Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Erhellend

Veröffentlicht am Saturday, 13. September 2003, 20:49

Wahrscheinlich hat der werte Leser genauso wenig gemerkt wie ich, dass dieses Jahr das Jahr der Bibel ist. Nein, nicht von der UNO ausgerufen, sondern von Vertretern der deutschen Christenheit. Ab und an kann man ja mal daran erinnern.


Nazareth

Veröffentlicht am Wednesday, 10. September 2003, 22:17

Wenn man sich mal die Szene der Taufe Jesu durch Johannes vergegenwärtigt (oder eine verstaubte Bibel aus dem Regal holt und sie bspw. bei Matthäus nachliest), so findet ja, kurz zusammengefasst, folgendes statt: Jesus wird getauft, eine Taube kommt herab und eine Stimme erschallt, die sagt, dass Jesus Sein Sohn sei und Er an ihm Gefallen gefunden habe.

So, ich bleibe mal bei der letzten Satzhälfte. Jesus hat bei Ihm, dem Vater, also Gefallen gefunden. Allein diese Sohn-Geschichte ist ja schon krass genug, dazu auch noch Gefallen. Doch was hat Jesus getan, um dieses Gefallen zu bekommen? Was berichten die Evangelien über die ersten 30 Jahre? Bis auf die kurze Story bei Lukas (mit 12 J. im Tempel) offensichtlich nichts. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Jesus ganz normal und unscheinbar in Nazareth, am Sabbat in der Synagoge natürlich, seinen Lebensalltag bestritten hat, wohl auch wie Josef als Zimmermann.

Hmmm. Er hat gefallen Gefunden durch Alltag, schnöden Alltag. Keine große Leistung. Keine Wunder, große Heilungen, Sündenvergebung etc., das kam erst danach, nach der Taufe.

Kann das nicht ein Trost für uns sein, auch für die, die meinen, immer gleich groß das Wort des Evangeliums auf eine (nicht immer angemessene) Art posaunen zu müssen? Alltag reicht, um Gefallen zu finden bei Gott. Was will man mehr.
Natürlich ist Evangelisation immer notwendig und richtig, ohne das Wort geht das
auch nicht. Aber es geht eben auch durch normalen Alltag. Und für manche ist genau dies die Bestimmung.

Wie es z.B. für diesen Mann war, für Charles de Foucauld:

Er, der durch gelebtes Moslemsein der Bewohner in Algerien zum Christen wurde (besonders ihr Gebet hatte ihn beeindruckt - eine Parallele zu Franziskus), zog sich nach Eintritt bei Trappisten und Jahre später Austritt nach Nazareth zurück, als Einsiedler, schließlich in die algerische Wüste. Dort lebte er unter den Nomaden, ganz einfach und ohne großes Aufheben (und schrieb das bis heute beste Wörterbuch Französisch-Tuareg und umgekehrt). Er wollte einen Orden gründen, doch niemand schloss sich ihm zeitlebens an (da hatte Franziskus mehr Glück). Er lebte für viele Jahre dort, keiner wurde Christ. Also erfolglos geblieben?

Durch diese Lebensart beeindruckt gründete die erst 1989 im Alter von 91 Jahren gestorbene Magdeleine Hutin die Gemeinschaft der “Kleinen Schwestern Jesu”, es gab seit 1933 auch, 17 Jahre nach Charles’ Tod, auch schon nach dessen Regel eine Gemeinschaft der “Kleinen Brüder Jesu”.

Schwestern wie Brüder leben heutzutage zumeist in kleinen Gemeinschaften in Städten, und, was sie sehr von anderen Orden und Kongregationen unterscheidet, arbeiten außerhalb von Kirche in den unteren Berufen, die die Gesellschaft so anbietet: Putzfrau, Müllabfuhr, Großbäckerei, irgendwo am Fließband…

Eben unscheinbar. Nazareth. Und, vielleicht, findet Er ja Gefallen an ihnen. Ohne große Worte und Taten.

