Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Der Anspruch Jesu

Veröffentlicht am Monday, 24. September 2007, 21:51

Heute habe ich mal seit längerem mal wieder die Bergpredigt gelesen, und zwar komplett, also Kapitel fünf bis sieben im Matthäus-Evangelium. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so, daß ich sehr oft trotz vertrauter Texte in der Schrift immer wieder Neues entdecke.

Diesmal waren es nicht die Anforderungen Jesu, der der Herr an den Einzelnen, u.a. an mich, ganz konkret stellt. Es war der ungeheure Ernst des Tonfalles und der Anspruch Jesu.

Immer wieder finde ich Aussagen von zeitgenössischen Exegeten, Jesus habe sich nicht als Sohn Gottes gesehen, sei fest im Judentum verankert gewesen und ging nicht darüber hinaus. Ich kann diesem Gedanken nicht folgen - der Herr widerspricht Moses selbst, dem (nach damaligen Verständnis) direkten Verfasser der Torah, dem auch noch im heutigen orthodoxen Judentum geglaubten direktem Wort Gottes in Ewigkeit! Somit stellt er sich über Moses - und somit nicht außerhalb des Judentums? Dem Fleische nach war er es, wie schon Paulus schreibt, die Feste feierte er, in die Synagogen ging er und den Tempel besuchte er, das Haus des Vaters, doch in der Glaubenslehre war Jesus der Herr doch anders, ging über Moses hinaus, vertritt z. T. andere Lehren als die Torah.

Ich aber sage euch…


Verzeihung! Verzeihung?

Veröffentlicht am Monday, 24. September 2007, 12:15

Als Arroganz bezeichnet es Robert Spaemann, einer der wichtigsten zeitgenössischen katholischen Philosphen (auf jeden Fall der medial präsenteste), in der neuesten Ausgabe von Communio (Auszug), wenn jemand folgenden Satz denke:

Also diesmal kann ich mir selbst wirklich nicht verzeihen.

Dieses Gefühl der Zerknirschung setze nämlich voraus, daß man sich prinzipiell etwas vergeben und verzeihen könne, was nach Spaemann prinzipiell nicht geht. Man brauche per se eine Instanz von außen, die verzeiht.

Es war bei mir aber genau dieses “arrogante” Gefühl, welches mich wieder zur Beichte gebracht hatte (wenn ich auch immer noch das Angebot Jesu viel zu selten annehme). insofern ist die Spaemann’sche Wortwahl hier für mich etwas zu hart. Natürlich, aus meiner heutigen Sicht hat er Recht, man kann sich wirklich nie etwas verzeihen, denn ehrlicherweise sind dies immer Taten und Gedanken, die man selbst gar nicht für schlimm erachtet. Doch das Gefühl ist viel zu sehr Allgemeingut, als daß man es wegbügeln dürfte.


Wenn …

Veröffentlicht am Friday, 21. September 2007, 16:00

Ja, wenn auch nur ein Bruchteil derer, die Erzbischof Joachims Verwendung des Wortes “entartet” bedeutend wichtiger fanden als den Ort, an dem die Rede gehalten wurde, diesen Ort besuchen, dann bekommt Kolumba, das neue Diözesanmuseum des Erzbistums Köln, die Aufmerksamkeit, die es zumindest nach der schlichten Netzpräsentation verdient hätte.

Ebenso wie das Alte Testament auf manchmal umschlungenen Wegen auf Christus verweist und dennoch, trotz früher Bemühungen, niemals als Heilige Schrift aufgegeben wurde, so sind auch manche Exponate modernerer sakraler Kunst nicht unmittelbar für jedermann als solche zu erkennen. Ein Besuch scheint sich also zu lohnen.


Hoffentlich vorbei

Veröffentlicht am Friday, 14. September 2007, 18:41

Wenn alles gut läuft, dann habe ich bereits meinen letzten Arbeitstag im Krankenhaus hinter mir (kleine Unsicherheiten bestehen noch), dann kann ich von nun an in einer Praxis meiner ärztlichen Tätigkeit nachgehen. Es wird erst einmal eine große Umstellung, aber die Freude ist groß, um nicht zu sagen super groß.


