Möge es Gott vergelten!

Friday, 28. February 2014

Seit heute hat das Erzbistum Köln keinen Bischof mehr (und bekommt hoffentlich bald einen neuen). Also bin ich auch derzeit bischofslos, hirtenlos.
Da das Heil JottseiDank nicht am Bischof hängt, kann ich auch weiterhin katholisch sein, aber ich möchte hier einfach mal meinem Bischof Joachim, hochgestochen der Exzellenz Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, kurz danke sagen.

Als ich zum Glauben an Christus fand und auch glauben konnte, daß diese sehr menschliche Kirche doch vor allem Seine ist und Sein Werk (mit dem Possesivpronomen meine ich jetzt nicht den Bischof), schrieb ich meinem Bischof einen Brief. Ein Brief voll Freude darüber, eine neue Mutter gefunden zu haben (ich weiß, für alle Außenstehenden klingt das irgendwo zwischen schwülstig-dumm und vollkommen banane).
Und er nahm sich offensichtlich Zeit, mir selbst zu antworten - gut, solche Briefe beantwortet man auch lieber als die Tiraden, die er wohl auch sonst geschickt bekommt.

Als ich noch überlegte, einen “Geistlichen Beruf” zu ergreifen (in einem Orden, natürlich den Franziskanern, mit Kutte und allem pipapo), durfte ich ihn mehrere Male auf Ausflügen erleben, bei denen er im persönlichen Umgang sehr angenehm war (damals war mein jetziger Weihbischof Dominik Schwaderlapp noch sein Privatsekretär, bei Kirchens heißt das “Geheim”sekretär, und bei diesen Ausflügen mit dabei). Beide, er wie auch sein Sekretär, sprachen offen über ihren Weg mit und in der Kirche.

Er war nie ein guter Diplomat, aber sicher auch kein Drückeberger. Als ein bischöflicher Mitbruder ihn mal aufgefordert habe, nicht immer so verbal auf den Putz zu hauen (darin war er ja sehr gut), habe er geantwortet: “Ruhe ist keine Christenpflicht, das finde ich nicht im Evangelium!” Durch manche Rundumschläge hat er sicher auch mal Leute verletzt, die ihm eigentlich wohlgesonnen sind - das war wohl einerseits seinem schlesischen Naturell geschuldet (das ich als Halb-Schlesier etwas kenne), andererseits auch der Tatsache zuzuschreiben, daß er sich womöglich - man nehme das als unqualifizierte Ferndiagnose - nur im katholischen Milieu wirklich wohl fühlt. Und eine Sache muß ich zugeben: ich hätte ihn nicht gerne als beruflichen Chef gehabt.

Er ist kein Kind der Postmoderne, die alles in Zweifel zieht und letztlich nur dem Zweifel und der eigenen Kritik glaubt und daher immer um sich selbst kreist. Er hat einen tiefen Glauben, der in seiner schlichten Einfachheit wirklich beneidenswert ist. Nein, damit meine ich nicht, er sei nicht intellektuell redlich, sondern diese tiefe unbeirrbare Überzeugung ist das, was mich immer beeindruckt hat. Für ihn ist alles, was katholische Lehre ist, schlicht und ergreifend w-a-h-r. Ich wünschte für mich wäre das immer so einfach.

Jetzt ist er über 80 Jahre alt. Und tritt ab. Verdient hat er es allemal. Möge sein Dienst für die Kirche beim Herrn Geltung finden, möge Er es ihm vergelten! Möge ihm der Herr noch viele Jahre schenken, damit er wieder mehr Zeit hat für seine Familie, die Neffen und Nichten. Und möge ihm der Herr einen Tagesablauf ohne Terminkalender schenken!

(Vergelten, dieses alte Wort, das man eigentlich nur noch im Süden der Republik und bei Kirchens findet …)


Der Lehrstuhl des Petrus

Sunday, 23. February 2014

Das liturgische Fest war zwar gestern, aber schon vor drei Jahren (ich dachte, es wären erst zwei gewesen!) hatte ich mal eine kleine Trilogie meiner Gedanken zu diesem Fest und dem Anspruch, der sich damit verbindet, hier publiziert. Da ich aus diversen Gründen aktuell nicht dazu komme, immer was neues zu schreiben und andererseits dieser Blog schon über zehn Jahre auf dem Buckel hat, bin ich mal so frei mich selbst zu zitieren. In den verlinkten Originalbeiträgen I bis III findet man diverse Links, die ich jetzt einfach mal weglasse - bei Bedarf kann sich jeder selbst genauer informieren.

Teil I

Ich hoffe, bislang der Papolatrie (=Anbetung des Papstes) unverdächtig gewesen zu sein.
Das einheitsstiftende Amt des Papstes halte ich aber für unabdingbar für die Kirche und in der Tat für ein von Christus gewolltes konstitutives Element für die Kirche - insofern bin ich stramm katholisch.
Dennoch halte ich es für sehr gefährlich, aus dem jeweiligen Amtsinhaber einen religiösen Superstar zu machen, wie es seit dem großen Dramaturgen, dem bald seliggesprochenen JP2 oft geschah und geschieht (auch wenn es nicht so das Ding für B16 zu sein scheint).

Ich weiß nicht, wie es den Lesern so geht, aber anfangs hatte ich immer das Gefühl, die Orthodoxen hätten irgendwie doch eher den ursprünglichen Glauben bewahrt und das Papsttum sei eine katholische Sonderentwicklung. Erst ein gewisses historisches Studium der Quellen hat mich eines besseren belehrt. So ist es bspw. keinesfalls so, daß es unter den Orthodoxen eine “Einheit im Glauben” gibt, auch wenn diese immer postuliert wird.

Ein paar Infos zu beidem, so gut es mein Gedächtnis hergibt in chronologischer Reihenfolge:

1. der Ketzertaufstreit: rund um das Jahr 250 gab es einen Streit zwischen dem damaligen Bischof von Karthago, Cyprian, und dem Bischof von Rom, Stephan I., über die Frage, ob eine Taufe, die in richtiger Form von einem Christen außerhalb der Kirche (=Ketzer) gespendet worden ist, denn jetzt in den Augen der Kirche gültig sei oder nicht. Cyprian war ein strenger Vefechter der Wiedertaufe (in seinen Augen natürlich Ersttaufe, da die erste keine gültige war), Papst Stephan lehnte dies strikt ab, es käme nur auf die Form und Intention an. Der Bischof von Alexandria, Dionysius, neigte eher der Meinung des Papstes zu, sah aber die Gefahr einer Kirchenspaltung und mahnte behutsames Vorgehen an. Er selbst hat aber wohl keine Zweittaufe gespendet.
Geklärt wurde das ganze dann im Ersten Ökumenischen Konzil zu Nizäa im Jahr 325. Der 8. Kanon (Kanon ist ein Konzilsbeschluß) besagt, daß von einer bestimmten außerkirchlichen Sekte (die “Reinen”, Katharer) sogar die Priester und Diakone in ihren Ämtern anerkannt werden, sollten sie zur Kirche zurückkehren wollen. Die Taufe war selbstverständlich gültig. Zuvor hatte schon die Synode von Arles im Jahr 314 die Ketzertaufe anerkannt (9. Kanon).

In der Orthodoxie wird aber zum Teil immer noch auf Cyprian von Karthago zurückgegriffen und die katholische Taufe nicht anerkannt. Die Russen erkennen sie vorbehaltlos an (genauso wie die Priesterweihe), die Georgier lehnen sie vorbehaltlos ab, meines Wissens nach tun dies auch die Serben (taufen also “neu”), bei einigen Kirchen (wie der früheren Russischen Auslandskirche) liegt das im Ermessensspielraum des Bischofs bzw. in dessen Vertretung des Priesters. Eine Einheit im Glauben sieht meines Erachtens nach anders aus.