Was wohl Sr. Magdeleine dazu sagen würde?


Entwicklungsland

Veröffentlicht am Tuesday, 09. September 2003, 18:46

Heute ist ein guter Tag. Zumindest für mich.

Denn heute hat sich wieder mal gezeigt, was ein Mensch alleine erreichen kann:

Dieser Mann, Dr. Norbert Jäger aus Kiel, hat heute vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten, dass er und viele Tausende anderer deutscher Assistenzärzte nicht mehr über 12 Stunden am Stück arbeiten müssen. 12 Stunden sind ja noch lachhaft, 30 Stunden sind die Regel bei einem Dienst. Und zwar, wenn’s wirklich hart wird, ununterbrochen. Wer möchte von so einem Chirurgen operiert werden? Doch wer fragt sich schon in der Nacht zum Sonntag um 02.00 Uhr morgens in der Ambulanz, wenn seit fünf Tagen der Daumen weh tut und man es ausgerechnet um die Uhrzeit nicht mehr aushält, wie lang der Arzt oder die Ärztin da schon arbeitet? Nach meinen (mehrjährigen) Erfahrungen: niemand.

Wer Selbsterhaltungstrieb pur (=Egoismus) erleben will, begebe sich in eine Ambulanz eines Krankenhauses.

Man darf sich aber nicht vorstellen, dass dieses Urteil überall auf Gegenliebe stößt. Schon jetzt gibt es Kliniken zuhauf, in denen Überstunden nicht aufgeschrieben werden dürfen. Und die Bereitschaftsdienste machen richtig Geld aus, Geld, mit dem manch ein Arzt seine Hypotheken fürs Haus abbezahlt.

Und wer meint, Herr Jäger wolle sich nur in die Hängematte legen:

“Arzt zu sein ist einer der schönsten Berufe der Welt”, sagt Jaeger, “einen Menschen erfolgreich zu reanimieren, das ist etwas Gigantisches.” Er würde immer wieder Klinikarzt werden wollen: “Auch wenn 40 bis 50 Prozent der Ärzte nicht mehr im Krankenhaus arbeiten wollen und abhauen.”
Der Vater zweier Töchter ist mit einer Ärztin verheiratet. Von 1989 bis 1992 hat der gebürtige Koblenzer im Entwicklungsdienst in Lesotho (Afrika) gearbeitet: “Da waren drei Ärzte für etwa 250 000 Menschen zuständig”, erzählt er, “aber als ich zurückkam, sah ich, dass Deutschland ein Entwicklungsland ist.”
Wenigstens in den Kliniken. “Ich musste klagen”, wiederholt Jaeger, das habe er mit seiner Frau besprochen, die gesagt habe: “Du kannst doch gar nicht anders …”
Jetzt sieht Norbert Jaeger dem Urteil des EuGH in Luxemburg fast demütig entgegen. “Ich werde wohl in eine Kirche gehen und eine Kerze anzünden - was bei der Verhandlung geschieht, bestimmt ein anderer als wir”, sagt der überzeugte Christ, “auch wenn wir verlieren, wäre das kein Drama für mich persönlich.”

Gelobt sei der Herr.

Ich freue mich.

Mal sehen, wann sich jetzt was tut. Erst mal lange nichts, da sind Verwaltungschefs von Kliniken und Politiker schon erprobt drin.


Tips

Veröffentlicht am Sunday, 07. September 2003, 17:45

Dies Domini.

Er sieht eher aus wie ein Mitglied der US-Marines, war aber einer der größten christlichen Mystiker des 20. Jahrhunderts:

Thomas Merton.

Er trat nach Konversion zum Katholischen Glauben in ein Trappistenkloster in Kentucky, USA ein. Er schrieb viele gute Bücher über Meditation und Kontemplation, über die Einsamkeit, über die christliche Erfahrung des Zen. Seiten über ihn gibt es zuhauf, da ist kaum ein link notwendig.

