Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Ganz nah beieinander

Veröffentlicht am Wednesday, 17. August 2005, 22:15

Es ist schon krass zu sehen, wie all und besonders die US-amerikanischen katholischen Quellen (Blogs, EWTN, Zeitschriften etc.) von Orten und Plätzen berichten, die ich selbst kenne wie meine Westentasche. Eine der besten Berichterstattung bietet der Blog von Young and Catholic, dessen link ich bei Petra fand.
Und genau da wird dann erzählt, wie der Erzbischof von Chicago, Cardinal Francis George, Katechesen genau in der Kirche hält, die ich ein Jahr lang als Pfarrmitglied (bis zu meinem Umzug nach Remagen) sonntäglich besucht habe und bei denen ich ein paar Jugendlichen als Katechist bei der Firmvorbereitung helfen durfte (wir hießen damals “Kachel”, das andere Wort ist auch zu kompliziert anscheinend :-) ).

Weltkirche zuhause. Geil.


Eindrücke II

Veröffentlicht am Wednesday, 17. August 2005, 18:42

Bin gerade aus Köln zurückgekommen. Es ist etwas ganz besonderes, auch wenn schon wissen muß was man sehen und wen man besuchen will, um nicht vollkommen verloren umherzuirren. Die Domplatte sieht man vor lauter Menschen kaum und selbst der sonst immer existente Wind dort hatte eine Pause eingelegt. Ach ja, ein paar nichtkatholische Gruppierungen sah ich auch: u..a einen Evangelikalen mit “Jesus rettet”-Schild und die wie stets sehr adrett gekleideten und seitenscheitelgezogenen Missionare der Mormonen.
Neben ein wenig Schlenderei habe ich konkret das Franziskanische Zentrum in der Ulrichgasse in Köln und die Franciscan Friars of the Renewal besucht, die direkt neben dem Dom in der St. Maria Himmelfahrt-Kirche waren.
Bei ersteren Franziskanern predigte gerade der Generalminister (dieser Worte bedeuten ursprünglich ja “oberster Diener” und so sind sie hier auch gemeint), also der oberste Franziskaner, während der Messe. Der Mann ist Spanier und es war mal wieder schön, eine spanische Messe zu hören. Übrigens gut gepredigt, besonders gegen Ende. Danach war ein wenig Händeschütteln mit dt. Franziskanern angesagt, ich kenne ja einige. Leider war ein guter Bekannter von mir, bald im Noviziat bei ihnen, ausgerechnet heute nicht da.
Bei den “Franziskanern der Erneuerung” (linkliste siehe Reformorden) hatte ich ein langes und gutes Gespräch mit einem von ihnen, dessen Inhalt hier aber jetzt nicht publik wird…

Ansonsten waren es sehr subjektive Eindrücke diversester Art: anscheinend sind fast alle jungen Chilenen in der Schönstatt-Bewegung
(wohl u.a. weil deren Erzbischof da geistlich zuhause ist); jetzt weiß ich wirklich, woher der Name “Italo-Western” stammt - es ist deren Affinität zu Hüten…

Es waren weitaus mehr deutsche Flaggen zu sehen als ich erwartet hatte; es ist einfach ein geiles Gefühl in dieser Kirche zu sein, Teil von ihr zu sein; die Vielfalt der Kirche ist echt der Hammer; die Verehrung für JPII bei den Jugendlichen, der JPII-Generation, ist wirklich stark; Trauer war ob des Todes von Frère Roger aus Taizé überhaupt nicht zu spüren, vielmehr Freude allerorten u.v.m. …


Ein Licht ist erloschen

Veröffentlicht am Wednesday, 17. August 2005, 18:07

Die meisten anderen blogs haben schon davon berichtet, ich sah es gestern nacht kurz vorm Zubettgehen im Fernsehen des Bereitschaftsdienstzimmers, kurz vor Mitternacht auf dem Ticker eines Nachrichtensenders: Frère Roger, der Gründer, der Fels und die Symbolfigur der Gemeinschaft von Taizé ist heimgegangen. Jetzt sitzt er sicher mit seinem Freund Karol Wojtyla nah beim Herrn und schaut der von beiden geliebten Jugend der Welt in Köln beim Beten, Singen und Feiern zu.

