Böse
Wieder was von Kierkegaard, aus dem Tagebuch:
Geld & Nichts
Von Nichts kann man nicht leben, hört man oft, besonders vom Pfarrer. Und gerade die Pfarrer bringen es zuwege: das Christentum existiert nicht, - aber sie leben davon.
Wieder was von Kierkegaard, aus dem Tagebuch:
Geld & Nichts
Von Nichts kann man nicht leben, hört man oft, besonders vom Pfarrer. Und gerade die Pfarrer bringen es zuwege: das Christentum existiert nicht, - aber sie leben davon.
Schon gewusst? Der Advent war (ist offiziell?) eine Fastenzeit. Vor allen großen kirchlichen Festen ist das Volk Gottes aufgerufen, sich durch Gebet und Fasten darauf vorzubereiten.
In der prächtigen Schlosskirche tritt ein stattlicher Hofprediger, der Auserwählte des gebildeten Publikums, vor einen auserwählten Kreis von Vornehmen und Gebildeten und predigt gerührt über die Worte des Apostels: Gott erwählte das Niedere und Verachtete. Und da ist keiner, der lacht.
Ich habe ihn längere Zeit links liegen lassen, doch die Sehnsucht ist wieder da. Er ist nunmal meine musikalische Heimat, keine Musik, so riesig und vollkommen divers auch diese Sparte ist, kann meine Seele so bewegen wie er, der Jazz.
Als ich das Schuljahr 1992/’93 in den USA verbrachte, mit meinem Tenorsaxophon unter dem Arm, kam ich das erste Mal mit ihm in Kontakt, auf eine sehr anfängerfreundliche Art und Weise. Bebop und Co. stießen mich damals eher ab, viel zu kompliziert. Nein, meine Gastfamilie in St. Louis spielte mir Kenny G vor, eine mir jetzt viel zu seichte Easy Listening Musik. Aber damals echt gut, ich kannte sowas gar nicht und versuchte so nach und nach, ein wenig vom Band nachzuspielen.
Später dann die erste Jazz-MC, in einem 08/15-Laden dort gekauft (alle haben dort recht ansehnliche Jazzabteilungen). Ich kannte niemanden, es sollte bloß ein Saxophonist dabei sein, und es wurde eine von den “Brecker Brothers” mit dem Tenorsaxophonisten Michael Brecker. Ihr Album “The Return of The Brecker Brothers” versuchte ich, nicht immer zum Gefallen meiner zweiten Gastfamilie, bis zum Gehtnichtmehr mitzuspielen. Bei vielen Soli musste ich natürlich passen. Aber so nach und nach, mit ein wenig Harmonielehre, erkannte ich den Aufbau vieler improvisierter Passagen.
Jetzt, Jahre später, auch mit Bebop vertraut (man sollte halt erst gehen lernen bevor man läuft), ist mein eindeutiger Lieblingssaxophonist dieser, auch wenn ich Leute wie Coltrane, Parker und Rollins sehr schätze (und er noch nicht einmal Tenor spielte):

Aus den USA zurückgekehrt, hörte ich zuhause einmal, einfach aus der Städt. Bibliothek ausgeliehen, “Nude Ants” von Keith Jarrett, aus den 80ern. Es ging mir durch Mark und Bein, ich hatte noch nie so etwas Spirituell-expressives gehört. Nicht zuletzt durch den sonoren Sound dieses Saxophonisten war es mehr als nur ein Jazzquartett:

Wer eher aus der Sakralmusik kommt, dem kann ich nur das Album “Officium” empfehlen, dass er zusammen mit dem Hilliard Ensemble einspielte. Dieses Vokalensemble, spezialisiert auf Sakralgesänge des späten Mittelalters, zusammen mit den Sopransaxophonimprovisationen von Garbarek in einer tollen “Kirchenakustik”, ein Genuss!
