Schweigen

Friday, 10. November 2017

Prof. emeritus Dr. Dr. Zulehner aus Wien hat eine online-Initiative zur Unterstützung des Papstes gestartet: Pro Pope Francis.

Bekanntermaßen hat schon sehr früh in seinem Pontifikat Papst Franziskus mit dem Wunsch für Aufsehen gesorgt, daß doch die Kirche eine arme Kirche für arme Menschen sein möge.

Angesichts des materiellen Reichtums in den Ländern deutscher Sprache (inbesondere durch das Steuer- und Abgabesystem in Deutschland und Österreich) wäre es natürlich selbstverständlich, daß sich die Initiative zu diesem Wunsch positiv positioniert, ihn also lautstark unterstützt, denn schließlich unterstützt sie ja den Papst.

Ihre diesbezüglichen Forderungen sind:

null.

Es gibt keine.

Das Thema wird nicht erwähnt.

Wie jetzt - ich? Aber ich bin doch, ich habe doch ein Recht auf, ich kann doch nicht wie die anderen ….

(Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …)

Nachtrag: auf Rückfrage schrieb mir DDr. Zulehner, man konzentriere sich auf Papst Franziskus und nicht auf alle wichtigen Anliegen.

(Bei der Antwort muß ich mich intellektuell ausklinken, tut mir Leid …)


Mit Kummer

Friday, 10. November 2017

“Mit einem gewissen Kummer” hat Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien und damaliger Weihbischof, in dem sehr lesenswerten Interview zum Jubiläum des Erscheinens des “Weltkatechismus” vor 25 Jahren feststellen müssen, daß genau dieses - nicht nur in meinen Augen - Meisterwerk der Kirche gerade im deutschsprachigen Raum eher mitleidig betrachtet denn mit Freude angenommen wurde und wird, gerade auch in Theologenkreisen.

Für ihn, so sagt er, sei das ein Mysterium. Ich halte ihm diese Diplomatie zu - und bin überzeugt daß er ziemlich genau weiß, warum es in den Ländern deutscher Zunge so ist.

Genau das, was er zu Beginn des Interviews festhält, daß es um die Lehre der Kirche gehe und nicht um die Meinungen von Theologen (was diese schon seit längerem zum Teil enorm fuchst), ist der entscheidende Punkt für die Ablehnung unter vielen dt. Theologen und ihren Schülern. Es kann einfach nicht sein, daß die Meinung des indischen Bischofs, ansonsten nur bittstellender Empfänger dt. Almosen, auf einmal wichtiger ist als die eines wohlsituierten verbeamteten C4-Professors! “Wo ist Rahner im Katechismus?” ruft der empörte Schultheologe deutscher Provenienz! Eben da, wo er hinghört, zusammen mit Ratzinger, von Balthasar, Boff, Sobrino, Häring etc. und egal aus welchem “Lager”: draußen, denn es geht nicht um Meinungen!

Den Katechismus der Katholischen Kirche gibt es online, als dickes oder Taschenbuch - er ist immer lesenswert und liefert das, was Kardinal Schönborn sagt: mit Sicherheit nur das, was die Kirche lehrt.


Nachahmung empfohlen

Thursday, 09. November 2017

Ich trage so einen (ähnlichen) immer bei mir. Zwar nicht selbst gemacht, aber wenn der mal auseinander fällt, wird der nächste es sein.


Kurzform

Tuesday, 17. October 2017

Das Problem der Kirche in Deutschland ist kurzgefaßt das, was ich neulich las und was auf viele Ortskirchen zutrifft (ich paraphrasierel):

Well sacramentalized, poorly catechized and never evangelized.

Also: der Fokus lag auf der Versorgung mit Sakramenten, die Lehre der Kirche wurde nie richtig thematisiert und die persönliche Beziehung zu Jesus kam nie vor.

Habe nur ich das Gefühl, daß das zu 100% zutrifft?


Legalisten?

Monday, 09. October 2017

Aus biographischen Gründen bin ich mit Spanien eng verbunden und mag Land und Leute sehr.

Derzeit gibt es ja gerade den Konflikt um die separatistischen Bemühungen der katalanischen Regionalregierung.

Meine Meinung dazu ist eindeutig: es gilt die spanische Verfassung. Denn nur so kann ein Rechtsstaat funktionieren.

Dabei bin ich sehr überrascht, wie auch wirkliche Kenner der Situation den vertretern dieser Meinung (also auch mir) vorwerfen, daß es bloß darum ginge Recht zu haben, daß das “legalistisch” sei. Das erste ist Blödsinn, das zweite geradezu sprachlosmachend gefährlich!

Seit wann ist es verwerflich, eine demokratisch per Volksentscheid(!) verabschiedete Verfassung zu verteidigen? Ist man in der Rechtfertigungspflicht, wenn man das als extrem hohes Gut ansieht?

Ich beginne mich sehr sorgenvoll zu wundern … offensichtlich wird die Verfassungstreue auch hierzulande manchmal nur opportunistisch gelebt …


Geschwister

Wednesday, 04. October 2017

Heute feiern alle, die ihn lieben und verehren, seinen Tag. Den Todestag des Hl. Franziskus von Assisi.

Wie sähe die Welt aus, wenn er heute am Leben wäre (natürlich lebt er bei Gott, aber ich meine das irdische Leben)?

Wahrscheinlich würde er vor allem eines machen, wie schon damals: kein Aufheben um sich selbst. Eben der Mindere Bruder in Reinform. Und genau deswegen kennen wir die vielen Franziskusse nicht, die vielleicht auch heutzutage leben und ihn sich zum Vorbild nehmen - sie halten sich nicht für was besseres oder ihre Einsicht für vorbildmäßig.

Was Du vor Gott bist, das bist Du, und sonst nichts - so soll Franziskus sinngemäß gesagt haben.

Ich glaube die Welt wär nicht grundlegend anders, wenn Franziskus heute leben würde. Er würde wie damals seiner Berufung folgen, der Herr würde ihm wie damals Brüder geben. Zum Papst vorzudringen wäre allerdings sicher nicht so einfach wie damals …

Lenin soll auf dem Todesbett gesagt haben, mit zehn Leuten wie Franziskus hätte er Rußland retten können. Nein, auch das wäre nicht gelungen. Denn ein von Franziskus Begeisteter ist eben der, der sich hinten anstellt. Keiner, der vorne weg trompetet. Seiner Berufung treu folgen, dabei alle Geschöpfe Gottes als Geschwister annehmen, alles aus und in Gnade annehmen, alles lieben - mehr ist es nicht. Und doch so anspruchsvoll.
Der Moment der ersten Liebe darf eben nicht vertrocknen. Die persönliche Begegnung mit IHM, der Franziskus wie jeden anderen auch ganz eigen berufen hat.


Sprachfähigkeit

Thursday, 28. September 2017

Es wird ja viel diskutiert und nachgedacht, wie Christen in der Öffentlichkeit - seien sie kirchlich unterstützt oder nicht - die Schönheit ihres Glaubens besser deutlich machen können.

Dabei fiel mir neulich auf, daß schon der gewählte Ansatz oftmals komplett falsch ist - und daß auch ich lange diesem Trugschluß unterlag und mittlerweile deswegen die relevante Diskursfähigkeit des Christentums nicht mehr so hoch einschätze.

Es ist Allgemeingut, daß das Entscheidende für das Christsein ist, eine Beziehung zu Jesus Christus zu haben, eine Beziehung zu einer realen lebenden Person. Alle Bekehrungserfahrungen, die oftmals die Grundlage eines engagierten Christentums sind, sind Beziehungserfahrungen. Und viele berichten von Bekehrungserlebnissen. Und was machen sie dann, was habe ich lange gemacht? Es wird rational argumentiert, warum diese oder jene Aussage des Glaubens, besonders moralischer Art, wichtig sei!! Das ist doch voll daneben!

Diese höchst persönlichen Bekehrungserlebnisse gehören nur dem, der sie gemacht hat, darum geht es nicht. Es geht nicht darum, damit hausieren zu gehen.

Aber anstelle der Kirche oder dem Christentum argumentativ unter die Arme zu greifen - sollte es nicht die Aufgabe sein, Räume zu schaffen, damit die Menschen Jesus wieder (oder erstmals!) erleben können? ich kenne einen Priester in Spanien, der mal berichtete, erst nach seiner Weihe dieses Erlebnis gehabt zu haben! So etwas ändert alles!

Hat die Kirche diese Räume der Beziehungserfahrung? Hat sie die Räume, damit jeder und jede einzelne auf ganz persönliche Art und Weise Christus erfahren kann? Und wenn nein - wie könnten diese aussehen und was hält uns davon ab? Dreidimensionale Räume müssen es nicht sein …


Vorbild

Wednesday, 06. September 2017

Vielleicht haben es nicht alle mitbekommen: im Februar dieses Jahres haben die höchsten Vertreter des Judentums außerhalb Israels (konkret: Amerika und Europa) einen Meilenstein veröffentlicht, eine bedeutende Erklärung zu den jüdisch-christlichen Beziehungen.

Das ganze Dokument lohnt die Lektüre. Was mir besonders gefällt - das wird Kenner nicht überraschen - ist der Umstand, daß viele Male auf die fundamentalen theologischen Unterschiede hingewiesen wird, die unüberbrückbar sind, wenn jeder in seinem Glauben verbleibt.

Genauso ist es. Es wird nichts zugedeckt, keine Harmonisesuppe ausgeschüttet.

Und dennoch, oder im besten Fall genau deswegen, ist ein gemeinsames Einstehen für gemeinsame Werte und das Bemühen um das gegenseitige Verständnis wichtig. Für mich der Kernabsatz, weil er alles hervorragend zusammenfaßt:

Jedoch stehen die Lehrunterschiede und unsere Unfähigkeit, den Sinn und die Geheimnisse des jeweils anderen Glaubens wirklich zu verstehen, unserer friedlichen Zusammenarbeit für die Verbesserung unserer gemeinsamen Welt und das Leben der Kinder Noachs nicht im Wege. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es entscheidend, dass unsere Glaubensgemeinschaften weiterhin einander begegnen und sich einander vertraut machen sowie sich das Vertrauen des je anderen verdienen.

So wünsche ich mir das und dafür bete ich. Egal, ob es Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten oder Atheisten/Agnostiker sind. Ein Traum!


Nicht originär

Wednesday, 30. August 2017

Ich bin sicher nicht der erste, der meint - aber der Gedanke kam mir neulich einfach so - daß die Eucharistie als geglaubte reale Gegenwart Jesu unter anderem ein zeichen der absoluten Liebe Gottes ist.
Es wäre sozusagen nicht “fair”, wenn “nur” die ersten Jünger Seine reale Gegenwart erlebt hätten.
Sicher, Seine Gestalt ist heute eine andere, aber Er ist derselbe.
Wenn Er uns wirklich liebt, dann läßt er uns nicht allein.
Reine Symbolik würde dem in meinen Augen widersprechen.


Erinnerung

Friday, 11. August 2017

Vor einigen Jahren, als ich noch ein Konto bei Facebook hatte (das habe ich seit Jahren nicht mehr), hatte ich einer Diskussion einem ehemaligen Schulkameraden doch vorgeschlagen - er selbst ist als Schwuler Teil der sog. LGBT-Community - als Angehöriger einer Minderheit sich doch solidarisch zu zeigen mit verfolgten Christen in islam. geprägten Ländern, also einer ebenfalls diskriminierten Minderheit.

Die Reaktion war: absolutes Unverständnis.

Dieses Unverständnis erntet wohl Alice Schwarzer auch gerade.


Altes Vorbild

Thursday, 10. August 2017

Daß sich zwei Heilige nicht unbedingt grün sind, kennt man schon vom Hl. Philipp Neri und dem Hl. Ignatius von Loyola.

Auch wenn die eine erst heute gestorben ist - sicher wird sie mal heilig gesprochen, davon bin ich überzeugt. Gut, sie selbst wird das am wenigsten wollen - dann darf sie eben keine Wunder wirken.

Zu ihren Lebzeiten hat Ruth Pfau schon wahre Wunder bewirkt, die Lepra ist in Pakistan quasi besiegt - und alles fing mit ihr an, als selbstbewußte Frau in dem ersten Land der Welt, das seine Existenz dem Islam verdankt.

Ich wollte mich in meinem Leben nicht langweilen, also bin ich katholische Christin geworden, das schien mir die Garantie für ein spannendes Leben. Und bei Gott, bis heute war mir nie langweilig!

Wie gut ich das verstehe! Und mit wem sie nicht so ganz konform ging? Nun, Ruth Pfau war durch und durch Ärztin, und da hat unser Berufsstand eben mehrheitlich (leider nicht immer!!) gewisse Standards:

Pfau: So sehr ich Mutter Teresa geschätzt habe, wir waren total verschieden. Ich bin als Ärztin sehr viel systematischer in meiner Arbeit und organisatorisch anders aufgestellt. Man kriegt mich auch kaum mal dazu, den Herrgottsnamen bei meiner Arbeit zu nennen. Und ich würde nie warten, bis es einem Menschen so schlecht geht, dass er im Sterben liegt und keine Behandlung mehr greift. Das könnte ich von meinem Verständnis der Menschenwürde her gar nicht. Außerdem würde ich bestimmt nicht wollen, dass sich jemand zum Christentum bekennt. Als Mutter Theresa mit ihrem Orden nach Pakistan kommen und auch Lepraarbeit betreiben wollte, da haben wir beide uns getroffen und ausgesprochen. Wir haben damals festgestellt, dass wir nicht miteinander arbeiten könnten.

Frage: Was hat Sie an der Arbeit von Mutter Theresa gestört?

Pfau: Ich weiß nicht, wie sie gearbeitet hat, ich möchte ihr auch nichts Böses unterstellen. Ich weiß nur, dass sie keinen großen Wert auf Organisation und Sauberkeit legte. Für uns war Hygiene aber das Wichtigste überhaupt.

Die Welt hat heute eine herausragende Persönlichkeit verloren - und der Himmel eine gewonnen.

(Quelle für beide Zitate)


Geistliches Testament

Wednesday, 05. July 2017

Rainer Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln und direkter Nachfolger von Joachim Kardinal Meisner, hält eine auch ihn selbst bewegende “Abschiedspredigt”. Man sieht, wie er um Fassung ringt. Ganz am Schluß verliest er das Geistliche Testament von Kardinal Meisner. Mögen wir alle dessen Ratschluß folgen und der Erzbischof von Köln, der jetzige wie alle zukünftigen, sich immer so vehement und unerschrocken für die Heiligkeit des Lebens, das Evangelium in Gänze und die von ihm so innig geliebte Kirche Jesu einsetzen.

Eines erscheint mir sicher: das wird in Zukunft erst einmal nicht leichter.


R.I.P.

Wednesday, 05. July 2017

Er war mehr als die Hälfte meines Lebens mein Bischof. Joachim Kardinal Meisner ist gestorben.

Jesus und Seine Kirche waren sein große Liebe und Leidenschaft. Möge er in Frieden ruhen und der Herr ihm gnädig sein.


Realistisch

Friday, 30. June 2017

Mich stört es nicht, daß der Dt. Bundestag für Ehe auch für Homosexuelle ermöglicht hat. Der Grund ist einfach: ich sehe a) keinen Grund, warum der neutrale Staat katholische Moralpositionen umsetzen muß und verstehe es b) nicht, daß sich die Kirche bei heilsgefährdenden Sünden im Zusammenhang mit Gesetzgebung nur auf Sex & Co. fixiert.

Was dagegen eindeutig ist, daß sich bei solchen Abstimmungen zeigt, welche gesellschaftlich normierende Bedeutung die Kirche jenseits von Sonntagsreden hat: überhaupt keine.

Das Bild rückt sich so etwas gerade.


Schriftfrage

Thursday, 08. June 2017

Kennt jemand den Grund, warum weder in der alten noch in der revidierten Einheitsübersetzung bei Mt 16,19 ein Verweis zu Jes 22,22 steht? Denn - gerade nachgeschaut - in beiden steht bei Jes 22,22 ein Hinweis auf Mt 16,19.

Seltsam …


Nur mal so

Saturday, 13. May 2017

Nur mal so als Appetizer für kulturellen Imperialismus. Nach linker Ideologie gehört es ja dazu (wie in den USA jahrelang praktiziert von “Demokraten”); Entwicklungshilfe an Abtreibungsmöglichkeiten zu koppeln. Da müssen dann Einheimische aufstehen, um gegen die Folgen zu kämpfen.

Hierzulande hat diese linke Ideologie zur Folge, daß eine Straftat (die nach zuvor stattgehabter und dokumentierter Beratung nicht bestraft wird) staatlich gefördert und voll bezahlt wird. Eine interessante juristische Konstellation (denke ich mir als jur. Laie).


Verpaßte Chance

Wednesday, 10. May 2017

Es ist mal wieder soweit. Wahlzeit.

Ein Wahlkampf folgt dem anderen, es wird gestritten und polemisiert. Dabei liegt dieses Mal aufgrund des Erstarkens der AfD hierzulande der Fokus besonders auf Entwicklungen des rechten Parteienspektrums.

Schaut man sich die Extreme an, allerdings das linke genauso wie das rechte, und das ganze im Zusammenspiel mit den immer weniger neutral berichtenden Medien aller Couleur (sprich: es gibt kaum noch Berichte, sondern unr noch Reportagen; selbst eine einfache Agenturmeldung enthält oft schon Wertungen und Meinungen), dann stellt man fest, daß es um mehr geht als die oder den nächsten Regierungsverantwortlichen.

Es geht auch um den Umgang miteinander, um den Umgang vor allem mit denen, die abweichende Meinungen vertreten.

Der theologische Schatz der Kirche zu dieser essentiellen Fragestellung ist riesig - doch es wird mal wieder der Moment verpaßt ihn öffentlichkeitswirksam zu heben. Die Leiter und Repräsentanten der Kirche reihen sich bloß in die Schar der Nein-Sager ein, die Nein zu Populismus, Fremdenhaß et. sagen.
Natürlich ist das alles schlecht, aber als kirchliche Reaktion ist so ein Verhalten schon extrem dürftig und intellektuell verarmt. Können oder wollen sie nicht mehr bieten?

Wie wäre es mit einem Rekurs auf die gute alte Tugendlehre?
Wie wäre es mal offensiv zu zeigen, daß man auch FÜR etwas steht statt immer nur GEGEN etwas?
Wie wäre es, die hitzigen Debatten raus aus dem öffentlichen Raum unter Polizeischutz allerorten zu holen und zu zeigen, daß es kirchliche Räume gibt, in denen sich Christen respektvoll auch und vor allem denen gegenüber zeigen, die anderer Meinung sind und sie evtl. gar bedrohen.
Pfarrsäle für Demonstrationen kirchlicher Tugend haben wir ja nun genug.

Solange wir kein Gegenmodell zum rauher werdenden Umgangston präsentieren können oder wollen, wird auch dies wieder eine große verpaßte Chance bleiben.


Mal wieder eine Empfehlung

Monday, 10. April 2017

Wer sich ein wenig in den katholischen Medien der USA auskennt, wird früher oder später auf Bischof Barron (Weihbischof in L.A.) treffen. Er ist seit zehn Jahren auf YouTube, schon vor seiner Bischofszeit, und hat von Beginn an extrem gutes Material produziert (warum kann das niemand bei uns *heul*?).

Gleichzeitig sehe ich gerne “The Rubin Report” von Dave Rubin. Rubin ist ein anfänglich progressiver, jetzt eher klassisch liberaler Gastgeber eben dieser Talkshow (wenn man sich anschaut, wie aggressiv Progressive in den USA ihre Agenda vertreten, versteht man die Abkehr von ihnen sehr gut). Rubin lädt Leute “from all walks of life” ein und ich habe bislang niemanden gesehen, der so angenehm und eloquent Fragen stellt. Er ist dazu auch noch Atheist und als Schwuler verheiratet.

Und diese beiden saßen zusammen - auf den ersten Blick wenig gemeinsam habend und sich doch sehr respektierend. Rubin sagt zu Beginn, daß es ihm nie darauf ankommt seinen Gast zu überzeugen, sondern einfach um den Austausch von Ideen und das Interesse am Gegenüber. Sehr wohltuend (wann gibt es so etwas bei uns?).

Und weil dennoch alle “hot topics” nicht ausgeblendet wurden, empfehle ich die beiden Teile selbst anzuschauen. Wirklich sehr gut.


Wer solche Freunde hat

Friday, 31. March 2017

braucht keine Feinde mehr. Wie sehr die (wenigen!) katholischen Universitäten in Westeuropa aufhören katholisch zu sein - wozu es in meinen unwichtigen Augen auch gehört, Wahrheiten aussprechen zu dürfen - darf man dieser Tage in Belgien feststellen. Angesichts der Thematik nicht überraschend in einem Nachbarland, in dem auch alte Menschen umgebracht werden dürfen.

Welche dieser Aussagen von Katholiken ist am ausgewogensten?

1. Abtreibung ist kein kleineres Übel. Das ist ein Verbrechen. Es ist jemanden umbringen, um einen anderen zu retten. Es ist das, was die Mafia macht.

2. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen.

3. Die Abtreibung ist ein Euphemismus, der eine Lüge verbirgt: Die Wahrheit ist, dass Abtreibung die Tötung eines unschuldigen Menschen ist.

Das erste ist von Papst Franziskus, das zweite von dem letzten Ökumenischen Konzil (Abs. 51), das dritte von dem Philosophen Stephane Mércier.

Nun ist der Papst populär - u.a. weil ihm kaum jemand richtig zuhört - und “das Konzil” ist ja unantastbar, also muss der Philosoph bluten.

Er wurde von der Katholischen Universität suspendiert, weil er die Abtreibung so bezeichnet hat.

Ist eben kein Papst.

Die belgischen Bischöfe finden das Disziplinarverfahren übrigens unterstützenswert.

Ach ja, die Bischöfe.

Gab schon früher Zeiten, wo der Glauben mehr gegen sie als mit ihnen hoch gehalten werden mußte von den Gläubigen. Freie Rede an einer katholischen Universität ist anscheinend für belgische Bischöfe nicht verteidigenswert, sobald sie katholische Lehre zum Leben umfasst.


Besser

Friday, 24. March 2017

Ich weiß ja nicht, wer von Ihnen und Euch schon die neue Einheitsübersetzung sein eigen nennt. Mir gefällt sie viel besser - wobei ich im Vergleich mit der alten gemerkt habe, daß es manches Mal auch nur am modernen Schriftbild liegt, das dazu führt, daß ich sie immer wieder gerne zur Hand nehme. Ich habe mir allerdings auch die Version mit Zweifarbendruck und Familienchronik gegönnt (für dreißig Euronen).

Derzeit bin ich beim von mir geliebten Hebräerbrief - immer wieder ein Genuß!


Angebot

Tuesday, 14. March 2017

Es gibt hierzulande nicht mal annähernd das, was es bspw. in den USA mit “Catholic Answers” gibt - also eine niedrigschwellige Anlaufstelle für alle, die Fragen zum katholischen Glauben haben und - das ist leider entscheidend - dort sicher sein können, die Lehre der Kirche als Antwort zu erhalten. Und eben von Laien geleitet, die noch nicht einmal Theologen sind (und auch nicht sein müssen, ich halte das eher für schädlich!).

Nun bin ich kein Äquivalent dazu und habe nicht die Kapazitäten, irgendetwas aufzuziehen, aber ein Angebot kann ich machen: wer sich hierhin verirrt und Fragen zum katholischen Glauben hat, dem werde ich bestmöglich versuchen zu antworten. Nicht mit meiner Meinung, sondern der der Kirche (der ich mich persönlich auch immer anzugleichen bemühe).

Wir haben schon genug Meinungen da draußen.

Ach ja: kontakt at paxetbonum.de


Ganz kurz

Thursday, 23. February 2017

Nach all den Einwürfen gegen oder für den Papst und seine Amtsführung, von Amtsträgern und/oder Laien und Repliken für oder gegen sie, recht frisch oder schon etwas älter, möchte ich nur eines allen Protagonisten dieses Schauspieles zurufen:

Ich hoffe wir sehen uns bei der Beichte!

(gesündigt in Gedanken, Worten und Werken…)


Fülle

Monday, 20. February 2017

Es gibt ja gar nicht so wenige kirchenverbundene Menschen, die meinen, “der Vatikan” oder “Rom” (oder “Ratzinger”) habe die Befreiungstheologie verboten. Diese wiederum teilen sich in zwei Gruppen: die, die das super finden und die, die das super doof finden.

Nun, beide irren. Die Befreiungstheologie wurde mitnichten verboten. Das kann schlechterdings auch nicht sein, da die Begriffe Erlösung und Befreiung auch synonym gebraucht werden können (auch wenn man das vorab erklären muß).

Ja, es gab und gibt manches Mal problematische Aspekte der Theologie der Befreiung (TdB) bzw. ihrer Methodologie, aber das Grundanliegen ist total katholisch. Heutzutage ist ihr Hauptproblem in Lateinamerika eher, daß die Hauptzielgruppe, die Armen, sich scharenweise den Pfingstlern und anderen Evangelikalen zuwenden, die nun wirklich alles andere sind als befreiungstheologisch. Das Buch ist von 1990, da sah das noch ein wenig anders aus.

Worum geht es der Befreiungsthologie und warum gefällt sie mir? Vor allem sind dies drei Punkte:

1. während in der “klassischen” Theologie die Caritas und Diakonie eher so dargestellt wird, daß “die Kirche den Armen hilft”, daß also die Kirche bzw. ihre Gläubigen als Subjekte den Armen als Objekte hilft, verändert die TdB die Sichtweise komplett: die Armen werden selbst verantwortliche Subjekte, auch Subjekte ihres Schicksals, das sie selbst beeinflussen und in die Hand nehmen können und sollen und dazu befähigt werden sollen. Denn die Armen sind oftmals genau Teil dieser Kirche - aber auch wenn nicht, sind sie immer(!) Ebenbilder Gottes. Des Gottes, der selbst um unseretwillen arm wurde.

2. die Theologie ist ein zutiefst praxisbezogene Theologie. Dies fängt damit an, daß alle aktiven Theologen dieser Ausrichtung in Basisgemeinden aktiv sind, lebendigen Kontakt zu denen haben, um die es geht, den Armen. Akademische Gedankenspiele finden quasi nicht statt und finden ihr Korrektiv immer im gelebten Glauben.

3. Und für mich am wichtigsten: das Hauptanliegen ist, auch wenn dieses Schriftzitat nicht im Buch genannt wird, aber das ist meine Zusammenfassung, ein Umsetzen des Wunsches Jesu, daß alle das Leben in Fülle haben sollen (Joh. 10,10). Es gibt sogar Übersetzungen (Elberfelder bspw.), die von “Überfluß” sprechen. Was bedeutet das im lateinamerikanischen Kontext, im Kontext von ökonomisch Marginalisierten, auch wenn sie die Bevölkerungsmehrheit stellen? Was bedeutet es, wenn man keinen Grund erwerben kann mangels Ressourcen, wenn man keine sicheren Jobs haben kann, wenn es keine guten Schulen gibt, wenn Frauen Freiwild sind - dann bedeutet Fülle als Ziel genau diese Mißstände abzustellen. Ein leerer Magen oder ein mißhandelte Seele kann nicht einfach ein Leben in Fülle haben!

Für andere Marginalisierte in anderen Kontexten bedeutet Befreiung dann etwas je anderes - so haben sich die TdB in Asien und Nordamerika auch anders entwickelt.

Und hier bei uns? Wie kann eine TdB bei uns aussehen? Wenn ich sie vom Gesichtspunkt der Befreiung Marginalisierter sehe, dann sehe ich da wenig Anhaltspunkte. Wenn ich sie aber von Gesichtspunkt der fehlenden Fülle her betrachte, dann findet sich schnell etwas, nicht wahr?

Was fehlt denn den Christen hierzulande für ein Leben in Fülle, ein Leben im Überfluss? Das Materielle ist wohl eher nicht …

Es ist in meinen Augen - und da nehme ich mich überhaupt nicht aus - die Freude.

Eine Theologie der Befreiung in Deutschland müßte meines Erachtens nach eine Theologie der Freude sein! Wie sie dann auch aussehen und gelebt werden mag - was uns am meisten fehlt ist Freude!


Mal was Politisches

Friday, 17. February 2017

Was Politisches in einem Blog zu schreiben, dessen Autor sich eher dem Spirituellen zugewandt sieht, ist nichts Gewöhnliches. Ich möchte daher auch nicht über irgendwelche aktuellen Turbulenzen schreiben, sondern einen Schritt zurück gehen und das ganze etwas aus der Ferne betrachten, insbesondere aus der Sicht eines Katholiken, und aus der Sicht eines franziskanisch geprägten Katholiken.

Parteipolitisch befinden sich manche Länder der säkularen Welt im Umbruch: es kommt ein Thema auf, das lange vernachlässigt wurde: Identität.

Dabei ist dieser Begriff deswegen zum mißbrauchten geworden, weil er wie viele andere nicht streng definiert ist. Was gehört dazu? Nationalität? Kultur? Mentalität? Weltanschauung oder Religion?

All diese Begriffe werden aber ebenso nach eigenem Gusto ge- und mißbraucht …

Also: wer bist Du, Leser und Leserin, wie definierst Du Dich - falls überhaupt (doch versuchen lohnt sich allemal).

Ich bin beispielsweise u.a. Deutscher. Aber wenn noch der Glaube dazukommt, und das tut er bei mir sicher, bin ich nicht katholischer Deutscher, sondern deutscher Katholik. Das “Hauptwort” ist nicht die Nation. Heimat ist für mich viel mehr die Kirche als eine Region oder Fleckchen Erde, auch wenn ich natürlich meine Mentalität immer mit mir rumschleppen werde.

Nun ist das sicher nicht bei allen so - und deswegen werden Parteien zunehmend gewählt, die einen Identitätsschutz versprechen, die versprechen, daß das eigene Selbst wie “zuvor” sich ungefährdet und ohne Einfluß von außen entfalten kann. Das geht natürlich nur dann, wenn man diesen äußeren Einfluß - also Menschen - ablehnt und ausschließt. Und genau deswegen geht das für mich nicht, weil eben meine Heimat nicht primär territorialer Natur ist. Doch, so nehme ich, ich bin da nicht nur in einer kognitiven, sondern auch faktischen Minderheit. Ich persönlich kann niemanden wählen, für den Ausschluß zum Grundsatzprogramm gehört.

Das ist auch ein prinzipielles “Problem” von mir - ich sehe mich privat als konservativ an, als Bürger aber als Liberaler. Ich las des Öfteren neulich, daß die eigentliche politische Grenze schon lange nicht mehr zwischen rechts und links verlaufe, sondern zwischen liberal (libertär finde ich nicht so passend) und autoritär. Diesen Gedanken kann ich sehr viel abgewinnen, das ist auch mein Empfinden. Die zunehmenden Sprech- und “Denk”verbote allerorten stoßen mich ab, die Regelungswut und Entmündigung des Einzelnen finde ich erbärmlich. Einen Ausweg kenne ich aber auch nicht, da nahezu alle Parteien hier große Geschütze auffahren.

Nun ist es so, daß sich die Katholische Kirche bezüglich der Wahlempfehlung dieses Mal ja vor allem in Bezug auf eine Partei nicht wirklich zurückhält, wenn man den Wortmeldungen mancher Bischöfe glauben darf. Doch sie ist dort - auch wenn ich diese Ansicht für richtig halte - auf verlorenem Posten. Warum? Nun, die Kirche hat schon längst keine identitätsstiftende Kraft mehr hierzulande - und will sie nach meinem Eindruck auch gar nicht mehr haben. Es gibt also immer mehr katholische Deutsche, wenn sie dieses Adjektiv überhaupt noch tragen. Wenn das identitätsstiftende Wort aber mit Kirche nichts zu tun hat, dann hat das Evangelium auch bei der Wahl nichts verloren.

Der eine oder die andere wird sich wundern, wieso ich Liberaler sein kann und dennoch die doch so rigoristisch wirkende Katholische Kirche oft in Schutz nehme. Kurz gesagt: das eine gilt für mich, zum anderen: jeder soll nach seiner Art und Weise leben können. Zwar halte ich den Glauben für objektiv wahr, aber mir käme es nie in den Sinn, diese Überzeugung anderen vorzuschreiben oder sie zu privilegieren, genauso wie ich mich dagegen wehren würde, wenn der Kirche Liberalität vorgeschrieben werden würde. Daß eine Vorschrift der Liberalität ein Oxymoron wäre, sei nur nebenbei erwähnt.

Die Frage der Identität als politisch brisantes Thema war zu erwarten, die Ohnmacht der etablierten Groß-Parteien, die sich Grundsatzdebatten jenseits von wirtschaftlichem Pragmatismus schon seit vielen Jahren konsequent verschlossen, überrascht ebensowenig (man denke nur an die Reaktionen, als sich der damalige Außenminister Fischer im Jahr 2000 an der Humboldt-Uni in Berlin erdreistete, über die Ziele und auch Grenzen der EU nachzudenken. Aus diesem Debattenanstoß, mehr konnte es nicht sein, ist natürlich nichts geworden).

Anstelle aber daß sich die Kirche wieder ernsthaft bemüht, die hiesige Kultur zu durchdringen und somit auch langfristig Verankerung bei den Menschen zu suchen, traut sie sich viel zu wenig von ihrer Motivation zu sprechen, die ihr Tun doch fundieren sollte. Denn von einer Motivation, einer zutiefst empfundenen Überzeugung, spricht man nicht plakativ - zumal wenn sie den Redner selbst nichts kostet. Man erhebt nicht den Zeigefinger, man erinnert nicht die “anderen”, wie diese es zu sehen und zu halten hätten. Nein, die Inkulturierung, falls sie gewünscht ist, gelingt nur durch ständige unscheinbare Umformung der Welt. Und sich wenig darum zu scheren, was andere dazu sagen.


Nicht genug

Tuesday, 07. February 2017

Ich muss gestehen, ich bin sein Fan. Oder besser: ich bin der Fan dessen, was er sagt, denn ihn selbst kenne ich nicht - und um ihn geht es nicht, ihm sicher auch nicht.

Johannes J. Kreier ist Rektor des “Klosters am Rande der Stadt” in Saarbrücken, in dem auch Schwestern der Hl. Klara leben und beten - und hat einen eigenen Youtube-Kanal.

Um einen kleinen Vorgeschmack auf die Wortmächtigkeit dieses Mannes zu bringen, habe ich - wie könnte es anders für einen Laienfranziskaner sein - ein Video ausgesucht, in dem eine Predigt zum Hochfest des Hl. Franziskus gezeigt wird. Von dem Heiligen aus Assisi bekomme ich eben nie genug.