Kindermund

Sunday, 01. April 2012

Meine Tochter ließ uns beide leider die Hl.Messe heute nicht bis zum Schluß mitfeiern, so daß wir schon früher gehen mußten (wie kleine Kinder halt schon mal so sind).
Als ich noch Kerzen an der Marienikone anzündete, zeigte sie auf das Bild und sagte:

“Oh, da, Mama!” (und sie spricht deutlich mehr als das, bezog sich also eindeutig auf die dargestellte Frau)

Damit ist eigentlich über Maria alles gesagt. Ein Kompendium der Mariologie.


Zusammenfassung einer kleinen Posse

Wednesday, 28. March 2012

Seit Jahren versuche ich immer wieder mal, kirchliche Entscheidungsträger dazu zu bringen, den Worten von den “gebildeten kirchlichen Laien im Arbeitsleben und der Gesellschaft” Taten folgen zu lassen und im deutschsprachigen Europa so etwas wie einen Masterstudiengang im Fernkurs für Katholische Theologie anzubieten.

Ich schrieb mehrfach an meinen Ortsbischof - ohne Erfolg.
Ein guter Freund, Priester und oft in Kontakt mit selbigem Bischof, sprach ihn auch darauf an - ohne Erfolg.
Ich schrieb an andere Bischöfe - ohne Erfolg.
Ich schrieb an einen Professor einer kirchlichen (nicht staatlichen) Fakultät und stieß auf Interesse und Verständnis, bei dem Rektor der Einrichtung ebenfalls - doch selbst dieser stieß bei dem zuständigen Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz auf Ablehnung.
Der Würzburger Fernkurs sei doch ausreichend und außerdem gäbe es für einen akademischen Fernkurs nicht ausreichend Interessenten. Selbst der Vorschlag des Rektors, den Würzburger Kurs als Bachelor zu modifizieren und einen neuen Masters andernorts anzubieten, wurde abschlägig bewertet.

Was mich besonders dabei fuchst - neben der Tatsache, daß die Kirchenhierarchie hier viele Laien einfach für zu blöd hält - ist, daß einfach so getan wird, als ob es keine Interessenten gäbe, bloß weil das Angebot fehlt

(Es gibt auch noch keine gemeldeten Interessenten für einen Flug zur Venus)

Deswegen viel mir gestern ein, wie man dieses Interesse deutlich machen könnte, ich selbst hatte ja schon einmal in die Runde hier gefragt und ein paar positive Antworten bekommen. Doch noch besser wäre etwas anderes: eine Facebook-Seite zu diesem Thema.

Und deswegen habe ich jetzt eine ziemlich einfache freigeschaltet, noch ohne Bilder oder so (und bin für Anregungen und Tips dankbar, dort oder hier):

http://www.facebook.com/FurEinenFernkursMastersInKatholischerTheologie


Blogger-Debatte

Monday, 19. March 2012

Auf “Gesichtsbuch” hatte ich gestern zu später Stunde eine kleine Diskussion mit der Mit-Bloggerin Elsa und einem anderen Teilnehmer aufgrund dieses Beitrages.
Ich hatte geschrieben, und natürlich hat sich diese Meinung seit gestern nicht geändert, daß ich für die Laisierung der Kleriker bin, die der Pädophilie überführt worden sind.
Das stieß auf Widerstand mit Argumenten, die ich nicht so recht nachvollziehen konnte.
Einerseits wurde mit existenziellen Nöten der dann Nicht-Mehr-Priester argumentiert. Auf meine Frage, welche existenzielle Nöte denn ein Single hierzulande so haben kann, dessen Rentenbeiträge nachbezahlt wurden - bei vormals sehr gutem Einkommen! - gab es leider keine Replik.
Dann kam das Thema der Doppelbestrafung, d.h. neben der weltlich juristischen auch noch die kirchliche. Daß das nicht nur bei uns Ärzten berechtigterweise auch möglich ist (Entzug der Approbation und somit Berufs- und Berufungsverlust nach schwerer Straftat), schien nicht so wichtig zu sein.
Nicht zuletzt wurde damit argumentiert, daß eine gezeigte Reue ja auch was “bringen”müsse (inhaltlich wiedergegeben). Die Reue bringt die Vergebung vor Gott, das ja, aber daß eine Reue dadurch auch Jobsicherheit mit sich bringen müsse, war mir vollkommen neu und konnte mir auch nicht wirklich erklärt werden. Gilt ja auch nicht für andere Straftäter.
Schließlich ging es - bevor ich dann schlafen mußte - um den besonderen “Status” des Priesters, der natürlich kein “Status” ist sondern ein “Stand”, was etwas gänzlich anderes ist. Ein Priester kann nicht natürlich nicht “entweiht” werden.
Mir ging und geht es nicht um juristische oder kanonische Fragen, sondern um das Zeugnis der Kirche. Ich habe überhaupt nichts gegen Barmherzigkeit von Seiten der Kirche, aber der oft gehörte Hinweis, daß diese dem Anschein nach unterschiedlich verteilt wird, ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Barmherzigkeit und Vergebung muß auch nicht dazu führen, daß jemand wieder in Amt und Würden eingesetzt wird, wenn dies trotz Reue das Zeugnis der Kirche verdunkelt. Und daß es dies tut, ist hoffentlich nicht nur mir klar. Ich kenne selber tieffromme Menschen, theologisch höchst versiert, bei denen der Umgang der Hierarchie mit dem Mißbrauch zu schweren Glaubenskrisen geführt hat, zum Teil auch aus der Kirche heraus - auch Benedikt XVI. hörte dies ja von Mißbrauchsopfern.
Dabei geht es gar nicht darum, daß die Kirche mißbracht hat - denn die Kirche wurde auch mißbraucht, da die meisten Opfer ja Katholiken waren. Obwohl es nach dem Zeugnis der Schrift nicht allzu unwahrscheinlich ist, daß der Herr sich eindeutig mit der Seite der Opfer solidarisieren würde, nimmt die Kirchenleitung noch zu sehr die Sicht der Täter wahr.

