Archiv für die 'Pax et bonum' Kategorie



Spirituelle Solidarität

Veröffentlicht am Friday, 06. August 2010, 13:08

Selbst Menschen, die sich entschieden haben, intensiv geistlich zu leben, bleiben sich nicht selten spirituell fremd. Ihre religiösen Grundempfindungen widerstreben einander, finden keine trosthafte Übereinstimmung. Es kommt keine spirituelle Empathie zustande.

Ich behaupte einmal, daß jeder Mensch, der versucht geistlich zu leben, dieses Phänomen kennt, besonders als Konvertit oder Revertit (Neu- oder Wiederentdecker). Gerade solche suchen Anschluß, suchen Mit-Begeisterte und finden vielleicht auch ebenfalls sehr gläubige Menschen, um dann festzustellen, daß sie doch ganz anders ticken.

Entscheidend dabei ist nicht die Ursachenforschung, sondern wie man diesem Umstand für alle fruchtbar machen kann. Eigentlich traut jeder dem Geist zu wenig zu und versteht selten, wie Er bei anderen so anders und anderes wirken kann als bei einem selbst (sieht man auch manches mal hier unter Blogbetreibern).

Dieser Artikel, der den Titel auch dieses Beitrages trägt und von dem das Zitat entnommen ist, geht auf diese Frage genauer ein. Ungeheuer wichtiges Thema. Empfehlenswert.


An zweiter Stelle

Veröffentlicht am Friday, 06. August 2010, 12:57

Dem Bruder Antonius, meinem Bischof , wünsche ich, Bruder Franziskus, Heil.
Es gefällt mir, daß du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschest, wie es in der Regel steht.

Mit diesem kleinen Brief erklärte sich Franziskus einverstanden, daß Antonius von Padua (für Portugiesen natürlich Antonius von Lissabon) Theologie unterrichtet. Allerdings steht die Theologie für Franziskus eindeutig an zweiter Stelle hinter der eigenen Beziehung zum Herrn in Gebet und Hingabe.

Einer der größten Theologen des Hochmittelalters, Bonaventura, der ebenfalls zum Minderbrüderorden gehörte, sagte das später so:

Willst du aber wissen, wie das geschieht,
dann frage die Gnade, nicht die Wissenschaft;
die Sehnsucht, nicht den Verstand;
das Seufzen des Gebets, nicht das forschende Lesen;
den Bräutigam, nicht den Lehrer

Auch hier, trotz der eigenen theologischen Meisterschaft, steht die Frömmigkeit an erster Stelle.

Das ist das Problem, wenn man immer wieder ausschließlich auf eine gute theologische Ausbildung wert legt. Diese ist sehr wichtig, aber sie steht eben an zweiter Stelle. Doch wer wird gefragt, insbesondere von säkularer Presse, wenn es um Fragen des Glaubens geht, wenn es gar um Gott selbst geht und man keinen Kirchenmann fragen will: man fragt Theologen, aufgrund ihrer theologischen Qualifikation. Ist das richtig so? Weiß nicht vielleicht der jahrzehntelange Beter mehr?

In einem lesenswerten Artikel wird es als ein riskanter Spagat beschrieben, wenn man eine Synthese aus Wissenschaft und Frömmigkeit in einer Person ausbalancieren will. Wichtig erscheint mir vor allem die Feststellung, daß kein Theologe einem die eigenen geistlichen Erfahrungen mit dem Dreifaltigen Herrn madig machen kann. Die Beziehung zählt, die Reflexion darüber ist wichtig, aber sekundär. Eine Freundschaft wird nicht dadurch stärker, indem man ohne den Freund über sie nachsinnt, sondern nur mit ihm.


Gemeinsam feiern

Veröffentlicht am Wednesday, 04. August 2010, 08:35

Es berührt kein einziges Dogma, wenn sich Ost und West auf einen gemeinsamen Ostertermin einigen würden. Doch der Unwille dazu zeigt mir auch den Unwillen, es bei den härteren Punkten mal etwas weicher werden zu lassen.

Hier engagiert sich eine Initiave für einen gemeinsamen Termin 2012, die man unterstützen kann, und setzt auf die Umsetzung der Formel, die hier mal gefunden wurde (und die beide, die Katholische wie die Orthodoxe, nicht als ganz korrekt ansieht).


Wird die Taufe verschleudert?

Veröffentlicht am Tuesday, 03. August 2010, 07:45

In einer Nachbarstadt Düsseldorfs hat der leitende Pfarrer eines größeren Pfarrverbandes seit einiger Zeit eine Änderung der “Tauf-Organisation” herbeigeführt.

Die Tauftermine werden nicht mehr individuell oder verteilt angeboten, sondern es gibt einen regelmäßig stattfindenden Termin, an dem dann alle Kinder gemeinsam getauft werden (wie oft der sich wiederholt, monatlich oder zweimonatlich oder so weiß ich nicht im Détail).

Dazu müssen die Eltern, auf deren Glauben unmündige Kinder ja getauft werden, eine aus mehreren Terminen stattfindende Taufkatechese durchlaufen. Ziel ist es sicherzustellen, daß die Kindern nicht ins Glaubensvakuum oder in einen persönliche Patchwork-Religion hingetauft werden, sondern daß das gelebt wird, was die Taufe bezeichnet: den Glauben der Kirche.

Prinzipiell ist das alles gut zu verstehen - nur: die Taufzahlen sind seither deutlich zurückgegangen.

Wie soll man das beurteilen? Lieber eine Kirche der echten Christen sein als sich vor einer Mehrheit von Mitchristen sehen, die - ehrlich gesagt - häufig eigentlich wenig Ahnung vom Glauben der Kirche haben? Werden sonst nicht die Sakramente verschleudert und wird nicht sonst der erste Schritt zur weiteren Nivellierung getan: alle gehen dann zur Kommunion, keiner geht beichten?

In diesem älteren Artikel wird das thematisiert. Einerseits sagt ein gewisser Giorgio Campanini:

It seems beyond doubt that we are facing a clear disequilibrium in the administering of the sacraments. An emblematic case is that of the sacrament of baptism, the celebration of which seems to have given much greater emphasis to traditional, ritual, and sometimes almost magical components rather than to the presentation of the faith. To what extent is baptism, as administered today, truly a proclamation, a summons to faith? What has become of the godparents, the hypothetical ‘guarantors’ of the baptized child’s faith, in a widely secularized society like that of today? It must be asked whether the current praxis – that of not denying baptism to anyone, believer or non-believer – is really the most ecclesiastically correct one, and whether baptism can continue to be granted in the future without the catechesis of the parents, relatives, and godparents.

Oder gilt das, was der alles andere als liberale Cardinal Ruini hier sagt:

In recent years, special attention has been dedicated to the catechesis of families whose children are to be baptized, not only to prepare them for baptism, but also to accompany them after baptism, in such a way that the many families that by themselves are hardly able to give a Christian formation to their children may also be assisted in doing so, and so that their children, after being baptized, may not be left to themselves in terms of education in the faith. […] This kind of catechesis permits the offering of an alternative to the temptation, which is pastorally destructive but nonetheless present in a certain percentage of the Roman clergy, to not admit for baptism the children of families – or of couples not validly married – that do not provide any guarantee of offering their children a Christian formation.

Als Resumee wird gesagt:

The clash of these two approaches – the rigorist one expressed by Campani, and Ruini’s “people-friendly” approach – is a constant in the Church’s history.

Und weitere Zeugen für die eine oder andere Position werden genannt.

Also weiter sind wir nicht.

Und ich weiß auch nicht genau, was ich dazu meinen soll. Beide Punkte kann ich sehr gut nachvollziehen. Die Taufe ist kein Leistungsnachweis eines (bei Kleinkindern stellvertretenden) Glaubenszeugnis, sie ist eine Gnadenzusage des Dreifaltigen, eine Zusage an Liebe und an Kindschaft Gottes. Doch ohne Glauben darf sie nicht einfach so gegeben werden, da die freie Zustimmung des Menschen dabei sein muß.

Schwierig.

Wir selbst mußten zwei Termine wahrnehmen: ein gemeinsamer mit allen Eltern und Paten der in den nächsten Monaten zu taufenden Kindern und einen Einzeltermin mit dem Geistlichen, der die Taufe durchführen wird. So etwas halte ich für in Ordnung: nicht fast nichts, nicht abschreckend zu viel.


Romtreu? Papsttreu?

Veröffentlicht am Monday, 02. August 2010, 13:59

Was sollen diese Titel eigentlich heißen? Von Konvertiten und Revertiten (also Neu- und Wiederentdeckern) wird ja gerne behauptet, sie seien selbiges, rom- und/oder papsttreu.

Dabei wollen sie einfach nur katholisch sein. Da sie sich intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt haben, haben sie eben die Essentials erkannt: die Einheit der Kirche, die (allein durch Jesus und Seine Sakramente gewirkte) Heiligkeit der Kirche, die Katholizität (also weltweite Gefaßtheit) der Kirche mit der Bedeutung eines einheitsstiftenden Amtes für die Reinheit der Glaubensüberlieferung (kurz: Papst) und die Apostolizität der Kirche (eben die Bischöfe generell mit dem Papst als oberstem Bischof der Gesamtkirche).

Natürlich kann man das eine oder andere für überflüssig erklären: bloß ist dann eben nicht mehr die Kirche.

Gerade von den meisten Bloggern wird gesagt, sie seien papsttreu.

Ich für meinen Teil will nicht primär papsttreu sein, sondern glaubenstreu. Der Papst definiert nicht den Glauben, er trägt ihn bloß weiter. Er hat seinen Job, ich den meinen (und würde seinen keinesfalls haben wollen).

Einfach nur katholisch sein.

Das kann man einüben: sich einfach mal 6-12 Monate gönnen und in der Zeit wohlwollend das für richtig erachten, was die Kirche lehrt, durchaus auch mit dem Anspruch, das Warum dahinter besser zu verstehen zu wollen (und alles offen zu lassen, was die Kirche nicht explizit lehrt, ebenso anspruchsvoll!).

Ich behaupte mal, daß man nachher gar nichts anderes mehr will, denn nur das macht wirklich Sinn. Ob das dann der Papst sagt oder der Pfarrer oder die Nachbarin, ist dann eigentlich egal.


Verpaßt

Veröffentlicht am Monday, 02. August 2010, 08:58

Bei Kirchens (schon wieder ein innerkirchliches Thema, ich weiß!) hört man von engagierten älteren Gläubigen und im Alter fortgeschrittenen Lehrbauftragten schon mal häufiger den (wertend gemeinten) Hinweis, durchschnittlich gesehen seien die neuen jungen Priester nicht mehr so modern wie sie damals, die jungen Gläubigen ebenfalls.

Das stimmt.

Sie sind da angekommen, wo der Rest ihrer Gleichaltrigen auch längst sind, was aber eben für die ältere Generation schwierig erscheint:

in der Post-Moderne.


Wenn besetzt ist

Veröffentlicht am Monday, 02. August 2010, 08:25

Wenn sie den Heiligen Geist anruft und bei dem besetzt ist, weil Er ja immer so viel zu tun habe, solle sie sich doch direkt bei ihm melden - er sei für sie da, um sie im Glauben zu begleiten. Das schrieb einer der Taufpaten vorgestern an unser kleines Wunder, das in die Kirche Gottes aufgenommen worden ist.
Es war für mich was besonderes, sie selbst über das Taufbecken zu halten. Es war alles schön.


Eigentlich nichts

Veröffentlicht am Thursday, 29. July 2010, 10:10

Montags, eigentlich nichts.
Dienstags, eigentlich nichts.
Mittwochs, eigentlich nichts.
Donnerstags, eigentlich nichts.
Freitags, ganz, ganz wenig.
Samstags, eigentlich nichts.
Sonntags, okay, ca. eine Stunde lang, im Extremfall zwei.

Das sind die Zeiträume, in denen die böse, böse Klerikerkaste, wie sie manchmal dargestellt wird, mir machtlosen und am besten devoten Laien etwas vorzuschreiben hat.

[Ironiemodus]Ich armer Laie. Ständig werde ich bevormundet. Nichts habe ich selbst zu entscheiden, ich bin vollkommen machtlos.[/Ironiemodus]

Jetzt zum eigentlichen Chef:

Montags bis sonntags: eigentlich immer. Steht alles im Evangelium, zum Einstieg reicht die Bergpredigt. Reicht auch für ein ganzes Leben.


Wenn Projektionen scheitern

Veröffentlicht am Wednesday, 28. July 2010, 08:44

Der Altruist ist eine aussterbende Spezies. Denkt man. Denken viele Menschen insbesondere dann, wenn es um die Wahrnehmung des Hausarztes geht. Früher, als alles noch besser war, war der Arzt rund um die Uhr erreichbar, man bekam alles auf Kasse, er hatte richtig Zeit, kam problemlos zu einem nach Hause etc.

Nur: früher bekam er das alles bezahlt. Denn der Mensch - auch der Arzt gehört dazu - war nie mehr oder weniger Altruist als heute. Er ist wie er ist.

Heute bekommt er das alles nicht mehr bezahlt als wenn er wenig Zeit hat (Zuschläge für längere Gespräche sind längst abgeschafft), Hausbesuche sind im Gesamtbudget schon drin (was viele ohne einen Besuch schon erreichen oder überschreiten - also warum für umsonst kommen?), viele Vorsorge-Untersuchungen bezahlen die Kassen nicht mehr (es sei denn der Arzt bescheißt die Kasse mit gelogenen Diagnosen), von Medikamenten ganz zu schweigen (die Rabattverträge zwischen Kasse und Pharmaunternehmen sind übrigens für Arzt und Patient nicht einsehbar!).

Jetzt plant die Bundesregierung, die zuvor geplante bessere Bezahlung für Hausärzte gesetzlich zu verbieten (sie sollen also weiterhin deutlich schlechter verdienen als die Ärzte, die keine Hausbesuche machen, keine Nachtdienste, keine langen Gespräche führen).

Gleichzeitig werden in den regionalen Ärzteblättern immer mehr Anzeigen von Kommunen geschaltet, die händeringend Allgemeinärzte (wie mich) suchen. Immer mehr ältere Ärzte (in den nächsten zehn Jahren erreichen bundesweit 40% der Allgemeinärzte das Rentenalter) finden keinen Praxisnachfolger.

Offensichtlich gibt es da auf Seiten der Regierungskoalition (erstaunlicherweise sehen das die aktuellen Oppositionsparteien anders) einen gewissen Wahrnehmungssplit: Die Hausärzte werden immer weniger, sie wollen ein eigenes Vergütungssystem mit den Kassen aushandeln, dürfen das auch das darf aber nicht mehr kosten als das alte - aber natürlich wollen wir den hausärztlichen Nachwuchs fördern. Hallo?

Früher, so hieß es, konnte man sich als Arzt nur durch Selbstmord vor dem Wohlstand retten.

(Und ich rede nicht von den Gehältern der Krankenkassenvorstände)

Heute darf man als Arzt wohl nicht mehr wohlhabend sein wollen.

Würde ich mich jetzt nur als Allgemeinarzt niederlassen, wäre mein Stundenlohn deutlich niedriger als in meinem jetzigen Job (wenn man durchschnittlich 60h/Wo. als Hausarzt arbeitet, kommt natürlich mehr rum) - warum also sollte ich das tun? Außerdem will ich eigentlich keine regelhafte 60h-Woche haben.

Also, Politik und ihre Wähler - wollt Ihr Hausärzte oder nicht? Sind aber keine besseren oder schlechteren Menschen als Ihr, damit müßt Ihr rechnen …


Anmelden, mitzeichnen

Veröffentlicht am Tuesday, 27. July 2010, 13:41

Damit Lebensschutz nicht nur eine hohle Floskel bleibt.

Basisdemokratisch mitmachen:

Petition: Gesetzliche Krankenversicherung - Leistungen - - Keine Finanzierung von Abtreibungen ohne notfallmedizinische Indikation

Und weitererzählen.


Neues Layout

Veröffentlicht am Tuesday, 27. July 2010, 13:36

Ein Buch mit einem neuen Layout zu veröffentlichen, so daß der Inhalt ansprechender wird, ist nicht einfach - denn auch dünner wird es dadurch kaum.

Gleiches gilt erst recht für das Neue Testament.

Aber für gelungen halte ich es allemal - und besonders in der Jugendkateches und bei Firmgruppen für sehr gut einsetzbar:

http://www.bibelalsmagazin.de


Duisburg

Veröffentlicht am Tuesday, 27. July 2010, 13:24

Meine Gebete gelten den Toten, Verletzten und ihren Angehörigen. Allen irgendwie Traumatisierten.

Einen weiteren Kommentar zu dem, was in manchen katholischen Blogs zu lesen ist, spare ich mir wegen meiner Seelenhygiene. Nur so viel:

Jesaja, Kapitel 55, Vers 8:

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken / und eure Wege sind nicht meine Wege - / Spruch des Herrn.

Also: gar nicht erst anfangen, Ihn zu denken.

Und wer andere richtet, wird hoffentlich wissen was er tut.

20 Tote, noch mehr betroffene Eltern und Verwandte. Aus einem großen Fest wurde das Grauen.

Erbarme Dich unser.


Deutungshoheit

Veröffentlicht am Tuesday, 27. July 2010, 09:02

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Communio findet sich ein interessanter Artikel darüber, wie derzeit in den Bibelwissenschaften verschiedene Denk- und Leseschulen mit der Hl. Schrift umgehen. Die seit einigen Jahrzehnten etablierte sogenannte “historisch-kritische Methode” (HKM), die quasi als alleinige Art der wissenschaftlichen Methode gelehrt wurde und immer noch wird (und bei der demnach ihre Anwender auch zunehmend vergaßen, daß sie nur eine wissenschaftliche Methode unter anderen ist), erfährt zunehmend “Konkurrenz” von der sogenannten “kanonischen Exegese”.

Was heißt das?

Nun, wenn man einen Bibeltext auslegen will, geht es der HKM vor allem um die Frage, was der tatsächliche Autor in seinem historischen Kontext ausdrücken wollte. Dabei wird darüber gestritten, wer tatsächlicher Autor ist, wie dessen Kontext war, wie dessen Geisteshaltung war, wie der Kulturraum genau aussah, wer der Adressat des Textes , wieso dieser Text so und nicht anders ist, wie er entstand etc.

Da alle Originale der Bibeltexte verloren gegangen sind und wir nicht wirklich alles en détail wissen können, ist ein Großteil Spekulation. Das ist auch okay so, das gehört zur Wissenschaftlichkeit, gehört aber auch dazu gesagt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind immer vorläufig.

Das gilt natürlich auch für die “kanonische Exegese”, wobei der Artikel in der Communio darauf besteht festzustellen, daß es eigentlich Unsinn ist, hier von Konkurrenz zu reden. Jede Methode habe ihren Erkenntniswert, aber eben auch ihre Erkentnnisgrenzen. Der kanonischen Methode geht es vor allem darum festzustellen, welche Bedeutung ein text im zusammenhang der gesamten Bibel hat. Die frühe Kirche muß ja einen Grund gehabt haben, einen konkreten Text in die Schrift aufzunehmen, also zu kanonisieren. Dann geht es noch darum zu sagen, warum bspw. ein Brief an einer bestimmten Stelle in der Bibel steht, welche Querverweise es von einem Buch der Bibel zu einem anderen gibt etc.

Interessanterweise ging auch diese exegetische Bewegung von Protestanten aus, obwohl sie zutiefst kirchlich ist. Denn die Geschichte der Kirche, von der der Bibelkanon ja ein “Teilprodukt” ist, wird hier als wichtiger Bestandteil der exegetischen Erkenntnis aufgefaßt. Die Bibel ist Heilige Schrift, nicht irgendwelche mögliche Vorformen oder spekulativ vermutete Quellen (am bekanntesten hier die von vielen vermutete Quelle Q).

Die HKM betreibt also, wenn man das so vergleichen mag, anatomische Physiologie, also Zerlegen bis ins Kleinste, die kanonische Exegese dagegen einen eher soziologisch Ansatz der Beziehung. Beide sind legitim, aber beide erklären den Menschen nicht hinreichend. Mir persönlich gefällt die zweite besser, da die Geschichte des neuen Volkes Gottes, der Kirche, die ja letztendlich die Bibel zur Bibel machte, eine ihr zukommend wichtige Rolle spielt. Beide aber haben ihre Daseinsberechtigung

Schade nur, daß die kanonische Exegese sich in dieser Professoren-Generation auf den Universitäten in Deutschland nicht etablieren wird, weil die Lernresistenz von was ganz Neuem doch eher ausgeprägt ist (in den USA sieht’s da ganz anders aus - ein Plus der privaten Flexibilität). Der Widerstand gegen die kanonische Exegese rührt daher auch von einem Verlust an Deutungshoheit. Wer hat den schon gern.


Einführung

Veröffentlicht am Friday, 23. July 2010, 14:33

Eine wunderbare Einführung zu Franziskus, seinem Leben und seiner Begeisterung findet sich hier auf der Seite einer Pfarrei in Bochum.


Heute davon erzählen

Veröffentlicht am Friday, 23. July 2010, 14:29

Gestern fragte mich ein Mann, ob es denn ein Kreuz sei, was ich da um den Hals trüge (es handelt sich um das Tau-Zeichen). Als ich ihm den franziskanischen Geheimcode erklärt hatte, fragte er mich anschließend, ob ich denn Christ sei, Jesus lieben würde etc. Als ich das mit dem selbstverständlichen Hinweis, katholisch zu sein, bejahte - ich wähnte ihn orthodox, weil er aus einem orthodox geprägten Land kam, aber er war Baptist - schüttelte er mir die Hand und wünschte mir einen noch schöneren Tag bei der Verabschiedung.

Einerseits freute ich mich, andererseits merkte ich auch, daß diese sehr offene Art (sie ist ja nicht offensiv), jemanden auf sein intimstes anzusprechen, nicht so mein Ding ist, zumindest meistens. Aber natürlich ist sie vollkommen legitim.

Franz hat dazu in seiner Ordensregel einen Passus geschrieben, den ich hier schon mal gebracht hatte und der zumeist für die Mission Evangelisierung unter Muslimen angewandt wird (obwohl Franz sie für alle Ungläubigen als geeignet ansah):

5 Die Brüder aber, die hinausziehen, können in zweifacher Weise unter ihnen geistlich wandeln.
6 Eine Art besteht darin, daß sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern “um Gottes willen jeder menschlichen Kreatur” (1 Petr 2,13) untertan sind und bekennen, daß sie Christen sind.
7 Die andere Art ist die, daß sie, wenn sie sehen, daß es dem Herrn gefällt, das Wort Gottes verkünden: sie sollen glauben an den allmächtigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, den Schöpfer aller Dinge, an den Sohn, den Erlöser und Retter, und sie sollen sich taufen lassen und Christen werden; denn “wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen” (vgl. Joh 3,4).
8 Dieses und anderes, was dem Herrn wohlgefällig ist, können sie ihnen und anderen sagen, denn der Herr sagt im Evangelium: “Jeder, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist” (Mt 19,32).
9 Und: “Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er in seiner und des Vaters und der Engel Herrlichkeit kommen wird” (vgl. (Lk 9,26).

Ungläubig, ganz neutral gemeint, sind hierzulande vor allem die säkularisierten postmodernen Menschen. Und diese haben meines Erachtens nach einen Überdruss gegenüber Worten - es zählen nur Taten, es zählt das gelebte Leben. Gerade da bietet Franz ein immerwährendes Modell. Wer es anders kann, soll es tun, wenn er berufen ist. Ich antworte auch gerne auf alle Fragen, die ernsthaft an mich gerichtet werden. Doch für mehr bin ich womöglich nicht geschaffen.


Der Papst als Pastor

Veröffentlicht am Wednesday, 21. July 2010, 09:15

Wenn aus “pastoralen Gründen” von kirchlichen Vorgaben abgewichen wird, dann kann dies stets zu einem Problem führen, denn irgendwen stört es bestimmt. Letztlich ist immer derjenige in Begründungspflicht, der von dieser Norm abweicht.

Das “Heil der Seelen” ist in der Kirche das oberste Gesetz, so steht es sogar im letzten Satz des Kirchenrechtes der lateinischen Kirche. Und aus dem Selbstverständnis der Kirche ist es natürlich so, daß die Zugehörigkeit zur Kirche zu diesem Heil definitiv dazugehört.

Wie weit darf man also gehen, um die Zugehörigkeit und den Sakramentenempfang zu ermöglichen, ohne das Bild der Kirche von sich selbst und vom Willen Jesu komplett ad absurdum zu führen?

Wenn aus pastoralen Gründen bspw. Wiederverheiratete Geschiedene zum Sakrament der Eucharistie (Kommunion) zugelassen werden, weil der zuständige Priester dies für richtig hält und er dafür von seinem Bischof die generelle Erlaubnis bekommen hat, dann darf der das auch so tun. Eine “es können alle kommen, egal wer”-Einstellung dagegen kann auch kein Bischof erlauben. Es muß immer ein begründeter Einzelfall sein, natürlich sind auch mehrere Einzelfälle möglich, letztlich gibt es nur Einzelfälle.

Beschwerden sind dennoch nicht selten, seien sie an den Bischof oder auch gerne direkt nach Rom gerichtet. Dabei sind die Beschwerdeführer meistens die, die auf ein korrektes Verhalten aller achten - bestensfalls natürlich vor allem bei sich selbst.

Wie ist es aber, wenn das Kirchenrecht aus pastoralen Gründen extra für die hintangestellt wird, die sonst die Fehler in Lehre ud Praxis meistens bei anderen sehen?
Wie ist es, wenn ausgerechnet jemand aus pastoralen Gründen vom Sakramentenempfang nicht mehr ausgeschlossen wird, der diesen Ausschluß eher bei anderen fordert und Nachgiebigkeit verurteilt?

Und wie ist es, wenn der Pastor, der diese pastoralen Gründe hat, auch noch der Papst ist?

Genau dies ist im Fall der Bischöfe der Pius-Bruderschaft geschehen.

Erst einmal die zwei entscheidenden Paragraphen des Kirchenrechtes (die da immer Canones heißen):

Aus Canon 751: Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche.

Aus Canon 1364: Der Apostat, der Häretiker oder der Schismatiker ziehen sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu…

Das heißt: wer sich nicht dem Papst und den Ortsbischöfen unterordnet (eines allein reicht nicht), ist Schismatiker und durch diese Tat automatisch exkommuniziert.

Jetzt hat der Heilige Vater aber die Exkommunikation aufgehoben - ist es daher so, wie die Piusbruderschaft und ihre Sympathisanten behaupten, daß das Schisma nicht mehr bestehe? Damit das Schisma nicht mehr besteht, muß ja die Unterordnung unter die Ortsbischöfe und dem Papst erfolgen - ersteres ist definitiv nicht der Fall.

Kann der Heilige Vater einfach aus pastoralen Gründen das Kirchenrecht beugen? Ja, kann er, eben wegen des Heiles der Seelen.

Spricht er aber nicht bloß von der “Gefahr eines Schismas” in seinem erklärenden Brief? Ja, aber er ruft die Bischöfe im gleichen Brief zur Rückkehr in die Kirche auf, was nur dann Sinn macht, wenn sie aktuell nicht vollständig in ihr verharren. Das bedeutet, daß er die Feststellung des Schismas aus pastoralen Gründen nicht noch einmal deutlich formuliert, genauso wie er aus pastoralen Gründen ohne Gegenleistung die Exkommunikationen aufgehoben hat.

Ich habe nun in einer längeren Diskussion erfahren dürfen, daß es von Seiten einiger Anhänger der Piusbruderschaft überhaupt nicht gerne gesehen wird, wenn an ihnen pastoral gehandelt wird. Sie bestehen darauf, daß trotz fehlender Unterordnung unter die Ortsbischöfe kein Schisma mehr bestünde.

Schade, daß sie den Liebesdienst des Papstes nicht wahrnehmen wollen.

Für alle Nicht-Piusbrüder wie mich bedeutet das aber auch, selbst nicht zu sehr auf dem Buschstaben zu bestehen, wenn das Heil gefährdet ist, für mich oder andere. Wie das konkret aussehen kann, ist noch mal eine andere Frage.


Gestern

Veröffentlicht am Tuesday, 20. July 2010, 08:19

Gestern war der 7. Geburtstag dieses Blogs.


Gespaltene Grundsätze

Veröffentlicht am Tuesday, 20. July 2010, 08:11

Es wird ja oftmals der Kirche vorgeworfen, sie akzeptiere Erkenntnisse der Naturwissenschaft nur sehr widerwillig. Bei der Geisteswissenschaft kann ich die Zurückhaltung prinzipiell verstehen, da es sich ja immer um menschliche und somit potentiell sehr veränderbare und irrige Mehrheitsmeinungen handelt.

Es ist aber nicht die Aufgabe der Kirche, veränderbare Meinugnen zu verkünden.

Daher verstehe ich auch die Zurückhaltung bzgl. biologischer Erkenntnisse. Nicht, weil diese auf Mehrheitsmeinungen beruhen, sondern weil eben das Leben häufig doch nicht so einfach ist wie der aktuelle Wissensstand suggeriert.

Das beste Beispiel dafür ist die Genetik und beliebte betreffende Streitthemen wie die Ursache für Homosexualität. Es wird nach einem “Homo-Gen” geforscht, die einen propagieren das, andere lehnen das ab. Das Endergebnis dagegen ist aber eigentlich vollkommen egal.

Dabei ist die Biologie längst viel weiter als die Massen der Menschen in Industrienationen, die immer noch meinen, “die Gene” würden uns bestimmen (es wird eine schicksalshafte Fremdbestimmung durch Desoxyribonukleinsäuren stillschweigend akzeptiert).
Es sind überhaupt nicht “die Gene”, die bestimmen, genausowenig wie “die Rohstoffe” bestimmen, wie bspw. ein Haus aussieht.

Die Epigenetik - schon seit vielen Jahren bekannt, aber noch nicht medienwirksam ins Hirn der Menschen gebracht - beschreibt die Tatsache, daß die Gene lediglich das Rohmaterial für Möglichkeiten liefern, mehr auch nicht. Welche Gene aktiviert werden (also um im etwas schrägen Bild zu bleiben: ob’s ein Holz- oder Steinhaus wird, wobei klar ist, daß es ein Haus wird) und welche abgeschaltet bleiben, wird durch die Umwelt mitbestimmt. Es ist eben kein Entweder-Gene-oder-Umwelt.

Vielleicht wird die Epigenetik deswegen nicht unters Volk gebracht, weil dann die suggerierte Fremdbestimmung flöten geht und wir doch freier sind, als manch einer uns weismachen will.

Die auf der einen Seite aufgegebene Freiheit wird auf einer anderen Seite dagegen wieder eingefordert, und zwar in der Frage der Ethik. hier gilt, was gefällt, hier herrscht Utilitarismus. Die Kirche muß diese Ethik ablehnen, weil es sich dabei nicht zuletzt um eine Philosophie der Macht handelt, da es primär um Wahrung von Interessen geht und die je nach Potenz eben gegen die Wahrung anderer durchgesetzt werden können. Das Allgemein Gute und Böse gibt es nicht mehr, es gibt nur noch meine und Deine Interessen und einer gewinnt, wenn sie kollidieren.

Somit herrscht eine Spaltung der Gemeinschaftswesen in frei (ich tue was ich will) und unfrei (was ich will und bin, bestimme ich aber gar nicht selbst) vor.

Schon seltsam.

Würden neuere biologische Erkenntnisse bekannter, würde man ein Stück Freiheit gewinnen (weil man sie eh schon hatte, man reklamiert sie nur bewußt für sich). Würde man dagegen das amerikanische Verfassungsgebot der “pursuit of happiness” - auf dem ersten Blick eine herrliche Staatsverpflichtung für das Glück des Einzelnen - als bei widerstrebenden Interessen (wie sie so oft vorkommen) eigentlich zutiefst inhumane Zielvorstellung deklarieren, kämen wir vielleicht wieder näher an das was so pathetisch Brüderlichkeit heißt (mit diesem aber immer im Hinterkopf).


Nicht adäquat

Veröffentlicht am Thursday, 15. July 2010, 12:56

In ihrer rigorosen Ausprägung führt die katholische Moral zu Konsequenzen, die sich nicht mehr mit den ethischen Empfindungen der Mehrheit der Bevölkerung deckt. Adäquater scheint das Konzept einer gestaffelten Schutzwürdigkeit des Menschen zu sein.

Das schreibt ein Kommentator auf einer Seite bei der ZEIT zum Thema der Präimplantationsdiagnostik.

Das stimmt. Adäquater wäre ein anderer moralischer Anspruch.

Nur: wie adäquat der Anspruch ist, interessiert die Kirche berechtigterweise wenig. Seit rund 2000 Jahren, angefangen mit dem Gründer der Kirche selbst, ist das ethische Empfinden der Bevölkerungsmehrheit nicht das der Kirche.

Damit kann die Kirche leben.

Die Frage ist, ob die anderen auf Dauer damit leben können. Ich habe da so meine Zweifel.


Zusammenprall der Mentalitäten

Veröffentlicht am Wednesday, 14. July 2010, 14:12

Der Orthodox-Katholische Dialog ist mühsam. Sehr mühsam.

Beide Seiten müssen lernen, daß ihre Sichtweise eine der möglichen ist, nicht zwingend immer die einzig wahre.
Beide Seiten müssen den anderen zuhören.
Beide Seiten müssen aufhören zu glauben, sie kennen den anderen gut.
Beide Seiten müssen aufhören zu glauben, sie verstehen was der andere meint.
Beide Seiten müssen zulassen wollen, daß eine andere Ausdrucksweise das gleiche legitim ausdrücken kann.

Kürzlich gab es eine Konferenz in New York, die sich der Frage widmete, ob es nicht von orthodoxer Seite ein Bild des Westens gäbe, welches dem Westen nicht wirklich entspricht.

An diesen beiden Stellen (hier und dort) wird da heftig und zum Teil auf hohem Niveau darüber debattiert, da die Beitragsschreiber auch selbst auf der Konferenz zugegen waren.


Anekdote

Veröffentlicht am Wednesday, 14. July 2010, 08:32

Von einem Heiligen, den die Kirche heute feiert, wird folgendes berichtet:

Als der Papst einmal das Heilig-Geist-Spital besuchte, behielt Kamillus [von Lellis] seinen Pflegekittel an. Man warf ihm Mangel an Ehrfurcht vor. Er: „Wie? Wenn ich mit Christus selbst beschäftigt bin, kann ich mich für seinen Stellvertreter nicht eigens umziehen.“

Von Mutter Teresa wird ähnliches berichtet, die sich erst um einen Kranken kümmerte und Papst Paul VI. dafür warten ließ.

Eine sehr gesunde Einstellung zum Papstamt - absolut loyal und orthodox und dennoch richtig in den Prioritäten.


1. Brief für meine Geschwister

Veröffentlicht am Thursday, 08. July 2010, 23:05

Das Land macht dafür keine Werbung, es käme nicht gut an, selbst bei wikipedia wird in keiner mir bekannten Sprache was dazu erwähnt. Warum sollte man es auch deutlich publik machen, wenn man als Land mit dem Islam als Staatsreligion allen Einheimischen, die diesen Glauben verlassen und wenn dann sich zumeist dem Christentum zuwenden, einfach alle staatsbürgerlichen Rechte aberkennt?
Warum sollte man das auch publik machen, wenn Touristen dieses Naturparadieses sowieso nicht auf die Inseln dürfen, auf denen die Einheimischen leben? Schließlich gibt es ja eigene Touri-Inseln!

Klingt skurril, ist aber auf den Malediven genau der Fall.

Wer dort bspw. Christ wird, der wird nicht mehr als Staatsbürger anerkannt - so sagt es die Verfassung. Im letzten Wahlkampf war das sogar eine wichtige Parole gegen den jetzigen Präsidenten, er würde doch alle zum Christentum bekehren wollen (für einen sunnitischen Muslim nicht gerade typisch).
D.h. daß diese Christen in ihrer Heimat kaum noch Jobs bekommen, in öffentl. Einrichtungen nicht arbeiten dürfen, kein Wahlrecht mehr haben etc.

Ich würde mich freuen, wenn auch andere den Brief auf ihrer Webseite publizieren oder übersetzen und in anderen Ländern diese Tatsache bekannter machen. Die meisten Touris sind nämlich aus Europa, und davon die meisten aus Italien. Ohne wirtschaftlichen Druck geht es nicht …

Also hier ist

der Brief zum Download

Die zuständigen Konsulate (hängt vom Bundesland ab) finden sich hier:

Auswärtiges Amt

Und der eigene Vertreter im Bundestag wie erwähnt hier:

www.abgeordnetenwatch.de

Mich würde auch ein Hinweis derer freuen, die den Brief absenden und das Anliegen verbreiten.


Themen erweitert

Veröffentlicht am Thursday, 08. July 2010, 14:39

In den meisten katholischen Blogs geht es um innerkirchliches.

Irgendwie finde ich das irgendwann langweilig und es lockt ja auch nur die wenigsten hinter dem Ofen vor.

Ich habe mir daher vorgenommen, jeden Monat einen Brief zu verfassen und hier als Download zur Verfügung zu stellen, der sich mit der Christenverfolgung im weiteren Sinn beschäftigt. Dies kann ein Brief über einen Einzelfall sein, wo an die zuständigen Autoritäten appeliert wird, genauso aber auch über eine prinzipielle Rechtslage, die die Religionsfreheit mißachtet.

Verfassen kann ich die Briefe auf Deutsch, Spanisch oder Englisch und werde dies je nach Zielland anpassen.

Neben einer Kopie für die zuständige Botschaft empfehle ich dazu, den eigenen Bundestagsabgeordneten anzuschreiben (ggf. auch eine Kopie des Appells mitschicken). Wer das ist und welche Kontaktdaten er oder sie hat, findet sich für Deutschland am ehesten auf www.abgeordnetenwatch.de , dies gilt fürs Direkt- wie fürs Listenmandat.

Auch wenn es nur ein Brief ist - die Erfahrung der Menschenrechtsorganisationen zeigt, daß diese nicht unnütz verhallen. Daß das Gebet dazu gehört, dürfte selbstverständlich sein - auch und vor allem das für die Verantwortlichen und Täter. Und je mehr Briefe rausgehen, desto besser.

Nennen werde ich diese Rubrik “Brief für meine Geschwister”.

In den nächsten Tagen kommt der erste.

Sollte ich es mal einen Monat nicht schaffen, bitte ich um Erinnerung.

Ich befürchte, daß ich bis auf Jahre hinaus zu tun haben werde…


Erfahrungslos

Veröffentlicht am Tuesday, 06. July 2010, 14:05

Gestern unterhielt ich mich mit einem Freund über dies und das in der Kirche und auch über die Tatsache, daß der akademische Katholizismus n Deutschland noch tief in der “Geist des Konzils”-Ecke steht. Daß das allerdings bloß eine Frage der Zeit ist, bis sich das ändert, sieht man u.a. an den Priestern jüngeren Alters, die sehr gerne so katholisch sind, wie die Kirche das ganze auch gerne offiziell sieht. Sie werden dann zwar “klerikal” genannt oder “rückwärtsgewandt” oder so, aber das muß einen ja nicht stören.

Die Ursache für diesen Graben des anderen Verständnisses habe ich schon einmal vor über 6 Jahren versucht zu erläutern. Da ich zu faul bin, alles neu zu schreiben, zitiere ich mich selbst:

Der “Geist des Konzils” wird ja von den innerkirchl. Reformgruppen beschworen. Sie handelten im Geiste des Konzils, sagen sie. Für Nichtkenner: damit meinen sie das 2. Vatikanische Konzil, welches von 1962-65 (glaube ich, so pi mal Daumen) stattfand.

Ich sehe auch erst mal keinen besonderen Grund, diesen Menschen diese Auffassung abzusprechen. Aber ich würde das mit diesem “Geist” mal gerne ein wenig genauer beleuchten.
Da sind Menschen, die machen Erfahrungen. Und zwar hier konkret sind es Menschen in der kath. Kirche, deren Erfahrungen in zeitlichem Zusammenhang mit dem Ende des Konzils zusammentreffen. Wie auch immer diese Erfahrungen seien mögen, sie werden automatisch, da es kirchliche sind, mit diesem Konzil in Zusammenhang gebracht. Und das kann ja prinzipiell ja auch richtig sein. Aus diesen Erfahrungen haben sich auch nicht wenige heute Älteren der Kirche als Priester oder Ordensmensch zugewandt. Aus den Erfahrungen, die direkt auf das Konzil bezogen wurden.

So, nun hat so ein Konzil ja auch ein Ergebnis, nämlich die Konzilstexte (es ist Sinn und Zweck eines Konzils, lehramtliche Entscheide zu fällen). Betrachtet man nun diese Texte und vergleicht deren Inhalte mit dem, was die Vertreter des “Geistes des Konzils” sagen, so stellt man riesengroße Differenzen fest - bspw. Zölibat, Frauenpriestertum, Scheidung, Abtreibung, Lehramt, Liturgie, Mission etc.

Beides geht also nicht: entweder man beruft sich auf den “Geist des Konzils”, das kann ja auch durchaus ehrlich gemeint sein, weil es erfahrungsbasiert ist - dann muss man ablehnen, dass derselbe Geist, nämlich der Hl. Geist, auch in den Verlautbarungen des Konzils selbst zu finden ist und man muss geradezu die Konzilstexte ablehnen.
Oder aber man steht zu den Texten als Ergebnis des höchsten Lehramtes mit Beistand des Hl. Geistes, dann kann man nicht zustimmen, dass dieser “Geist des Konzils” wirklich der Geist Gottes ist.

Dass dieser “Geist des Konzils” ein ehrfahrungsbasierte Vorstellung ist (was sie keineswegs prinzipiell falsch macht, im Gegenteil!), zeigt sich auch an einem ganz einfachen Umstand: diese Aktivisten vergreisen und sterben aus. Es kommt niemand nach. Wer kennt “Konzilsgeist”-Aktivisten, die nach 1970 geboren sind? Sehr spärlich sind diese, unter der gläubigen Jugend eine verschwindende Minderheit. Wie kann es sie auch geben, wenn die Erfahrung nicht da ist.

Eine kleine Anekdote: Zu Christi Himmelfahrt war ich abends in einer Messe der hiesigen Dominikanerkirche. Der alte zelebrierende Ordenspriester predigte bzw. besser dozierte über Karl Rahner und über die Geschehnisse des Konzils - der gute Freund, der mit mir gekommen war, kannte diesen Kerl namens Rahner gar nicht. Muss man ja auch nicht. Aber dass es so etwas gibt, und dass man auch ohne den gut glauben kann, erscheint wohl manch einem Konzilsvergeistigtem zu fremd. Nabelschau, wie schon so oft bemängelt.


Sterbenlassenwollen auf halber Strecke

Veröffentlicht am Monday, 28. June 2010, 10:22

Neulich gab es einen Entscheid des Bundesgerichtshofes, der zumindest vom juristischen Standpunkt aus eine neue Wegmarkierung setzt.

Erstmals wurde es für legitim erachtet, lebenerhaltende Maßnahmen zu beenden. Sie nicht zu beginnen - um somit erst gar nicht in diese Bedrouille zu kommen - war schon lange Standard. Nicht jeder durchmetastasierte Todkranke wird reanimiert, nicht jede 103jährige durch Magensonden am Leben gehalten.

Jetzt kam es aber dazu, daß eine Ernährung im nachhinein als beendbar erklärt wurde. Dies aber auch nur, weil in diesem Fall der Wille der Patientin erkennbar war und dagegen gehandelt wurde. Dem, der dagegen handelte, kann man aber auch keinen Vorwurf machen, das sage ich aus Erfahrung. Patientenverfügungen sind nicht immer eindeutig, das Leben an sich ist ein immer hoher Wert, sich für das Leben zu entscheiden darf nicht strafbar sein. Doch muß es strafbar sein, sich dagegen zu entscheiden?

Bei diesen und ähnlichen Fällen, die es immer wieder gibt, habe ich aber eine Sache noch nie verstanden: wenn Angehörige wollen, daß ihr Familienmitglied nicht mehr am Leben gehalten wird, die Pflegeinrichtung oder das Krankenhaus aber aus ethischen Gründen, die vollkommen zu respektieren sind, diesem Wunsch aber nicht nachkommen - warum nehmen sie dann ihren geliebten Menschen nicht mit nach Hause und lassen ihn da sterben?

Wenn man schon solche einen Wunsch hat, was ich wirklich verstehen kann, dann sollte man ihn schlechterdings nicht delegieren.