Archiv für March, 2016



Arbeitsmoral auf katholisch

Veröffentlicht am Wednesday, 30. March 2016, 10:24

;-)

Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral, Heinrich Böll

In einem Hafen an der westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch einmal: klick, und da aller guten Dinge drei sind, ein drittes Mal: klick. Das spröde, fast feindselige Geräusch weckt den dösenden Fischer, der sich schläfrig aufrichtet, schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel angelt, aber bevor er das Gesuchte gefunden, hat ihm der eifrige Tourist schon eine Schachtel vor die Nase gehalten, ihm die Zigarette nicht gerade in den Mund gesteckt, aber in die Hand gelegt, und ein viertes Klick, das des Feuerzeuges, schließt die eilfertige Höflichkeit ab. Durch jenes kaum messbare, nie nachweisbare Zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Tourist - der Landessprache mächtig - durch ein Gespräch zu überbrücken versucht.
“Sie werden heute einen guten Fang machen.” Kopfschütteln des Fischers.
“Aber man hat mir gesagt, dass das Wetter günstig ist.” Kopfnicken des Fischers.
“Sie werden also nicht ausfahren?” Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität des Touristen. Gewiss liegt ihm das Wohl des ärmlich gekleideten Menschen am Herzen, nagt an ihm die Trauer über die verpasste Gelegenheit.
“Oh, Sie fühlen sich nicht wohl?” Endlich geht der Fischer von der Zeichensprache zum wahrhaft gesprochenen Wort über.
“Ich fühle mich großartig”, sagt er. “Ich habe mich nie besser gefühlt.” Er steht auf, reckt sich, als wollte er demonstrieren, wie athletisch er gebaut ist.
“Ich fühle mich phantastisch.” Der Gesichtsausdruck des Touristen wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht:
“Aber warum fahren Sie dann nicht aus?” Die Antwort kommt prompt und knapp. “Weil ich heute morgen schon ausgefahren bin.”
“War der Fang gut?” “Er war so gut, dass ich nicht noch einmal auszufahren brauche, ich habe vier Hummer in meinen Körben gehabt, fast zwei Dutzend Makrelen gefangen …”
Der Fischer, endlich erwacht, taut jetzt auf und klopft dem Touristen beruhigend auf die Schultern. Dessen besorgter Gesichtsausdruck erscheint ihm als ein Ausdruck zwar unangebrachter, doch rührender Kümmernis.
“Ich habe sogar für morgen und übermorgen genug”, sagt er, um des Fremden Seele zu erleichtern.
“Rauchen Sie eine von meinen?” “Ja, danke.” Zigaretten werden in Münder gesteckt, ein fünftes Klick, der Fremde setzt sich kopfschüttelnd auf den Bootsrand, legt die Kamera aus der Hand, denn er braucht jetzt beide Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen.
“Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten mischen”, sagt er, “aber stellen Sie sich mal vor, sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal aus und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen… stellen Sie sich das mal vor.” Der Fischer nickt.
“Sie würden”, fährt der Tourist fort, “nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja, an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren - wissen Sie, was geschehen würde?” Der Fischer schüttelt den Kopf.
“Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangen - eines Tages würden Sie zwei Kutter haben, Sie würden …”, die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, “Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funk Anweisung geben. Sie könnten die Lachsrechte erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren - und dann …”, wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache.
Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreude schon fast verlustig, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen.
“Und dann”, sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache. Der Fischer klopft ihm auf den Rücken, wie einem Kind, das sich verschluckt hat. “Was dann?” fragt der Fischer leise.
“Dann”, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, “dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen - und auf das herrliche Meer blicken.”
“Aber das tue ich ja schon jetzt”, sagt der Fischer, “ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört.”
Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.


Händeschütteln

Veröffentlicht am Monday, 28. March 2016, 21:21

über doch einen großen theologischen Abgrund an sonstigen Differenzen - aber was Frau Kässmann gesagt hat, wie sich Christen gegenüber Terroristen zu positionieren hätten, stimmt vollkommen. Zumindest denn, wenn man Jesus glaubt und an Ihn glaubt als Herr und Gott.

Natürlich gewinnt man damit in Meinungsumfragen keinen Blumentopf und es ist ein Garantieschein für mehrere virtuelle Hasstiraden.

Ich habe schon häufiger darauf verwiesen, daß unser Herr und Gott nach irdischen Maßstäben auf ganzer Länge gescheitert ist - und dennoch natürlich unser anbetungswürdiges Vorbild ist und bleibt.

Es geht nicht um Erfolg, es geht um Nachfolge.

Traurig wird es dann, wenn selbst Christen das nicht verstehen.

Nachtrag: ich weiß nicht, ob Alexander Kissler an die Gottheit Jesu glaubt, aber er hat ’s schon einmal nicht verstanden.


Was gesagt werden muß

Veröffentlicht am Wednesday, 16. March 2016, 21:59

(Quelle)


Wichtige Stellungnahme

Veröffentlicht am Wednesday, 16. March 2016, 09:49

Auch der OFS Deutschland positioniert sich zur sogenannten Flüchtlingsproblematik.


Neue Seite

Veröffentlicht am Wednesday, 09. March 2016, 22:50

Die Franziskaner haben unter franziskaner.net eine neue Webseite geschaltet, die die alten Inhalte der franziskaner.de-Seite bald komplett ersetzen soll.

Die neue Seite ist sehr gut gestaltet und auch inhaltlich reich ausgestattet - alles in allem sehr lesenswert! Glückwunsch dazu an die Brüder!


Aus aktuellem Anlaß

Veröffentlicht am Tuesday, 08. March 2016, 23:24

Dieser Blog ist ja schon uralt und ich habe 2004 diesen Text schon einmal gebracht. Er erscheint heute, gerade hierzulande, in neuem, intensiverem und kostbarerem Licht. Geschrieben von einem, der sein Leben ließ, hingegeben für ein Volk muslimischer Mehrheit, das er zu lieben gelernt hat. Dabei durch und durch katholischer Christ und gerade deswegen voller Liebe.
Es sind Worte der Weisheit - und sie werden nicht allen gefallen.

Das Testament des 1996 ermordeten Trappisten Pater Christian de Chergé.

Wenn es mir eines Tages passieren sollte - und es könnte heute sein - Opfer des Terrorismus zu werden, der wie es scheint jetzt alle Ausländer, die in Algerien leben, einengen will, möchte ich, dass sich meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie daran erinnert, dass mein Leben an Gott und an dieses Land GEGEBEN ist. Mögen sie akzeptieren, dass der einzigartige Meister allen Lebens bei diesem brutalen Abschied nicht fremd sein wird. Sie mögen fuer mich beten: Wie könnte ich eines solchen Opfers würdig sein?

Mögen sie diesen Tod vereinigen mit all den anderen ebenso gewalttätigen, die in der Gleichgültigkeit und Anonymität gelassen werden. Mein Leben ist nicht höher im Wert als ein anderes, es hat auch nicht weniger Wert. Jedenfalls hat es nicht die Unschuld der Kindheit. Ich habe lange genug gelebt, um mich als Komplize des Bösen zu wissen, das sich leider in der Welt durchsetzt und das mich selbst in Blindheit schlagen kann. Ich wünsche, wenn der Moment gekommen ist, den Zeitraum zu haben um die Verzeihung von Gott und die meiner Brüder in der Menschheit zu erbitten und gleichzeitig dem zu verzeihen, der mich angreifen wird. Ich möchte einen solchen Tod nicht wünschen. Es scheint mir wichtig, das zu bekennen. Ich sehe wirklich nicht, wie ich mich darüber freuen könnte, wenn dieses Volk, das ich liebe, unterschiedslos meiner Ermordung angeklagt wuerde. Das, was man vielleicht die “Gnade des Martyriums” nennen wird, ist zu teuer zu bezahlen, als dass man es einem Algerier anlastet, welchem auch immer; vor allem, wenn er sagt, in der Treue dessen, was er glaubt der Islam zu sein, zu handeln.

Ich weiss um die Verachtung, mit der man im allgemeinen die Algerier behandelt. Ich weiss auch um die Karikaturen des Islam, welche einen gewissen Islamismus ermutigen. Es ist zu
leicht, sich ein gutes Gewissen zu geben, indem man diesen religiösen Weg mit dem Fundamentalismus seiner Extremisten identifiziert. Algerien und der Islam sind für mich etwas anderes: Sie sind Koerper und Seele. Ich habe es oft genug verkündet, glaube ich, was ich durch Sehen und Wissen empfangen habe: wie oft ich den geraden Leitfaden des Evangeliums gefunden habe, den ich auf den Knien meiner Mutter gelernt hatte, meiner ersten Kirche, genau gesagt in Algerien, und schon im Respekt der muslimischen Gläubigen. Mein Tod wird sicher denen scheinbar Recht geben wollen, die mich als naiv oder Idealist behandelt haben: “Sie mögen jetzt sagen, was sie davon denken!”

Aber sie sollen wissen, dass endlich meine quälende Neugier befreit ist. Dann werde ich, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den des Vaters versenken, mit Ihm seine Kinder im Islam betrachten, so wie Er sie sieht, ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Frucht Seiner Passion, ausgezeichnet durch die Gabe des Heiligen Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, die Gemeinschaft aufzubauen und mit den Differenzen spielend, die Ähnlichkeit wiederherzustellen.

Dieses verlorene Leben ist ganz das meine und ganz das ihre. Ich danke Gott, der dieses Leben ganz und gar für diese FREUDE gewollt zu haben scheint, trotz und gegen alles. In diesem DANK ist alles über mein Leben von jetzt an gesagt.

Ich schliesse Euch natürlich ein, Freunde von gestern und von heute und euch Freunde von hier, an den Seiten meiner Mutter und meines Vaters, meiner Schwestern und meiner Brüder und der ihren. Das Hundertfache (sei euch) gewährt, wie es versprochen ward! Und auch dich, Freund des letzten Augenblicks, der du nicht wissen wirst, was du tust. Ja, auch für dich will ich dieses DANKE und dieses A-DIEU, vorgesehen von Dir. Wenn es uns gegeben sein soll, werden wir uns als glückliche Schächer im Paradies wiederfinden, wenn es Gott gefällt, unser beider Vater. Amen, Insch’Allah!

Algier, 01. Dezember 1993 Tibhirine, 01. Januar 1994

Christian


Der eine vorgestern

Veröffentlicht am Monday, 07. March 2016, 22:39

der andere schon Ende Feburar.

Beide gestorben, beide sehr unbekannt - und sind doch auf je unterschiedliche Art und Weise extrem einflußreich gewesen.

Ray Tomlinson und Gillis Lundgren.

Sagt Ihnen nichts?

Sie stehen für: @ und Regale.

Ray Tomlinson war der Erfinder der E-Mail (und machte das @-Zeichen sinnvoll einsetzbar), Gillis Lundgren entwarf das bekannte Billy-Regal eines schwedischen Möbelhandels. Kaum jemand in der westlichen Welt blieb von beiden unberührt.

R.I.P.


Wachstum

Veröffentlicht am Friday, 04. March 2016, 14:57

Gestern sprach ich mit Geschwistern des Düsseldorfer OFS über die katastrophale Medienarbeit der Kirche hierzulande - mittlerweile glaube ich ja, die Bischöfe wollen es nicht besser machen. Sie haben dazu offensichtlich mehrheitlich nicht verstanden, daß der Glaube über die nächsten Jahre fast komplett ausdünstet und die Austritte bloß zeitlich etwas hinterherhinken, bis zu einer Generation.

Dann fand ich gerade bei Youtube auf einem Video die passenden Kernwörter, die meines Erachtens nach Grundvoraussetzung für Wachstum sind (im englischen Original):

Conversion, Communion, Orthodoxy, Mission

Der dritte Punkt, Rechtgläubigkeit (bzw. die rechte Art des Lobpreises, was es genau heißt, schließt aber das erste ein), findet hierzulande nicht statt.

Eine Ortskirche ohne Treue zum Glauben der Kirche, wie er bspw. im Katechismus der Katholischen Kirche zugrunde gelegt ist, ist zum Aussterben oder Verlust der katholischen Identität verurteilt.

Davon bin ich zutiefst überzeugt. Solange sich das nicht ändert - und eine Änderung sehe ich nicht - wird der Trend weiter bergab gehen.