Wann wird offiziell begonnen zu sehen, daß die Kirche mißbraucht wurde?
Wann beginnt man die Opfer auch offiziell und verbal als das zu sehen, was sie sind - zutiefst verwundete Glieder des Leibes Christi?
“Die Kirche hat AIDS” heißt es in manchen afrik. bischöflichen Stellungnahmen, um aufzuzeigen, daß die Kirche in ihren Gliedern von dieser Seuche selbst zutiefst betroffen ist.
“Die Kirche wurde mißbraucht von ihresgleichen”, so sollte es hierzulande heißen. Doch diese Wahrnehmung der Opfer als Subjekte der Kirche hat bislang offiziell und in Verlautbarungen noch nicht stattgefunden.

In dem oben zitierten Beitrag von Elsa steht auch ein Kommentar, der für meinen Standpunkt einen prominenten Fürsprecher aufführt. Der sel. JP2 sagte in der Ansprache an die amerik. Kardinäle im Jahr 2002 (Hervorhebung von mir):

It must be absolutely clear to the Catholic faithful, and to the wider community, that Bishops and superiors are concerned, above all else, with the spiritual good of souls. People need to know that there is no place in the priesthood and religious life for those who would harm the young. They must know that Bishops and priests are totally committed to the fullness of Catholic truth on matters of sexual morality, a truth as essential to the renewal of the priesthood and the episcopate as it is to the renewal of marriage and family life.


In dieser Nacht

Sunday, 18. March 2012

In dieser Nacht vor 800 Jahren floh Clara aus Assisi aus ihrem Elternhaus zu der jungen Bruderschaft um Franziskus und bekam von ihm Bußkleid, Schleier (nach dem Scheren der Haare) und Gürtel (sprich den Strick, den die anderen Brüder auch hatten).


Kondolenz für Shenouda III.

Sunday, 18. March 2012

Wer den Kopten sein Mitgefühl für den Heimgang ihres Papstes Shenouda III. mitteilen möchte, kann das hier tun.


Sinngabe

Saturday, 17. March 2012

If you struggle in temptation and fight against sin because you are in love with an idea you have of yourself as a holy soul or a religious person, you might succeed for a little while, but sooner than later you will fail and fall into sin. And this, in fact, is God’s mercy, for you are only flattering the flesh.

If you struggle in temptation and fight against sin because you believe in goodness or morality or the sovereignty of God or because of your duty to observe the state of life you have chosen for yourself, you might succeed for a time, but eventually you will also fail.

But if you don’t fight temptation at all, but instead rejoice to find yourself in temptations because you realize that in them God has found you worthy of embracing Christ crucified and sharing in his sufferings, and that this suffering is the resetting of the dingy sack of broken bones that is your mortal nature deformed and miserable in the effects of original sin–a procedure for which there is no anesthesia–then you have found the remedy for sin and the path from death to life.

(Quelle)


Aufgepaßt!

Friday, 02. March 2012

Die subtile Masche der Suggestion ist wieder unterwegs. Wie schon kürzlich hier in anderem Kontext angedeutet, wird bewußt Korrelation und Kausalität ausgetauscht.

Wo?

Eine Studie über die Integrationswilligkeit von Muslimen wurde veröffentlicht.

Nun steht da, daß ein Viertel der Muslime ohne deutschen Paß, die gleichzeitig sehr gläubig sind, das westliche Wertesystem ablehnen.

Daraus wird in den Medien und von manchen Polikern die Behauptung gemacht, sie tun das, weil sie sehr gläubig sind.

Das steht aber nirgendwo.

Korrelation ist keine Kausalität.

Würden vielleicht 5% aller Blonden die Schwulenehe ablehnen, weil sie blond sind? Oder halten 80% aller Deutschen Abtreibung für akzeptabel, weil sie Deutsche sind?

Mit nichts kann man die Menschen heutzutage mehr manipulieren als mit angeblichen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Daher gilt mehr denn je: aufgepaßt!


Zucker

Wednesday, 29. February 2012

Wer sich für franziskanische Theologie interessiert und mal einen wirklich tollen Einblick in die franziskanische Anthropologie (also die Lehre vom Menschen, sprich das franziskanische Menschenbild) werfen will, dem empfehle ich diesen ersten Essay (ab Seite 5) von Johann Baptist Freyer ofm.

