Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Unverständnis

Veröffentlicht am Friday, 07. January 2011, 23:43

Angeregt durch diesen kurzen Beitrag wollte ich nur mal kundtun, daß ich die Frage nach dem “warum gibt es das Leid?” als existentielle oder gar einen Unglauben begründende Frage nie verstanden habe (man nennt sie die Theodizee-Frage).

Denn eine erklärende Antwort würde uns ja nicht nützen! Dadurch ändert sich ja nichts!

Aber: Christus bezeichnet sich selbst als Arzt.

Und bringt es einem Patienten etwas, wenn er weiß, warum er unheilbaren Krebs hat, bringt es ihm etwas zu wissen, warum er ständig grippale Infekte hat, warum er Krankheit XY hat?

Geht man zu einem Arzt, damit man eine Erklärung nach dem Warum bekommt?

Ich hab immer erfahren, daß meine Patienten Hilfe haben wollten und wollen, keine bloßen Erklärungen. Das kann auch bedeuten, eine Hilfe zu bekommen, das Leid besser/einfacher/leichter zu (er)tragen. Erklärungen helfen einem verstehen, lindern aber keinen Schmerz.

Und in der ambulanten Primär-Medizin (Hausarzt) ist es sogar so, daß in sehr vielen Fällen die Frage nach dem Warum gar nicht beantwortet werden kann, sondern nur die nach dem Was hilft.
Soll man aber eine Therapie ablehnen, von der man weiß, daß sie aller Voraussicht nach gegen die unbekannte Ursache hilft, nur weil diese unbekannt ist? Wer das tut, dessen Leidensdruck kann nicht so hoch sein …


Nachtrag

Veröffentlicht am Friday, 07. January 2011, 23:36

Aus der gleichen Quelle wir das vorherige Zitat:

The conversations that take place in the sacrament of reconciliation are the most important conversations on the face of the planet.


Anwendbar

Veröffentlicht am Friday, 07. January 2011, 23:31

Ich denke bei uns sieht es bei der neuen Bischofsgeneration tendenziell ähnlich aus, und das paßt natürlich nicht allen:

Part of Catholic identity is the role of the bishop, meaning the ministry of bishops and the leadership of bishops, which has been contested for many reasons. We need a lot more conversation around that topic.

Are you encouraged by how that conversation is shaping up?

It depends on where you start. Am I encouraged by divisions in Catholic communion? No. Am I encouraged by the fact that it’s now necessary to talk about differences in self-understanding? Yes. Am I hopeful about the bishops taking possession of their own vocation in the church? Yes.

By the bishops’ vocation, what do you mean?

The teaching dimension, I think, has been very well carried for many decades, both individually in many dioceses and collectively by the conference. The part of the definition that hasn’t been attended to is governing. The sexual abuse crisis is evidence of that. If bishops had governed more clearly between 1973 and 1986, when statistics tell us most of the abuse took place, it might have been contained more quickly, and we would not be subject to the terrible crisis it has caused us.

Your reading is that bishops today are more ready to exercise their powers of governance?

Yes, and to do so responsibly.

(Quelle)


Etymologie heute

Veröffentlicht am Friday, 07. January 2011, 23:19

And to think that it was precisely from Iraq that the word “genocide” came. It was coined in 1943 by a Jewish lawyer from Poland, Raphael Lemkin, a great supporter of humanitarian causes, after studying the systematic extermination of Assyrian Christians carried out ten years before by the Muslim governors of the new Iraqi nation that had emerged from the dissolution of the Ottoman empire.

(Quelle)


Empfehlung

Veröffentlicht am Thursday, 06. January 2011, 09:19

Nachdem ich den Überblick über die katholische Bloggerlandschaft schon vollkommen verloren habe, möchte ich aber auf einen neuen hinweisen, der von einer Bekannten stammt und den ich - aus dem Wissen um die Autorin heraus - vollumfänglich empfehlen kann. Der Autorin wünsche ich Ausdauer und Beharrlichkeit, denn zu viele Blogs schlafen zu schnell wieder ein.

Hier ist er:

5brote2fische


Trauer

Veröffentlicht am Sunday, 02. January 2011, 00:21

Trauer verspüre ich über wieder mehr als 20 Märtyrer für den Glauben an Jesus Christus, diesmal in Ägypten. Trauer.

Ich kann die Wut der Kopten gut verstehen, die tägliche Demütigung, das tägliche Behandeltwerden als Mensch und Bürger Zweiter Klasse mit weniger Rechten als die Muslime in der gleichen gemeinsamen Heimat. Denn auch wenn die körperliche Gewalt offiziell von allen relevanten Stellen in Ägypten mal wieder verurteilt wird, die tägliche Demütigung - auch Gewalt - wird von den gleichen Stellen mitgetragen oder gar forciert.

Doch darf auch hier Verständnis für die Wut nicht Gutheißen bedeuten. Gegengewalt löst nichts.

Ich hoffe und bete, daß es den Kopten gelingen möge, die Liebe, die der Vater durch Seinen Sohn ihnen entgegenbringt, auch jetzt durch ihr Leben aufscheinen zu lassen.

Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, hoffe aber, daß auch dann mich mein Glauben nicht verläßt.


