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Archiv für May, 2011



Eine Generation tritt ab

Veröffentlicht am Monday, 30. May 2011, 12:04

Die Namen sind dort bekannt, wo man sich mit deutschsprachiger Kirchenpolitk beschäftigt (also sicherlich kein Muß):

Kohlmaier, Hasenhüttl, Drewermann.

Was haben sie rein biologisch gemeinsam?

U. a. gehören sie alle der gleichen Altersgeneration an. Einer Generation, die nach dem 21. Ökumenischen Konzil eine ganz neue Kirche entstehen sah, wie sie sie sich wünschten, eine vom “Geist des Konzils” geprägte Kirche.

Daß diese beobachtete und unterstützte Entwicklung aber der Kirchenlehre über sich selbst (sog. Ekklesiologie) nicht im geringsten entsprach, war eigentlich schon immer denen klar, die die Konzilstexte lasen. Doch jetzt wird das ganze auch am Erscheinungsbild der Kirche immer deutlicher.

Man kann sich gegenüber diesen Männern dann als Gewinner fühlen - sie haben halt verloren, Pech gehabt, aus der Traum.

Man muß aber nicht. Es ist tragisch für sie, es ging bestimmt einges an Herzblut in ihre Arbeit. Sie wollten die Kirche erneuern (wohl mehr als sich selbst), waren und sind von der Richtigkeit ihres Handelns vollkommen überzeugt, sehen jetzt aber gegen Ende ihrer aktiven Schaffenszeit, daß die römisch-katholische Kirche nicht auf sie hört. Wie gesagt, überraschen dürfte das keinen, der weiß, was römisch, was katholisch und was Kirche bedeutet.

Es wird neben diesen dreien, die mehr oder weniger polternd die Kirchenbühne verlassen haben, noch viele mehr geben, die entweder als weniger Prominente die Kirche verlassen oder in die innere Emigration gehen.

Tragisch ist es und kein Grund zu feiern, wenn sie die Kirche in ihrer Schönheit nicht zu erkennen vermögen.


Rollenwechsel

Veröffentlicht am Friday, 27. May 2011, 23:33

Als ich letzte Woche mal wieder abendlichen Notdienst in der hiesigen Zentralen Notfallpraxis hatte, erzählte mir eine Frau als bloße Information, die auf den ersten Blick nichts mit ihren Beschwerden zu tun hatten, von einer in Kürze geplanten Abtreibung (wenige Tage danach), sie war in der siebten Woche schwanger.

Wenn ich so etwas höre, geht mir immer ein Stich durch die Seele.

Gleichzeitig war sie nicht bei mir, um darüber zu reden, sondern um ihre Beschwerden gelindert zu bekommen.

Nachdem wir den Anlaß des Arztbesuches beackert hatten, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und es half mir der Hl. Geist - das meine ich ernst, denn ich war nachher nicht in der Lage genau zu sagen, wie ich das Gespräch begann - den richtigen Ton zu treffen und als persönliche Äußerung anzumerken, daß ich die Wahl auf eine Abtreibung immer als sehr tragisch ansehe. Dieser Rollenwechsel muß wohl bedacht werden, denn die Erwartungen an einen Arzt sind sehr unterschiedlich, in einer Notfallpraxis kennt man die Leute faktisch gar nicht, da kann viel in die Hose gehen und die urärztliche Aufgabe des Versuches des Helfens kann schnell scheitern.

Aber, wie gesagt, es gelang mit Gottes Hilfe und es entwickelte sich ein kurzes Gespräch, das die ganze Tragweite hervorbrachte. Diese Frau - kulturell mit islamischem Hintergrund - war sich vollkommen bewußt, was sie zu tun gedachte. Sie war alleinerziehende Mutter dreier Kinder, hatte seit wenigen Monaten einen neuen Freund, war von diesem schwanger - und hatte enorme Angst, daß es auch diesmal scheitern könnte und sie dann mit vier Kindern alleine wäre.

(Unberechtigt ist diese Angst nicht, verstehen kann ich sehr viele Frauen, doch gutheißen kann ich es dennoch nicht.)

Also, sie wußte, daß sie ein Kind töten wolle, das hat sie so gesagt, da gab es keine Ausflüchte. Und nein, daß “jemand anderes in Frage käme, statt ihrer das Kind großzuziehen” war für sie keine Alternative (hier wird mein Verständnis weniger und der Versuch der Liebe wächst). Natürlich war es für mich nicht überraschend zu hören, daß die Schwere der Beschwerden erst auftraten, nachdem sie sich zur Abtreibung entschlossen hatte (laut eigener Aussage wohlüberlegt, ihr Gynäkologe wollte ihr direkt eine Abtreibungspille geben, ihr ging das viel zu schnell).