Vielleicht irre ich mich ja, aber es drängt sich mir der Eindruck auf, dass das Phämomen der Political Correctness (PC) im öffentlichen wie privaten Leben immer mehr Einzug hält. Allein in den letzten Tagen gibt es dafür ein paar Beispiele: die Auftragskündigung an die Degussa AG für den weiteren Bau des Berliner Mahnmals für die Opfer des Holocaust, die Klage gegen den Kölner Erzbischof wegen angeblich beleidigender Äußerungen gegen Homosexuelle (die Originalrede kann man hier als pdf nachlesen) - naja, gerade Köln ist angesichts beider Parteien im Streit auch ein Pulverfass - oder zuletzt jetzt auch die allseits bekannte Affäre Hohmann (mal ganz abgesehen von den bewussten Falschmeldungen der Medien über seine Rede). Er soll ja jetzt aus Fraktion und Partei ausgeschlossen werden.
Voltaire wird der Spruch “Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, daß sie es sagen dürfen.” zugeschrieben. Er war zwar alles andere als ein Freund der Kirche bzw. des Christentums (”Die Inquisation ist bekanntlich eine bewunderungswürdige und wahrhaft christliche Erfindung, um den Papst und die Mönche mächtiger zu machen und ein ganzes Reich zur Heuchelei zu zwingen.”), hatte aber guten Kontakt zu Kapuzinern. Sein Kampf für die Meinungsfreiheit unterstützt bis heute eine franz. Organisation. Übrigens war er recht ausgleichend: “Der Atheismus und der Fanatismus sind zwei Ungeheuer, die die Gesellschaft verschlingen und zerreißen können.” Was würde er heute zu PC sagen?
Im privaten Bereich kann ja mal jemand versuchen, das Wort “Neger” für (PC) Afroamerikaner oder (PC) Schwarzafrikaner zu verwenden, welches allerdings von Martin Luther King in seiner berühmten Rede, die später den Titel “I have a dream” bekam, noch mit Stolz verwendet wurde. Tja, so ändern sich die Zeiten anscheinend.
Im allgemeinen wird dann ein “Währet den Anfängen!” ausgerufen, sicher auch aus berechtigter Sorge. Doch es liegt dieser Verbreitung von PC meines Erachtens der Fehlschluss zugrunde, man könne Gedanken verbieten, indem man die angeblich (siehe “Neger” respektive “negro”, was man ja in den USA auch nicht mehr sagen darf) diese Gedanken transportierenden Begriffe geächtet werden. Worte sind etwas Kostbares, gleichsam die Gefäße der Gedanken. Doch sind sie nicht determiniert, das heißt an Gedanken gebunden. Es liegt stets an der Intention des Verfassers.
Wieviel Gegenmeinung und auch evtl. Unwahrheit halten wir, hält jeder einzelne überhaupt aus? Sind wir solche Sensibelchen, dass ein Stinkefinger mit mehreren 1000 Euro juristisch geahndet werden muss, dass eine Lüge (wie die Holocaust-Leugnung) bestraft werden muss (warum dann nicht alle Lügen, unter denen Menschen leiden?), dass eine öffentliche Äußerung gegen eine gesellschaftliche Gruppe gleich zu Anzeigen führen muss? Entwickeln wir uns zu Mainstream-Spießern? Ist es denn so schwierig zu sagen: “Phht, dann findet er/sie mich halt Sch…., na und?”.
Ich verstehe das nicht. Sicher muss man sich nicht immer alles gefallen lassen, aber besonders im nicht direkten Konfliktfall, also bei allgemeinen Äußerungen, wäre ein wenig mehr Rückgrat zu wünschen, ohne das Laufen zu Mami (in dem Fall Vater Staat), damit diese (dieser) ihren autoritativen (juristischen) Segen für das weinerliche “Der da hat mich … genannt” gibt. Gleiches denke ich übrigens auch über religiöse Befindlichkeiten. Besonders da sollten die Christen angesichts des himmlischen Beistandes ein wenig mehr Gelassenheit über die irdischen Spielchen zeigen.
Aber wer weiß, vielleicht denkt ja nun der eine oder andere Leser (huch, jetzt habe ich doch glatt, bestimmt aus reiner Boshaftigkeit, die -Innen vergessen), auch von Voltaire: “Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit.”
Dies domini.