Requiescat in pacem.


Oh!

Veröffentlicht am Monday, 15. August 2005, 22:35

Der WDR entdeckt u.a. meinen Blog. Na sowas.


Eindrücke

Veröffentlicht am Monday, 15. August 2005, 20:34

Heute morgen, ich war schon zur Arbeit, haben mich meine beiden rumänischen Gäste wieder verlassen. Es war eine sehr interessante Zeit. Da ich mich nur mit einem von beiden unterhalten konnte (der andere sprach so gut wie null Wort irgendeiner Fremdsprache), war es zwar super nett - ich habe mich extrem gut mit ihm verstanden - aber eben auch etwas eingeschränkt in den Erfahrungen. Der Austausch war auch religiös, was allerdings bei einem Besuch zur Vesper in Maria Laach und in einem lichtdurchfluteten Bonner Münster auch nicht ausbleibt. Ansonsten hatten die Leute selbst mit der hiesigen Pfarre (mit der ich nicht viel zu tun habe) ein großes Programm, u.a. einen Besuch in der Bistumsstadt Trier natürlich.

Der des Englischen Mächtige war der, der nach eigenen Aussagen nicht gläubig ist. Und auch dieser mußte erstaunt feststellen, mir ging es ja früher nicht anders, daß unsere Generation über christliche Symbolik nichts mehr lernt, weder in der Schule noch sonst wo. Was bedeutet die Ostung der Kirchen (”ah, ist das so?), woher kommt der Tabernakel etc.

Warum erzählt das keiner?

Gestern nachmittag konnte ich mich auch etwas länger mit dem Delegierten der karibischen Bischofskonferenz unterhalten. Aus Trinidad (daher kam er), St. Vincent, St. Lucia etc. kamen auch sehr viele hier ins Dekanat, weitaus mehr als aus Rumänien, welches ja auch ein zu weit über 90% orthodoxes Land ist. Nun, dieser Delegierte hat aus einem Gebetskreis mit gerade mal zwei anderen jungen Männern eine Gemeinschaft aufgebaut, die mittlerweile über zwei Dutzend Mitglieder hat, ein Ableger ist auch schon da, und der selbst auch noch - wie uncool - faktisch nach den Evangelischen Räten lebt (was nicht jeder da muß) - anstelle von Armut nennen sie es Einfachheit, was auch ehrlicher ist, denke ich. Das ganze lehnt sich an ein Säkularinstitut an, ist aber (noch?) keins.

Nun, als ich so über meinen Glaubensweg sprach und er über seinen, mußte ich es natürlich loswerden: “You have a lot to give us. Bring us your joy and evangelize us!” Seine ernsthafte Antwort: “Yeah, I hear this all over the place. Seems to be very necessary.”

Ach ja, als er mich fragte, ob meine Bekehrung eine Art charismatisches Erlebnis war (so’ne Art Blitzeinschlag des Heiligen Geistes, gibt es in der Tat!), und ich dies verneinte, dazu auch erwähnte, daß dies hierzulande nicht gerade eine große Bewegung sei, ganz im Gegensatz zum amerik. und afrik. Kontinent, wurde aus dem Strahlelächeln ein kurzes trockenes “yeah, that’s obvious”. Ich konnte mich vor Lachen kaum halten…


Christus beherbergen

Veröffentlicht am Thursday, 11. August 2005, 21:09

Die heute angekommenen Gäste aus Rumänien, die vor dem eigentlichen WJT einige Tage meine Gäste sein werden, zeigen mal wieder, daß es so etwas wie Zufall eigentlich nicht gibt. Am Festtag der Hl. Klara von Assisi findet sich nun Mensch (von zweien) ein, der ebenso wie ich jahrelang von den Franziskus und den Seinen heute inspiriert wurde, der sogar jahrelang bei ihnen lebte (soweit ich das verstehe als Gast), auch wenn er mittlerweile - so gibt er zu - die Gnade des Glaubens nicht mehr sicher hat… schade… er bedauert das selbst…

Danke, Herr.