Spirituelle Erfahrung ist ein immer größer werdendes Bedürfnis heutzutage.
Hier einfach mal eine spontane Liste von Autoren und Autorinnen, deren Schriften mir dahingehend bisher sehr gefielen und halfen, auch durchaus mal etwas Intellektuelles dabei (und deswegen interessant, aber mir manchmal zu hoch). Es suche jeder selbst im Netz der Netze:

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Josef Sudbrack SJ, Romano Guardini, Edith Stein, Mutter Teresa, Franziskus von Assisi (ach was!), Bonaventura, Gisbert Greshake, Philokalie (ein Werk, kein Autor), Emmanuel Jungclaussen OSB, etc.

Mehr fallen mir im Moment nicht ein.


Leben

Veröffentlicht am Saturday, 06. September 2003, 22:27

Ein bisschen weiter unten habe ich schon einmal Ruth Pfaus Webseite erwähnt. Wer es darauf noch nicht entdeckt hat, seit mehrern Tagen schreibt ein Reporter ein Internet-Tagebuch. Sehr lesenwert, es zeigt die menschliche Seite des Landes, von dem wir nur aus Kashmir-Kriegen und Taliban-Unterstützern etwas mitbekommen.


Brüder

Veröffentlicht am Saturday, 06. September 2003, 21:52

Heute war ich bei der Einkleidung zwei neuer Novizen im Franziskanerkonvent Remagen.
War schön, eine schön gesungene Vesper, die Familien der beiden neuen Novizen (der eine so um die 26 Jahre, der andere etwas über 40 Jahre alt) waren da, dazu noch einige Brüder aus anderen Häusern der Ordensprovinz. Möge Gott Ihnen geistige Beweglichkeit und Kraft für die sicher irgendwann kommenden Tage der Wüste, Zweifel und Anfeindungen geben.
Einer der Brüder hat einen Ordensnamen angenommen, das ist bei weitem nicht mehr üblich in den meisten Orden. Es ist auch immer etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man jemanden plötzlich mit einem anderen Namen ansprechen muss, den man schon vorher (wie ich ihn) mehrere Jahre kannte. Aber jeder wie er mag.


Die Einheit bröckelt

Veröffentlicht am Tuesday, 02. September 2003, 21:42

In der Anglikanischen Kirche brodelt es schon seit geraumer Zeit. Die Unterschiede in dieser weltweiten Vereinigung eigenständiger Kirchen begannen erstmals offen hervorzutreten, als die Priesterweihe für Frauen zuerst debattiert und 1993 dann eingeführt wurde. Schon da gab es heftigste Auseinenadersetzungen innerhalb der Kirche. Bischöfinnen gibt es derzeit nicht.

Doch jetzt hat der Streit eine neue Dimension bekommen. Der noch relativ neue Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, das geistliche Oberhaupt dieser Kirche (zu dessen Amtseinführung übrigens der brit. Premierminister zustimmen muss), ist offen für die Weihe von homosexuellen Priestern und Bischöfen sowie für die Heirat von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.

Besonders in Afrika, in Nigeria leben weitaus mehr Anglikaner als in Großbritannien, stemmt man sich dagegen und droht mit der Kirchenspaltung.

Und was passiert? Erzbischof Williams spricht schon offen von einer Spaltung, will sie eventuell hinnehmen, spricht von einem “großen Durcheinander” (siehe Artikel).

Die Frage stellt sich, da auch die kath. Kirche von derartigen Debatten nicht frei ist: welchen eigenständigen Wert hat die Einheit der Kirche? Wir reden viel von Ökumene mit anderen Konfessionen (u.a. den Anglikanern), doch wie sieht’s mit den inneren Spaltungen aus? Werden sie ausbrechen?


