Anhören!

Friday, 02. April 2004

Beim Domradio gibt es eine sehr interessante Diskussion über den Passionsfilm von Gibson, es lohnt sich, sie komplett anzuhören (es sind mehrere Teile). Am besten gefallen mir dabei die Äußerungen des Regisseurs, der selbst einmal die Matthäus-Passion auf die Bühne gebracht hat, besonders auch seine Äußerungen über die Verdrängung des Leidens in der Geschichte des Christentums. Der Mann versucht zumindest einmal, seinen Regisseurkollegen unvoreingenommen zu verstehen, was ihm vielleicht leichter als anderen fällt, da er Mel Gibson vorher gar nicht kannte. So schwer es mir auch fällt, den Rest lasse ich mal bewusst (fast ganz) unkommentiert.

Den meisten Teilnehmern dieser hörenswerten Runde, egal welcher Meinung sie über den Film sind, und die ist unterschiedlich, fehlt ein Element: das des Erklärens des Leidens und Todes Jesu, das Warum.
Damit bewahrheitet sich der neulich gehörte Satz eines Kabarettisten:

Die Deutschen sind ein Volk von Lehrern, das sich in verschiedenen Berufen versteckt.


Schon verloren

Friday, 02. April 2004

Es ist echt ein Dilemma. Wie kann man im akademischen Bereich den Glaube mit der Wissenschaft zu “versöhnen” suchen? Es gibt beispielsweise das Institut für Glaube und Wissenschaft, ein auch von mir erst kürzlich entdecktes ökumenisch ausgerichtetes Institut mit einer wirklich ansprechenden Sammlung an interessanten Beiträgen. Nur, wer von den Skeptikern wird über die Vorstellung des “Über uns” hinaus gehen und den Leuten mal eine Chance geben? Da ist der Leiter schon viel zu persönlich, im Wissenschaftsbetrieb ein großes Igittigitt, da zeigt schon der Institutsname an, dass “man die Antwort schon weiß” auf die Frage, was wohl in den Artikeln steht. Wenn man sich da mal nicht täuscht.

Selten erlebe ich es, dass im subakademischen Bereich (gute Wissenschaftler sind sich durchaus der Begrenztheit ihrer Erkenntnisse bewusst) ein Christ als Wissenschaftler voll genommen wird, so nach dem Motto “kann denn aus Nazareth was Gutes kommen?”.


Wahrheit

Friday, 02. April 2004

Die Frage nach einer absoluten Wahrheit ist nicht nur ziemlich out heutzutage, sondern steht bei den meisten Menschen auch alles andere als an der Spitze der eigenen Prioritätenliste. Vielen geht es viel mehr um die Bewältigung des eigenen Lebens. Natürlich, sonst würde ich das nicht glauben, denke ich, dass dabei nichts so sehr hilft wie die Wahrheit, aber ich frage mich schon, ob es richtig ist, zu schnell mit der Wahrheitsfrage und natürlich auch -forderung zu kommen.
Es hat mir zu denken gegeben, dass auf so vielen Plakaten eben der Dalai Lama zu sehen ist, wenn es um kleine Regeln für ein glückliches Leben geht (oder auch erfülltes Leben, wie man es sieht). Okay, werden manche sagen, wir haben für diese Sachen schließlich auch Anselm Grün! Stimmt, aber die Wahrnehmung ist eben in der breiten Masse eine andere (wer kennt schon Anselm Grün?). Dabei bin ich der letzte, der die Buddhismus-light Version des Westens, die mehr mit Esoterik als mit Glauben zu tun hat, zu rechtfertigen sucht. Aber es gibt sie. Auch ist mir bekannt, dass viele in wirklich existentiellen Situationen in ihren patchwork-Überzeugungen keinen echten Halt finden, da sie eben selbstgebastelt sind - und wer kann sich schon selbst aus dem Sumpf ziehen?
Das hat aber nicht zur Folge, dass sie dann in die Kirchen strömen, nein. Ich sah neulich bei einem Fitness-Trainer ein Büchlein von Willigis Jäger. Der Mann meinte dann, er wolle auch mal gucken, was die Christen so böten.
Das ist die Einstellung, mit der, wenn überhaupt eine der Neugier da ist, zu rechnen ist. Haben wir da passende Antworten? Einem die Wahrheit um die Ohren hauen ist sicherlich die falsche. Direkt vom Kreuz reden, wenn der Gegenüber bei “Leben in Fülle” an was ganz anderes denkt, ebenso. Der Einstieg ist schwierig, ich habe da auch kein Rezept für alle.
Aber dass die christliche Botschaft den Gläubigen so viel Glück und Leben bringt und bei anderen so viel Griesgram als Außenansicht, stört mich sehr. Nicht das mich es wundert, ich dachte lange genug genauso.


