Von ein bißchen außerhalb betrachtet

Thursday, 18. February 2016

Die Professoren Schockenhoff (den ich als Moraltheologen sehr schätze) und Striet (von dem ich ehrlicherweise noch nichts gelesen habe), werden diesen unbedeutenden Blog kaum lesen. Aber dennoch möchte ich etwas zu ihrer Replik auf die Kritik von Bischof Rudolf Vorderholzer aus Regensburg sagen.

Dabei sehe ich das aus der Brille desjenigen, der sich nicht selten (allein schon aus Gründen der Fortbildung) mit der medizinsichen Wissenschaft und ihrem Betrieb beschäftigt. Auch wenn es sich da um eine naturwissenschaftliche Richtung handelt, vermute ich mal, sind die “gruppendynamischen” Prozesse vergleichbar.

Zuerst zu der Stellungnahme von Prof. Schockenhoff. Einige wichtige Aussagen fielen mir gleich ins Auge:

Ebenso wie in anderen Disziplinen wird auch in der Theologie manches Schrille, Wichtigtuerische und Unsinnige geäußert, das niemand vermisst hätte, wenn es ungesagt geblieben wäre. Doch bedürfen derartige unüberlegte Wortmeldungen keiner Intervention des Magisteriums in den Prozess der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, da sie durch diese selbst korrigiert werden.

Diese Aussage erinnert mich an das Mantra der Marktradikalen - misch Dich nicht ein, der Markt (hier = “die wissenschaftliche Auseinandersetzung”) regelt das von allein - so als gäbe es dort ein Naturgesetz, daß sich die Wahrheit quasi rausmendelt (der Herr Mendel dürfte biologisch Interessierten noch aus der Schulzeit vertraut sein). Das ist natürlich Unsinn. Ebensowenig wie es den von Habermas ja so oft gewünschten und dennoch unerreichten herrschaftsfreien Diskurs gibt - auch und gerade nicht in der Wissenschaft jeglichen Faches - gibt es auch keine von Beweggründen wie Eitelkeit, Anpassung, Angst, Streben nach Anerkennung, Besitzstandswahrung etc. komplett freie Wissenschaftsgruppen. In der Medizin fallen mir gleich einige Beispiele ein, wie schwer es Außenseiter trotz aller Daten hatten. Und in der Geisteswissenschaft gibt es manchmal keine sicheren “Daten”, sondern mehr oder weniger überzeugende Argumentationen.

Es ist ein Erfordernis intellektueller Redlichkeit, dem jeder in der Kirche verpflichtet ist, sich mit unzureichenden Antworten nicht zufriedenzugeben und ungelöste Probleme nicht zu verdrängen. Daher kann es zum Dienst der Theologie an der Glaubensgemeinschaft der Kirche gehören, dass sie sich dem Totschweigen ungelöster Probleme entgegenstellt.

Wer definiert das Problem als solches? Ist etwa die Unmöglichkeit der Frauenordination ein theologiewissenschaftliches Problem oder nicht vielmehr ein sozio-psychologisches? Wäre es nicht die Aufgabe der Theologie, bspw. diese Unmöglichkeit theologisch redlich und verständlich zu erklären - was ja auch manche Theologen tun, die aber natürlich nicht zur Gruppe von Schockenhoff/Striet gehören? Oder ist es nicht Aufgabe der Wissenschaft zu erklären?

Es widerspricht keineswegs der geforderten Loyalität gegenüber dem kirchlichen Lehramt, nach den Gründen zu fragen, warum einzelne die Lebensführung der Gläubigen betreffende Lehrmeinungen (etwa bezüglich der künstlichen Empfängnisregelung, der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften oder der Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten) in breiten Kreisen des Volkes Gottes nicht rezipiert werden.

Wie wäre es, wenn man in der Klammer auch die gelebte Nächstenliebe, Verleugnung des Selbst, Ablehnen des Gottes Geld etc. aufführen würde? Auch hier gibt es eine deutlich gelebte Diskrepanz zwischen Lehramt und Gottesvolk. Was heißt das? Soll die Kirche das jetzt gutheißen?

Nun zu Professor Striet:

Wer sich in seinem religiösen Selbsterleben noch nicht darauf beschränkt, einer narzisstischen Wellness-Spiritualität alltägliche Opfer zu bringen, verbindet sein Katholischsein mit sozialem oder auch politischem Engagement und beruft sich auf das Zweite Vatikanische Konzil.

Gerade ist ja auch das Jahr des geweihten Lebens zu Ende gegangen. Ich frage mich, wie Prof. Striet deren Existenzberechtigung, insbesondere der strikt kontemplativen Orden, mit diesem Satz im Hinterkopf so zu beschreiben vermag…

Als Musterbeispiele einer solchen Theologenexistenz werden dann die ehemaligen Theologieprofessoren Joseph Ratzinger und Gottlieb Söhngen, der theologische Ziehvater Ratzingers, genannt. Von Letzterem werde sogar berichtet, er sei zwar aus traditionshistorischen Gründen gegen die Dogmatisierung der Leiblichen Auferstehung Mariens in den Himmel gewesen, habe aber bereits in deren Vorfeld erklärt, er werde sich, falls es dazu komme, der »Weisheit der Kirche« und deren »Glauben« beugen. Denn was sei dagegen die »Weisheit eines kleinen Professors«.
Moralisieren sollte man nicht vorschnell, jede und jeder ist Kind seiner Zeit. Aber Bischof Voderholzer sollte wissen, dass eine solche Gehorsamshaltung dem Zeitgeist der damaligen Zeit völlig entsprach und nichts Besonderes war.

Und diese Haltung sollte bis heute nichts Besonderes unter Katholiken sein. Es mag hierzulande nahezu 80 Mio. Fußballbundestrainer geben (nicht alle interessieren sich ja für Fußball), aber unter den fast 27 Mio. Katholiken hoffentlich nicht fast 27 Mio. Päpste, die über ihr eigenes Wahrheitsgerüst für sich abstimmen. Der Unterschied zwischen, wie es Professor Striet nennt, “Glaubensfreiheit” und Glaubenswillkür ist alles andere als klar in seiner Stellungnahme.

