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Treffer?

Der heute in der Kirche gelesenene Abschnitt des Evangeliums lautet (Mt 11,25-27):

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Gleichzeitig feiert die Kirche eine Heiligen, einen meiner Lieblingstheologen, den für mich größten des Hochmittelalters (bin eben kein Thomist), ein unvergleichlicher Franziskaner, der in aller Demut und Bescheidenheit zu großer Weisheit und Klugheit kam:

der Hl. Bonaventura von Bagnoregio (Taufname Giovanni di Fidanza).

Seine Schriften sind für mich immer wieder aufregend und anregend. Ich bin sowieso ein Fan der Scholastik - alle Argumente, insbesondere auch die des Gegenübers werden geachtet und gewichtet (machen wir das heute noch?), es wird streng mit der Vernunft argumentiert und gleichzeitig die Offenbarung Gottes in ihrer Gänze, insbesondere auch die Hl. Schrift, durchschritten und durchlebt. Seine Grundlagen, die Hl. Schrift und die Kirchenväter (letztere hielt er für weitaus bedeutender als die antiken Philosophen, die er deswegen nicht als Autorität ansah, anders als Thomas von Aquin), machen ihn bis heute zu einem enorm fruchtbringenen Vermittler zwischen der lateinischen und der ostkirchlichen Theologie.

Als Generalminister, also als “Chef auf Zeit” des jungen und “wilden” Ordens der Minderen Brüder (Franziskaner) besuchte er so gut er konnte, natürlich zu Fuß, alle Häuser der Gemeinschaft und versuchte zwischen den streitenden Auffassungen zu vermitteln. Die persönliche Armut war ihm selbstverständlich - angebliche “Notwendigkeiten des Amtes” waren ihm fremd.

Ebenso als Generalminister hatte er mehrfach das Bischofsamt abgelehnt. Als er das dann schließlich doch aus Gehorsam zum Papst annahm, war er gerade dabei, nach dem Essen abzuspülen - und kündigte seinen Brüdern an, daß das, was auf ihn zukäme, nur Sorgen und Last wäre, das Spülen dagegen eine Quelle des Segens sei.

In Wissen und Weisheit liegt die große Versuchung, sich über andere zu erheben - das beginnt mit der Erhebung über das frühere Selbst vor diesem Wissen (die Weisheit ist dann natürlich futsch, wenn man das macht).

Der Kirchenlehrer Hl. Bonaventura kann uns lehren, wie man beides vereinen kann: das kindliche Gemüt und die theologische Finesse, die Treue im Kleinen und das Suchen im Großen. Mystik und Nüchternheit. Die Erniedrigung des Selbst und die Ehre Gottes.

Hl. Bonaventura, Doctor Seraphicus, bitte für uns.





4 Kommentare zu “ Treffer?”

  1. Jorge meint:


    Die Webseite von Jorge

    Ich meine, Bonaventura kann man ganz gut mit Frau Merkel vergleichen. Er steckte in vielen Zwangslagen, in denen Entscheidungen notwendig waren, denen er nicht ausweichen, mit denen er sich aber auch keine Freunde machen konnte. Seine ausgleichend-kompromissbereite, im Ernstfall dann aber auch wieder autoritäre und rücksichtslos durchgreifende Linie lässt ihn aus zeitgen. Sicht nicht immer sympathisch erscheinen. Auch sind aus der Rückschau betrachtet sicher nicht alle Entscheidungen glücklich oder wirklich überzeugend. Andererseits hatte er zumindest subjektiv oft keine andere Wahl, wenn er das Zerbrechen des Ordens aufhalten wollte, und der von ihm beschrittene Weg der mühsamen Stabilisierung des Status quo durch kleinteilige Kompromisse und deren konsequente Durchsetzung war “alternativlos”, wie Merkel sagen würde. Mehr war einfach nicht drin in der Gemengelage.
    Immerhin gelang es ihm auf diese Weise, ein gewisses, wenn auch forciertes und wackeliges Gleichgewicht herzustellen, das 30 bis 40 Jahre bis zum Armutsstreit hielt. Alles in allem sehe ich seine Realpolitik heute etwas versöhnlicher als noch vor Jahren. Je länger man sich mit Bonavent befasst, desto sympathischer wird er. Man versteht sein Werk, wenn man die Zwangslagen begreift, in denen er steckte. Anerkennenswert finde ich auch das ehrliche Bemühen, Franziskus wenigstens ansatzweise zu verstehen. Das gelang ihm zwar nie und das von ihm geschaffene Franziskusbild stimmt an allen Ecken und Enden nicht, was auch vielen Zeitzeugen bewusst war, aber immerhin hat er es auf dem Alverna ehrlich versucht, seinem Idol näherzukommen.

  2. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Jorgen, ich muß gestehen, daß mich seine Ordenspolitik nie wirklich interessiert hat. Mich hat seine Symbiose von franziskanischem Leben und anspruchsvollster Theologie fasziniert. Im Orden gibt es wie gesagt Ordenspolitik, und Politik ist nie sauber. Einen Vergleich mit Fr. Merkel finde ich allerdings äußerst unpassend, da ich u.a. dem hl. Bonaventura zumindest Heilige Prinzipien zugestehe (die ich bei Fr. Merkel vermisse …).
    Und Franziskus wirklich verstehen? Gelang es ihm nie? Gelang es Dir? Ich kann das nicht beurteilen, da es so viele Franziskusbilder wie Freunde des Poverello gibt…

  3. Jorge meint:


    Die Webseite von Jorge

    Die Theologie Bonaventuras hat mich nie besonders interessiert, sie ist doch im Ergebnis recht konventionell. Bin auch kein besonderer Thomas-Fan, sehe aber bei Thomas doch mehr Genialität und Radikalität oder Konsequenz im Denkerischen.
    Im Grunde genommen vertreten ja beide inhaltlich dasselbe. Gerade in den Unterschieden erweist sich Thomas als der Radikalere, Kritischere, Konsequentere; Bonaventura als der Vorsichtigere, stärker auf Ausgleich, Kompromiß und Anerkennung hergebrachter Autoritäten Bedachte. Von daher ist natürlich auch die Affinität Ratzingers zu Bonaventura kein Zufall: Auch er versteht sich ja hauptsächlich als Beschützer der Autorität und hat Angst vor allem Umstürzlerischen. Solche Ängste sind Thomas eher fremd, der geht ganz in seinem Stoff auf.

    Ich meine das liegt einfach am Charakter. Thomas ist Autist, kapriziert sich vollständig auf sein Problem und versucht es bis in die letzten Haarspitzen aufzudröseln, ohne Rücksicht auf Verluste, bis er eine Lösung findet, die ihn überzeugt. Ob sie gefällt oder nicht, ist ihm völlig egal. Auch ob er andere überzeugt, interessiert ihn nur wenig, er will zuallererst sich selbst von der Richtigkeit seiner Lösung überzeugen. Nicht umsonst ist die Heidensumme sein schwächstes Werk, jedenfalls verfehlt er darin völlig das von Raimund gesetzte Thema: Für die Mission ist die Heidensumme nutzlos. Im Durchdringen der Probleme liegt Thomas’ Genialität, nicht im Überzeugen Andersdenkender.

    Bei Bonaventura ist das ganz anders. Seine Genialität liegt in der Rede, in der Lehre, in der Vermittlung des Stoffes. Natürlich ist er auch ein brillianter Denker, aber das Geniale bei ihm ist die didaktische und rhetorische Umsetzung, die Ausformulierung, die Darstellung, die Bildersprache, das Predigen: Man kann ihm stundenlang zuhören und geht mit der Überzeugung aus der Vorlesung: Der Mann hat recht und weiß das auch zu vermitteln und zu verteidigen.
    Von daher ist es logisch, dass Bonavent stärker auf Wirkung bedacht ist und damit auch mehr Rücksichten nimmt, mehr auf Ausgleich zielt und auch mehr auf Autorität pocht. Die Authentizität, die ihm so wichtig ist, sieht er in der Person, in der Ausstrahlung, in der Kommunikation, während bei Thomas das Authentische mehr in der etwas stumpfsinnigen, aber dafür bis ins Letzte durchdachten und ausgetüftelten Stimmigkeit des Inhalts liegt (typisch autistisch). Bonavent kann inhaltliche Widersprüche kommunikativ ganz gut überspielen oder durch sein überzeugendes Auftreten ausgleichen, er setzt auf Empathie (und ist in dem Sinne durchaus franziskanisch); Thomas kann das nicht und muss deshalb tiefer schürfen, bleibt aber zugleich natürlich auch einseitiger, nüchterner.

    Inhaltlich stehen beide am Anfang eines für die Theologie im Endeffekt ziemlich verhängnisvollen Supranaturalismus. Die “doppelte Wahrheit”, die sie ja eigtl. bekämpfen wollen, bricht sich durch ihre Aufspaltung der Realität in autoritativ Geglaubtes und rational Gewusstes erst recht ihre Bahn. In dem Sinne stehen sie beide an der Wurzel des modernen Glaubensschwundes. Das ist sicherlich auch die “unfranziskanischste” Seite an Bonaventura.

    Bonaventura als genialen Theologen zu sehen, der sich quasi “nebenbei” auch noch mit dem “schmutzigen Geschäft” der Ordenspolitik befasst, überzeugt mich nicht. Was mich an Bonaventura interessiert, ist natürlich sein Verhältnis zur Religion und Bewegung des heiligen Franz. Dass er Franziskus nie begriffen habe, war wohl etwas scharf formuliert (obwohl es in der Literatur viele solcher Statements gibt). Es war eigtl. gar nicht als Kritik gemeint, sondern ganz im Gegenteil als Anerkennung für das authentische Bemühen Bonavents, die Mystik des hl. Franz auf dem Alverna nachzuerleben.

    Eine gewisse Fremdheit bleibt trotzdem bestehen. Bonavent ist keine ursprünglich franziskanisch bewegte Seele. Er ist ein brillianter Pariser Intellektueller, der sich Franziskus quasi von außen her nähert. Er kommt aus dem begeisterungsfähigen Kreis junger wissensdurstiger Kleriker, die an Franziskus vor allem die großartige Wirkung fasziniert: eine jugendliche, machtvoll sich verbreitende Bewegung, die alles mitzureißen scheint. Zunächstmal im Grunde bloß eine Mode: authentisch, jung, erfrischend, modern, der letzte Schrei in Paris. Was da geistlich wirklich hintersteckt, mussten sie erst mühsam für sich entdecken. Bonaventura ist auf diesem Weg sicher recht weit gekommen. Gleichzeitig ist er als geborene und integrationsstarke Führungs- und Autoritätsperson natürlich für kirchliche Zähmung und Aufweichung des Franziskusbildes verantwortlich.

    Das wird ihm oft vorgeworfen, aber gerade hier setzt mein obiger erster (Bonavent im Kern entschuldigender) Beitrag an: Ich sehe ihn da eher in der Zwangslage, den Orden überhaupt vor der Zersplitterung retten zu müssen. Man muss auch sehen, dass er die Neuorientierung des Franziskanertums keineswegs herbeigeführt, sondern vorgefunden hat (der Umbruch war viel früher und brach durch, als die Engländer die Ordensleitung übernahmen, also im Generalat Haimos). Bonavent hat den Titel eines zweiten Gründers damit meine ich verdient, denn ohne seine ausgleichende, empathisch-echte und natürliche Überlegenheit ausstrahlende Art sowie seine intellektuelle und argumentative Potenz wären die inneren Widersprüche nicht zu kitten gewesen. Gleichzeitig bleibt das Ganze auch zwiespältig: Im Sinne des seraphischen Heiligen wäre es vielleicht eher gewesen, das Ganze in Würde sterben zu lassen, statt unwürdige Anpassungen an die “schmutzige” Realität zu befördern. Ein rücksichtsloser Bauer wie Ägidius dachte jedenfalls so. Seine Konfrontation mit Bonavent gehört für mich sicher zu den spannendsten Episoden franziskanischer Frühgeschichte überhaupt.

  4. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Ob Thomas Autist war oder nicht, können wir rückblickend nicht sicher sagen (kann man zum Teil schon bei Lebenden nur schwierig), und als Arzt bin ich immer vorsichtig mit Diagnosen, zumal mit denen, die die Psyche betreffen.

    Was die grundsätzliche Wertung von “Theologien” angeht, so wird eine Theologie für mich keinesfalls dadurch besser oder wichtiger, weil sie etwas “Neues” formuliert oder ein anderes interessantes Ergebnis bringt. Mir geht es um die Grundsätze als Ausgangspunkt (letztlich philosophische Vorentscheidungen, das oftmalige Hauptproblem heute, finde ich) und um das denkerische Durchdringen. Die Vorentscheidungen von Bonaventura finde ich stimmiger als die von Thomas, die Durchdringing bei beiden exzellent.

    “Neue Theologie” finde ich häufig langweilig, weil ihr häufig - nicht immer - die stringenten philosophischen Vorentscheidungen fehlen, sondern ebenso wie der Zeitgeist von utilitaristischen Moden getrieben wird, ohne selbiges allerdings auch zuzugeben.

    Es gibt zeitgenössische Theologen (ich mag bspw. Karl-Heinz Menke sehr), die interessante Grundsätze haben (bei Menke die Betonung der Bundes-Theologie) - ohne deswegen zu Mainstream-Antworten zu kommen.

    Was Ägidius und Bonaventura angeht (Ägidius mag ich sehr, leider habe ich seine Sprüchesammlung nicht mehr!), so halte ich diese Auseinandersetzung, die ja faktisch eine Herabsetzung Bonaventuras ist, auch für hochspannend - und Deine Einschätzung teile ich, Ägidius hätte lieber ein Ende des Ordens gesehen als den Zustand und die Entwicklungen damals. Allerdings ist mein Eindruck, daß Ägidius das auch unter dem Stolz des Besonderen meinte - Franz hätte das womöglich anders gesehen.


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