Die Kirche wurde schon in frühester Zeit von den Vätern des Glaubens so bezeichnet, als “keusche Hure”. Diese Aussage fasst hervorragend das zusammen, was die Kirche ausmacht:
keusch, rein: die Gemeinschaft der Heiligen mit den ganz normalen Heiligen dieser Tage, die im Alltag ihr Kreuz auf sich nehmen. Die Sakramente, die uns Nahrung und Stärkung auf der Pilgerschaft zur wirklichen Heimat sind. Die stillen Beter und einfachen Gläubigen, die den frischen Urquell dieses Volkes Gottes ausmachen, das später nicht selten zu einem schmutzigen Fluss wird. Die aufopferungsvollen Menschen, die ohne philosophische Begründungen einfach da helfen, wo Not am Mann ist. Die Seelsorger, die diesen Namen mit Leben füllen. Die Hirten, die auf dem schwierigen Weg gütiger Orientierungspunkt sind und offen für alle leiten, nicht schlagen, aber auch nicht von der Offenbarung abweichen.
Hure: da, wo sich Kirche mit Macht behaupten will, wo sie satt ist und es sich bequem gemacht hat, wo sie sich den Interessen verkauft, aus Angst um Pfründe nach dem Mund redet, wo sie einzelne und viele missbraucht. Wo man immer nur von anderen erwartet, ein Vorbild im Glauben und Leben zu sein. Wo irgendjemand, ob “Hauptamtlicher” oder nicht, Christus verrät.
Doch auch die sündhaften Händen des Priesters können Jesus nicht abhalten, dort in Gestalt von Brot und Wein präsent zu sein, denn niemand ist “würdig, dass Du eingehst unter sein Dach”.
Warum bin ich gerne in dieser Kirche? Weil auch ich beides bin, häufiger letzteres.
Dies domini.
Der Streit in der Anglikanischen Kirche geht weiter. Am 02. November wurde der sich zu seiner Homosexualität bekennende und geschiedene Vater zweier Kinder Gene Robinson zum Bischof der Diözese New Hampshire geweiht. Noch am selben Tag äußerten die Vertreter der Mehrheit der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft, die Bischöfe der südlichen Hemisphäre, ihren Protest. Die Kirche von Kenia will bereits die Beziehungen zur Diözese New Hampshire überdenken. Auch aus Australien hört man ähnlich kritische Töne. Das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Gemeinschaft, der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hatte bereits vor der Wahl wegen dieser Folgen gewarnt.
Unabhängig von der persönlichen Meinung zu dieser Thematik dürfen auch Katholiken davon ausgehen, dass die Mehrheiten in der Weltkirche ähnlich verteilt sind und dies angesichts des Schrumpfungsprozesses hierzulande und des Boomes in anderen Kulturen voranschreiten wird. Der Ruf nach Demokratie, der ja eher von Liberalen ertönt, erscheint mir daher nicht ganz durchdacht (wenn man darunter eine Gleichberechtigung der Entscheidungsträger versteht).
Angeblich sei ja alles immer vollkommen sauber gewesen sein. Nachfragen kann man nicht mehr. Aber was vorher nur an Gerüchten brodelte, nimmt nun Form an. Gunther von Hagens ist der Begründer und Hauptverdiener bei den Ausstellungen der “Körperwelten“, offiziell als Kunstausstellung deklariert. Ich war nie da, halte das für Voyeurismus.
Nun gibt es erste Ermittlungen gegen Herrn von Hagens, dass dessen “Exponate” wohl doch nicht so richtig davon wussten, was ihnen geschehen würde, von den Familien ganz zu schweigen.
Für die ferne Zukunft muss sich von Hagens aber keine “Materialsorgen” machen: mittlerweile haben sich genug Westler bei ihm gemeldet, die ihren Körper gerne plastiniert in Ausstellungen wissen würden.
Anfang September wurde die Initiative Ordensleute für den Frieden noch öffentlich gelobt, sie erhielt den diesjährigen Aachener Friedenspreis.
Tja, schon ein paar Wochen später wurden zwei Mitglieder und eine Sozialarbeiterin vor einem Gericht verurteilt. Wie man in diesem Artikel der Tagespost lesen kann, werden sie zu einer Geldstrafe wegen Sachbeschädigung verurteilt, obwohl der Strafrichter die Motive für “ehrenwert” erachtet. Er müsse aber nunmal dem Gesetz folgen.
Glücklicherweise hat sich schon einer der Verurteilten geweigert, P. Gregor Böckermann von den Weißen Vätern, die Summe zu zahlen und ginge dafür auch in den Bau.
