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Ökumenische Frage IV

Dies Domini.

In extrem loser Fortsetzung der kleinen Reihe (hier Teile 1, 2 und 3) möchte ich diesmal einen Aspekt aufwerfen, der sich zwar an den dritten Teil inhaltlich anschließt, jedoch diesen Themenkomplex anders angeht. Vielleicht kann mir ein Protestant da eine kompetente Antwort zu geben, da ich da mal wieder was nicht ganz verstehe.

Es wird mal etwas in der Vergangenheit gegraben.

Da sich die Kirche ja als organischen Leib versteht, hat sie natürlich auch eine Geschichte bzw. Vergangenheit, die ihre Gegenwart konstitutiert. Daher ist es meiner Erfahrung nach besonders erhellend und interessant, ein wenig in der Geschichte der Dogmen und Bekenntnisse zu wühlen und darüber nachzusinnen, warum sie wohl so und nicht anders formuliert wurden.

Vor einiger Zeit dachte ich mal etwas über den Satzteil der “Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche” nach, es erscheint so im Glaubensbekenntnis. Dabei meint ja das Wort “Eine” nicht einfach einen unbestimmten Artikel, sondern das Zahlwort, wie es schon das Lateinische ausdrückt (man hätte grammatikalisch auch das “unam” weglassen können). Es gibt also nur nach der Meinung dieses Bekenntnisses, welches sowohl Katholiken und Orthodoxen wie auch Protestanten gemein ist (zumeist nennt man es das “Große Glaubensbekenntnis” gegenüber dem Kleinen, dem sogenannten Apostolischen), nur eine einzige Kirche.

Warum haben die Konzilsväter von damals, es wurde nämlich auf dem 1. Ökumenischen Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 (dem Zweiten Ökumenischen Konzil insgesamt) so und nicht anders formuliert, dieses Wort für so wichtig erachtet, daß es ins Glaubensbekenntnis sollte? Ist ja nicht irgendein Text, sondern das Herzstück des Glaubens in Schriftform gegossen.

381 gab es noch nicht die Aufteilung in Ost- und Westkirche, der Protestantismus wurde erst über 1100 Jahre später erfunden und die Streitereien mit Arianern und Monophysiten waren über Fragen der Person Jesu, nicht über die der Kirche (auch wenn besonders Arianer wegen des anderen Glaubens eine eigene “Kirche” hatten - doch Grund dafür war eben nicht eine unterschiedliche Auffassung von Kirche), außerdem kamen die Monophysiten und ihr Gegenpol, die Nestorianer, erst im 5. Jh. ins Spiel.

Also, woran mag es gelegen haben? Im allerersten Ökumenischen Konzil in Nizäa nach dem Apostelkonzil von Jerusalem, welches sich ja noch in der Heiligen Schrift findet und daher eine Sonderstellung hat, in diesem Konzil also aus dem Jahr 325 findet sich zwar auch ein Glaubensbekenntnis, aber eben ohne Hinweis auf die Kirche. Grund für dieses Konzil war der Arianismus, der für das Zweite Ökumenische (das oben erwähnte Erste von Konstantinopel) waren der Bischofssitz von Konstantinopel und andere juridische Themen neben der einen oder anderen irrigen Auffasung über den Glauben, doch kein grundlegender kirchlicher Disput.

Sieht man mal die schon damals begonnene Tradition der Kirche an, daß deutliche kirchliche Verlautbarungen nur dann getroffen wurden, um sich gegen Gegenbewegungen abzugrenzen, so kann es also durchaus sein, daß es schon so etwas wie eine andere Vorstellung von Kirche gegeben haben mag.

Genauso war es.

Der bekannteste Bischof von Hippo in Nordafrika, Augustinus, hat viel von seinen Auseinandersetzungen im 4. Jh. mit denen berichtet, die im Jahr 325 als eigene Gruppe gerade erst 14 Jahre jung, klein und unbedeutend waren, im Jahr 381 dagegen schon eine “Kirche” etabliert hatten, die die Katholische in manchen Regionen Nordafrikas zum Teil zahlenmäßig übertraf:

die Donatisten (ausführlicher auf Englisch dort).

Sie waren meines Erachtens nach der Grund, warum die Katholische Kirche die “eine Kirche” formulierte. Es gibt eben nicht die “eine Kirche” zum gleichen Grad in verschiedenen gleichberechtigten Ausformungen und Traditionen, wie heute gerne behauptet. Die Donatisten waren nicht voll in der Einen Kirche, auch wenn sie aufgrund der Taufe und der sogar gültigen Sakramente auf sie hingeordnet waren. Die “Eine Kirche” ist nicht unsichtbar, zumindest war das damals nicht der Glaube der Kirche, denn dann wären die Donatisten ja mit dabei gewesen, eben eine weitere legitime Form des Kircheseins. Diese immer noch gültige katholische Auffassung ist somit über 1100 Jahre älter als der Streit um sogenannte “Konfessionen”, zu deutsch Bekenntnissen, die mit dem Protestantismus aufkamen.

Was mich nun wundert angesichts des historischen Hintergrundes: was sagen Protestanten zu ihrem eigenen Glaubensbekenntnis, es ist ja auch für diese verbindlich (zumindest in den Landeskirchen)? Lassen sie das “eine” weg oder nivellieren sie es bspw. im Englischen, indem aus dem üblichen “One” ein “a” wird?

Oder anders gefragt: wie kann man die “Eine Kirche” für prinzipiell unsichtbar halten, wenn es diejenigen, die diese “Eine Kirche” formulierten, gar nicht geglaubt haben?





8 Kommentare zu “ Ökumenische Frage IV”

  1. Petra meint:


    Die Webseite von Petra

    M. W. ist das bei den meisten Protestanten keine sonderliche Frage: dort geht man nämlich davon aus, dass die Eine Kirche nicht eine Organisation, sondern etwas Unsichtbares, Uninstitutionelles, die Gemeinschaft der Christgläubigen ist. Im Anglikanismus ist das auch weitergehend ausformuliert, mit der sog. “branch theory”, nach der das Christentum eben verschiedene “Zweige” entwickelt hat (Katholizismus, Lutheranismus, Anglikanismus, usw.), die alle gleich gültig und gleich “Kirche” sind.

    Interessant wär’s allerdings, danach zu fragen, wie denn Protestanten (obwohl, ich weiß, “die” Protestanten gibt es nicht), mit dieser Frage umgegangen sind, als die katholische Kirche noch als die “Hure Babylon” angesehen wurde - galt sie damals auch als ein “Zweig” der Kirche Christi? Oder bloß als ein “verdorbener” Zweig?

  2. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Das hieße dann ja, daß die Donatisten nach Meinung der Protestanten auch in der “einen Kirche” gewesen wären, daß die Auseinandersetzungen, die Parallelkirche, die Erweiterung des Credos vollkommen unnötig gewesen sind - letztendlich, daß die Katholiken zu der Zeit irrten.

    Ist das so?

  3. Petra meint:


    Die Webseite von Petra

    Ich glaube, dass “sie” (wobei es das “sie” ja in dem Sinn nicht gibt) das Credo von Nizäa-Konstantinopel schon als die Basis des Christentums ansehen. Sie sehen zudem m. W. nur jene “Zweige”, die noch heute bestehen (also die “Entwicklungen” seit der Reformation), als legitimes Christentum an. Aber ich glaube, da fragst Du besser einen Protestanten…

  4. Peter meint:


    Die Webseite von Peter

    Heidelberger Katechsimus:

    “FRAGE 54
    Was glaubst du von der heiligen allgemeinen christlichen Kirche?

    Daß der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.”
    ( http://www.ekd.de/bekenntnisse/heidelbergerkatechismus3.html )

    Die allgemeine Kirche ist die Gesamtheit der Heiligen (der zum Heil Berufenen = aller Christen rechten Glaubens), so, meiner Erinnerung nach, habe ich es gelernt.

    In einem gewissen, sehr feinen Forum gäbe es aber sicherlich bessere Antworten. Zumal ich mich sicherlich nicht mehr als evangelisch einordne und definiere.

    Gruß.

  5. Sabine meint:


    Die Webseite von Sabine

    Luther wäre anfangs lieber katholisch geblieben. Er verstand sich als Reformator nicht als Gründer. Er wollte nicht eine neue Kirche, sondern einfach nur Kirche.
    Das wollten damals eine Menge Leute im gleichen Zeitraum gab es in Spanien eine große Erneuerung durch Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila. Viele kleinere und größere Veränderungen wurden gefordert und auch teilweise durchgesetzt. Nur Luther hatte das Pech auch noch politisch wichtig zu sein. Das er ein lausiger Politiker war, sieht man an dem Desaster der Bauernaufstände. Einmal von Rom an die Luft gesetzt und vom Kaiser mit der Reichsacht belegt, kam er aber nicht mehr Drumherum. Zudem wusste er die neue Technik des Buchdrucks gut zu nutzen, um seine Ansichten im Bürgertum zu verbreiten. Trotzdem bleibt es auch bei den Protestanten eine Kirche. Die nachfolgenden gegenseitigen Lehrverurteilungen, die auf beiden Seiten oft recht phantasievolle Propaganda haben den Riss allerdings tief gemacht, dass es scheinbar zwei Kirchen gibt. Aber auch nur scheinbar. Das Augsburger Bekenntnis bezieht sich explizit im Eingangssatz auf Nizäa. In der Erklärung werden 18 sowohl protestantische als auch katholische Lehrsätze mit den Blick auf Nizäa und das Evangelium verworfen. Also ganz so traditionsfreie Zone wie man denkt, ist die Augsburger Erklärung nicht.
    Artikel 7
    Von der Kirche
    Es wird auch gelehrt, dass allzeit eine heilig, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung der Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirchen nötig, dass überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr ein Glaube, eine Taufe.“
    Artikel 8
    Was die Kirche sei?
    Ebenso, obwohl die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch in diesem Leben unter den Frommen viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder bleiben, sind die Sakramente gleichwohl wirksam, auch wenn die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selber sagt: „Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Pharisäer“ usw. (Mt 23,2) Deshalb werden alle verdammt die anders lehren.
    Mit Artikel 8 ist also das Donatisten-Problem abgehandelt.
    Luthers Katechismus sagt im 2. Hauptstück zum dritten Artikel
    Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seiner Gabe erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben, in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wir. Das ist gewisslich war.
    Kirche ist also in der Versammlung, in der Predigt und in den Sakramenten sichtbar. Die Organisation und der Ritus sind dabei jedoch nicht göttlich. Dabei wird die Unmittelbarkeit betont. Es gibt keine Organisation oder Philosophie, die mich rettet. Die Kirche ist nicht die Verwaltung des Heils. Der Mensch wird allein durch den Glauben ( sola fide), allein durch Christus (sola Christus), aus reiner Gnade (sola gratia) des Heils teilhaftig, wie es die Bibel erschöpfend offenbart (sola scriptura). Man kann der Reformation gerne vorwerfen, dass sie den Glauben zu privat Sache gemacht hat, aber grade dadurch wird jede Entscheidung, die man trifft sehr viel wichtiger.

  6. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Nein, Sabine, mit Artikel 8 sind die Donatisten nicht abgehandelt. Du verwechselst sie wahrscheinlich mit den viele hundert Jahre später auftretenden Katharern. Den Donatisten ging es nicht um die Sakramente.

  7. Sabine meint:


    Die Webseite von Sabine

    Also wenn ich richtig verstanden habe ging es den Donatisten(wohl auch den Katharern) darum, dass die Kirche nur Gemeinschaft der Heiligen ist, oder? Dem wiedersprich Artikel 8.

  8. Ralf meint:


    Die Webseite von Ralf

    Den Donatisten ging es darum, daß die Kirche nur aus Gläubigen bestehen dürfe, die der Verfolgung (unter Decius, glaube ich) standgehalten hatten. Somit eine Kirche der Heiligen, ja. Den Katharern ging es aber darum, daß die Sakremente nur von Menschen gültig gespendet werden könnten, die selbst makellos leben würden.

    Die Donatisten hatten aber Bischöfe, die Siebenzahl der Sakramente, die Eucharistie nur durch geweihte Amtsträger etc.

    Die Frage, was Kirche sei, berührte die Donatisten nicht. Die Frage, wer in ihr sein dürfe dagegen sehr. Lutherische Theologie fragt sich das Umgekehrte, und daher würde ich gerne wissen: sind nach lutherishcer Auffassung die Donatisten Teil der Einene Kirche Christi gewesen?


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