Die mehrheitliche Ablehnung ist übrigens die Reaktion auf ein meines Erachtens nach tragisches römisches Vorgehen. Es ist leider weitgehend unbekannt, daß bis ins 18. Jahrhundert hinein die Kommuniongemeinschaft zwischen Orthodoxen und Katholiken mehr oder weniger ein normaler akzeptierter Vorgang war. Erst nachdem 1729 die Propaganda Fide die Einheit mit dem Bischof von Rom und die Anerkennung seiner Vorrangstellung als unabdingbare Voraussetzung für den Empfang der Sakramente machte (bei wikipedia wird das nicht erwähnt, einen direkten Link zum Text des Dekrets habe ich aber nicht gefunden), kam es 1755 zu einer harschen Reaktion aller griechischen Patriarchate, alle katholischen Sakramente wurden für ungültig erklärt (das russische Patriarchat reagierte 1757 deutlich gelassener, alle(!) Sakramente werden akzeptiert). Diese griechische Ablehnung nach früherer Anerkennung war ein Novum der Kirchengeschichte. Katholischerseits gab es schon immer die Unterscheidung bei Sakramenten von “gültig” und “unerlaubt”, die gibt es bis heute. In der Orthodoxie ist diese weniger scharf artikuliert.

Da in der Orthodoxie generell kein Bischof für den anderen spricht (für Bischöfe eines anderen Patriarchates schon mal gar nicht), ist es auch ziemlich irrelevant für deren Lehre, wenn ein orthodoxer Bischof, wie in Deutschland vor einigen Jahren geschehen, aus “Repräsentant der Orthodoxie” (den es gar nicht gibt) die gegenseitige Anerkennung der Taufe von Katholiken, Protestanten und Orthodoxen mitunterzeichnet.

So, soweit dazu. Da das schon für einen Beitrag recht umfangreich war, kommt der zweite Teil später.

Teil II

Das früheste nachbiblische Zeugnis dafür, daß die Kirche von Rom auch außerhalb des ursprünglich auf dem westlichen Reich beschränkten Jurisdiktionsbereich (=Gebiet der Entscheidungsvollmacht) tätig wurde und dies auch selbstverständlich anerkannt wurde, ist der Erste Brief des römischen Bischofs Klemens an die Kirche in Korinth. Der ist noch aus dem ersten Jahrhundert, den hatte ich vergessen zu erwähnen. Das nur ganz knapp dazu.

Deswegen geht es weiter mit

2. der Streit im Konzil von Chalcedon im Jahr 451, welches weniger als einen Monat dauerte! Es handelte sich bei diesem 4. Ökumenischen Konzil in meinen Augen um das mit Abstand wichtigste Konzil überhaupt, auch weitaus wichtiger als das 21. Ökumenische (das Zweite Vaticanum). Viele meinen “das Konzil” sei immer nur das Zweite Vatikanische gewesen. Wer weiß, daß es bereits 20 Ökumenische Konzile davor gab und es - vorausgesetzt, die Parusie läßt weiter auf sich warten - auch noch womöglich weitere geben wird, die ggf. Entscheidungen des letzten Konzils revidieren, kann es besser einordnen. Aber um Mißverständnissen vorzubeugen: natürlich gilt es, alle(!) Beschlüsse des letzten Konzils mit Gehorsam anzunehmen, denn es steht uns “vorauseilender Gehorsam des Hl. Geistes” nicht zu: keiner weiß, ob, wann und wo je wieder ein Konzil stattfinden wird und was es beschließen wird.
Worum ging es bei diesem Konzil? Hauptsächlich um eines: wer ist Jesus? Ist Er Gott? Ist Er Mensch? Ist Er beides und wenn ja, dann wie? Welche “Natur” hat Er, wie hat Er Anteil an der Gottheit? Das Ergebnis dieses Konzils ist die berühmte Formulierung, daß in der Einen Person (griech. Hypostase) Jesu Christi zwei Naturen, die göttliche und die menschliche “unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt” existent seien.

Wie kam es zu diesem Ergebnis und welche Folgen hatte es? Nun, zuerst zu den Folgen, denn eine große Folge dauert bis heute an. Der damalige Bischof und Patriarch Dioskur von Alexandria konnte es nicht akzeptieren, daß die beiden Naturen in Jesus Christus so wie geschildert “vorlägen” (genau erklären kann und will ich das gar nicht), er betonte mit seinem Gefolge eindeutig die Gottheit Jesu Christi über die Menschheit Jesu. Es kam zu der Abspaltung der Kirche, die im Gefolge dann “alt-orientalisch” genannt wurde. Diese Kirchen gehören bis heute dazu, u.a. auch die in letzter Zeit bekannter gewordenen Kopten. Im allgemeinen werden sie Monophysiten genannt, auch wenn sie selbst die Bezeichnung Miaphysiten bevorzugen.

Entscheidend für die weiter oben ganannte abschließende Formulierung wurde das Eingreifen des römischen Bischofs, des Papstes Leo dem Großen. Er war selbst nicht anwesend (das war bei den im Osten statfindenden Konzilien durchaus üblich), sondern hatte seine Gesandten hingeschickt. Die christologische Streitfrage hatte er nun nach eigenem Bekunden als Inhaber des Apostolischen Stuhls (damit wurde - auch eher unbekannt - nur der römische bezeichnet, obwohl Petrus zuvor auch erster Bischof von Antiochien war) autoritativ beantwortet, indem er ein Schreiben in Chalcedon vorlesen ließ (was der Bischof von Alexandria lange verhindern wollte - jaja, so ging’s damals schon zu …). Dieses Schreiben ging als “Tomus Leonis” in die Geschichte ein. Die Reaktion darauf wird so überliefert, daß manche Konzilsväter begeisert ausriefen, mit der Stimme Leos hätte Petrus selbst gesporchen.
Aber wo ist jetzt der Haken?
Nun, die Bedeutung dieses Tomus wird aus nachvollziehbaren Gründen in Ost und West unterschiedlich gesehen. Während bspw. der orthodoxe Theologe Olivier Clément in seinem Buch “You are Peter” das ganze eher ein wenig runterspielt (obwohl er zugibt, daß sich Leo seiner päpstlichen Vollmacht schon da voll bewußt war), legt Stephan Otto Horn in dem von mir bereits kurz rezensierten Buch schön dar, welche große Bedeutung das Eingreifen des Inhabers des Apostolischen Stuhles hatte. Das kann der Osten natürlich nicht einfach schlucken, das kann man auch nicht argumentativ erzwingen und Quellen können unterschiedlich bewertet werden.

Die unterschiedliche Quellen-Bewertung spielt bis heute auch bei dem zweiten folgereichen Thema eine Rolle. Aber dazu später dann im Teil III.

Teil III

Wie angekündigt jetzt der abschließende Teil zum Konzil von Chalcedon, der heute noch Schatten wirft. Es geht hierbei nicht um die Fraktionen Katholisch-orthodox versus alt-orientalisch, sondern grob gesagt um Ost versus West.

Das Stichwort lautet “Canon 28″.

Jedes altkirchliche Konzil hat als Beschlußsammlung die bereits erwähnten Canones herausgegeben, sie sind das eigentliche Ergebnis des Konzils. Der Canon 28 besagt nun, daß der Bischofssitz von Konstantinopel nicht nur wie zuvor beim Ersten Konzil in Konstantinopel im Jahr 381 festgelegt an zweiter Stelle hinter Rom stünde, sondern gleichauf mit Rom den ersten Platz sozusagen teilt. Begründung war der Umstand, daß Konstantinopel jetzt (durch den Sitz des Kaisers) das neue Rom sei.

