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Augustinus und die Bischofssynode

5. Kapitel: Im Interesse des kirchlichen Friedens und der Einigkeit müssen auch Böse ertragen werden; doch darf die Zucht nicht erschlaffen

Wir für unsere Person aber sind der Meinung, eine gesunde Lehre erfordere es, sich im praktischen Leben und in der persönlichen Ansicht nach beiderlei Schriftzeugnissen zu richten, d.h. einerseits die “Hunde” um des lieben Friedens willen in der Kirche zu ertragen, andererseits aber auch, sobald der Friede in der Kirche einmal gesichert ist, den Hunden nichts Heiliges vorzuwerfen . Wenn wir also sehen müssen, daß wegen der Nachlässigkeit der Vorsteher oder infolge einer entschuldbaren Notlage oder auf Grund heimlichen Einschleichens böse Menschen in der Kirche sind, die wir durch kein Mittel der kirchlichen Zucht zu bessern oder zu zügeln vermögen, so beschleiche unser Herz nicht der unchristliche und verderbliche Wahn, als müßten wir uns von solchen Menschen trennen, um uns nicht selbst mit ihren Sünden zu verunreinigen. Wir dürfen auch nicht den Versuch machen, einzelne Schüler als Reine und Heilige von der alle verbindenden Einheit weg an uns zu ziehen, gerade als hätten wir sie damit von der Gesellschaft der Bösen getrennt. Vielmehr sollen wir uns in solchen Fällen der Gleichnisse der Heiligen Schrift, der göttlichen Weissagungen oder zuverlässiger Beispiele erinnern, wodurch uns ganz deutlich vorausgesagt ist, daß in der Kirche bis ans Ende der Welt und bis zum Tag des Gerichtes mit den Guten immer auch Böse vermischt sein werden, ohne daß sie den Guten schaden, die zwar die nämliche kirchliche Einheit und die nämlichen Sakramente haben [wie die Bösen], mit ihren Werken aber keineswegs einverstanden sind.

Wenn aber die kirchlichen Vorsteher in Zeiten, wo ruhiger Friede in der Kirche herrscht, die Gewalt haben, mit den Mitteln der Zucht gegen ruchlose Übeltäter einzuschreiten, so müssen wir, um nicht in die Gefahr träger Erschlaffung zu geraten, uns durch andere Stacheln der zur strengen Handhabung der Zucht gehörigen Vorschriften antreiben lassen, unter Führung und mit der Hilfe des Herrn unsere Schritte auf seinem Wege so zu lenken, daß wir beiden Schriftforderungen gerecht werden, nämlich weder unter dem Deckmantel der Geduld zu erschlaffen, noch unter dem Vorwand der Sorgfalt zu wüten.

Quelle: Hl. Augustinus, Vom Glauben und von den Werken





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