Gut so.
Ach ja, die Franziskaner waren natürlich auch dabei, in personam von P. Markus Heinze ofm, der eine etwas unkonventionelle aber sehr franziskanische Art des Klosterlebens realisiert.
Am 27. Juli ‘03 hatte ich schon einen Eintrag dazu geschrieben, zur Katholischen Soziallehre. Jetzt dachte ich mir, in loser Reihenfolge werde ich mal einige Auszüge aus diesem Kompendium präsentieren, die vielleicht nicht so ganz ins globalisierte kapitalistische Weltbild passen und gerade deshalb die Kirche als Hoffnungsschimmer für manche Arme der Welt erscheinen lässt:
202. […] Das Konzil hat dies in Erinnerung gerufen: “Gott hat die Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen für alle Menschen und Völker bestimmt; darum müssen diese geschaffenen Güter in einem billigen Verhältnis allen zustatten kommen; dabei hat die Gerechtigkeit die Führung, Hand in Hand mit ihr geht die Liebe” (GS, Nr. 69). Alle anderen Rechte, ganz gleich welche, auch das des Eigentums und des freien Tausches, sind diesem Grundgesetz untergeordnet. Sie dürfen seine Verwirklichung nicht erschweren, sondern müssen sie im Gegenteil erleichtern. Es ist eine ernste und dringende soziale Aufgabe, alle diese Rechte zu ihrem ursprünglichen Sinn zurückzuführen.
(Populorum Progressio, Nr. 22)
Ein Land, das einen zutiefst zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlässt.
Das beste Gesundheitssystem der gesamten Region, hervorragende medizinische Ausbildung, die Ärzte sind in aller Welt tätig (als cubanische Art, sich den Zuspruch armer Länder zu vergewissern).
Eine Alphabetisierungsrate von nahezu 100%, verglichen mit den Nachbarländern der Karibik ungeheuer gut, besser sogar als in den USA…
Aber auch ein Land, in dem die fundamentalen Rechte des Einzelnen mit gröbsten Fußstritten verletzt werden - die Äußerung der eigenen freien Meinung kann zu sehr langer Haft führen, öffentliche Religionsausübung wird durch den Jesuitenschüler Fidel Castro nur sehr restriktiv ermöglicht, politische Betätigung in Opposition kann lebensgefährlich sein.
Nein, die Oppositionellen in Florida sind alles andere als die Alternative. Ich denke, das “System Castro” wird nach dessen Tod zusammenbrechen, sein Bruder, als Nachfolger ausgewählt, hat null Charisma und ist ein Hardcore-Sozialist.
Mal sehen was kommt. Wie schön wäre es, die Basisversorgung aller Menschen eines Landes ohne auf den Geldbeutel zu achten mit der Zusicherung der Rechte für alle zu vereinen. Aber ich kenne kein Land, wo das gelingt oder gelungen wäre…
In der gleichen Ausgabe von “Psychologie heute” (siehe unten) findet sich das Resummée einer interessanten Studie von Prof. Dr. phil. habil. Stefan Schulz-Hardt, Inhaber des Lehrstuhles für Sozial- und Finanzpsychologie der TU Dresden.
Demnach gibt es verschiedene Prozesse in Gruppenentschediungen, die die Entscheidungskraft erheblich schwächen und/oder auch in die falsche Richtung führen können. Gruppenentscheidungen sind keinesfalls per se oder auch nur tendenziell besser als Einzelentscheidungen.
Folgendes ist aufgefallen:
- Gruppen neigen zu vorschnellem Konsens (selbsterklärend)
- Gruppen neigen zu asymmetrischer Diskussion (die Teilnehmer bringen eher Argumente vor, die die eigene Position unterstützen und insgesamt zählen eher die Informationen, die alle bereits kennen, Neues wird eher ausgeklammert)
- Gruppen neigen zu asymmetrischer Informationsbewertung (die Gruppe neigt den Informationen zu, hält sie für wichtiger, die der Mehrheit eher zusagen, selbst wenn die Entscheidung dann falsch ist).
Nur mal so.
Als ich das damalige Schuljahr 1992-93 an der CBC High School in St. Louis, Missouri, in den USA verbrachte, forderte uns eines Tages unser Lehrer im Fach “Living The Message” (so hieß einer der kath. Religionskurse), doch mal zehn Sätze aufzuschreiben, die mit “I am a” beginnen und jenseits von körperlichen Merkmalen unsere Identität beschreiben, also die persönliche Darstellung des je eigenen Selbst.
Wie viele andere gelang es mir damals nicht, zehn Sätze zu finden. Wer bin ich?
Laut dem Editorial der aktuellen Ausgabe des Magazins Psychologie heute scheint es ein “Identitätsmerkmal” der Postmoderne zu sein, dass es sichere Identitäten des einzelnen Menschen kaum noch gibt.
Entgegen früherer Zeiten kann sich der einzelnen nicht mehr so leicht gewissen Weltanschauungen, Herkünften, Kulturen etc, eindeutig zu ordnen, da es, und das ist meine Beobachtung, auch als quasi “unanständig” gilt, sich “zu identifizieren” und somit abzugrenzen gegenüber anderem. Abgrenzung wird von denen, die eine eigene klare Identität nicht finden können oder wollen, als Abwertung tituliert bzw. bewertet.
Somit wird die Identitätsfindung noch erschwert.
Die Krise der klarten Identität ist meines Erachtens die tiefere Grundlage einer Vielzahl von Problemen. So weiß der Nationalist eben sehr gut, wer er (allerdings nur in diesem Bereich) ist, gibt dem ganzen aber im Gegensatz zum Patrioten eine hierarchische Wertung. Der weltanschauliche Extremist weiß auch bei Religion und Co. um sich selbst, ebenso mit einer Wertung gegenüber anderen, meint aber oftmals, besonders kritisch bei Religionen, diese gleichsam zu “besitzen”.
All dies gibt es, doch kann man durchaus seine eigene Identität kennen, ohne andere zu (be-)werten. Dies allerdings erscheint dem postmodernen Identitätspluralisten als sehr unwahrscheinlich und geradezu verdächtig. So wird ein “Ich bin ein” zu einem “Ich bin als … besser als…” interpretiert. Man misstraut Menschen, die sich kennen. Besonders in nichtwestlichen Kulturkreisen, wo diese Identitätskrise noch nicht so gilt, meint der Postmodernist an jeder Ecke Extremisten zu sehen.
Gerade aufgrund der Krise der Identität, denn trotzdem weiß die Mehrheit gerne, wer sie ist, wird meines Erachtens auch im Westen die Religiösität eine Renaissance erleben - in der Hoffnung, dass man sich der Unbesitzbarkeit bewusst wird und bleibt.
Übrigens: mittlerweile kann ich zehn Sätze mit “Ich bin ein” mit Inhalt füllen.
In der Arche Noah fand ich gerade einen Artikel der WamS über Deutsche, die zum Islam kovertiert sind. Eines haben sie alle im Artikel gemeinsam: die ersten Ansprechpartner, Christen, haben enttäuscht - weniger durch ihren Lebenswandel als vielmehr durch fehlende Antworten und rechte Worte und Hilfe.
Kazachstan?
Ziemlich unbemerkt von der größeren Weltöffentlichkeit hat Ende September diesen Jahres in Astana, der relativ neuen Hauptstadt von Kasachstan, ein Treffen wichtiger Vertreter aller großen Religionen stattgefunden. Dort konnten im Rahmen des ersten “World and Traditional National Religions Congress” Leute wie der oberste Rabbi von Israel, Yona Metzger und der Generalsekretär der Weltmuslimliga, Scheich Abdullah al-Turki aus Saudi-Arabien, konnten abseits der politischen Weltbühne mal shake hands betreiben und sich austauschen. Warum auch nicht.
Natürlich war auch eine Delegation der Kath. Kirche dabei (unter vielen anderen), man kann auf der Vatikanseite auch ihre Redebeiträge und die Abschlusserklärung lesen. Übrigens hat auch ein Franziskaner-Konventuale (zu deutsch meist Minorit genannt), nämlich ihr Generalminister gesprochen und eine eigene franziskanische Delegation angeführt, die den “Geist von Assisi” aufzeigen sollte, wo schon zweimal Treffen von Führern der Weltreligionen stattgefunden hatten.
