Ach ja …
Ich war mir nicht sicher, ob ich über diese “Schlusserklärung” nicht doch lieber den verschämten Mantel des Schweigens werfen sollte, doch irgendwie ist sie auch eine Selbstoffenbarung der besonderen Art.
Die dt. katholische gutbürgerliche Theologie, international zunehmend irrelevant, feiert mal wieder sich selbst und ihr abstruses Bild von dem, was sie als Kirche sehen.
Die wissenschaftliche Theologie als Lehramt neben den Bischöfen. Aha.
Mission bestehe aus Diakonie und Caritas, aus Verkündigung explizit nicht. Soso.
Es werden Worthülsen wie
Wir stehen dafür ein, die Unentbehrlichkeit religiöser Sinn-Ressourcen für den zivilgesellschaftlichen Diskurs aufzuzeigen und eine religiöse Bildung zu fördern, die der Beantwortung der Sinnfrage in der freien Gesellschaft dient, ohne vereinnahmen zu wollen
produziert (passend zur Anti-Mission)
und wird andererseits Blödsinn wie
Die gemeinsame Schlusserklärung wurde am 7. Dezember 2015 verabschiedet. Fünfzig Jahre zuvor wurde die gegenseitige Exkommunikation zwischen Ost und West dem Vergessen anheimgestellt.
geschrieben (Hinweis: die Westkirche und die Ostkirche haben sich gegenseitig nie exkommuniziert, aber was stören schon Fakten!).
Tja, Leute, wer von Euch macht das wohlsituierte Licht aus?
Aber was soll’s. Es werden weiter Menschen vor dem Allerheiligsten knien, das Mysterium würdig gefeierter Liturgie anbetend mitvollziehen, im Nächsten Christus sehen und es auch sagen(!), ihren Kindern von der Freude des Christseins in der weltweiten Kirche Jesu erzählen, die großen treuen Theologen der gesamten Kirchengeschichte lesen, die Biographien der Heiligen studieren und zum Vorbild nehmen, die ewige Jungfrau und Gottesmutter Maria als ihre Mutter um Hilfe bitten, weiterhin all das für wahr halten, was die Gemeinschaft der Kirche über alle Generationen als wahr lehrte …
… während C4-Professoren gekränkt darüber trauern, daß sie trotz all ihrer Schlauheit nicht mitregieren dürfen.





Der Beitragstitel bezieht sich nicht auf meine Bewertung dieses Buches - ich finde es sehr gut und auf alle Fälle empfehlenswert. Die wichtigsten Mystiker des katholischen Abendlandes werden vorgestellt - allerdings auch nur diese. Die Ostkirchen, deren mystische Tradition deutlicher größer ist als im Westen, werden komplett ausgespart, Protestanten erscheinen ebenfalls nicht.
Jahrelang habe ich mich durch dieses Buch gekämpft. Es war ein extrem lohnender und gewinnbringender Kampf, keine Frage, aber sicher kein leichter Ritt. Das kann man nicht einfach so durchblättern. Angefangen von der extrem spannenden Darstellung des philosophischen und theologischen Umganges mit Lüge und Wahrheit im christlichen Abendland (da hätte mich - aber nicht des Autors Fach - auch eine Darstellung des Judentums und des Islam interessiert!) über die ganzen Konsequenzen der verschiedenen Herangehensweisen und ihrer praktischen Umsetzung in den Medien, in der Kunst, der Politik, der Medizin etc. - jedem wird sofort klar sein, daß das ein stets und immer brandaktuelles Thema ist.
Natürlich wird dieses Buch nicht allen gefallen. Es ist nicht hochwissenschaftlich, sondern stellt persönliche Eindrücke dar. Manche Fakten können falsch sein, manche Einschätzungen zur Kunst irrig. Doch ich habe die Stunden damit genossen. Wie jemand, der explizit nicht Christ ist, so natürlich positiv über das Wesen bspw. der christlichen Liturgie (hier anhand der byzantinischen Liturgie) schreiben kann, wer so positiv die Essenz christlicher Liebe (die eben weit über die Grenzen der eigenen Gemeinschaft hinausgeht) erfassen und beschreiben kann, dessen Bildmediationen kann man auch mit großem Gewinn lesen. Es ist für mich das bislang schönste Buch des Jahres.