Jetzt ist es aber so, daß die päpstlichen Gesandten, die sog. Legaten, während der Abstimmung über diesen Canon überhaupt nicht mehr anwesend waren - es handelt sich also um einen Canon ohne päpstliche Teilnahme. Die Legaten haben die Zustimmung auch nachträglich verweigert, ebenso Papst Leo der Große. Es ist in meinen Augen vollkommen nachzuvollziehen, daß sich die Position eines Bischofssitzes nicht an den politischen und somit zeitlichen Machtverhältnissen orientieren darf. Der Apostolische Stuhl war und ist immer nur Rom (das im letzten Beitrag genannte Buch von Horn zeigt viele Quellen auf, die diese Sichtweise auch für den Osten bestätigen), durch den Kaisersitz in Konstantinopel hat auch der dortige Bischof keinen Anteil daran erhalten.
Aus diesem Grund hat Papst Leo das Konzil als ganzes mehrere Jahre überhaupt nicht akzeptiert, erst durch Beknieung durch Kaiser und Bischöfe tat er es dann doch, allerdings ohne den Canon 28. Der wurde im Westen nie akzeptiert.

Okay, soweit so gut. Es gab schon immer - um der Mär von der ach so geeinten Kirche im Ersten Jahrtausend ein Ende zu bereiten - Konzile der einen Region, die in der anderen nicht anerkannt wurden, so bspw. die Synode (Konzil ist nur das latein. Wort für Synode) von Elvira im heutigen Spanien (in der Nähe von Granada) aus dem 4. Jh. Wer schon immer mal wissen wollte, wann der Sabbat als kirchlicher Feiertag zugunsten des Sonntags offiziell abgeschafft wurde - hier war’s (was auch weltweit Einzug hielt). Diese unterschiedliche Tradition der Konzilsinterpretationen in Ost und West, meines Erachtens eines der spannendsten katholisch-orthodoxen ökumenischen Themen, ist aber später noch einen eigenen Beitrag wert.

Also zurück zum Canon 28. Entscheidend jetzt für die weitere Beurteilung dieses Canons ist es, wie die Kirche mit ihm umgegangen ist. Er ist überliefert, das ja. Aber: er findet sich in den ersten Jahrhunderten nach diesem Konzil in keiner kirchlichen(!) Canonsammlung, weder des Westens noch des Ostens! Selbst ein Patriarch von Konstantinopel wie der in der Orthodoxie als heilig hochverehrte Johannes Scholasticus, der über 100 Jahre nach dem Konzil von Chalcedon eine epochale Sammlung des kanonischen(!) Rechts editierte, führt diesen Canon nicht auf, obowhl doch gerade er davon profitiert hätte.

Nein, wenn der Papst in Rom als Inhaber des alleinigen Apostolischen Stuhls einen Canon nicht mitträgt, gilt er als nicht mehr verbindlich für die Kirche, so war damals die übliche Vorgehensweise.
Erst als das Schisma immer deutlicher wurde, wurde dieser Canon plötzlich hervorgeholt und findet sich als Streitpunkt bis heute auf dem Tablett.

Soweit zu diesem Konzil - und hier beende ich mal die kleine Reihe über die Kathedra Petri.


Erfolg oder Nachfolge

Saturday, 25. January 2014

Wie ich gerade hier bei Barbara las, gab es neulich den alljährlichen Soldatengottesdienst, also hier ein Pontifikalamt mit Hl. Messe (natürlich), im Kölner Dom, zelebriert vom Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Und wie ich an gleicher Stelle las, ist die Regionalgruppe Köln von Pax Christi gegen diese “Veranstaltung”, da sie u.a. ein falsches Signal sende.
In ihrem Beitrag kritisiert Barbara die Naivität von Pax Christi und anderen Friedensbewegten, zumal es sich bei der Bundeswehr auch um ein von der Verfassung vorgesehenes und legitimes staatl. Organ handele.

Nun, es mag überraschen, aber ich habe nichts gegen Soldatengottesdienste.

Hl. Messen für werden für Menschen gefeiert, nicht für Berufsgruppen, auch wenn es immer mal wieder partikulare Gruppen dabei gibt. Die sind mir reichlich egal. Der Mensch ist ein Ebenbild Gottes, unabhängig von seinem Beruf oder seinem “Gnadenstand” (Vorsicht: katholisches Fachchinesisch). Dabei ist mir auch die “Verfassungsgemäßheit” einer beruflichen Tätigkeit egal. Von mir aus kann man auch ein Pontifikalamt für Abtreibungsärzte feiern, auch die machen nichts Strafbares. Vor Gott geht es um den Menschen, und der wird von Ihm immer geliebt. Gott ist für die Sünder da, und da reihe ich mich ein, bei Soldaten und Abtreibungsärzten, bei Heiligen und Versagern, Gläubigen und Zweiflern, und die Leute von Pax Christi Köln hoffentlich ebenso.

Und dennoch: der auch diesmal von Barbara (und vielen anderen) immer wieder gebrachte “Vorwurf” (also Feststellung getarnt), Gewaltlosigkeit würde nicht funktionieren, ist mir als Christ vollkommen schnuppe (ich verweise auf diesen Beitrag).

Ich bin Christ, kein “Erfolgist”. Ich will Christus nachfolgen, nicht dem Erfolg. Christus hat mein Vorbild und Lehrer zu sein, nicht der Erfolg, Gewinn oder Sieg. Ich kann und will nicht zwei Meistern dienen.

Und welches Verhalten Jesus von Nazareth angesichts von Gegnerschaft und Feinden gesgat hat, setze ich mal wieder als bekannt voraus. Erfolgversprechend ist das nicht wirklich, nein, es führt mit großer Wahrscheinlichkeit zur Niederlage am je eigenen Kreuz. Aber es ist Nachfolge. Und ich hoffe, daß ich einst die Stärke dazu haben werde, wenn sie von mir gefordert wird.


Spiegelbild der Unkenntnis

Monday, 06. January 2014

Daß die Kirche, wenn sie einer Eheschließung assistiert, sich vorher vergewissern will, daß diese Ehe auch aus kirchlicher Sicht eine solche ist, scheint ja im ersten Moment nicht wirklich überraschend oder fragwürdig zu sein.

Anders wird es aber wohl für viele unbedarfte Zeitgenossen (davon reichlich Katholiken), wenn sie genau das umsetzt.

Das nach meinem Eindruck katholische Lieblingsfeindbild der Schweizerischen Medien, Bischof Huonder von Chur, hat angeblich entschieden, daß von den Ehepaaren in spe Kinder als Folge der Ehe nicht von vorneherein ausgeschlossen werden dürfen, damit sie kirchlich getraut werden können.

Und jetzt lese man unter dem verlinkten Artikel mal die große Mehrheit der Kommentare …

Daß es seit Jahrhunderten(!) Lehre der Kirche ist, daß ohne Offenheit für Kinder die Ehe nicht gültig ist, also keine kirchlich anerkannte Ehe ist, weiß anscheinend nahezu niemand mehr vom normalen Kirchenvolk.

Wer ein Beispiel vom Komplettversagen der Glaubensunterweisung der letzten Jahrzehnte braucht, bitte schön!

(Dabei geht es mir nicht um die Wertung dieser kirchlichen Lehre, mir geht es darum, daß man sie gefälligst kennen sollte, sich also eben nicht überrascht zeigt).


Die einen und die anderen

Saturday, 28. December 2013

Die einen, die Christen, feiern Weihnachten als Fest der Menschwerdung Gottes - ewig “unglaublich!” - immer noch. Der Baum steht, die Krippe auch, Weihnachtslieder werden vielleicht noch gesungen, das ganze kann noch ein Weile dauern.
Die anderen, falls sie das kulturelle Weihnachten gefeiert haben, haben den Baum schon abgebaut, warten evtl. auf die Mitnahme von der städtischen Entsorgung desselben - und haben sich vielleicht nie gefragt, warum der Jahreswechsel nicht an Weihnachten selbst, wäre ja mathematisch pasender, sondern 7 Tage später gefeiert wird (der Grund ist übrigens die sog. Weihnachtsoktav). Die Menschwerdung Gottes? Nein, was zählt, ist das Fest als kulturelles und im besten Fall familiäres wirkliches Fest.
Dann gibt es noch die dritten, da steht der Baum vielleicht, vielleicht auch nicht. Irgendwie ist da ein diffuser Glaube an Jesus, als Christkind faßbarer als als Mann am Kreuz und dann sogar Auferstandener. Das ganze im Schlepptau der Geschichte (Kirche, Sakramente, der ganze pipapo) läßt man lieber im eigenen Leben möglichst unbeachtet - von Lebenswenden mal abgesehen. Es stört mehr als daß es zu helfen scheint.

Und ich frage mich warum.

(Und bin gleichzeitig dankbar für das Geschenk des Glaubens, denn wirklich “erarbeiten” kann es sich niemand.)

Ich frage mich, warum es vielen so schwerfällt, einfach mal so zu tun, als wäre die ganze Geschichte von Jesus wirklich wahr. Nicht wie Bonhoeffer mal meinte (in ganz anderem Kontext!) so leben “als ob es Gott nicht gäbe”, sondern im Gegenteil so glauben und im besten Fall leben, als stimmte es.

Die einen haben philosophische oder erkenntnistheoretische Hinderungsgründe - diese respektiere ich, auch wenn ich sie für nicht stichhaltig halte. Doch viele scheinen zu denken (vielleicht irre ich mich!): “So what? Was hat das mit mir zu tun? Darum kann ich mich maximal noch kümmern, wenn ich alt und klapprig bin, so kurz vor dem Ende.” Sie feiern vielleicht Weihnachten, glauben vielleicht auch an Jesus, irgendwie, so ganz sicher sind sie nicht, aber wirklich beschäftigen tun sie ich mit diesem Thema kaum. Und genau das verstehe ich nicht. Denn wenn ich es für ansatzweise wahr halte, dann gibt es doch kein faszinierenderes Thema, oder? Und wie schafft man es, mit dieser ständigen Unsicherheit über die absolute Wahrheit klarzukommen? Ich würde ständig grübeln und mich in Literatur verkrümeln - was ich jetzt auch tue, schließlich bin auch ich ein Kind des skeptischen Zeitalters - nur um endlich mal klarzuhaben, was ich denn jetzt für richtig halte.

Nach meiner Erfahrung ist es so toll, an Jesus zu glauben, eben mit all dem pipapo mit Kirche und Sakramente und so, daß man diese Gewißheit allen wünscht! Nie mehr ist man wirklich einsam, die Welt-Anschauung ändert sich fundamental - und zwar ins wunderschön Positive - das ganze Leben, das eigene wie das der anderen, bekommt eine unbeschreibliche Wichtigkeit.

Des Evangeliums Freude, eben “Evangelii Gaudium”.


Evangelii Gaudium

Tuesday, 17. December 2013

Vielleicht bin ich etwas langsam (es gibt ja auch Wichtigeres zu tun), aber ich bin jetzt erst mit dem letzten Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus fertig geworden.

Und es ist schon erstaunlich, oder vielleicht auch wiederum gar nicht - was bei mir hängen blieb, sind einige Passagen, die ich noch nirgendwo sonst debattiert gefunden habe.

Da wäre erstens der kleine Abriß einer kleinen Theologie der Stadt (Absätze 71-75). Das Christentum war anfangs eine Religion in der Stadt, kaum auf dem Land, und genauso ist auch die erneute Bewegung zu sehen (auch wenn auf dem Land die kulturellen Wegmarken oft noch stark vom Kulturbringer Kirche, mehr als von der Glaubensgemeinschaft Kirche, geprägt sind). Die Zukunft des Christentums liegt in der Stadt, in einem multikulturellen, multireligiösen und natürlich auch multinationalen Umfeld.

Dann hat mich ein größerer Abschnitt tief beeindruckt, in Kapitel 4 der ganze Abschnitt IIII, mithin die Absätze 217-237. Hier entwirft der Papst ein beeindruckende und konsistente Werteordnung aller Bemühungen um die Evangelisierung. Diese Ordnung tröstet und bestärkt, ordnet vieles, erfüllt von Hoffnung, richtig ein.

Dagegen sind die Aussagen, die bspw. das konkrete Papstamt, die soziale Gerechtigkeit oder Umgang mit Scheitern und Schuld, an mir ziemlich abgeperlt. Nicht daß sie nicht manchmal wunderschön voller Herz und Mitgefühl und manchmal auch Selbstironie formuliert wären, aber sie sind nichts Neues vom päpstlichen Lehramt, bloß alter Wein in vielleicht neu erscheinendem Schlauch. Natürlich stimme ich dem allem vorbehaltlos zu und halte es für gut, daß Papst Franziskus es erneut und deutlich in Erinnerung ruft, wie die Kirche das wirtschaftliche Handeln richtig bewertet, doch wie gesagt, was Neues ist das nicht (manch einer hat es vielleicht vorher nicht wahrhaben wollen).

Das was ich dagegen oben genannt habe, hatte ich so noch nicht gelesen (was nicht heißt, daß es nicht schon viele Ansätze bspw. einer Theologie der Stadt gäbe).

Aus jeder Zeile trieft aber die Freude am Evangelium, und das ist die größte Anfrage an einen jeden von uns. Kann man sie, falls überhaupt vorhanden, uns anmerken, ansehen, anhören?


Vielleicht sagst Du bis hierher “Na und?”

Saturday, 14. December 2013

Aber Weihnachten ist der Geburtstag des Gottes mit Migrationshintergrund.



Wieder da

Saturday, 07. December 2013

Die unendlich große Zahl an täglich mehrfach hier vorbeischauenden Internetsurfern wird festgestellt haben, daß diese Seite ein paar Tage nicht so richtig da war.

Ein Domainumzug hat nur schrittweise funktioniert (bzw. ich hatte zu wenig Zeit, den Inhalt direkt mit umzuziehen, der Domainname war schnell beim neuen Anbieter).

Jetzt jeht et wieder, wie der Rheinländer so sacht.

(Es wird auch noch alles wieder eingedeutscht irgendwann, keine Sorge)


Einwand Nummer 2

Monday, 04. November 2013

(Hier geht’s zum Einwand Nummer 1)

Der nächste Einwand gegen die christlich motivierte Gewaltlosigkeit, der in dem genannten Buch vorgestellt wird, hat es in sich - gleichzeitig ist dieses Kapitel eines der besseren, und es geht zur Sache.

Die Frage ist: ist es vertretbar, daß man Unschuldige sterben läßt, bloß weil man einem militärischen Eingreifen nicht zustimmt?

Die Kernfrage ist also nicht, ob man selbst für seine Überzeugung sterben würde, sondern ob man andere für seine Überzeugungen sterben lassen würde. Dies wird von dem Autor dieses Essays klar benannt.

Und er fängt schon sehr sympathisch an. Er ist nämlich nicht gerne Pazifist. Er mag es eigentlich überhaupt nicht, in diese Kategorie gesteckt zu werden, findet viele Pazifisten überheblich und selbstgerecht und hat die Erfahrung gemacht, auch im eigenen familiären Umfeld, daß militärisches Engagement nicht nur moralisch gut erscheint, sondern auch von Menschen vertreten und an der Front verantwortet wird, die höchst integre Persönlichkeiten sind.

Doch letztlich geht es nicht um säkulare Moral, um Moral, die jedermann und -frau vielleicht nachvollziehen kann, sondern es geht um das Beispiel Jesu. und es geht vor allem um eines: um die Auferstehung. Ohne die Wahrheit der Auferstehung sind wir als Christen ja nach den Worten des Apostels Paulus eh die erbärmlichsten Kreaturen auf diesem Planeten (1 Kor 15), ohne die Auferstehung macht christlicherseits konsequente Gewaltlosigkeit überhaupt keinen Sinn. Und nur mit dem Glauben an die Auferstehung kann man die Frage bejahen, ob der Tod Unschuldiger zu verantworten ist.

Der Glaube an die Auferstehung und an die Gerechtigkeit Gottes führt dazu, daß irgendwann und irgendwie Gott allen, auch den unschuldig Getöteten, Gerechtigkeit widerfahren läßt. Das ist die Überzeugung des Christen (ich hoffe mal, daß das Konsens ist).

Gleiches gilt auch natürlich für die unschuldig Getöteten, die bei einem militärischen Eingreifen umkommen - denn ohne diese menschlichen “Kollateralschäden” kommt auch in den Zeiten angeblich präzisester Vernichtungswaffen kein Konflikt aus.

Wer militärisches Eingreifen ablehnt, tötet zwar nicht, aber er macht es sich ggf. zu bequem, nur damit er sich nicht die Hände schmutzig machen muß. Es ist aber auch möglich, ein militärsiches Eingreifen abzulehnen und trotzdem aktiv zu sein (siehe Einwand Nummer 1). Nur bei Untätigkeit wird das Töten regungslos zugelassen. Daher greift dieser oft gehörte Vorwurf des “sich zu leicht machens” nicht.


Berechtigte Frage

Tuesday, 29. October 2013
Gibt es etwas Lächerlicheres als einen Christen, der sich nicht um die Anderen kümmert?

Johannes, ca. 345-407, Patriarch von Konstantinopel, genannt Chrysostomus (Goldmund)


Anspruch

Monday, 07. October 2013

Ein Freund amüsiert sich manchmal wohlwollend über meine u.a. in christlichen Internetforen kundgetane Meinung, daß man die Menschen bitte nicht unterfordern solle. Ich bin schon seit Jahren der Meinung, daß anspruchsloses Ohrschmeicheln in Predigten und Verlautbarungen von welcher Stelle auch immer letztlich den Menschen viel weniger dient als Aufforderungen und Aufrütteln.

Und als ich gestern mit iubita mea ein super interessantes Buch des Begründers der Logotherapie, Viktor Frankl, las (nicht zu verwechseln mit Logopädie, was ganz anderes), stieß ich auf ein Zitat eines sehr bekannten Deutschen. Frankl betrachtet dieses Zitat als Grundlage jeglicher Psychotherapie.

Ich denke es ist ebenso geeignet als Grundlage jeglicher Pastoral.

Wenn wir die Menschen nur nehmen wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.

J.W. von Goethe


Einwand Nummer 1

Friday, 27. September 2013

Wie schon erwähnt, möchte ich ab und zu ein wenig die Einwände skizzieren, die in dem Buch “A Faith not Worth Fighting For” gegen die Position der christlich motivierten Gewaltlosigkeit angebracht werden.

Hier folgt der erste, oft gehört, gerne auch in den Sozialen Medien mal vorgebracht:

“Ist Gewaltlosigkeit nicht passiv?” (das ist die schöne Umschreibung für deutlichere Vorwürfe, die man sich anzuhören hat, wenn man kriegerische Maßnahmen der verschiedensten Motivation ablehnt)

Nein, Gewaltlosigkeit ist alles andere als passiv. Auf Wikipedia findet sich folgendes schönes Zitat des bekannten Autors Aldous Huxley:

Gewaltloser Widerstand bedeutet nicht Nichtstun. Er bedeutet, die ungeheure Kraftanstrengung zu unternehmen, die nötig ist, um das Böse mit dem Guten zu besiegen. Diese Kraftanstrengung baut nicht auf starke Muskeln und teuflische Waffen: Sie baut auf moralische Tapferkeit, auf Selbstbeherrschung und auf das unvergessliche, zähe Bewusstsein, dass es auf Erden keinen Menschen gibt - so brutal, so persönlich feindselig er auch sei - ohne angeborenes Fundament von Güte, ohne Liebe zur Gerechtigkeit, ohne Achtung vor dem Wahren und Guten; all dies ist für jeden erreichbar, der die geeigneten Mittel verwendet.

Das Entscheidende dabei ist, und das ist grundlegend für die das Christliche an der Motivation, dass die Treue zur eigenen Überzeugung wichtiger ist als der Erfolg. Der gewaltlose Weg wird als der Weg der Nachfolge Christi verstanden.

Aber natürlich sind auch Nichtchristen unter den überzeugten Anhängern der Gewaltosigkeit (wer bspw. meint, im Islam könne es sowas nicht geben, zumindest nicht mit Einfluss, der schaue sich mal die Geschichte von Khan Abdul Gaffar Khan genauer an), doch deren Motivation ist für mich nicht entscheidend (und für die Autoren des Buches auch nicht).

Welche Methoden des gewaltlosen Widerstandes gibt es?

Nach dem einflussreichsten Theoretiker der Gewaltlosigkeit, gene Sharp, sind die Methoden zusammengefasst folgende (zu jeder gibt es zahlreiche Ideen des “Auslebens”, man muss sehen, was für einen und für eine konkrete Situation am besten passt):

Gewaltfreier Protest und Überzeugung
Soziale Nichtzusammenarbeit
Wirtschaftliche Boykottaktionen
Streikaktionen
Politische Nichtzusammenarbeit
Gewaltfreie Intervention

Ziel des gesamten Gedankens der Gewaltlosigkeit ist dabei nicht der Sieg, nicht der Erledigen des Feindes, sondern vielmehr das Gewinnen des Feindes. Ja, es ist viel mühsamer und sicher auch deswegen häufiger nicht von Erfolg gekrönt. Doch hier bin ich wieder bei Jesus: er endete am Kreuz, weil er sich selbst in der Gewaltlosigkeit treu blieb - und gerade da zeigt sich die Bestätigung durch Seinen Vater.


Erstaunt

Thursday, 12. September 2013

Ich stelle gerade überrascht fest, dass dieser Blog (ich bleibe bei der männlichen Form) vor rund zwei Monaten 10 Jahre alt wurde - wie die Zeit vergeht.
Und wenn ich mich so umschaue, und manch alter Hase ist nicht mehr aktiv zu erblicken, hat wohl nur noch Dylan grauere Blog-Haare als ich.


Zusammenhang

Wednesday, 11. September 2013

Man mag mich für naiv halten, aber ich bin davon überzeugt, daß die lapidar dahingesagte Aussage des US-amerikanischen Außenministers John Kerry über die Kontrolle der syrischen Gaswaffen (ich gehe davon aus, daß das in der Tat rein rhetorisch gemeint war und nicht abgesprochen war) und in Folge die plötzliche Wendung des Konfliktes direkt was mit dem “Gebetssturm” für den Frieden zu tun haben, der kurz zuvor die Welt bewegte.


Paralleluniversen

Friday, 02. August 2013

Ich muss mich immer wieder wundern, für was die Kirche und ihr höchster Repräsentant, der Bischof von Rom und daher Papst, so gehalten wird.

Daß “die Welt”, also die säkularen Medien und Säkulare generell, ihn nicht verstehen, das wundert mich nicht. Sie hängen an seinen Lippen, ob denn mal was kommt, was ihrer eigenen Agenda entspricht. Oder sie beurteilen sie nach dem Standard, den ein Christ ihrer Meinung nach zu erfüllen habe. Dass Papst Franziskus da gut abschneidet, ist nett, aber wahrscheinlich nicht nur ihm egal. Er wird nicht allzuviel auf Meinungen geben.

Doch seltsam ist das Verhalten von angeblich Kirchentreuen - sie verhalten sich nämlich genauso. Beide wollen ihre Reformanliegen unterstützt sehen, egal wie sie denn nun heißen und was das für Anliegen sind. Auch für sie ist der Papst ein Mensch, an den sie konkrete Erwartungen haben und der sie zu erfüllen habe - sonst ist er eben kein guter Papst.
Genauso wird die Kirche gesehen - sie hat die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, nach - zur freien Auswahl, ist nur ein Ausschnitt - “Spiritualität”, nach “Mystik”, nach “Bewahrung der Tradition”, “Eintreten für das Leben”, “Eintreten für soziale Gerechtigkeit” und so weiter und so weiter. Dabei wird das Ringen um die eigene Meinungsherrschaft wahlweise in kirchlichen oder säkularen Medien ausgefochten, gerne auch im Netz, beliebte Themenfelder sind die Liturgie, die disziplinarischen Regeln der Kirche und die Frage nach Amt und Macht.

Nur: das hat wenig bis nichts mit dem zu tun, wofür der Papst und die Kirche da sind.

Die Hauptaufgabe des Papstes ist es nicht, der größte Weltprediger zu sein, allen möglichen Entscheidungsträgern die Leviten zu lesen oder sich in politische Debatten einzuschalten. Klar kann er das machen, muss das aber nicht. Vorherige Päpste haben das zuhauf getan, aber das bedeutet nicht, daß das ein Muss ist.
Seine Hauptaufgabe ist es, die Geschwister im Glauben zu stärken und den ganzen Laden zusammenzuhalten. Das sind zutiefst innerkirchliche Aufgaben. Und es sind Aufgaben, die sich mit einer politischen Agenda, sei sie auch kirchenpolitisch, nicht vereinbaren lassen.

Und die Kirche? Sie stellt uns die Heilmittel zur Verfügung, damit wir unsere Seele retten und von der Sünde und ihren Folgen gereinigt werden. Es geht dabei immer um uns, um jeden einzelnen, nicht um den Papst, nicht um den eigenen Pfarrer, nicht um die Fragen nach der Form der Hl. Messe.
Die Kirche stellt an mich die Frage: “Läßt Du Dich darauf ein, Deine Wunden durch Ihn mit meiner Hilfe heilen zu lassen? Bist Du wirklich offen dafür?”

Das hat mit interessengeleiteten Agenden aber nichts zu tun. Deswegen wird der jetzige Papst auch alle Seiten enttäuschen müssen irgendwann, denn er rückt nicht davon ab das zu tun, was eben essentiell für seinen Job ist - und er sieht die Kirche genauso.


Zurück

Tuesday, 23. July 2013

Da ich die letzten zwei Monate fast ununterbrochen außer Landes war und meine Zeit nicht an irgendeinem Rechner verbringen wollte, kam hier nichts neues.

Während dieser Zeit habe ich ein Buch über Gewaltlosigkeit und gewaltlosen Widerstand aus christlicher Motivation gelesen, das mich zutiefst beeindruckt hat. Die gängigen Einwände und Vorurteile werden dort alle ernsthaft und sukzessive bearbeitet und beantwortet.

Hier ist schon mal das Titelbild, auf die Inhalte gehe ich später noch mal ein. Ist keine leichte Kost, fordert ein neues Denken, aber zutiefst vom Evangelium geprägt (und somit zutiefst franziskanisch, das nur nebenbei):


Eine Frage der Priorität

Tuesday, 21. May 2013

Aufhänger der im folgenden beschrieben Diskussion war folgendes: der Aachener Friedenspreis wird dieses Jahr unter anderem an drei Schulen verliehen, die sich dafür ausgesprochen haben, daß die Bundeswehr keine Möglichkeit haben soll, im Rahmen der eigenen Schule für sich zu werben.

U.a. auf Barbaras Blog, aber nicht nur dort, sondern auch auf facebook und in anderen Medien, wurde auch von katholischer Seite gegen diese Entscheidung protestiert, Barbara schrieb einen Brief an den Ortsbischof Heinrich und an den Militärbischof Franz-Josef.

Ich hatte damals im Kommentarbereich des Beitrages über den Brief an Bischof Heinrich folgendes geschrieben:

Als erstes:

Ich halte die Preisverleihung für vollkommen richtig, gerade weil ich Christ bin. In der Nachfolge Jesu darf Gewalt keinen Platz haben.

und danach aufgrund von Gegenmeinungen:

Barbara hat sich in dem Brief als Katholikin geoutet, somit als Nachfolgerin Jesu. Wieso es für eine Nachfolgerin des gewaltlosen Königs der Könige nicht zu verstehen ist, dass manche einer auf Gewalt basierenden Organisation keine Plattform bieten wollen, ist mir schleierhaft.

Die Bundeswehr ist weder das THW noch das DRK, sie besteht vielmehr aus Soldaten, deren Grundausbildung eben effektives Töten nahebringt - das ist der Sinn einer Armee.

Natürlich darf man andere beschützen, das Tötungsverbot gilt aber immer.

Ein Beitrag auf Barbaras Blog ist wahrscheinlich Resultat dieser meiner Kommentare, dazu gibt es im Kommentarbereich selbet noch vesrchiedenen gegenmeinungen, u.a. den Hinweis, daß bei den Zehn Geboten vom Mord und nicht vom Töten die Rede ist.

Ich möchte jetzt im einzelnen auf diese Meinungen eingehen, dabei ist die Reihenfolge nicht priorisiert, sondern wie sie mir in den Kopf kommt.

1. es ist durchaus umstritten, wie das Tötungsverbot der Zehn Gebote ( 2 Mos 20,13 und 5 Mos 5,17) richtig zu übersetzen ist. Die Vulgata schreibt “non occides”, was “töten, niederschlagen” bedeutet, Luther übersetzt mit “töten”, die Elberfelder ebenfalls, die Einheitsübersetzung dagegen mit “morden”. Bei den internationalen Übersetzungen (ich überblicke Spanisch, Englisch, Französisch und Rumänisch) gibt es durchaus wechselhafte Übersetzungen selbst innerhalb der gleichen Sprache (also wie bei uns). Von eindeutig “du sollst nicht morden!” kann also keine Rede sein.

2. Barbara bezeichnet sich selbst als nicht in der Nachfolge Jesu stehend, weil sie die Evangelischen Räte nicht befolge. Nun, das eine hat mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun. Jeder getaufte und gefirmte Christ steht in der Nachfolge Jesu, für einen gläubigen Christen gilt dies umso mehr. Natürlich gibt es die besondere Art der Nachfolge eben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, so wie es neben dem allgemeinen noch das besondere Priestertum gibt, aber die Nachfolge an und für sich gilt für alle, unabhängig vom Lebensstand. Davon kann sich keiner und keine freisprechen. Uns allen soll es zuerst um das Reich Gottes gehen - das bedeutet nichts anderes als in Seiner Nachfolge zu stehen und dafür zu leben, daß diesem Reich der Boden bereitet wird.

Sollte der erwähnte Beitrag aufgrund meiner Kommentare geschrieben worden sein, so werden mir in diesem “moralisierende Vorwürfe” sowie eine “Überhöhung” über andere Christen unterstellt, zudem solle ich mir doch anschauen, wie Jesus mit den Soldaten umgegangen sei.

Inwiefern ich jemandem Vorwürfe gemacht habe, ist mir nicht bekannt. Ich denke zwar in der Tat, daß der Soldatenberuf mit der Nachfolge Jesu schlecht bis gar nicht vereinbar ist, aber das bedeutet nicht, daß ich jemandem Vorwürfe mache, wenn er es anders sieht. Würde ich Vorwürfe machen, wäre meine Rede schon nicht mehr gewaltfrei (was sowieso am schwierigsten ist). Ich überhöhe mich über niemanden, habe allerdings meine Überzeugung.
Jesus war gewaltlos - und gerade das hat zur Gewalt geführt, da dieser Botschaft immer widersprochen wird. Und wenn ich mich Christ nenne, also zu Christus gehörend, dann kann ich nicht - das ist meine feste Überzeugung - redlicherweise andere Grundprinzipien als der vertreten, mit dessen Namen ich mich schmücke.
Jesus ging mit den Soldaten so wie mit allen Leuten um: fair und gerecht. Nur weil Er jemandem keine Vorwürfe machte, heißt das noch lange nicht, daß Er damit einverstanden war. Auch dem Zöllner gegenüber, der letztlich sein ergaunertes Vermögen zurückgeben wollte, hat Er sich zuvor offen, freundlich und fair gegenüber gezeigt.

Dabei geht es prinzipiell in dieser Frage gar nicht um Erfolg oder Mißerfolg, dabei geht es nicht um Völkerrecht, nicht um die Frage, ob die USA jemals von der afghanischen Regierung oder Armee angeriffen worden sind (ich kann mich zwar nicht daran erinnern, aber was soll’s), nicht um die Frage, was eine demokratische Institution ist und was nicht, sondern einzig und allein um die Frage: was kann ich mit dem Namen “Christ” vereinbaren, was ist dieser Name mir wert? Was steht höher: ein Staatsgebilde und ihre Institutionen oder mein Glaube an den Dreifaltigen Gott, der sich in Vollkommenheit im gewaltlosen Jesus offenbart hat? Es ist letztlich eine Frage der Priorität.

Ich hatte schon vor kurzem angedeutet, daß wir viel zu tief im utilitaristischen Denken verhaftet sind: was bringt das, was nutzt das, was hilft etc. Uns soll es um das Reich Gottes gehen, und da werde ich wohl Zustimmung ernten (hoffe ich), das hat wohl mit Utilitarismus eher wenig zu tun.

Mit dieser Meinung mache ich mir sicher nicht nur Freunde, auch innerkirchlich nicht (und zwar nicht nur im Netz). Zwar ist sie seit Jahrhunderten kirchlich abgesegnet (schon Papst Nikolaus IV., der die erste Regel für den weltlichen Franziskanerorden approbierte, untersagte dort das Waffentragen für die weltlichen Ordensleute, was das Ende einiger italienischer Stadtkriege bedeutete), aber leider hat sie sich nocht nicht durchsetzen können. Aber so ist Gewaltlosigkeit nun einmal: ein Angebot, sie drängt sich nicht auf. Sie will überzeugen mit Argumenten und dem Leben, nicht mit Privilegien und Macht. Bei Jesus endete sie am Kreuz, am Ort unseres Heiles. Sie hat auch schon andere Verfechter zu ihrem ganz persönlichen Kreuz geführt, mich noch nicht. Ich hoffe ehrlicherweise auch, daß dieser Kelch an mir vorüber gehen wird.


Positiver Standesdünkel

Saturday, 18. May 2013

Die Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer ist zwar jetzt nicht das bekannteste Ethikgremium der Bundesrepublik, aber, im Gegensatz zu manch anderem, was meine ärztlichen KollegInnenen so publik machen, eines der ärztlichen Stimmen, auf die man sich auch als christlicher Arzt noch mehr oder weniger “verlassen” kann.

Hier findet man die brandaktuelle Stellungnahme zu dem etwas sperrigen Thema: “Versorgung von nicht regulär krankenversicherten Patienten mit Migrationshintergrund” - also kurz gesagt: “Medizinische Versorgung von Asylbewerbern und Illegalen”

Derzeit gibt es in der aktuellen Gesetzeslage verschiedene skandalöse Tatbestände, die unbedingt abgestellt gehören und die auch in der Stellungnahme angesprochen werden - ich nenne nur zwei:

1. derzeit entscheidet ein Sachbearbeiter des Ausländeramtes (also medizinischer Laie), ob ein Asylbewerber zum Arzt darf - d.h. faktisch, der Patient muss dort vorstellig werden, seine Beschwerden schildern, und darf dann auf die Erlaubnis hoffen zum Arzt gehen zu dürfen. Und im Notfall darf man selbst nicht ins Krankenhaus gehen oder von Nichtärzten (Freunden, Verwandten) gebracht werden. So etwas ist vollkommen inakzeptabel. Man stelle sich vor, eine Notaufnahme würde alle abweisen, bei denen vorher nicht zuhause ein Arzt gewesen ist - eine Horrorvorstellung.

2. derzeit ist es so, daß Illegale deswegen einen Gang insbesondere ins Krankenhaus (Schwangerschaft und Geburt!) scheuen, weil die Krankenhauseitung bei Aufnahme verpflichtet ist, die Daten ans Ausländeramt zu melden, was einer drohenden Abschiebung gleichkommt. Medizinische Versorgung muss ohne Ansehen und Gefahr für die zu behandelnde Person ausführbar sein, dieser Raum gehört zwingend geschützt!

Ich hoffe, daß die Stellungnahme der Ethikkommission nicht verpufft im medialen Zirkus und bin dankbar für diese klare Stimme.


Osterzeit

Friday, 17. May 2013

Es gibt so ein paar Tage im Jahr, da finde ich die kirchlichen Vorgaben nicht so richtig schlüssig.

Bspw. finde ich es seltsam, daß es in der Osterzeit Fastentage gibt - nämlich die Freitage (und deswegen faste ich auch nicht, wiewohl ich sonst schon versuche die Freitage fleischlos zu bleiben - manchmal vergesse ich es aber auch).

Und heute finde ich es ganz besonders seltsam - wir steuern Pfingsten an! Wie kann man da fasten, wie kann man da - wenn man ihn betet - den Schmerzhaften Rosenkranz beten, wo doch der Glorreiche inhaltlich tausendmal besser paßt?

Gut, so entscheidend ist das alles nicht, das ganze Thema nicht, aber manchal mache ich mich auch über so etwas Gedanken. Und es soll jetzt auch nicht so klingen, als würde ich täglich den Rosenkranz beten, das passsiert alle Jubeltage mal, aber heute war es unterwegs eben mal wieder soweit.


Mehr verstanden

Monday, 13. May 2013

Seitdem ich mich mehr mit dem Thema der Gewaltlosigkeit als Nachfolge Jesu beschäftige, habe ich das Gefühl, plötzlich viel mehr vom Evangelium zu verstehen. Echt krass.

(Nur dummerweise wird es dadurch nicht einfacher)


Sowohl als auch

Monday, 13. May 2013

Dass es dieses Buch jetzt auch auf Deutsch gibt, war zwar zu erwarten, wußte ich aber noch nicht, als ich es anfing zu lesen. Nun, daher beruhen meine Eindrücke auf der spanischen Edition.

Ich finde, es gibt in diesem Buch viel “sowohl als auch”, und zwar sowohl den Inhalt der Aussagen insbesondere des damaligen Kardinals als auch den Dialog zwischen ihm und dem Rabbiner selbst betreffend.

Was mir als erstes auffiel, ist, das ich das Gefühl habe, so richtig miteinander reden die beiden eher selten. Viele Themen werden oberflächlich angekratzt, beide geben Statements ab, bestätigen sich manchmal, aber so richtig tief geht das nicht immer. Bei manchen Themenfeldern aber, wie bspw. dem Verhalten der Kirche in Argentinien während der Militärdiktaur oder bei der Frage nach der zukünftigen Rolle der Religion an und für sich, kommt es zu einem richtigen Austausch, dann auch mit Substanz. Also sowohl als auch. Vielleicht lag es auch am Format des Buches, da jedes der fast 30 Themen eine längere Betrachtung verdient hätte.

Dann ist die Betonung der Glaubespraxis für den Papst augenfällig, und zwar die Verpflichtung für jedermann und -frau, aus der man sich auch durch Unterstützung für professioneller Hilfe (Spenden für Caritas bspw.) nicht frei”kaufen” kann. Das richtige Tun, die Orthopraxie, muß aus dem rechten Glauben, der Orthodoxie, hervorgehen, sonst ist es mit der Orthodoxie nicht weit her. Beispiele dafür gibt es im Buch zahlreiche. Nur das Tun ohne den Glauben als festes Fundament dagegen würde die Kirche überflüssig machen.

Dann bestätigt sich das, was auch in seinem Pontifikat immer wieder aufscheint - Papst Franziskus ist unkompliziert, weiß aber genau wie er wirkt und überläßt nichts dem Zufall. Er weiß, warum er was tut und warum er anderes unterläßt. Als Herzblut-Seelsorger und Hirte insbesondere für die Armen nimmt er sich auch sehr zurück, wenn es um Parteinahme in der Politik geht - so geht er selbst nicht wählen, um für alle alles sein zu können.

Rabbiner Abraham Skorka eröffnet häufig die Themen und Jose Bergoglio steigt dann mit ein. Fast immer gibt es Übereinstimmungen, Unterschiede werden kurz angerissen, aber nie wirklich thematisiert, was ein gutes Beispiel für gelungenen Dialog darstellt, wenn man den anderen auch anders sein läßt, was der Sache aber doch viel Würze nimmt, da gar nicht darüber gesprochen wird, warum der Gesprächspartner überhaupt interessant ist - denn gewählt wurden ja beide wegen ihrer unterschiedlichen Glauben.

Also, das Buch ist sicher interessant zu lesen, aber umgehauen hat es mich nicht. Das darf man aber keinesfalls als Abwertung der beteiligten Personen werten. Ich denke einfach, das Format hat mit dem Zwang zur Kürze viel an möglichem Niveau gekostet, wobei dieses Niveau manchmal aufblitzt. Leider recht selten.


Richtige Reihenfolge

Monday, 29. April 2013

Wenn es um die Einheit der Christen geht, wird gerne folgendes Wort Jesu aus dem sog. Hohenpriesterlichen Gebet aus dem Johannes-Evangelium zitiert (JohEv 17,21):

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

D.h. durch die Einheit der Christenheit wäre das Zeugnis für die Herrlichkeit Christi um ein Vielfaches stärker. Aber: warum soll “die Welt” überhaupt den Menschen glauben, die sich Christen nennen? Was können wir dazu beitragen? Wie bekommt das Zeugnis von der Einheit der Christenheit und der Kirche Gewicht?

Ganz einfach (Joh 13,34 f., Kenner werden sich an das gestrige Sonntagsevangelium erinnern):

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Und hier sehe ich das Problem, dass viel zu oft die Prioritäten verschoben sind. Egal, was die Christenheit so anstellt, wie sehr sie sich einigt, wie sehr die Kirchen über ihre Schatten springen und sich einigen in Amt und Sakrament; wenn wir einander nicht lieben, ist das Zeugnis gleich null - denn niemand wird uns für voll nehmen.

Und dafür braucht man keine großen theologischen Abhandlungen studiert haben, muss nicht besonders viel wissen (das mag sogar potentiell schädlich sein für ein reines Herz), man muss bloß akzeptieren, dass der andere nicht nur der andere ist und bleibt, sondern auch anders denkt als man selbst (ohne deswegen die eigene Überzeugung an Wahrheit aufzugeben - und in meinem Fall gibt es Legionen von bislang unbefriedigend beantworteten Fragen an die prot. Theologie(n)).

Ich bin sogar überzeugt: erst wenn wir mehr und ehrlicher einander lieben, wird aus den Hindernissen Reichtum. Wie das genau funktionieren soll? Keine Ahnung. Ob das überhaupt funktionieren kann? Für Gott ist nicht unmöglich, hat mal der Herr behauptet. Eine Ahnung habe ich allerdings nicht.

Doch der Auftrag ist klar: man selbst bleiben und lieben (für mich der Inbegriff des Reiches Gottes). Der Rest kommt dann von alleine.


Neues Gotteslob

Saturday, 27. April 2013

Das neue Gotteslob, welches u.a. die Lieder für die Eucharistiefeier enthält, ist schon in Druck und wird Ende des Jahres (zum 1. Advent, soweit ich weiß, also zum Beginn des Kirchenjahres), erhältlich sein und dann die Norm werden.

Der folgende Link führt zu dem Beitrag der “Herder Korrespondenz”, der dieses neue Gottesob bewertet und einiges an Hintergrundinformationen bringt:

http://www.herder-korrespondenz.de/aktuelle_ausgabe/special/details?k_beitrag=3364630&campaign=kathde/20130422


Keine Erfolgsgeschichte

Thursday, 18. April 2013

Wer rechts in der Suchmaske das Wort “gewaltlos“ eingibt, wird feststellen, daß ich das häufiger thematisiere. Dabei habe ich bislang auch immer deswegen diesen Weg der Konfliktlösung favorisiert, weil er mit oftmals gleichen Erfolgsaussichten viel eher dem Beispiel Jesu entspricht.
Dazu passt das Zitat “People try nonviolence for a week, and when it ‘doesn’t work’ they go back to violence, which hasn’t worked for centuries” von Theodore Roszak.

Doch habe ich jetzt erkannt, daß diese Begründung eigentlich falsch ist.

Warum werden Menschen wie Mohandas “Mahatma” Gandhi und Martin Luther King nachwievor bewundert, warum werden ihre Schriften gelesen?

Nein, nicht weil sie gewaltlos waren.

Sie waren in ihrer Gewaltlosigkeit Nachfolger Jesu, Gandhi sogar explizit als Nicht-Christ, aber eines unterschied sie existentiell von Jesus.
Sie hatten etwas, was Jesus während seines irdischen Lebens mit der Gewaltlosigkeit nicht hatte:

Erfolg.

Es wird wahrscheinlich Hunderte geben, die als Anführer kleinerer oder größerer Bewegungen gewaltlos blieben, aber eben - genauso wie der Mensch Jesus - gescheitert sind, auch sie gelandet am Kreuz ihrer Zeit. Kaum jemand spricht noch von ihnen.

Dabei haben sie trotz des drohenden und später eingetretenen Misserfolges, genauso wie übrigens Gandhi und King immer gesagt haben - und wie es Jesus vorgelebt hat - die Methode immer über den Erfolg gestellt.

Was ist also, wenn man als Christ mit diesem Thema sich beschäftigt oder konfrontiert wird, wichtiger: der Erfolg der Methode oder die Methode als solche?

Jetzt wird mir erst klar, was John Dear meint, als er sagte, er tue das alles, weil er Jesus folgen wolle, nicht weil er darin eine besonders erfolgversprechende Art der Konfliktlösung sieht. Oder wie er schreibt (und ich ihn schon mal zitiert habe):

Of course, I get attacked by the left and the right. On occasion someone tells me I’m wasting my time. Church authorities regularly ban me from their precincts. One Trappist monk told me I’ve undertaken “a hopeless cause, but a noble one.”
For me, however, the mission of peace is something entirely different. I expect it to be about as “effective” as going to Mass, sitting in silent prayer, or visiting the sick. In other words, it makes all the difference!

Mich wundert, daß auch bei diesem Thema die Inkonsistenz der “kirchenpolitischen Lager” sichtbar wird, hier insbesondere des sog. rechten Lagers. Während diese oftmals große Anhänger einer würdigen Liturgie sind (bin ich auch), den häufigen Empfang aller dafür zugänglichen Sakramente empfehlen (insbesondere also auch der Beichte!), das kontemplative Gebet unterstützen (sehr gut!), die katholische Lehre der Kirche hoch halten (immer zu empfehlen!) - alles ohne auf die Frage zu achten, ob das ganze besonders effektiv sei bspw. in der Frage der Mission, weil die Wahrheit eben nicht verhandelbar ist - sind sie beim Thema Gewaltlosigkeit im hier und jetzt als Mittel der Nachfolge Jesu(!) häufig zurückhaltend und sehen hier dann plötzlich das, was sie in den genannten Fragen manchmal für verachtenswert halten, als wichtigstes Kriterium an: was kommt hinten raus.

Konsequenz sieht anders aus.

Also: was sollte für einen Christen im Vordergrund stehen, wenn es um sein gelebtes Christsein geht (dazu gehören Messbesuche ebenso wie Gebete und die Einstellung zur Gewalt zur Zielerreichung)?


Strategie entdeckt

Thursday, 28. March 2013

Wer schon immer wissen wollte, wie die MSM (Mainstreammedien) an die Themen der Kirche rangehen - folgende Szene wurde neulich aus einer geheimen Redaktionssitzung geschmuggelt: