Einfacher woanders?

Tuesday, 12. November 2019

Womöglich fiel es ihm zunehmend schwerer, den apostolischen Glauben dort leben zu können, wo er es einst gelobte: in der Katholischen Kirche. Eine Kirchenführung, die Götzen in den Petersdom tragen läßt, macht es auch für manche zunehmend schwerer.
Und gerade jetzt hat die Bitte an den Herrn in jeder Hl. Messe, doch nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben Seiner Kirche zu schauen, eine besondere Brisanz. Ich hoffe, Er findet genug Glauben zum Anschauen.

Dr. Johannes J. Kreier, ein Priester, der durch sehr gute Vorträge im Netz eine kleine “Fangemeinde” hatte und, wenn man das ganze über Jahre verfolgte, der offensichtlich immer mehr auch an einer bürokratisierten und entgeistigten Kirche litt, ist im April dieses Jahres als Priester Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche geworden. Das habe ich heute erst zufällig im Netz gefunden. Wirklich überraschend kommt es nicht, es deutete sich mir schon an.

Ich respektiere diesen Schritt natürlich, finde ihn aber traurig. Glücklicherweise habe ich persönlich genug Weltkirche erfahren, daß mich kein Bischof (und auch kein Papst) aus der Kirche bekommt. Und ich habe auch genug Weltkirche erfahren um zu wissen, daß die in Deutschland nur eine Erscheinungsweise von vielen ist (und sicher nicht die beste).

Ich wünsche P. Kreier, daß er das in der Orthodoxie finde, was er sucht. Auch wenn er es - davon bin ich überzeugt - in sakramentaler Einheit mit Rom ebenso hätte finden können.


Entlarvend

Saturday, 02. November 2019

So, jetzt ist sie schon ein paar Tage her, die sogenannte Amazonas-Synode, die nicht am Amazonas, sondern in Rom stattfand.

Einige Bischöfe der Amazonasregion haben sich dort schriftlich einer armen Lebensweise verschrieben. Fliegen sie dann zurück? Okay, das nur nebenbei ….

Wahrscheinlich wird es nun dazu kommen, daß in bestimmten Regionen verheiratete Diakone zu Priestern geweiht werden dürfen.

Und was interessiert die säkularen und katholischen Medien und Reformwortführer hierzulande? Der Amazonas und ihre Menschen? Ach was, mitnichten! Sie interessieren sich einen Dreck für sie.

Es geht um Wir, wir wir, wir. Beispiele gefällig: eines hier und eines dort.

Die Interessen der Menschen des Amazonas sind nur ein Steigbügel für die eigene Agenda. Besser läßt sich kolonialistisches Denken kaum zeigen.

Wer bspw. meint, in Deutschland sei der Priestermangel so hoch wie im Regenwald Lateinamerikas, demonstriert nur seine Ignoranz. Zahlen alleine sagen gar nichts. Wir haben so etwas wie: Straßen, Autos, Infrastruktur. Wir könnten - wenn es die Gemeinde denn wollte - Fahrdienste organisieren.
Dort kommt man faktisch an manchem Ort nur mit dem Hubschrauber rechtzeitig zur Hl. Messe, der Weg durch den Regenwald zu Fuß dauert 8h oder mehr (selbst in Guatemala erlebt).

Deswegen ist sowohl die Reaktion übertrieben, die diese mögliche Änderung der Kirchendisziplin als Untergang der sakramentalen Struktur der Kirche bezeichnen, als auch der Ruf anderer nach “auch hier, auch hier”.


Treffer, versenkt

Saturday, 12. October 2019

Aus der aktuellen Tagespost. Der große Hans Urs von Balthasar über den nicht minder großen Erich Przywara SJ, einen seiner Lehrer:

Wohl als einziger besaß er die Sprache, in der das Wort “Gott” ohne die leichte Übelkeit anzuhören ist, die das laute Gerede unserer Durchschnittstheologen verursacht.