Na dann…

Veröffentlicht am Saturday, 01. January 2011, 01:01

…mal Frohes Neues!


Schräge Wahrnehmung

Veröffentlicht am Tuesday, 28. December 2010, 14:48

Es ist schon seltsam: vielerorts wird eine islamische Invasion heraufbeschworen, obwohl der Anteil der Muslime in Deutschland bei etwa 5% liegt. Der Anteil der Konfessionslosen - und areligiöse Muslime, die es selbstverständlich auch gibt, erfaßt ja niemand - liegt dagegen bei über einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Dieser Anteil steigt auch am stärksten von allen.

Und wer ist Thema auch bei den kirchlich orientierten Blogs hierzulande? Die Muslime!

Warum?


¡Feliz Navidad!

Veröffentlicht am Saturday, 25. December 2010, 00:05

Ich wünsche Euch allen ein gnadenreiches Weihnachtsfest!

Möge der Herr in Euer Leben kommen und es durcheinanderwirbeln, zu Unzeiten Aufmerksamkeit verlangen, Eure ganze Liebe fordern und bekommen, Euch anlächeln aber auch manchmal aus Euch unbekanntem Grund traurig sein, Eure Kraft fordern und Euch Kraft geben, Euch zusammenbringen und einen, und schließlich aus Uns allen eine große Familie machen.


So stelle ich mir partnerschaftliche Ökumene vor

Veröffentlicht am Wednesday, 22. December 2010, 11:20

Elsa bringt ja schon ab und zu Abschnitte des päpstlichen Nachsynodalen Schreibens “Verbum Domini” über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche. Dieses findet man übrigens hier als pdf-Dokument, wenn man sich nicht durch die html-Darstellung bei vatican.va durchquälen will.

Da ich so lange Dokumente ungern am Bildschirm lese, warte ich, bis die DBK das ganze in Druck gegeben hat. Außerdem harren auch noch andere kirchliche Verlautbarungen im Regal meiner Lesung, da eilt also nichts. Und wenn ich mir vorstelle, wie viel bzw. wenig Eindruck diese Synodenbeschlüsse im Alltag eines Normal-Katholiken hierzulande hinterlassen (man denke nur an Christifideles Laici von vor immerhin 23 Jahren), dann drängt die Zeit noch weniger.

Zu empfehlen ist das Dokument auf jeden Fall. Ich hatte schon vor 1,5 Jahren auf das Thema hingewiesen, als die synodalen Empfehlungen fertig waren, leider ist der dortige Link nicht mehr aktuell.

Was mich freut ist, daß auch die protestantischen Geschwister im Herrn zumindest in der Person des Catholica-Beauftragten der VELKD das Dokument wahrnehmen und wohlwollend beurteilen, auch ohne Polemiken. Natürlich gibt es Unterschiede und abweichende Meinungen über die Hl. Schrift und ihre legitime Interpretation, alles andere wäre Etikettenschwindel. Aber daß bspw. gemeinsame Wortgottesdienste und vor allem auch ein gemeinsames Feiern des Stundengebetes eine echte ökumenische Bereicherung sein kann, das ist sehr schön zu lesen.


Die Gummi-Aussage nicht überdehnen

Veröffentlicht am Wednesday, 22. December 2010, 07:10

Sozusagen.

Note der Kongregation für die Glaubenslehre
Über die Banalisierung der Sexualität
Im Hinblick auf einige Textstellen aus »Licht der Welt«


Kann mir das einer erklären? 2. Teil

Veröffentlicht am Monday, 20. December 2010, 10:56

Schon früher hatte ich mal nachgefragt, warum denn Matthäus nicht der Verfasser des gleichnamigen Evangeliums gewesen sein soll.

Nun ist es ja so, daß insbesondere bei dem fleißigsten Schreiber des Neuen Testamentes, dem Hl. Paulus, bei einigen Schriften seine Autorenschaft angezweifelt wird.

Es gibt da sogenannten Deuteropaulinen, das heißt Schriften, die von einem Zweiten (deutero) stammen sollen, der sich als Paulus ausgibt (kann bei jedem dieser Briefe ein anderer Zweiter sein).

Soweit die gängigen Thesen der historisch-kritischen Exegese.

Als Beispiel, da dieser mich gerade beschäftigt, sei der Brief an die Epheser genannt.

Von diesem wird wird dort geschrieben:

Hinter der Bezeichnung “Epheserbrief” steckt schon die erste Schwierigkeit. Das [”en Ephéso”] aus Eph 1,1 ist nämlich textkritisch unsicher und fehlt in einer ganzen Reihe von Handschriften.

Aufmerken lässt auch die Bemerkung in Eph 1,15. Dort bringt Paulus zum Ausdruck, dass er vom Glauben der Adressaten lediglich gehört habe. Und in Eph 3,2 erweckt er den Eindruck, als haben die Adressaten vielleicht von seinem Amt gehört. Solche Aussagen sind in Bezug auf Ephesus, wo Paulus so lange gewirkt hat, eigentlich undenkbar.