Steine auf dem Weg

Veröffentlicht am Wednesday, 10. August 2005, 22:43

Bisher war ich ja immer, das ist unter Katholiken nicht gerade Mehrheitsmeinung, für den EU-Beitritt der Türkei (u.a. aus dem einfachen Grund, weil eine sich nach und nach demokratisierende Türkei - und das würde sie nur in der EU tun - ein gutes Beispiel für andere islam. Länder sein könnte). Ich bleibe auch dabei und hege die gleiche Hoffnung wie Seine Heiligkeit Bartholomaios I. Doch leicht macht es mir die Türkei nicht. Solche Beispiele, ich habe nicht den geringsten Anlaß, an dessen Richtigkeit zu zweifeln, machen mich wütend. Das christliche Glaube ist eben die meistverfolgte Religion der Welt. Beten wir für die verfolgte Kirche (wem die Worte fehlen, dem sei im Gotteslob 28,4 empfohlen).
Ich werde mal dem Botschafter hier meinen Protest schriftlich äußern, daß Halki immer noch nicht eröffnet wurde (das kann er schlecht abstreiten).


Weggang

Veröffentlicht am Wednesday, 03. August 2005, 21:47

40%. 40% der Personen, die das Medizinstudium in Deutschland beginnen, arbeiten nachher hierzulande nicht im klassisch-ärztlichen Beruf. Ca. 20% brechen ab, 20% machen nachher was anderes oder gehen ins Ausland.
Gerade jetzt gibt es wieder mehr Proteste, die Ausdauer scheint sich zu lohnen- immer mehr Menschen wird das Ausmaß an Arbeitzeit bewußt, das ein junger Assistenzarzt leisten muß. Ich erlebe das selbst häufiger in der Klinik, nach einem “Dienst” (sprich: mindestens 26 Stunden am Stück mit durchschnittlich 5 Stunden Schlaf drin, aber jederzeit abrufbereit) fragen mich manche, die mich am Vorabend und in der Nacht erlebt haben: “Sie sind ja immer noch hier!”
Im allgemeinen werden schätzungsweise von den Assistenzärzten 60-70 Stunden pro Woche gearbeitet, mein Grundgehalt (BAT angeglichen) liegt in meinem Alter (29, die Einstufung bei Einstellung ist einfach eine Gehaltsstufe drunter bei kath. Häusern, warum auch immer) bei etwas unter 2600 Euro brutto. Das Nettogehalt läge ohne Bereitschaftdienste (kurz eben der obige “Dienst”) bei etwas unter 2000 Euro inklusive Ortszuschlag und dem anderen Kram.

Bei 60-70 Wochenstunden! (Inklusive Bereitschaftsdienste)

Es ist historisch gewachsene Ausbeutung (mein Krankenhaus ist die einzige Ausnahme, die ich bundesweit(!) kenne), daß Überstunden nicht aufgeschrieben werden und auch nicht in Freizeit ausgeglichen werden, es gibt maximal (so kenne ich es von einigen Häusern, das ist aber auch
noch recht jung) so eine Art Pauschalabgleichung wie z.B. fünf extra Tage Urlaub im Jahr (für 60-70 Std./Woche inklusive den Diensten, ohne vielleicht so 50 Stunden …).

Ach ja, es wird ja immer erzählt, wir verdienen so viel zusätzlich durch unsere “Dienste”. Mein Bruttogehalt pro Stunde “Dienst” liegt bei 24 Euro. Okay, wenn ich 40-60 Stunden im Monat extra arbeite, kommt da einiges dazu. Aber erstens ist man zu Diensten verpflichtet und zweitens sind das ja keine Überstunden, wie Herr Lauterbach hier behauptet.

