Geistliches Testament

Wednesday, 05. July 2017

Rainer Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln und direkter Nachfolger von Joachim Kardinal Meisner, hält eine auch ihn selbst bewegende “Abschiedspredigt”. Man sieht, wie er um Fassung ringt. Ganz am Schluß verliest er das Geistliche Testament von Kardinal Meisner. Mögen wir alle dessen Ratschluß folgen und der Erzbischof von Köln, der jetzige wie alle zukünftigen, sich immer so vehement und unerschrocken für die Heiligkeit des Lebens, das Evangelium in Gänze und die von ihm so innig geliebte Kirche Jesu einsetzen.

Eines erscheint mir sicher: das wird in Zukunft erst einmal nicht leichter.


R.I.P.

Wednesday, 05. July 2017

Er war mehr als die Hälfte meines Lebens mein Bischof. Joachim Kardinal Meisner ist gestorben.

Jesus und Seine Kirche waren sein große Liebe und Leidenschaft. Möge er in Frieden ruhen und der Herr ihm gnädig sein.


Realistisch

Friday, 30. June 2017

Mich stört es nicht, daß der Dt. Bundestag für Ehe auch für Homosexuelle ermöglicht hat. Der Grund ist einfach: ich sehe a) keinen Grund, warum der neutrale Staat katholische Moralpositionen umsetzen muß und verstehe es b) nicht, daß sich die Kirche bei heilsgefährdenden Sünden im Zusammenhang mit Gesetzgebung nur auf Sex & Co. fixiert.

Was dagegen eindeutig ist, daß sich bei solchen Abstimmungen zeigt, welche gesellschaftlich normierende Bedeutung die Kirche jenseits von Sonntagsreden hat: überhaupt keine.

Das Bild rückt sich so etwas gerade.


Schriftfrage

Thursday, 08. June 2017

Kennt jemand den Grund, warum weder in der alten noch in der revidierten Einheitsübersetzung bei Mt 16,19 ein Verweis zu Jes 22,22 steht? Denn - gerade nachgeschaut - in beiden steht bei Jes 22,22 ein Hinweis auf Mt 16,19.

Seltsam …


Nur mal so

Saturday, 13. May 2017

Nur mal so als Appetizer für kulturellen Imperialismus. Nach linker Ideologie gehört es ja dazu (wie in den USA jahrelang praktiziert von “Demokraten”); Entwicklungshilfe an Abtreibungsmöglichkeiten zu koppeln. Da müssen dann Einheimische aufstehen, um gegen die Folgen zu kämpfen.

Hierzulande hat diese linke Ideologie zur Folge, daß eine Straftat (die nach zuvor stattgehabter und dokumentierter Beratung nicht bestraft wird) staatlich gefördert und voll bezahlt wird. Eine interessante juristische Konstellation (denke ich mir als jur. Laie).


Verpaßte Chance

Wednesday, 10. May 2017

Es ist mal wieder soweit. Wahlzeit.

Ein Wahlkampf folgt dem anderen, es wird gestritten und polemisiert. Dabei liegt dieses Mal aufgrund des Erstarkens der AfD hierzulande der Fokus besonders auf Entwicklungen des rechten Parteienspektrums.

Schaut man sich die Extreme an, allerdings das linke genauso wie das rechte, und das ganze im Zusammenspiel mit den immer weniger neutral berichtenden Medien aller Couleur (sprich: es gibt kaum noch Berichte, sondern unr noch Reportagen; selbst eine einfache Agenturmeldung enthält oft schon Wertungen und Meinungen), dann stellt man fest, daß es um mehr geht als die oder den nächsten Regierungsverantwortlichen.

Es geht auch um den Umgang miteinander, um den Umgang vor allem mit denen, die abweichende Meinungen vertreten.

Der theologische Schatz der Kirche zu dieser essentiellen Fragestellung ist riesig - doch es wird mal wieder der Moment verpaßt ihn öffentlichkeitswirksam zu heben. Die Leiter und Repräsentanten der Kirche reihen sich bloß in die Schar der Nein-Sager ein, die Nein zu Populismus, Fremdenhaß et. sagen.
Natürlich ist das alles schlecht, aber als kirchliche Reaktion ist so ein Verhalten schon extrem dürftig und intellektuell verarmt. Können oder wollen sie nicht mehr bieten?

Wie wäre es mit einem Rekurs auf die gute alte Tugendlehre?
Wie wäre es mal offensiv zu zeigen, daß man auch FÜR etwas steht statt immer nur GEGEN etwas?
Wie wäre es, die hitzigen Debatten raus aus dem öffentlichen Raum unter Polizeischutz allerorten zu holen und zu zeigen, daß es kirchliche Räume gibt, in denen sich Christen respektvoll auch und vor allem denen gegenüber zeigen, die anderer Meinung sind und sie evtl. gar bedrohen.
Pfarrsäle für Demonstrationen kirchlicher Tugend haben wir ja nun genug.

Solange wir kein Gegenmodell zum rauher werdenden Umgangston präsentieren können oder wollen, wird auch dies wieder eine große verpaßte Chance bleiben.


Mal wieder eine Empfehlung

Monday, 10. April 2017

Wer sich ein wenig in den katholischen Medien der USA auskennt, wird früher oder später auf Bischof Barron (Weihbischof in L.A.) treffen. Er ist seit zehn Jahren auf YouTube, schon vor seiner Bischofszeit, und hat von Beginn an extrem gutes Material produziert (warum kann das niemand bei uns *heul*?).

Gleichzeitig sehe ich gerne “The Rubin Report” von Dave Rubin. Rubin ist ein anfänglich progressiver, jetzt eher klassisch liberaler Gastgeber eben dieser Talkshow (wenn man sich anschaut, wie aggressiv Progressive in den USA ihre Agenda vertreten, versteht man die Abkehr von ihnen sehr gut). Rubin lädt Leute “from all walks of life” ein und ich habe bislang niemanden gesehen, der so angenehm und eloquent Fragen stellt. Er ist dazu auch noch Atheist und als Schwuler verheiratet.

Und diese beiden saßen zusammen - auf den ersten Blick wenig gemeinsam habend und sich doch sehr respektierend. Rubin sagt zu Beginn, daß es ihm nie darauf ankommt seinen Gast zu überzeugen, sondern einfach um den Austausch von Ideen und das Interesse am Gegenüber. Sehr wohltuend (wann gibt es so etwas bei uns?).

Und weil dennoch alle “hot topics” nicht ausgeblendet wurden, empfehle ich die beiden Teile selbst anzuschauen. Wirklich sehr gut.


Wer solche Freunde hat

Friday, 31. March 2017

braucht keine Feinde mehr. Wie sehr die (wenigen!) katholischen Universitäten in Westeuropa aufhören katholisch zu sein - wozu es in meinen unwichtigen Augen auch gehört, Wahrheiten aussprechen zu dürfen - darf man dieser Tage in Belgien feststellen. Angesichts der Thematik nicht überraschend in einem Nachbarland, in dem auch alte Menschen umgebracht werden dürfen.

Welche dieser Aussagen von Katholiken ist am ausgewogensten?

1. Abtreibung ist kein kleineres Übel. Das ist ein Verbrechen. Es ist jemanden umbringen, um einen anderen zu retten. Es ist das, was die Mafia macht.

2. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen.

3. Die Abtreibung ist ein Euphemismus, der eine Lüge verbirgt: Die Wahrheit ist, dass Abtreibung die Tötung eines unschuldigen Menschen ist.

Das erste ist von Papst Franziskus, das zweite von dem letzten Ökumenischen Konzil (Abs. 51), das dritte von dem Philosophen Stephane Mércier.

Nun ist der Papst populär - u.a. weil ihm kaum jemand richtig zuhört - und “das Konzil” ist ja unantastbar, also muss der Philosoph bluten.

