Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Beispielhaft

Veröffentlicht am Tuesday, 13. January 2004, 16:14

Die neue Praxisgebühr sorgt ja bundesweit für Aufregung. Wahrscheinlich ist der Masse der Bevölkerung noch nicht klar, dass angesichts der Vergreisung der Gesellschaft hier erst der erste Schritt gemacht wurde.

Wie sich allerdings die Prioritätenliste bei Ministerin Frau Schmidt ausmacht, ist schon erstaunlich: die jungen Mädels müssen demnächst für das Rezept für die Pille keine Gebühr mehr zahlen (man beachte, dass Frau Schmidt eine Tochter hat), die Alten unsere Gesellschaft (besonders auch die in den Heimen) dürfen aber weiterhin soviel an Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlung leisten, natürlich chronisch Kranke miteinbezogen, dass nicht einmal für die Taxifahrt zum Arzt oder ins Krankenhaus Geld übrig bleibt, welches natürlich nicht mehr erstattet wird. Von anderen Freizeitaktivitäten mal ganz abgesehen (ja, auch Heimbewohner wollen mal was anderes sehen).

Erstattung? Nützt recht wenig, wenn man am Anfang des Monats alles abdrückt und das dann Monate später wieder bekommt.

Es wird kalt in Deutschland für die Schwachen und Stimmlosen.


Luuren’s!

Veröffentlicht am Sunday, 11. January 2004, 21:51

Dies Domini.

Das Erzbistum Köln hat sehr schöne und informative Internetseiten rund ums katholische Allerlei. Sie sind zu finden bei den Kirchenwebsites (also Denglisch oder so). Besonders schön finde ich die über die Märtyrer des Erzbistums, über das religiöse Brauchtum (Stichwort: Blasiussegen etc.), das Kirchenlexikon (”Wat is ene Prälat?”) und über das Kirchenjahr, wo ich selber gerade noch mal geschaut habe, welches Lesejahr jetzt “dran” ist usw. Alles sehr informativ und gut gestaltet, natürlich auch all die anderen.


Testament

Veröffentlicht am Saturday, 10. January 2004, 15:04

Es gibt ja vieles, was im muslimisch-christlichen Dialog unternommen wird. Eines der bedeutendsten Zeugnisse ist das Testamt des Priors der Trappisten von Tibhirine in Algerien, verfasst in Vorahnung vor der Entführung und Ermordung durch islamische Extremisten im Jahr 1996 (darüber gibt’s auch ein Buch, was ich aber noch nicht gelesen habe). Gerade Trappisten, dabei sind sie einfach nur da.

Wenn es mir eines Tages passieren sollte - und es könnte heute sein - Opfer des Terrorismus zu werden, der wie es scheint jetzt alle Ausländer, die in Algerien leben, einengen will, möchte ich, dass sich meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie daran erinnert, dass mein Leben an Gott und an dieses Land GEGEBEN ist. Mögen sie akzeptieren, dass der einzigartige Meister allen Lebens bei diesem brutalen Abschied nicht fremd sein wird. Sie mögen fuer mich beten: Wie könnte ich eines solchen Opfers würdig sein?

Mögen sie diesen Tod vereinigen mit all den anderen ebenso gewalttätigen, die in der Gleichgültigkeit und Anonymität gelassen werden. Mein Leben ist nicht höher im Wert als ein anderes, es hat auch nicht weniger Wert. Jedenfalls hat es nicht die Unschuld der Kindheit. Ich habe lange genug gelebt, um mich als Komplize des Bösen zu wissen, das sich leider in der Welt durchsetzt und das mich selbst in Blindheit schlagen kann. Ich wünsche, wenn der Moment gekommen ist, den Zeitraum zu haben um die Verzeihung von Gott und die meiner Brüder in der Menschheit zu erbitten und gleichzeitig dem zu verzeihen, der mich angreifen wird. Ich möchte einen solchen Tod nicht wünschen. Es scheint mir wichtig, das zu bekennen. Ich sehe wirklich nicht, wie ich mich darüber freuen könnte, wenn dieses Volk, das ich liebe, unterschiedslos meiner Ermordung angeklagt wuerde. Das, was man vielleicht die “Gnade des Martyriums” nennen wird, ist zu teuer zu bezahlen, als dass man es einem Algerier anlastet, welchem auch immer; vor allem, wenn er sagt, in der Treue dessen, was er glaubt der Islam zu sein, zu handeln.

Ich weiss um die Verachtung, mit der man im allgemeinen die Algerier behandelt. Ich weiss auch um die Karikaturen des Islam, welche einen gewissen Islamismus ermutigen. Es ist zu
leicht, sich ein gutes Gewissen zu geben, indem man diesen religiösen Weg mit dem Fundamentalismus seiner Extremisten identifiziert. Algerien und der Islam sind für mich etwas anderes: Sie sind Koerper und Seele. Ich habe es oft genug verkündet, glaube ich, was ich durch Sehen und Wissen empfangen habe: wie oft ich den geraden Leitfaden des Evangeliums gefunden habe, den ich auf den Knien meiner Mutter gelernt hatte, meiner ersten Kirche, genau gesagt in Algerien, und schon im Respekt der muslimischen Gläubigen. Mein Tod wird sicher denen scheinbar Recht geben wollen, die mich als naiv oder Idealist behandelt haben: “Sie mögen jetzt sagen, was sie davon denken!”

Aber sie sollen wissen, dass endlich meine quälende Neugier befreit ist. Dann werde ich, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den des Vaters versenken, mit Ihm seine Kinder im Islam betrachten, so wie Er sie sieht, ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Frucht Seiner Passion, ausgezeichnet durch die Gabe des Heiligen Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, die Gemeinschaft aufzubauen und mit den Differenzen spielend, die Ähnlichkeit wiederherzustellen.

Dieses verlorene Leben ist ganz das meine und ganz das ihre. Ich danke Gott, der dieses Leben ganz und gar für diese FREUDE gewollt zu haben scheint, trotz und gegen alles. In diesem DANK ist alles über mein Leben von jetzt an gesagt.

Ich schliesse Euch natürlich ein, Freunde von gestern und von heute und euch Freunde von hier, an den Seiten meiner Mutter und meines Vaters, meiner Schwestern und meiner Brüder und der ihren. Das Hundertfache (sei euch) gewährt, wie es versprochen ward! Und auch dich, Freund des letzten Augenblicks, der du nicht wissen wirst, was du tust. Ja, auch für dich will ich dieses DANKE und dieses A-DIEU, vorgesehen von Dir. Wenn es uns gegeben sein soll, werden wir uns als glückliche Schächer im Paradies wiederfinden, wenn es Gott gefällt, unser beider Vater. Amen, Insch’Allah!

Algier, 01. Dezember 1993 Tibhirine, 01. Januar 1994

Christian

Auch wenn es nicht wenige Hinweise darauf gibt, dass die Mönche gar nicht von den Extremisten ermordet wurden, sondern der “Befreiungsgruppe” der Militärregierung zum Opfer fielen, es sind und bleiben große Worte.


Mutig

Veröffentlicht am Friday, 09. January 2004, 21:41

Kennen Sie Raymond Leo Burke? Nein? Ich kannte ihn auch nicht. Er ist der Bischof von La Crosse in Wisconsin und bald der Erzbischof von St. Louis in Missouri.

Ach ja, vor seiner Ernennung zum Erzbischof, im November ‘03, hat er in seiner Diözese in einem Schreiben verkündet, dass dort alle katholischen Politiker, die sich positiv zur Abtreibung äußerten und sie unterstützten oder ermöglichten, vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen seien.

Punkt.

Was sagt denn so das Konzil (also das Vaticanum II.) dazu? Es nennt in “Gaudium et Spes” die Abtreibung ein “verabscheuungswürdiges Verbrechen”. Hmmm, somit kann sich niemand aufs Konzil berufen.

Was sagen denn so die Dokumente der Alten Kirche, die Kirchenväter? Nur ein paar Zitate, weil die Sache da so eindeutig ist und häufig genannt ist:

“Du sollst kein ungeborenes Kind töten oder ein Neugeborenes ermorden.”

Die Didaché oder auch Zwölfapostellehre

“Jene Frauen, die Medikamente verwenden, um einen Abort herbeizuführen, begehen einen Mord und werden vor Gott Rechenschaft ablegen müssen für ihre Abtreibung.”

Athenagoras von Athen, Brief an Mark Aurel im Jahr 177, Legatio pro Christianis

“…wenn wir die menschliche Rasse, die nach Gottes Plan geboren wird und sich entwickelt, nicht vernichteten, würde unser Leben entsprechend der Natur verlaufen. Frauen, die von einem Art tödlichen Abtreibungsmittel Gebrauch machen, töten nicht nur den Embryo, sondern zusammen mit ihm alle menschliche Güte.”

Clemens von Alexandria, Priester und “Vater der Theologen” (ca. 150-220)

Besonders das letzte Zitat erinnert mich stark an die Rede, die die sel. Mutter Teresa bei der Verleihung des Friedensnobelpreises hielt. Diese Rede war nicht gerade friedlich. Da kommt ein ärmlich gekleidete Frau, wird für ihr Werk an den Verstoßenen und Elenden ausgezeichnet und wagt es doch tatsächlich, den reichen Ländern einen Spiegel vorzuhalten. Sowas aber auch!

Tja, und nun stelle man sich vor, ein Ortsbischof würde in diesem unseren Lande einen ähnlichen Brief verfassen wie der Bischof von La Crosse. Was würden da die Kirchensteuereinnahmen sagen (bröckel, bröckel…)? So etwas ist für mich hierzulande vollkommen undenkbar, dafür steckt zuviel an Mammon und gesellschaftlichem Einfluss auf dem Spiel.


Konsequent

Veröffentlicht am Tuesday, 06. January 2004, 22:58

Bundespräsident Rau fordert ja inhaltlich-logische Konsequenz bei der bekannten Kopftuchdebatte und damit auch die Verbannung jeglicher religiöser Zeichen, egal welcher Glaubensrichtung, aus öffentlichen Arealen.

Nun, der Bischof von Köln, Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, hat in der heutigen Predigt zum Hochfest Epiphanie und Dreikönig im Hohen Dom zu Köln (Leute, war das da kalt heute drinnen, viel kälter als draußen!), hat das ganze noch einmal wirklich konsequent zuende gedacht:

In letzter Konsequenz müsse man dann auch die Kirchengebäude alle sprengen, denn was ist öffentlicher als die freie Luft, und diese schlimmen Gebäude deuteten mit ihren spitzen Türmen sogar noch gen Himmel! Zuende gedacht stimmt das: wenn Religion aus der Öffentlichkeit verbannt werden soll, dann darf es keine Gotteshäuser mehr geben!


Verständlich

Veröffentlicht am Monday, 05. January 2004, 21:14

Im Dt. Ärzteblatt werden hier die Ergebnisse der ersten (jetzt erst?) repräsentativen Studie zur Zufriedenheit der dt. Ärzteschaft mit ihrem Leben, nicht nur ihrem Beuf, veröffentlicht und kommentiert.

Der größte Verdruss liegt übrigens nicht in der Kohle, sondern im Bild des Arztes in den zeitgenössischen Medien.

Der Arzt als Feindbild (Kostenverursacher, Geldgeiler, Möchtegern-Halbgott in Weiß, Rumpfuscher etc.).

Ist doch erstaunlich: jedes Jahr aufs Neue gilt der Arztberuf als der gesellschaftlich am höchsten angesehene. Der Beruf ja, aber auch der ihn ausübende Mensch?

Die meisten Ärzte wollen in bezug auf die Bewertung ihrer Tätigkeit nicht viel (meiner Erfahrung nach), lediglich dies: sie sind und bleiben Menschen (wirklich!), mit allem was dazu gehört, die ihre Arbeit möglichst gut zu machen versuchen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Natürlich ist es immer schön zu einem Arzt zu gehen, der diesen Job aus Berufung macht - aber hey, das ist bei einem Elektriker auch schön, weil man eben beiden mehr vertraut (Berufung hilft beim Wissensstand auch nur bedingt). Dennoch wird das bei Ersterem quasi vorausgesetzt, bei letzterem redet niemand davon - obwohl bei beiden Fehler tödlich sein können. Es ist m.E. allen gedient, wenn man den Arztberuf mal ein wenig erdet.


Allumfassend

Veröffentlicht am Sunday, 04. January 2004, 22:11

Dies Domini.

Das ist unglaublich: da verlangen katholische Fundamentalisten (jawohl, dieses Saupack!) die Einheit! Noch schlimmer: die im Glauben!

Das geht natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin, wenn das verkündet wird, was man vorgibt zu sein!

Deswegen bestimmt jetzt die Gemeinde von St. Michael auch selber, so ganz für sich, eben “ungestört von außen”, was katholisch (allumfassend) ist.

Das ist Weltkirche in Deutschland, wie sie leibt und lebt.


Umgekehrt

Veröffentlicht am Sunday, 04. January 2004, 21:45

Dies Domini.

Während sich so mancher Schreiber und Denker angesichts der Kopftuchdebatte über die Äußerungen des Bundespräsidenten Rau wundert, der ja ein “entweder alles oder gar nichts” forderte, erstaunt mich vielmehr die Naivität der Beobachter.

Leute, habt Ihr noch nicht gemerkt, dass das Etikett “christlich” schon längst zum kulturellen Ramschartikel verkommen ist, dessen sich die Stimmen dieser Republik nach Lust und Laune bedienen (vom religiösen ganz zu schweigen)? Wenn’s passt, wird man eben zum Verteidiger einer christlichen Kultur (wo bitte ist die zu sehen?), wenn’s unschön ist, dann hängt man den Maßstab eben niedriger.

Deutschland befindet sich auf dem Weg der absoluten kulturellen Amnesie, allein beim Begriff “deutsche Kultur” bekommt die Jugend Pickel. Wie eklig! Deutsche Identität ist out, wir sind doch alle nur noch Europäer, oder nicht?

Aber den christlichen Glauben auf ein kulturelles Beiwerk zu minimieren bedeutet ihm den Lebenssaft zu entziehen, insofern kann ich auf dieses angebliche “kulturelle Christentum” gut verzichten. Adiós, sozusagen.


Alternativ

Veröffentlicht am Sunday, 04. January 2004, 21:09

Dies Domini.

Wie bekommt man “die Jugend” in die Kirche? Ganz einfach: man macht ein Schnell”restaurant” daraus! So gesehen in Puerto de la Cruz auf Tenerife.

Im kleinen Narthex befanden sich auf der linken Seite übrigens die Toiletten. Hübsch. Endlich kann man auch mal in der Kirche austreten.


Woanders

Veröffentlicht am Sunday, 21. December 2003, 21:10

Ich hab’ ganz vergessen zu erwaehnen, dass ich mich schon seit dem 19.12.03 ausserhalb der Reichweite einer dt. Tastatur befinde (wie man an den Umlauten sieht) - naemlich im Urlaub! Darueber spaeter evtl. mehr. Auf jeden Fall ein wunderschoenes Fest der Geburt als kleiner Schreihals unseres Herrn und Erloesers Jesus Christus!

Nicht da bin ich bis zum 02.01.04.

Wird sich hier also nichts grossartig tun.


Und noch ein Stück

Veröffentlicht am Friday, 12. December 2003, 23:26

Die französische Regierung plant eine Erweiterung der Zulassung zur Präimplantationsdiagnostik (PID), so berichtet das Ärzteblatt. Angesichts meiner derzeitigen Tätigkeit in der Kinderklinik kann ich da nur das Kotzen bekommen. Ob es R. B. (Initialen geändert) freuen wird zu wissen, dass er mit seiner Thalassämie major für viele Menschen kein Recht hat, geboren zu werden?


Wohin packe ich Dich bloß?

Veröffentlicht am Friday, 12. December 2003, 20:59

Spätestens seit ich in der schönen Übersicht fand, dass bei Leibniz Gott zu einer “Monade” wurde (und diese Eingruppierung Gottes ins eigene Denk-System ist spätestens seit dem das Normale), kann ich aus vollstem Herzen den Ausruf Pascals unterstützen:

Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten!


An die Liturgie-Experimentierer

Veröffentlicht am Friday, 12. December 2003, 20:13

Auch wenn vielleicht niemand von denen diesen Beitrag liest, für die er bestimmt ist…

Sehr geehrte Priester, die so gerne nicht nach dem Messbuch zelebrieren (es gibt genung andere, ich weiß)!

Ihr (verzeiht mir die lockere Ansprache) habt es schon schwer.

Die ganze Zeit steht Ihr vorne am Altar, seid die meiste Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, redet die meiste Zeit und dennoch, dennoch seid Ihr nicht wichtig. Ohne Euch gibt es keine Hl. Messe, aber auch nicht wegen Euch. Ihr habt ja selbst einmal gelernt im Seminar, dass Ihr dort Christus darstellt, Eure Worte zu den Seinen werden wortwörtlich. Nur aufgrund dieser geschenkten Gnade steht Ihr da, redet da und man hört Euch zu. Nicht wegen Euch als Persönlichkeit.

Das führt vielleicht manches Mal zu Frustration, ich kann das verstehen. Man will ja auch sich selbst einbringen.

Aber dann eine Bitte: wenn Ihr Euch selbst in den liturgischen Texten jenseits der Predigt einbringt, sprich diese verändert, dann zieht doch die ganzen Gewänder aus! Denn deswegen tragt Ihr sie, weil ER im Mittelpunkt ist, weil ER dort am Altar wirkt, nicht Ihr als Individuen. Wenn es Euch nicht passt, dann kommt in Alltagskleidung und jeder weiß: okay, hier stellt sich jemand hin, weil er als Persönlichkeit etwas zu sagen hat, nicht als Priester Christi. Dann macht es so wie die Freikirchen bspw., das ist ehrlicher. Sich die Liturgie zusammenbasteln und liturgische Gewänder tragen heißt nichts anderes als: ich, Person X, bin hier der Wichtigste, nach mir geht es, dies ist meine Liturgie, sie gehört mir.

Ihr werdet sagen: hey, die Gläubigen sagen mir, dass es Ihnen gefällt, die offiziellen Texte sind doch viel zu trocken und lebensfremd.

Na klar, ein Diabetes-Patient, der davon nichts, aber auch gar nichts merkt, hört auch lieber: ist alles in bester Ordnung. Der wird auch lieber zu dem Arzt gehen, der ihn bestätigt und denken, der andere will mir nur Angst einjagen und mir meinen Lebenspaß rauben.

Einen Vorteil hat er: er sieht seine Fußamputationen später nicht……. er ist blind geworden.


Wenn schon

Veröffentlicht am Friday, 12. December 2003, 19:53

Für alle, die so viel Geld haben, dass sie davon etwas anlegen meinen zu müssen. Dann bitte richtig.


Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Veröffentlicht am Friday, 12. December 2003, 19:49

Schon am Tag danach, ich glaube es war bei WDR 2, habe ich es gehört: SATURN hat die weitere Verwendung der satirischen Arm ist Geil - Plakate (direkt vorheriger Eintrag) verhindert. Das Unternehmen fühlte sich wohl zu sehr auf die Schippe genommen, obwohl es ja gar nicht gemeint war. Naja, ich lasse das Nicht-Bild trotzdem stehen, es wäre halt zu schön gewesen, wenn freie Meinungsäußerung auch für weniger geldstarke Menschen gegolten hätte.


Wie geil!

Veröffentlicht am Sunday, 07. December 2003, 22:23

Dies Domini.

Wir brauchen mehr soziale Ungleichheit, um zu mehr Beschäftigung zu kommen

dieser Ansicht ist Wolfgang Wiedert, der Vorsitzende der “Fünf Weisen”. Gefunden hier.

Der Markt frisst seine Kinder.


Es geht weiter

Veröffentlicht am Friday, 05. December 2003, 20:16

Die Spaltung der Anglikanischen Gemeinschaft zieht weitere Kreiese. Nun haben die Provinzen von Westindien eine “unvollständige Gemeinschaft” und die Provinz von Südostasien den offiziellen Bruch festgestellt respektive vollzogen.

Was ist die Einheit wert? Eine Frage, die sich auch meiner Kirche stellt und die in diesem Fall auch zeigt, wohin divergierende Wertvorstellungen zusammen mit fehlenden oder relativiert werdenden Orientierungspunkte führen - in die Spaltung.

Was sich in den Abertausenden prot. Grüppchen schon vollzogen hat, wo jeder Pfarrer seine eigene Kirche gründen kann (und das z. T. auch tut), zeigt sich jetzt auch hier. Ein Buch allein kann nicht zusammenhalten - diese Erfahrung haben die apostolischen Kirchen schon längst gemacht, dies ist auch in anderen Religionen bekannt. Besonders im Christentum gilt ja, dass das Wort nicht Buchstabe, sondern Fleisch wurde.

Wenn man jetzt aber die Fortsetzung der Fleischwerdung ablehnt und sie zwischen Buchdeckel presst, dann endet das in Spaltung. Anscheinend.


Platz

Veröffentlicht am Wednesday, 03. December 2003, 22:47

Wenn ich mal die zwei Gruppen von Menschen versuche grob zu beschreiben, denen das Christentum und die Kirche wichtig sind (die sind ja schon innerhalb der Kirche in einer klaren Minderheitenposition!), dann behaupte ich mal, dass es, wie gesagt grob, zwei Gruppen gibt, wenn es um die Beziehung zur säkularen Welt geht.

Die einen wollen angesichts der zunehmenden Inkompatibilität mit den bestehenden gesellschaftlichen Werten sich eher aus dem gesellschaftlich-aktiven Diskurs zurückziehen, sich bei falscher Motivation auch als “die Besseren” einfach einigeln und abschotten. Das muss aber nicht aus einer überheblichen Motivation heraus sein, man kann ja auch berechtigterweise denken: bis hierhin (das “hier” ist dann sehr verschieden) und nicht weiter! Hand reichen ja, hinterherspringen nein! Keine faulen Kompromisse um des Einflusses willen!

Die andere Gruppe sieht ihre Aufgabe darin, die Gesellschaft zu durchwirken, möglichst das zu retten, was zu retten ist. Man kann einfach nicht zusehen, wie sich viele Werte verabschieden, die man selbst für heilig hält. Man muss im Gespräch bleiben, damit man überhaupt noch gehört wird. Schließlich gehe es um die Sache und nicht um die eigenen Befindlichkeiten. Das schließt auch ein, dass man sich mal die Hände etwas häufiger schmutzig machen muss, wenn das Fernziel nicht aus den Augen verlassen wird.

Tja, beides berechtigte Sichtweisen. Wie ist man am ehesten “Salz der Erde” und “Licht der Welt”? Während man das Salz nach Gabe in Wasser und Co. zwar noch schmeckt, aber nicht mehr immer sieht, bleibt die Lichtquelle stets als Orientierungspunkt erhalten und vermischt sich gerade nicht mit der Dunkelheit.

Es gibt sicherlich kein Interpretationsmonopol. Ich selbst stecke mittendrin und kann mich keiner Gruppe eindeutig zuordnen, in manchen Sachen sicher eher der ersten, in anderen sicher eher der zweiten. Ich vermute aber, vor allem aus eigenen biographischen Gründen, dass die erste Gruppe zunehmen und stärker wird. Und sie hat auch oft eine größere Strahlkraft nach außen, weil sie eben so “anders” ist. Und Salz leuchtet nicht. Licht würzt aber nicht. Beides ist notwendig. Wenn jemand komplett in einer Ansicht heimisch ist, ist das auch okay - auch wenn es mir manchmal schwer fällt, dies im konkreten Moment anzuerkennen.


Schlüsselloch

Veröffentlicht am Wednesday, 03. December 2003, 22:28

Was denkt ein Ordensmensch so? Sicherlich ein ebenso (un)sinnige Frage wie: was denkt ein Katholik denn so? Natürlich ist die Antwort nicht zu geben, das Leben ist nun einmal sehr vielseitig, aber vielleicht kann ja Vidimus Dominum, zu deutsch “Wir sahen den Herrn”, ein wenig zeigen, was viele Ordensleute von heute so bewegt, besonders die multimedial vernetzten.

Diese Seite wird besonders von jüngeren, an einem internationalen Austausch interessierten Ordensleuten in Anspruch genommen und umfasst auch eine täglich aktualisierte Nachrichtenseite rund ums Ordensleben aus aller Welt.

Die hinterlassenen Eindrücke können sehr unterschiedlich sein - dem einen nicht fromm genug, dem anderen zu sehr, der Dritte ist ob der Nähe zu den Problemen der Welt überrascht, wiederum jemand anders findet, Ordensmenschen sollten sich nicht um Politik und Co. kümmern.

Ein Blick lohnt sich sicherlich. Außerdem lernt man dort sicherlich die eine oder andere Ordensgemeinschaft kennen, von der man noch nie etwas gehört hatte.


Es beginnt

Veröffentlicht am Sunday, 30. November 2003, 10:40

Dies domini.

Die Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft beginnt sich zu vollziehen.


So.

Veröffentlicht am Sunday, 30. November 2003, 10:24

Dies domini.

Er gehört seit einiger Zeit jetzt auch dazu: der neue weblog von Jochen.


Filme und Kränze

Veröffentlicht am Saturday, 29. November 2003, 20:12

Eigentlich hatte ich im Netz ja nach Beiträgen von dem ehemaligen Dominikaner und satirischen Autor Hans Conrad Zander gesucht (sein Buch zum Zölibat ist ein Genuss!), bin dabei aber ganz unvermutet auf einen sehr schönen Text gestoßen, warum man denn die allseits wiederkehrenden Jesus-Filme vielleicht doch nicht mit einem Kinobesuch unterstützen müsse.

Daraus nur ein Satz, dessen Aussage mir aus der Seele spricht:

Dieser wasserstoff-blauäugige, sanft-fanatische, aseptisch-asketische Jesus war mir schlicht zuwider und meine Antipathie wuchs von Wunder zu Wunder.

Warum Jesus immer als der Schönste von allen dargestellt wird, wird mir wohl verborgen bleiben.
Aber auch die Zumutung eines Jesus-Filmes lässt der Autor nicht aus:

Und plötzlich wird mir bewusst, welch ein Segen es sein kann, Jesus persönlich nicht gekannt zu haben. Es wird mir bewusst, was es bedeutet, wenn plötzlich mein Verwandter, mein Nachbar, mein Freund aufsteht und behauptet, er sei der Messias. Jesusfilme können tatsächlich die Zumutung spürbar machen, welche die Menschwerdung Gottes bedeutete und immer noch bedeutet.

Also ein zwiespältiges Urteil. Ich bin ja eh kaum ein Kinogänger, deswegen wird es mir nicht schwer fallen, bspw. Gibsons The Passion nicht zu sehen (ich hatte ja schon dazu geschrieben). Mir liegen Bibelfilme einfach nicht. Gezeigt werden soll er auf jeden Fall, keine Frage!

Ach ja, und Zander? Der wird hier mit einem Buchauszug zitiert. Wer schon mal immer wissen wollte, warum der Rosenkranz Rosenkranz heißt und woher diese Gebetsform überhaupt kommt, wird in typischer Zander-Manier aufgeklärt (d.h. der Kern ist richtig, den Dialog und die beteiligten Personen sollte man aber nicht für zu reell halten).


Vorahnung?

Veröffentlicht am Saturday, 29. November 2003, 00:01

Im achten Kapitel des Evangeliums nach Johannes finden wir unter Vers zwölf das Selbstzeugnis Jesu:

Ich bin das Licht der Welt.

Von diesem Jesus wird ja nach christlichen Glauben behauptet, er sei zu 100% Mensch und zu 100% Gott. Nicht selten trifft diese Aussage auf Unverständnis. “Wie kann den sowas sein, gleichzeitig, und dann so unterschiedlich?”

Ist es nicht schön, dass gerade das Licht gleichzeitig Welle und Teilchen ist, also je nach Sichtweise als masselos (Welle) oder als Materie (Teilchen) erscheint? In Wahrheit ist es beides, immer und gleichzeitig.

Ebenso Jesus. Doch genauso wie wir beim Licht nicht beides gleichzeitig beobachten können, erscheint Jesus je nach Blickwinkel und “Versuchsaufbau” mehr als Mensch, mehr als Gott.

Das glaubende Wissen um die Gleichzeitigkeit in Jesus ist also durchaus vernünftig, der Vernunft zugängig.


Genau so war das!

Veröffentlicht am Friday, 28. November 2003, 14:57

Von Jürgen aus dem Kreuzgang:

Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun … Kinder von heute werden in Watte gepackt!! Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!!!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voll Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
Türe und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren, und wir hatten noch nicht einmal ein Handy dabei! Wir habe uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach “Aufsichtsplicht”. Kannst Du Dich noch an “Unfälle” erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mußten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht.
Wir aßen Kekse, Brot mit Butter, tranken viel süßen Saft und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.
Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, x-Box, eigene Fernseher, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Sourround-Sound, Computer, Internet, Chat-Rooms. Wir hatten Freunde! Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht zu klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns… Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Steinen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht für immer in unseren Mägen weiter, und mit den Stöcken und Steinen stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen wer gut war. Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klar zu kommen.
Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hatte, war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel herausholten. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! - Na sowas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alledem wußten wir umzugehen.

Du gehörst auch dazu!

Herzlichen Glückwunsch!

Als Jahrgang ‘76 hatte ich zwar einen C64er, dann einen AMIGA, aber Straßenfußball und im Regen spielen war immer die Nummer eins.


Ganz kurz

Veröffentlicht am Thursday, 27. November 2003, 16:09

Mein kleiner Beitrag für den Streit um den expliziten Gottesbezug in der zukünftigen europäischen Verfassung:

Ich glaube nicht an einen Gott in behördlich verfassten Gesetzestexten.

Der Gott, an den ich glaube, wurde von der staatlichen Autorität getötet und vorher misshandelt.