Vielleicht trügt mich ja meine Binnensicht, aber ich halte den Verdienst von Jungärzten, der für einen Single wie mich natürlich mehr als vollkommen reicht (und der Staat kassiert vorher die Hälfte…), bei der Verantwortung (nachts alleiniger Internist im Haus bspw.) und dem Arbeitspensum für alles andere als zu hoch.

Okay, ich gehöre natürlich damit zu den “Reichen”, dem Feindbild der Linkspartei. Daß ich mich manche Wochen des Studiums ungelogen am Monatsende nur noch von Knäckebrot und Marmelade ernährt habe, weil mir als BAFöG-Empfänger eben trotz Studentenbude von 250 DM warm, ohne Auto und mit Studentenfahrkarte für ÖPNV die Kohle ausging, daß gleichzeitig der Junge gleichen Alters, aus dem Wohnhaus gegenüber meinem Elternhaus, schon mit Mitte 20 ein Haus bauen konnte (bei Großunternehmen sind Lehrlingsgehälter nicht immer schlecht) und ich weitaus mehr als ein Jahrzehnt arbeiten muß, um überhaupt gleichzuziehen mit der Summe des Verdienten (vergessen wir mal den Vorsprung des Hausabzahlens), das interessiert alles nicht. (Ähh, nein, ich habe kein Haus und habe auch nicht vor, bald eins zu erwerben, das ist nur ein Rechenbeispiel - der Nachbar ist allerdings real existierend und er hat bereits ein Haus).

Schwarz-weiß ist eben einfach.

Gut, man kann gegen Ärzte polemisieren, wir sind das gewohnt. Dazu die gewohnte Fremdbestimmung von Menschen, die vom Arbeitsalltag praktischer Medizin keine Ahnung haben (dazu reicht auch ein Medizinstudium nicht aus, wie jeder erfährt, der seine erste Stelle
antritt).

Wir stimmen dann mit den Füßen ab.

Und dieses Land hat dann eben zu wenig Ärzte, selber schuld.


Wortfremd

Veröffentlicht am Wednesday, 03. August 2005, 13:45

Neulich sah ich ein großes Plakat mit der Aufschrift, so im typischen Evangelikalen-Style: Laßt euch mit Gott versöhnen!

Wieso? Ich habe mich doch gar nicht mit ihm gestritten!


Zentrum

Veröffentlicht am Monday, 01. August 2005, 22:18

Der Mittelpunkt der franziskanischen Welt feiert morgen sein Kirchweihfest. Porziuncula. Hier wurde von Francesco Bernadone, der Franz aus Assisi, im Jahr 1209 die Gemeinschaft der Minderen Brüder gegründet, später Franziskaner genannt. Hier empfing anno 1214 Chiara di Favarone di Offreduccio, Klara, den kurzen Haarschnitt, der den religiösen Stand symbolisierte. Nicht weit davon starb Franziskus, aufs Innigste vereinigt mit der Herrin Armut, nackt auf dem Boden liegend, umringt von den Brüdern, die ihn von Anfang an begleiteten. Hier kann man von 1216 an bis heute jeden Tag einen vollkommenen Ablaß gewinnen (der Ablaß ist, ich gebe es zu, eine der wenigen theologischen Lehrsachen, die sich mir intellektuell noch nicht ganz erschlossen hat).

Die Mutter aller Kirchen der franziskanischen Familie, eine einfache Kapelle, von Franziskus eigenhändig wiederhergestellt, früher auf freiem Feld, heute umrahmt von einer der größten Kirchen der Christenheit.


100 Tage im Amt

Veröffentlicht am Friday, 29. July 2005, 21:22

Papst Benedikt XVI. ist 100 Tage im Amt. Was hat sich seitdem auf protestantischer Seite in bezug auf Annäherung an uns getan?