Ich weiß nicht, wo sie sich den “Beratungsschein” geholt hat, zumindest hat man ihr dort auch Hilfe angeboten, wenn sie mit den Folgen der Abtreibung nicht klarkäme. Und sie war auch jetzt nicht offen dafür, von mir noch irgendwelche Adressen aufgeschrieben zu bekommen. Persönlich war ich ziemlich hilflos. Tun konnte ich für das Kind nichts, ohne mich aufzudrängen.

Gerade schon Frauen mit Kindern, die eine Abtreibung planen bzw. durchführen (das sind nach meiner Erinnerung etwa 40% der Abtreibungsfälle hierzulande), wissen ziemlich genau, daß das kein bloßer Zellhaufen ist. Ich vermute, sie sind besonders anfällig für en psychisches Trauma nach der Tat.

Für diese Frau und ihr Kind, wo immer es jetzt auch sein mag, konnte und kann ich nur beten. Beten, daß die Mutter Frieden findet ohne Selbstbetrug, beten, daß das Kind dort in Frieden lebt, wo es jetzt ist.

Manchmal ist Hilflosigkeit, die erste “Fähigkeit”, die ein Arzt (insbesondere der Inneren Medizin) beherrschen muß, echt bescheiden.


Ein übersehenes Mysterium

Veröffentlicht am Friday, 27. May 2011, 10:29

Es gibt so ein paar Kirchenfloskeln, die man immer wieder hört oder gar benutzt, ohne weiter drüber nachzudenken.

Eine bekannte ist die des “lebendigen Gottes”. Daß dahinter ein absolut unerklärliches Mysterium steckt, ist mir erst neulich bewußt geworden.

Leben findet nämlich in der Zeit statt, Leben ist - irdisch gesehen und genau genommen - ohne Veränderung(!) in der Zeit überhaupt nicht möglich. “Leblose” Materie zeichnet sich dadurch aus, daß nichts “passiert” (es sei denn, andere lebende Subjekte nehmen sich ihrer an).

In dem, so vermute ich, meistbesuchten Beitrag dieses mehrjährigen Blogs, dem über die Dogmen, finden sich aber folgende zwei dogmatische Aussagen:

16. Gott ist absolut unveränderlich.
21. Gott erkennt alles bloß Mögliche.

Statt 21. hätte man auch viele andere Aussagen nehmen können, die Taten oder Gefühle Gottes beschreiben. Taten und Gefühle aber sind ebenfalls ohne Veränderungen in der Zeit für uns menschlicherseits nicht vorstellbar.

Es ist natürlich nicht überraschend, daß das Leben Gottes mit dem des Menschen nur sehr wenig gemeinsam hat, aber der Begriff des Lebens verlockt natürlich zu zu starken Antropomorphismen (Vermenschlichungen) Gottes.

Wenn man aber eine Veränderlichkeit Gottes im strengen (irdischen) Sinn postuliert, hört Gott auf Gott zu sein, sprich: man liegt daneben.

Das wollte ich nur kurz sagen, mehr nicht.


Malleus maleficarum

Veröffentlicht am Sunday, 22. May 2011, 22:05

“Hexenhammer” heißt der Titel zu deutsch, verfaßt vom einem Dominikaner im 15. Jahrhundert, um die Hexenverfolgung theologisch zu rechtfertigen (ein Dokument, das übrigens nie offiziell kirchlich anerkannt wurde, trotz aller Bekanntheit im dt.-sprachigen Raum).

Dort wird das Leugnen der Anklage als Hexe schon als Beweis angesehen, welches man lediglich durch Folter etwas herumgedreht als Eingeständnis herauskitzeln müßte. Leugnete jemand das Hexe-sein, so war dieser jemand es gerade deswegen (die Beschuldigten waren ja nahezu immer Frauen), da eine Hexe es niemals freiwillig zugeben würde. Das Leugnen war somit schon ein Zeichen, daß die Anschuldigung stimmt.

Daß das vollkommen absurd ist, hat der Jesuit Friedrich von Spee (Düsseldorfer!) wunderbar dargestellt.

Allerdings ist der Mann wohl schon zu lange tot, denn jetzt hat auch vor Düsseldorf das absurde Denken in der Kirche keinen Halt mehr gemacht. Da der BDKJ wenige Stadtteile von dem Autor dieses Blogs seine Bundeszentrale hat, ist dieses absurde Denken eindeutig auch hier heimisch.

Wie ich so etwas behaupten kann?

Nun, immerhin als Beschlußvorlage für die kommende Jahreshauptversammlung schreibt dieser BDKJ im ersten inhaltlichen Abschnitt:

Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Dass Manche dies immer noch bestreiten, gehört zu den Symptomen dieser Krise.

Friedrich von Spee, bitte für uns!


Neu-Evangelisierung

Veröffentlicht am Wednesday, 18. May 2011, 22:01

Womöglich ist es noch nicht allen klar, aber die Neu-Evangelisierung wird sicherlich nicht vom Klerus getragen werden. Weder Bischöfe noch Priester haben den Kontakt zum normalen Fußvolk wie wir Laien, die ebenso zum Fußvolk gehören (Diakone im Nebenberuf können da eine Ausnahme sein).

Dabei, so scheint es mir, ist es auch ein genuine Aufgabe des Laien, innerkirchlich die Lehre der Kirche geduldig und “nicht arrogant, nicht vorlaut, nicht streitsüchtig” (der sel. John Henry Newman) darzulegen. Viele kirchenbegeisterte Katholiken erfahren ja, daß da so einiges an theologischer Fehlleistung abgeliefert wird. Eine Evangelisierung nur nach außen verpufft schnell, wenn die Neuchristen dann plötzlich innen sehr seltsame Blüten sehen, die mit der Kirche Christi nichts mehr zu tun haben. Sie dachten, den Anker der Wahrheit gefunden zu haben und dann wird dieser auf dem Schiff selbst als höchstens relativ eingeschätzt (von der gefühlten Mehrheit der heimischen Mannschaft). Doch genau dort gehört man hin, in diese eigene Pfarrei (von Wahl-Pfarreien bin ich ja bekanntermaßen kein Fan), und früher oder später findet man übrigens auch schnell Mitstreiter.

Hierzulande ist das mit der Binnen-Evangelisierung natürlich noch schwieriger als andernorts, da einige der Verwirrer kirchensteuerbasiert finanziert werden. Aber das darf kein Grund sein aufzugeben, so etwas interessiert den Herrn selbst ja auch weniger.
Nicht vergessen werden darf das Gebet für die Kleriker und Laienentscheider vor Ort in der eigenen Pfarrei. Ich habe selbst schon erlebt, welch positives Ergebnis das beharrliche Gebet erwirken kann.


‘N bißchen spät

Veröffentlicht am Sunday, 15. May 2011, 21:54

Ich kam vorher nicht dazu, daher beglückwünsche ich ein bißchen verspätet als Landsmann* den Alipius sehr zu seiner Weihe für den Herrn und wünsche ihm immer ausreichend Gnade!

(*soviele bloggende Düsseldorfer mit katholischem Themenschwerpunkt gibt’s ja außer uns beiden bislang nicht)


Keine gemeinsame Basis

Veröffentlicht am Thursday, 12. May 2011, 08:03

Diese Tage lese ich mich gerade durch ein ein paar Jahre altes Buch mit theologischen Beiträgen zur gesellschaftlichen bioethischen Debatte, alles alles rund um “Recht auf Nicht-Leiden”, “wann beginnt der Mensch”, Personenbegriff etc.
Dabei werden natürlich auch die Grundpositionen der säkularen Ethiker angesprochen und dargelegt (wenn auch nicht so möglichst objektiv wie bei der scholastischen Methode).

Bei all dem fällt mir folgendes auf:

es sind alles nur - Meinungen.

Da behaupten die einen, der Mensch beginne erst mit der Fähigkeit, sich selbst zu versorgen. (Meinung A)
Andere stimmen grundsätzlich zu, setzen diesen Punkt aber aus praktischen Erwägungen mit der Geburt an (allerdings gibt es natürlich keinen sich selbst versorgenden Neugeborenen, aber das wird vernachlässigt). (Meinung B)
Andere wiederum - wie auch mal der sehr geschätzte Mitblogger Josef Bordat und ebenso geschätzte Ethiker wie Prof. Schockenhoff - führen das Potentialitätsargument an und sagen, entscheidend für die aktuell Beurteilung eines Wesens sei das, was aus ihm werden könne, wenn diese Entwicklung nicht behindert wird. (Meinung C)
Ganz andere lehnen es generell ab, der menschlichen Spezies eine ethische Sonderrolle zuzugestehen und halten die grundsätzliche Gleichsetzung der Würde für Mensch und Tier für den Normalfall (Meinung D), was dann wiederum durch individuelle Fähigkeiten zu unterschiedlichen Wichtungen führe (Meinung E).