Und nicht zuletzt das folgende Zitat, das auch den gegenüber Prof. Schockenhoff in meine Augen deutlich überheblicheren Ton noch einmal darlegt:

Aber wenn Bischof Voderholzer unmittelbar nachdem er auf die brutale, menschenverachtende Unterdrückung der Religionsfreiheit und anderer in Nordkorea zu sprechen kommt, fragt, warum man sich nicht hierzu geäußert habe, und dann mutmaßt, das Thema Glaubensfreiheit sei wohl auf Fragen wie die der Ehelehre gemünzt, er bezogen auf diese die Forderung »Liberalisierung« wittert und eine solche Liberalisierung als Verhöhnung aller begreift, die wie der heilige Johannes der Täufer und der heilige Thomas Morus »gerade auch für das christliche Ehe-ideal den Märtyrertod auf sich genommen« hätten, dann wünschte ich mir doch eine ruhigere, akademisch gesättigte Unterscheidungsfähigkeit. In der »Tagespost« mögen solche Bezüge überzeugen. In einer Wissensgesellschaft lösen sie Kopfschütteln aus. Agierte die Theologie an Fakultäten im staatlichen Wissenschaftssystem so, würde dies ihr Aus bedeuten.

Es stimmt, Martyrium bis in den Tod und “ruhige akademisch gesättigte [sic!] Unterscheidungsfähigkeit” vertragen sich nicht so gut. Nun ist ja bekanntlich nicht das Blut der akademisch gesättigten Professoren , sondern das der Märtyrer der Samen der Kirche (Tertullian im 2. Jahrhundert). Daher ist das Kopfschütteln durchaus als Kompliment zu werten. Und das Entscheidende für die Bedeutung der Katholischen Theologie ist auch nicht ihre Tätigkeit im “staatlichen Wissenschaftssystem” oder ihr Ansehen darin, denn das ist nichts anderes als Eitelkeit, sondern der Dienst an der Einen Wahrheit, die Person ist.

Peter Winnemöller fragt und schreibt dazu:

Allein die Vorstellung, Wissenschaft könne ein Lehramt ausbilden, muß jedem Wissenschaftstheoretiker einen Schauder des Grusels über die Rücken jagen. Könnte es eine orthodoxe Physik geben? Könnte es ein Lehramt der Wirtschaftswissenschaften geben? Es erscheint unerklärlich, wie ausgerechnet Theologen auf eine solche Idee kommen können. Es zeichnet ein geradezu jämmerliches Bild von Wissenschaftlern, sich nur noch im eigenen Elfenbeinturm hinterfragen lassen zu wollen.

Und genau hier muß ich ihm widersprechen. Es ist sehr gut erklärlich. Genauso erlebe ich wissenschaftliches Leben. Natürlich gibt es eine orthodoxe Physik, wie auch eine orthodoxe Medizin. Die Peer Reviews der bedeutenden Journals entscheiden, was als veröffentlichungswürdig und damit als “neue Erkenntnis” publiziert werden darf und was nicht. Dabei gibt es sehr strenge Reglementarien und auch unausgesprochene Axiome. Als bspw. Stanley Prusiner die Prionen entdeckte, verstieß er gegen das Axiom, daß Strukturinformationen eines biologischen Körpers auch ohne RNA oder DNA übermittelt werden kann - jahrelang war er nicht anerkannter Außenseiter seiner Zunft. Ich habe persönlich Professoren kennengelernt, die selbst nach seinem Nobelpreis der These noch nicht trauten.
Und ich habe in der Medizin auch hervorragende Ärzte kennengelernt, die ihre Behandlungserfolge, die auf unorthodoxen(!) Vorgehensweisen beruhten (auch wenn sie gut zu erklären waren) nicht anständig publizieren konnten, sie wurden ständig abgelehnt.

Doch selbst das ist noch nicht einmal das Hauptproblem. Ich kenne die wichtigsten katholischen theologischen Journals nicht und weiß daher auch nicht, ob überhaupt die dt. Stimme da eine Rolle spielt (natürlich in der Wissenschaftssprache Englisch publiziert). Das Hauptproblem sind nicht die publizierten Arbeiten, sondern der Umstand, daß die Professoren ihre Erkenntnis für “die” Erkenntnis halten - das Problem ist die Lehre! Sie lehren nicht beides gleichwertig und gleichberechtigt und unvoreingenommen: ihre Meinung und die der Kirche, wenn sie davon abweichen. Die Kirche wird als Stimme im dtsprachigen Raum (das ist anderswo ganz anders!) gar nicht mehr als wissenschaftlich relevant wahrgenommen! Es stellt sich hier schon die Frage, inwiefern das System der staatl. katholischen Fakultäten da der Kirche noch einen Dienst tut (denn das sollen sie!). Soweit ich weiß, hat der verstorbene Pariser Erzbischof und Kardinal Lustiger ja genau aufgrund dieser Frage das Theologiestudium für Priesteramtsanwärter auch komplett ans Priesterseminar verfrachtet. Übrigens erntet das Erzbistum Paris jetzt auch Früchte (vielleicht auch deswegen) - auch wenn es dt. Professoren nicht gefallen mag.


Realitätscheck

Tuesday, 09. February 2016

Gestern hatte ich ein erhellendes Erlebnis:

während des Mittagessens in der Kantine sprachen wir in einer Gruppe über das schlechte Wetter und die abgesagten Rosenmontagsumzüge (ich arbeite in einer Stadt ohne große Karnevalstradition). Da meinte eine Teilnehmerin des Gespräches, Akademikerin und Führungskraft sinngemäß: wie kann man auch den Karneval in den Februar legen und sich dann über das Wetter beschweren.

Es war ihr absolut unbekannt, daß Karneval was mit Fastenzeit zu tun hat, daß dieses wiederum mit Ostern zu tun hat und Ostern nun einmal ein beweglicher Feiertag ist. Sie sei nicht religiös und habe damit nichts am Hut. Außerdem sei das, da wurde ihr von anderen assistiert, ja alles nur menschliche Konvention. Interessanterweise waren unter den Befürwortern dieses Standpunktes auch eingefleischte Fußballfans, deren menschliche Konventionen (=Fußball-Regeln) allerdings sakrosankt sind…

Stimmt, diese Konvention hat 1700 Jahre Geschichte auf dem Buckel und wird von 2 Mrd. Menschen so gehandhabt. Und daß Nichtglauben ein Rechtfertigung für Nichtwissen ist, habe ich auch nie verstanden. Immerhin gehören noch rund 50 Mio. Landsleute einer christlichen Gemeinschaft an und irgendwie war das ganze doch arg kulturprägend (von der Jahreszählung mal ganz abgesehen). Nein, man muß nicht wissen, daß Ostern immer der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvolllmond ist, aber daß Karneval irgendwie mit Fastenzeit und dieses mit Ostern zusammenhängen könnte - tut mir Leid, für mich ist das Allgemeinbildung im europ. Kulturraum (wie auch Grundwissen über das Judentum und den Islam).

Es war alles in allem sehr erhellend: natürlich wußte ich irgendwie, daß auch nur das kleinste Einmaleins des christlichen Wissens kaum noch da ist - aber es ist ein doch dann überraschender Realitätscheck, dieses mal so ganz unerwartet präsentiert zu bekommen.


Platin-Regel

Thursday, 04. February 2016

Die Goldene Regel ist ja bekannt:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

Doch besser ist die Platin Regel:

Behandle andere so, wie sie selbst behandelt werden wollen.

(Quelle)


Wer so alles katholisch spricht

Wednesday, 03. February 2016

Im 21. Jahrhundert sind auch manche überzeugte Kommunisten hier zitierfähig:

Es gibt nicht einfach verschiedene Wissensformen – das wissenschaftliche, das magische, das gesellschaftliche Wissen usw. Nein, es gibt wahres und falsches Wissen. Es gibt nicht einfach verschiedene Kunstformen – es gibt Kunst und Nichtkunst. Es gibt nicht einfach verschiedene Formen des Managements und der Administration – es gibt gute und falsche Politiken. Es gibt nicht einfach verschiedene sexuelle Praktiken – es gibt Liebe und Sex. Wir müssen wieder lernen, hart zu argumentieren – auf die Gefahr hin, Menschen weh zu tun. Ihre Betroffenheit, ihr Schmerz ist kein Maßstab für die Wahrheit. Und an ihr sollten wir uns trotz allem orientieren. Nur so gelangen wir zu einem Universalismus, der die Menschheit voranbringt.


Gelangweilt

Monday, 01. February 2016

Ich weiß nicht, ob es zu merken war in meinem letzten Beitrag: mich langweilt das alles zunehmend. Mich langweilt Kirchenpolitik. Mich langweilen die Kämpfe, unterstützt durch schlechte kirchliche Medien, die es nicht schaffen, auch mal 5 Minuten zu recherchieren. Mich langweilt das Durchsetzen von Agenden unterschiedlichster Art.

Gott dagegen ist hochspannend, Seine Hl. Schrift, Seine Heiligen, Sein Anspruch “Seid vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist”, unter den die Kirche nie verkünden wird.

Das ist alles wichtig, der Rest ist dagegen Kirchenklatsch.

Natürlich ist es schade, daß eine der reichsten Nationen der Welt mit einigen der reichsten Ortskirchen der Welt es nicht gebacken bekommt, anständige kirchliche Medien aufzubauen, die einfach nur das sagen, was die Kirche lehrt und zwar so, daß es der Normalo auch versteht. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja nicht gewollt (keine Sorge, ich rutsche nicht in den Kirchenklatsch ab). Es ist eben so, ich habe da wenig Einfluß. Mein Minizeugnis in meinem Leben, schon so schlecht genug, ist mein Teil - und meine Aufgabe, die niemand sonst erfüllen kann.


Wo bleibt das Popcorn?

Friday, 29. January 2016

Das wird noch spaßig.

Die Schweizer haben einen neuen Vertreter des Papstes, einen neuen Nuntius bekommen. Ein Amerikaner. Wer die Entwicklung der katholischen Kirche in den USA ein wenig verfolgt, wird sich nicht wundern, daß es sich um jemanden handelt, der das Eigene am Katholischen sehr akzentuiert. In den USA gibt es so viele stabile christliche Glaubensrichtungen, daß sich jeder was anderes in der Nähe aussuchen kann, wenn ihm das Katholische nicht paßt. Außerdem liegt “competitiveness” den Amis eh im Blut, damit wachsen sie auf. Jemanden von der eigenen religiösen Ansicht überzeugen zu wollen, ist dort alles andere als verpönt. Und daß Katholiken zu Rom stehen ebensowenig.

Und dann so einen zu den Schweizern - da darf sogar die KNA nicht schweigen und muß ihn erst einmal wahrheitswidrig verunglimpfen (er hat die Deutsche Bischofskonferenz natürlich nicht als häretisch bezeichnet!). Ja, das wird noch interessant.

[Nachtrag: sehe gerade, war nicht die KNA, von der der Artikel stammt, sondern das domradio in der Einleitung zum Artikel. Die Behauptung ist mit einem Fragezeichen versehen und wird nicht widerlegt - so etwas ist einfach mieser Journalismus. Die unwahre Behauptung geht ja auch nur gegen einen Bischof, deswegen hat das bei domradio schon Tradition.]

Irgendwie paßt es ja 100% ins Vorurteil, wenn manch ein Schweizer meint, aus Geldgründen besonders wichtig zu sein und deswegen mitbestimmen zu wollen, wer den Papst bei ihnen vertritt. Wenn man Papst Franziskus glauben kann, wird ihn das aber weniger interessieren als der berühmte Sack Reis.

Neenee, die Schweizer Katholiken und romtreu - da wird eher noch der Kölner Dom fertig! Aber was das heißt, weiß der fromme Rheinländer natürlich. Daher dürfen wir uns bestimmt noch auf lustige Kirchen-Episoden bei den Eidgenossen freuen.