(Nur mal, damit beide Seiten gefragt werden)


Anker

Veröffentlicht am Thursday, 28. July 2005, 21:47

Martin hat in seinem Katholischen Notizbuch schon mehrfach über das Stundengebet bzw. über die Bücher, die diese Gebetstexte enthalten. In der Entwicklung meines Glaubenslebens war das Stundengebet von extremer Wichtigkeit, ist es eigentlich bis heute, und auch wenn ich viellecht mal gerade die Komplet oder Vesper ab und an schaffe, nicht selten hungere ich danach.
Es gab eine Phase, damals wohnte ich gerade in einem Studentenwohnheim der Kath. Hochschulgemeinde (dafür muß man nicht hardcore-katolisch sein, aber auf jeden Fall nicht abgeneigt), als ich mit einem damaligen Nachbarn nahezu jeden Abend zu zweit in der Kapelle nur bei Kerzenschein singend die Komplet betete, zum Teil auch die Laudes.

Der Hammer.

Genauso wie man das Kirchenjahr und die kirchliche “Verarbeitung” des gesamten Geschehens mit und um Jesus erst versteht, wenn man wirklich jeden Sonntag zur Kirche geht (insbesondere in den Zeiten Advent bis Pfingsten), versteht man einen Großteil der Theologie wirklich nur dann mit Herz und Verstand, wenn sie betend erfährt. Die Hymnen sprechen für sich, das immer wiederkehrende Durchkauen (”Ruminatio”, ein Kernbegriff der christl. Meditation) der Psalmen läßt sie zum eigenen Gebet werden, es ist dann viel mehr als nur ein “Gebet lesen”. Dieser Weg des Vermittelns und Verstehens von Theologie war schon immer der Weg der Ostkirche, über Liturgie (wozu das Stundengebet im Westen als Stundenliturgie, liturgia horarum, auch zählt). Es macht sehr viel Sinn.

Gerade jetzt, wo ich arbeitsmäßig eine starke besonders auch emotionale Belastung habe, kann das Stundengebet in seiner einfachen und gleichen Form ein Anker sein.

Herr, auf Dich vertraue ich. In Deine Hände lege ich mein Leben. Laß leuchten über Deinem Knecht Dein Antlitz, hilf mir in Deiner Güte.

Die täglich gleichen Sätze der Komplet, mehr als bloß Worte. Wenn sich der Tag dem Ende neigt, man selbst verausgabt ist und alles doch nur Stückwerk blieb, Ihm den Tag und das Leben anvertrauen.


Symbiose

Veröffentlicht am Wednesday, 27. July 2005, 21:14

Die über Jahrhunderte wirksame Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kunst, hier im Bereich populärer Musik, versucht diese Seite wiederherzustellen. Musik war neben der bildenden Kunst eines der Evangelisationsmittel schlechthin. Okay, heute können die Leute lesen, aber zumindest über Facts des Glaubens und der Kirche tun sie es zumeist nicht, da werden Vorurteile gestreichelt.
Also wird es höchste Zeit auch hier den Amis mal was abzuschauen.


Falsches Spielfeld

Veröffentlicht am Sunday, 24. July 2005, 16:07

Dies Domini.

Ich habe mich schon des öfteren selbst gefragt, warum ich nichts schreibe zu den inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen den Bio-Wissenschaften und der Theologie. Dann habe ich festgestellt, daß es bei einem anderen naturwissenschaftliche geschulten Blogger, dem hier, ähnlich zugeht.

Ich nehme mal an, die Gründe könnten ähnliche sein. Es geht nämlich fast nie um Wissenschaft versus Theologie, sondern um einen “wissenschaftlich” aussehenden Streit zwischen verschiedenen Philosophien. Wenn ein Naturwissenschaftler sagt, daß Gott im Prozeß X keine Rolle spiele, so hat diese Aussage nichts wissenschaftliches an sich. Es kommt zwar gut an und beeindruckt auch sehr, und die Allgemeinheit denkt: “Wird schon stimmen, schließlich ist das ein Wissenschaftler”, aber diese Aussage geht einfach über das hinaus, was man wissenschaftlich, zumal naturwissenschaftlich, überhaupt herausfinden kann.

Es ist vielmehr Philosophie, eine philosophische Aussage, der eine bestimmte Wahrheits- und Erkenntnistheorie zugrunde liegt, vielleicht auch unbewußt.

Dummerweise sind aber auch viele Theologen philosophisch nicht mehr so firm und erkennen dies ohne weiteres und lassen sich dann auf eine naturwissenschaftliches Debatte ein, bei dem sie schon von Beginn an die sicheren Verlierer sind. Außerdem kennen viele Theologen die methodischen Grenzen der naturwissenschaftlichen Aussagbarkeit nicht.

Beispiele für diese illegitime Ausdehnung der Naturwissenschaft sind die gerade erst erwähnte Debatte um die Evolutionstheorie oder auch die über die Willensfreiheit des Menschen angesichts neurowissenschaftlicher Ergebnisse.


Sehr mutig

Veröffentlicht am Sunday, 24. July 2005, 12:13

Dies Domini.

Respekt! Da gibt ein Lehrer, der bereits im Ruhestand ist und den das ganze demnach nichts kostet, seine Lehrerlaubis für Katholische Religion zurück. Das ist natürlich sehr mutig, so als kleiner Rebell, eine wirklich kostenlose Minirevolte, die sogar in den Medien erscheint. Wow! ich bin zutiefst beeindruckt.

Am durchdachtesten ist natürlich die Begründung, die neben persönlicher Animosität besonders folgendes Qualitätsmerkmal enthält (siehe Artikel):

Des Bischofs

“Glaubenseinstellung geht an der Realität vorbei.”

Jetzt wissen wir endlich alle, worauf es ankommt! Vergeßt die realitätsferne Bergpredigt, das realitätsferne Beispiel zahlloser unscheinbarer demütiger Christen, vergeßt Franziskus, Charles de Foucauld, die Untergrundpriester in China oder die Aufopferung einer namenlosen Nonne der Schwestern der Nächstenliebe, hört auf die realitätsnahe Lehre dieses bedeutenden Pädagogen!


Widerspruch?

Veröffentlicht am Saturday, 23. July 2005, 10:40

In den letzten Tagen gab es eine kleine mediale Welle bzgl. der Aussagen von Christoph Cardinal Schönborn über die Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und christlichem Glauben (die Détails, des Cardinals Artikel in der New York Times und die Reaktionen darauf finden sich in anderen blogs).

Ich muß sagen, daß mich das gelinde gesagt ein wenig gewundert hat. Denn das Streitthema war ja nicht die Evolution, sondern die Frage, ob Gott darin ein Rolle spielt, ob Er die Regeln festgesetzt hat.
Ich sehe keinen Gegensatz zwischen christlichem Glauben und Evolution, auch wenn ich, ich denke nur an einige Merkmale der menschlichen Anatomie, mich schon frage, ob dies alles im Laufe der Zeit nur aus Zufall hat entstehen können und ob dies überhaupt so ein Überlebensvorteil ist, daß dort evolutiver Druck zur Selektion entsteht. Nun ja, vielleicht habe ich ein beschränktes Verständnis von “Laufe der Zeit”.

Zufall ist ja bekanntlich eine menschliche Kategorie. Muß dies auch für Gott gelten? Ich glaube kaum…

Die Evolutionstheorie hat ja auch mittlerweile ihre Zielvorstellungen formuliert (hin zu komplexeren Organismen), die sie aus empirischer Beobachtung gewonnen hat. Damit widerspricht sie zum Teil ja dem “Zufallsanspruch”, da ja nur ein ungerichteter Zufall wirklich ein solcher bleibt.

Es gibt ja zugegebenermaßen enorme Schwachstellen in der Evolutionstheorie, es seien nur zwei genannt: 1. warum überhaupt Leben und somit warum überhaupt Selektion und 2. wie entstand der erste(!) Kleinstorganismus. Gut, der erste Punkt mag philosophischer Natur sein, aber beim zweiten haut die Wahscheinlichkeitsrechnung übel rein, sprich das ganze ist mehr als unwahrscheinlich - trotzdem irgendwann mal passiert. Davon abgesehen ist das Wie vollkommen unklar, doch wenn schon der Anfang nicht sitzt, wackelt eben das ganze Gebäude.

Doch immer noch verstehe ich nicht den Konflikt mit dem christlichen Glauben, wenn man mal entspannt davon ausgeht, daß nicht alles Zufall (im Sinne Gottes) sein muß, was unserem menschlichen Horizont so erscheint.

Ach ja, hier gibt es ein gutes und ausgewogenes Interview dazu, mit einem Mann, der sowowhl den Kontakt zur Kirche als auch zur Wissenschaft sucht und findet. Das heißt die üblichen Klischees und Plattitüden, die bei anderen Kommentaren auf beiden Seiten hervorbrachen, sucht man hier vergeblich.


Fromm sein

Veröffentlicht am Wednesday, 20. July 2005, 21:26

Was mag das heißen? Fromm sein…

Bin ich fromm? Ich finde mich alles andere als fromm. Wobei, das setzt natürlich auch wieder voraus, daß ich selbst ein Bild vor meinem Auge habe, wenn dieser Begriff fällt.

Fromm sein heißt für mich ganz persönlich: hier scheint jemand ein geistliches Leben zu führen, ein geistlicher Mensch zu sein. Dies ist sein Quelle.
Das bedeutet keineswegs ein Geistlicher sein zu müssen, nein.

Ist es überhaupt ein Sein, nicht vielmehr ein tägliches Werden?

Es gibt Dutzende Gründe, warum ich mich nicht für fromm halte, doch die gehören eher ins Beichtgespräch ;-).
Sich öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen gilt ja für viele schon als ein Anzeichen für Frömmigkeit, es ist aber erst einmal nicht mehr als ein echtes Lippenbekenntnis - das Lebensbekenntnis zeigt sich ganz woanders. Oft auch im “stillen Kämmerlein”, und genau deswegen ist die Frage nach dem “fromm sein” abschließend wohl bei kaum einem abschließend zu beurteilen (die Heiligen lasse ich jetzt mal außen vor).

Fromm sein …. wie macht man das? …


Säen sollen wir

Veröffentlicht am Wednesday, 20. July 2005, 21:09

Im Evangeliumstext des heutigen Tages ist das berühmte Gleichnis vom Sämann dran. Und die dt. Bischöfe haben dieses vor einiger Zeit mal aufgegriffen, um wieder ein Bewußtsein für das missionarische Wesen(!) der Kirche zu schaffen. Übrigens ein guter Text, hier (Nr. 68, Rezeption darauf die Nr. 72) u.a. als pdf-Dokument runterlad- und lesbar (stelle gerade fest, daß das schon wieder fünf Jahre her ist….).

Säen sollen wir, ernten ist vielleicht dann der Job der nach uns Kommenden (auch wenn’s immer schöner ist, selbst die Früchte einzufahren).

Doch wer besorgt eigentlich den “guten Boden”, der laut Jesus notwendig ist, damit der Samen, das Wort, Frucht bringt? Alles Gnade oder was?


Lesegenuß

Veröffentlicht am Friday, 15. July 2005, 16:43

Jetzt erst entdeckt, zum 100. Geburtstag von Hans Urs von Balthasar:

Wenn das Salz dumm wird (pdf-Datei).


Damit in allem Gott verherrlicht werde

Veröffentlicht am Friday, 15. July 2005, 16:25

Pax vobis

Gaudium magnum sozusagen (etwas verspätet)!


Gegenüberstellung

Veröffentlicht am Friday, 15. July 2005, 16:08

Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND): fast 400.000 Mitglieder (Selbstdarstellung).

Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu): 390.000 Mitglieder (Selbstdarstellung).

Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (AlfA): gerade mal mehr als 10.000 Mitglieder (Darstellung des Regionalverbandes Bonn).

Prioritäten in Deutschland.


Sein Tag

Veröffentlicht am Friday, 15. July 2005, 08:47

Heute ist sein Tag, der Tag von Bonaventura di Fidanza (mehr über ihn hier).
Ich finde ihn weitaus besser als Thomas von Aquin, sein Büchlein Breviloquium habe ich zwar schon gelesen, aber bis zum vollen Verstehen wird es noch etwas dauern. Sein mystisches Hauptwerk Itinerarium mentis in deum steht schon eine viel zu lange Weile ungelesen bei mir im Schrank (ach, das Leben ist zu kurz für alle guten Bücher…).
Zumeist, so auch hier am Tag seines Begräbnisses, wird der Hl. Bonaventura als Kardinal dargestellt (übrigens wissen wir nichts über sein Äußeres). Er war dies zwar auch, allerdings war seine Hauptbedeutung die des “Generalministers” (also obersten Dieners, d.h. Leiter) des noch jungen Franziskanerordens. Schon früh gab es enorme Spannungen, und es war Bonnies Verdienst, die Spaltung damals zu vermeiden.
Als der Papst ihm die Bischofs”würde” aufdrängte (er hatte sich schon mehrfach erfolgreich dagegen gewehrt), war Bonaventura gerade in seiner Hauptniederlassung in Frankreich beim Geschirrspülen. Im Gegensatz zu dem kommenden Amt sah er diese Tätigkeit als heilsbringend…

Es ist schwer beeindruckend, wie dieser Mann nicht nur zu geistigen Höheflügen bei extremer materieller Armut kam, sondern vor allem wie er auch seiner Pflicht nachkam, seine Brüder zu stärken und zu unterweisen. Fast ständig war er quer durch Europa unterwegs, und das alles zu Fuß! Und wahrscheinlich barfuß (wie einst Franziskus, nur wenige Jahrzehnte zuvor)!


Why the West gets religion wrong

Veröffentlicht am Thursday, 14. July 2005, 22:27

Könnte, nein sollte gelesen werden. Kurz, prägnant, und zeigt, daß beide Parteien, die sich streitenden “Liberals” und “Conservatives” eigentlich keinen Plan haben.

Artikel aus der International Herald Tribune (auf Englisch, wie schon der Beitragstitel suggeriert).


In Siebenmeilenstiefeln davon

Veröffentlicht am Tuesday, 12. July 2005, 10:16

Eines der Hauptprobleme in der Ökumene für uns ist, daß von den Gesprächspartner manchmal so extrem widersprüchliche Signale kommen. So gab es ein EKD-Dokument über die Bedeutung der Ordination und Apostolizität, mit den Anglikanern zusammen eines über die Mariologie, doch vor kurzem von der gleichen EKD ein Dokument über das prot. Verständnis vom Priestertum und somit über Leitung und Gottesdienst, das alles wieder als Annäherung Geglaubte nichtig machte. Und, ganz aktuell, hat die Synode der Church of England entschieden, Frauen als Bischöfe zuzulassen.

Leute, dann begrabt doch den Ökumenismus, wenn ihr meint, einfach alle fundamentalen Fragen über die Kirche rücksichtslos ohne den angeblich so geschätzten Gesprächspartner entscheiden zu können!


Beredt

Veröffentlicht am Tuesday, 12. July 2005, 00:46

Sie haben wahrscheinlich weitaus mehr getan für die Evangelisation dieses Landes als gute Predigten, tiefsinnige Texte und pastorale Schwerstarbeit: Wegekreuze.

Diese stillen und eindrucksvollen Zeugnisse des Glaubens erinnern uns besonders an Straßenrändern in Städten und Dörfern (auf einsamen Wegen ist man nicht ganz so häufig) immer wieder im Alltag an Ihn, um den es eigentlich geht.
Oftmals liegen ein paar frische Blumen dort oder es brennt ein Licht. Wenn nicht, schnell eins besorgen, anzünden und hinstellen…

Natürlich gibt es auch andere Wegkreuze, aus Holz, nicht so den Anspruch des Ewigen habend wie die steinernen Geschwister. Auch sie haben letztendlich Ihn selbst zum Inhalt. Doch der Grund des Aufstellens war kein schöner, da ging es nicht um Verehrung. Möge das Kreuz auch hier stets das Zeichen der Hoffung und des Trostes sein: