil ich nichts dazu getan habe, aber ich bin dennoch auf diesen Papst stolz. Sogar durch seinen Rücktritt zeigt er einmal mehr, daß es nur um den Einen gehen kann, um den Zimmermannssohn aus Nazareth, nicht um die kirchliche Selbstdarstellung.

Möge Gott uns wieder einen Papst schenken, der weiß, daß es die Hauptaufgabe seines Amtes ist, auf Jesus und Seine Kirche zu verweisen.


Die Pillen danach oder ein Stimme mehr im Konzert, nämlich meine

Veröffentlicht am Friday, 08. February 2013, 10:35

Nachdem schon fast alles zu dem Kölner Fall des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers gesagt wurde, nur noch nicht von jedem, sehe ich mich mittlerweile gezwungen, auch mal was dazu zu schreiben.

Als Arzt (wenn auch kein Frauenarzt) kenne ich vielleicht ein paar Informationsquellen, die selbst dem Erzbischof von Köln - meinem Ortsbischof - nicht zugänglich gemacht werden und die daher zu seiner Stellungnahme führen, die mich doch etwas irritiert hat, da diese Stellungnahme, kurz gesagt, wissenschaftlich nicht haltbar ist (zugegebenermaßen bleibt der Kardinal klugerweise sehr vage). Es gibt keine Pille danach, die sicher die Einnistung nicht verhindert! Das werfe ich ihm nicht vor, aber vielleicht kann ihm das jemand mitteilen, der zufällig über diesen Beitrag stolpert. Dazu gleich mehr.

Erstaunlich fand ich den Wortlaut einer gemeinsamen Erklärung des Bundesverbandes der Frauenärzte (bvf) und der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF). Dort ist folgendes zu lesen:

Liebe KollegInnen, leider wird in diesen Tagen viel Unsinn über die Pillen danach, EllaOne und Pidana, verbreitet. Einzig richtig ist, dass beide Pillen den Eisprung verschieben und somit die Spermien keine Gelegenheit finden, eine Eizelle zu befruchten.

Das klingt vielleicht überzeugend, weil es von Fachgesellschaften stimmt, wird dadurch aber nicht korrekt. Medizinische Erkenntnis beruht auf Belegen (Evidenz) und nicht auf Autoritäten (Eminenz). Für eine wissenschaftliche Stellungnahme ist der Sprachduktus zudem sehr ungewöhnlich (mal neutral formuliert).

Unsinn wurde vielleicht verbreitet, aber es ist eben nicht einzig richtig, daß die beiden genannten Mittel (Wirkstoffe Ulipristalacetat bei EllaOne und Levonorgestrel bei Pidana) den Eisprung verhindern. Sicher tun sie das, weil beide Mittel, EllaOne noch viel mehr als Pidana, das für Eisprung und Schwangerschaft wichtige Hormon Progesteron ver- bzw. behindern.

Soweit so nicht abtreibend. Aber warum bin ich der Meinung - und zwar nicht allein - daß dennoch beide Mittel, auch das favorisierte EllaOne, abtreibende Funktion haben, weil sie die Einnistung in die Gebärmutter des sich entwickelnden Menschen verhindern?

In der Fachinformation (auch als Beipackzettel bekannt) von EllaOne als dem Ulipristalactet, findet sich der Hinweis, daß das Präparat auch noch 5 Tage(!) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr (GV) wirkt. Sollte der Eisprung am Tag oder kurz nach dem GV stattgefunden haben, so kann das Präparat, obwohl es trotzdem wirkt(!), diesen natürlich nicht rückwirkend verhindern. Gleichzeitig dauert es keine fünf Tage bis zur Befruchtung, da die Eizelle nur weniger als einen Tag nach Eisprung überhaupt “befruchtungsfähig” ist (seltsames Wort, aber macht die Sache klar). Deswegen muß es eine andere Wirkweise haben - nämlich die Verhinderung der Einnistung, auch Nidationshemmung genannt.

Die Schleimhaut der Gebärmutter nennt man übrigens Endometrium, dort würde sich das Ei einnisten und diese Schleimhaut wird normalerweise regelmäßig abgestoßen - mit folgender Blutung, wenn auf den monatlichen Eisprung keine Befruchtung folgt, für Frauen ein bekanntes Phänomen.