Mal ‘ne ketzerische Frage

Wednesday, 11. September 2019

Wenn, wie dt. katholische und evangelische Theologen jetzt behaupten (für sich? die Weltkirche? alle Protestanten auch?), die Unterschiede der “evangelischen” (lutherisch? reformiert? anglikanisch? methodistisch?) und katholischen Verständnisse zur Eucharistie nicht mehr kirchentrennend seien - warum werden dann nicht alle katholisch?

Wenn es nichts elementar Kirchentrennendes mehr gibt - dann wäre die Trennung von der Kirche ja ein Widerspruch in sich. Oder gibt es diese eminent wichtigen Unterschiede vielleicht doch …. ?

(Genaugenommen interessiert es das Weltepiskopat einen Sack Reis, was Theologen der dahinsiechenden dt. Kirche so von sich geben)


Achtung Aufklärung

Thursday, 29. August 2019

Religionen sind Schuld am Wachstum der Weltbevölkerung, so oft gehört. Die Katholische ist dabei eine der übelsten, ebenso oft gehört.

Von einem der besten Lehrer der letzten Jahrzehnte, den die Welt hatte und der immer noch vermißt wird (Hans Rosling), diese hervorragende statistische Darbietung (von 2012):


Erste Quellen

Friday, 05. July 2019

Ende März schrieb ich davon, wie eine AG Christliche Sozialethik sich gegen einen der ihren positionierte (bzw. die Gemeinschaft aufkündigte). Détails können da nachgelesen werden.

Jetzt hat sich diese AG nach über drei Monaten zu einer erweiterten Stellungnahme durchgerungen, explizit wegen erfolgter Kritik, und erste Quellennachweise für ihre Behauptungen erbracht. Na, geht doch.

Allerdings scheint sie sich immer noch bemüßigt zu fühlen, universitären Bibliotheken ungebetene Ratschläge für den Schriftapparat zu geben. Warum auch immer.


Außensicht

Thursday, 13. June 2019

Ein sehr guter Artikel zu der zunehmenden Unfreiheit an deutschen Hochschulen findet sich bei der schweizerischen NZZ.

Ob die, um die es geht, ihn sich zu Herzen nehmen oder schon zu verblendet sind?


Die Uni Bonn fällt als erste

Wednesday, 22. May 2019

Universitäten waren mal der Hort der Freien Rede, Oasen des offenen Meinungsaustausches. Ein gemeinsames Suchen und oftmals Ringen um die Wahrheit oder das Gemeinwohl.

Dies scheint, wenn mein Eindruck mich nicht trügt, in den USA schon länger mehr als bloß gefährdet zu sein, sondern vielmehr Vergangenheit.

Bei uns hinken wir oft einige Jahre nach, doch auch dieses Phänomen hat jetzt schon Universitäten erfaßt. Vor nicht einmal zwei Monaten erwähnte ich den Fall des Dr. Ockenfels, jetzt haben Studenten der Uni Bonn einen Vortrag torpediert.

Die Reaktionen sind zwar da, aber nicht gerade zahlreich. Hier rühmen sich manche Studenten dieses Unterfangens. Das Schubladendenken frei von jeglichen Belegen ist schon beeindruckend. Und da das die zukünftige akademische Elite sein wird (bei sehr links orientierten meistens in später sicheren staatsalimentierten Jobs im Öffentlichen Dienst und Kultur - zu viel Verantwortung ist da nicht gewollt), muß man sich ernsthafte Sorgen machen.
Wenn diese schon nicht denken können, wie sollen das andere erst tun?

Die Uni Bonn selbst schweigt sich aus. Ich bin kein Journalist - vielleicht mag jemand anderes mal die Pressestelle kontaktieren, was sie so dazu meinen.