Er wurde von der Katholischen Universität suspendiert, weil er die Abtreibung so bezeichnet hat.

Ist eben kein Papst.

Die belgischen Bischöfe finden das Disziplinarverfahren übrigens unterstützenswert.

Ach ja, die Bischöfe.

Gab schon früher Zeiten, wo der Glauben mehr gegen sie als mit ihnen hoch gehalten werden mußte von den Gläubigen. Freie Rede an einer katholischen Universität ist anscheinend für belgische Bischöfe nicht verteidigenswert, sobald sie katholische Lehre zum Leben umfasst.


Besser

Friday, 24. March 2017

Ich weiß ja nicht, wer von Ihnen und Euch schon die neue Einheitsübersetzung sein eigen nennt. Mir gefällt sie viel besser - wobei ich im Vergleich mit der alten gemerkt habe, daß es manches Mal auch nur am modernen Schriftbild liegt, das dazu führt, daß ich sie immer wieder gerne zur Hand nehme. Ich habe mir allerdings auch die Version mit Zweifarbendruck und Familienchronik gegönnt (für dreißig Euronen).

Derzeit bin ich beim von mir geliebten Hebräerbrief - immer wieder ein Genuß!


Angebot

Tuesday, 14. March 2017

Es gibt hierzulande nicht mal annähernd das, was es bspw. in den USA mit “Catholic Answers” gibt - also eine niedrigschwellige Anlaufstelle für alle, die Fragen zum katholischen Glauben haben und - das ist leider entscheidend - dort sicher sein können, die Lehre der Kirche als Antwort zu erhalten. Und eben von Laien geleitet, die noch nicht einmal Theologen sind (und auch nicht sein müssen, ich halte das eher für schädlich!).

Nun bin ich kein Äquivalent dazu und habe nicht die Kapazitäten, irgendetwas aufzuziehen, aber ein Angebot kann ich machen: wer sich hierhin verirrt und Fragen zum katholischen Glauben hat, dem werde ich bestmöglich versuchen zu antworten. Nicht mit meiner Meinung, sondern der der Kirche (der ich mich persönlich auch immer anzugleichen bemühe).

Wir haben schon genug Meinungen da draußen.

Ach ja: kontakt at paxetbonum.de


Ganz kurz

Thursday, 23. February 2017

Nach all den Einwürfen gegen oder für den Papst und seine Amtsführung, von Amtsträgern und/oder Laien und Repliken für oder gegen sie, recht frisch oder schon etwas älter, möchte ich nur eines allen Protagonisten dieses Schauspieles zurufen:

Ich hoffe wir sehen uns bei der Beichte!

(gesündigt in Gedanken, Worten und Werken…)


Fülle

Monday, 20. February 2017

Es gibt ja gar nicht so wenige kirchenverbundene Menschen, die meinen, “der Vatikan” oder “Rom” (oder “Ratzinger”) habe die Befreiungstheologie verboten. Diese wiederum teilen sich in zwei Gruppen: die, die das super finden und die, die das super doof finden.

Nun, beide irren. Die Befreiungstheologie wurde mitnichten verboten. Das kann schlechterdings auch nicht sein, da die Begriffe Erlösung und Befreiung auch synonym gebraucht werden können (auch wenn man das vorab erklären muß).

Ja, es gab und gibt manches Mal problematische Aspekte der Theologie der Befreiung (TdB) bzw. ihrer Methodologie, aber das Grundanliegen ist total katholisch. Heutzutage ist ihr Hauptproblem in Lateinamerika eher, daß die Hauptzielgruppe, die Armen, sich scharenweise den Pfingstlern und anderen Evangelikalen zuwenden, die nun wirklich alles andere sind als befreiungstheologisch. Das Buch ist von 1990, da sah das noch ein wenig anders aus.

Worum geht es der Befreiungsthologie und warum gefällt sie mir? Vor allem sind dies drei Punkte:

1. während in der “klassischen” Theologie die Caritas und Diakonie eher so dargestellt wird, daß “die Kirche den Armen hilft”, daß also die Kirche bzw. ihre Gläubigen als Subjekte den Armen als Objekte hilft, verändert die TdB die Sichtweise komplett: die Armen werden selbst verantwortliche Subjekte, auch Subjekte ihres Schicksals, das sie selbst beeinflussen und in die Hand nehmen können und sollen und dazu befähigt werden sollen. Denn die Armen sind oftmals genau Teil dieser Kirche - aber auch wenn nicht, sind sie immer(!) Ebenbilder Gottes. Des Gottes, der selbst um unseretwillen arm wurde.

2. die Theologie ist ein zutiefst praxisbezogene Theologie. Dies fängt damit an, daß alle aktiven Theologen dieser Ausrichtung in Basisgemeinden aktiv sind, lebendigen Kontakt zu denen haben, um die es geht, den Armen. Akademische Gedankenspiele finden quasi nicht statt und finden ihr Korrektiv immer im gelebten Glauben.

3. Und für mich am wichtigsten: das Hauptanliegen ist, auch wenn dieses Schriftzitat nicht im Buch genannt wird, aber das ist meine Zusammenfassung, ein Umsetzen des Wunsches Jesu, daß alle das Leben in Fülle haben sollen (Joh. 10,10). Es gibt sogar Übersetzungen (Elberfelder bspw.), die von “Überfluß” sprechen. Was bedeutet das im lateinamerikanischen Kontext, im Kontext von ökonomisch Marginalisierten, auch wenn sie die Bevölkerungsmehrheit stellen? Was bedeutet es, wenn man keinen Grund erwerben kann mangels Ressourcen, wenn man keine sicheren Jobs haben kann, wenn es keine guten Schulen gibt, wenn Frauen Freiwild sind - dann bedeutet Fülle als Ziel genau diese Mißstände abzustellen. Ein leerer Magen oder ein mißhandelte Seele kann nicht einfach ein Leben in Fülle haben!

Für andere Marginalisierte in anderen Kontexten bedeutet Befreiung dann etwas je anderes - so haben sich die TdB in Asien und Nordamerika auch anders entwickelt.

Und hier bei uns? Wie kann eine TdB bei uns aussehen? Wenn ich sie vom Gesichtspunkt der Befreiung Marginalisierter sehe, dann sehe ich da wenig Anhaltspunkte. Wenn ich sie aber von Gesichtspunkt der fehlenden Fülle her betrachte, dann findet sich schnell etwas, nicht wahr?

Was fehlt denn den Christen hierzulande für ein Leben in Fülle, ein Leben im Überfluss? Das Materielle ist wohl eher nicht …

Es ist in meinen Augen - und da nehme ich mich überhaupt nicht aus - die Freude.

Eine Theologie der Befreiung in Deutschland müßte meines Erachtens nach eine Theologie der Freude sein! Wie sie dann auch aussehen und gelebt werden mag - was uns am meisten fehlt ist Freude!


Mal was Politisches

Friday, 17. February 2017

Was Politisches in einem Blog zu schreiben, dessen Autor sich eher dem Spirituellen zugewandt sieht, ist nichts Gewöhnliches. Ich möchte daher auch nicht über irgendwelche aktuellen Turbulenzen schreiben, sondern einen Schritt zurück gehen und das ganze etwas aus der Ferne betrachten, insbesondere aus der Sicht eines Katholiken, und aus der Sicht eines franziskanisch geprägten Katholiken.

Parteipolitisch befinden sich manche Länder der säkularen Welt im Umbruch: es kommt ein Thema auf, das lange vernachlässigt wurde: Identität.

Dabei ist dieser Begriff deswegen zum mißbrauchten geworden, weil er wie viele andere nicht streng definiert ist. Was gehört dazu? Nationalität? Kultur? Mentalität? Weltanschauung oder Religion?