Und nun gibt es noch eine Organisation, die im Gegensatz zu den oben genannten keine finanziellen Interessen an der Fortpflanzung oder ärztlichen Konsultation hat, die übergeordnete “Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft”. In deren Infoschreiben zu EllaOne findet sich folgender Passus:

Ulipristalacetat ist ein oral wirkender synthetischer Progesteron-Rezeptor-Modulator mit Bindung am menschlichen Progesteron-Rezeptor. Als Wirkungsmechanismus werden die Hemmung oder Verzögerung der Ovulation sowie eine Beeinflussung des Endometriums dargestellt. Eine Aussage zur Sicherheit, sollte das Mittel während einer bestehenden Frühschwangerschaft eingenommen werden, kann nicht getroffen werden. Eine Schwangerschaft muss daher vor Einnahme ausgeschlossen werden.

Da haben wir es, eine “Beeinflussung des Endometriums”, also die Verhinderung der Einnistung, was nichts anderes ist als eine Frühabtreibung (wie auch Kardinal Meisner feststellt).

Deswegen werde ich auch weiterhin kein Rezept für die Pille danach, welche auch immer, ausstellen.

Nebenbei sei noch erklärt, warum ein Schwangerschaftstest (SS-Test) gemacht werden muß vor der Einnahme: niemand kann garantieren, daß es nicht zu Fehlbildungen des Kindes kommt, wenn die SS schon besteht. Viel wahrscheinlicher ist ein Frühabort (also auch Abtreibung), da ein starker Abfall des Progesteron eben häufig dazu führt - wie jede weiß, die schon mal eine ungewollte Fehlgeburt miterleben mußte. Der SS-Test mißt ja das ß-HCG, was wiederum nach Einnistung in der Gebärmutter produziert wird, also diese voraussetzt. Daher bedeutet ein neg. ß-HCG auch eigentlich nicht “nicht schwanger”, sondern “nichts eingenistet”.

Noch ein sehr wichtiger Nachtrag: in diesem Interview mit dem Domradio spricht Dr. Albring, Vorsitzender des oben genannten bvf, von neuen Studien der letzten zwei Jahre, die sicher gezeigt hätten, daß keine Nidationshemmung stattfindet. Da ich immer skeptisch bin, wenn von “neuen Studien” die Rede ist, ohne daß diese benannt werden - nun ist vielleicht so ein Interview auch nicht der Zeitpunkt dafür - habe ich gerade selber mal geschaut.

Ich weiß nicht, ob Dr. Albring was aktuelleres als November 2012 vorzuweisen hat, aber vor 4 Monaten erschien in dem “Cleveland Clinic Journal of Medicine” der Artikel “Emergency contraception: Separating fact from fiction“, also wie gemacht für diese Debatte.

Dort heißt es zu Ulipristalacetet (bei uns EllaOne), Erklärungen in [ ] dazu von mir:

Ulipristal is structurally similar to mifepristone [die Abtreibungspille RU 486 oder Mifegyne], and its mechanism of action varies depending on the time of administration during the menstrual cycle. When unprotected intercourse occurs during a time when fertility is not possible, ulipristal behaves like a placebo. When intercourse occurs just before ovulation, ulipristal acts by delaying ovulation and thereby preventing fertilization (similar to levonorgestrel [Pidana]). Ulipristal may have an additional action of affecting the ability of the embryo to either attach to the endometrium or maintain its attachment, by a variety of mechanisms of action. Because of this, some in the popular press and on the Internet have spoken out against the use of ulipristal [was nachvollziehbar ist].

The ACOG considers pregnancy to begin not with fertilization of the egg but with implantation, as demonstrated by a positive pregnancy test [das ist bekanntlich nicht die Sicht der Kirche und die der Biologie, sondern eine Frage der Nachweisbarkeit].

Of note, the copper IUD [bekannt als Spirale oder Intrauterinpessar] also prevents implantation after fertilization, which likely explains its high efficacy.

Women who have detailed questions about this can be counseled that levonorgestrel works mostly by preventing ovulation, and that ulipristal and the copper IUD might also work via postfertilization mechanisms. However, they are not considered to be abortive, based on standard definitions of pregnancy.

If a woman is pregnant and she takes levonorgestrel-based emergency contraception, this has not been shown to have any adverse effects on the fetus (similar to oral contraceptives).