Rassismus

Friday, 02. April 2004

Der Priestermangel, der dem weit fortschreitenden Gläubigen- und noch mehr Glaubensmangel hinterherhinkt und ja eine Diagnose aus der Sicht der kirchlichen Vollpension ist, zeigt meines Erachtens auch eines: (liturgischen) Rassismus.
Oder hat noch nie jemand gehört, wie sich ach so fromme Menschen, von konservativ bis liberal, über den indischen Priester aufregen, der eine Homilie (Predigt während der Messe) in nicht gerade lupenreinem Deutsch und vielleicht auch nicht selbsterfunden vorträgt?

Danken wir Gott, dass die Inder/Südamerikaner/Afrikaner etc. damals nicht so rassistisch waren wie wir es sind, als europ. Priester sich in ihren Sprachen versuchten…


Gefunden

Saturday, 27. March 2004

Dass ich Jazzfan bin, hatte ich ja schon einmal erwähnt. Jetzt habe ich endlich im Netz auch wahrgenommen, dass es christliche Jazzmusik gibt. Auf der Seite von catholicmusicnetwork.com war ich zwar vor geraumer Zeit schon einmal gewesen, hatte aber damals die Jazzsängerin Liz Kelly nicht wahrgenommen. In dem tollen Interview zeigt sie übrigens u.a. die interessante Parallele zwischen der Lesung der Hl. Schrift und Jazzmusik auf: das gemeinsame Prinzip lautet “Never do it the same way twice”. Super, echt! Stimmt total.
Ach ja, ihre Musik gefällt mir natürlich auch. Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich hierzulande an ihr letztes Album komme…


Armutszeugnis

Saturday, 27. March 2004

Hey Kirchenobere, die Ihr meint, der Passionsfilm von Gibson könne bei denen, die die Botschaft nicht bereits kennen, verstörend wirken und ein vollkommen falsches Verständnis erzeugen:

Sagt mir mal bitte, welchen Müll bringen denn dann die LehrerInnen mit von Euch genehmigten Lehrplänen den Schülern in zumeist mindestens vollen acht Jahren Religionsunterricht bei?

Merkt Ihr eigentlich nicht, dass Ihr Euch mit solchen Behauptungen selber lächerlich macht?


Geht doch

Friday, 26. March 2004

Endlich habe ich mal eine Kritik gefunden (na gut, sie ist erst von der gestrigen Ausgabe der ZEIT, nämlich hier), die zwar den Film nicht besonders gut findet, auch und besonders theologisch nicht, dies aber mit einem ausgewogenen Ton und durchaus bedenkenswerter Argumentationsweise begründet (dass nämlich nach den Evangelien nicht das Leiden, sondern der Tod selbst im Vordergrund stünde). Kompliment! Solch eine negative Kritik regt zum Denken an - auch wenn ich sie nicht ganz teile, in manchen Punkten gar nicht, aber vieles hat was.


Kompliment

Friday, 26. March 2004

Wie viel geistige Verblödung und emotionale Verrohung, wie viel anti-judaistische Ressentiments herrschen in einer Zeit, in der solch ein Machwerk solche Zuschauerzahlen bekommt?

Und ich gehöre dazu! Aus dem Mund mancher Menschen ist das eine Auszeichnung, so z.B. von Friedrich Schorlemmer.


Wahrnehmung

Thursday, 25. March 2004

Ich denke, die innerchristliche Debatte um “Die Passion Christi” ist viel mehr als nur die, endlich!, an die Öffentlichkeit gezerrte Diskussion um verschiedene Theologien - übrigens so verschieden, das man manchmal nur wenig Schnittmenge sieht.
Es ist vor allem auch eine Frage der Wahrnehmung. Wie nehme ich meine Umwelt wahr? Wie selektiv ist meine Wahrnehmung (dass sie das eines jeden ist, steht ja außer Frage)? Was will ich an mich ran lassen, und auch vor allem wie will ich das an mich ran lassen?

Ich kann mich gut an einen Moment erinnern, als mein Mitbewohner Andrés und ich in der WG in Granada/Andalusien vor der Glotze saßen (ich hab’ da ja ein Jahr studiert, äh, gelebt ) und durchs Programm zappten. Als ein Bericht über irgendein Hungerelend in Afrika erschien, schaltete er mit dem sinngemäßen Satz “ich kann mir sowas nicht ansehen” weiter.

Und ich dachte dabei dann: wird’s dadurch besser? Wird dadurch der Eindruck der Welt besser, den ich mir mache?

Ein anderes Mal, erst ein paar Wochen her, erzählte ich einem Bekannten von dem Düsseldorfer Straßenstrich und dem täglichen Missbrauch, der sich “direkt um die Ecke” abspielte. In der aktuellen Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty hatte ich gerade davon gelesen. Seine Reaktion? “Ich will das alles gar nicht wissen”.

Die Laienverbände liberaler Theologie wie IKvu oder WsK haben zwar allerlei auf ihren Webseiten, aber einen Einsatz für die Christen, oder auch nur einen Hinweis darauf, die weltweit wegen ihres Glaubens an Jesus verfolgt werden, findet man nicht. Jaja, den Film zerreißen sie natürlich…

Wahrnehmung?


Gesehen

Wednesday, 24. March 2004

So, gestern abend habe ich nun endlich den Film “Die Passion Christi” gesehen. Und, wer nicht zu denen gehört, die eine “Das will ich gar nicht alles wissen”-Einstellung bei den Untiefen menschlichen Leides und menschlicher Grausamkeit haben, kann den Film auch gut vertragen.

Unabhängig von meinem eigenen Eindruck, der zwar sehr, aber nicht zu 100% positiv ist (das liegt aber eher an filmischen Elementen, weniger an der Message), zeigen sich angesichts des Filmes vor allem zwei Dilemmata:

Erstens die wirklich nur enorm schwere Überbrückung des absolten Unverständnisses von Nichtchristen (dazu zähle ich hier auch die, die zwar getauft sind, aber keine tiefere Ahnung, weil kein tieferes Wissen haben), die ohne eine Umkehr des Herzens gar nicht möglich ist und u.a. deswegen auch nur in den allerallerseltensen Fällen gelingt. Und zweitens die größer werdende Spaltung innerhalb der Christenheit. Nicht wegen der Konfessionen, sondern über die Grenzen hinweg. Da wird die “Fundamentalisten”-Keule genau schnell geschwungen wie hobbypsycholgisch Sadomasochismus unterstellt. Da wird ein Schreckensgott angeklagt, der im Film gar nicht da ist (man möge ihn mir bitte zeigen).
Jahrzehntelang haben Theologen versucht, das Kreuz weich zu zeichnen, und irgendein dahergelaufener Filmemacher macht das alles innerhalb kürzester Zeit kaputt.

Ich sage keinesfalls, dass der Film jedem das Christentum näher bringt. Mir aber hat er besonders eine Person näher gebracht, neben der “Größe” des Opfers Jesu: seine Mutter.

Nachtrag: besonders toll fand ich den (ersten?) Rückblick, wo Jesus als Zimmermann gezeigt wird und mit seiner Mutter rumalbert.


Freaks

Monday, 22. March 2004

Kennt Ihr schon die JesusFreaks? Also wenn ich kein Hardcore-Kathole wäre, was natürlich viel cooler ist, wäre ich bei denen (naja, vorher eher orthodox, muss ich zugeben).

Entstanden ist diese Bewegung in Hamburg 1991. Und sie breitet sich aus. Endlich mal eine Bewegung, wo man als Punk nicht schief angeguckt und als Ziegenbärtiger nicht des Saales verwiesen wird. Gut so. So ziemlich das Gegenteil von gutbürgerlich. Und deswegen so sympathisch.

Natürlich sind sie von der Theologie voll evangelikal, aber viel lieber Jesusfreak als gar kein Christ, würde ich mal sagen.

Ach ja: mit “evangelikal” meint man im allgemeinen übrigens lose freikirchliche Gemeinden/Gruppen, die nur die Bibel als Quelle der Offenbarung kennen. Also nix mit Kirchenvätern, Liturgie, Lehramt etc. Schade eigentlich. Ein großer Reichtum wird links liegen gelassen. Aber so sieht’s aus.


Gelernt

Monday, 22. March 2004

Ich habe mich mal versucht, einen Überblick in der modernen christlichen Musikszene zu bekommen. Das ist gar nicht so einfach (und ich verweise auch mal auf meinen Uralt-Beitrag hier, der im Kommentar erwähnte John Michael Talbot ist ,eher Typ Liedermacher, auch sehr hörenswert). Aber es scheint wohl in der Sparte Rock-Pop schon einmal zwei Typen zu geben: die des “worship” oder auch “Lobpreis” genannt und die eben des normalen mit christlichen Texten. Der “worship” zeichnet sich dadurch aus, dass es so eine Art von “jetzt mal alle Hände hoch, preiset den Herrn!” ist. Ich persönlich habe Null gegen einen guten Beat oder ein coolen Riff (”You found me” von FFH, siehe alter link, ist bspw. sehr mein Geschmack), aber so rein gottesdiensttechnisch bin ich dann doch katholisch-nüchterner veranlagt.
Ach ja, wo bekommt man denn das ganze Zeug? In Deutschland kann ich da die GerthMedien empfehlen, auch wenn die an Büchern sehr naja sind. Es geht ja um die Musik, da haben die auch einiges Katholisches im Angebot. Ansonsten ist die Szene sehr evangelikal dominiert. Aber wenn’s rockt, ist das okay.


Theologische Erwägungen IV

Sunday, 21. March 2004

Dies Domini.

Die Theodizee. Die Frage nach dem Leid der Welt. Warum Gott das alles zulasse etc.

Gleich zu Anfang: ich weiß nicht, warum es soviel Leid auf der Welt gibt.

Gut, oder besser Schlecht, für das Allermeiste gibt es allzu menschliche Ursachen: Machtmissbrauch, Gier, Hass, Dummheit etc.
Das Gros des Leides führen sich Menschen immer noch selbst gegenseitig zu. Dazu gehören auch manche “Naturkatastrophen”, die aus obigen Gründen oder einfacher grenzenloser Selbstüberschätzung des Menschen resultieren. Da kann das Ergebnis eine Naturkatastrophe, ein Erdrutsch, aber auch “ganz alltäglich” ein tödlich angefahrenes Kind sein.

Doch immer gibt es noch ein Leid, dass sich durch solch rationale Denkweise nicht erklären lässt, wie Leukämie bei Kindern.

Wie gesagt, ich kenne nicht das Warum.

Und wenn aus diesen Gründen Menschen zu dem Schluss kommen, es könne dann den liebenden Gott nicht geben, dann ist das zu respektieren (dass ich dann auch alle Werte für null und nichtig erachte, ist ein anderes Thema).

Doch anders gefragt: was hätten wir davon, was hätten wir für unser Leben, wenn wir das Warum kennen würden, aber aufgrund unserer Menschlichkeit eben nicht ändern könnten? Was würde das bringen? Wem wäre geholfen?

Genau da fängt die Botschaft Christi an: es geht nicht um das intellektuelle Warum, es geht nicht um das Denken, es geht darum, wie man damit umgehen kann. Die Bewältigung des Lebens steht im Vordergrund, und genau darum ist das Kreuz eine stärkere Antwort als dicke Wälzer schlauer Menschen (auch schlauer Theologen).

Doch das Leid zu ertragen, das Kreuz zu tragen, macht natürlich nur “Sinn”, wenn dieses Leid eben nicht das letzte Wort hat. Und da beginnt der Glaube. Der zeigt sich letztendlich erst in der Prüfung, wenn die Last des Kreuzes zu erdrücken droht. Ich weiß nicht, wie stark meiner dann sein wird.


Souverän

Sunday, 21. March 2004

Dies domini.

In gewohnt souveräner Manier schreibt Catholicism Wow:

Wer kann es sich erlauben, einen Film nicht gesehen zu haben, vor dem einhellig durch die katholische Bischofskonferenz, der EKD und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gewarnt wird?

Treffender kann man es mit einer Prise Satire kaum ausdrücken.


Bewegt

Sunday, 21. March 2004

Dies Domini.

Wie weiter unten ja angekündigt, habe ich mir gestern eine Passionsspiel in einem Eifeler Dorf angesehen. Die Kirche, in der es stattfand, war rappelvoll, alle Vorstellungen des Jahres sind ausverkauft. Der Ortspfarrer gab eine sehr schöne Einführung: es handele sich nicht um Theater (daher auch die Bitte, auf Klatschen und Blitzlicht zu verzichten), sondern um eine Art schauspielerische Predigt. Bewusst werde man auch über den nackten Evangelientext hinausgehen und interpretieren (wie auch sonst?). Er meinte “wir machen also Theologie”, denn nichts anderes ist ja eine Interpretation der Offenbarung.

Und ich muss sagen, die Darstellung hat mich extrem mitgenommen. Ich wusste ja, dass ich nah am Wasser gebaut bin, konnte mich gerade noch so zurückhalten, aber das Drama der Passion ist mir sehr bewusst geworden (im Film werde ich wohl ziemlich heulen…). Besonders Maria ist mir nahe gekommen. Welche Mutter, welcher Vater könnte nicht den Schrei “Aber es ist doch mein Kind!” verstehen, als Jesus auf dem Weg nach Golgotha war und eine Frau Maria zurückhalten wollte, zu ihm zu rennen. Auch die Kreuzabnahme, sehr beeindruckend. Und die hervorragende Darstellung des Judas Iskariot in all seiner inneren Zerrissenheit, weil er seinen Traum vom ersehnten Reich Gottes, wie er es verstand, dahingehen sah. Die Frage nach dem Leid der Welt ließ ihn nicht los, Gott könne dann einfach nicht die Liebe sein.

Wer also meint, das sei nur eine naiv-dilettantische Dorfvorstellung gewesen, den muss ich leider eines besseren belehren. Anscheinend haben die Schulder Passionsspiele eine gute Reputation, denn man konnte sehen, dass die Zuschauer auch sehr lange Anfahrten in Kauf nahmen, um der Aufführung beizuwohnen. Mehr als verständlich.


Genervt

Friday, 19. March 2004

Sorry, muss noch mal sein.

Wenn jemand einen Film nicht mag, dann kann er das sagen. Wenn er sich Filmkritiker nennt, dann erwarte ich aber, dass er sich zumindest ein wenig, ein klein wenig mit der Materie beschäftigt hat. Und was mir beim (natürlich) Gibson-Film in den letzten Tagen an absoluter Ignoranz begegnet ist, schlägt echt dem Fass den Boden aus. Da macht sich eine WDR 5-Kritikerin in unvergleichlicher Dummheit (ich nehme nicht an, in antisemitischer Absicht) über den rituellen Satz des jüngsten Anwesenden beim jüdischen Pessahfest lustig (hier als Audio-Datei des Originalbeitrages). Da schreibt der Chefredakteur der online-”netzeitung” eine Kritik und hat keinen blassen Schimmer davon, dass der Hilfsträger des Kreuzes der biblische Simon von Zyrene ist (für ihn vielmehr ein Zugeständnis an die Political Correctness, damit nicht alle Juden als böse erscheinen). Erschreckend peinlich für den Mann.
Gut, es gibt auch solche, die den Film zu verstehen scheinen, aber das sind Leuchttürme im Dunkel der Ahnungslosen.
Sachliche Kritik jenseits von Plattitüden an Kameraführung, Darstellung etc. ist ja vollkommen legitim. Aber das findet man nicht. Nein, was man findet, ist eine peinliche Selbstentblößung von Nullwissen (bloß ein wenig religiöse Allgemeinbildung wäre schön, mehr nicht) bei den meisten Filmleuten und Journalisten.
Das sollte den Bischöfen mehr Sorge bereiten als der Film selbst. Denn dies hat er bereits vor Anlauf gezeigt: er trifft hierzulande im Großteil auf von sich selbst überzeugte, aber religiös vollkommen dumme Meinungsmacher.


Meisterwerk

Friday, 19. March 2004

Zur Zeit lese ich gerade dieses Buch in einer Ausgabe aus den 30er Jahren. Es ist ein absolutes Meisterwerk und stellt vieles von dem in den Schatten, was ich bisher hier vorgestellt habe! So eine Tiefe des Verständnisses des Evangeliums hatte ich bisher noch nie irgendwo angetroffen, sei es in Buchform oder wie auch immer. Der Klassiker-Status, den dieses Werk erreicht hat, ist absolut nachzuvollziehen. Ein Muss! Dabei stellt sich der Autor selbst wirklich ganz in den Hintergrund und hat es nur verfasst, damit man - und das gelingt vortrefflich - einen besseren Zugang zur Schrift hat.
Nicht nur dass es unglaublich schriftzentriert ist, sondern in den Schlussfolgerungen entlarvt Guardini so manche Verkürzung der Frohen Botschaft auf Ethik, Vordergründigkeit und Altruismus. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass ich in vielen dieser Denkschemata auch noch gefangen bin.


Mißverständnis

Thursday, 18. March 2004

Eines der fundamentalsten Missverständnisse, das mir immer wieder begegnet, ist, das Christentum als Buchreligion zu begreifen. Genau das ist es eben nicht.
Ebensowenig wie ein Polizeibericht der Unfall selbst ist, sondern natürlich bloß eine Mitteilung davon macht, also, theologisch gesagt, Zeugnis davon gibt (Stichwort Zeugen), ist natürlich das Hauptereignis nicht die Bibel, sondern das, wovon die Bibel spricht - oder besser der, von dem die Bibel spricht - Jesus von Nazareth, Gott wird Mensch.
Das ist im Islam ganz anders, da ist der Koran das Ewige Wort Gottes. Bei uns ist das nicht die Bibel (auch wenn das manche gerne so hätten), sondern Jesus ist das WORT.

Wenn also nicht der Gott und Mensch Jesus im Mittelpunkt stünde, nicht Er die eigentliche Neuigkeit wäre, dann hätte das folgenreiche Konsequenzen: das ganze christliche Menschenbild wäre anders - es gründet ausschließlich auf der unglaublichen Aufwertung durch den Umstand, dass der Schöpfer allen Seins sich soweit runterließ und einer von uns wurde.
Es gäbe keine unabänderliche, vom nackten Sein her begründete Menschenwürde. Wozu auch? Was würde uns denn vom Göttlichen her von der Stechmücke trennen? Geschöpfe sind wir alle, und auf den Fettkörper zwischen den Schläfen bilden auch nur wir uns etwas ein.
Es gäbe keine daher auch keine vom nackten Sein her begründeten Menschenrechte, aus eben gleichem Grund. Nebenbei: dieser Konsequenz sollte man sich im Dialog mit dem Islam auch mal bewusst werden …..
Es gäbe natürlich auch keine Bibel, denn wie können sich Menschen (die Bischöfe von damals) herausnehmen zu bestimmen, welche von dem rumgeisternden Schriften denn rein gehören und welche nicht? Es gäbe natürlich auch keine Kirche. Aber das gefiele ja manchem….
Doch dann bitte konsequent.


Live

Thursday, 18. March 2004

Diesen Samstag, also übermorgen, werde ich mir die Passion Christi ansehen.

Allerdings nicht als Film - das kommt später, sondern als ein traditionsreiches Passionsspiel in der Eifel. Passenderweise liegt die Pfarrei in einem Ort namens “Schuld”. Und wer sich da mal durchliest, warum Passionsspiele gezeigt werden “dürfen”, also mit der Political Correctnes gerade noch so vereinbar sind, der versteht auch den Sinn des Filmes. Der Unterschied ist wohl der, dass nie so viele Leute zu Passionsspielen wie ins Kino gehen…..


Geklaut…

Wednesday, 17. March 2004

…habe ich diesen link bei fonolog.

So, das reicht jetzt aber auch über diesen Film hier. Vielleicht gibt’s noch mal einen kurzen Kommentar meinerseits, wie ich ihn so fand.


Auf die Straße!

Wednesday, 17. March 2004

Das meiner Meinung nach allertollste an der ganzen Diskussion um den Gibson-Film ist nicht die Tatsache, dass sich da die Meinungen zum Teil diametral gegenüberstehen oder dass dieser Film nur Untertitel hat oder dass er ohne Rücksicht auf die gefühle der Zuschauer extrem gewaltnah das Leiden zeigt oder was auch immer.

Nein, die Theologie wird auf die Straße getragen! Da gehört sie hin, raus aus den Stuben der Gelehrten, auf die Straße! Das Wort ist Fleisch geworden, jemand zum Anfassen, ein Mensch mit Geschichte, keine abstrakte Offenbarungs-Idee zum Doktorarbeit schreiben (was man auch machen kann, aber das kommt sicher nicht an erster Stelle). Der Artikel der Tagespost (bei scipio gefunden) zeigt genau dies.


Vorhersehbar

Tuesday, 16. March 2004

Wie die WELT heute berichtet (kostenlose Registrierung zum online-Lesen notwendig), will sich die “Bischöfin” der nordelbischen evangelischen Landeskirche, Maria Jepsen, den Gibson-Film nicht ansehen. Auch wenn sich der katholische Erzbischof Thissen hier wohltuend abhebt, es überrascht mich gar nicht, und das wird in der Kirche auch nicht sehr anders sein, dass sich viele “Großkopferten” mal wieder Null dafür interessieren, was die Menschen bewegt (und sie in die Kinos treibt, und sei es auch mit einer großen Tüte Popcorn). Man könnte ja mit ihnen darüber ins Gespräch kommen, und zwar bei einer Sache, die man nicht 100%ig selbst in der Hand hat (wie Gottesdienste, Bibeljahre, Kulturveranstaltungen). Uiuiui, gefährlich……..


Umentschieden

Monday, 15. March 2004

Ursprünglich, wie hier nachzulesen, wollte ich mir nicht den Gibson-Film ansehen. Ich werde es nun doch tun, denke ich.


Reminiszenz

Monday, 15. March 2004

Anlässlich der Wahl in Spanien hier nur kurz ein Bild des Hauptmonumentes der Stadt, in der ich ein Jahr lang leben (sehr!) und studieren (*hüstel*) durfte:


Machtfrage

Sunday, 14. March 2004

Dies Domini.

In einem seiner Bücher erzählt Carlo Carretto (1910-1988) von einer Audienz, die er als Student mit Kommilitonen bei Papst Pius XI. hatte. Der Papst fragte in die Runde: “Was macht Jesus in der Eucharistie?”

Ja, was macht Jesus da eigentlich?