All diese Begriffe werden aber ebenso nach eigenem Gusto ge- und mißbraucht …

Also: wer bist Du, Leser und Leserin, wie definierst Du Dich - falls überhaupt (doch versuchen lohnt sich allemal).

Ich bin beispielsweise u.a. Deutscher. Aber wenn noch der Glaube dazukommt, und das tut er bei mir sicher, bin ich nicht katholischer Deutscher, sondern deutscher Katholik. Das “Hauptwort” ist nicht die Nation. Heimat ist für mich viel mehr die Kirche als eine Region oder Fleckchen Erde, auch wenn ich natürlich meine Mentalität immer mit mir rumschleppen werde.

Nun ist das sicher nicht bei allen so - und deswegen werden Parteien zunehmend gewählt, die einen Identitätsschutz versprechen, die versprechen, daß das eigene Selbst wie “zuvor” sich ungefährdet und ohne Einfluß von außen entfalten kann. Das geht natürlich nur dann, wenn man diesen äußeren Einfluß - also Menschen - ablehnt und ausschließt. Und genau deswegen geht das für mich nicht, weil eben meine Heimat nicht primär territorialer Natur ist. Doch, so nehme ich, ich bin da nicht nur in einer kognitiven, sondern auch faktischen Minderheit. Ich persönlich kann niemanden wählen, für den Ausschluß zum Grundsatzprogramm gehört.

Das ist auch ein prinzipielles “Problem” von mir - ich sehe mich privat als konservativ an, als Bürger aber als Liberaler. Ich las des Öfteren neulich, daß die eigentliche politische Grenze schon lange nicht mehr zwischen rechts und links verlaufe, sondern zwischen liberal (libertär finde ich nicht so passend) und autoritär. Diesen Gedanken kann ich sehr viel abgewinnen, das ist auch mein Empfinden. Die zunehmenden Sprech- und “Denk”verbote allerorten stoßen mich ab, die Regelungswut und Entmündigung des Einzelnen finde ich erbärmlich. Einen Ausweg kenne ich aber auch nicht, da nahezu alle Parteien hier große Geschütze auffahren.

Nun ist es so, daß sich die Katholische Kirche bezüglich der Wahlempfehlung dieses Mal ja vor allem in Bezug auf eine Partei nicht wirklich zurückhält, wenn man den Wortmeldungen mancher Bischöfe glauben darf. Doch sie ist dort - auch wenn ich diese Ansicht für richtig halte - auf verlorenem Posten. Warum? Nun, die Kirche hat schon längst keine identitätsstiftende Kraft mehr hierzulande - und will sie nach meinem Eindruck auch gar nicht mehr haben. Es gibt also immer mehr katholische Deutsche, wenn sie dieses Adjektiv überhaupt noch tragen. Wenn das identitätsstiftende Wort aber mit Kirche nichts zu tun hat, dann hat das Evangelium auch bei der Wahl nichts verloren.

Der eine oder die andere wird sich wundern, wieso ich Liberaler sein kann und dennoch die doch so rigoristisch wirkende Katholische Kirche oft in Schutz nehme. Kurz gesagt: das eine gilt für mich, zum anderen: jeder soll nach seiner Art und Weise leben können. Zwar halte ich den Glauben für objektiv wahr, aber mir käme es nie in den Sinn, diese Überzeugung anderen vorzuschreiben oder sie zu privilegieren, genauso wie ich mich dagegen wehren würde, wenn der Kirche Liberalität vorgeschrieben werden würde. Daß eine Vorschrift der Liberalität ein Oxymoron wäre, sei nur nebenbei erwähnt.

Die Frage der Identität als politisch brisantes Thema war zu erwarten, die Ohnmacht der etablierten Groß-Parteien, die sich Grundsatzdebatten jenseits von wirtschaftlichem Pragmatismus schon seit vielen Jahren konsequent verschlossen, überrascht ebensowenig (man denke nur an die Reaktionen, als sich der damalige Außenminister Fischer im Jahr 2000 an der Humboldt-Uni in Berlin erdreistete, über die Ziele und auch Grenzen der EU nachzudenken. Aus diesem Debattenanstoß, mehr konnte es nicht sein, ist natürlich nichts geworden).

Anstelle aber daß sich die Kirche wieder ernsthaft bemüht, die hiesige Kultur zu durchdringen und somit auch langfristig Verankerung bei den Menschen zu suchen, traut sie sich viel zu wenig von ihrer Motivation zu sprechen, die ihr Tun doch fundieren sollte. Denn von einer Motivation, einer zutiefst empfundenen Überzeugung, spricht man nicht plakativ - zumal wenn sie den Redner selbst nichts kostet. Man erhebt nicht den Zeigefinger, man erinnert nicht die “anderen”, wie diese es zu sehen und zu halten hätten. Nein, die Inkulturierung, falls sie gewünscht ist, gelingt nur durch ständige unscheinbare Umformung der Welt. Und sich wenig darum zu scheren, was andere dazu sagen.


Nicht genug

Tuesday, 07. February 2017

Ich muss gestehen, ich bin sein Fan. Oder besser: ich bin der Fan dessen, was er sagt, denn ihn selbst kenne ich nicht - und um ihn geht es nicht, ihm sicher auch nicht.

Johannes J. Kreier ist Rektor des “Klosters am Rande der Stadt” in Saarbrücken, in dem auch Schwestern der Hl. Klara leben und beten - und hat einen eigenen Youtube-Kanal.

Um einen kleinen Vorgeschmack auf die Wortmächtigkeit dieses Mannes zu bringen, habe ich - wie könnte es anders für einen Laienfranziskaner sein - ein Video ausgesucht, in dem eine Predigt zum Hochfest des Hl. Franziskus gezeigt wird. Von dem Heiligen aus Assisi bekomme ich eben nie genug.


Appetithappen

Friday, 27. January 2017

Mal wieder ein Band der schon mehrfach gelesenen und hier vorgestellten Reihe “Einführung Theologie”, die ich bislang rundheraus empfehlen kann.
Der Anfang des Buches startet furios - es werden alle möglichen modernen, postmodernen und postpostmodernen Spielarten der Christologie vorgestellt, also der Lehre wie Jesus Christus zu sehen ist. Dabei ist es zum Teil wirklich amüsant, wie absurd manche von der offiziellen Lehre abweichenden Theologien argumentieren - doch diesen Eindruck überlasse ich jedem Leser selbst.
Im zweiten und längeren Teil wird dargelegt, aufgrund welcher biblischen und theologiehistorischen Aussagen der Kirche deren Lehre sich hat entwicklen können - und vor allem daß das ganze Hand und Fuß hat. Dabei geht es natürlich nicht so sehr in die Tiefe wie das schon vor Jahren vorgestellte Buch, aber gerade für den Einstieg ist es leichter verdaulich als dieses und vor allem auch leichter verständlich geschrieben. Eine gute Einführung eben.


Vorsprung

Sunday, 08. January 2017

Der Stellvertreter wird ja schon für recht modern gehalten, aber was ich letztes Jahr im Urlaub fand, zeigt, daß der Chef auch da ganz weit vorne ist.


Empfehlung

Sunday, 08. January 2017

Es gibt Momente, da überlege ich, was ich noch sinnvollerweise hier schreiben soll - in über zehn Jahren ist von mir wahrscheinlich eh zu viel ins Netz posaunt worden.

Wenn ich dann allerdings diesen Artikel lese, dann macht es vielleicht Sinn, einfach ab und an weiterzuschreiben und sich weniger um Kirchenpolitik zu kümmern und vielmehr über Den schreiben, um den es eigentlich geht.


Zum Jahresende

Thursday, 29. December 2016

Ich bin dankbar

- für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet, ich habe Arbeit und Einkommen;
- für die Hose, die ein bisschen zu eng sitzt, weil das bedeutet, ich habe genug zu essen;
- für das Durcheinander nach der Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet, ich war von lieben Menschen umgeben;
- für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil das bedeutet, ich habe ein Zuhause;
- für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet, wir leben in einem freien Land und haben das Recht der freien Meinungsäußerung;
- für die Parklücke, ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet, ich kann mir ein Auto leisten;
- für die Frau in der Gemeinde, die hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet, dass ich gut hören kann;
- für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe;
- für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das bedeutet, ich bin fähig, hart zu arbeiten;
- für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet, mir wird ein neuer Tag geschenkt.

(Quelle)


Jesus saves

Monday, 26. December 2016

- all of us.

Das erschien am End des Videos des Liedes “Outside” von Georgios Kyriakos Panagiotou.

Er kann, gestorben am Tag der Feier der Geburt genau dieses Babys, Ihm jetzt von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten und darf auf Seine Barmherzigkeit hoffen, die er nicht mehr oder minder verdient hat als ich (wahrscheinlich eher mehr).

Danke für Stunden schöner Musik und wunderbarer Erinnerungen.

Requiescat in pace, George Michael, αναπαύσου εν ειρήνη.


Rippenstoß

Friday, 16. December 2016

Von dem großen Léon Bloy:

An einen Mathematiker:

Ihre Briefe lehren mich nichts außer dem Bankrott Ihrer Vernunft. Und wie! Mein Lieber, Sie zweifeln an der Kirche, weil es unwürdige Priester oder Gläubige gibt, von denen Sie im Übrigen nicht einmal die Anzahl kennen können. Mit anderen Worten zweifeln Sie an der Mathematik, weil Sie einen oder 377 Algebra- oder Trigonometrielehrer kannten, die Schweine waren. Ja wirklich, das ist einfach zu dumm, gestatten Sie, dass ich es Ihnen mit Liebe sage, wie ich es schon so oft zu de Groux gesagt habe, das stinkt nach zu viel Stammtischgeschwätz, nach dem Geschwätz von reisenden Erdöl- und Kuhlederverkäufern. Alles ist verzeihlich, entschuldbar, erträglich, aber man darf nicht mittelmäßig sein. Das ist unmöglich. Sie kennen keinen Priester, sagen Sie, der imstande wäre, Ihren Gehorsam zu erlangen. Warum sagen Sie mir das, mir, mein lieber Freund? Ich bin weder ein Nachbar aus dem Café noch ein Büroangestellter noch ein Feldwebel noch ein Hausmeister, ja nicht einmal einer dieser tiefgründigen Schuster, über die sich die Weisheit wundert. Ich denke, dass Sie diese Worte nicht ohne etwas Scham haben schreiben können.

Ich habe Priester gekannt, die bewundernswerte Männer waren, davon kenne ich immer noch welche und davon werde ich noch andere kennenlernen, die nur die Ehre Gottes, das Heil der Seelen und die Evangelisierung der Armen im Blick haben. Wir sind so tief gefallen, dass diese Worte grotesk geworden sind, aber ich habe keine Angst sie aufzuschreiben.

Sentimentale Einwände haben keinen Wert. Haben wir, ja oder nein, die Pflicht, Gott und der Kirche zu gehorchen? Das ist der springende Punkt. Von diesem sehr einfachen Standpunkt aus, ist der Priester nicht mehr als ein übernatürliches Instrument, ein Erzeuger des Unendlichen, und man muss schon ein Esel sein, um es anders zu sehen, denn dies alles passiert und muss passieren im Absoluten. Seit mehr als dreißig Jahren höre ich heilige Messen, die von Priestern gelesen wurden, die mir unbekannt sind, und ich beichte bei anderen, bei welchen ich nicht weiß, ob sie Heilige sind oder Mörder. Bin ich denn deren Richter und wäre ich nicht töricht, wenn ich mir anmaßte, über sie Erkundigungen einzuziehen? Mir reicht es zu wissen, dass die Kirche göttlich ist, dass sie nur göttlich sein kann und dass die durch einen schlechten Priester gespendeten Sakramente die gleiche Wirkung haben wie die durch einen Heiligen gespendeten.