In Kasachstan selbst ist ein großer Gebäudekomplex geplant, der als ständige Einrichtung der Verständigung unter den Religionen und Konfessionen dienen soll, quasi als UNO-Äquivalent. Schon das Leben des Elija berichtet uns,
dass Gott der Herr eher im Säuseln als im Sturm zu finden ist, und so kann das Mediensäuseln im fernen Kasachstan dem Frieden vielleicht dienlicher sein als ein Mediensturm in westlichen Metropolen.
Also Kasachstan!
In der Judikative (und dem Senat) der USA geht derzeit die Post ab: es wird aufs heftigste gestritten, ob ein überzeugter Katholik und Abtreibungsgegener denn US-Richter auf Lebenszeit werden könne. Katholiken in den USA sind, sowohl als Politiker als auch bei den Wählern, eher bei den Demokraten zu finden, und diese sind traditionell für die Abtreibungsfreigabe (die Anmerkung sei aber erlaubt, dass die große hispanische Minderheit eher gegen die Abtreibung ist, im Gegensatz zu vielen weißen Katholiken).
In einem Staat, das keinen religiösen gesetzlichen Feiertag kennt, eine strikte Trennung von Religion und Staat praktiziert, aber auch extrem liberal für alle Glaubensgruppen ist (so wird dort Scientology vollkommen natürlich als “Kirche” anerkannt), wird plötzlich der Glaube eines evtl. angehenden Richters zum Politikum.
Der Artikel der Tagespost bringt dazu mehr.
Mal sehen, wie das so ausgeht.
Dies Domini.
Etwas Benediktinisches haftet den Produkten dieses Versand-Unternehmens an, das sich Manufactum nennt. Unter dem Motto “Es gibt sie noch, die guten Dinge” wird dem Plastikschrott und Billigramsch der alternative Konsumkampf angesagt. Ich selbst zähle da eher zu den Seh-Leuten, da ich zwar gerne im Angebot stöbere, alles hochwertigste Qualität und tolle Sachen, aber für einen studentisch-franziskanischen Geldbeutel das meiste absolut jenseits aller Erreichbarkeit, was wiederum nicht weiter schlimm ist.
Dass das Monastische sich seit einiger Zeit auch beim Unternehmen selbst herumgesprochen hat, zeigt sich im Warenkatalog “Gutes aus Klöstern“, der all das anbietet, was die europäischen Mönche der verschiedensten Orden jenseits des ora, nämlich dem labora, so erwirtschaften und produzieren. Wer kann: kaufen!
Ich weiß ja nicht, wer von den Lesern schon einmal Erfahrung mit dem Umfeld von Drogenabhängigkeit gemacht hat - hoffentlich nicht aktiv.
Werden Betroffene in einen Entzug geschickt, so bleiben sie zumeist stationär in einem fremden Umfeld für mehrere Wochen, bis sich zu dem körperlichen Entzug auch hoffentlich ein, ich nenne ihn mal so, seelischer dazugesellt. Denn nur ein körperlicher bringt oft wenig.
Doch was dann? Die nun Ehemaligen werden entlassen, und kehren häufig in ihr altes Umfeld zurück - der Rest ist vorprogrammiert.
In Brasilien sind als Alternative zu diesem Ansatz, nämlich unter Einschluss von Gemeinschaft in Arbeit und Leben, Hilfe untereinander, Ehemalige helfen Erkrankten etc. die Fazendas entstanden, die Fazendas der Hoffnung (Fazenda da Esperança). Auch in Deutschland gibt es sie: eine für Männer, eine für Frauen.
Mindestens ein Jahr lang wird dort zusammengelebt und gearbeitet (beides, besonders das “zusammen”, ist für viele mit jahrelanger Straßenerfahrung hart zu Beginn), man erwirtschaftet den eigenen Unterhalt, und vor allem, man baut Gemeinschaft auf, auch über den Aufenthalt vor Ort hinaus. Es gibt regelmäßige Treffen von Ehemaligen, die Idee wird sogar in andere Länder und Kontinente exportiert (z.Zt. wohl die Philippinen).
Eines der Säulen schlechthin dort ist der christliche Glaube, in franziskanischer Spiritualität, im Geist der Basisgemeinden Lateinamerikas (die erste Fazenda wurde von einem Franziskaner gegründet).