Ist das so?

Veröffentlicht am Wednesday, 12. September 2007, 13:55

Das andere ist, dass das Christentum mit seiner Machtkonzentration vielen auf die Nerven geht.

sagt Hans Küng.

Persönlich kenne ich keinen, bei dem das so ist, und die überwiegende Mehrheit meines persönlichen Umfeldes besteht nicht aus bekennenden Christen.

Das Christentum geht vielen auf die Nerven

so paraphrasiert das dann die Deutsche Welle, bei der das Interview erschien.

Ich tausche in Gedanken da mal Wörter aus…


Glauben und Sinn

Veröffentlicht am Tuesday, 11. September 2007, 21:37

Wenn Theologen psychologisieren, beispielsweise als Priester im Beichtstuhl, stößt das nicht nur mir unangenehm auf. Nicht besser wird es, wenn sie zu psychotherapieren versuchen.

Dabei gibt es aber eine - von den Krankenkassen in Deutschland bezeichnenderweise nicht als erstattungsfähig anerkannte - psychotherapeutische Methode, die sich so eng an Religion und Glaube anlehnt, daß mich verwundert, nicht schon längst mehr davon in Kirchenkreisen gehört zu haben (hatte schon einmal ein Buch des Begründers besprochen):

die Logotherapie, die nach dem Sinn fragt und - vor allem - diesen Sinn als stets existent postuliert, den der Betroffene (als Patient oder auch außerhalb einer Therapie) erkennen kann, den man nicht machen oder geben kann.

Nichts anderes postuliert doch insbesondere der christliche Glaube - nicht nur, daß es einen Sinn gibt, sondern auch, daß dieser erkannt werden kann. Natürlich ohne zu behaupten, daß dies immer einfach wäre.
Doch wenn einem dann irgendwelche frommen Menchen einen vermeintlichen Sinn für eine existentielle Not geben wollen, quasi von außen ein “das ist Gottes [hier Wort einsetzen]”, dann spüren wir schon selbst, so geht das nicht. Den Sinn kann mir niemand geben.

Gut, die Logotherapie beinhaltet nicht die Möglichkeit der Prophetie, aber sie denkt dennoch so eng am Glauben angelehnt, daß ich mir diese Art von Psychotherapie auch in der Kirche wünsche, denn sie ist transzendent (dieser Artikel zeigt ein paar Parallelen).

Das Viktor-Frankl-Institut in Wien stellt einige interessante wmv-Videos bereit (zum Teil auf Englisch), einfach nur klasse:

Beispiel 1
Beispiel 2
Beispiel 3

Ich denke, im Zeitalter verbreiteter gefühlter Sinnlosigkeit kann die Logotherapie eine wichtige Hilfe für die sein, die dem Transzendentalen, dem Allumfassenden Einen, noch nicht offen gegenüber sind. Diese gibt es auch in der Kirche.


Meditation des Wortes

Veröffentlicht am Sunday, 09. September 2007, 22:01

Dies Domini.

Paul Roth: Einmal am Tag

Einmal am Tag,
da solltest du
ein Wort in deine Hände nehmen
ein Wort der Schrift.

Sei vorsichtig,
es ist so schnell erdrückt
und umgeformt,
damit es passt.

Versuch nicht hastig,
es zu „melken“,
zu erpressen,
damit es Frömmigkeit absondert.

Sei einfach einmal still.
Das Schweigen, Hören, Staunen
ist bereits Gebet
und Anfang aller Wissenschaft und Liebe.

Betast das Wort von allen Seiten,
dann halt es in die Sonne
und leg es an dein Ohr
wie eine Muschel.

Steck es für einen Tag
wie einen Schlüssel
in die Tasche,
wie einen Schlüssel zu dir selbst.

Fang heute an!
Vielleicht damit:
‘Es geschehe dein Wille,
wie im Himmel,
so auch auf der Erde’

Quelle (pdf)


Fortschritt oder nur Worte?

Veröffentlicht am Saturday, 08. September 2007, 23:34

In Sibiu in Rumänien (früher Hermannstadt) findet derzeit das Dritte Ökumenische Treffen der Europäischen Kirchen statt. Ich wünsche mir sehr, daß von dort aus wirklich Impulse zur Einheit ausgehen. halte dieses Treffen auch für sehr wichtig und richtig (denn Kirchenpolitik ist wie jede Politik auch immer eine Sache der persönlichen Sympathie).

Doch gerade unsere Landsleute scheinen da mal wieder die Erste Geige spielen zu wollen, wie Norbert berichtet:

Die Deutschen hamm scheinbar oekumenisch hier das Ruder in der Hand. Aus Rom ein Deutscher, Kardinal Kasper. Und aus Berlin (man laesst sich ja nicht lumpen, ne!) auch noch einer - ev.Bischof Huber. Beide hielten gestern hier u.a. einfuehrende Referate. Ich werd das jetzt nicht weiter kommentieren, nur soviel: Das Krokodil im Handpuppentheater war doch noch nie sympathisch oder gar ernst zu nehmen…


Glaubensbote zuhause

Veröffentlicht am Saturday, 08. September 2007, 23:20

Es wird kein Zufall gewesen sein, daß ich - unbeabsichtigt und ungewußt - zusammen mit meiner Liebsten ausgerechnet am Beginn des Patroziniums von St. Suitbert dessen Kirche in Düsseldorf-Kaiserswerth zur Vorabendmesse besucht habe. Aus diesem Ort stammt auch so manch andere wichtige Persönlichkeit

In der Predigt ging es natürlich hauptsächlich um den Patron des Ortes, einen wichtigen Glaubensboten des 7./8. Jahrhunderts entlang der rechten Rheinseite. Die Wichtigkeit der Reliquien in dem aufwendig gefertigten Schrein, der im Volksmund aufgrund seiner helfenden “Funktion” für alle Anliegen und Bitten auch oft nur “Notkiste” genannt wird, doch entscheidend ist laut Priester eben, daß Suitbert ein Missionar besten Schlages war.

Da ich mir schon seit langem Gedanken mache, wie ich meine Mission in der Welt konkret umsetzen kann und wo da mein Platz ist, war dies sicherlich kein Zufall…


Unsere Mutter?

Veröffentlicht am Saturday, 08. September 2007, 22:53

Ich muß gestehen, ich hatte lange Probleme, den sehr katholischen Gedanken zu akzeptieren, daß die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria auch meine Mutter sein soll, unser aller Mutter.

Doch gerade, bei der Vesper zum Hochfest Mariä Geburt, war es ganz klar:

nicht wenige Christen sprechen von Jesus von Nazereth als unserem Bruder und Herrn, und ja, er ist auch unser Bruder (allerdings nicht nur).
Da er unser Bruder ist, ist sein Vater, der Vater im Himmel, auch unser Vater, auch mein Vater.

Und seine Mutter - ganz konsequent - ist auch unsere und meine Mutter.

Er ist es, der die Geschwisterschaft der Menschen offenbart hat. Durch seinen Vater und durch seine Mutter. Meinen Vater und meine Mutter.

Daher zur Vesper an sie dieser Hymnus aus dem 11. Jahrhundert (ich weiß, eigentlich wäre die von Sonntag dran gewesen…):

Sei gegrüßt, du lichter Meeresstern,
Gottes hohe Mutter,
Jungfrau, die der Höchste sich erwählt,
sel’ges Tor des Himmels.

“Sei gegrüßt”, so sprach des Engels Mund,
“du bist voll der Gnade.”
Dieses Ave wendet Evas Los,
schenkt uns Gottes Frieden.

In das Dunkel unsrer Sündenschuld
bringe Licht den Blinden,
laß uns Sünder nicht verloren sein,
bitt’ für uns um Gnade.

Steh uns immerdar als Mutter bei,
daß durch dich uns höre,
der in deinem Schoße Wohnung nahm,
Mensch für uns zu werden.

Du bleibst rein von Makel jeder Schuld,
Jungfrau ohnegleichen.
Halte fern des bösen Feindes Macht,
daß er uns nicht schade.

Führe sicher unsern Weg ans Ziel,
lenke unsre Schritte,
daß wir einst mit dir in Freude schaun
Christus, unsern König.

Gott dem Vater Lob und Herrlichkeit,
ew’ger Ruhm dem Sohne.
Dank und Lobpreis Gott dem Heil’gen Geist:
Ehre dem Dreieinen. Amen.

Schön ist es auch , das Brauchtum rund um dieses Fest kennenzulernen.


Noch da

Veröffentlicht am Tuesday, 04. September 2007, 22:45

Heute feiert die franziskanische Familie den Gedenktag der Hl. Rosa von Viterbo.

Keine Ahnung, ob man im Dritten Orden als Frau immer so jung sterben muß, um heiliggesprochen zu werden, Elisabeth wurde ja auch nicht bedeutend älter. Ich nehme das mal nicht an.

Rosas Leichnam ist eine von den Unverwesten, ein in der Kirche (nicht nur dort) sehr faszinierendes Phänomen.
Doch sollte dies uns alle eigentlich nur zu einer Person hinführen: dem Urheber des Lebens, Jesus Christus.

Rosa, bitte für uns.


Schluß (nein, nicht hier)

Veröffentlicht am Tuesday, 04. September 2007, 18:28

Kurz nach dem Auftauchen sorgte dieses Projekt für ein bißchen Unruhe, letztendlich war es doch gut, daß es da war (ich muß ja nicht alles Katholische lesen, doch solange es für einen gut ist, reicht es schon). Und nun, nein, schon vor einigen Tagen, doch erst jetzt von mir bemerkt (tja, siehe oben), ist damit Schluß. Das “Kompendium - dem Glauben dienen” stellt (ich hoffe vorerst) seine Internetaktivitäten ein.

Gutes hat es allemal hervorgebracht, hier findet man bspw. die pdf-Faltblätter “Crashkurs Katholisch“, Mariengebete, den Rosenkranz auch auf Latein (auch eine Einführung für die dt. Version) und auch, aktueller denn je, eine Zusammenfassung der Hl. Messe auf Latein (nach dem reformierten Ritus).

Also: ansehen, solange es noch da ist.

Und hoffentlich war es das erst einmal mit dem Abgesang katholischer Webpräsenz.


Niemals geht man so ganz …

Veröffentlicht am Wednesday, 29. August 2007, 00:08

Der erste katholische deutschsprachige Weblog macht dicht.

Adiós, Fono.


Verheißung

Veröffentlicht am Tuesday, 28. August 2007, 22:18

Wenn ihr Christen seid, müßt ihr auf Bedrängnisse in dieser Welt rechnen. Erhofft euch nicht besonders friedliche und gute Zeiten. Darin täuscht ihr euch, meine Brüder. Was euch das Evangelium nicht verspricht, sollt auch ihr euch nicht versprechen. Wenn du keinerlei Verfolgung für Christus leidest, dann schau zu, ob du überhaupt schon angefangen hast, als Christ zu leben.

Sagte er, dessen fest wir heute feiern (nicht zu vergessen seine Mutter gestern).

Stets aktuell.

Und Glückwunsch an Alipius zum Hochfest.


Total schräg

Veröffentlicht am Wednesday, 22. August 2007, 18:51

Petra hatte es schon einmal erwähnt, hier wird es noch einmal online bestätigt - die säkulare Welt macht im Grunde genommen viele ausländische Helfer in Afghanistan selbst für ihre Probleme verantwortlich. Wie kommen sie auch dazu, ihr Recht auf uneingeschränkte Religionsfreiheit wahrzunehmen (ja, dazu gehört auch aktive Werbung!) - sowas aber auch!


Sehr gut

Veröffentlicht am Saturday, 18. August 2007, 22:09

Jetzt erst entdeckt und zu empfehlen (wenn auch noch ausbaufähig), der Internetauftritt der Kirche in Düsseldorf:

Katholisches Düsseldorf


Erinnerung

Veröffentlicht am Thursday, 16. August 2007, 22:34

Heute vor zwei Jahren. Bitte für uns.


Nicht vergessen

Veröffentlicht am Sunday, 12. August 2007, 23:16

Dies Domini.

Auch wenn ich trotz Deines Patronats immer noch keinen Fernseher habe, vergessen hatte ich Dich gestern natürlich nicht, Heilige Klara, nur wenig Zeit.

Bitte für uns, ebenso wie Deine größten Fans.


Vor 65 Jahren…

Veröffentlicht am Thursday, 09. August 2007, 19:01

… starb diese Frau (Fotoquelle), die hl. Edith Stein oder wie sie mit Ordensnamen hieß, Teresia Benedicta a Cruce. Eine Heilige meiner Kirche im Erzbistum Köln, eine einfach große Frau.

Hl. Edith, bitte für uns.


Offenes Wort

Veröffentlicht am Wednesday, 08. August 2007, 23:19

Bischof Kurt Koch aus dem schweizerischen Basel hat in einem längeren Offenen Brief die Dinge angesprochen, die uns Katholiken schon lange unter den Nägeln brennen, wenn es um die Ökumene geht. Katholische Amtsträger melden sich selten zu Wort, wenn es darum geht, wie unser Verständnis von Kirche und Ökumene bewußt oder unbewußt mißachtet und verachtet wird.

Dieser Offene Brief findet sich hier (html) oder hier (pdf).

Endlich. Danke, Bischof Kurt.


Zusammenfassung

Veröffentlicht am Monday, 06. August 2007, 23:41

Mal wieder was in meinen Augen genuin Franziskanisches. Bei dem Drittordensbruder Matthias Petzold finden sich sehr gute Texte über allerlei Franziskanisches. Hervorheben möchte ich den über das Kirchenverständnis, denn hier fand ich mal gerade wieder, daß ich genau so (franziskanisch) denke.


Jaja

Veröffentlicht am Saturday, 04. August 2007, 19:42

Als ich als mittlerweile Ex-Mitglied von Amnesty International eine Standard-Email des Pressesprechers erhielt, als Antwort auf meinen erklärten Austritt, und daraufhin trotz vom Vorstand artikulierten Gesprächsangebotes keine weitere Antwort mehr kam, war für mich die Sache auch aus menschlicher Sicht klar. Jetzt wird die Sache - wiederum ausgedrückt durch den Sprecher, im Interview mit Radio Vatikan - geradezu lächerlich:

[…]wir treten nicht für eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ein. Sondern wir treten dafür ein, dass Abtreibung nicht mehr kriminalisiert wird. […]

Nein nein, legal soll es nicht sein - aber strafbar auch nicht. Und zwar als Recht auf Straflosigkeit, was in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte selbstverständlich nicht steht..

Zum Abwinken.


Austausch

Veröffentlicht am Thursday, 02. August 2007, 19:28

Gerade hatte ich ein über 1stündiges Gespräch mit zwei Männern von den Zeugen Jehovas. Begann normal, standen an meiner Tür, wir kamen schnell ins Gespräch. Als ich sie dann herein bat (hatte gerade mal nichts Konkretes vor) und der erste Tee in der Tasse war, wurde es dann richtig interessant.
Themenauswahl (oft von hü zu hott): Auferstehung der Toten, die Seele, Gottheit Jesu, Dreifaltigkeit, Personsein des Hl. Geistes etc.

(Dazu die interessante Frage: war es gemein von Jesus, Lazarus von den Toten auferstehen zu lassen, somit seine Seele von Gott wieder auf die Welt zurückzuholen?)

Einige Lehren der ZJ, bei denen ich lediglich wußte, daß sie nicht der Lehre der Kirche entsprechen, verstehe ich jetzt besser - und die Argumente sind nicht dumm, doch lassen sie einiges Fundamentales außer acht (so insbesondere den Umstand, daß die Hl. Schrift auch eine Geschichte der Offenbarung ist und somit bspw. einiges bei Mose noch nicht so entwickelt ist wie bei den Propheten, bei den Propheten nicht so wie im NT natürlich).

Wichtig ist wirklich eine einigermaßen feste Basis im eigenen Glauben (und eine Bibel bei der Hand, denn Übersetzungen können auch sinnmäßig sehr anders sein).

Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, erlebt man ja im echten Leben nicht so oft - oder wer hat schon bei Katholens zuletzt über die Frage debattiert (nicht im Internet, sondern real!), wo genau die Seelen bis zur allgemeinen Auferstehung der Toten sind - bei Gott(?), obwohl doch u.a. die Geheime Offenbarung von der Unterwelt spricht?

Eines der berühmten ZJ-Bücher habe ich übrigens abgelehnt, hatte es schon - doch Geschmack an natürlich Katholischem Bibelstudium ist ja auch nichts Schlechtes.


Papier ist bekanntlich …

Veröffentlicht am Monday, 30. July 2007, 22:09

geduldig.

Und deswegen weiß ich auch nicht, was sich faktisch wirklich in den Pfarreien des deutschen Sprachraumes zugunsten einer würdigeren Feier der Heiligen Messe (was Heiligeres als Jesus selbst hat die Kirche nicht zu bieten!) ändern wird.

Im Jahr 2002 wurde eine editierte Ausgabe des Römischen Meßbuches auf Latein herausgebracht, jetzt ist quasi das Vorwort amtlich auf Deutsch veröffentlicht (pdf-Datei), aber noch nicht rechtswirksam. Hat lange gedauert, brauchte aber auch die Zustimmung Roms. Anscheinend wird sich - zumindest nach dem Papier - einiges ändern müssen. Ob das so sein wird?

Ich wäre ja schon einigermaßen zufrieden, wenn nicht immer die Bibel amputiert würde und bitte Sonn- und Feiertags auch beide Lesungen (also AT und NT) und das Evangelium gelesen werden. Der “schwierigere” Teil wird ja meistens weggelassen, ist übrigens eine deutschsprachige Eigenart.

Aber wie ich den deutschen Katholizismus kenne, wird sich da nichts tun und die eigene Suppe weitergekocht.


Anfrage an die Kirche des Westens

Veröffentlicht am Friday, 20. July 2007, 18:37

Der Dialog zwischen der Orthodoxie und der Katholischen Kirche verläuft ja oft alles andere als leicht - und nicht selten fragen sich interessierte Laien, woran’s denn jetzt nun schon wieder hakt, auf welchen Schlips sich denn jetzt schon wieder jemand getreten fühlt.

Daß sich die Wahrnehmung der Orthodoxie in der Frage nach der Kirche und vor allem nach der Art und Weise, wie man die ökumenische Bewegung generell betreibt, geradezu grundsätzlich von der des Westens unterscheidet, schreibt der orthodoxe deutsche Erzpriester Peter Sonntag in einer hervorragenden Schrift hier (pfd-Dokument). Einmal mehr aus der Sicht der Diaspora, deswegen so wertvoll und ausgeglichen. Es gilt nicht zu vergessen, daß der Ökumenische Patriarch Athenagoras, für die katholisch-orthodoxe Annäherung so wichtig, vor seiner Wahl zu diesem Amt Erzbischof der Orthodoxen Kirche von Amerika war, ebenso in der Diaspora.

Nun, einige wieder längere Auszüge aus diesem wirklich super Text:

Wenn wir einen Wunsch haben, dann den, bei Ihnen Gehör zu finden, als Kirche unter Ihnen sein zu dürfen, d. h. im wesentlichen: die Göttliche Liturgie, die Eucharistie zu feiern, die alles zusammenfasst und in sich enthält. Die wahre Theologie ist immer demütig, anspruchslos, kenotisch.

Sie ist die Frucht der Liebe und der Hingabe.

Gewiss, seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hört man im Westen auch ganz andere Töne der Orthodoxie, aggressive Töne, Kakophonien …
Die Orthodoxie ist sicherlich ein schwieriger Partner in einer westlichen Ökumene, die konzeptionell abendländisch ist. Auch die Vorstellung einer Konvergenz durch theologische Diskurse ist sehr „westlich“. Im orthodoxen Verständnis lässt sich die Theologie nicht von der Existenz lösen. Theologie ist in unserer Sicht eine durch und durch „empirische“ Wissenschaft, keine Theorie. Sie ist strikt an den Erfahrungsraum der Kirche gebunden. Das gottmenschliche Handeln der Kirche, das Christus in der Zeit gegenwärtig setzt, geht der theologischen Reflexion uneinholbar voraus und ist absolut normativ. Die Figur des akademischen Theologen ist ein westliches Konstrukt, das in der Orthodoxie nicht heimisch geworden ist. Der große Patrologe und Liturgiewissenschaftler Cyprian Kern bezeichnete das Analogion, das Lektoren-und Sängerpult der orthodoxen Kirche, als die wahre Kathedra seiner Theologie und der Theologie überhaupt. Die Kirche ist für uns immer etwas Vorgegebenes, unserer Verfügung in jeder Hinsicht absolut Entzogenes. Die Kirche reinigt uns durch ihre Tradition von der Subjektivität und weitet das Herz und den Geist zur Überwindung des sündigen Individualismus und zur Wahrnehmung jenes einzigartigen Leibes Christi, in dem „die Fülle der Gottheit leibhaft gegenwärtig“ ist. Der Theologe im orthodoxen Verständnis verfügt über gar nichts, sondern ist von der Kirche verfügt. Die Kirche ist sowohl Subjekt als auch Objekt der theologischen Erkenntnis und Sprache. Die Kirche kann für ihn niemals Gegenstand eines wie auch immer gearteten Kompromisses sein. Was für uns Orthodoxe zur Disposition steht, ist darum nicht die Kirche an sich und die mit ihr identische, immer aktual verstandene Tradition, sondern nur die Wahrnehmung der Kirche und der Tradition, die durch unsere Schwachheit und zwangsläufige perspektivische Beschränktheit stets der Korrektur und der Erweiterung bedürftig ist. Darum ist für uns der ökumenische Dialog ein Ort, um Zeugnis zu geben und gemeinsam mit allen das Fest des Glaubens zu feiern. Mit anderen Worten: Wenn der Auferstandene unser Herz und unser Bewusstsein so erfüllt, dass die Erkenntnis des Auferstandenen jede andere Erkenntnis und Bewegung des Geistes in sich umfasst und wir in diesem Sinne mit einem Herzen und einem Mund sagen können „Scimus Christum surexisse“, dann ist die Einheit vollendet, wir könnten auch sagen „ent-deckt“.

Der doxologische Charakter der orthodoxen Theologie erfordert sicher von den westlichen Theologen einen mentalen Wandel, der eine nicht geringe Zumutung darstellt. So wie auch umgekehrt die Orthodoxie eine Sprache finden muss, die die Kirchen des Westens verstehen und die gleichwohl das Eigene angemessen zur Sprache bringt. Die Vorübungen dazu sind nicht immer geglückt. Die Unionskonzile und der Dialog der Reformatoren mit dem Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. sind Beispiele für eine eher misslungene Kommunikation. Die theologischen Annäherungen des XX. Jahrhunderts sind verheißungsvoller, weil die Orthodoxie in der Diaspora die westlichen Aporien nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern als Lebenswirklichkeit erfährt, insofern sie selbst ein Teil dieser Wirklichkeit geworden ist.

„Graeca non leguntur“ bestimmt noch immer weitgehend den westlichen Wahrnehmungshorizont. Samuel Huntington hat die Ost und West trennende Demarkationslinie noch einmal mit dicken Strichen nachgezeichnet und auf törichte Weise Islam und Orthodoxie wiederum in einen gemeinsamen „orientalischen“ Topf geworfen.

Orthodoxie – das sind die langen Bärte, die sentimentalen russischen Kirchengesänge, Weihrauch, Ikonen, Kerzen, etwas fürs Gemüt. Dass die Orthodoxen immer noch existieren, verdanken sie eigentlich ihrer erstaunlichen Ignoranz. Wenn sie erst einmal Luthers Rechtfertigungslehre, Kant, Hegel, Schelling, Heidegger, Wittgenstein, Habermas und Adorno rezipiert haben, wird sich das Thema Orthodoxie und altorientalische Kirchen von selbst erledigt haben.

Andererseits muss man sehen, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch in der Orthodoxie viele gibt, die sich durch einen Eklat und ein spektakuläres Zerwürfnis in der ökumenischen Bewegung auf angenehme Weise bestätigt sähen. Die Verwüstungen des „real existierenden“ Sozialismus in vielen traditionell orthodoxen Ländern und der darauffolgende aggressive Einbruch „westlicher“ Präferenzen in Verbindung mit dem ideologischen und materiellen Kollaps des alten Systems provozierten alte Reflexe und ein ganz starkes Bedürfnis nach Affirmation und Identität. Nation und Kirche bieten sich an, das ideologische Vakuum zu füllen. Die öffentlich zelebrierte ökumenische Eintracht aus den Zeiten des kalten Krieges war auf einmal dahin. In Russland, dem Baltikum und in der Ukraine entbrennt ein Machtkampf unter Kirchen und Jurisdiktionen. Reviere werden abgesteckt. Die GUS-Staaten, also das Territorium der ehemaligen Sowjetunion, wird zum „kanonischen Territorium“ des Moskauer Patriarchates erklärt. Thron und Altar rücken auf eine Weise zusammen, als hätte es das XX. Jahrhundert nie gegeben. Der Zar und seine Familie werden nicht nur rehabilitiert, sondern kanonisiert. Sogar Rasputin gerät in den Ruch der Heiligkeit. Die „Mutterkirchen“ treten auf den Plan und verlangen die nationale Regruppierung der orthodoxen Diaspora in Westeuropa und, wenn möglich, weltweit. Die „Vatikanisierung“ der Orthodoxie, ein treffendes Wort von Christos Yannaras, ist in vollem Gange. Wohin man blickt: Regression und Restauration … Die Orthodoxie schlingert. Die Vorbereitungen zur vierten und letzten vorgesehenen präkonziliaren Konferenz in der Annäherung an das avisierte große panorthodoxe Konzil sind ausgesetzt. Bereits getroffene Vereinbarungen über ein einvernehmliches Handeln der Jurisdiktionen in der sog. orthodoxen Diaspora werden de facto dispensiert. Zentrifugale und hegemoniale Kräfte widerstreiten einander. Weite Teile der orthodoxen Kirche weigern sich, sich die Last des XX. Jahrhunderts aufzubürden. Synoden schmücken sich gern mit dem Blut der Neumärtyrer, aber die Frage nach der Verantwortung der Kirche wird tabuisiert und nur von ganz wenigen Unerschrockenen wirklich gestellt. Dieselben Hierarchen, die vor 1989 von der Freiheit der Kirche im Sozialismus geschwärmt haben, sprechen heute von der Märtyrerkirche. Und diejenigen, die früher vor laufenden Kameras westliche Prälaten umarmten, halten heute flammende Reden über die Dekadenz und die Verkommenheit des Westens …

Einen abschließenden Punkt sehe ich aber anders als er, bin da hoffnungsvoller (ob er überhaupt die Ratzinger-Formel kennt, s.u.?):

Die Reformation, Rom und die Orthodoxie haben, und das ist die Quelle der Uneinigkeit, Kirchenverständnisse, die sich im Prinzip gegenseitig ausschließen. Darum wird eine wie auch immer beschaffene Einheit dieser drei niemals eine ekklesiale Einheit sein können. Der äquivoke Gebrauch des Wortes Kirche für jede dieser drei Konfessionen erweckt die Illusion einer Identität, die es gar nicht gibt.