Ist das nicht zum Weinen, mein lieber Freund? Ich bin hier unter Kamelen, der Pein ausgeliefert, und ich muss Ihnen, einem Katholiken, diese grundlegenden Dinge schreiben, die nicht einmal einem gebildeten Ketzer unbekannt sein dürfen. Das ist traurig.
[Weiterlesen]


Vergleich

Wednesday, 14. December 2016

Wenn Menschen, die bei vollem Bewußtsein und in der Fülle ihrer geistigen Kräfte über das Lebensrecht anderer entscheiden, und zwar über die, die ihnen zumeist durch familiäre Bande anvertraut sind und denen genau diese Kapazitäten fehlen, dann nennt man das zu Lebensbeginn Abtreibung und zu Lebensende Euthanasie.

(Wenn ich mal so apodiktisch sein darf)


Treu

Monday, 28. November 2016

Das Bundesverfassungsgericht bleibt sich treu.

2003: In einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen gibt es allerdings kein Recht darauf, von Bekundungen, kultischen Handlungen und religiösen Symbolen eines fremden Glaubens verschont zu bleiben.

2015: wie auch sonst grundsätzlich kein verfassungsrechtlicher Anspruch darauf besteht, von der Wahrnehmung anderer religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse verschont zu bleiben.

Und jetzt 2016 wieder: Es gebe keinen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf, “von der Wahrnehmung anderer religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse verschont zu bleiben”, hieß es in dem Beschluss weiter.

Bevor der eine oder andere aufheult: angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen (Mitgliederzahlen, Silvesterknaller auf Messbesucher, zunehmende Schändung von Kirchen und Friedhöfen) dürfen gerade die Christen froh sein, so ein BVerfG zu haben.


Bitte teilen

Wednesday, 16. November 2016

Wer bei Fratzbuch oder so ist, möge dies bitte teilen (und sich natürlich den Bericht ansehen):


Frage

Monday, 14. November 2016

Ich habe gerade diesen Beitrag von Bischof Stefan Oster gelesen.

Es ist eine treffende, aber auch bekannte und nicht überraschende Analyse.

Schon viele Bischöfe sagen uns, daß wir eigentlich das “5. Evangelium” sein müssen, das einzige, das die Leute noch “lesen” würden.

Wenn wir nicht überzeugen - die “da oben” tun es sicher nicht, und die Heiligen sind anders “zu weit weg”.

Was ich mich frage - und ich bin sicher, daß man bspw. bei Firmlingen ehrliche Antworten bekäme: was wäre für den Einzelnen, bspw. einen kirchenfremden Firmling, ein “überzeugender christlicher Lebensstil”? Nicht überzeugend in dem Sinne, daß man ein lebendes Beispiel finden muss und schon glauben alle daran, sondern in dem Sinne, daß man der Person die eigene Überzeugung auch voll abnimmt. Daran scheitert es ja schon zu oft (auch bei mir, so anders lebe ich ja auch nicht).

So divergierend da die Antworten sein können, ich vermute, es wird irgendeine Konstante geben. Die würde ich gerne kennen …


Aufreißer

Wednesday, 09. November 2016

Was steht wohl in den Titelzeilen über Kalifornien, das mehrheitlich für Clinton gestimmt hat, aber eben auch noch über andere Anliegen abzustimmen hatte:

daß die Todesstrafe nicht abgeschafft wurde, sogar im Gegenteil der Vollzug derselben beschleunigt werden soll - oder daß Grasrauchen legalisiert wurde?

https://news.google.com/news/story?ncl=dRVEkhI-GlmF4sMh5XKxdInJx246M&q=kalifornien+todesstrafe&lr=German&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiJue262JvQAhUHaRQKHQT5Aw8QqgIILjAB

Und was sagt das über unsere Medienlandschaft?