Sicher gibt es auch noch zahlreiche andere Meinungen, aber: alles das sind einfach hingeworfene Meinungen, mal mehr mal weniger kunstvoll in langen Sätzen mit aufwendiger Grammatik versteckt, mal mehr mal weniger aufwendig nachträglich durch Argumentationsketten gestützt. Ein penetrantes Fragen nach dem “warum eigentlich” würde bei jeder der genannten Meinungen letztlich zu dem Schluß führen “weil ich das so meine”, mehr nicht. Also warum ist die Fähigkeit zur Eigenversorgung entscheidend, warum das Potential, warum sind prinzipiell Tiere und Menschen gleich viel wert, warum, warum, warum. Es sind halt Meinungen.

Das christliche Argument, daß der Mensch Ebenbild Gottes ist und er uns schon im Mutterleib geformt hat - wenn er also mich geformt hat, war ich schon von Beginn an Person - fehlt (nicht in dem Buch, aber in der gesellschaftlichen Debatte). Aber ehrlicherweise ist auch das in den Augen Nichtglaubender bloß eine Meinung mehr …

Ich sehe auch keine Möglichkeiten, diese hermeneutischen Ansätze - einmal nur innerweltlich, einmal das Transzendente einschließend - irgendwie miteinander in Einklang zu bringen. Letztlich sind wir bei dem Punkt, über den Habermas und Ratzinger 2004 in Münschen sprachen. Wenn alles dikutierbar ist, wie Habermas prinzipiell einfordert, dann entscheiden nicht mehr die Argumente, sondern die Macht - deswegen wünscht er sich auch den “herrschafftsfreien Diskurs”, also etwas ungefähr so realistisches wie Gottes Reich auf Erden.

Gerade die Bioethik ist der anschaulichste Fall dafür, daß die ethischen Debatten den Strukturen der Macht folgen. Die Reihenfolge ist nicht: was dürfen wir tun und dann schauen wir, wo die Grenzen des Machbaren sind - sondern umgekehrt: was können wir tun und wie weiten wir das aus, was wir tun dürfen, damit wir immer weiter gehen und letztlich Profit winkt. Unverfügbarkeit gibt es schon lange nicht mehr.


“Nur nicht übertreiben”

Veröffentlicht am Tuesday, 10. May 2011, 21:44

Dieser bürgerliche Satz, der aus dem Mund manch eines meiner Familienmitglieder stammen könnte, ist die Hauptbremse des Christentums.

Die Heiligen haben alle eines gemeinsam, so unterschiedlich sie gewesen sein mögen:

aus bürgerlicher Sicht haben sie’s einfach übertrieben.

Deswegen sind wir alle, als Christen berufen zur Heiligkeit, auch als Christen berufen, es zu übertreiben mit dem Christsein.


Gewährsmann

Veröffentlicht am Monday, 09. May 2011, 21:23

Es regen sich immer wieder Christen auf, daß die Bischöfe hierzulande noch nicht sehr lautstark gegen die massive Christenverfolgung insbesondere in muslimisch dominierten Ländern protestieren. Dabei wird gleichzeitig die Reziprozität gefordert, das heißt, daß man bspw. Moscheebauten nur erlauben sollte, wenn in dem muslimischen Land, in dem die musl. Gemeindemitglieder mehrheitlich ihre kulturelle Heimat sehen, auch Kirchenbauten problemlos möglich seien.

Warum also ist das Verhalten der Bischöfe so wie es ist? In die Herzen kann ich natürlich nicht schauen, und ich weiß auch nicht, wie es um den Mut unserer Hirten so bestellt ist (bin da aber ehrlich gesagt eher skeptisch), doch den Grund, warum sie nicht beschimpfen oder konkrete Menschen verurteilen, habe ich hier gefunden:

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Soweit ich weiß, sind die Worte des Sprechers hier sogar normierend im Christentum als Aufforderung. Man mag sie nicht immer erfüllen können, aber wenn es andere tun, sind sie zu beglückwunschen für das Geschenk der Gnade.