Ach ja …

Saturday, 23. January 2016

Ich war mir nicht sicher, ob ich über diese “Schlusserklärung” nicht doch lieber den verschämten Mantel des Schweigens werfen sollte, doch irgendwie ist sie auch eine Selbstoffenbarung der besonderen Art.

Die dt. katholische gutbürgerliche Theologie, international zunehmend irrelevant, feiert mal wieder sich selbst und ihr abstruses Bild von dem, was sie als Kirche sehen.

Die wissenschaftliche Theologie als Lehramt neben den Bischöfen. Aha.

Mission bestehe aus Diakonie und Caritas, aus Verkündigung explizit nicht. Soso.

Es werden Worthülsen wie

Wir stehen dafür ein, die Unentbehrlichkeit religiöser Sinn-Ressourcen für den zivilgesellschaftlichen Diskurs aufzuzeigen und eine religiöse Bildung zu fördern, die der Beantwortung der Sinnfrage in der freien Gesellschaft dient, ohne vereinnahmen zu wollen

produziert (passend zur Anti-Mission)

und wird andererseits Blödsinn wie

Die gemeinsame Schlusserklärung wurde am 7. Dezember 2015 verabschiedet. Fünfzig Jahre zuvor wurde die gegenseitige Exkommunikation zwischen Ost und West dem Vergessen anheimgestellt.

geschrieben (Hinweis: die Westkirche und die Ostkirche haben sich gegenseitig nie exkommuniziert, aber was stören schon Fakten!).

Tja, Leute, wer von Euch macht das wohlsituierte Licht aus?

Aber was soll’s. Es werden weiter Menschen vor dem Allerheiligsten knien, das Mysterium würdig gefeierter Liturgie anbetend mitvollziehen, im Nächsten Christus sehen und es auch sagen(!), ihren Kindern von der Freude des Christseins in der weltweiten Kirche Jesu erzählen, die großen treuen Theologen der gesamten Kirchengeschichte lesen, die Biographien der Heiligen studieren und zum Vorbild nehmen, die ewige Jungfrau und Gottesmutter Maria als ihre Mutter um Hilfe bitten, weiterhin all das für wahr halten, was die Gemeinschaft der Kirche über alle Generationen als wahr lehrte …

… während C4-Professoren gekränkt darüber trauern, daß sie trotz all ihrer Schlauheit nicht mitregieren dürfen.


Widersprüchlich

Sunday, 17. January 2016

Der Beitragstitel bezieht sich nicht auf meine Bewertung dieses Buches - ich finde es sehr gut und auf alle Fälle empfehlenswert. Die wichtigsten Mystiker des katholischen Abendlandes werden vorgestellt - allerdings auch nur diese. Die Ostkirchen, deren mystische Tradition deutlicher größer ist als im Westen, werden komplett ausgespart, Protestanten erscheinen ebenfalls nicht.
Dennoch gibt es gerade für Katholiken eine gut lesbare und interessante Übersicht, die Lust auf mehr macht. Jede vorgestellte Persönlichkeit wird auch in ihren Zitaten kurz vorgestellt, in meinen Augen manches Mal zu knapp für einen guten Eindruck.
Großen Wert scheint der Autor auf etwas zu legen, was mir widersprüchlich erscheint - eine mystische Orthodoxie im Sinne einer Rechtgläubigkeit der mystischen Erfahrung. Die mystische Theologie ist der stammelnde Versuch, intensive Gotteserfahrung zu artikulieren. Dabei gibt es in den Augen des Autors offensichtlich eine Art “Mainstream”, die manche Erfahrungen für nicht christlich deklariert. Interessanterweise fallen darunter die Behauptungen von Meister Eckhart aus dem 13. Jahrhundert, dem bekanntesten dt. Mystiker, nachdem wir schon hier im irdischen Leben Gott in seiner Wesenheit unverhüllt erkennen können und manche Meinung der mir zuvor unbekannten Marguerite Porète, einer Zeitgenössin Eckharts, die ähnliches postulierte.
Ich bin mit dem Autor der Meinung, daß es auch Irrwege der Mystiker geben kann - dafür haben wir ja die Korrektur durch die Kirche, die ich für eminent wichtig halte, damit aus manchen Theologen und interessierten Laien keine Gnostiker werden, die meinen, es eben mehr als andere “durchblickt” zu haben - doch ist das ganze in der Mystik nicht einfach in Schubladen zu stecken. Problematisch wird es aber immer dann, wenn mystische Erfahrungen in Worte gepackt werden und die Person versucht, diese höchst individuelle Erfahrung zu verallgemeinern.
Daher: ich verstehe das Anliegen des Autors, teile es auch, finde aber die Wortwahl manchmal etwas zu herb (auch bzgl. esoterischer “Angebote”). Das Anliegen des Buches aber, die Vorstellung herausragender Mystiker, wird voll erreicht.


Gesagt

Monday, 11. January 2016

That’s the shock: All clichés are true. The years really do speed by. Life really is as short as they tell you it is. And there really is a God–so do I buy that one? If all the other clichés are true… Hell, don’t pose me that one.

Requiescat in pacem, David Robert Jones, “David Bowie”


Segen

Friday, 01. January 2016

Allen Lesern dieses unbedeutenden Blogs wünsche ich am Ende der Weihnachtsoktav der Geburt unseres Herrn ein gesegnetes Jahr 2016! Dass Sein Wille geschehe!


Katholische Weltsicht One-O-One

Monday, 28. December 2015

In amerik. Universitäten entstanden Einführungskurse mit der Bezeichnung “101″ (sprich one-o-one) - und diese Bezeichnung hat sich durchgestezt im angelsächsichen raum, wenn es darum geht, in ein Fach einzuführen. bei uns hieße das vielleicht nur leicht sperriger :-) “Propädeutik”.

Nun, der Catholic Relief Service hat eine sehr sehenswerte Reihe über die im reichen Westen doch arg geschmähte Katholische Soziallehre veröffentlicht. Hier die bislang drei veröffentlichten Folgen (von sieben geplanten):


Bitter

Saturday, 26. December 2015

Es ist schlimm, daß so etwas in der arabischen Welt immer noch an der Tagesordnung ist (denn der arabisch geprägte Islam ist ein anderer als bspw. der in Indonesien oder Schwarzafrika). Ich habe selbst in Spanien während meines Auslandsjahres dort marokkanische Konvertiten kennengelernt (rund 15 Jahre her) - es ist so wie im Artikel beschrieben.
Aber es ist auch gut, daß dieser seit langem bekannte Umstand auch in der recht normalen Presse erscheint.


3,15

Wednesday, 23. December 2015

Ich weiß nicht, ob es schon jemand anderem vor mir aufgefallen ist - denn ist erscheint mir so offensichtlich.

Die Bibel, die Hl. Schrift, ist ein riesiges Werk. In ihr den Überblick zu behalten, ist wirklich schwierig, besonders für Anfänger. Und es gibt so viele Gemeinschaften, die ihre Interpretation für korrekt halten, was stimmt?

Meine Empfehlung: 3,15. In diesen Versen findet man das Kompendium des Glaubens.

Wem soll ich glauben?

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Hauswesen Gottes verhalten muss, das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist. (1. Tim. 3,15)

Wie soll ich glauben?

denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst. (2. Tim. 3,15)

Und was und warum konkret?

Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen. (Apg 3,15)

damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. (Joh 3,15)

Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; (2. Petr 3,15)

Und wie soll ich leben?

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! (Kol 3,15)

sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; (1. Petr 3,15)

Und es gilt immer daran zu denken:

Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder und ihr wisst: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt. (1. Joh 3,15)


Ehrlich

Thursday, 10. December 2015

I didn’t become a religious because I’m strong, I became a religious because I’m weak.

Was zuerst vielleicht wie ein understatement klingt, hat sehr großen Wahrheitsgehalt (gehört habe ich es in diesem interessanten Video - noch ein franziskanischer Reformorden, der in den USA entstanden ist. Wo Unternehmen in Garagen entstehen können, können auch Ordensgemeinschaften wirklich arm franziskanisch leben).

Was hat es mit diesem Zitat auf sich?

Ich schrieb kürzlich erst darüber - Ziel christlichen Lebens ist das Erreichen dessen im eigenen Leben, was der Dreifaltige für uns am besten findet - das ist die Langversion für das Wort “Heiligkeit”. Und auch wenn heutzutage das Individuum glücklicherweise den Stellenwert genießt, den es als Ebenbild Gottes schon immer verdient hat, sollte sich jeder auch der eigene Schwächen bewußt sein.
Nun kann man immer versuchen, gegen diese Schwächen anzukämpfen - mit freiwillig(!) akzeptierten Vorgaben, bspw. eine Ordensregel und die Ordensdisziplin - gelingt das aber viel einfacher. Da das Ziel das Ziel ist und der Weg dahin nicht von Eitelkeit gepflastert sein wollte, wäre es falsch zu meinen, es hätte zusätzlichen Wert, alles allein zu schaffen. Der Kampf alleine ist auch okay, aber niemand solle sich einbilden, er habe dadurch größere Verdienste erworben.

Der zahlenäßige Niedergang der gelebten Ordensberufungen hat meines Erachtens auch zutiefst mit dem überall - auch in mir - eingewurzelten Leistungsdenken zu tun. Ich habe es selbst miterleben dürfen: das Ordensleben in einer größeren Gemeinschaft bietet unglaublich viel Freiheit, die ein “normales” Leben nicht bietet (so gibt es bspw. eine tolle Arbeitsteilung - was ein Paar zu zweit stemmen muß, vollbringen vielleicht 20 Brüder oder Schwestern gemeinsam). Nicht jeder muß alles können, aber alle zusammen bekommen es hin. Ich gestehe mir dann ein, daß ich nicht alles kann.

Heutzutage zu behaupten, daß es nicht das höchste Ziel sei “auf eigenen Füßen zu stehen”, ist so ziemlich der größte Angriff auf die wichtigsten zeitgenössischen Werte der Mehrheitsgesellschaft - noch viel mehr als alles, was einem sonst in den Sinn kommt.

Unabhängigkeit ist nicht das höchste Ziel, Heiligkeit ist es. Wer es allein schafft (=Gnade), wer es in der Familie schafft (=Gnade), wer es als Einsiedler schafft (=Gnade), wunderbar. Wer es in der Gemeinschaft eines Ordens oder einer Geistlichen Laien-Gemeinschaft schafft - ebenso Gnade. Die gleiche, nicht mehr, nicht weniger.


Konstruktiv

Friday, 04. December 2015

Hier hatte ich den offenen Brief erwähnt, den Ordensobere, die in Bayern ansässig sind, dem dortigen Ministerpräsidenten geschrieben hatten. Ich war sehr erfreut heute zu lesen, daß es ein immerhin 2stündiges Gespräch zwischen einigen dieser Oberen und dem Ministerpräsidenten gegeben habe. Dieses sei aus Sicht der Ordensleute auch konstruktiv und in guter Atmosphäre verlaufen.
Die Stimme zu erheben lohnt sich.


Unscheinbar

Tuesday, 01. December 2015

Erst einmal eine Frohes Neues Kirchenjahr nachträglich!

Und mit diesem neuen Kirchenjahr beginnt der Lesezyklus des Lukas-Evangeliums, ebenso wie das des Markus im Jahr zuvor ein wunderschönes Evangelium.
Das Evangelium nach Markus war für mich viele jahre lang irgendwie das Unwichtigste. Ich dachte: das, was da drinsteht, steht auch woanders drin (also bei Matthäus und eben Lukas) und irgendwie ist es arg kurz, beginnt und endet ziemlich abrupt.

Erst nach und nach habe ich es schätzen gelernt - nicht wegen seines inhaltlich anderen Schwerpunktes, sondern weil es die Geschichten aus Jesu Erdenleben, die es berichtet, nicht selten einfach facettenreicher und schöner darstellt.
Meine Lieblingsgeschichte ist der der blütflüssigen Frau, die Jesus heilt.

Hier zum Vergleich, der Text des Lukas (Kapitel 8):

43 Darunter war eine Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen litt und bisher von niemand geheilt werden konnte.
44 Sie drängte sich von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. Im gleichen Augenblick kam die Blutung zum Stillstand.
45 Da fragte Jesus: Wer hat mich berührt? Als alle es abstritten, sagten Petrus und seine Gefährten: Meister, die Leute drängen sich doch von allen Seiten um dich und erdrücken dich fast.
46 Jesus erwiderte: Es hat mich jemand berührt; denn ich fühlte, wie eine Kraft von mir ausströmte.
47 Als die Frau merkte, dass sie es nicht verheimlichen konnte, kam sie zitternd zu ihm, fiel vor ihm nieder und erzählte vor allen Leuten, warum sie ihn berührt hatte und wie sie durch die Berührung sofort gesund geworden war.
48 Da sagte er zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Und hier die Version des Markus aus Kapitel 5:

25 Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.
26 Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
27 Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.
28 Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
29 Sofort hörte die Blutung auf und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
30 Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
31 Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?
32 Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
33 Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
34 Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

Der Text suggeriert, daß Markus selbst noch mit der Frau gesprochen hat, Lukas dagegen nicht (ich glaube nicht, daß er einfach vom ihm bekannten Markus-Text das für ihn “Unwichtige” weggelassen hat).

Ihr ganzes Vermögen hatte sie für Ärzte ausgegeben, die ihr doch nicht geholfen haben. Das geht bis heute so - mit Leid kann man viel Geld machen. Milliardengroß ist der Markt der nicht überprüften Heilmethoden, und nicht weniges davon wird von selbsternannten “Erlösern” angepriesen, denn genau ihre Methode helfe gegen so arg viel!

Und sie hatte von Jesus gehört. Bloß gehört. Sie kannte ihn nicht, hatte Ihn nicht erlebt. Doch sie war überzeugt, daß dieser Jesus sie heilen könnte.
Ob wir es schaffen, anderen so von Jesus zu erzählen, daß sie so einen starken Glauben entwickeln, um ihr Heil zu erfahren?

Wie reden wir von Jesus, besonders auch in diesen Tag der freudigen Erwartung? Bezeugen wir Seine heilende Kraft? Glauben wir überhaupt noch daran, geprägt von einer utilitaristisch-rationalen Welt? Und zwar nicht nur für andere, sondern auch für uns selbst, daß Jesus Dich und mich heilen kann, selbst wenn wir nur Sein Gewand berühren?


Sinnfrage

Thursday, 26. November 2015

Wofür ist die Lehre der Katholischen Kirche da?

Um die Menschen zu ärgern mit ihrem blöden und hochstehenden Anspruch?

Dieser Eindruck konnte mal wieder entstehen, als diese Lehre einmal mehr im Rahmen der Bischofssynode durch den säkularen medialen Kakao gezogen wurde (da beziehe ich manch kirchlich finanziertes Medium mit ein), auch der eine oder andere habilitierte Theologe konnte sich dementsprechend vor tun.

Ist die Lehre nicht vielmehr vor allem dazu da, wie ich heute sinngemäß wieder in einem Podcast hörte, den Menschen die Beziehung mit Gott zu vereinfachen, ihnen zu helfen, ihr Leben zu meistern, ihnen ständig die Nähe Gottes in allen Lebenslagen zuzusprechen?

Nein!

Eindeutig nein, das “vor allem” ist vollkommen falsch! Natürlich soll die Lehre der Kirche auch(!) all das leisten, aber das tut sie eben - als Mutter, wie die Kirche viel zu selten gesehen wird - indem sie das tut, was alle guten Mütter tun: erziehen! Erziehung in Liebe! Aber Liebe ohne Erziehung ist ein Verbrechen an den eigenen Kindern!

Und wohin soll die Kirche erziehen, hat ja schließlich oft erwachsene Kinder?

Zur - wait for it - persönlichen Heiligkeit!

Ist zwar extrem unsexy geworden und out-of-mainstream, aber genau darum geht es (und das ist so was von Zweites Vaticanum!). Denn genau das hilft dann, das Leben zu meistern, die Beziehung zu Gott aufrechtzuerhalten und sich der Nähe Gottes in allen Lebenslagen sicher zu sein.

Ja, die Gesellschaften und Kulturen haben sich pluralisiert und gewandelt (was ich sehr gut finde und auch persönlich genieße, so viele Kulturen nahe um mich herum). Dadurch ist es vielleicht schwieriger geworden, den Ansprüchen der Kirche - die in moralischen Punkten denen der Urkirche gleichen bzw. tendenziell laxer sind - zu genügen, diesen Ansprüchen, die Jesus formuliert hat, niemand sonst.

Schwieriger ist aber nicht unmöglicher.

Und unter “Seid vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist” sollte die Kirche nie lehren - und gleichzeitig gnädig mit den Gescheiterten umgehen, aber ohne(!) zu verheimlichen, Fehler auch so zu bezeichnen. Nur genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wer traut sich vom höheren Klerus noch zu sagen: das Verhalten XY ist falsch? Es wird rumlarviert, gesagt “die Kirche” lehre eben das und das”, “das können wir (noch) nicht so akzeptieren”, “so weit sind wir noch nicht” etc.
Das ist keine Fürsorge, das ist Anpassung.

Leider haben wir nur die beiden Kirchen hierzulande, in anderen Ländern ist das eigene Profil geschärfter, weil der religiöse “Markt” viel mehr gut erreichbare Ausweichmöglichkeiten hergibt (insbesondere in den USA).

Ich nehme mal an, die meisten wünschen sich viel lieber so eine Art “Anglikanische” Kirche, die Oscar Wilde damals meinte (und die ich nie will):

The Catholic Church is for saints and sinners alone. For respectable people, the Anglican Church will do.


Nicht witzig!

Sunday, 22. November 2015

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat 230 Mitglieder in der Vollversammlung, davon werden etwas mehr als ein Drittel(!), 84 an der Zahl, basisdemokratisch gewählt (aus den Diözesanräten kommend). Der Rest vertritt Verbände (also faktisch kann man als Katholik doppelt vertreten werden, wenn man de eigenen Gemeinderat gewählt hat und in einem Verband aktiv ist), 45(!) Mitglieder sind “Einzelpersönlichkeiten” (wer ist das nicht? Okay, es mag Erkrankte geben, die …). Diese werden von der Vollversammlung dazugewählt, Zusammensetzung siehe oben.

Der neue Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, sagt über das ZdK:

Das bedeutet, dass ich mir ein repräsentativeres und demokratischeres als das Organ des ZdK nicht vorstellen kann.

Hey, nicht lachen!


Vollkommen schwierig

Sunday, 15. November 2015

Heute hatte und habe ich Gelegenheit, mich in die vollkommen Freude einzuüben - und schaffe es noch nicht. Sich demütigen lassen und dabei froh bleiben, zumal von einem Kleriker, war und ist mir bislang nicht vergönnt.

Ich gehe fast jeden Sonntag zur Hl. Messe in meine Pfarrkirche. Meistens mit meinen Kindern im Vorschulalter und wir sitzen fast immer in den ersten Reihen, damit sie was davon mitbekommen, was da vorne “läuft” (nur zumeist dunkel bekleidete Rücken und Beine zu sehen ist nicht so attraktiv, dachte ich).

Dabei sind sitzen sie nicht immer ganz still, aber so schlimm, daß wir rausgehen müssen, ist es nur selten - dachte ich. Sie gehen die leere Bank auf und ab und kichern schon einmal, das ja (auch bei uns sind die ersten Reihen leer und hinten alles voll).

Heute beendete der bislang von mir geschätzte Pfarrer seine Predigt mit dem Hinweis und einem mißbilligenden Blick auf mich, er könne sich nicht konzentieren. Mir war das megapeinlich, ich bat direkt mehrmals um Entschuldigung.

Unmittelbar nach der Messe kam er auf mich zu, noch im Meßgewand - ich war noch wie viele andere in der Kirchenbank - und dann began der Donnerregen, der mich nicht wirklich zu Wort kommen ließ - vor den Augen und Ohren der anderen Gläubigen!:

Sein Team beobachte es seit Monaten, daß ich mich absolut rücksichtslos verhalte (gesagt hat mir das übrigens bislang niemand von diesem Team, was problemlos möglich gewesen wäre, da ich danach noch etwas in der Kirche mit den Kindern bleibe!).
Wieso ich es nicht wie die anderen (extrem wenigen!) Familien tue und mich nach hinten setze oder häufiger mit den Kindern nach hinten gehe (diese Kritik kann ich verstehen, nur wie erwähnt, so etwas kann man früher und vor allem nicht vor allen anderen auch schon mal erwähnen, oder?)
Ich sähe doch, daß es ihn störe (nein, tue ich nicht - woher auch, wenn niemand mit mir spricht?)
Und dies sei das letzte Mal, daß er so etwas sage - in aller “Freundschaft” - er beende sonst auch demnächst direkt zu Beginn seine Predigt (dieses erste ist also auch das letzte Mal).
Dann kritisierte er noch meinen Umgang mit meinen Kindern, aber von einem komplett kinderlosen Seelsorgeteam ist mir das nicht so wichtig (zumal es bislang nur Rückmeldungen von den vielen Damen der Gemeinde gab, die mir bislang das Gegenteil gesagt haben).

Ich war absolut sprachlos, zumal ich ihm nicht ganz fremd bin (ach ja, er sei auch persönlich von mir enttäuscht), ich war u.a. mal Firmkatechet und hatte ihm schon mal ein theolog. Fachbuch geliehen, in dem seine Promotion erwähnt wird.

Enttäuscht bin ich auch, richtig tief verletzt. Sprachlos bin ich nicht mehr. Doch das behalte ich größtenteils für mich.

Hier kann ich zumindest schreiben, daß ich die gut verstehe, die sich aufgrund persönlicher Enttäuschungen von der Kirche abwenden. Glücklicherweise hat der Herr mir einen Glauben geschenkt, der dadurch nicht wankt. Die Enttäuschung bleibt.


Treffer!

Wednesday, 11. November 2015

Am Festtag dessen, der noch als Nichtchrist sein persönliches(!) Hab und Gut mit einem Notleidenden teilte, haben Ordensobere aus Bayern dem dortigen Ministerpräsidenten geschrieben.

Dem Inhalt kann ich als Katholik natürlich nur zustimmen. Und ich bin froh, daß die Orden mit einer Stimme sprechen.


Komplettpaket

Wednesday, 11. November 2015

Der St.-Martinsumzug dürfe nicht Lichterumzug oder ähnliches genannt werden, weil man ihn damit des christlichen Kerns entleere, so habe ich es dieser Tage mal wieder vermehrt gehört - und zwar nicht nur von sonst dezidiert christlichen Apologeten.

Hier im Rheinland beginnt ja heute auch die “fünfte Jahreszeit”, in Düsseldorf ist der Hoppeditz erwacht und die Karnevalisten feiern ausgiebig.

Ob sie ab morgen bis Weihnachten fasten, was ja eigentlich der ursprünglich christliche Kern des Feierns an diesem Tag ist (oder besser: war)?

Irgendwie höre ich da keine Klagelaute über das Vergessen der Traditionen…


Endlich

Friday, 06. November 2015

Jahrelang habe ich mich durch dieses Buch gekämpft. Es war ein extrem lohnender und gewinnbringender Kampf, keine Frage, aber sicher kein leichter Ritt. Das kann man nicht einfach so durchblättern. Angefangen von der extrem spannenden Darstellung des philosophischen und theologischen Umganges mit Lüge und Wahrheit im christlichen Abendland (da hätte mich - aber nicht des Autors Fach - auch eine Darstellung des Judentums und des Islam interessiert!) über die ganzen Konsequenzen der verschiedenen Herangehensweisen und ihrer praktischen Umsetzung in den Medien, in der Kunst, der Politik, der Medizin etc. - jedem wird sofort klar sein, daß das ein stets und immer brandaktuelles Thema ist.
Der Verlag nennt dieses Buch ein Standardwerk - was häufig Marketing-Gerede ist, erscheint mir dieses Mal mehr als berechtigt zu sein.
Aber die vielen Hundert Seiten haben es in sich. Keine leichte Kost - also bestimmt was für jemanden wie Josef Bordat, der nicht nur - Gott sei’s gedankt! - weiterhin quicklebendig ist, sondern auch wieder frisch ans Werk geht!


Natürlich

Wednesday, 04. November 2015

Natürlich wird dieses Buch nicht allen gefallen. Es ist nicht hochwissenschaftlich, sondern stellt persönliche Eindrücke dar. Manche Fakten können falsch sein, manche Einschätzungen zur Kunst irrig. Doch ich habe die Stunden damit genossen. Wie jemand, der explizit nicht Christ ist, so natürlich positiv über das Wesen bspw. der christlichen Liturgie (hier anhand der byzantinischen Liturgie) schreiben kann, wer so positiv die Essenz christlicher Liebe (die eben weit über die Grenzen der eigenen Gemeinschaft hinausgeht) erfassen und beschreiben kann, dessen Bildmediationen kann man auch mit großem Gewinn lesen. Es ist für mich das bislang schönste Buch des Jahres.
Angesichts des Islam, der sich in diesen Tagen oft von seiner häßlichen möglichen Seite zeigt (was Hundertausende Muslime(!) zur Flucht treibt oder direkt den Tod bringt) und dessen Drama für andere und vielleicht Bonus für den einzelnen es ist, keine verbindende Autorität in Interpretationsfragen zu haben, ist es auch mal wieder schön zu erfahren, daß es auch einen anderen Islam gibt. Keine Sorge, naiv bin ich nicht. Aber wenn wir “klug wie die Schlangen” sein wollen, müssen wir auch wie “Schafe mitten unter die Wölfe” gehen, sprich, wir sollen alle vorbehaltlos zu lieben versuchen. Zumindest wenn wir es wagen, uns mit dem Namen Christi zu schmücken. Dieses Buch macht es etwas einfacher.


Aus

Monday, 26. October 2015

So, die - eigentlich nur von einer Minderheit der Katholiken - viel beachtete Bischofssynode in Rom ist vorbei.

Wie zu erwarten war, wurde die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie nicht umgestürzt oder neu geschrieben - und manche “westlich” (im Sinne von säkular) geprägte Bischöfe haben erfahren und gelernt, daß ihre Sichtweise oft nicht mehrheitsfähig ist.

Also wirklich überraschend war nichts davon. Was katholisch war, blieb katholisch, was schlecht lief, wurde - wieder einmal, nicht zum ersten Mal - auch schlecht genannt.

Sollte der Papst in seinen Handlungen konsistent sein, wird er dieses Votum nicht massiv in die eine oder andere Richtung ausdehnen, sondern in seinem Amt der Synodalität der Kirche noch einmal deutlich zur Aussprache verhelfen (so wie er es bisher getan hat). Was passieren wird, so nehme ich an, daß auch hier die Bedeutung des Ortsbischof wachsen wird. Er ist nun einmal der Stellvertreter oder Statthalter Christi in seinem Bistum. Das hat schon der alte Ignatius von Antiochien im 2. Jahrhundert so behauptet, als er gerade fröhlich auf dem Weg nach Rom war, um im Zirkus von den Löwen geteilt und verspeist zu werden.


“Totus gratia” für Anfänger

Wednesday, 21. October 2015

Alles Gute ist Gnade, denn alles Gute kommt von der einzigen Quelle des Guten, dem einen Guten. Uns wirklich gemein ist nur die Sünde, das Gute ist von Ihm, das Wirken des Hl. Geistes in uns.

Als regelmäßiger Hörer vieler Podcasts, hauptsächlich vom Deutschlandfunk, amerik. EWTN und auch ein wenig Kirche in Not, habe ich neulich in einem tollen Interview über den Hl. Augustinus (beim Podcast von EWTN live) einige wunderschöne Beispiele über die zuvorkommende Gnade Gottes gehört, die uns erst in die Lage versetzt, Gutes zu tun.

Wer sich etwas mehr im angelsächsischen Sprachraum bewegt, wird immer wieder feststellen, ggf. von universitären Erfahrungen her, daß diese Menschen es irgendwie besser schaffen, didaktisch komplexe Zusammenhänge auf einfache Alltagserfahrungen herunterzubrechen, sprich einfach besser zu erklären und zu beschreiben.

Also, was ich mit den geneigten Lesern teilen möchte, die Erklärung der zuvorkommenden Gnade:

Ein Schulkind macht seinen Eltern ein Geschenk, bspw. zu einem Geburtstag des Vaters, und nutzt dafür sein Taschengeld. Die Freude der Eltern ist ehrlicherweise groß.

Alles klar? Von wem hat das Kind das Taschengeld? Eben - von den Eltern. Dennoch freuen sich diese, weil das Kind dieses Gut in gutem Sinn einsetzt. Die Eltern versetzen das Kind erst in die Lage, bspw. ein Buch für den Geburtstag zu kaufen, das Kind gibt dieses “Gnadengeschenk” verwandelt zurück. Und vor allem: die Eltern freuen sich wirklich! Kein Elternteil käme auf die Idee zu sagen: naja, warst ja nicht dafür arbeiten, hast das Geld eh von uns bekommen!

So ist es auch mit dem Himmlischen Vater: Er gibt uns alles Gute, was wir brauchen, um Ihm eine Freude zu machen, ohne diese Voraus-Gabe können wir nichts Gutes tun - geben wir es Ihm verwandelt zurück, freut Er sich riesig - auch wenn es eigentlich schon immer Seins war. Da Er aber die einzige Quelle allen Gutes ist, können wir uns nichts rühmen. Wir können nicht sagen: das schaffe ich so, und mit Gottes Hilfe schaffe ich auch noch die “Extrameile” - nein, ohne Gottes Hilfe schaffen wir nichts, gar nichts.

Der zweite Absatz ist die bekannte Theorie - aber mit dem vorherigen habe ich jetzt ein wunderschönes und einleuchtendes Beispiel, genau, geschenkt bekommen.