Wundern

Sunday, 07. August 2016

Ich muss mich wundern, wie wenig dieser Tage doch auch von der politischen Kaste (bzw. derer von ihnen, die mediale Sprachblasen produzieren) die dt. Verfassung namens Grundgesetz bekannt ist - und wie wenig anscheinend auch Urteile des BVerfG.

Da kommt doch tatsächlich ein Mann (Jens Spahn MdB) vor einiger Zeit auf die Idee, für ein generelles Burkaverbot einzutreten. Der Mann will also die individuelle Religionsfreiheit einschränken (denn ob die Burka zur Religionsausübung gehört, geht ihn denkbar wenig an).

Noch mal als Erinnerung (hier schon 2x gebracht), das BVerfG schrieb schon 2003:

In einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen gibt es allerdings kein Recht darauf, von Bekundungen, kultischen Handlungen und religiösen Symbolen eines fremden Glaubens verschont zu bleiben.

Bitte laut und deutlich nachsprechen, auswendiglernen und - für ihn als Katholiken ja methodisch eingeübt - mit “Zustimmung des Willens und des Verstandes” ausleben.

Danke schön.

(Daß ein anderer populäre Politiker namens Gauweiler jetzt kohortenbezogene Zwangsarbeit befürwortet - übrigens im Sozialbereich, denn da geht’s ja nur um Menschen und das wird eh schlecht bezahlt, warum nicht in der Automobilproduktion als ebenso Ungelernter? - ist keines größeren Kommentares wert)


Wednesday, 27. July 2016

Je suis Jacques Hamel.


Ganz anders

Tuesday, 19. July 2016

Wären die Vorlagen, die die Römische Kurie damals für das Zweite Vatikanische Konzil vorbereitet hatte von den Bischöfen durchgewunken worden, hätte es auch nicht viel länger gedauert (auf jeden Fall nicht so viele Jahre) als das etwas “amputierte” Konzil der Orthodoxen, das nur eine Woche dauerte.

Von diesem Konzil der Orthodoxie findet man hier die offiziellen Dokumente. Nichts Neues dabei wirklich (muß ja auch nicht), wenn man mal von innerorthodoxen juristischen Fragen absieht.


Unterstützenswert

Wednesday, 22. June 2016

Ich irre mich manchmal ja sehr gerne, aber glaube auch dieses mal nicht, daß die deutschen Ortskirchen des armen Wanderpredigers Jesus von Nazareth freiwillig auf Einnahmen verzichten werden. Schließlich sind sie ja im Geldscheffel-Modus geübt, wie die neuesten Zahlen zeigen.

Es gibt nun eine online-Petition, die von der Bishchofskonferenz fordert, den Text der revidierten Einheitsübersetzung der Hl. Schrift öffentlich frei zugänglich zu machen. Der Initiator, ein Pater der Salesianer, glaubt zwar selber nicht an den großen Erfolg (Grund womöglich: siehe oben), aber will eben sein Wort erheben.

Ich halte das für unterstützenswert: Petition


Ob das noch was wird?

Monday, 13. June 2016

Die russisch-orthodoxe Kirche wird dem geplanten Panorthodoxen Konzil fernbleiben, das in sechs Tagen starten soll (und wohl dennoch starten wird). Somit werden mittlerweile mehr als die Hälfte der Orthodoxen dort nicht repräsentiert werden, da die autokephalen Kirchen von Georgien, Serbien, Bulgarien und Antiochien auch schon abgesagt haben.

50 Jahre Vorbereitung faktisch im Eimer. Kurz vor dem Start ist das Ende schon erreicht.

Ein starkes und trauriges Zeichen für die faktische Nichteinheit der Orthodoxie, allen Wortmeldungen zum Trotz.

Und ein für mich - für einen Katholiken nicht überraschend - starkes Zeichen für die Notwendigkeit eines Amtes am Dienst eben dieser Einheit, dem Amt des Petrusdienstes. Ohne den Nachfolger Petri sähe es bei uns nicht anders aus. Machtkämpfe allerorten.

Also sollten wir nicht über die Orthodoxie den Stab brechen, sondern für das Petrusamt dankbar sein.

Nachtrag: Serbien nimmt jetzt doch teil.


Exzellent

Friday, 10. June 2016

Denn die christliche Nächstenliebe verlangt immer echte Opfer. Wer etwas anderes für zutreffend hält, tut gut daran, dies als den sichersten Hinweis darauf zu erachten, dass er sich in der Liebe seiner Nächsten – zumindest bislang – als blutiger Anfänger erwiesen hat. Das kann gar nicht anders sein. Denn wer es wirklich wagen sollte, sich in der Liebe seiner Nächsten auf Erden zur wahren Meisterschaft aufzuschwingen, der landet unweigerlich dort, wo auch sein Meister Platz nahm: am Kreuz.

Wer einmal einen wirklich exzellenten Artikel zum Thema des Umganges mit den Flüchtlingen aus christlicher Sicht lesen will, dem sei dieser Artikel empfohlen.


Tiefblickend

Tuesday, 03. May 2016

Sehr selten schreibe ich hier über was Politisches - und das Minenfeld der AfD ist noch einmal etwas besonderes.

Ich bin zwar überhaupt kein Sympathisant der AfD, nicht im geringsten, aber halte mich für einen Demokraten. Und da wundert mich im gesellschaftlichen Diskurs so einiges.

Was ich erstaunlich finde - neben dem Verständnis von Grundrechten auf Seiten der AfD, aber das wäre ein eigenes Thema - ist der Umstand, daß eine politische Kraft, die offensichtlich nicht liberal im kulturgesellschaftlichen Sinne ist, in der öffentlichen Meinung direkt extremistisch genannt wird (mindestens populistisch).

Ich selbst halte mich kulturgesellschaftlich für ziemlich liberal - und die AfD ist dies überhaupt nicht. Was komisch ist, wenn ich mir so den Umgang der Medien damit anschaue, ist, daß man liberal sein muss, um als demokratisch legitim zu erscheinen.

Nein, muß man nicht.

Illiberalität ist in der Demokratie erlaubt. Es ist erlaubt zu sagen und durchzusetzen versuchen, daß man bestimmt soziale Entwicklungen oder auch Menschengruppen nicht bei sich haben will. Klar ist das Aus- und Abgrenzung, aber das ist eben erlaubt. Nur weil man es schlecht findet, ist es nicht undemokratisch. Und ob es grundgesetzkonform ist, bestimmt ggf. das Verfassungsgericht - da haben sich die etablierten Parteien ja auch oft einen Satz heiße Ohren abgeholt.

Der ungarische Ministerpräsident bspw. ist explizit nicht liberal - er sagt das ganz offen. Ist er deswegen kein Demokrat? Gibt es dafür Belege?

Oder der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Klaus, der sich als AfD-Fan outete - ist er kein Demokrat? Ich finde die Ansichten beider recht gräßlich - aber gehört dieses Spektrum nicht dazu?


Nachgefragt

Sunday, 24. April 2016

Diese Woche hatte ich zweimal das unverhoffte Glück, mit mir zuvor vollkommen unbekannten Menschen über den Glauben sprechen zu können. Beide schienen überzeugte Christen zu sein, beide waren katholisch, hatten aber ein - in meinen Augen - schwieriges Verhältnis zur von ihnen so genannten “Amtskirche”. Also kurz: Jesus ja, Kirche naja bis nein.

Ich weiß dann nie, wie ich so reagieren soll - einerseits freue ich mich bspw. enorm, im absolut religionsirrelevanten beruflichen Umfeld solche Gespräche führen zu können, andererseits finde ich es traurug, wenn die Kirche so arg entstellt wahrgenommen wird (gut, sie tut auch nicht allzuviel dagegen).

Ich bringe dann ein Schriftzitat - die Hl. Schrift wird ja doch weitgehend akzeptiert - welches die meisten erstaunlicherweise gar nicht kennen, aus Apg 15 vom Apostelkonzil (Beginn Vers 28):

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, […]

Es gibt keinen in weltlichem Sinn “anmaßenderen” Text als dieses kleine Stück. Die Apostel vereinnahmen den Hl. Geist für sich! Das ist in modernen Augen arrogant hoch zehn! Doch ohne die Akzeptanz dieser “Arroganz” gäbe es keine Bibel (wer hätte entscheiden dürfen, was dazu gehört?), keine Überlieferung, kein Christentum.

Diese Einsicht erwarte oder erhoffe ich mir nicht direkt. Ich werfe das bloß ein und sage, was ich glaube. Und vor allem freue ich mich, daß es Menschen gibt, die an Jesus glauben und sich ebenso trauen das zu sagen.


R.I.P.

Friday, 22. April 2016

Einer der genialsten Musiker meiner Generation ist von uns gegangen (okay, er war eine Ecke älter). Kaum jemand hat mich je musikalisch so beeindruckt wie Prince. Musikalisch unverkennbar, begnadet in allem was er anfasste, ein Streiter für die Rechte von Musikern gegen die Industrie - und ein zutiefst religiös Suchender.
Er glaubte die Wahrheit bei den Zeugen Jehovas gefunden zu haben und blieb ihnen treu bis zum Schluss. Aufgewachsen war er als Sieben-Tags-Adventist.

Möge der Allmächtige seiner Seele gnädig sein - und hey, eine Band wird er auch dort zusammentrommeln können. Keep up the Funk!


Universell verbreitet

Wednesday, 20. April 2016

Ich kenne eine Firma, in der sowohl die Personalabteilung als auch der Betriebsrat, also beide Parteien der verschiedenen Interessen, darin übereingekommen sind, die abgeschlossenen Betriebsvereinbarungen (BVen, also nachträglich Vereinbarungen zwischen diesen Parteien, die dadurch Teil des Arbeitsvertrages aller wurden) nicht im firmeneigenen Intranet zu veröffentlichen.

Da ich von anderen Firmen ein offeneres Vorgehen kenne, hatte ich mal den Personalchef gefragt, warum das denn so sei.

Seine Begrüdnung: man möchte nicht, daß bspw. Führungskräfte diese BVen lesen und eigenhändig interpretieren, ohne den Kontext der Entstehung und der Intention in Gänze zu kennen. Es sei Wunsch beider Seiten, daß sie hinzugezogen werden, um bei der konkreten Beachtung einer BV diese notwendige Hilfe zu leisten.

Ich würde mal sagen, jetzt wieder den Bogen zum Bloghauptthema spannend, daß das doch sehr nah am Katholischen ist, auch wenn mittlerweile das Lesen der Hl. Schrift sehr unterstützt wird. :-)


Eindeutig und Minderheit

Saturday, 16. April 2016

Nicht die Gelehrten bestimmen, was an dem Taufglauben wahr ist, sondern der Taufglaube bestimmt, was an den gelehrten Auslegungen gültig ist.

Dies sagte einst Josef Ratzinger als Erzbischof von München, dies glaubte er schon als Theologe und auch später als Papst.

Doch mit dieser vollauf richtigen und katholischen Meinung, die dem Glauben eine Vernunftgemäßheit als Vorschußvertrauen gibt, die eben nicht erarbeitet oder erdacht (und somit vom Individuum nur beschränkt sichtbar), sondern entdeckt werden soll (in all ihrer Weite), eben mit dieser Meinung kann man in deutschen theologischen Zirkeln mehrheitlich keine Begeisterung ernten. Und leider auch bei vielen engagierten theologischen Laien, die sich und ihre Erkenntnisfähigkeit (ebenso) überschätzen.

Aufklärung ist der Beginn des eigenständigen Denkens. Dieses Denken zum Maßstab ewiger Wahrheiten zu machen, ist der Beginn einer neuen Verdunklung.


Wir haben versagt

Monday, 04. April 2016

Mein Erzbischof spricht davon, der Bischof von Passau wird mit einem Interviewbuch dazu befragt, schon früher gab es Publikationen dazu, der Papst attestiert diesem Land eine Erosion des Glaubens etc. pp - es geht zahlenmäßig weiter deutlich bergab und die Augen werden davor nicht verschlossen (immerhin!).

Dabei wird natürlich fleißig analysiert.

Der Religionsunterricht sei keine Katechese mehr (ich wußte aber nach 13 Jahren auch nahe nichts), was er seit 40 Jahren auch nicht mehr sein will.

Die Lehre der Kirche sei nicht modern genug (was angesichts der herben Verluste der Protestanten nicht wirklich überzeugt und ich habe mir die Billionen möglichen Links erspart).

Vieles mehr.

Das alles kritisiert vor allem bei einem: dem anderen!

Eigentlich ist es doch ganz einfach: wir Laien - und zwar vor allem wir - haben auf ganzer Linie versagt! Nicht als erstes die Religionslehrer, nicht als erstes die Bischöfe, nicht als erstes die Priester - der Klerus erreicht vor allem eh nur die, die schon zur Kirche kommen - nein, wir.

Wir Laien haben versagt!

Sie und Du und ich!

Wir wußten es besser als die Kirche, was wahr ist. Dabei half uns das, was wir für modern hielten (aber eigentlich keine Ahnung haben).

Wir wußten besser als die Kirche, was Sünde ist und was nicht. Dabei glaubten wir eher den Ohrschmeichlern als allen anderen, faseln was von Autonomie ohne ansatzweise zu verstehen, was das in letzter Konsequenz bedeutet.

Wir haben uns nicht darum geschert, warum es diese oder jene Glaubenssätze gibt und konnten und können sie mehrheitlich nicht erklären. Wir studieren die Bedienungsanleitung jedes Multimediagerätes und quälen uns durch Bewerbungstrainings, Tarifvertrag, Altersvorsorge, Versicherungen etc. - aber Glaube? Keinen Bock! Kannst Du mir bitte die Schnellversion liefern?

Wir wollen nicht zu viele Fragen stellen, vor allem nicht uns selbst, sonst bricht das Kartenhaus zusammen.

Und dann fragen wir allen Ernstes, warum die Kinder wegbleiben? Unterschätzen wir sie so sehr?
Und dann fragen wir uns allen Ernstes, warum es noch überzeugte Anhänger anderer Religionen gibt? Sollen alle so lau werden wie wir?

Ja, die Bischöfe haben nichts dazu getan, um uns niederschwellig und Pfarrei-nah mit dem Wissen zu versorgen, das wir brauchen, um im echten Leben bestehen zu können. Wer sich nicht für sich müht, hat schon verloren. Auch eine wirkliche Katechese für jeden erreichbar findet nirgendwo kirchlich organisiert statt, nirgendwo.

Es gibt weltweit - man möge mich gerne eines besseren belehren - keine einzige wachsende Ortskirche (und zwar relativ wie absolut!), deren Gläubige mehrheitlich in Opposition zum Lehramt in bedeutenden Fragen stehen.

Nicht daß alle “treuen” Ortskirchen wachsen - aber die Treue zum Lehramt ist eine conditio sine qua non, eine Grundvoraussetzung. Das läßt sich ganz einfach belegen, die Evidenz spricht eine klare Sprache - so bitter das für einzelne sein mag.

Ganz einfach fromm gesprochen: auf der Opposition liegt kein Segen!

Nein, das macht nicht immer Spaß, das ist hartes Brot, der ganz einfache und (aus mir unbekannten Gründen) unbeliebte offizielle Katechismus der Katholischen Kirche neigt nicht zur verschwurbelten Diplomatensprache, sondern schätzt an manchen Stellen das sehr deutliche Wort.

Wenn jemand seine abweichende Meinung in manchem Punkt pflegt, bitte schön. Doch wenn er oder sie die dann als besser, moderner, wahrer verkündet oder verkauft, wenn die offizielle Lehre, also der echte Inhalt der Verpackung, nur noch verschwommen oder verfälscht daherkommt, dann ist das Resultat sicher nicht: große Glaubensfreude, geistiges und/oder zahlenmäßiges Wachstum, intensives Gebetsleben! All das ist es nicht. Und wird es auch nicht.
Die Theorie hat den Realitätscheck eben nicht bestanden - das wird auch nach 50 Jahren nicht mehr besser.

Doch wenn Deutsche eines sind, dann hartnäckig. Überzeugungen werden verfolgt bis zum bitteren Ende, selbst wenn am Schluß außer den Initiatoren keiner mehr da ist, den sie beglücken können (weil alle schon weggelaufen sind).


Anleitung zum Antworten

Friday, 01. April 2016

Wenn sich jemand als Pazifist outet, gibt es ja die üblichen Angriffsstrategien gegen diese Meinung - es werden die bekannten “was würdest Du tun” konstruiert.

Hier hat Joan Baez mal gezeigt, wie man damit umzugehen hat (Quelle):

Was würdest Du tun, wenn …?
“OK. Du bist Pazifist. Was würdest Du tun, wenn jemand, sagen wir mal, Deine Großmutter überfällt?”
“Meine arme alte Oma überfällt?”
“Ja. Du bist mit Deiner Oma in einem Zimmer, und da ist dieser Kerl im Begriff, sie zu überfallen, und Du stehst daneben. Was würdest Du tun?”
“Ich würde laut schreien ›Ein dreifach Hoch für unsere Oma‹ und aus dem Zimmer gehen.”
“Nein im Ernst: Nimm an, er hat ein Gewehr und will sie erschießen. Würdest Du ihn zuerst erschießen?”
“Hab ich ein Gewehr?”
“Ja.”
“Geht nicht. Ich bin Pazifist. Ich hab kein Gewehr.”
Nun, nimm an, Du hast eins.”
“Gut. Kann ich gut schießen?”
“Ja.”
“Dann würde ich ihm das Gewehr aus der Hand schießen.”
“Nein. Dann bist Du eben kein guter Schütze.”
“Ich hätte Angst zu schießen. Oma könnte daran sterben.”
“Also paß auf - wir nehmen ein anderes Beispiel. Nimm an, Du bist LKW-Fahrer. Du fährst auf einer engen Straße mit einer steilen Felswand auf Deiner Seite. Ein kleines Mädchen steht mitten auf der Straße. Du fährst zu schnell, um rechtzeitig bremsen zu können. Was würdest Du tun?”
“Weiß ich nicht. Was würdest Du tun?”
“Ich frage Dich. Du bist der Pazifist.”
“Ja, weiß ich ja. Also gut: hab ich den LKW unter Kontrolle?”
“Ja.”
“Wie wärs, wenn ich einfach hupe, damit die Kleine aus dem Weg geht?”
“Sie ist zu jung zum Laufen. Und die Hupe funktioniert nicht.”
“Ich reiße das Steuer rum und fahre links an dem Mädchen vorbei, denn es rührt sich ja nicht vom Fleck.”
“Nein, da hat es grad einen Erdrutsch gegeben.”
“Oh, na dann … dann würde ich versuchen, den Wagen über den Steilhang zu fahren, um so das Mädchen zu retten.”
Schweigen
“Nun, nehmen wir an, es ist jemand mit Dir im Wagen. Was dann?”
“Was hat meine Entscheidung damit zu tun, daß ich Kriegsdienstverweigerer bin?”
“Ihr seid zwei Leute im Auto, aber da ist nur ein kleines Mädchen.”
“Jemand hat mal gesagt: ›Wenn Du zu wählen hast zwischen einem wirklichen Übel und einem hypothetischen Übel, dann wähle immer das hypothetische.‹”
“Häh?”
“Ich frag mich, warum Du so darauf erpicht bist, alle Pazifisten in die Pfanne zu hauen.”
“Bin ich ja gar nicht. Ich will nur wissen, was Du tun würdest, wenn …”
“… wenn ich mit einem Freund in einem LKW sitze, mit hohem Tempo auf einer einspurigen Straße fahre und mich einer gefährlichen Stelle nähere, wo ein 10 Monate altes Mädchen mitten auf der Straße sitzt - links von ihr ein Erdrutsch, rechts von ihr ein Steilhang.”
“Richtig”
“Ich würde wahrscheinlich voll in die Bremsen steigen, dadurch meinen Freund durch die Windschutzscheibe jagen, in den Erdrutsch reinschlittern, das kleine Mädchen überfahren, den Abhang hinuntersegeln und in den Tod stürzen. Ohne Zweifel würde am Fuße des Hanges das Haus von meiner Oma stehen, der LKW durch das Dach stürzen und in ihrem Wohnzimmer explodieren, wo sie schließlich zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben überfallen würde.”
“Du hast meine Frage nicht beantwortet. Du versucht nur auszuweichen.”
“Ich versuche nur eine Reihe von Dingen zu sagen. Das erste ist, daß niemand weiß, was er in einer kritischen Situation tun wird. Und daß man hypothetische Fragen hypothetisch beantworten muß. Ich will außerdem andeuten, daß Du es mir unmöglich gemacht hast, aus der Situation herauszukommen, ohne eine oder mehrere Personen dabei umzubringen. Du kannst dann auf jeden Fall sagen: ›Kriegsdienstverweigerung ist ne gute Idee, aber sie funktioniert nicht.‹”


Erklärung nötig

Friday, 01. April 2016

Ich verstehe es nicht - vor weniger als einer Woche hat die westliche Christenheit in ihren Hl. Messen und Gottesdiensten feierlich besungen, daß der Tod besiegt ist, daß wir ein Leben von Gott geschenkt bekommen haben, das kein Tod uns je mehr entreißen kann, daß der irdische Tod nur eine Passage hin zu Gott darstellt - und sofort wird Frau Käßmann medial fertig gemacht, weil sie das im Umgang mit Feinden konsequent durchdenkt und Pazifismus fordert. Wird da mit gespaltener Zunge gesungen oder traut sich von den Christen kaum jemand, sich zu Wort zu melden?

(Nachdem alles andere über Jahrhunderte insbesondere in dieser Weltregion nicht funktioniert hat, wäre Gewaltlosigkeit, die keine Passivität bedeutet, ja mal eine Alternative)


Arbeitsmoral auf katholisch

Wednesday, 30. March 2016

;-)

Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral, Heinrich Böll

In einem Hafen an der westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch einmal: klick, und da aller guten Dinge drei sind, ein drittes Mal: klick. Das spröde, fast feindselige Geräusch weckt den dösenden Fischer, der sich schläfrig aufrichtet, schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel angelt, aber bevor er das Gesuchte gefunden, hat ihm der eifrige Tourist schon eine Schachtel vor die Nase gehalten, ihm die Zigarette nicht gerade in den Mund gesteckt, aber in die Hand gelegt, und ein viertes Klick, das des Feuerzeuges, schließt die eilfertige Höflichkeit ab. Durch jenes kaum messbare, nie nachweisbare Zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Tourist - der Landessprache mächtig - durch ein Gespräch zu überbrücken versucht.
“Sie werden heute einen guten Fang machen.” Kopfschütteln des Fischers.
“Aber man hat mir gesagt, dass das Wetter günstig ist.” Kopfnicken des Fischers.
“Sie werden also nicht ausfahren?” Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität des Touristen. Gewiss liegt ihm das Wohl des ärmlich gekleideten Menschen am Herzen, nagt an ihm die Trauer über die verpasste Gelegenheit.
“Oh, Sie fühlen sich nicht wohl?” Endlich geht der Fischer von der Zeichensprache zum wahrhaft gesprochenen Wort über.
“Ich fühle mich großartig”, sagt er. “Ich habe mich nie besser gefühlt.” Er steht auf, reckt sich, als wollte er demonstrieren, wie athletisch er gebaut ist.
“Ich fühle mich phantastisch.” Der Gesichtsausdruck des Touristen wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht:
“Aber warum fahren Sie dann nicht aus?” Die Antwort kommt prompt und knapp. “Weil ich heute morgen schon ausgefahren bin.”
“War der Fang gut?” “Er war so gut, dass ich nicht noch einmal auszufahren brauche, ich habe vier Hummer in meinen Körben gehabt, fast zwei Dutzend Makrelen gefangen …”
Der Fischer, endlich erwacht, taut jetzt auf und klopft dem Touristen beruhigend auf die Schultern. Dessen besorgter Gesichtsausdruck erscheint ihm als ein Ausdruck zwar unangebrachter, doch rührender Kümmernis.
“Ich habe sogar für morgen und übermorgen genug”, sagt er, um des Fremden Seele zu erleichtern.
“Rauchen Sie eine von meinen?” “Ja, danke.” Zigaretten werden in Münder gesteckt, ein fünftes Klick, der Fremde setzt sich kopfschüttelnd auf den Bootsrand, legt die Kamera aus der Hand, denn er braucht jetzt beide Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen.
“Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten mischen”, sagt er, “aber stellen Sie sich mal vor, sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal aus und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen… stellen Sie sich das mal vor.” Der Fischer nickt.
“Sie würden”, fährt der Tourist fort, “nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja, an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren - wissen Sie, was geschehen würde?” Der Fischer schüttelt den Kopf.
“Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangen - eines Tages würden Sie zwei Kutter haben, Sie würden …”, die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, “Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funk Anweisung geben. Sie könnten die Lachsrechte erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren - und dann …”, wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache.
Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreude schon fast verlustig, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen.
“Und dann”, sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache. Der Fischer klopft ihm auf den Rücken, wie einem Kind, das sich verschluckt hat. “Was dann?” fragt der Fischer leise.
“Dann”, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, “dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen - und auf das herrliche Meer blicken.”
“Aber das tue ich ja schon jetzt”, sagt der Fischer, “ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört.”
Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.


Händeschütteln

Monday, 28. March 2016

über doch einen großen theologischen Abgrund an sonstigen Differenzen - aber was Frau Kässmann gesagt hat, wie sich Christen gegenüber Terroristen zu positionieren hätten, stimmt vollkommen. Zumindest denn, wenn man Jesus glaubt und an Ihn glaubt als Herr und Gott.

Natürlich gewinnt man damit in Meinungsumfragen keinen Blumentopf und es ist ein Garantieschein für mehrere virtuelle Hasstiraden.

Ich habe schon häufiger darauf verwiesen, daß unser Herr und Gott nach irdischen Maßstäben auf ganzer Länge gescheitert ist - und dennoch natürlich unser anbetungswürdiges Vorbild ist und bleibt.

Es geht nicht um Erfolg, es geht um Nachfolge.

Traurig wird es dann, wenn selbst Christen das nicht verstehen.

Nachtrag: ich weiß nicht, ob Alexander Kissler an die Gottheit Jesu glaubt, aber er hat ’s schon einmal nicht verstanden.


Was gesagt werden muß

Wednesday, 16. March 2016

(Quelle)


Wichtige Stellungnahme

Wednesday, 16. March 2016

Auch der OFS Deutschland positioniert sich zur sogenannten Flüchtlingsproblematik.


Neue Seite

Wednesday, 09. March 2016

Die Franziskaner haben unter franziskaner.net eine neue Webseite geschaltet, die die alten Inhalte der franziskaner.de-Seite bald komplett ersetzen soll.

Die neue Seite ist sehr gut gestaltet und auch inhaltlich reich ausgestattet - alles in allem sehr lesenswert! Glückwunsch dazu an die Brüder!


Aus aktuellem Anlaß

Tuesday, 08. March 2016

Dieser Blog ist ja schon uralt und ich habe 2004 diesen Text schon einmal gebracht. Er erscheint heute, gerade hierzulande, in neuem, intensiverem und kostbarerem Licht. Geschrieben von einem, der sein Leben ließ, hingegeben für ein Volk muslimischer Mehrheit, das er zu lieben gelernt hat. Dabei durch und durch katholischer Christ und gerade deswegen voller Liebe.
Es sind Worte der Weisheit - und sie werden nicht allen gefallen.

Das Testament des 1996 ermordeten Trappisten Pater Christian de Chergé.

Wenn es mir eines Tages passieren sollte - und es könnte heute sein - Opfer des Terrorismus zu werden, der wie es scheint jetzt alle Ausländer, die in Algerien leben, einengen will, möchte ich, dass sich meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie daran erinnert, dass mein Leben an Gott und an dieses Land GEGEBEN ist. Mögen sie akzeptieren, dass der einzigartige Meister allen Lebens bei diesem brutalen Abschied nicht fremd sein wird. Sie mögen fuer mich beten: Wie könnte ich eines solchen Opfers würdig sein?

Mögen sie diesen Tod vereinigen mit all den anderen ebenso gewalttätigen, die in der Gleichgültigkeit und Anonymität gelassen werden. Mein Leben ist nicht höher im Wert als ein anderes, es hat auch nicht weniger Wert. Jedenfalls hat es nicht die Unschuld der Kindheit. Ich habe lange genug gelebt, um mich als Komplize des Bösen zu wissen, das sich leider in der Welt durchsetzt und das mich selbst in Blindheit schlagen kann. Ich wünsche, wenn der Moment gekommen ist, den Zeitraum zu haben um die Verzeihung von Gott und die meiner Brüder in der Menschheit zu erbitten und gleichzeitig dem zu verzeihen, der mich angreifen wird. Ich möchte einen solchen Tod nicht wünschen. Es scheint mir wichtig, das zu bekennen. Ich sehe wirklich nicht, wie ich mich darüber freuen könnte, wenn dieses Volk, das ich liebe, unterschiedslos meiner Ermordung angeklagt wuerde. Das, was man vielleicht die “Gnade des Martyriums” nennen wird, ist zu teuer zu bezahlen, als dass man es einem Algerier anlastet, welchem auch immer; vor allem, wenn er sagt, in der Treue dessen, was er glaubt der Islam zu sein, zu handeln.

Ich weiss um die Verachtung, mit der man im allgemeinen die Algerier behandelt. Ich weiss auch um die Karikaturen des Islam, welche einen gewissen Islamismus ermutigen. Es ist zu
leicht, sich ein gutes Gewissen zu geben, indem man diesen religiösen Weg mit dem Fundamentalismus seiner Extremisten identifiziert. Algerien und der Islam sind für mich etwas anderes: Sie sind Koerper und Seele. Ich habe es oft genug verkündet, glaube ich, was ich durch Sehen und Wissen empfangen habe: wie oft ich den geraden Leitfaden des Evangeliums gefunden habe, den ich auf den Knien meiner Mutter gelernt hatte, meiner ersten Kirche, genau gesagt in Algerien, und schon im Respekt der muslimischen Gläubigen. Mein Tod wird sicher denen scheinbar Recht geben wollen, die mich als naiv oder Idealist behandelt haben: “Sie mögen jetzt sagen, was sie davon denken!”

Aber sie sollen wissen, dass endlich meine quälende Neugier befreit ist. Dann werde ich, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den des Vaters versenken, mit Ihm seine Kinder im Islam betrachten, so wie Er sie sieht, ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Frucht Seiner Passion, ausgezeichnet durch die Gabe des Heiligen Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, die Gemeinschaft aufzubauen und mit den Differenzen spielend, die Ähnlichkeit wiederherzustellen.

Dieses verlorene Leben ist ganz das meine und ganz das ihre. Ich danke Gott, der dieses Leben ganz und gar für diese FREUDE gewollt zu haben scheint, trotz und gegen alles. In diesem DANK ist alles über mein Leben von jetzt an gesagt.

Ich schliesse Euch natürlich ein, Freunde von gestern und von heute und euch Freunde von hier, an den Seiten meiner Mutter und meines Vaters, meiner Schwestern und meiner Brüder und der ihren. Das Hundertfache (sei euch) gewährt, wie es versprochen ward! Und auch dich, Freund des letzten Augenblicks, der du nicht wissen wirst, was du tust. Ja, auch für dich will ich dieses DANKE und dieses A-DIEU, vorgesehen von Dir. Wenn es uns gegeben sein soll, werden wir uns als glückliche Schächer im Paradies wiederfinden, wenn es Gott gefällt, unser beider Vater. Amen, Insch’Allah!

Algier, 01. Dezember 1993 Tibhirine, 01. Januar 1994

Christian


Der eine vorgestern

Monday, 07. March 2016

der andere schon Ende Feburar.

Beide gestorben, beide sehr unbekannt - und sind doch auf je unterschiedliche Art und Weise extrem einflußreich gewesen.

Ray Tomlinson und Gillis Lundgren.

Sagt Ihnen nichts?

Sie stehen für: @ und Regale.

Ray Tomlinson war der Erfinder der E-Mail (und machte das @-Zeichen sinnvoll einsetzbar), Gillis Lundgren entwarf das bekannte Billy-Regal eines schwedischen Möbelhandels. Kaum jemand in der westlichen Welt blieb von beiden unberührt.

R.I.P.


Wachstum

Friday, 04. March 2016

Gestern sprach ich mit Geschwistern des Düsseldorfer OFS über die katastrophale Medienarbeit der Kirche hierzulande - mittlerweile glaube ich ja, die Bischöfe wollen es nicht besser machen. Sie haben dazu offensichtlich mehrheitlich nicht verstanden, daß der Glaube über die nächsten Jahre fast komplett ausdünstet und die Austritte bloß zeitlich etwas hinterherhinken, bis zu einer Generation.

Dann fand ich gerade bei Youtube auf einem Video die passenden Kernwörter, die meines Erachtens nach Grundvoraussetzung für Wachstum sind (im englischen Original):

Conversion, Communion, Orthodoxy, Mission

Der dritte Punkt, Rechtgläubigkeit (bzw. die rechte Art des Lobpreises, was es genau heißt, schließt aber das erste ein), findet hierzulande nicht statt.

Eine Ortskirche ohne Treue zum Glauben der Kirche, wie er bspw. im Katechismus der Katholischen Kirche zugrunde gelegt ist, ist zum Aussterben oder Verlust der katholischen Identität verurteilt.

Davon bin ich zutiefst überzeugt. Solange sich das nicht ändert - und eine Änderung sehe ich nicht - wird der Trend weiter bergab gehen.


Tagespolitik

Monday, 29. February 2016

Normalerweise findet sich hier nichts zu tagespolitischen Themen, das können andere besser.

Doch ich möchte einen Beitrag hervorheben, der meines Erachtens nach sehr viel Beachtung verdient: die Dresdner Rede des ZEIT-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo. Bitte nicht beurteilen, bevor man sie nicht ganz gehört oder ganz gelesen hat.

Groß!


Exerzitien online

Monday, 22. February 2016

Vielleicht kennt der eine oder die andere das: man macht den Fernseher an (was bei mir höchst selten passiert) oder schaltet das Radio ein (das dagegen sehr oft) und es erklingt eine bedeutungsschwere Stimme mit einem typischen Einschlag zwischen bedenkentragend und gewollt tiefgründig. Egal von welcher christlicher Gemeinschaft, ob katholisch oder jemand anders, fast immer gleich (vielleicht ist das “Einstellungskriterium”). Anti-Werbung par excellence.

Fast immer schalte ich ab. Und leider findet man dies auch in katholischen Fernsehsendern, zumindest deutschsprachigen, zuhauf.

Ganz anders dieser Mann, der nicht nur ganz normal spricht, sondern dabei auch noch tiefste geistliche Erkenntnis vermittelt. Ich habe noch nicht alle acht Teile gesehen, doch das, was ich gesehen habe, läßt mich zum “Fan” dieses jungen Ordenspriesters werden. Er beweist eine unglaubliche Vertrautheit mit Gott, seiner großen Liebe. Einfach nur sehr gut. Voller Weisheit. Anschauen.

P. Luc Emmerich


Von ein bißchen außerhalb betrachtet

Thursday, 18. February 2016

Die Professoren Schockenhoff (den ich als Moraltheologen sehr schätze) und Striet (von dem ich ehrlicherweise noch nichts gelesen habe), werden diesen unbedeutenden Blog kaum lesen. Aber dennoch möchte ich etwas zu ihrer Replik auf die Kritik von Bischof Rudolf Vorderholzer aus Regensburg sagen.

Dabei sehe ich das aus der Brille desjenigen, der sich nicht selten (allein schon aus Gründen der Fortbildung) mit der medizinsichen Wissenschaft und ihrem Betrieb beschäftigt. Auch wenn es sich da um eine naturwissenschaftliche Richtung handelt, vermute ich mal, sind die “gruppendynamischen” Prozesse vergleichbar.

Zuerst zu der Stellungnahme von Prof. Schockenhoff. Einige wichtige Aussagen fielen mir gleich ins Auge:

Ebenso wie in anderen Disziplinen wird auch in der Theologie manches Schrille, Wichtigtuerische und Unsinnige geäußert, das niemand vermisst hätte, wenn es ungesagt geblieben wäre. Doch bedürfen derartige unüberlegte Wortmeldungen keiner Intervention des Magisteriums in den Prozess der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, da sie durch diese selbst korrigiert werden.

Diese Aussage erinnert mich an das Mantra der Marktradikalen - misch Dich nicht ein, der Markt (hier = “die wissenschaftliche Auseinandersetzung”) regelt das von allein - so als gäbe es dort ein Naturgesetz, daß sich die Wahrheit quasi rausmendelt (der Herr Mendel dürfte biologisch Interessierten noch aus der Schulzeit vertraut sein). Das ist natürlich Unsinn. Ebensowenig wie es den von Habermas ja so oft gewünschten und dennoch unerreichten herrschaftsfreien Diskurs gibt - auch und gerade nicht in der Wissenschaft jeglichen Faches - gibt es auch keine von Beweggründen wie Eitelkeit, Anpassung, Angst, Streben nach Anerkennung, Besitzstandswahrung etc. komplett freie Wissenschaftsgruppen. In der Medizin fallen mir gleich einige Beispiele ein, wie schwer es Außenseiter trotz aller Daten hatten. Und in der Geisteswissenschaft gibt es manchmal keine sicheren “Daten”, sondern mehr oder weniger überzeugende Argumentationen.

Es ist ein Erfordernis intellektueller Redlichkeit, dem jeder in der Kirche verpflichtet ist, sich mit unzureichenden Antworten nicht zufriedenzugeben und ungelöste Probleme nicht zu verdrängen. Daher kann es zum Dienst der Theologie an der Glaubensgemeinschaft der Kirche gehören, dass sie sich dem Totschweigen ungelöster Probleme entgegenstellt.

Wer definiert das Problem als solches? Ist etwa die Unmöglichkeit der Frauenordination ein theologiewissenschaftliches Problem oder nicht vielmehr ein sozio-psychologisches? Wäre es nicht die Aufgabe der Theologie, bspw. diese Unmöglichkeit theologisch redlich und verständlich zu erklären - was ja auch manche Theologen tun, die aber natürlich nicht zur Gruppe von Schockenhoff/Striet gehören? Oder ist es nicht Aufgabe der Wissenschaft zu erklären?

Es widerspricht keineswegs der geforderten Loyalität gegenüber dem kirchlichen Lehramt, nach den Gründen zu fragen, warum einzelne die Lebensführung der Gläubigen betreffende Lehrmeinungen (etwa bezüglich der künstlichen Empfängnisregelung, der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften oder der Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten) in breiten Kreisen des Volkes Gottes nicht rezipiert werden.

Wie wäre es, wenn man in der Klammer auch die gelebte Nächstenliebe, Verleugnung des Selbst, Ablehnen des Gottes Geld etc. aufführen würde? Auch hier gibt es eine deutlich gelebte Diskrepanz zwischen Lehramt und Gottesvolk. Was heißt das? Soll die Kirche das jetzt gutheißen?

Nun zu Professor Striet:

Wer sich in seinem religiösen Selbsterleben noch nicht darauf beschränkt, einer narzisstischen Wellness-Spiritualität alltägliche Opfer zu bringen, verbindet sein Katholischsein mit sozialem oder auch politischem Engagement und beruft sich auf das Zweite Vatikanische Konzil.

Gerade ist ja auch das Jahr des geweihten Lebens zu Ende gegangen. Ich frage mich, wie Prof. Striet deren Existenzberechtigung, insbesondere der strikt kontemplativen Orden, mit diesem Satz im Hinterkopf so zu beschreiben vermag…

Als Musterbeispiele einer solchen Theologenexistenz werden dann die ehemaligen Theologieprofessoren Joseph Ratzinger und Gottlieb Söhngen, der theologische Ziehvater Ratzingers, genannt. Von Letzterem werde sogar berichtet, er sei zwar aus traditionshistorischen Gründen gegen die Dogmatisierung der Leiblichen Auferstehung Mariens in den Himmel gewesen, habe aber bereits in deren Vorfeld erklärt, er werde sich, falls es dazu komme, der »Weisheit der Kirche« und deren »Glauben« beugen. Denn was sei dagegen die »Weisheit eines kleinen Professors«.
Moralisieren sollte man nicht vorschnell, jede und jeder ist Kind seiner Zeit. Aber Bischof Voderholzer sollte wissen, dass eine solche Gehorsamshaltung dem Zeitgeist der damaligen Zeit völlig entsprach und nichts Besonderes war.

