Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Entwicklung I

Veröffentlicht am Saturday, 07. August 2004, 19:50

Da ich ja seit kurzem dazugehöre, hier einmal eine “Auswahl” der Gelöbnisse bzw. der Eide, auf die sich im Abendland die Angehörige des ärztlichen Berufsstandes verpflichteten, den aktuellen bis heute (auch wenn das nicht wenige Ärzte nicht wissen):
Der Eid des Hippokrates (laut den Medizinhistorikern nicht von ihm selbst, sondern von einer Schülergruppe verfasst):

Ich schwöre bei Apollon dem Arzt und bei Asklepios, Hygieia und Panakeia sowie unter Anrufung aller Götter und Göttinnen als Zeugen, daß ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde:

Denjenigen, der mich diese Kunst gelehrt hat, werde ich meinen Eltern gleichstellenm und das Leben mit ihm teilen; falls es nötig ist, werde ich ihn mitversorgen. Seine männlichen Nachkommen werde ich wie meine Brüder achten und sie ohne Honorar und ohne Vertrag diese Kunst lehren, wenn sie sie erlernen wollen. Mit Unterricht, Vorlesungen und allen übrigen Aspekten der Ausbildung werde ich meine eigenen Söhne, die Söhne meines Lehrers und diejenigen Schüler versorgen, die nach ärztlichem Brauch den Vertrag unterschrieben und den Eid abgelegt haben, aber sonst niemanden.

Die diätetischen Maßnahmen werde ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil zum Nutzen der Kranken einsetzen, Schädigung und Unrecht aber ausschließen.

Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel aushändigen.

Lauter und gewissenhaft werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Auf keinen Fall werde ich Blasensteinkranke operieren, sondern ich werde hier den Handwerkschirurgen Platz machen, die darin erfahren sind.

In wieviele Häuser ich auch kommen werde, zum Nutzen der Kranken will ich eintreten und mich von jedem vorsätzlichen Unrecht und jeder anderen Sittenlosigkeit fernhalten, auch von sexuellen Handlungen mit Frauen und Männern, sowohl Freien als auch Sklaven.

Über alles, was ich während oder außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen sehe oder höre und das man nicht nach draußen tragen darf, werde ich schweigen und es geheimhalten.

Wenn ich diesen meinen Eid erfülle und ihn nicht antaste, so möge ich mein Leben und meine Kunst genießen, gerühmt bei allen Menschen für alle Zeiten; wenn ich ihn aber übertrete und meineidig werde, dann soll das Gegenteil davon geschehen.


Würdig

Veröffentlicht am Wednesday, 04. August 2004, 21:02

Meine neuer Wohnort Remagen ist den meisten, wenn überhaupt, durch die während des 2. Weltkrieges wichtig gewordene Brücke ein Begriff, deren Überreste heute ein Friedensmuseum beherbergen. Die Schlacht um die Brücke lieferte ja auch Stoff für einen Film.
Weniger bekannt dürfte sein, dass sich an gleicher Stelle nach dem Krieg ein riesiges Gefangenenlager mit insgesamt etwa 270.000 dt. Kriegsgefangenen unter amerik. Aufsicht befand. Die Lebensbedingungen waren katastrophal. Über 1200 Soldaten starben an Anstrengung, Unterernährung und Infektionen wie der grassierenden Ruhr.

Einer der Lagerinsassen, der spätere Prof. Adolf Wamper, schuf aus der Erde des Lagers während der Inhaftierung eine Marienfigur. Er tränkte sie zum Formerhalt mehrfach in Leinenöl und schenkte sie dem damaligen Pfarrer von Remagen-Kripp, der sich sehr um Verbesserung der Lebenbedingungen der Inhaftierten bemühte und ihnen beistand.

Jahrelang führte diese Figur im Pfarrhaus von Kripp ein Schattendasein. Als aber in den 80ern das Friedensmuseum eröffnet wurde, wurde sie wiederentdeckt, und nun steht sie da, wo sie hingehört - an dem Platz, aus dessen Erde sie geformt wurde, unter einer modernen offenen
Kapelle, die den Blick auf das riesige Gelände offen und daran erinnern lässt, dass man auch im Lager Wind und Regen ausgeliefert war. Die Schwarze Madonna von Remagen.

Eingeweiht wurde die Kapelle unter Anwesenheit von Hunderten Überlebenden des Lagers. Auch später noch ereilte sie ein grausames Schicksal, wie ich heute dort las: 1992 fuhr ein Autofahrer in eine Gruppe Betender unter der Kuppel der Kapelle und tötete vier Personen…

“…jetzt und in der Stunde unseres Todes.”


Pawlow

Veröffentlicht am Monday, 02. August 2004, 22:46

Wenn auf etwas Verlass ist, dann auf die immer gleichen Reaktionen des linken liberalen politischen Spektrums bei Lehr-Veröffentlichungen aus dem Vatikan.
Nun, dass ähnlich bestürzte Aussagen bspw. bezüglich Europas größtem Straßenstrich - einer Massenvergewaltigung schlechthin - entlang der deutsch-tschechischen Grenze aus den gleichen Mündern noch nicht zu hören waren und wohl auch nie zu hören sein werden, kann verschiedene Gründe haben:

1. die mehrheitlich deutschen “Freier”, die sich dort an asiatischen oder osteurop. Sklavenfrauen und -kindern vergehen, sind potentielle Wähler, das sind Bischöfe in viel kleinerem Maße, in Rom residierende schon mal gar nicht.
2. am Straßenstrich herrscht der freie (*hüstel*) Markt, die liberale Fleischbeschau (und der liberale -kauf)
3. es darf nicht sein, dass so alte Knacker in Rom darauf pochen, dass Frauen nicht als Ware gesehen werden sollen, während täglich 1.000.000 bundesdeutsche Bürger zu einer Prostituierten gehen.


Bibel mal anders

Veröffentlicht am Sunday, 01. August 2004, 16:58

Dies Domini.

The Bible According to Cheese” zeigt “A Brie History Of Time”, starring Edam and Eve:

God saw all that he had made, and it was very gouda.


Zur Freiheit berufen?

Veröffentlicht am Saturday, 31. July 2004, 22:03

Gerade habe ich den Abschnitt aus Dostojewskijs “Brüdern Karamasoff” gelesen, der auch als “Der Großinquisitor” in die Geschichte der Weltliteratur einging. Dabei geht es in diesem Monolog, den der Genannte dem wiedererschienenen Christus im Sevilla der Inquisition gegenüber hält um die Frage, ob der Mensch überhaupt zur Freiheit berufen ist, ob er mit ihr umgehen kann, ob nicht Jesus den Menschen eigentlich einen Bärendienst erwiesen hat, in dem er eben nicht der Aufforderung des Satans folgte und Steine nicht zu Brot werden ließ.

Man stelle sich vor, im ewigen Zeitalter des Hungers: Steinen werden zu Brot. Würden Ihn dann nicht alle anbeten?

Bestimmt mehr als heute. Aber es geschähe nicht aus Freiheit. Doch wollen die Menschen überhaupt Freiheit? Sind sie nicht vielmehr damit überfordert, wollen sie möglichst schnell abgeben, in vertrauensvolle Hände, damit andere ihre Entscheidungen übernehmen?

Gerade jetzt denke ich an die Medizin, auch da gehört das Axiom vom “mündigen Patienten” zu einem politischen Irrglauben. Nicht nur nach meiner Erfahrung wollen die Menschen wichtige Entscheidungen nicht immer selbst treffen. Doch ist das gut so? Haben sie dann die Fülle des
Menschseins erkannt?

Der Großinquisitor spricht etwas sehr Wahres an: die Masse will eben nicht die absolute Freiheit, die Masse will aber Brot und Spiele. Das war damals so und ist heute nicht anders.

Welchen Preis ist die Freiheit wert?


Impressionen

Veröffentlicht am Wednesday, 28. July 2004, 22:34

Rund zehn Tage war ich in Passau, Salzburg und Prag unterwegs. Alles drei sehr schöne Städte, von klein bis Metropole. Passau und Salzburg haben auch schon ein eindeutig südliches Flair mit den kleinen Gässchen, verwinkelten Straßen und Plätzen mit Springbrunnen.
Im traumhaften Prag dagegen fragte ich mich vor allem eins:

¿Por qué hay tantos Españoles en Praga?

Wo man hinsieht, besonders rund um die Karlsbrücke, scharenweise SpanierInnen. Alle scheinen Prag als Hauptziel des Urlaubes gewählt zu haben, ansatzweise hatte ich das schon in Spanien selbst gemerkt (wenn sie im Ausland waren, dann fast sicher in Prag…), doch diesmal im heißen sonnigen Prag selbst, echt krass.
Die spanische Messe findet natürlich in der Kirche statt, die ein kleine Jesuskindlein-Figur als “Hauptattraktion” beherbergt. Diese wurde auch ursprünglich aus Spanien im 16. Jh. nach Prag gebracht und zeigt ein typisches Bild spanischer Frömmigkeit (nicht wirklich so mein Ding, aber solange es katholisch ist…):


Wieder da

Veröffentlicht am Monday, 26. July 2004, 19:10

So, bis auf weiteres werde ich jetzt erst einmal zuhause sein…

Habe eine längere Tour über Passau, Salzburg und Prag gemacht, zumeist bei herrlichem Wetter. Die katholische Welt macht ja auch mal wieder von sich reden, bestätigt einige Klischees. Vielleicht werde ich dazu und zu persönlichen Erfahrungen ab und an meinen Senf geben. Echt Düsseldorfer natürlich (auch in Remagen), also vielleicht etwas scharf.


Angemeldet

Veröffentlicht am Monday, 12. July 2004, 23:31

So, ich bin umgezogen (mehr oder weniger) und verfüge nun auch wieder über einen Netzzugang, wenn auch vorerst analog. Allerdings bin ich bald wieder ein paar Tage weg - ein unsteter Geist halt…


Ausnahme

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 23:38

Mit solchen Aussagen, liebe Frau Ferrara, macht man sich bei den meisten westl. Katholiken aber keine Freunde:

Zum ersten Mal versuche ich zu hören, was die Kirche darüber zu sagen hat, wer ich bin, anstatt von der Kirche zu erwarten, sich dem anzupassen, was ich denke, dass sie sein soll. Im Allgemeinen reiben sich moderne Menschen an direkter Autorität, weil sie erwarten, dass das Außenleben einer Institution einen Dienst am psychologischen Innenleben von Individuen leisten soll. Wenn Frauen also Priester werden wollen und behaupten, Schmerz zu verspüren, weil sie nicht Priester sind, wird ganz automatisch gefolgert, dass sie Priester werden sollten.


Gelernt?

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 15:26

Geschichte soll man kennen, damit man die gleichen Fehler nicht mehrmals macht. Angesichts der Diskussionen um Euthanasie und andere bioethische Fragestellungen ist es immer sinnvoll, sich die Akten der Nürnberger Ärzteprozesse mal anzusehen, daher habe ich sie unter “Medizinisches” neu verlinkt.

Bei den angeklagten Ärzten handelte es sich nämlich mitnichten um Sadisten oder offenkundige Bestien, sondern um Menschen, die aus tiefer Überzeugung und ausschließlich rationaler Begründung ihre Taten begingen, sie bis zum Schluss als vollkommen richtig erachteten.
Wohin die Ratio allein so führen kann.

Oder wie es Franz Grillparzer mal viel treffender ausdrückte:

Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität.


Abmeldung angemeldet

Veröffentlicht am Thursday, 01. July 2004, 13:10

Ich weiß nicht mehr genau, ob morgen oder erst in drei Tagen, aber bald werde ich für einige Tage festnetzlos und daher auch internetlos sein. Das ganz liegt an meinem bevorstehenden Umzug, der mich hierhin führen wird.


Geschafft

Veröffentlicht am Tuesday, 29. June 2004, 23:30

So, heute ging in meiner Pfarre nun die Firmung über die Bühne. Hat alles gut geklappt, war auch sehr schön. Da der neue Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, ehemals Weihbischof in Köln und eigentlich für den Bezirk Nord (und damit u.a. diese Pfarre) zuständig, aufgrund seiner Ernennung, deren Amt er aber noch nicht angetreten hat, nicht konnte (was für ein Satz!), war spontan der Abt der Benediktinerabtei Siegburg, Abt Raphael Bahrs OSB eingesprungen.

Kleiner Exkurs: normalerweise firmt ja nur ein Bischof, ein Priester kann es zwar auch, aber nur mit Einzelfallgenehmigung durch den Bischof. Der Bischof ist also der sog. “ordentliche Spender” des Firmsakramentes.
Ein Abt dagegen ist dies auch, weil er nach seiner Abtsweihe den Rang eines Ordinarius und dadurch gewisse sakramentale und kirchenrechtliche Rechte erhält. Dennoch ist ein Abt im Normalfall kein Bischof -
er kann also keine Priester oder Diakone weihen.
Firmen kann er aber als ordentlicher Spender.

Abt Raphael ist übrigens begeisteter Motorradfahrer - um nur mal ein Klischee übers Ordensleben zu entlarven…

Nachtrag: habe mal wieder gemerkt, dass das Kirchenrecht so seine Blüten treibt - also: ein Abt ist eigentlich nur auf seinem eigenen Gebiet (sprich der Abtei) ordentlicher Spender, außerhalb braucht er eine Beauftragung (aber nicht für jede einzelne Firmung, nehme ich an). Ob selbiges für einen Bischof gilt, der außerhalb seiner Diözese firmt, weiß ich nicht - ist mir aber auch egal!


Nachwuchs

Veröffentlicht am Monday, 28. June 2004, 07:49

Ja, es ist mal wieder soweit. Das katholische blogland ist um eine Quelle reicher: Omnia ad majorem dei gloriam. Dem Autor gehört allein schon wegen seiner Musikvorliebe (u.a. Reggae und Dancehall) meine volle Sympathie. :-)


Dann doch lieber katholisch

Veröffentlicht am Saturday, 26. June 2004, 17:08

Menschen, die mit der Lehre der Kirche überhaupt nicht übereinstimmen und aus mir unerfindlichen Gründen trotzem in ihr verharren (physisch zumindest, sage ich jetzt mal so), gibt es ja jede Menge, ein Konglomerat derselben befand sich als Redner auf dem Katholikentag in Ulm.
Tja, und die Kirchenleitung ist trotzdem noch so nett und schmeißt sie nicht offiziell raus.

Wehe aber man hat ähnliche Probleme mit rein weltlichen Organisationen wie einer Partei. Und wenn’s eine ist, deren Mitglieder den Namen Sozialdemokraten führen, geht’s ganz flott. Das durften Thomas Händel und Klaus Ernst erfahren. Dass diese nun eine eigene Partei anstreben, ist ja nicht wirklich verwunderlich.

Besonders interessant sind zwei Punkte: es gibt laut den Mediendarstellungen einen Satz in der Parteisatzung, der wie folgt lautet:

Wer zur Gründung einer Konkurrenzorganisation aufruft, wird ausgeschlossen.

Na, da haben wir es doch, das altbekannte kirchliche “anathema sit”. Wenn jetzt auch nur noch ein SPDler darüber mault in der Kirche, sollte er sich mal schlau machen über seinen Verein.

Aber noch viel besser ist die Begründung für den Ausschluss:

Wer durch sein öffentliches Auftreten die Glaubwürdigkeit der SPD angreift und das Ansehen der SPD schädigt, der ist des Ausschlusses würdig.

Junge Junge, wenn man da statt “SPD” den Begriff “Katholische Kirche” einsetzte, sähe es arg aus mit der Mitgliederzahl. Bei uns ist es bloß Sünde, bei denen gleich Rausschmiss. Mich würde auch mal interessieren, was der Bundestagspräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse als SPDler dazu sagt, schließlich gehört er ja zu den handverlesenen Einzelpersönlichkeiten im Zentralkommitee der deutschen Katholiken (kommt man als MdB anscheinend leichter rein). Ob er sich das im Zuge der gewünschten Demokratisierung auch für die Kirche vorstellt?

Ach nee, da bleibe ich im Jahre des Herrn 2004 doch lieber in einer so altmodischen Kirche katholisch.


Informationszeitalter

Veröffentlicht am Thursday, 24. June 2004, 23:43

Vielleicht hat es ja schon jemand bemerkt: unter “Menschenrechte und Soziales” habe ich neuerdings auch das “Netzwerk-Afrika-Deutschland” verlinkt. Dieses lose Bündnis von in Afrika tätigen Ordensgemeinschaften bringt immer interessante Kurznews und auch längere Länderportraits aus den einzelnen Regionen dieses uns zumeist nur aus Krieg und Hunger bekannten Kontinentes.

Man muss sich ja nicht nur mit den gängigem Stoff von dpa, Reuters & Co. zufriedengeben.


Verständnisfrage

Veröffentlicht am Thursday, 24. June 2004, 20:43

Es gibt eine Sache, die zwar allenthalben behauptet wird, auch wieder jetzt u.a. auch bischöflicherseits auf’m Katholikentag, die ich aber, vielleicht aus purer Naivität, nicht so recht verstehe.

Die Rede ist von der “Krise der Kirche”.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in einem recht unkirchlichen Milieu aufgewachsen bin und nachwievor lebe oder dass ich erst mit 21 zum Glauben kam, aber ich sehe das einfach nicht so. Seit wann hat Krise etwas mit Zahlen zu tun? Gut, es gibt weniger Gläubige, Priester und natürlich auch Kohle.
Aber ist das eine Krise der Kirche oder nicht eher eine des Restes (der Nicht-Kirche sozusagen)? Wenn die Menschen hierzulande glauben, ohne Evangelium auch oder gar besser leben zu können - bitte schön. Es wird sicherlich kälter werden, aber wenn’s so gewollt ist. Ja, wird man jetzt einwenden, viele verlassen ja die Kirche wegen ihrer doch so unjesuanischen Lehre. Dummes Zeug, denn dann könnten diese ja in andere Gemeinschaften eintreten, die eher diesem “Bild” entsprechen, derer gibt es viele. Wenn ich mir mal die mir bekannten vor Augen halte, die aus der Kirche ausgetreten sind, und davon kenne ich einige, so wirklich nur einer, weil er mit der Kirche und besonders mit ihrer Geschichte große Probleme hat. Dem Rest war es schlichtweg egal, sie glaubten einfach nicht an Jesus als Sohn Gottes. Habe gerade erst vorgestern in einer Kneipe gehört, wie man denn “so einen Scheiß” glauben könnte. So sieht’s eben aus.

Ich sehe die Krise der Kirche höchstens darin, dass das Wissen um den Glauben und der dann natürlich auch selbst bei den Christen selbst extrem schwächelt. Aber Zahlen als Maßstab für Krisen? Seltsames Verständnis vom Evangelium, finde ich.


Geist?

Veröffentlicht am Tuesday, 22. June 2004, 19:23

Der “Geist des Konzils” wird ja von den innerkirchl. Reformgruppen beschworen. Sie handelten im Geiste des Konzils, sagen sie. Für Nichtkenner: damit meinen sie das 2. Vatikanische Konzil, welches von 1962-65 (glaube ich, so pi mal Daumen) stattfand.

Ich sehe auch erst mal keinen besonderen Grund, diesen Menschen diese Auffassung abzusprechen. Aber ich würde das mit diesem “Geist” mal gerne ein wenig genauer beleuchten.
Da sind Menschen, die machen Erfahrungen. Und zwar hier konkret sind es Menschen in der kath. Kirche, deren Erfahrungen in zeitlichem Zusammenhang mit dem Ende des Konzils zusammentreffen. Wie auch immer diese Erfahrungen seien mögen, sie werden automatisch, da es kirchliche sind, mit diesem Konzil in Zusammenhang gebracht. Und das kann ja prinzipiell ja auch richtig sein. Aus diesen Erfahrungen haben sich auch nicht wenige heute Älteren der Kirche als Priester oder Ordensmensch zugewandt. Aus den Erfahrungen, die direkt auf das Konzil bezogen wurden.

So, nun hat so ein Konzil ja auch ein Ergebnis, nämlich die Konzilstexte (es ist Sinn und Zweck eines Konzils, lehramtliche Entscheide zu fällen). Betrachtet man nun diese Texte und vergleicht deren Inhalte mit dem, was die Vertreter des “Geistes des Konzils” sagen, so stellt man riesengroße Differenzen fest - bspw. Zölibat, Frauenpriestertum, Scheidung, Abtreibung, Lehramt, Liturgie, Mission etc.

Beides geht also nicht: entweder man beruft sich auf den “Geist des Konzils”, das kann ja auch durchaus ehrlich gemeint sein, weil es erfahrungsbasiert ist - dann muss man ablehnen, dass derselbe Geist, nämlich der Hl. Geist, auch in den Verlautbarungen des Konzils selbst zu finden ist und man muss geradezu die Konzilstexte ablehnen.
Oder aber man steht zu den Texten als Ergebnis des höchsten Lehramtes mit Beistand des Hl. Geistes, dann kann man nicht zustimmen, dass dieser “Geist des Konzils” wirklich der Geist Gottes ist.

Dass dieser “Geist des Konzils” ein ehrfahrungsbasierte Vorstellung ist (was sie keineswegs prinzipiell falsch macht, im Gegenteil!), zeigt sich auch an einem ganz einfachen Umstand: diese Aktivisten vergreisen und sterben aus. Es kommt niemand nach. Wer kennt “Konzilsgeist”-Aktivisten, die nach 1970 geboren sind? Sehr spärlich sind diese, unter der gläubigen Jugend eine verschwindende Minderheit. Wie kann es sie auch geben, wenn die Erfahrung nicht da ist.

Eine kleine Anekdote: Zu Christi Himmelfahrt war ich abends in einer Messe der hiesigen Dominikanerkirche. Der alte zelebrierende Ordenspriester predigte bzw. besser dozierte über Karl Rahner und über die Geschehnisse des Konzils - der gute Freund, der mit mir gekommen war, kannte diesen Kerl namens Rahner gar nicht. Muss man ja auch nicht. Aber dass es so etwas gibt, und dass man auch ohne den gut glauben kann, erscheint wohl manch einem Konzilsvergeistigtem zu fremd. Nabelschau, wie schon so oft bemängelt.


Dank

Veröffentlicht am Monday, 21. June 2004, 19:29

So, ich möchte mich bei allen bedanken, die für mich gebetet und/oder die Daumen gedrückt haben. Die Prüfung ist super gelaufen. Der Rest, dass ich jetzt kein Student mehr bin und so, das muss sich erst einmal setzen. Aber der blog ist hiermit wieder eröffnet.


Priorität

Veröffentlicht am Monday, 14. June 2004, 17:44

Da in Kürze mein letztes Examen ansteht, lege ich mal bis dahin eine blog-Pause ein. Es sei denn, etwas erscheint mir unbedingt erwähnenswert.


Erfahrung

Veröffentlicht am Saturday, 12. June 2004, 23:27

Heute hatte ich das Glück, einer Diakonenweihe beizuwohnen, ein mir bekannter Franziskaner wurde geweiht.
Der Weihbischof Manfred Melzer aus Köln (dort in einer neuen Pfarrkirche fand auch die Weihe statt) sprach in seiner sehr persönlich gehaltenen Predigt von der Liebesgeschichte, die Gott mit einem jeden von uns sucht und will, in welcher Lebenslage, -form und -situation auch immer.
Vielleicht war es, weil Bischöfe sich in die Situation eines Weihekandidaten am besten reinversetzen können, die besten Bischofspredigten habe ich bisher bei Weihen gehört.
Tja, Liebesgeschichte. Klingt sehr pathetisch, ist aber zutiefst wahr.

Ein anderer angesprochener Aspekt ist der, dass man als Mensch und somit als immer sündiges Wesen dem Anspruch einer Weihe, im Grunde genommen dem Anspruch eines getauften Christen, nie gerecht werden kann. Die Weiheliturgie drückt das sehr schön aus: der Bischof fragt den Provinzoberen: “Ist er würdig?” Was soll man dabei denken? Klar, sicher bin ich würdig?

Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Es geht nur, wenn Er selbst spricht. Nur dann kann ich, vielleicht nicht zu sehr durch mein sündiges Ich geschwächt, für andere ein einladendes Christenleben führen. Nur dann kann ein Christ, ob Laie, Diakon, Priester, Bischof oder Papst, Mutter oder Vater, Nonne oder Mönch ansatzweise Christus durchscheinen lassen.

Nach der Weihe wird dem Diakon vom Bischof ein Evangeliar übergeben, mit der Aufforderung, das im Glauben anzunehmen, was man liest, das zu verkünden, was man glaubt und das zu leben, was man verkündet.

Einem Bischof wird bei der Weihe sogar das Evangelium aufgelegt, als das, woran man immer Maß zu nehmen hat und woran man immer wieder zu Recht gemessen wird. Was für ein Anspruch!

Täglich scheitern wir alle daran, im kleinen oder großen.

Es geht nur, wenn Er selbst spricht. Es geht nur mit Gnade.


Folklore

Veröffentlicht am Saturday, 12. June 2004, 14:57

Der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, hat kurz nach Amtseinführung gesagt, er sehe weder die Kirche noch sein Amt als folkloristisches Überbleibsel. Das wird offensichtlich nicht nur bei Katholens, sondern auch woanders nicht so gerne gesehen. Bischöfe haben sich rauszuhalten.
In Dänemark wurde ein lutherischer Pastor entlassen, weil er nicht an Gott glaubt (und an den Rest natürlich auch nicht).

Und was sagt allen Ernstes die Gemeinde? Genau, die findet das ganz schlimm - die Entlassung, nicht den Unglauben, war ja klar. Gleiches fand schon vor einem Jahr statt, da gab es richtig Proteste.
Sorry, da fällt mir noch nicht einmal mehr ein blöder Kommentar zu ein…


The Voice

Veröffentlicht am Friday, 11. June 2004, 18:51

Wir werden ihn vermissen.


Hinweis

Veröffentlicht am Wednesday, 09. June 2004, 22:07

Ein kleiner statistischer Hinweis: vielleicht ist ja manchem schon die Diskrepanz zwischen gemeldeten Abtreibungsfällen (jährlich >130.000, das entspricht einer Abtreibung alle vier Minuten, rund um die Uhr) und geschätzten Fällen (mindestens 200.000).
Der Grund, der bis vor wenigen Jahren auch noch vom Bundesamt selber öffentlich bekannt gemacht wurde (das darf es auf Anordnung der rot-grünen Regierung nicht mehr), ist dieser: das Bundesamt weiß nicht genau, welche und wie viele Ärzte überhaupt Abtreibungen durchführen. Da die Krankenkassen nicht direkt mit den Ärzten, sondern mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen, und diese dann das Geld nach den berühmten Punkten auf die niedergelassenen Ärzte verteilen, wissen die Krankenkassen auch nicht, wer wieviele Abtreibungen durchführt. Anhand der Bezahlung kann man dann auf die gemeldeten Abtreibungen rückschließen.
Wenn allerdings jemand schnell privat bezahlt, vielleicht sogar cash und ohne Rechnung, oder diese Rechnung nicht bei seiner (dann privaten) Kasse einreicht, wird dieser Fall nie gemeldet.

Nur soweit zur Aufklärung.


Eindeutig

Veröffentlicht am Tuesday, 08. June 2004, 18:44

Es bahnt sich in der Kirche in Deutschland ein Konflikt zwischen den jungen Bischöfen an, die die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils kennen und den zumeist älteren Diözesanpriestern, die es vorziehen, sich auf einen Geist zu berufen, der natürlich nicht in den Texten zu finden sei (obwohl Konzilsergebnisse immer Texte - ergo Beschlüsse, Bestätigungen oder Verurteilungen - sind, das ist der Sinn eines Konzils).

Ein weiteres Beispiel ist der Streit zwischen dem Regensburger Bischof Gerhard L. Müller und zweien seiner Priester, die, gelinde gesagt, nicht unbedingt das katholische Kirchenverständnis haben, welches, man lese Ignatius von Antiochien aus dem Jahr 110, das der ersten Christengeneration ist.

Gerade bei Jochen Scherzer habe ich den Hinweis auf einen Artikel der taz gefunden, in dem einer der beiden Priester, Pfarrer Schlagenhaufer, sagt, sein Kirchenverständnis sei geschwisterlich und nicht hierarchisch. Nun, das katholische ist beides. Denn wer im Text des letzten Konzils schaut, wird in der Konstitution “Lumen gentium” über die Kirche das dritte Kapitel mit der Überschrift

Die hierarchische Verfassung der Kirche, insbesondere das Bischofsamt

finden. In Nr. 43 im Kapitel über die Ordensleute wird noch einmal von der

göttlichen, hierarchischen Verfassung der Kirche

gesprochen. Es geht nicht darum, ob man das jetzt gut und richtig findet oder nicht. Aber so ist die Sachlage nun einmal. Wer sich damit nicht identifizieren will, der sollte doch Konsequenzen ziehen. Wer sich dagegen noch nicht identifizieren kann, der sollte Geduld aufbringen und die Kirche besser kennenlernen. Lohnt sich sowieso immer. Kostet aber evtl. ein paar Vorurteile.


Vermittlung

Veröffentlicht am Tuesday, 08. June 2004, 08:08

Bei Licht betrachtet, ist der Unterschied gar nicht so groß. Prinzipiell zumindest. Im Einzelfall dann aber sehr.
Die liberale Gesellschaft ist fast immer für das Leben. So ist sie gegen die Todesstrafe und Krieg. Das findet aber da eine Grenze, wo man selbst betroffen sein könnte und diese Entscheidung für das Leben etwas in Lebensplanung etc. kosten würde: bei der Schwangerschaft und gegen Ende des Lebens, wenn der oder die Alte ernsthaft zur Last fallen könnte (es kommen ja schon alte Holländer nach Deutschland, weil sie zuhause ihrs Lebens nicht mehr ganz sicher sein können). Dieses Lastgefühl wird ihnen auch über Jahrzehnte suggeriert, alles gut durchdacht. Ist nur noch ein Frage von Jahren, wann die Euthanasie auch bei uns legal wird.
Die Kirche dagegen ist immer für das Leben. Die Todesstrafe ist, wenn auch prinzipiell möglich (laut Kirche, ich sehe das anders), auf diesem Planeten nicht im geringsten zu rechtfertigen, der “gerechte Krieg” ebensowenig. (Viele “pro-lifer” in den USA sind übrigens für Irak&Co. und die Todesstrafe, tragen also diese Schilder nicht wirklich zu Recht.)

Jetzt kann mir ja mal jemand erklären, was an der Überzeugung der Kirche schlimm ist. “Igitt, Du bist immer für das Leben, wie intolerant!”