Vieles wird dort klar:
- das positive Bild des Menschen in den Augen des Franziskus, weil dem Menschen alles was er hat, geschenkt worden ist - nur die Sünde ist ihm eigen
- eine frische Interpretation des Sündenfalles: Adam hat nicht primär durch den Ungehorsam selbst gesündigt, sondern wegen seiner Motivation sich selbst das Gute aneignen zu wollen, daß doch nur dem Einen Guten gehört.
- wie früher schon mal erwähnt eine wunderbare Erklärung, warum der Neid zu den Hauptsünden gehört. Da alles Gute vom Einen Guten kommt, ist es eine Lästerung Gottes, anderen das Geschenk des Guten zu neiden.


Wenn Euch mal diese Menschen begegnen

Monday, 27. February 2012

Wenn Euch mal diese Menschen begegnen, die den Wert eines Menschenlebens am Bewußtseinszustand festmachen wollen, dann stellt doch einfach mal ein paar ganz naheliegende Fragen.

Kurz zur Einführung: es gibt Menschen, die meinen, daß der Wert eines Lebens daran festzumachen ist, wie sehr sich dieses Geschöpf seiner selbst bewußt ist (das setzt natürlich voraus, daß wir dieses Selbstbewußtsein des Wesens auch messen können, und daraus folgt, daß diese Meßbarkeit der eigentlich entscheidende Faktor wird, aber da ist eine andere Frage).

Das heißt konkret, daß manche mit medialer Kraft die Meinung verbreiten, ein bspw. 5jähriger Schimpanse, der es im Spiegel erkennt, wenn bei ihm auf dem Kopf eine Mütze ist und sich auf den Kopf greift, ist “mehr” wert , hat also mehr Lebensrecht, als ein 2 Monate altes Kind, das genau das noch nicht weiß.
Dabei ist es für diese Meinungsmacher auch irrelevant, welches Selbst-Bewußtsein ein Wesen mal haben wird oder hatte - es gilt nur der Augenblick. (Das hat natürlich Folgen für die Einschätzung von Kleinkindern und Demenzkranken, klar …)

Das ist ja auch eine ethische Möglichkeit, das muß man logischerweise zugestehen. Genauso muß man dann aber zugestehen, daß dieser Standpunkt noch nicht wirklich zuende gedacht ist (wie ich früher selbst dachte):

Denn welchen Wert hat dann der Mensch, der schlicht und ergreifend tief schläft (also Schlafphasen 2-4)? Das Selbst-Bewußtsein ist in diesen Momenten definitiv nicht da, das kann man in jedem Lehrbuch über den Schlaf nachlesen.
Und wenn dann die Antwort kommt: nein, das ist mit “nur der Augenblick zählt” nicht gemeint, dann darf man natürlich fragen, mit welcher Logik denn jetzt plötzlich “Augenblicks-Zeiträume” so gewählt werden, wie es einem in die krude Theorie paßt.

Eigentlich müßte es ja dieser Ethik zufolge erlaubt sein, jemandem eine Vollnarkose zu verpassen und ihn dann umzubringen - in dem Moment war er ja mangels Selbstbewußtsein deutlich weniger bis nichts wert.

Nur so ist diese Ethik zuende gedacht. Und jetzt kann jeder selbst entscheiden, für wie vernunftgeleitet er sie hält.


Wir freuen uns!

Friday, 24. February 2012

Heute wurde bekannt, daß die Kirche von Köln einen neuen Weihbischof bekommen wird: Dominik Schwaderlapp, derzeitiger Generalvikar des Erzbistums, wird die Vakanz einnehmen, die der kürzlich zum Kardinal kreierte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, hier hinterlassen hatte.

Damit wird der künftige Weihbischof auch für uns in Düsseldorf “unser Bischof” sein.

Ich werde ihn im Gebet begleiten und wünsche ihm Seinen Segen für sein Wirken hier im “Norden” des Erzbistums.


Schärfer hingesehen

Tuesday, 21. February 2012

Wer meint, im Norden Nigerias sei die Gruppe Boko Haram ausschließlich unterwegs, um Christen zu vertreiben oder zu töten, dem empfehle ich diesen aufschlußreichen Text. Nicht umsonst waren die meisten bisherigen Opfer Muslime.


Was ist die Frohe Botschaft?

Tuesday, 21. February 2012

Morgen beginnt bekanntermaßen die (Große) Fastenzeit. Man sagt, es sei eine Zeit der Umkehr. Umkehr wohin?

“Kehrt um und glaubt an das Evangelium”, so wir der Herr zu Beginn des Markus-Evangeliums, das dieses Jahr im Mittelpunkt der liturgischen Lesungen steht, zitiert.

Ende Januar hatte ich eine kleine Diskussion darüber, was denn damit überhaupt gemeint sein soll, mit dem Evangelium. Diese Frage erscheint albern, ist es aber mitnichten.

Zu Beginn seines Wirkens ruft Jesus die Menschen auf, an die Frohe Botschaft zu glauben. Die Botschaft, die er meint, kann nichts mit Seinem Tod und Seiner Auferstehung zu tun haben, denn diese Ereignisse liegen noch weit vor Ihm. Was ist also die Frohe Botschaft?

In der Frühen Kirche hielt man die Bergpredigt für das Destillat dessen, was die Frohe Botschaft ausmacht, verbunden mit den Geschichten vom Barmherzigen Vater (oder Verlorenen Sohn) und vom Pharisäer und Zöllner. Die Frohe Botschaft ist die Hinwendung Gottes zu uns, die Seligpreisungen, die bedingungslose Annahme.

Das ist der eine Teil - und schon einmal ziemlich super. Doch nur das kann gemeint sein, wenn Jesus selbst zu so einem Zeitpunkt vom Evangelium, von der Frohen Botschaft spricht.

Mir ist es aber passiert, daß viele mit Evangelium nur das meinen, was sozusagen den ersten Teil zwar noch toppt, aber keineswegs alles ist, daß nämlich Gott selber Mensch wird und uns in die Lage versetzt, mit Ihm in Einklang zu leben und uns Vergebung schenkt. Natürlich ist das auch und vor allem Evangelium, aber der erste Teil darf nicht unter gehen, denn der ist sozusagen die Praxisanleitung für die Antwort des Menschen auf den zweiten Teil.


Jetzt mal ehrlich

Friday, 17. February 2012

Stell Dir vor, jemand kommt vorbei und ruft Dich zu einer Menschenversammlung. Dort steht einer und sagt:

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Und das ganze auch noch wo den Typen kaum einer kennt, er quasi ein “Ausländer” ist.

Ich meine, ist das irgendwie verlockend? Werbewirksam?

Meine erste Reaktion wäre vermutlich gewesen: tolle Einladung, heute aber lieber nicht. Aber ich höre mich mal um, vielleicht finde ich jemanden, dem diese Aussichten gefallen …

Aber so war es eben. Jesus war mit seinen Jüngern in der Gegend von Cäsarea Philippi, alles andere als jüdisches Kernland, unterwegs und “rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich”. Gerade an dieser Stelle, gerade diese Leute, von denen nicht wenige eben nicht zu den “verlorenen Schafen Israels” gehörten.

Doch womit hat Er gerechnet? Mit einem “toll, mich selbst verleugnen wollte ich schon immer mal?” Jesus hatte zwar die Leute wunderbar gesättigt und einige erstaunliche Heilungen vollbracht, aber hat das ausgereicht als Motivation?

Ich finde es bezeichnend, daß Er so “pastoral unklug” an die Sache ranging. Direkt das volle Programm, keine Schonung, kein Weichspülgang und kein “Abholen, wo die Leute stehen”. Sie sollen zu Ihm kommen und müssen sich dann so etwas anhören. Was vorgemacht hat Er den Leuten nie, keine Wahlversprechen gemacht.

Jesus ist knallhart ehrlich.

Er sagt damit ja nicht, daß man nur mit Selbstverleugnung ein wahrer Jünger wird, sozusagen erst Verleugnung beherrschen, dann kann man Jüngern werden, nein, sondern daß die Jüngerschaft automatischein Selbstverleugnung mit sich bringt, wenn sie den Namen der Nachfolge Christi verdienen will. Jesu Gehorsam gegenüber dem Vater ist da das Modell.

Wollen wir gehorsam sein gegenüber dem Vater? Wäre uns nicht ein verwöhnender Großvater lieber? Wollen wir das über uns ergehen lassen, was alle Väter mit ihren Kindern machen: sie erziehen?

Ich habe eher den Eindruck, daß viele, ich auf jeden Fall fast immer, einen Vater im Himmel bevorzugenwürde, der fast nie so richtig anwesend ist und selten genau hinschaut, mich mein Ding machen läßt und mir dann meine Wünsche erfüllt wenn ich Ihn brauche, weil er ja ein schlechtes Gewissen ob seiner häufigen Abwesenheit hat. So ein Göttlicher Vater wäre schon klasse.

Nur, Er ist eben Abba, mein Papa, zu dem ich eine enge und nahe Beziehung haben kann. Was ich, wenn ich ehrlich bin, auch besser so finde.

Doch das führt eben auch zur Erziehung.

Ist eigentlich jedem Vater und jeder Mutter klar.

Aber auch irgendwie doof anstrengend und kratzt am Ego.


Methodenvergleich

Thursday, 16. February 2012

Vor etwas über einem Jahr tat ich meinen Wunsch kund, daß sich die Pastoraltheologie doch etwas von der Evaluationsmethodik moderner Medizin abgucken solle.
Jetzt möchte ich angeregt durch den Beitrag von Bastian noch etwas schreiben zu dem, was ich im ersten Beitrag “Stadium 2″ nannte.

Dieses Stadium ist nämlich nicht nur in der Pastoraltheologie und Volksmedizin weit verbreitet, sondern auch in nahezu allen kirchenpolitischen Diskussionen omnipräsent.

Kurze Erinnerung: dieses Stadium besagt, daß etwas medizinisch hilft, weil es ja bei gleichen oder ähnlichen Beschwerden auch schon Oma/Schwester/Tante/Freund etc. geholfen habe. In der Pastoraltheologie bedeutet das u.a., daß ein Verantwortlicher etwas tut, weil er es für besser als Althergebrachtes hält, ohne zu überprüfen, ob das Neue überhaupt erfolgreicher als das Alte war (manchmal auch, weil man die Parameter des Erfolges gar nicht benennen kann oder will).

Es sind also alles Konzepte, die auf sehr wackeligen Beinen stehen.

Ganz knapp gesagt ist das die Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Nur weil manche Sachen gleichzeitig oder kurz versetzt auftreten, stehen sie nicht zwingend im Zusammenhang, ist das eine nicht die Ursache des anderen.

An andere Stelle hatte ich kürzlich mal das Beispiel gebracht, was uns in unserer ersten Statistikvorlesung gebracht wurde: die Geburtenrate in Deutschland und das Vorkommen von Störchen hierzulande. Der Verlauf war erstaunlich parallel und hat sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

Doch was beweist das?

Patienten erzähle ich ab und zu, wenn ihnen entweder von anderen Ärzten irgendein Quatsch aufgeschwatzt wurde (gegen Bares natürlich) oder wenn sie selbst mit fragwürdigen Therapien ankommen, daß es nach einem Regentanz durchaus regnen kann, vielleicht sogar mehrfach hintereinander.

Doch was beweist das?

Das klassische Beispiel von der Verwechslung Korrelation und Kausalität findet sich in einem Bereich, den man - weil es eben hinter uns liegt - nicht überprüfen kann, in der Geschichte. Und in der Katholischen Kirche muß dafür das Zweite Vatikanische Konzil herhalten. Es war schon so ziemlich für alles verantortlich, was seit den 60ern passiert ist. Gut, ich kenne die Verantwortung für die erste Mondlandung nicht, weiß auch nicht, welche Rolle die Konzilsväter bei der Kuba-Krise spielten, aber irgendwie hatten sie da bestimmt die Finger im Spiel. Spaß beiseite, das ganze nervt, zumal man sowas auch von ansonsten sehr differenziert denkenden Menschen hört. “Das Konzil hat XY (was ganz schlecht ist)”, “wegen des Konzils wurde YZ (auch ganz böse)” etc. Auch als positiv empfundene Entwicklungen werden als sicher direkt durch das Konzil verursacht angesehen, obwohl das im Einzelfall nicht immer sicher ist.

Korrelation ist etwas anderes als Kausalität.

Mehr wollte ich nicht sagen.


Regel Kapitel 2.8

Tuesday, 14. February 2012

Letzter Teil: 2.7

13. Wie der Vater in jedem Menschen die Züge seines Sohnes erblickt, des Erstgeborenen von vielen Brüdern, so nehmen die Brüder und Schwestern der Franziskanischen Gemeinschaft jeden Menschen in der Gesinnung der Demut und Menschlichkeit an wie ein Geschenk des Herrn und ein Abbild Christi.
Die Gesinnung der Brüderlichkeit macht sie fröhlich und bereit, sich allen Menschen gleichförmig zu machen, vor allem den geringsten. Sie bemühen sich, ihnen Lebensbedingungen zu schaffen, die der Würde der von Christus erlösten Menschen entsprechen.

14. Mit allen Menschen guten Willens sind sie berufen, zur Verwirklichung des Reiches Gottes eine Welt aufzubauen, die menschlicher ist und dem Geiste des Evangeliums mehr entspricht. Dabei sind sie sich bewusst, dass jeder, “der Christus, dem vollkommenen Menschen, nachfolgt, selbst menschlicher wird.” So werden sie befähigt, ihre Verantwortung im Geist christlicher Dienstbereitschaft sachgemäß auszuüben.

Hier treffen wir, wie vor einigen Beiträgen erwähnt, auf den Kern des Franziskanischen, auf die Geschwisterlichkeit. Jeder, wirklich jeder, egal wie er uns begegnet, soll als Schwester und Bruder angenommen und auch so behandelt werden. Das ist wirklich eine harte Nuß, zumal wir in unserem eigenen Geschwisterleben vielleicht gar nicht das Vorbild dafür erleben und unsere leibliche Familie da noch genug Baustellen aufzuweisen hat.

So gibt es zahlreiche Katholiken, die sich bspw. am interreligiösen Dialog stören, an ökumenischen Bemühungen etc.
Franziskaner können aber gar nicht anders, wenn sie sich treu bleiben wollen, denn alle Menschen sind unabhängig vom Glauben und unabhängig von ihrer Einschätzung unseres Glaubens unsere Geschwister. Und warum soll ich mit meinen Brüdern nicht reden dürfen über das, was ihnen wichtig ist?

Daß Franziskaner oftmals äußerlich als “kirchliche Sozialarbeiter” wahrgenommen werden, hat auch in diesem Anspruch der Brüderlichkeit ihren Ursprung. Für seine Geschwister setzt man sich eben ein, das ist ja vollkommen normal. Losgelöst von der Erfahrung des Geliebtseins vom Herrn, losgelöst von der Glaubenserfahrung und der Weite der Kirche wird dies zwar nie mehr als Sozialarbeit, aber mit dieser Gewißheit Gottes ist es unendlich mehr und heilbringend. Franziskus hat sich immer nur “für” eingesetzt, fast nie “gegen”. Denn wie kann man für einen Bruder sein und gegen einen anderen? Darf man Geschwister bevorzugen? Ein sicheres Zeichen echten franziskanischen Geistes ist es daher, wenn der von Franziskus begeisterte Mensch jegliche Wertungen über andere hintanstellt. Falsche Entwicklungen darf man so benennen, aber Menschen verurteilen nicht. Zumindest nicht, wenn man sich Franziskus verbunden fühlt.


Erkenntnis

Tuesday, 14. February 2012

Da soll noch jemand sagen, bei unseren getrennten Geschwistern sei theologisch immer alles im argen.

Wunderschön (Hervorhebung von mir):

Man spricht heutzutage häufig von denen, die die „Spiritualität“ der „Religion“ vorziehen. Und die meisten von uns verstehen in etwa, was das bedeutet. Es handelt sich dabei um eine Auflehnung gegen die Vorstellung, dass wir Menschen gerettet oder verwandelt werden durch die bloße Treue zum Leben einer Institution und die Zustimmung zu einer Gesamtheit von Lehraussagen oder Theorien.

So aber besteht die Gefahr, den Glauben auf eine Reihe von Erfahrungen zu reduzieren, die bewirken, dass wir uns besser fühlen. Daraus würde auch folgen, dass es keine universale Wahrheit gibt, keine Revolution im Leben der Menschen, die ein für alle Mal rettet, sondern eine Abfolge von „spirituellen“ Experimenten, die unsere Sensibilität erweitern, uns aber nicht in eine neue Welt versetzen. In gewisser Weise brauchen wir eine Sprache, die uns über die nutzlose Polarisierung zwischen diesen beiden Begriffen hinausführen kann, eine neugeschaffene Sprache und die Praxis eines neuen Lebens mit neuen Beziehungen.

In dieser Hinsicht bedeutet von der Kirche sprechen in Wahrheit, sowohl über die Religion als auch über die Spiritualität hinauszugehen. Es gibt die Kirche nicht, damit man wundervolle Erfahrungen macht (und sie verlassen kann, wenn diese Erfahrungen wieder vorbei sind); und ebenso wenig ist die Kirche eine Institution mit gemeinsamen Regeln und Überzeugungen.

Die Kirche ist der Zustand des Einsseins mit Jesus Christus, das heißt sie ist die Gabe, frei zu sein dafür, Sein Gebet zu beten, Sein Leben zu teilen, Seinen Atem zu atmen.

Quelle


Treffer!

Thursday, 09. February 2012

Wer hat mich dabei beobachtet?


Franziskanisch

Tuesday, 07. February 2012

Vor über zwei Monaten fragte ich mal die Leser hier, was denn “franziskanische Spiritualität” bedeuten könne. Irgendwie kam mir das ganze selbst immer etwas schwammig vor, auch wenn sich das Erscheinungsbild des Franziskanischen schon beschreiben ließ. Daher wollte ich mal in die Runde fragen.

Seither habe ich mir einige Gedanken gemacht und sehe als wirklichen Kern des Franzisknischen etwas, was interessanterweise gar nicht erwähnt wurde, was aber m. E. nach Ursache für die diversen Ausprägungen des Franziskanischen ist:

Bruder/Schwester aller sein.

Bruder aller sein, nicht nur aller(!) Menschen, sondern aller Geschöpfe - das geht aber nur auf gleicher Augenhöhe. Und das geht auch unabhängig vom Lebensstand und unabhängig von der Aufgabe eigener Überzeugungen. Dabei wird natürlich das Bild eines Bruders entworfen, was sich manchmal in den eigenen Familien nicht finden läßt, doch ist das meines Erachtens nach der Kern: der einfache Bruder aller sein.

Das führt auch dazu, daß m.E. nach die ganzen franziskanischen Orden hierzulande nur dann eine zahlenmäßige Zukunft haben, wenn sie sich wieder auf das besinnen, was nach außen hin gar nicht so erkennbar ist, denn das Brudersein beginnt vor allem innerhalb der eigenen Gemeinschaft. Sich austauschen, zusammen leben, leiden und lieben, zusammenrücken - das ist vor aller Wirkung nach außen für mich das Zukunftsmodell des Ersten, Zweiten und Dritten Ordens. Denn nur dann sind wir authentisch, nur dann bleiben wir Franziskus treu.


Ein schwerer Gang

Friday, 03. February 2012

Ich gehe nicht gerne beichten.

Immer mal wenn mir jemand erzählt, wie gerne er oder sie das täte, habe ich massive Zweifel an der Ehrlichkeit der Aussage. Die eigenen Sünden offen bekennen kann kaum Spaß machen, so sehr man auch weiß, daß diese durch die Beichte hinweggenommen und ausradiert werden (wovon ich überzeugt bin). Schön ist das trotzdem alle nicht, aber nicht alles Notwendige ist unbedingt schön.

Deswegen gehe ich auch viel zu selten beichten.

Die “Beichtspiegel”, also die Anregungen zum Reflektieren der eigenen Unterlassungen, Gedanken und Taten, die ich im Gotteslob und anderswo gefunden habe, haben mich auch nie wirklich angesprochen bzw. mir nicht wirklich geholfen. Das Orientieren an den Zehn Geboten ist nicht so meins.

Jetzt habe ich eine “Klassifizierung” gefunden, die dazu führte, daß mir einiges schlagartig klar wurde, u.a. warum ich wirklich so selten beichten gehe. Diese Klassifizierung ist nichts wirklich Neues, seit Jahrhunderten bekannt in Ost und West - und deswegen auch so “ausgereift”.

Es geht ganz einfach um das, was die Kirche des Westens als Hauptsünden klassifiziert hat. Diese zeigen mir ganz eindeutig, wo der Hase im Pfeffer bei mir liegt - und vielleicht hilft das auch anderen.

Sie lauten:

1. Superbia - Stolz, Hoffart und Hochmut (die größte Sünde)
2. Avaritia - Habsucht, Geiz
3. Invidia - Neid , Missgunst
4. Ira - Zorn
5. Luxuria - Unkeuschheit, Wollust
6. Gula - Unmäßigkeit, Völlerei
7. Acedia - Trägheit, Überdruss, Faulheit

(ja, auch die letzten beiden gehören dazu …)


Dankbar

Monday, 30. January 2012

Ich bin dankbar für das letzte Wochenende, welches ich bei einer hervorragenden Tagung der Katholischen Ärztearbeit in Maria Laach verbringen durfte.

Das Thema war die Frage nach einer verantwortbaren Philosophie für den Arzt, ausgehend von der philosophischen Anthropologie des Josef Pieper.

Referenten waren u.a. Prof. Berthold Wald und Frau Prof. Gerl-Falkovitz - ein intellektueller Genuß war somit mal weder garantiert, der geistreiche Austausch in dem überschaubaren Rahmen ebenso.

So macht es Spaß, den Fettkörper zwischen den Schläfen mal wieder richtig durchzuölen und im Zusammenspiel von Theologie und Philosophie der Einen Wahrheit auf die Pelle zu rücken - dabei die Frage offen lassend, ob man ihr wirklich näher gekommen ist.


Zitat

Saturday, 28. January 2012

You don’t change the world by trying to change the world; you change the world by changing yourself.

Quelle

(ebenso gilt: “You don’t change the church by trying to change the church; you change the church by changing yourself.”)


Ohne Aufreger

Saturday, 28. January 2012

Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon aufgefallen, daß ich hier im Blog eigentlich selten Stellung beziehe zu irgendwelchen kirchenpolitischen Themen oder aktuellen Skandälchen. Ich verfolge diese zwar aus Neugier, aber auch innerlich regen sie mich zu wenig auf, um dazu was zu schreiben.

Ich wüßte auch nicht, was das bringen soll. Natürlich kann ich noch eine Stimme mehr ein für die Position X oder Y, aber eigentlich ist es doch eh immer das gleiche.

Mein Apostolat ist es nicht, den katholischen Aufreger zu geben oder mit dem “Blog im Wind” für katholische Positionen zu streiten.

Nein, ich bin überzeugt, daß es meine Berufung ist, der Bruder aller zu sein - und das ist im realen Leben beginnend bei der eigenen Familie schon so schwierig, daß ich im virtuellen da lieber still halte.

(Übrigens ist diese Berufung menes Erachtens nach der Kern des Franziskanischen, weit vor allem anderen)

Dazu kommt noch, neben den seit Jahrzehnten immer wiederkehrenden Themen bei gleichzeitig seit Jahrzehnten bestehendem Schwund an Glauben (quantitativ sicher), daß ich nicht weiß, was das alles bringen soll.

Ein gutes Beispiel liefert man, so denke ich, nicht ab, indem man ein schlechtes herausstellt.

Mir fällt es schon schwer genug, das Stundengebet täglich zu beten, wie ich es versprochen habe, zur Beichte zu gehen, wie es gut für mich wäre, eine innigere Verbindung mit Jesus zu suchen, wie es lebensnotwendig für mich ist.

Und da soll ich mich noch um irgendwelche Skandalnachrichten kümmern oder die tägliche Gleichgültigkeit der Massen kommentieren?

Da wäre ich sicher der falsche Mann.


Ärztliche Korrektur

Monday, 23. January 2012

Ich mache so etwas äußerst ungern, aber ich muß einem katholischen Blogger widersprechen:

Echo Romeo schreibt, daß aus ärztlicher Sicht bei einer heftigen Apokryphose “Heterodox forte” zu empfehlen sei.

Neueste Studienergebnisse dagegen widerlegen diese schon als antiquiert geltende Meinung deutlich (sie war so Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts noch en vogue, und der dargestellte Arzt mag damals studiert haben). Auch wenn der in Echo Romeos Beitrag erwähnte Hinweis des Arztes, daß Schismen zu meiden seien, durchaus noch aktuell ist, muß doch die Kernempfehlung komplett aufgegeben werden.

Im katholischen wissenschaftlichen Fachmagazin “Christ in der Gegenwart” (eines mit sehr hohem Impact Factor) ist nämlich neulich eine randomisierte verblindete Studie rausgekommen, die gezeigt hat, daß “Heterodox Forte” nicht hilft.

Theologische Dozenten haben über einen längeren Zeitraum einer größeren Gruppe Jugendlicher entweder “Heterodox forte” oder “Depositum fidei” in einer fixen Dosis wöchentlich verabreicht. Die Jugendlichen wußten nicht, ob sie jetzt “Heterodox” oder “Depositum” bekamen.

Bei den harten Endpunkten (Zufriedenheit mit dem Glauben, innerer Frieden, missionarischer Eifer) und auch bei den weichen Endpunkten, die als Surrogatparameter zu gelten haben (Meßbesuch, privates Gebet) hat jeweils “Depositum fidei” signifikant besser abgeschnitten (p<0,00001).

Diese weltweit durchgeführte Studie fand allerdings in den deutschsprachigen Ländern keine Geldgeber, so daß diese zumeist in den Schwellen- und Entwicklungsländern durchgeführt wurde.

Es ist zu wünschen, daß mit den neuen Ergebnissen jetzt auch hierzulande ein Umdenken der Therapie bei akuten theologischen Verspannungen eintritt, um eine Chronifizierung zu vermeiden.


Auf Sendung

Wednesday, 18. January 2012

Es gibt nicht wenige Menschen in der Seelsorge oder kirchlicher Verantwortung, die meinen, “um der Menschen willen” sich von der Kirche mehr oder weniger lösen zu müssen, um dann näher an den Menschen und ihren Sorgen zu sein. Die Kirche wird als ein zu enges Korsett empfunden.

Ich halte das für einen gefährlichen Irrglauben. Da ich aber nur ein Hanswurst bin, dessen Meinung wenig beeindruckt, habe ich mir mal eine bewundernswerte Frau als Kronzeugin gesucht, die weitaus glaubwürdiger ist:

Madeleine Delbrêl

Sie schreibt bzw. sagt u.a. (Quelle):

Je kirchenloser die Welt ist, in die man hineingeht, umso mehr muß man Kirche sein.

Einzig in der Kirche und durch sie ist das Evangelium Geist und Leben. Außerhalb ihrer ist es nur noch geistreich, aber nicht mehr Heiliger Geist.

Keine leichte Kost.


Kontrovers

Monday, 16. January 2012

Die Autorin hat eine sehr schmerzhafte Biographie durchlebt: zwangsweise auf die Koranschule in Pakistan, dem Heimatland ihrer Eltern, dort auch zwangsverheiratet mit allen Folgen (obwohl sie selbst ihre Jugend mit ihrer Familie in Österreich verbracht hat - außer ihr hat niemand in der Familie dem westlichen Wertesystem des individuellen Rechts etwas abgewinnen können) - dann die Flucht mit absoluter Trennung von ihrer Familie, das Finden des Liebenden Gottes in Jesus Christus. Nun setzt sie sich für Frauen ein, die ebenso gelitten haben wie sie selbst oder noch leiden, hier im dtsprachigen Europa oder auch in ihrem “Heimatland”.

Was ist gut an dem Buch?

Erst einmal ganz einfach: es ist sehr leicht zu lesen.
Es ent-täuscht. Es zerstört die westlich liberale Täuschung, daß ein Großteil der muslimischen Bevölkerung, sei es im Westen oder im arabisch-asiatischen Raum, sich schon irgendwann in ihrem inneren Wertekompaß “angepaßt” haben wird, da die Aussagen des Koran das expressis verbis verbieten. Für die überwiegende Mehrheit der Muslime gilt die wortgetreue Interpretation der moralischen Forderungen des Koran und da gibt es keinen Kompromiß.
Es zeigt zudem auf, wie alltäglich diese Themen Zwangsheirat, Quasi-Sklaverei, Polygamie, Rechtlosigkeit von Frauen etc. bei uns sind. Womöglich in meiner Nachbarschaft in meinem Viertel gibt es solche Fälle (die soziologische Struktur dafür ist mehr als gegeben).
Es zeigt zudem auf, warum die beschriebenen Gerichtsverhandlungen so selten zu einem gewünschten Ergebnis führen. Die Familienbande ist so stark - für viele Nordeuropäer in diesem Extremen nicht zu verstehen - daß die mißbrauchte Person häufig ihre Peiniger nicht wirklich bestraft sehen will.
Und es zeigt auch das für mich immer wieder überraschende Faktum auf, daß gebildete Menschen ihr (positives oder negatives, im Buch positives) Vorurteil über die eigene Religion nicht anhand der Quellen überprüfen wollen. So gibt es Muslime im Buch, die sagen, daß gewisse Sureninhalte nicht im Koran stehen würden, weil so etwas “nicht sein könne”. Überprüft wird das aber (aus Angst?) nicht.

Was ist schlecht an diesem Buch?

Ich finde es für zu leicht zu lesen, die Qualität ist mager.
Ich halte es für zu pamphletisch, da die Interpretation des Koran, die die Autorin eingetrichtert bekam, als die allein wahre dargestellt wird. Wer eine andere bevorzuge (und zwar im Lebensvollzug, nicht durch Worte), würde den Islam nur falsch verstehen. Ich denke zwar, daß diese anderen Interpretationen eine zahlenmäßig sehr kleine Minderheit darstellen (da gebe ich mich keinen Illusionen hin), aber auch sie sind schon altehrwürdig (Sufismus, Alevitentum).
Die Autorin regt sich mehrfach darüber auf, daß die Richter nicht den kulturellen Hintergrund verstünden, warum eine Anklägerin (die mißhandelte Frau) sich nicht in der Lage sieht, ihre Peiniger (häufig männliche Angehörige wie Väter oder Brüder) mit ihrer Aussage zu belasten. Auch wenn die kulturellen Hintergründe der Klägerinnen dies nachvollziehbar machen, halte ich es für eine große Errungenschaft unserer Kultur, daß niemand als schuldig gilt, solange es nicht vor einem unabhängigen Gericht bewiesen ist, auch wenn wirklich alle Beweise gegen ihn sprechen. Dies leichtfertig beiseite zu schieben ist fahrlässig.

Also ein kontrovers zu beurteilendes Buch zu einem viel zu wenig präsenten Thema.