Und diese Haltung sollte bis heute nichts Besonderes unter Katholiken sein. Es mag hierzulande nahezu 80 Mio. Fußballbundestrainer geben (nicht alle interessieren sich ja für Fußball), aber unter den fast 27 Mio. Katholiken hoffentlich nicht fast 27 Mio. Päpste, die über ihr eigenes Wahrheitsgerüst für sich abstimmen. Der Unterschied zwischen, wie es Professor Striet nennt, “Glaubensfreiheit” und Glaubenswillkür ist alles andere als klar in seiner Stellungnahme.

Und nicht zuletzt das folgende Zitat, das auch den gegenüber Prof. Schockenhoff in meine Augen deutlich überheblicheren Ton noch einmal darlegt:

Aber wenn Bischof Voderholzer unmittelbar nachdem er auf die brutale, menschenverachtende Unterdrückung der Religionsfreiheit und anderer in Nordkorea zu sprechen kommt, fragt, warum man sich nicht hierzu geäußert habe, und dann mutmaßt, das Thema Glaubensfreiheit sei wohl auf Fragen wie die der Ehelehre gemünzt, er bezogen auf diese die Forderung »Liberalisierung« wittert und eine solche Liberalisierung als Verhöhnung aller begreift, die wie der heilige Johannes der Täufer und der heilige Thomas Morus »gerade auch für das christliche Ehe-ideal den Märtyrertod auf sich genommen« hätten, dann wünschte ich mir doch eine ruhigere, akademisch gesättigte Unterscheidungsfähigkeit. In der »Tagespost« mögen solche Bezüge überzeugen. In einer Wissensgesellschaft lösen sie Kopfschütteln aus. Agierte die Theologie an Fakultäten im staatlichen Wissenschaftssystem so, würde dies ihr Aus bedeuten.

Es stimmt, Martyrium bis in den Tod und “ruhige akademisch gesättigte [sic!] Unterscheidungsfähigkeit” vertragen sich nicht so gut. Nun ist ja bekanntlich nicht das Blut der akademisch gesättigten Professoren , sondern das der Märtyrer der Samen der Kirche (Tertullian im 2. Jahrhundert). Daher ist das Kopfschütteln durchaus als Kompliment zu werten. Und das Entscheidende für die Bedeutung der Katholischen Theologie ist auch nicht ihre Tätigkeit im “staatlichen Wissenschaftssystem” oder ihr Ansehen darin, denn das ist nichts anderes als Eitelkeit, sondern der Dienst an der Einen Wahrheit, die Person ist.

Peter Winnemöller fragt und schreibt dazu:

Allein die Vorstellung, Wissenschaft könne ein Lehramt ausbilden, muß jedem Wissenschaftstheoretiker einen Schauder des Grusels über die Rücken jagen. Könnte es eine orthodoxe Physik geben? Könnte es ein Lehramt der Wirtschaftswissenschaften geben? Es erscheint unerklärlich, wie ausgerechnet Theologen auf eine solche Idee kommen können. Es zeichnet ein geradezu jämmerliches Bild von Wissenschaftlern, sich nur noch im eigenen Elfenbeinturm hinterfragen lassen zu wollen.

Und genau hier muß ich ihm widersprechen. Es ist sehr gut erklärlich. Genauso erlebe ich wissenschaftliches Leben. Natürlich gibt es eine orthodoxe Physik, wie auch eine orthodoxe Medizin. Die Peer Reviews der bedeutenden Journals entscheiden, was als veröffentlichungswürdig und damit als “neue Erkenntnis” publiziert werden darf und was nicht. Dabei gibt es sehr strenge Reglementarien und auch unausgesprochene Axiome. Als bspw. Stanley Prusiner die Prionen entdeckte, verstieß er gegen das Axiom, daß Strukturinformationen eines biologischen Körpers auch ohne RNA oder DNA übermittelt werden kann - jahrelang war er nicht anerkannter Außenseiter seiner Zunft. Ich habe persönlich Professoren kennengelernt, die selbst nach seinem Nobelpreis der These noch nicht trauten.
Und ich habe in der Medizin auch hervorragende Ärzte kennengelernt, die ihre Behandlungserfolge, die auf unorthodoxen(!) Vorgehensweisen beruhten (auch wenn sie gut zu erklären waren) nicht anständig publizieren konnten, sie wurden ständig abgelehnt.

Doch selbst das ist noch nicht einmal das Hauptproblem. Ich kenne die wichtigsten katholischen theologischen Journals nicht und weiß daher auch nicht, ob überhaupt die dt. Stimme da eine Rolle spielt (natürlich in der Wissenschaftssprache Englisch publiziert). Das Hauptproblem sind nicht die publizierten Arbeiten, sondern der Umstand, daß die Professoren ihre Erkenntnis für “die” Erkenntnis halten - das Problem ist die Lehre! Sie lehren nicht beides gleichwertig und gleichberechtigt und unvoreingenommen: ihre Meinung und die der Kirche, wenn sie davon abweichen. Die Kirche wird als Stimme im dtsprachigen Raum (das ist anderswo ganz anders!) gar nicht mehr als wissenschaftlich relevant wahrgenommen! Es stellt sich hier schon die Frage, inwiefern das System der staatl. katholischen Fakultäten da der Kirche noch einen Dienst tut (denn das sollen sie!). Soweit ich weiß, hat der verstorbene Pariser Erzbischof und Kardinal Lustiger ja genau aufgrund dieser Frage das Theologiestudium für Priesteramtsanwärter auch komplett ans Priesterseminar verfrachtet. Übrigens erntet das Erzbistum Paris jetzt auch Früchte (vielleicht auch deswegen) - auch wenn es dt. Professoren nicht gefallen mag.