Diesen Merkwürdigkeiten korrespondiert, dass Markion, der um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. den ersten Kanon der heiligen Schriften zusammenzustellen versucht hat, diesen Brief offensichtlich als Brief nach Laodicea kennt. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass in Kol 4,16 ein Brief nach Laodicea erwähnt wird. Meint der Kolosserbrief hier etwa unseren Epheserbrief, der dann eigentlich ein Laodiceabrief wäre? Dann hätte Markion noch die ursprünglichen Adressanten gekannt und der Brief wäre tatsächlich zunächst nach Laodicea gerichtet gewesen.

Es kann natürlich auch möglich sein, dass der Brief ursprünglich gar keine Gemeinde ausdrücklich nannte. Vielleicht hatte Markion den Brief ohne Adresse vorliegen. Er hätte dann angesichts der Verwandtschaft des Epheserbriefes mit dem Kolosserbrief und aus Kol 4,16 auf Laodicea als Bestimmungsort geschlossen.

So haben sich in der Forschung drei Hypothesen entwickelt, die die Fragen um die Adresse des Epheserbriefes zu erklären versuchen.

Die erste Hypothese ist die sogenannte Enzyklika-Hypothese. Dabei wird angenommen, dass der Brief von Anfang an ohne bestimmte Adressaten war. Er sei als ein Rundschreiben konzipiert worden, das in den verschiedensten Gemeinden verlesen werden sollte. Diese These heißt auch: Rundschreibenhypothese.
Die Laodicenerhypothese geht davon aus, dass der Epheserbrief das in Kol 4,16 erwähnte Schreiben ist, also ein Brief, der ursprünglich an Laodicea gerichtet war.
Eine dritte Hypothese nimmt nun an, dass der Brief tatsächlich ursprünglich nach Ephesus gerichtet war. Dass die Adresse in vielen Handschriften fehle, das würde sich dadurch erklären lassen, dass dieselbe im Sinne einer Universalisierung des Briefes später weggelassen wurde. Auch beim Römerbrief gibt es zahlreiche Handschriften, die die Adresse weglassen, um dieses theologisch so gewichtige Schreiben mit einem universaleren Charakter zu versehen. Dass der Römerbrief aber tatsächlich an die Gemeinde in Rom gerichtet ist, daran besteht kein Zweifel. Ähnlich könnte es demnach auch beim Epherserbrief gewesen sein.
Joachim Gnilka gibt in seinem Kommentar der Ephesus-Theorie den Vorzug. Die eigenartigen Bemerkungen des Paulus über die Gemeinde in Ephesus und über ihn selbst ließen sich damit erklären, dass er den Brief ja gar nicht selber geschrieben habe, wir es also mit einem pseudepigraphischen Schreiben zu tun haben.

Zum Vergleich, mit ähnlichem Ergebnis, aber anderer Argumentation, dieses:

Der Epheserbrief gibt sich als ein Schreiben des Apostels Paulus aus, stammt aber wahrscheinlich nicht von ihm. Schon der spätneutestamentliche Wortschatz und die außergewöhnlich langen Satzgebilde mit Häufung substantivischer Kettenbildungen sprechen gegen Paulus als Verfasser, vor allem aber theologische Abweichungen: Es finden sich nur mehr schwache Anklänge an die Rechtfertigungslehre von Röm 3, vor allem aber an die Gesetzesthematik, die Kreuzestheologie tritt zurück zugunsten einer Theologie, die um Auferweckung, Erhöhung und himmlische Inthronisation Christi kreist; in der Eschatologie treten zeitliche zugunsten räumlicher Kategorien zurück, die „Kirche“ wird nur mehr als Gesamtkirche thematisiert, nicht mehr als Einzelgemeinde; das Bild des „Leibes Christi“ verliert seine paulinische paränetische Funktion. Vor allem wird nunmehr das Apostolat des Paulus selbst als Fundament verstanden (Eph 2,20; anders 1 Kor 3,11); vergessen ist die Auseinandersetzung des Paulus um seine Anerkennung als Apostel in Gal 2,1-10; seine Position ist bereits ein kirchengeschichtliches, theologisch bedeutsames Faktum.
Datiert wird der Brief zumeist auf die Jahre um 80-90 n. Chr. Der Ort der Entstehung ist unbekannt.

Während manche Zirkelschlüsse nicht überzeugen (er sei nicht echt, weil die echten Briefe ganz anders seien), und mich theologische Argumente eher lächeln lassen (Rechtfertigungslehre: man setzt voraus was Paulus schreiben müßte, ein klassischer Bias), finde ich historische Hinweise wie die auf Marcion schon sehr wichtig.

Allerdings habe ich neulich eine Hypothese gehört, die mich in ihrer Einfachheit und Stringenz sehr überzeugt - und bei der ich mich wundere, warum sie so wenig verbreitet ist.

Wer die Apostelgeschichte aufmerksam liest, wird feststellen, was für eine enorme bedeutung Ephesus für die Junge Kirche hatte. Paulus hat dort mehrere Jahre gelehrt, war später mal kurz in der Nähe und wollte nicht aufgehalten werden, so daß er nur die Ältesten der Gemeinde zu sich rief um ihnen abschließende Ratschläge zu geben - er ahnte, was auf ihn zukommen würde. Dann hat er die Gemeinde wohl nie mehr gesehen.
Den Epheserbrief schrieb er also aus einem zeitlichen Abstand heraus, womöglich im Gefängnis in Rom, an diese ihm so lieb gewordene Gemeinde.