Nun gut, die Erfolgsquote kenne ich nicht, ich kann auch nicht mit normalen Einrichtungen vergleichen (in diesem Bereich schaut man immer, wieviel Prozent rückfällig geworden sind). Aber dass es Erfolge gibt, rechtfertigt schon die ganze Mühe.
Es gibt im deutschsprachigen Netz ein neues Katholisches Diskussionsforum. Es gibt bereits derer einige, bei einem bin ich auch seit Jahren Mitglied, aber, ob es an mir selbst oder auch an Entwicklungen dieses Forums liegen mag, etwas Neues wäre zu empfehlen. Mir zumindest. Im neuen werde ich also wohl häufiger zu lesen sein.
Heute hat das höchste Staatsorgan der dt. Rechtssprechung den berühmten “Kopftuch-Streit” entschieden: das Bundesverfassungsgericht.
Demnach liegt es in der Entscheidungskompetenz der einzelnen Länder, dafür Regelungen zu treffen - ausschließlich auf Beamte bezogen. Was die Grundsätze zu Staat und Religion angeht, so gibt die Pressemitteilung einen sehr aufschlussreichen Ausschnitt aus dem Urteil (Hervorhebungen von mir):
Die dem Staat gebotene religiös-weltanschauliche Neutralität ist nicht im Sinne einer strikten Trennung von Staat und Kirche, sondern als eine offene und übergreifende, die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung zu verstehen.
Dies gilt insbesondere auch für den Bereich der Pflichtschule. Christliche Bezüge sind bei der Gestaltung der öffentlichen Schule nicht schlechthin verboten; die Schule muss aber auch für andere weltanschauliche und religiöse Inhalte und Werte offen sein. In dieser Offenheit bewahrt der freiheitliche Staat des Grundgesetzes seine religiöse und weltanschauliche Neutralität. Indem die Beschwerdeführerin durch das Tragen des Kopftuchs in Schule und Unterricht die Freiheit in Anspruch nimmt, ihre Glaubensüberzeugung zu zeigen, wird die negative Glaubensfreiheit der Schülerinnen und Schüler, nämlich kultischen Handlungen eines nicht geteilten Glaubens fernzubleiben, berührt. In einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen gibt es allerdings kein Recht darauf, von Bekundungen, kultischen Handlungen und religiösen Symbolen eines fremden Glaubens verschont zu bleiben.
Man kann verstehen, dass ich daher das Urteil sehr begrüße, zumal es den bis dato kränkelnden Föderalismus unterstützt.
Die ebenfalls in der Pressemitteilung berichtete Stellungnahme des Minderheitsvotums (3 gegen 5) sieht die Lage deswegen anders, weil es sich um eine angehende Beamtin handelt. Im Zuge des zunehmenden Angestelltenverhältnisses bei Lehrern wird wohl auch dies an Bedeutung verlieren.
Vielleicht hat ja jemand schon davon gehört, bei Veni, Domine Iesu! findet man einiges dazu, es geht um den neuen Film von Mel Gibson. Der ist zwar noch lange nicht in den Kinos, er soll dies erst Ostern 2004 sein, aber debattiert wird darüber schon seit langem. Gibson ist überzeugter Katholik und als solcher ist’s im Filmbusiness besonders dann schwer, wenn man das auch noch zum Film macht: The Passion zeigt die letzten 12 Stunden des Irdischen Lebens Jesu Christi, so wortwörtlich wie möglich angelehnt an die Evangelien (u.a. nur in Aramäisch und Latein gedreht, wohl mit Untertiteln).
Das wäre ja noch alles kein so arges Problem, wenn da nicht ziemlich schnell die Vorwürfe des Antisemitismus aufgekommen wären (begründet u.a. mit der Person des Regisseurs, Gibson, nicht bloß, eher selten, mit dem Inhalt des Filmes). Ist ja schon blöd, wenn man Sätze des Matthäus-Evangeliums verfilmt, aber geht der Vorwurf dann nicht an das NT? Ist das Neue Testament antijüdisch?
Nun ja, Gibson hat natürlich jetzt ein Problem, einen Verleih zu finden. Es sah mal gut aus, jetzt ist das wieder schwierig.
Nach einigem hin und her hat sich vor kurzem ein kath. Bischof, Kardinal Castrillón Hoyos, ziemlich positiv über den Film geäußert. Jetzt tut das auch noch ein in den USA bekannter konservativer jüdischer Rabbi, Daniel Lapin. Lesenswert sein Statement.
Wie man so durchs Netz schliddert…
Gerade schaute ich mir mal wieder ein paar Nachrichten bei MISNA an, man will ja nicht nur die Mainstream-News der reichen Welt kennen und auch mal was aus anderer Perspektive sehen, da stieß ich dort auf den Multinational Monitor, einer Initiative, die dem Großkonzernen mal ein wenig auf die Finger schaut. Kostet Geld, also eher weniger interessant für mich. Die Links dagegen bahnten über Umwege einen Weg zu den Kritischen Aktionären. Diese Leute sind so in etwa das deutsche Pendant dazu, und dazu haben sie aufgrund ihrer Anteile auch immer ein Rederecht auf einer Jahreshauptversammlung. Da können sie ihr (unser?) Anliegen richtig nett vor allen darstellen, die es hören oder nicht hören wollen.
Und das bereits seit Jahren, eher noch als die Bewegung um ATTAC, die im Buch No Logo von Naomi Klein (sie schrieb es vor den Ausschreitungen von Seattle) eine gut recherchierte (weil miterlebte) und sehr lesenswerte Argumentationsbasis fand.
Ist es nicht erstaunlich: ATTAC findet man in 38 Ländern, im Senegal wie in Japan, in Costa Rica wie in Italien, aber nicht in den USA…?
Heute war ich mal wieder bei einer franziskanischen Feier: Bruder Markus der Gemeinschaft in Köln-Vingst (vier bis fünf Brüder wohnen in einem sozial-wirtschaftlich problematischen Stadtteil in einem einfachen Mehrfamilienhaus und wirken als Seelsorger für Obdachlose, Sozialarbeiter, unter ausländischen Jugendlichen etc.) hat seine Ewige oder Feierliche Profess abgelegt, d.h. versprochen, sich für den Rest seines Lebens an den Orden zu binden, Christus nachfolgen zu wollen nach der Art des Hl. Franziskus.
Abgesehen von dem immer existenten Risiko einer dauerhaften Bindung, der Mut zu dieser eigentlich recht normalen Sache ist ja nicht mehr Allgemeingut, ist dies bei einem Ordensleben noch weniger normal.
Übrigens hat dieser Bruder im Namen der Initiative Ordensleute für den Frieden den diesjährigen Friedenspreis der Stadt Aachen mit entgegengenommen. Und eine andere bekannte Person dieses Stadtteils, Pfarrer Franz Meurer, ist Empfänger der ersten alternativen Ehrenbürgerwürde von Köln.
Wahrscheinlich tun sich die Beteiligten damit für ihre Karriere überhaupt keinen Gefallen, vielleicht sorgt das sogar für einen Niedergang oder Ende - ich hoffe sehr, es ist nicht so. Denn diese Menschen sind Künstler für Christus. Ohne Gage treten sie in Gemeinden und Kirchen auf, die Kollekte geht an “Kirche in Not” (siehe Liste links). Über stilistische Differenzen hinweg wollen sie auf die Verfolgung der Christen weltweit aufmerksam machen, auf die Anhänger dieser meistverfolgten Religion weltweit.
Ich habe dazu ja schon mehrfach was geschrieben. Es ärgert mich, dass dies kaum ein Thema im allgemeinen kirchlichen Diskurs ist.
Sind die Brüdern und Schwestern im Glauben für den interreligiösen Dialog Bauernopfer?
Vielleicht, auch wenn islam. Länder nicht die einzigen Verfolger sind - sie streiten sich um die Spitzenpositionen im Weltverfolgungsindex mit kommunistischen und als Ausnahme Bhutan als staatsbuddhistisches Land.
Chi mangia bene, beve bene, chi beve bene, dorme bene, chi dorme bene, non fa peccato, chi non fa peccato, va in paradiso.
Wer gut isst, der trinkt gut. Wer gut trinkt, der schläft gut. Wer gut schläft, der sündigt nicht. Wer nicht sündigt, kommt in den Himmel.