Dank

Veröffentlicht am Tuesday, 02. September 2003, 21:10

Dem Mann auf der rechten, Bruder José (Guiseppe), habe ich einiges zu verdanken. Er leitet die “Obras Hermano Pedro” in Guatemala, eine sehr wichtige und landesweit bekannte soziale Einrichtung. Hier ist eigentlich der einzige Ort, wo die Einwohner dieses zweitärmsten Landes Amerikas (nach Haiti) sehr gute und nahezu (oder ganz) kostenlose medizinische Versorgung erhalten, hier leben geistig und/oder körperlich “Behinderte” sowie verlassene Alte sehr menschenwürdig und liebevoll, “Behinderte” erhalten eine staatl. anerkannte Ausbildung. Hier konnte ich erste chirurgische Schritte unternehmen und wurde vor allem liebevoll empfangen. Mit einem Mitbruder von Br. Guiseppe hatte ich in Deutschland gesprochen, dieser ihm Bescheid gesagt (dank Email) und als ich dann da abends vor der Tür der Einrichtung in Antigua Guatemala stand, kam er den langen Gang entlang, begrüßte mich herzlich und zeigte mir sofort mein Zimmer. Franciscan Connection!
Im Laufe der Tage merkte ich dann, was für ein tief spiritueller Mann das war: bescheiden, keinerlei Höhenflüge trotz der großen Verantwortung für Angestellte und Bewohner, fromm, demütig.

Doch auch woanders habe ich in Guatemala sehr schöne Erfahrungen gemacht, im Regenwald (hier das dortige Haupttransportmittel)

Wer mehr darüber wissen will, wie da der Alltag so aussah, samt ein paar Bildern, der kann hier klicken. Das (übrigens nichtkirchliche) Projekt ist, da es jetzt fast zu 100% in Mayahand ist, ein gelungenes Beispiel von nachhaltiger Entwicklung. Begonnen von einem einzigen Mann zu Beginn der 90er, jemand mit einer Vision.
Übrigens war ich auch am 11.09.01, an dem 11. September, gerade da. Es wusste zwar jedes Dorf, was in NY passiert war, viele hielten mich auch für einen US-Amerikaner (da ist ein Ausländer fast immer ein solcher), aber der Hype ist Gott sei Dank an mir vorüber gegangen.


Fundament

Veröffentlicht am Tuesday, 26. August 2003, 21:57

Zur Zeit lese ich ab und an thematisch angeordnete Texte der Kirchenväter. Namen wie Ambrosius, Gregor von Nazianz, Johannes Chrysostomus, Irenäus von Lyon, Ignatius von Antiochien, Augustinus, Ephraem der Syrer und Leo der Große tauchen darin auf, aber auch ebenso wichtige, wenn auch im Geschichtsverlauf tragische Männer wie Origenes und Tertullian.
Doch was sind überhaupt Kirchenväter, wieso heißen sie so und wozu sie lesen? Es sind Männer des größtenteils 2. bis 5. Jahrhunderts, die die apostolische Lehre in Worte fassten, die den Glauben gegen falsche Ansichten verteidigten und aufgrund der Auseinandersetzung mit der heidnischen hellenistischen Welt die oftmals mündlich überlieferte Lehre, die über das Wort des Evangeliums hinausging, in Worte gossen. Bei ihnen kann man nicht nur den apostolischen Glauben finden, sondern auch die große Einheit mit der Ostkirche verspüren, da diese Männer für beide Schwesterkirchen größte Autorität genießen.

Und machen wir uns nichts vor: es war schon für damalige Menschen schwierig zu glauben bis un-glaublich, dass Gott höchstpersönlich Mensch wurde, dass die Empfängnis Gottes ohne männlichen Samen bewerkstelligt wurde, dass dieser Jesus mausetot war und von den Toten wiederauferstand.

Leicht geht es uns über die Lippen, das abschätzige “ja, damals”. Doch muss man über Industrien und ein Stromnetz verfügen, um zu wissen, dass es Kinder ohne Sex normalerweise nicht gibt? Muss man Flugzeuge und Autos haben um zu wissen, dass Tote im Normalfall eben nicht mehr erscheinen?
Welche Arroganz treibt uns (und es war so auch in mir lange Zeit) denn um: wer auf Eseln reitet hat quasi “per definition” keine Ahnung vom Leben?
Unterschätzen wir nicht die vor uns Gewesenen.


Es gibt sie

Veröffentlicht am Thursday, 21. August 2003, 16:31

Wer sie noch nicht kennt, hat was verpasst.

Ruth Pfau.

Hier ist ihre Seite.


Gucken

Veröffentlicht am Thursday, 21. August 2003, 16:21

Es ist soweit, die Bilder der Vézelay-Wallfahrt sind für die schon gespannt wartende Weltöffentlichkeit im Netz der Netze öffentlich zugänglich, sogar ohne Gebühren!

Einfach hier und dann aufs Foto klicken, die je nach Netzzugang längere Ladezeit abwarten, starten und dann genießen….

Das Lied (nach dem Sonnengesang des Franziskus) ist übrigens von dem Bruder geschrieben worden, der auf dem Bild mit dem Erzbischof (7/90) auf dem rechten Bildrand erscheint. Man sieht ihn auch später noch öfters mit Gitarre. Und ich selbst bin glücklicherweise nur selten abgebildet.


Lahm

Veröffentlicht am Tuesday, 19. August 2003, 17:19

Worüber regen sich Christen hierzulande auf? Sinkende Gläubigenzahlen, weniger Priester, miese Presse, das eine oder andere römische Dokument vielleicht (auch wenn diese kaum jemand wirklich liest), die Ökumene etc.
Es gab einen Ökumenischen Kirchentag, über vieles wurde debattiert gesprochen und so weiter. Doch über eines im offiziellen Programm überhaupt nicht.

Die verfolgten Christen weltweit.

Ist wohl nicht en vogue im Wischiwaschi-Christentum der europäischen Postmoderne, dass ihre Religion die meistverfolgte der Welt ist. Könnte ja ein schlechtes Gewissen verursachen, da reden wir lieber über die Kirchensteuer oder Gottesdienste als Events.

Die Religions- und Gewissensfreiheit ist die Mutter aller Menschenrechte, sie war der Grund für die ersten Auswandererwellen in die Neue Welt, sie stieß so manches religiöses Monopol um. Ohne sie hätte es nie die Bill Of Rights gegeben. In Ländern mit mehrheitlich oder zum Großteil christl. Bevölkerungen ist sie überall gewahrt und geschützt - fast nirgendwo sonst!

“Kirche in Not/Ostpriesterhilfe” (siehe linkliste) hat jetzt eine neue deutsche Webseite gestartet. Es gibt kaum etwas, was mir global wichtiger erscheint. Angesichts der zunehmenden Identitätssuche weltweit werden die Religionen eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Wer mal nicht weiß, um was er beten soll, wer mal schauen will, ob seine Probleme wirklich groß sind, informiere sich dort.

Auch wenn ich es von kath.net habe, fonolog hat die Info auch schon kommentiert.


Zusatz

Veröffentlicht am Saturday, 16. August 2003, 23:19

Ich vergaß zu erwähnen, dass die einzige dt. Kartause bis in die 60er Jahre des jetzt letzten Jahrhunderts auf Düsseldorfer Boden stand, genauer gesagt in Düsseldorf-Unterrath im Norden der Stadt. Aufgrund des sich ausbreitenden und lauter werdenden Flughafens zogen die Mönche dann ins Allgäu nach Bad Wurzach und errichteten dort die Kartause Marienau.


Anders?

Veröffentlicht am Saturday, 16. August 2003, 21:05

Verstehen wir so ein Leben? Nur Gott im Gebet zugewandt, nicht bedacht auf messbare Wirkung nach außen, nicht darauf aus, die Welt zu verbessern oder irgendeinen Erfolg oder Anerkennung zu haben.

Kartäuser.

Der einzige Orden, der sich seit der Gründung vor über 900 Jahren nicht reformiert hat. Nicht reformieren musste?

Und: Franziskus zog sich Zeit seines Lebens immer wieder in Einsiedeleien zurück, hätte sich mal fast ganz dafür entschieden. Wer das nicht versteht, versteht Franziskus nicht.


