Prioritäten

Dem Bruder Antonius, meinem Bischof, wünsche ich, Bruder Franziskus, Heil. Es gefällt mir, dass du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschst, wie es in der Regel steht.

Diesen kurzen Text sandte Franz von Assisi an Antonius von Padua.

Es kamen immer angehende und schon fertige Kleriker in den Orden und es stellte sich zunehmend die Frage, wie man mit dem Durst nach Theologie und den Wünschen der Ortsbischöfe nach gebildeten Minderbrüdern umgehen sollte. So wurde Antonius der erste Lehrer der Theologie.

Doch Franziskus wäre nicht Franziskus, wenn er nicht auf das Wichtigste hingewiesen hätte - die Beziehung zu Gott selbst. Es ist gut von Gott zu lesen, es gut vieles über Ihn zu wissen, die Hl. Schrift gut zu kennen - doch noch viel viel wichtiger ist es Gott selbst kennenzulernen und darin nie müde zu werden - etwas, was auch Analphabeten offen steht.
Theologisches Wissen kann hochmütig machen - und ich bin sicher, Franziskus bezog diese Warnung gar nicht so sehr auf Antonius selbst als auf die, die durch ihn ausgebildet werden würden. Hochmut ist mit Armut absolut unvereinbar.

(Ja, auch Armut kann man wie einen Besitz verteidigen, und die Geschichte der franziskanischen Bewegung kennt viele Beispiele davon, doch das ist ein anderes Thema)

Freundschaften pflegt man nicht dadurch, daß man Nachrichten des/der anderen aus der Vergangenheit liest oder sich über einander erkundigt und neues kennenlernt, so aufschlußreich das sein mag - es geht ums Miteinandersein, ums Kommunizieren mit und ohne Worte.

“The map is not the territory.”

Ein amerik. Theologieprof, Konvertit, Experte des AT, vergleicht trotz aller persönlicher Leidenschaft für die Hl. Schrift diese Büchersammlung mit einer Speisekarte - das eigentliche Essen selbst für das wir kommen ist die Eucharistie.

Die Hl. Schrift ist so gesehen die Quelle um zu wissen wie Gott ist - das beharrliche Gebet ist die persönliche Begegnung dazu.

Theologie im weiteren Sinn ist wichtig um zu wissen, mit wem man spricht. Doch zu viel Theologie, so viel Spaß das machen kann, kann die Zeit rauben Ihn wirklich zu treffen und zu hören was er Dir und mir zu sagen hat.





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