Ansichten

Saturday, 18. May 2019

Beim heutigen Monatskapitel des OFS hier in Düsseldorf, dem monatlichen Treffen, kam das Thema auf die Marienfrömmigkeit. Passend zum Marienmonat Mai. Dabei zeigte sich, daß nicht wenige Probleme haben mit einer in manchen Fällen überschwenglichen Marienverehrung und sich daher ganz davon distanzieren. Es wurden auch manch krasse Beispiele genannt.
Die einfachste Möglichkeit - sich einfach an das zu halten, was die Kirche lehrt - schien nicht so offensichtlich zu sein wie ich vorab dachte.

Jesus kann schlecht mein Bruder sein, wenn Maria nicht meine Mutter ist, das ist klar. Und Franziskus als gemeinsames Vorbild im OFS war ein wirklich sehr großer Marienverehrer. Dennoch wird von niemandem, auch nicht im OFS, eine ausgeprägte Marienfrömmigkeit erwartet.

Allerdings verstehe ich wirklich nicht manchen antimarianischen Reflex: was macht man falsch, wenn man sich einfach an Maria hält? Sie ist doch ein echt super Vorbild!


Passend

Thursday, 02. May 2019

Seit wenigen Tagen lese ich das Buch von Rod Dreher, die “Benedikt Option” .

Es geht dort vor allem um die Frage, welche Überlebensstrategien Christen entwickeln sollten, damit der Glaube in der eigene Region weiter existiert und irgendwann einmal wieder kulturell prägend wird (das ja derzeit massiv nachläßt). Ich finde es sehr gut, daß sich Dreher überhaupt keinen Illusionen bzgl. der Kraft der kulturellen Säkularisierung hingibt - sie wird vieles umstürzen, was auch uns heute immer noch normal erscheint.

Kurz: gesagt: die empfohlene Strategie ist das authentische Christsein in der 2000jährigen Tradition der Christenheit. Nicht Anpassung oder Neuerfindung, sondern Rückbesinnung, sozusagen echte Re-Form (=”Wiederformung”) kann die kulturelle Prägung entwickeln, die notwendig ist. Dabei geht es ihm (und ich kann nur zustimmen) gar nicht primär um die Welt oder deren Veränderung, sondern um Gott und das Suchen seines Reiches und Erkennen und Befolgen Seines Willens. Alles andere folgt gleichsam zwangsläufig.

Dazu passend lese ich heute von der Studie, die den beiden großen Kirchen in Deutschland bis 2060 eine Halbierung der Mitgliederzahl voraussagt (da es die letzten Jahrzehnte jährlich 1-1,5% weniger werden, hätte es dazu keiner teuren Studie gebraucht). Während der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, immerhin noch vom Aufruf zur Mission spricht, erinnert sein evangelischer Counterpart Bedford-Strohm bloß an den gesellschaftlichen Segen der Arbeit der Kirche. Segensreich arbeiten tun auch viele kleine und große NGO. Was das mit der von ihm zitierten Frömmigkeit zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Nachtrag: er hat ein Interview dazu gegeben. Allerdings bleibt das alles sehr schleierhaft. Frömmigkeit als Zuckerguß eines ansonsten ununterscheidbaren Lebens wird nicht gehen, das zieht nicht an.


Ungewollt richtig

Tuesday, 30. April 2019

Organspende.

Eigentlich ein Unwort. Denn Tote spenden nicht, sie vererben. Dann hieße es Organerbe.

Oder aber es werden Organe von jemandem entnommen, der gar nicht tot ist.

Was übrigens ungewollt stimmt. Der Spender ist nicht tot, da u.a. die entnommenen Organe noch lebend sein müssen. Und es gab Fälle, bei denen “hirntote” Frauen Kinder entbunden haben. Können Tote Kinder bekommen?

Jetzt möchte ein Politiker einer Partei mit angeblich christlichen Menschenbild alle Menschen dazu zwingen, lebende Organe zu spenden (vererben heißt’s ja nicht), solange sie nicht explizit widersprechen. Und sie dabei in dem Glauben lassen, sie seien da schon tot.

Wie geht man mit sprachlicher Dummheit und Irreführung um?


Hilfestellung

Thursday, 18. April 2019

Der Hl. Philipp Neri, der zusammen mit dem Hl. Ignatius von Loyola heiliggesprochen wurde und gleichzeitig mit ihm in Rom lebte, soll über letzteren mal folgendes gesagt haben, wenn er sich bei einer Entscheidung, was er tun solle, nicht sicher sei:

Ich stelle mir vor, was jetzt Ignatius täte. Und dann tue ich das Gegenteil.

Diesen Eindruck habe ich mittlerweile, wenn ich lese, von welcher Feder Kommentare bspw. über die letze Äußerung von Benedikt XVI. stammen. Da reicht mir mittlerweile schon die Autorenangabe und der Inhalt erübrigt sich.

Die Kirche dagegen hat Humor bewiesen, daß sie Neri wie Loyola heiligsprach.

Humor wünsche ich allen Lesern auch in dieser Zeit und ein gesegnetes und segensreiches Triduum.


Gesinnungstest - durchgefallen

Friday, 29. March 2019

Im angelsächsischen Raum scheint es sich auszubreiten - und womöglich geht es hier auch schon los: Gesinnungstests in akademischen Kreisen. Nicht als Examina, die man bestehen kann, nein, sondern die Mehrheit entscheidet gegen Dich. Du bist raus, Outcast, Aussätziger - und wer sich mit Dir blicken läßt, hat ebenso verloren und seine Karriere verwirkt.

Nur so und nicht anders kann ich dieses Schreiben der “AG Christliche Sozialethik” gegen den bekannten - und umstrittenen Sozialethiker Wolfgang Ockenfels OP und seine Zeitschrift “Die neue Ordnung” werten.

Ich lese diese Zeitschrift nicht und bin auch nicht irgendwie da aktiv, daher betrifft nicht das nicht selbst. Ich weiß auch nicht, ob das stimmt, was da behauptet wird. Doch darum geht es mir gar nicht. Denn: es finden sich interessante Merkmale in dieser Erklärung, die in meinen Augen zu einem Gesinnungstest der untersten Schiene passen. Und das ist das Alarmierende:

1. Es werden Behauptungen aufgestellt, die allgemein negativ besetzt sind - und die nicht durch irgendeine noch so kleine Quelle belegt werden. So etwas ist ein klassisches Merkmal von Denunziantentum.

Die neueren Editorials des hauptverantwortlichen Redakteurs sind gespickt mit den für Rechtspopulisten typischen Ressentiments, u.a. mit Pauschalkritik an den Printmedien und am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Leugnung des Klimawandels und islamophoben Äußerungen. Auch viele Artikel der „Neuen Ordnung“ nehmen wir mangels wissenschaftlicher Substanz nur noch als zugespitzte Meinungsäußerungen wahr.

Belege? Fehlanzeige.

2. Wer es noch wagt, als Student bei dem geschassten Kollegen etwas zu veröffentlichen, hat keine Chance mehr auf eine Karriere.

Wir gehen davon aus, dass in Zukunft keine wissenschaftlichen Sozialethikerinnen und Sozialethiker in der „Neuen Ordnung“ mehr publizieren werden.

3. Auch die Verantwortlichen der Uni-Bibliotheken sollen sich fügen:

Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, die Zeitschrift weiterhin in wissenschaftlichen Bibliotheken zu führen.

3. Es wird angeregt, den ungeliebten Geist komplett mundtot zu machen.

Wir empfehlen der Provinz Teutonia des Dominikanerordens, Wege zu suchen, den Schaden für den Orden wie auch für die Sozialethik zu begrenzen.

Mehr geht nicht.


Gegen Selbstgeißelung

Wednesday, 27. March 2019

Gestern hatte ich ein langes Telefonat mit einem guten Freund. Arzt wie ich, im Studium im Ausland kennengelernt, noch recht frisch verheiratet (kirchlich!) mit seiner zweiten Frau, einer als Erwachsene zum katholischen Glauben Gekommene aus Weißrußland, er selbst Protestant (mit sehr großer Sympathie für die Kirche und zunehmend katholisiert …).

Und er hat zunehmend den Kaffee auf. Aber nicht so, wie man es sich vielleicht denken könnte, weil die Mißbräuche ans Licht kamen.

Nein, ganz im Gegenteil (und ich teile diese Meinung zu 100%!).

Er hat die Schnauze voll davon, daß jetzt die Kirche hierzulande alles dafür tut, sich selbst schlecht zu reden, ihre Traditionen, ihre Lehren. Nicht nur den Mißbrauch, dafür hätte sie allen Grund, nein, alles, was das Katholische ausmachte, was der Stachel im Fleisch einer sich zunehmend hedonistisch gebenden Gesellschaft war, die eigene feste Überzeugung, die man annahm oder es eben ließ, was eine andere Lebensform zur Folge hatte (Dogmatik sieht man den Menschen nicht an, Treue zum Lebenspartner kann man dagegen erleben) - all das wird plötzlich nur noch optional!

Denn dafür hat seine Frau nicht den manchmal steinigen Weg auf sich genommen, zuerst im orthodoxen Umfeld und später (für einige Jahre) in einem buddh. Umfeld (Singapur) ihren neu gefundenen katholischen Glauben zu leben.

Damit lockt man keinen hinterm Ofen hervor!

Er hat ebenso die Schnauze voll, daß es immer weniger schöne und prachtvoll gefeierte Liturgien gibt, daß Weihrauch zum häufigen Fremdwort wird - daß ganz einfach die gefeierte Schönheit aus der Kirche verbannt wird. Alles wird zunehmend funktional und in seinen Augen manche Hl. Messe eher hingerotzt als als Begegnung mit dem auferstanden Herrn vollzogen.

Und ich konnte nur zustimmen. Natürlich wird die Demontage weitergehen, erst mehr durch außen, jetzt genauso durch innen. Dabei werden wieder die altbekannten kirchenpolitischen Agenden aufgetischt, also ob deswegen auch nur ein Mensch mehr an Jesus glauben würde. Aber um Ihn geht’s bei diesen Fragen ja auch gar nicht.

Doch gerade deswegen halte ich an dem fest, was die Kirche ca. 2000 Jahre für richtig hielt. Ich verurteile natürlich keinen, der das anders sieht. Wer sich an etwas festhält, um nicht mit der Strömung mitgerissen zu werden, kann das aber dauerhaft nicht mit nur einem Arm. Gleichzeitig überzeugt katholisch bleiben und sich “weltkonform” machen geht nicht. Und das, woran wir uns festhalten können, ist Christus und sind die zahlreichen Heiligen als Helden des gelebten Christseins.

An anderen nicht. Quod erat demonstrandum.


Windschatten

Wednesday, 27. February 2019

Es fragen sich viele - mit Berechtigung! - wie man heutzutage noch katholisch bleiben kann in dieser Kirche, die in den höheren Etagen ihr Ansehen als wichtiger ansah als das Leiden der Kirche (denn die Mißbrauchten waren katholisch und nicht weniger Kirche!).

Dieser Frage sollte man auch nicht leichtfertig ausweichen. Daß es ähnliche Untaten woanders gibt - geschenkt. Das zu sagen hilft nicht weiter. Es geht um die Kirche Gottes.

Also, wie kann man es guten Gewissens bleiben?

Es gibt - für mich - zwei mögliche Antworten, die erstere kürzere ist weniger schmeichelhaft formuliert. Und diese Formulierung stammt noch von mir, sondern von einem anderen Düsseldorfer.

Sie ist wirklich kurz:

Gold findet man bekanntlich im Dreck.

Hier finde ich Jesus. Leibhaftig, in Seinen Sakramenten, so intim wie nur irgendwie möglich. Wer nicht wegen Jesus katholisch ist, kann natürlich schnell aufhören katholisch zu sein. Folkloregründe oder familiäre Traditionen tragen bei solchen Skandalen nicht mehr gut.