Laut dieser Hypothese hat er sie zudem an frisch getaufte Heidenchristen geschrieben, sie sollte als Predigt in der Taufnacht, am ehesten die Osternacht, verlesen werden.

Diese recht einfache These, die zeitlich sehr gut hinhaut, erklärt vieles:

1. der hymnische Ton paßt zu einer Predigt.
2. der Inhalt ebenso: die Eingliederung in den Leib Christi, der Kirche; die verschiedenen Gnadengaben in dem Einen Leib; die verschiedenen Anweisungen für Neugetaufte, die bereits eine Katechese vorher erhalten hatten und die jetzt nur noch vertieft, nicht mehr neu aufgelegt werden mußte - all das sind klassische Taufthemen.
3. die Tatsache, daß der Adressat “in Ephesus” in den alten Handschriften nicht vorhanden ist: die alten Handschriften sind Kopien des Originals oder nahe dran, die späteren fügen ihn wegen der Zuordnung und des zeitl. Abstandes hinzu.
4. die Tatsache, daß der Text den Anschein erweckt, Paulus kenne die eigentlichen Adressaten nicht: das stimmt, er kennt in der Tat die Neugetauften nicht, er kennt aber die Ältesten und altgedienten Mitglieder der Gemeinde. Gerichtet ist er aber an die neuen Christen.

Mit dieser einfachen Hypothese lassen sich zahlreiche Hemmnisse umschiffen. Warum also schwieriger machen?


Ich bin drin

Veröffentlicht am Monday, 20. December 2010, 09:08

Vorgestern war die Feier meiner Aufnahme in den OFS im Rahmen einer Hl. Messe bei den Franziskanern hier in Düsseldorf. Es war sehr schön, daß ein Großteil der Familie und einige Freunde da waren.

Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht so ganz genau, was da auf mich zukommt - im Momenht freue ich mich auch darauf, daß wir bald wieder feiern können, daß Er auf uns zukommt.

Ansonsten weiß ich, wie unwürdig ich bin, Mitglied dieses Ordens zu sein.

Es gibt viel zu lernen von meinen neuen Geschwistern, durch die Regel, ihre Konstitutionen und das Leben an sich.

Um Entschuldigung muß ich die bitten, denen ich nicht rechtzeitig auf ihre Mail geantwortet habe - falls ich das endgültige Versprechen ablegen sollte und es hier angekündigt wird - einfach kommen! Letztlich hat die Vorsteherin der hiesigen OFS-Gruppe nämlich im Anschluß an die Messe eh alle eingeladen…

Nachtrag: habe den OFS mal verlinkt, damit gleich alle finden, wo ich gelandet bin.


Da bleiben

Veröffentlicht am Thursday, 16. December 2010, 14:22

Für Familienväter und-mütter ist die “Auswahl” an offiziellen Heiligen, die ebenso wie man selbst eben vor allem Verantwortung für eine eigene Familie zu tragen hatten und in dieser Lebensberufung zur heiligkeit gelangen, nicht gerade riesig, insbesondere auch solche aus dem 20. Jahrhundert sind rar gesät.

Deswegen freut es mich mal wieder, daß auch hier der Kleine Franz aus dem beschaulichen Assisi in seinem Leben ein Element aufscheinen ließ, was bei vielen anderen Heiligen nicht so ausgeprägt ist und meines Erachtens noch gar nicht beleuchtet wurde: er blieb einfach da, wo er herkam.

Er kam aus Assisi und zog eben nicht weg, nachdem er sich seiner Berufung mehr oder weniger sicher war - wenn er auch die sicheren Seiten des bürgerlichen Lebens verließ. Und obwohl das Leben eines Minderbruders die Stabilitas, die Bindung an einen Ort, nicht umfaßt, findet sich bei Franziskus eine freie Stabilitas.

Er setzte sich dadurch natürlich mehr dem Gespött der Leute aus, die ihn schon von Kindheit an kannten - und auch seine ihn nicht verstehende Familie mußte dadurch mehr leiden, auch das ist wahr. Da Franziskus Stadtgespräch war, bekam die Familie ja alles mit.

So kann dieses kleine Element des Leben des Franz auch den gebundenen Menschen zeigen: es geht, auch hier, an Ort und Stelle.


Christsein zum Extrem

Veröffentlicht am Wednesday, 15. December 2010, 14:32

Ich höre Ihn nicht mehr.

Ein Mann betet, er betet um sein Leben. Soll er fliehen oder trot der Todesgefahr bleiben? Sein Gebet scheint ihm unbeantwortet zu bleiben, vorerst …

Gestern im Kino (u.a. mit Peter von EchoRomeo) war der Film “Von Menschen und Göttern” (gestern als OmU) ein wirkliches Ereignis. Hier und dort steht schon mal was Bruchstückhaftes zu der wahren Geschichte.

Der betende Mann ist einer der Mönche (Bruder Christophe). Er will sich nicht einfach abschlachten lassen, sieht in dem drohenden Martyrium keinen Sinn. Er will leben, so wie die allermeisten von uns. Der Film zeigt grandios, was Christsein im Extrem bedeutet, was es heißt, sich in die Nachfolge des wehrlosen Gekreuzigten zu begeben. Ein Kampf, den nehazu jeder einzelne Mönch dieser Gemeinschaft für sich mit Ihm einzeln erringen muß.

In diesem Film gibt es keine bloße Gemeinschaft, sondern ein Gruppe von Individuen, die sich selbst zum Wohl aller zurücknehmen, die letztlich sogar, rein aus dem Glauben an den wehr- und machtlosen Gekreuzigten heraus, den möglichen Märtyrer-Tod auf sich nehmen. Die Schauspieler sind großartig, ihr Mimenspiel läßt einen alles miterleben.

Kurz: sehr sehenswert!

Interessant sind die verschiedenen Kritiken der Film-Journalisten. Es gibt sehr treffende (die der Süddeutschen beschreibt haargenau das, was ich empfand, auch die der Welt ist sehr gut), andere dagegen strotzen von tiefer Ahnungslosigkeit. Daß die Mönchskutten der Trappisten nicht aus Wildwest-Farbgebungsmotiven heraus (die Guten in Weiß, die Bösen in Schwarz) eben weiß mit schwarzem Überwurf sind (hier erdacht), das ist schon ein Gedankenentwurf, die eher Bildungsbedarf beim Kritiker vermuten läßt und zu ein wenig Recherche im Vorfeld einlädt.

Zum Schluß erstens noch einmal das berühmte Testament des Priors (wird im Film etwas gekürzt wiedergegeben):

Wenn es mir eines Tages passieren sollte - und es könnte heute sein - Opfer des Terrorismus zu werden, der wie es scheint jetzt alle Ausländer, die in Algerien leben, einengen will, möchte ich, dass sich meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie daran erinnert, dass mein Leben an Gott und an dieses Land GEGEBEN ist. Mögen sie akzeptieren, dass der einzigartige Meister allen Lebens bei diesem brutalen Abschied nicht fremd sein wird. Sie mögen fuer mich beten: Wie könnte ich eines solchen Opfers würdig sein?

Mögen sie diesen Tod vereinigen mit all den anderen ebenso gewalttätigen, die in der Gleichgültigkeit und Anonymität gelassen werden. Mein Leben ist nicht höher im Wert als ein anderes, es hat auch nicht weniger Wert. Jedenfalls hat es nicht die Unschuld der Kindheit. Ich habe lange genug gelebt, um mich als Komplize des Bösen zu wissen, das sich leider in der Welt durchsetzt und das mich selbst in Blindheit schlagen kann. Ich wünsche, wenn der Moment gekommen ist, den Zeitraum zu haben um die Verzeihung von Gott und die meiner Brüder in der Menschheit zu erbitten und gleichzeitig dem zu verzeihen, der mich angreifen wird. Ich möchte einen solchen Tod nicht wünschen. Es scheint mir wichtig, das zu bekennen. Ich sehe wirklich nicht, wie ich mich darüber freuen könnte, wenn dieses Volk, das ich liebe, unterschiedslos meiner Ermordung angeklagt wuerde. Das, was man vielleicht die “Gnade des Martyriums” nennen wird, ist zu teuer zu bezahlen, als dass man es einem Algerier anlastet, welchem auch immer; vor allem, wenn er sagt, in der Treue dessen, was er glaubt der Islam zu sein, zu handeln.

Ich weiss um die Verachtung, mit der man im allgemeinen die Algerier behandelt. Ich weiss auch um die Karikaturen des Islam, welche einen gewissen Islamismus ermutigen. Es ist zu leicht, sich ein gutes Gewissen zu geben, indem man diesen religiösen Weg mit dem Fundamentalismus seiner Extremisten identifiziert. Algerien und der Islam sind für mich etwas anderes: Sie sind Koerper und Seele. Ich habe es oft genug verkündet, glaube ich, was ich durch Sehen und Wissen empfangen habe: wie oft ich den geraden Leitfaden des Evangeliums gefunden habe, den ich auf den Knien meiner Mutter gelernt hatte, meiner ersten Kirche, genau gesagt in Algerien, und schon im Respekt der muslimischen Gläubigen. Mein Tod wird sicher denen scheinbar Recht geben wollen, die mich als naiv oder Idealist behandelt haben: “Sie mögen jetzt sagen, was sie davon denken!”

Aber sie sollen wissen, dass endlich meine quälende Neugier befreit ist. Dann werde ich, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den des Vaters versenken, mit Ihm seine Kinder im Islam betrachten, so wie Er sie sieht, ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Frucht Seiner Passion, ausgezeichnet durch die Gabe des Heiligen Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, die Gemeinschaft aufzubauen und mit den Differenzen spielend, die Ähnlichkeit wiederherzustellen.

Dieses verlorene Leben ist ganz das meine und ganz das ihre. Ich danke Gott, der dieses Leben ganz und gar für diese FREUDE gewollt zu haben scheint, trotz und gegen alles. In diesem DANK ist alles über mein Leben von jetzt an gesagt.

Ich schliesse Euch natürlich ein, Freunde von gestern und von heute und euch Freunde von hier, an den Seiten meiner Mutter und meines Vaters, meiner Schwestern und meiner Brüder und der ihren. Das Hundertfache (sei euch) gewährt, wie es versprochen ward! Und auch dich, Freund des letzten Augenblicks, der du nicht wissen wirst, was du tust. Ja, auch für dich will ich dieses DANKE und dieses A-DIEU, vorgesehen von Dir. Wenn es uns gegeben sein soll, werden wir uns als glückliche Schächer im Paradies wiederfinden, wenn es Gott gefällt, unser beider Vater. Amen, Insch’Allah!

Und zweitens die Frage, mit der die Kritik in der Süddeutschen schließt:

“Von Menschen und Göttern” predigt nicht, sondern zieht uns in eine fortwährende Selbstbefragung. Könnte ich der Gewalt widerstehen mit Gewaltlosigkeit, das eigene Leben einsetzend, in der Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten wird?


Sie sind fast alle weg

Veröffentlicht am Monday, 13. December 2010, 18:27

Auch wenn gestern Gaudete war, war bei mir die Freude erst sehr gering ausgeprägt. Ich mußte nämlich für einen Kollegen einspringen und bis abends den hausärztlichen Notdienst der Hausbesuche für eine Hälfte der Stadt hier übernehmen. Eigentlich war der Tag ganz anders geplant.

In einer der Familien wurde arabisch gesprochen, und an der Wand des Krankenzimmers hing ein Herz-Jesu-Bild à la NichtsomeinGeschmack und jede Menge Rosenkränze. Als ich dann gegen Ende fragte, ob sie vielleicht Maroniten wären, sagten sie, sie wären alle irakische Katholiken, Chaldäer.

Daraufhin sprachen wir über die desaströse Lage ihrer, unserer, Glaubensgeschwister in ihrer Heimat. Es ist Ziel der Islamisten, den Irak zu entchristianisieren. Von den ehemals 4 Millionen Christen sind noch maximal 400.000 da, auch sie selbst hatten allen Angehörigen zur Flucht verhelfen können.

Sie sind fast alle weg.

Ihre Gemeinde ist nicht hier in Düsseldorf, sondern in Essen (unten auf der Linkseite die Adresse auf Deutsch), wo es auch mehr Chaldäer gebe. Neben dem Gebet für sie - von mir versprochen und hiermit auch weitergeleitet an alle Leser - wäre es ein gutes Zeichen der Verbundenheit, einmal ihre Liturgie zu besuchen, die in der Sprache Jesu, dem Aramäischen noch gefeiert wird. Zumal für einen Katholiken damit die Sonntagspflicht erfüllt wird, das nur nebenbei.

Es ist immer etwas anderes, wenn aus Nachrichten Personen werden.


Gleichgetan

Veröffentlicht am Tuesday, 07. December 2010, 14:53

Da es andere bei Eigenproduktionen auch tun, verweise ich auch mal auf mein Bekennerschreiben bei der Sendezeit. Ist schon ein paar Tage alt.

(Okay, ist ein schlechter Grund. Mir fiel keine bessere Ausrede ein.)


Blogadepolitik

Veröffentlicht am Monday, 06. December 2010, 13:12

Bei manchen Blogs derer, die sich hauptsächlich kirchenpolitischen Themen widmen, gibt es im Moment ein wenig Aufruhr, zum Teil auch in den Kommentarspalten.

Zur Vorgeschichte: Bischof Franz-Josef (Bode) von Osnabrück hat im Rahmen eines Bußgottesdienstes eine große Prostration hingelegt, um dadurch ein Zeichen für das Versagen von Menschen in Kirchenleitungsfunktionen beim Thema Mißbrauch innerhalb kirchlicher Einrichtungen zu setzen. Dies hat er auch verbal in der Predigt kundgetan.

So weit, so gut.

Nun ist es natürlich in einem unzensiertem Raum wie dem Internet immer so, daß jeder zu allem eine Meinung haben kann. Die Frage ist zwar immer nach der Relevanz der Meinung, aber haben darf jeder eine.

Es kommt also nun dazu, daß sich manch einer bemüßigt fühlt, diese bischöfliche Handlung und Wortwahl theologisch zu bewerten. Ist legitim, allerdings auch vollkommen egal jenseits einer immer zu respektierenden Privatmeinung.

Nun finden sich Äußerungen dazu aber in einem Medium der Printmedien, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Daduch, daß diese Äußerungen mit denen anderer Internetplattformen inhaltlich zusammengerückt werden, die sich alle durch Anonymität auszeichnen, werden sie in die gleiche Schublade “erzkonservativ” gesteckt.

Wen wundert’s wirklich?

Natürlich ist es nicht klug, den eigenen Dienstvorgesetzten öffentlich zu kritisieren, das auch noch anonym (so geschehen durch einen Priester im Bistum Osnabrück, weil das gleiche Engagement des Bischofs auch für Ungeborene Kinder vermißt wurde). Das hat mit Kirche nichts zu tun, so etwas “macht man nicht”. Und nur, weil das anscheinend bei Kirchens doch häufig geschieht, von “links” wie “rechts”, wird’s nicht akzeptabler.
In der Wirtschafstwelt wäre das ebensowenig angemessen, generell ist das kein Modell des zwischenmenschlichen Umgangs.

Über Kirchenpolitik bloggen ist für mich schon seit längerem nicht mehr so erquicklich, es macht einfach keinen Spaß und bringt auch nicht wirklich viel. Wer welchen Pileolus trägt, ist zu vernachlässigen, wirklich.

Der Kampf gegen Windmühlen, bspw. gegen das religiöse Analphabetentum der säkularen Journalistenschar, würde mich ebenso ermüden, vielleicht ist aber auch meine eigene Opferhaltung defizitär. Entscheidend ist für mich immer noch das persönliche Gespräch, da habe ich häufiger und hatte erst gestern mal wieder Gelegenheit, ein wenig über Sinnhaftigkeit des Glaubens zu sprechen (aus meiner Sicht, die sich sehr mit der der Kirche deckt).

Kirchenpolitik ist da viel zu langweilig.

Nachtrag: der erwähnte Priester aus dem Bistum Osnabrück ist mittlerweile bis auf weiteres von allen priesterlichen Aufgaben entbunden worden, da kinderpornographisches Material bei ihm auf einem Rechner gefunden worden sei. Heftig.


An alle Blogger

Veröffentlicht am Wednesday, 01. December 2010, 09:33

Blogger aus Deutschland mit zumeist kirchlichen Themen sind womöglich (und ich denke wahrscheinlich) kaum betroffen, aber es empfiehlt sich allen, sich mal ein wenig mit dem evtl. anstehenden Jugendmedienschutz-Staatsvertrag zu beschäftigen. Hier ein aktueller Kommentar dazu (es gibt natürlich viele im Netz).


Am ersten Advent

Veröffentlicht am Sunday, 28. November 2010, 12:16

Vier Wochen vor der Niederkunft Mariens.

Sie hat schon eine richtige Kugel, schläft schlecht (das Umdrehen im Bett fällt schwer), muß ständig für kleine Mädchen zur Toilette- wie auch immer damals eine Toilette ausgesehen haben mag - , denn das Kind drückt auf die Blase.

Maria bekommt ein Kind, ihren Erstgeborenen.

Ob sie wußte, was das für die Welt bedeutete?

Wenn Ihnen irgendetwas an der Weihnachtsbotschaft liegt, es steckt hier drin.

Sagte gestern im Radio ein Moderator nicht von Radio Horeb oder vom Domradio, sondern von WDR2, und brachte dann sein Lieblingsadventslied, welches ich vorher gar nicht kannte:



Gescheitert?

Veröffentlicht am Friday, 26. November 2010, 16:54

“Scheitert die katholische Community?” fragt kath.de auf ihrer heutigen Titelseite.

Ich wußte gar nicht, daß die Blogger, von denen sich ja schon zahlreiche mal getroffen haben, gescheitert seien.

Aber nein, die sind gar nicht gemeint.

Die Frage bezieht sich auf etwas, was von kirchlichen Amtsträgern angedacht, mit viel Kirchensteuergeldern schon angezahlt und konzipiert worden ist (danke für den Hinweis, Cicero), wo “Experten” federführend gewesen seien - und was nun erst einmal auf Eis gelegt wurde.

So etwas wie eine katholische Community braucht aber gar kein bischöflichen Anstoß und keinen Cent aus dem Kirchensteuersäckel (siehe oben) - wie man an den Blogs sieht. Einfach loslegen (ist einfach) und dabeibleiben (weitaus schwieriger).


Einladung - jetzt aber richtig

Veröffentlicht am Wednesday, 24. November 2010, 12:58

Nachdem die erste Einladung leider hier verschoben werden mußte, dort aber auch der Dezember-Termin bereits angekündigt wurde, gibt es jetzt die hoffentlich letzte höchstoffizielle daselbst:

Ich bitte um Handmeldung per Email (Adresse findet sich im Impressum) bis zum 04.12.2010, wenn jemand zu meiner Noviziatsaufnahme in den Weltlichen Franziskanerorden erscheinen will. Aus organisatorischen Gründen wäre eine Vorankündigung des Kommens sehr nett.

Das ganze findet statt am 18.12.2010, ab 15 Uhr (oder 15.30 Uhr, das weiß ich noch nicht genau), im Franziskanerkloster in Düsseldorf. Mit anschließendem gemütlichen Beisammensein.


Bedenkenswert

Veröffentlicht am Wednesday, 24. November 2010, 10:15

Es kommt ja immer wieder mal vor, daß Menschen Briefe an den Heiligen Vater schreiben, manche auch offen - und weltweit kommen da wahrscheinlich einige zusammen bei sehr unterschiedlicher Motivation.

Gerade eben habe ich einen entdeckt, dessen Inhalt ich für sehr beachtenswert halte. 2009 veröffentlichte die Dt. Bischofskonferenz ein sehr lesenswertes Schreiben über den Umgang mit Taufbewerbern muslimischen Hintergrundes (hier als pdf-Datei). Dabei wurde auch schon erwähnt, daß es in diesem Zusammenhang für einen Konvertiten zu großen sozialen Problemen kommen kann.

Weitaus größer können aber die Probleme sein, wenn ein (ex-)Muslim oder eine (ex-)Muslima sich in einem muslimischen Land auf den Weg macht, die Taufe zu erbeten. Das führt dann ggf. nicht nur zu Geefahren für die Konvertiten selbst (und ggf. deren Familie), sondern auch für die existierende christliche Minderheit. Es stellt sich also die Frage, ob ein Bischof aus Angst um die bestehende Herde einen Zuwachs derselben zulassen soll.

Aus unserer Sicht ist die Antwort einfach, zumal mit der Sicht auf die frühe Christenheit.

Wir leben aber nicht dort.

Die Zurückhaltung der Ortsbischöfe bei diesem Punkt ist verständlich, auch wenn ich sie für falsch halte.

Daß das auch anders geht, stellt mit seinem offenen Brief an den Heiligen Vater jemand vor, der seit Jahren als Familienvater und Missionar im arabisch-muslimischen Raum lebt und arbeitet.

Seine Gedanken und Vorschläge sind bedenkenswert.


Martyrium

Veröffentlicht am Monday, 22. November 2010, 10:26

Zu den Lebzeiten des Hl. Franz war das Martyrium im klassischen Sinn als Opferung des Lebens für den Glauben im katholischen Volk etwas, was viele ersehnten, womöglich auch Franziskus selbst.
Der Hl. Antonius von Padua (für die Portugiesen: von Lissabon) trat in den Orden der Minderbrüder über, nachdem er die Leichname der erste Franziskanermärtyrer, die aus Marokko kamen, gesehen hatte (er war zuvor Ordensbruder von Alipius).
Auch von der Hl. Clara von Assisi wird berichtet, daß sie das Martyrium dieser ersten Brüder bewunderte.

Daß diese Brüder zum Martyrium gelangten, indem sie im Streit mit den Muslimen vor Ort Muhammad beleidigten, erschien damals keinen wirklich zu stören. Was Franziskus dazu gesagt hat, läßt sich dagegen nur erahnen. Eine direkte Stellungnahme von ihm gibt es nicht dazu. Was es dagegen gibt, ist seine Anweisung, wie man sich bei Muslimen zu verhalten habe, eine Anweisung, die ich schon oft zitiert habe:

5 Die Brüder aber, die hinausziehen, können in zweifacher Weise unter ihnen geistlich wandeln.
6 Eine Art besteht darin, daß sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern “um Gottes willen jeder menschlichen Kreatur” (1 Petr 2,13) untertan sind und bekennen, daß sie Christen sind.
7 Die andere Art ist die, daß sie, wenn sie sehen, daß es dem Herrn gefällt, das Wort Gottes verkünden: sie sollen glauben an den allmächtigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, den Schöpfer aller Dinge, an den Sohn, den Erlöser und Retter, und sie sollen sich taufen lassen und Christen werden; denn “wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen” (vgl. Joh 3,4).
8 Dieses und anderes, was dem Herrn wohlgefällig ist, können sie ihnen und anderen sagen, denn der Herr sagt im Evangelium: “Jeder, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist” (Mt 19,32).
9 Und: “Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er in seiner und des Vaters und der Engel Herrlichkeit kommen wird” (vgl. (Lk 9,26).

Da Franziskus also darauf Wert legte, daß Streit und Zank kein Merkmal der Minderbrüder sein soll, wird er das Vorgehen der Brüder wohl nicht nur mit Wohlwollen gesehen haben.

Heutzutage dagegen scheint die Atmosphäre immer noch oder wieder weit weg von Franziskus’ Einstellung zu sein, in einer Zeit, wo wir das eigene Land nicht verlassen müssen, um mit Muslimen auch über den Glauben zu reden (also nicht über sie, sondern mit ihnen).
Dazu komtm aber, daß das Martyrium als Nachfolge Jesu nicht mehr ersehnt wird, im gegenteil, man tut alles, um ihm zu entgehen, man bemüht sich also um Bannung der empfundenen Gefahr, während früher die Lebensgefahr geradezu gesucht wurde.

Im Sinne des Franz erscheint mir der Mittelweg. Die Gefahr nicht suchen, aber ihr auch nicht ausweichen und sie nicht zu verhindern suchen (außer durch eigenständiges Weggehen). Bekennen was und wer man ist - und vor allem untertan sein und lieben.

Dazu paßten auch die Worte des Herrn, die wir gestern am Patronatsfest unserer Pfarrkirche hörten (Das Hochfest Christköng wurde daher von unserem verdrängt). Es ist wohl kein Zufall, daß meine Pfarrkirche ausgerechnet der Patronin des Säkularen Franziskanerordens geweiht ist, der Hl. Elisabeth von Thürigen (und von der auch eine Knochen-Reliquie besonders verehrt wird).

Folgendes hörten wir:

27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

Ich hoffe, daß ich immer mehr zu denen gehöre, die Ihm zuhören.


(S)ein Leib

Veröffentlicht am Saturday, 13. November 2010, 00:24

Was mit unseren Geschwistern im Nahen Osten im Irak, aber leider nicht nur dort, passiert, muß uns dazu bringen, uns für Seinen Leib, die Kirche, immer mehr einzusetzen. Sein Leib leidet wie Er selbst litt. Beten ist das Mindeste, Zorn und Wut dürfen nicht vorherrschen. Ein Christ, so denke ich, muß sich dadurch auszeichnen, daß er Für etwas ist und das artikuliert, nicht gegen etwas oder jemanden.