Vézelay 2003 Teil II

Veröffentlicht am Saturday, 16. August 2003, 16:05

Also, ich versuche mal grob, meine Eindrücke und Erinnerungen in Worte zu fassen. Als wir am letzten Tag, voller Ermüdung und Blasen, den Hügel von Vézelay sahen und das “In Deinen Toren will ich stehen” anstimmten, kam noch einmal so etwas wie Belebung in unsere Gruppe. Da wir sehr früh da waren, hatten wir jede Menge Zeit, vor einem der alten Stadttore rumzuhängen. Schließlich ging es als erste Gruppe zum letzten Anstieg in die Basilika, angefeuert von den anderen Gruppen, die wir erstmals sahen (es waren insges. fünf Sprach- und Regionsgruppen, die auf einer je eigenen Route sternförmig auf Vézelay zugewandert waren).
In der Basilika (davorstehend hatte ein Franziskaner aus Togo uns trommelnd freudig begrüßt)erwartete uns schon der Erzbischof mit Franziskanern, Klarissen und der Gemeinschaft von Jerusalem. Wir überbrückten die Zeit bis zum Eintreffen aller anderen mit “Laudate omnes gentes”.

Aber ich werde zu detailliert, das wird dann ja nie fertig. Die vier Tage selbst in Vézelay waren sehr abwechslungsreich. Gemeinsames Morgengebet, vieles in den drei Sprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch, Erfahrungsaustausch unter den Gruppen, Nacht der Liturgie, Abende des Feierns, Besuch der Einsiedelei, Markt der franziskanischen Möglichkeiten (ich hielt mich lange bei den umherziehenden Brüdern auf) und nicht zuletzt die feierliche Messe zum Todestag der Hl. Klara.

Einfach ein sehr schönes Erlebnis.


Ausblick?

Veröffentlicht am Thursday, 14. August 2003, 21:58

Die “erste Tochter der Kirche” wurde sie einst genannt, die katholische Kirche in Frankreich. Heute gehören die großen Kathedralen dem Staat, sonstige Kirchen den örtlichen Gemeinden (also nicht den Pfarrgemeinden) und, selbst im Burgund erlebt, verstauben und verfallen stark. Der sonntägliche Messbesuch liegt auch in den ländlichen Gebieten bei unter 5% der Getauften (welche etwas über die Hälfte der Bevölkerung ausmachen), viele Gemeinden werden von Laiengremien, die der Bischof ernennt, geführt und von einem für mehrere Gemeinden zuständigen (und oft älterem) Priester koordiniert, oder wie diese selbst sagten, moderiert. Ein Ortspfarrer erhält ein Gehalt von rund 500 Euro / Monat, dafür übernimmt die Gemeinde o. der Landkreis die Kosten für Miete (Pfarrhaus), Nebenkosten und Telefon. Ein Ortspfarrer arbeitete nebenberuflich und freiwillig als Kuchenverkäufer auf dem Markt. Eine Kirchensteuer gibt es nicht, die Kirche ist arm. Das ist die eine Seite.

Lebendige Ordensgemeinschaften (trotz Nachwuchsmangel der großen Orden), Franziskaner, die wie in frühesten Zeiten ohne Geld und ohne solches anzunehmen durch die Gegend ziehen und durch ihr Leben predigen ohne große Worte (das mit tollen Erfahrungen), über 800 Klarissen landesweit, neue mönchische Ordensgemeinschaften wie die von Jerusalem (s. Eintrag vom 12.08.), die stark an Zahl zunehmen, mehrere hundert Einsiedler im ganzen Land verstreut, das Priesterseminar in Paris ist voll (die theolog. Ausbildung erfolgt nicht an einer staatl. Uni in Paris), weitaus mehr Erwachsenentaufen als in Deutschland bei geringerer Bevölkerungszahl, viele Klöster als spirituelle Zentren und Eintrittspforte in die herrliche Welt des Glaubens… Das ist die andere.

Was mag davon Zukunft werden für die Kirche in Deutschland?


Kurz bemerkt

Veröffentlicht am Wednesday, 13. August 2003, 21:56

Habe gerade festgestellt, dass sowohl die Hl. Klara von Assisi als auch Nikolaus von Kues, auch Cusanus genannt, am 11. August ihren Todestag feiern, die erste 1253 (ihr 750. Jubiläum war der Grund für die Wallfahrt nach Vézelay), letzterer 211 Jahre später 1464. Beide waren sehr beeindruckende Persönlichkeiten, sehr unterschiedlich im Wirken und Ideengut und doch von einer ungeheuren Gottessehnsucht durchdrungen, wenn auch auf unterschiedlicher Art.
Es lohnt sich, beide Leben genauer zu betrachten.


Betäubt

Veröffentlicht am Tuesday, 12. August 2003, 22:26

Ich bin noch ganz benommen von den umwerfenden Erlebnissen in Vézelay, in Teil II werde ich zumindest versuchen, einiges dazu zu hinterlassen.
Dieser Ort alleine ist der Hammer. Auch wenn ich nie in Assisi war, alle sagten mir, die Ähnlichkeit ist frappierend, viel mehr die der Atmosphäre als unbedingt die der Geographie. Am Fuße des Hügels liegt die Eremitage “La Cordelle”, die derzeit von vier Laienbrüdern bewohnt wird, ein Ort des Gebetes und der Stille gemäß der Regel des Franziskus für die Einsiedeleien, übrigens die erste Niederlassung der Minderbrüder (Franziskaner) in Frankreich überhaupt, zu Lebzeiten des poverello von seinem Mitbruder und Musiker Pazifikus gegründet. Nur wenige Meter davon rief der Hl. Bernhard von Clairvaux den 2. Kreuzzug aus, dort in der Basilika liegen die Gebeine der Apostolin der Apostel, der Erstverkünderin der Auferstehung, der Hl. Maria Magdalena.
Obwohl das Dorf bloß rund 1000 Einwohner zählt, gibt es dort Franziskanerinnen, die genannten Franziskaner ganz nahe und die Basilika selbst dient der Gemeinschaft von Jerusalem, eine in Zahlen boomende neue Ordensgemeinschaft, als Stätte des täglich mehrfachen und liturgisch wunderschönen und würdevollen Gebetes…


Vézelay 2003 - Teil I

Veröffentlicht am Tuesday, 12. August 2003, 21:40

Mehr als 55 Grad in praller Sonne.
Mehr als 20 km pro Tag (insgesamt vier) gelaufen, auch in der Mittagshitze.
Mehr als 5 Liter Wasser am Tag getrunken.
Mehr draußen als in den Sporthallen geschlafen.
Mehr als eine Blase an manchen Zehen.
Mehr als nur eine Nation vertreten.
Mehr Ordensleute als “Weltleute”.
Mehr gelacht als sonst.
Mehr sehr gute und tiefe Gespräche geführt als sonst.
Mehr auf den anderen geachtet, mehr geholfen als sonst.
Mehr Hilfe angenommen als sonst.
Mehr vertraut als sonst.
Mehr verwandte Seelen gefunden als sonst.

Mehr…


Weg

Veröffentlicht am Sunday, 03. August 2003, 20:01

Ab morgen früh bin ich in Richtung Frankreich unterwegs (siehe Eintrag vom 20.07.), dann wird bis zum 12. oder 13.08. hier nichts passieren.


Les, les

Veröffentlicht am Thursday, 31. July 2003, 22:45

Ein schöner Tag, ich habe nämlich noch zwei Bücher von George Bernanos (s. Eintrag vom 20.07.) und die “Pensées” von Blaise Pascal sowie die Psalmenübersetzung von Martin Buber leihweise zum Lesen bekommen können. *Freu*


Zurück

Veröffentlicht am Wednesday, 30. July 2003, 21:27

Es gibt ja Menschen, man glaubt es kaum, die werfen konservativen (also “bewahrenden”) Theologen, unter ihnen auch solche in leitenden Positionen in der Kirche, eine “rückwärts gewandte Theologie” vor.
Ist ja eigentlich ein Kompliment, auch wenn’s nicht so gemeint ist. “Re-ligio” ist die Rück-bindung, das Festbinden an ein Fundament. Ich freue mich daher sehr über eine an Jesus und Seine Apostel “rückwärts” gewandte Theologie.
Wer seine Wurzeln nicht hegt und pflegt, der verdorrt.


Mensch

Veröffentlicht am Monday, 28. July 2003, 23:01

Wahrscheinlich hat es einigen Ärger ausgelöst (Blasphemievorwurf und so), aber dieses Bild mit dem Titel “Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind” von Max Ernst hat mir schon immer gut gefallen (man beachte den hinunter gefallenen Heiligenschein!), vielleicht auch deshalb, weil ich seine anderen surrealistischen Bilder auch mag und sowieso ein Surrealismus-Fan bin.
Darf man als Christ so ein Bild mögen? Na klar (zumal die Frage schon albern ist). Es zeigt meines Erachtens eher ein beschränktes Jesusbild, wenn man die Menschwerdung nicht in all ihren Dimensionen realisiert. “Er war uns in allem gleich, außer der Sünde” steht im Hebräerbrief. Das heißt eben unter anderem auch, dass Jesus sich mit den zeitgenössischen Werkzeugen die Zähne geputzt haben mag und wohl täglich zu irgendeinem galiläischen Plumpsklo ging. Und die zeitgenössischen Erziehungsmethoden mögen auch dabei gewesen sein, warum auch nicht. Extrem menschlich halt.

Dass Gott Mensch geworden ist (beziehungsweise, für Außenstehende, geworden sein soll), und zwar ein ganz alltäglicher dazu, ohne großen Pomp, im Gegenteil, schafft eine Spannung im Glauben, die man nicht verdrängen sollte, auch wenn’s dann einfacher (und falscher) wird.

“Durch ihn und auf ihn hin wurde alles geschaffen” lehrt uns Paulus über diesen Jesus. Und er war auch mal ein kleiner Knirps und machte sich in die Hose.


Unbemerkt

Veröffentlicht am Sunday, 27. July 2003, 20:13

Dies Domini.

Wenn über die Kirche gesprochen wird, dann zumeist negativ. Nun gut, das kennt man ja. Wenn man neben allgemeinem Gejammer auch mal über was Spezielles gemosert wird, dann zumeist die kirchliche Moraltheologie. Okay, abgehakt. Das sind aber die Großthemen bloß hierzulande bzw. in den Industrienationen, also der absoluten Minderheit der weltweiten Christenheit.
Mich verwundert immer mehr die stillschweigende Übereinstimmung aller kirchlichen Flügel, die sich sonst zerfleischen, über ein Thema seltenst zu sprechen: die Kirchliche Soziallehre.
Woran mag das liegen?
Ich spekuliere mal ein wenig, aber was da über die Spekulation mit Aktien, Vertragsbedingungen, Arbeitsrecht, liberaler Marktwirtschaft und Kapitalismus steht, lässt den konservativen katholischen Hochadel wohl ebenso verschämt zu Boden blicken wie den bei IKvu engagierten Chefarzt oder Bankkaufmann…


Entfernung

Veröffentlicht am Sunday, 27. July 2003, 17:29

Dies Domini.

Je mehr ich mit Atheisten oder anderen Ungläubigen (Agnostiker glauben ja nach eigener Meinung auch nicht) debattiere bzw. diskutiere, was ich bei kath.de viel zu häufig tue, desto bewusster wird es mir, dass es sich um eine rein rational unüberwindliche Differenz handelt. Die Schlucht ist zu groß, überspringen kann man sie nur mit Gottes Hilfe und einer Vorbereitung darauf (Einsicht, dass das eigene Hirn nicht der Weisheit letzter Schluss ist).
Daher ist es mal wieder soweit: ich frage mich, warum ich das tue.