Das ist also die eine Begründung. Hart formuliert und sicher auch zu pauschal, da natürlich die Kirche nicht nur Dreck ist. Aber selbst wenn: Gold findet man im Dreck und es ist mühsam es zu finden.

Die zweite Begründung ist auch nicht arg lang und aus beiden zusammen kann man sich dann was stricken, was paßt.

Worum geht es in der Kirche eigentlich? Sie besteht nicht für sich, sondern um den Menschen einen Weg zu Gott zu zeigen, von dem sie in 2000jähriger Tradition überzeugt ist, daß er richtig ist. Sie ist überzeugt, daß es um das “wir glauben” geht, nicht nur ich, ich, ich.

Ich vergleiche es gerne mit einer Radfahrt, es geht bergauf (der Weg zum Herrn). Fahre ich alleine, kämpfe für mich oder stelle ich mich in den Windschatten einer langen Tradition, die eben auch viele Heilige hervorgebracht hat (und nicht minder viele Unheilige, klar!)? So kann ich mitrollen, trete weniger, lasse mich ziehen - und komme genauso an. Manches Mal fahren wir auch den Belgischen Kreisel, so daß jeder man im Wind steht und für alle anderen einsteht.
Dieser Windschatten ist die beständige Lehre, die eben nicht wie das Fähnchen im Wind sich dreht und überall auf diesem Planeten gilt und kompatibel zu allen Kulturen ist, weil ich sie für zutiefst menschlich halte, ohne daß sie sich anbiedert. Und selbst wenn ich stürze - mein Team hilft mir auf.

Es wird jeder Rennradfahrer bestätigen - Rennen gewinnt man nicht allein. Schon Paulus sprach vom Lebenslauf wie von einem Rennen mit Siegespreis.

Nein, wegen des Klerus bin ich nicht katholisch. Ich kenne aber auch keine Kleriker (und ich kenne einige persönlich), die das für einen guten Grund hielten …


Wie frei ist Kunst?

Monday, 14. January 2019

Respektlosigkeit gegenüber religiösen Symbolen, die vielen Gläubigen weltweit heilig sind, als eine Form des künstlerischen Protests darzustellen, ist illegitim und kann in einer kulturellen Einrichtung, die mit staatlichen Mitteln finanziert wird, nicht als Kunst dienen

So lautet ein Zitat einer Kultusministerin. Wo? Raten erlaubt.

Ist diese Aussage angemessen? Zumal sie sich ja interessanterweise auf die Einrichtungen beschränkt, die öffentliche Förderung erhalten.

(Und natürlich folgt hier die Quelle.)


Dogmatik ohne Wahrheitsanspruch

Friday, 21. December 2018

Geht das? Kann man sagen, daß jeder in der Kirche die Dogmen vertreten muß, diese aber als Wahrheiten außerhalb gar nicht gelten? Ist nur für Christen Gott Mensch geworden an Weihnachten - also nicht, daß nur diese es glauben, sondern, daß es nur für diese so passiert ist?

So einen Wahrheitsbegriff scheint Frau Prof. Werner von der Uni Graz zu haben, dort Lehrstuhlinhaberin für Dogmatik. Zumindest wenn ich diesem Artikel glauben kann.

Daraus:

So konnte sich die Dogmatikerin nicht dazu durchringen, das Idealbild einer missionarischen Kirche zu bejahen. Für ungläubiges Kopfschütteln unter den Zuhörern in der Aula Magna sorgte sie zudem, als sie erklärte, auch beim Wahrheitsanspruch des Christentums nicht die Sicht der Autoren des „Mission Manifest“ zu teilen. Für Werner habe jeder Mensch seine Wahrheit und es sei nicht ihre Aufgabe, über die unterschiedlichen Wertigkeiten zu entscheiden.

Dann fängt insbesondere und vor allem Dogmatik an irrelevant zu sein.


Ja, sie stört

Saturday, 24. November 2018

Schneller als gedacht zeigt sich, daß in der Kirche Wissenschaft immer noch stört, wenn sie auf Ideologie trifft.

Um das Verhalten der Ideologen zu Zeiten des Streites um die Sonne als Zentrum der Planetenrotation zu bewerten, gibt es kein Problem. Damals waren die die Ideologen der Meinung, daß die Sonne nicht das Zentrum sein dürfe und könne, die Wissenschaft belegte was anderes - wer würde da die Ideologen von damals heute verteidigen?

Nun greift Kardinal Müller die amerik. Studie auf (siehe letzter Beitrag) und bezeichnet rein quantitativ die klerikale Homosexualität als größten Risikofaktor (was sie zahlenmäßig auch ist, das kann keiner leugnen, wenn >80% der Mißbrauchten Jungen sind).

Dieses Mal ist es kein Streit zwischen ideologischen Klerikern und nüchternen Laien, sondern innerhalb des Klerus. Die Ideologen beschimpfen Müller und behaupten, er habe nichts verstanden.

Nur ist es erstaunlich, wie viele Menschen den Ideologen heute zur Seite eilen. Dürfen sie natürlich, ich bin ein großer Verfechter der freien Rede. Doch Ideologen neigen diese einzuschränken, anfänglich sozial, später gesetzlich. Wir werden es erleben.


Wenn Wissenschaft stört

Wednesday, 21. November 2018

Wikipedia hat eine interessante Definition von Totalitarismus und grenzt dabei gut von Diktatur ab. Nicht daß wir da sind, bei weitem nicht, aber ich lasse das mal wirken:

Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen.

Ein sehr gutes Mittel gegen Totalitarismus ist Wissenschaft - bestenfalls neutral und sich immer ihrer Korrekturfähigkeit bewußt. Und wer gegen Totalitarismus ist, kann nicht gegen Wissenschaft sein.

Nun gibt es bekanntermaßen in der Kirche von offizieller Seite die ausgegebene Marschrichtung - um ja nicht als intolerant zu erscheinen, aber ohne jeglichen Beleg für diese Sichtweise - daß Homosexualität von Priestern nichts mit dem Mißbrauch von über 80% männlichen kindlichen und jugendlichen Opfern zu tun habe.

Jetzt sagt eine Studie zumindest für die USA das genaue Gegenteil (pdf auf Englisch).

Mal sehen, wie Wissenschaft hier behandelt werden wird …


Zitat von heute

Friday, 09. November 2018
“Organspende” unserer Zeit ist ein begriffliches Monster, eingebettet in ein planmäßiges Konzept euphemistischer Verharmlosung. Der Begriff verschweigt und verdreht letzten Endes, um was es geht. Er steht in einer Lügenreihe mit “Schwangerschaftsabbruch” und “Sterbehilfe” - verdrehten Euphemismen purer Angst, zitternder Machtlosigkeit und kleinrahmiger Allmachtsträume.

(Quelle)


Zu den Wurzeln

Sunday, 28. October 2018

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber die Erschütterung, die dieses Mal durch die Kirche ob der Mißbrauchsskandale hier und andernorts weht, die theoretisch leicht widerlegbaren aber bislang unwiderlegten Vorwürfe des Ex-Nuntius Vorwürfe Viganò - all das wirft mich zurück auf den Einzigen, dem ich wirklich vertrauen kann - den Herrn Jesus selbst. Gut, seine Mutter und die Schar der Heiligen, von denen ich nicht wenige wirklich verehre, gehören auch dazu.

Doch von der ecclesia militans hier auf Erden ist es wirklich niemand. Niemand.

Mich interessieren keine Synoden, keine wortreichen Erklärungen, kein Ausdruck des Entsetzens oder Bedauerns, keine pastoralen oder sonstwie Pläne, den Mangel zukünftig zu verwalten.

Womöglich ist das gut so - und wurde schon vor mehr als 2000 Jahren von Psalmisten erkannt (118,8): Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Menschen.

Ja, es mag besser sein sich zurückzuziehen von den Debatten, so schwer mir das noch fällt. Doch die Leidenschaft dafür ist mir abhanden gekommen.


Kirchenbild

Thursday, 27. September 2018

Die Mißbrauchsstudie, deren Ergebnis derzeit die Kirche in Deutschland erschüttert - trotz aller Mängel und diözesaner “Zensur” in der Datenauswahl, die das Bild eher noch netter erscheinen lassen - zeigt in meinen Augen trotz aller bischöflichen Schambekundungen, wie falsch das klerikale Kirchenbild immer noch ist.

Es wird immer noch von “der Kirche” als Täter gesprochen.

Nie von “der Kirche” als Opfer.

Immer noch gelten Kleriker als “kirchlicher” als der ebenso getaufte Laie. Kleriker haben Getaufte mißbraucht, zu Tausenden. Da kann das letzte Ökumenische Konzil hundert Mal sagen, daß die Würde von Klerikern wie Laien gleich wäre - wenn’s drauf ankommt, sieht’s komplett anders aus.

Womöglich ist das den Bischöfen überhaupt nicht klar, wie sie reden. “Die Kirche” habe gesündigt etc.

Daß “die Kirche” mißbraucht wurde, habe ich bislang aus bischöflichem Mund nicht gehört. Ent-täuschend. Eine Täuschung wurde offenbart. Irgendwie auch erhellend.


Sprachlos

Tuesday, 11. September 2018

Laut Papst Franziskus sind alle, die es wichtig finden, daß eine bischöfliche Vertuschung von Mißbräuchen aufgeklärt wird, Mitarbeiter des Satans, der die Sünden der Bischöfe offenlegen wolle.

Es ist gut, wenn er sich dessen entsinnt, in diesen Zeiten, in denen es den Anschein hat, dass der ‚Große Ankläger’ losgelassen wurde und gegen die Bischöfe vorgeht. Und richtig, sie sind da, wir alle sind Sünder, wir Bischöfe. Er versucht, die Sünden offenzulegen, damit sie gesehen werden, um dem Volk Ärgernis zu bieten.

(Quelle)

(Irgendwie hoffe ich, daß das schlecht übersetzt ist. Ich befürchte aber, daß er das wirklich so meint.)


Liber Gomorrhianus

Friday, 17. August 2018

Es ist rund tausend Jahre her, da schrieb ein Mann einen Brief an den Papst und zeigte detailliert auf, welches sexuelle Fehlverhalten ein großer Teil des Klerus an den Tag legte (dies war weit verbreitet). Dieser Mann war Mönch, später heiligggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben und hieß Petrus Damiani.

Sein Brief wurde bekannt unter dem Namen “Buch von Gomorrah” und wurde bis heute nicht ins Deutsche übersetzt!

Als Brief Nr. 31 läßt er sich hier auf Latein nachlesen.

Den miserablen Bischöfen und anderen Leitern der Kirche schrieb er folgendes ins Stammbuch (es gibt nur eine engl. Übersetzung):

Listen, you do-nothing superiors of clerics and priests. Listen, and even though you feel sure of yourselves, tremble at the thought that you are partners in the guilt of others; those, I mean, who wink at the sins of their subjects that need correction and who by ill-considered silence allow them license to sin. Listen, I say, and be shrewd enough to understand that all of you alike are deserving of death, that is, not only those who do such things, but also they who approve those who practice them.

Verständlich, daß Bischöfe mehrheitlich nicht zu denen gehören, die das Gericht Gottes als etwas fürchtenswertes darstellen. Wenn sie sich da mal nicht irren.

Heiliger Petrus Damiani, bitte für uns.


Wo bleibt eigentlich die Schuld, wenn sie vergeben ist?

Thursday, 07. June 2018

Und noch vieles mehr, von einer meiner Lieblings-Philosophinnen: