Berechtigte Erwartung

Sunday, 05. March 2006

Dies Domini.

Ein kurzes Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, dem Deutschen Ayyub Axel Köhler, in der WELT zeigt wieder einmal mehr, daß es sich nicht um einen Konflikt zwischen überzeugten Gläubigen zweier Religionen handelt, sondern zwsichen einer überzeugten Minderheit und einer Mehrheit ohne Glauben an eine Wahrheit.

Für mich sind der Islam und der Koran die Wahrheit. Das erwarte ich aber auch von den Christen mit ihrer Religion. Die Frage ist ja nicht, wer hat die Wahrheit, sondern wie geht er mit der Wahrheit um. Man muß die Wahrheit des anderen respektieren.

Für einen überzeugten Katholiken, der sich auch bzgl. des Dialoges an der Lehre der Kirche orientiert, eigentlich kein Problem. Doch auch die angeblich so Kirchentreuen verfallen bei diesem Thema ins willkürliche Herausstellen kirchlicher Meinungen, das berühmte “pick-and-choose”, oder wie es in den USA heißt, “cafeteria catholicism”.

Folgende Aussage verstehe ich aber nicht:

Wir sind irgendwie in eine Sackgasse geraten. Wenn ein Christ sagt, wir haben ja nicht einmal den gleichen Gott, dann ist praktisch ein Ende des Dialogs für uns gekommen. Da müssen wir raus.

Christen können auch mit Buddhisten und Hindus einen ernsthaften Dialog führen - es geht ja gerade nicht um die Einebnung der Differenzen, sondern eben um das Aushalten anderer Wahrheitsansprüche.

Die Ausführungen von Herrn Köhler zur politischen Meinungsmache gegen Muslime, die manchmal Hetze gleicht, teile ich.

Zwei Sachen jedoch würde ich ihn selbst mal gerne fragen:

1. Wie halten Sie den Koflikt aus, daß Sie eine Religion angenommen haben, die die Annahme einer anderen verbietet? Rein ja, raus nein, obwohl man selbst die Freiheit des Gewissens hat nutzen dürfen?

2. Warum gibt es bis heute nicht einen einzigen akademischen Christentumswissenschaftler in islam. geprägten Ländern bei gleichzeitig zehntausenden Islamwissenschaftlern im Westen? Was tun Sie dafür, daß sich das ändert?


Gelegter Grund

Friday, 03. March 2006

Besteht eigentlich ein Zusammenhang zwischen dem Umstand, daß tendenziell das Kirchenvolk (inkl. der Hirten) in Ländern mit Christenverfolgung sich näher an der traditionellen Lehre orientiert als in Ländern, in denen Religionsfreiheit existiert? Oder ist das eine Fehlimpression von mir?

Ich muß gestehen, daß ich Bischöfe wenig an ihren Worten messe. Wenn ich lese, wie sie sich selbst in persönliche Gefahr begeben haben, um ihren Glauben zu leben, ihrer Berufung zu folgen oder im Untergrund Priester zu weihen, dann sind ihre Worte für mich mehr als Hirtenwort, das Wort gewinnt an Authentizität.

Deswegen achte ich trotz aller rhetorischen Fehlgriffe auch meinen Ortsbischof Joachim Kardinal Meisner. Er hat Priester im Untergrund der damaligen CSSR geweiht.


Franziskanisches

Thursday, 02. March 2006

Ein mir bisher unbekannter Leser dieses Blogs (man ahnt ja nicht, für wen man alles so schreibt) hat mich gebeten, die neue Internet-Präsenz der dt. Provinz der Minoriten kundzugeben, was ich hiermit gerne tue und sie auch empfehle:

Franziskaner-Minoriten in Deutschland

Es gibt auch einige Minoriten aus Polen, die in Deutschland wirken, aber diese Seite bezieht sich auf die originär dtsprachigen Ordensmänner. Wer noch gar nicht wußte, was Minoriten sind bzw. daß sie “auch” Franziskaner sind (ebenso wie Kapuziner, deren Seite findet man übrigens hier), den verweise ich noch einmal auf diesen Beitrag. Persönlich bin ich am ehesten den OFM verbunden, habe aber natürlich nichts gegen alles franziskanisches. Da nach meiner Erfahrung und der mir bekannter Franziskaner der faktische Unterschied in der Lebensart zwischen OFM, OFMCap und OFMConv im Abendland (vielleicht auch generell) gar nicht so groß ist und die Unterschiede eher in der Mentalität zu suchen sind, wage ich mal eine ernsthafte Anfrage an die bleibende Sinnhaftigkeit der Trennung.

Die Seiten der Minoriten und Kapuziner finden sich ab jetzt auch auf der Linkliste.


Kämpfen oder still sein?

Thursday, 02. March 2006

Wenn ich Nachrichten aus der Katholischen Welt höre, insbesondere aus Amerika (Nord wie Süd), stelle ich fest, daß die Gläubigen, unterstützt von ihren Bischöfen, sich oftmals sehr für ihre Interessen einsetzen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Beispiele dafür sind der Kampf für Ungeborene Kinder, gegen Gewalt in Filmen und Videospielen, gegen Pornographie, für das Recht der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder selbst zu bestimmen etc.
Dabei ist zu beachten, daß sich die Katholiken “überm Teich” immer im Rahmen demokratischer Spielregeln befinden und die Bischöfe wie der Klerus generell überhaupt nicht die führende Rolle spielen (also eigentlich ist genau das Ausruck der Sendung der Laien).

In Westeuropa mag es so etwas auch geben, aber in viel geringerem Maße. Ich behaupte ja schon seit längerem, daß es hierzulande neben mentalitätsbedingten Unterschieden auch an der finanz. Nutznießer-Situation der Kirche liegt.

Warum wird hier so wenig agiert wie dort? Ca. 1/3 der Deutschen sind Katholiken, gefühlt sind es eher 1/300000. Wenn es um wirklich etwas geht, stehen wir nicht auf. Die Frage ist: sollen wir überhaupt? Oder ist vielleicht die Rolle der Urkirche - das einfach anders leben - ausreichend? Ich rede übrigens dezidiert nicht von Parteipolitik, sondern von konkreten abgrenzbaren Anliegen, wie bspw. Abschaffung der (Spät-)Abtreibung mit mehr als bloß Unterschriftenlisten alle paar Jubejahre mal.


Verdammte Schubladen

Wednesday, 01. March 2006

Ich hasse Schubladendenken. Wirklich, “nicht mögen” ist sehr untertrieben. Und am allerschlimmsten ist es, wenn man plötzlich etwas liest, zu dem man zu fast 100% zustimmt.

Ich bin in einer Schublade, oh nein!

Als Katholik hielt ich mich ja immer für einen links-liberalen Konservativen, so nirgendwo richtig hineinpassend, und das fühlt sich ja auch gut an. Keine Vergötterung des Staates, des Marktes, des Selbst, der Freiheit.

Doch heute wurde ich eines besseren gelehrt. Es gibt eine (neue) bezeichnung dafür, die dt. variante fehlt noch. Ich stimme den Aussagen des Interviewpartners zu 99% zu: ich bin wohl auch ein “Crunchy Conservative“.

(die 1% gehen darauf zurück, daß ich mir nie Birkenstocks kaufen würde - allerdings der Mann vielleicht auch nicht, wenn er wüßte, daß dieser Laden stolz darauf ist, keinen Betriebsrat zu haben und der rechten Szene zuneigt…)

Es würde mich nicht wundern, wenn sich noch mehr Katholen als Crunchy Con outen würden…


Anders fasten

Wednesday, 01. March 2006

Im Gegensatz zu manch anderen Bloggern, deren Entscheidung aber voll unterstützend, habe ich mich entschieden, beim Bloggen keine Fastenpause einzulegen. Aufgrund erneuten Arbeitsaufkommens (sprich ich habe eine neue Stelle angetreten) werde ich voraussichtlich nicht mehr so viel schreiben können wie die Wochen zuvor, aber grundsätzlich wird mein Fasten für die Blogwelt unsichtbar bleiben.


Zerreißprobe?

Tuesday, 28. February 2006

Laut idea brodelt es bei den Lutheranern in den ehemaligen Sowjetstaaten: ein Pastor einiger Gemeinden in Sibirien wird wohl zum Bischof geweiht ordiniert werden, was bei den Großorganisationen der Lutheraner vom heutigen Rußland auf Widerstand stößt (die genauen Gründe lassen sich auch hier nicht genau erkennen). Auffallend ist, daß neben dem “mittelalten” ordinierenden Bischof Andres Pöder die assistierenden Bischöfe sehr jung sind, sowohl der Bischof Mindaugas Sabutis von Litauen (mein Jahrgang!) als auch der Erzbischof Janis Vanags von Lettland (auf dem Bild dort dritter bzw. zweiter von links).

Wenn ich dieses Interview eines der assist. Bischöfe (dem Erzbischof von Lettland) zugrunde lege, können die Gründe sehr wohl pastoral- und moraltheologischer Natur sein:

[…]

Schon bevor ich zum Erzbischof gewählt wurde, erklärte ich, dass ich keine Frauen zu Pastorinnen ordinieren würde. Ich glaube, das war der entscheidende Grund, weswegen ich gewählt wurde. Ich handle so nicht aus Traditionalismus, sondern aus biblischen Gründen. Die Frage wurde diskutiert und ich kam zu der Schlußfolgerung, dass man die Frauenordination nicht vertreten kann, ohne manche Teile der Bibel für ungültig zu erklären. Das ist etwas, was man in Lettland leicht vertreten kann. Wir, die wir einst in einer Situation lebten, in der zum Beispiel einer meiner Freunde zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er Bibeln verteilte, geben den Gedanken daran, dass die Bibel Gottes Wort ist, nicht so leicht auf.

[…]

Was die Frage der Homosexualität anbetrifft, haben wir einen Synodalbeschluss, der mit 300 Stimmen gegen eine angenommen wurde, eine Resolution, dass homosexuelles Verhalten Sünde ist. Wenn jemand dies als seinen Lebensstil proklamiert, wird er als Sünder betrachtet, der nicht bereuen will, und kann weder das Heilige Abendmahl empfangen noch ein Amt innerhalb der Kirche inne-haben.

Das bedeutet nicht, dass wir sagen, dass Homosexuelle aus der Kirche ausgeschlossen werden sollten. Wir haben Homosexuelle, die mit ihrer Anlage zurechtzukommen versuchen und dies als ihr Problem, als ihre Sünde ansehen. Sie sind uns willkommen, die Absolution zu empfangen und auch verschiedene Dienste in der Kirche wahrzunehmen.

[…]

Entspricht nicht gerade der westl. lutheranischen Mehrheitsmeinung. Und dies wird insbesondere wichtig, weil, natürlich, gerade der Westen ein wichtiger Geldgeber für die lutherischen Diasporagemeinden ist. Mal sehen, wie sich das entwickelt.


Ungeliebt

Tuesday, 28. February 2006

Ich weiß, daß dies auch bei vielen ansonsten gläubigen Katholen nicht gerade im besten Ruf steht. Es geht um die NFP, die Natürliche Familienplanung, manchmal auch NER, Natürliche Empfängnisregelung genannt.

Kath.net hat heute dazu einen Beitrag gebracht, bei dem auf eine medizinische Dissertation meiner hiesigen Heimatuniversität Düsseldorf verwiesen wird. Diese Diss. kann vollständig online gelesen werden (direkter pdf-Link hier). Der Autor hat die symptothermale Methode in ihrer Variante der dortigen Arbeitsgruppe mit versch. elektronischen Methoden (sog. Zykluscomputer) zur NFP verglichen und die hohe Sicherheit herausgestellt, die die symptothermale Methode liefert. Der betreuende Professor ist übrigens ein sehr nüchterner Mann - er macht in seiner Abteilung auch Sachen (wenn auch nie Abtreibungen), die nicht mit der kath. Lehre 100&ig konform gehen (Détails gebe ich nicht preis). Man kann getrost davon ausgehen, da er die NFP aus recht trockenem wiss. Winkel heraus betrachtet.

Was prinzipiell vielleicht erstaunen mag: man findet in dem Dokument auch den Satz, daß die NFP im Laufe der Jahre sicherer geworden sei. Wie könne dies sein, da sie doch lediglich auf Beobachtung beruht und es somit keiner techn. Errungenschaften bedarf? Nun, durch verbesserte Schulung der Anwender und genauere Beobachtungen in der Anwendung selbst konnten sowohl die neutrale Methoden- als auch vor allem die subjektiv entscheidende Gebrauchsssicherheit erhöht werden. Wichtig ist aber nachwievor, daß Schulung notwendig ist.


Schneeball

Monday, 27. February 2006

Daß in den USA das Recht auf Abtreibung zunehmend in Frage gestellt wird, ist ja kein neues Phänomen. Doch es gewinnt an Fahrt.

South Dakota hat jetzt außer bei Lebensgefahr der Mutter Abtreibung verboten. Doch wer würde bestraft werden? Nicht, und das ist sehr gut so, die Schwangere, sie sogar unter keinen Umständen (Quelle):

Nothing in this Act may be construed to subject the pregnant mother upon whom any abortion is performed or attempted to any criminal conviction and penalty.

Es soll denen an den Kragen gehen, die die Abtreibung durchführen. Gut so, denn die befinden sich garantiert in keiner Notlage.


Wo ist die Kirche

Monday, 27. February 2006

Als ich mich mit Anfang 20 bewußt für die Katholische Kirche entschied, waren mir einzelne Fragen (Sexualmoral, Priestertum der Frau, Scheidung etc.) reichlich egal. Ich verstehe auch nicht, wie jemand seine Entscheidung an solchen Einzelpunkten aufhängen kann, auch wenn ich das natürlich respektierte.

Mein Glaubensweg war durch und durch intellektuell geprägt (damit meine ich keine intellektuelle Leistung, sondern der Umstand, daß ich alles durchdenken mußte und immer noch muß). Ich mußte nachschauen bei den ersten Kirchenschriftstellern, den Kirchenvätern, wie der Glaube am Anfang war. Und die Grundlagen der Reformation (nur die Schrift, nur der Glaube, nur die Gnade) fand ich dort nicht. Vielmehr fand ich kein reformatorisches solus, nur, sondern ein, wie ich später feststellte, sehr katholisches et…et, sowohl als auch.

Ich wollte und will den Glauben der Jünger Jesu. Und da bin ich einfach näher dran, wenn ich an den Anfang gehe. Nach dem ganzen Quellenstudium war mir klar, daß die Sakramente, das Kirchenverständnis, die Liturgie der Kath. Kirche wie der Orthodox. Kirche vom Ursprung her stammen. Die Reformation schied schon früh aus, ich fand sie einfach nicht in den frühen Schriften (ein Augustinus macht noch keine Kirche übrigens, er selbst würde das auch nicht behaupten). Und wenn die Überzeugung da ist, daß der Herr die Kirche nie verlassen hat, dan ist sie auch nicht wiederaufgetaucht nach vielen Jahrhunderten Inexistenz, wie bspw. Neuapostolen glauben.

Die Entscheidung zugunsten der Kath. Kirche und nicht für die Orthodoxe (es war kein gegen die Orthodoxen) beruhte ebenfalls auf theolog. Erwägungen, gleichzeitig aber auch auf praktischen, da ich u.a. die bestehenden Juristiktionsstreitereien zwischen versch. orthodoxen Kirchen (also welcher Patriarch hat wo das letzte Wort) als inkompatibel mit dem Verständnis von der Einen Kirche ansehe. Abgesehen davon ist Petrus in der Kirche ein Muß.

Es sind also sehr ähnliche Beweggründe gewesen, die mich zurück in die Kirche brachten, wie sie auch viele amerikanische Neu-Katholiken haben (scipio berichtete). Ich wollte in der Kirche Jesu Christi sein, also, wie ein Gast der Jubiläumsausgabe von Journey Home bei EWTN sagte (er war vorher Jude), ich wollte wie dieser “the real deal”.

Deswegen stört mich auch der Begriff “Konfession”. Ich gehöre keiner “Konfession” an, ich gehöre der Kirche an, der Kirche Jesu Christi, sichtbar in Raum und Zeit auf der Pilgerschaft durch die Welt, doch ihre Grenzen überschreitend und mit dem Chor der Engel den Herrn preisend. Meine Konfession, also mein Bekenntnis, ist das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel oder in Kurzform das Apostolische. Die Katholische Kirche ist keine Konfession, was auch immer Protestanten behaupten mögen.

Doch auch diese Überzeugung läßt die Frage nach den berühmten Streitthemen dann letztendlich ja nicht unberührt. Ein bloßes Abnicken aller römischen Statements widerspräche sicher ebenso unserem göttlichen Geschenk des Verstandes wie ein reflexhaftes Zurückweisen aller Maßgaben, die nicht dem eigenen Gusto entsprechen (dann landen wir schnellstens beim Hochmut, sei er einzeln oder gesamtgesellschaftlich). Ich muß gestehen, daß mich bisher nahezu alle Lehren der Kirche intellektuell vollkommen überzeugen, unabhängig davon, ob ich sie einhalte oder nicht (verstieße ich bewußt gegen sie, wäre ich mir also der Sündhaftigkeit voll bewußt, müßte mir das keine Angst machen, schließlich starb Er ja für diese Verfehlungen. Ist aber schlimm, Ihn so oft neu zu kreuzigen…). Diese Überzeugung konnte aber nur daraus erwachsen, weil ich mich nach bestem Bemühen vorurteilsfrei mit der Lehre der Kirche auseinandergesetzt habe (als damals Kulturkatholik war das nicht einfach). Es war mehr als versuchte Freiheit von Vorurteilen, es war ein gewisses Wohlwollen, eine Grundstimmung von “die können über Jahrhunderte ja nicht nur Blödsinn verzapft haben”.

Die absolute Kohärenz der Lehre ist manchmal schon eine Last, weil ich mein eigenes Leben dagegen ansehe, welches so einen Kontrast dazu abgibt. Wer lebt schon voll schlüssig und sich immer treu. Doch diese Last wird leicht, wenn ich daran denke, daß der Anfangs- und Endpunkt immer die Erlösung der Sünden durch Jesus ist. Es ist mir absolut unbegreiflich, wieso dies nicht mehr im Mittelpunkt steht, jeden Tag. Die Kreuzigung ist nur deswegen von Belang, die Auferstehung als Siegel der Wahrheit Jesu hat nur deswegen Bedeutung, weil Er Sein Leben für uns hingab.

Menschen haben Angst zu sündigen, manche Christen haben Angst zu sündigen. Warum???

Da die Vergebung Jesu direkt in der bei mir mal wieder längst fälligen Beichte unmittelbar erfahrbar ist, können wir diese Angst verwerfen. Ob die Abnahme der Beichtfrequenz mit der subjektiv empfundenen Kränkung durch die Behauptung “auch Du bist ein Sünder” einhergeht? Wer keine Vergebung erfährt, will sie vielleicht auch nicht benötigen müssen…


Verpaßt

Sunday, 26. February 2006

Dies domini.

Tja, da freuen sich die Katholiken (zumindest einige unter ihnen) über den noch recht neuen Stellvertreter, dabei behauptet jemand schon längst, daß er der wiedergekommene Chef selbst sei. Jetzt mal ganz ehrlich: war doch klar, daß Jesus Christus bei seiner Wiederkehr nicht mehr so ärmlich daherkommen würde, sondern schick und adrett mit Schlips und Anzug, oder?
Genau, dieser Latino-Typ behauptet von sich, Christus zu sein, el Jesucristo Hombre, hier das offizielle spanische Bekenntnis über ihren “Apostel” José Luis De Jesús Miranda (die dt. Seite ist so schlecht übersetzt, wahrscheinlich mit babelfish oder so, daß das echt nicht zitierfähig ist):

El Ministerio Internacional Creciendo en Gracia, Inc., cree firmemente conforme a las evidencias expuestas en el evangelio, que Jesucristo hombre ya está en la tierra edificando y confirmando su iglesia.

Was es nicht so alles gibt.

Die dt. Übersetzung ist echt skurill. Beispiel gefällig? Muß doch sein. Ich nehme mal die englische Variante als Ausgang:

INTERNET SOWING

A secure, dependable, and easy way to sow in the Government of God on earth, and for the word to run so that fruit may abound in your account.

An sich schon inhaltlich blödsinnig genug. Aber die deutsche Version ist der Knaller:

SÄEN DURCH DAS INTERNET

Eine leichte, sichere und vertrauliche Form, in der Regierung Gottes auf Erden zu säen,damit das Wort läuft und genügende Früchte in deinem Konto gibt.

(Gefunden zuerst bei idea, die Originalseite von diesem geldscheffelnden Verführer ist hier)


Es hört mal wieder auf

Saturday, 25. February 2006

Bald beginnt die Große Fastenzeit (ja, es gibt auch kleine, aber das beachte ja auch ich kaum…). Und fromme Gemüter, zu denen ich mich auch zähle, fragen sich dann wieder landauf landab, wie soll denn dieses Jahr gefastet werden, was soll das konkret heißen etc.

Vielleicht sollten wir, nein, ganz sicher sollten wir häufiger bei unserern Geschwistern, den Orthodoxen (von wegen Schwesterkirche und so) nachschauen und nachfragen, denn sie haben nicht nur diesbzgl. eine jahrhundertelange bewährte Tradition. Die Regeln sind ganz einfach (und sind natürlich kein Selbstzweck, aber das ist ja klar):

Vollständiges Fasten, wie in den Grossen 40-tägigen Fasten vor dem Auferstehungsfest vorgesehen, bedeutet Abstinenz von Fleisch, Eiern, allen Milchprodukten, Fisch, Wein und Öl. Der Speiseplan besteht also praktisch nur aus Gemüse, das ohne Öl zubereitet wird, Kartoffeln, Reis und Brot, wobei den Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen jeder Art, Linsen) besondere Bedeutung zur ausgewogenen Ernährung zukommt.

Im Gegensatz zur orthodoxen Tradition gelten die Sonntage bei uns überhaupt nicht als Fastentage, dort eingeschränkt. Sehr beachtenswert folgender Hinweis:

Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die Fasten keine Zwangsjacke darstellen, sondern eine Hilfe, die die Abhängigkeiten aufheben und uns auf das Gebet hin orientieren sollen.
Dadurch gehört auch weitestgehender Verzicht auf “Zeitvertreib” und Unterhaltungsmedien.
Ernsthafte Bemühungen in der Überwindung persönlicher Schwächen sind notwendige Begleiter sinnvollen Fastens.
Hingegen sollte bei gesundheitlichen Problemen wirklich nur Überflüssiges dem Fasten unterworfen werden.
Damit hier keine Willkür oder unheilsame Unsicherheit aufkommt, sollte man sich immer mit dem “Geistlichen Vater”, zu dem ein jeder Christ für seinen Nächsten werden kann, absprechen!

Ganz einfach und klar, kein Exzeß, wohltuend ausbalanciert und dennoch nicht “easy-going”. Ich habe es selbst noch nicht so gemacht, aber warum nicht? (Okay, ich hätte einen Grund: ich habe derzeit noch keine Küche, aber das wird sich ändern…)


Woanders auch nicht anders

Thursday, 23. February 2006

Das Dasein als Priester ist kein privilegiertes Leben, sondern ein Leben der Demut und der vorbehaltslosen Hingabe an die Mitmenschen, nach dem Vorbild Jesu beim letzten Abendmahl […] Als Seminaristen solltet ihr lernen, dass eure Berufung nicht darin besteht, Befehle zu erteilen oder für den gesellschaftlichen Status geehrt oder geschätzt zu werden, sondern dass ihr vielmehr zu einem Leben nach den evangelischen Räten der Armut, des Verzichts, der vollkommenen Entsagung, des Gehorsams und der Keuschheit berufen seid.
[…]
Einen Ehrenplatz muss in eurem Leben die Eucharistie einnehmen. Und so wie die Eucharistie brauchen wir auch das regelmäßige Sakrament der Buße. […] Lernt eure Augen, eure Ohren und eure Herzen für die Bedürfnisse der Mitmenschen zu öffnen, damit ihr zum „alter Christus“ werdet, der euer Vorbild und Bezugspunkt sein soll.
[…]
Ihr wisst wie zerbrechlich der Glaube in vielen Gegenden ist. Gesellschaftliche und politische Kräfte, die Erosion der Werte der Familie und der schleichende Säkularisierung sowie das Auftreten von Problemen wie die Verstädterung, die Arbeitslosigkeit und das Konsumdenken machen die Verkündigung des Frohbotschaft der Hoffnung und des Heils oft schwierig.

Man könnte meinen, diese Worte von Cardinal Sepe, dem Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, also zuständig für Mission, seien an westliche Ohren gerichtet. Wie sich die Probleme gleichen, auch in anderen Welten. Erst am Schluß kommen wir dem Ort näher:

Ich möchte euch vor allem an die wesentliche Bedeutung des Gebets erinnern: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5). Bemüht euch außerdem um eure lehramtliche und pädagogische Ausbildung, im Bewusstsein der Herausforderung, die die Sekten darstellen und angesichts des Einflusses anderer negativer Tendenzen, die zu Spaltungen unter euch führen könnten, wie zum Beispiel der Tribalismus und das Stammesdenken. Werdet nicht müde, ein beispielhaftes Leben zu führen, das darin besteht die Gruppen, die euch anvertraut sind, zu erbauen

Er sprach zu Seminaristen im Sudan.


Schon zehn Monate

Thursday, 23. February 2006

Seit zehn Monaten “sind wir Papst”, eine Schlagzeile, die ich damals auf “las Ramblas” in Barcelona sah. Sandro Magister, ein als Beruf den Italienern vorbehaltener Vertreter der “Vaticanisti” liefert hier auf Englisch eine Analyse dieser kurzen Zeitspanne des Pontifikates.

B16 denkt nicht in kurzen Zeitspannen, wie es Medien und wohl auch wir selbst zu häufig tun. Er wird, sollte Gott ihm Zeit dafür geben, die Kirche gut leiten, davon bin ich überzeugt. Korrekturen am internen Führungsstil, die meiner Meinung nach auch notwendig sind, lassen natürlich auch Widerstände stärker hervortreten. Aber der Herr wird schon sein Auge darauf werfen, also entspannt zurücklehnen. Er verläßt die Kirche ja nicht.


Welle

Thursday, 23. February 2006

Kaum wird in einem musl. Land mal ein Film in Rambo-Manier gedreht, bei dem Christen und Amis “die Bösen” sind, da redet man hierzulande von “rassistischen Haß-Film”. Da sind aber die Verkünder dieser Meinung die letzten Jahrzehnte sehr, sehr blind gewesen und haben sich die Rambos und diverseste Kampffilme nicht reingezogen. Zielscheibe sein ist eben blöd, Schütze ist man halt lieber. Sollten wir aber gut wegstecken können, oder? Die dürfen halt auch mal.


Klasse!

Thursday, 23. February 2006

Wer schon immer mal lesen wollte, was das Rheinländische (hier die ripuarische Version, die Kölner Autoren sehen das mal wieder als einziges Rheinisch an…) zu so einer lustigen und liebenswerten Sprache macht: hier.


Zurechtgerückt

Thursday, 23. February 2006

Wenn es eine innovative Theologie gibt, die sich ihren Ruf so richtig gut vermiest hat, dann sicher die Befreiungstheologie. Die einen meinen hocherfreut, “Rom” hätte sie verurteilt (was nicht stimmt), die anderen halten sie gerade deswegen hoch, weil ein Verbotsschild aus Rom einem Qualitätssiegel gleichkäme. Da es nicht die eine Befreiungstheologie gibt, wurde auch nicht sie in ihrer Gänze verurteilt, ganz im Gegenteil, sondern lediglich die zu marxistischen und säkularen Auslegungen ihrer selbst. Denn sie ist Theologie bester Schule und im strengen Sinn des Wortes. Wie sehr das auch und gerade heute stimmt, zeigt dieses Buch. Gutiérrez ist Peruaner und der Gründervater der Befreiungstheologie (und hat sich nicht mit der Kirche überworfen), Müller medial derzeit recht heftig angegriffener Bischof von Regensburg und Freund von Gutiérrez; er kennt die Situation der Armen dort vor Ort aus jahrelanger Anschauung selbst (wer selbst einmal erlebt hat, was materielle nackte Armut wirklich heißt - d.h. sie auch nur ansatzweise selbst gespürt hat - der muß gleichsam zum Befreiungstheologe werden).

Dabei sind beide Sichtweisen wichtig, die des Betroffenen vor Ort und die aus der europ. Distanz (wobei es auch hierzulande Arbeit zuhauf gibt diesbezüglich). Bischof Gerhard Ludwig Müller zeigt in einem Essay (”Befreiungstheologie im Meinungsstreit”) sehr gut und auf hohem Niveau, u.a. warum die Befreiungstheologie hier nie richtig Fuß fassen konnte - zum Großteil liegt es an der Nomenklatur (Klassenkampf, Sozialismus etc.), die in Lateinamerika eine doch ganz andere Konnotation hat als bei uns an der ehemaligen Grenze des Kalten Krieges. Er zeigt aber auch die Bedeutung für die Welt auf, denn diese Art von Theologie ist keine spezifische Lateinamerikas (ich las mal woanders den Satz “bei 40 °C im Schatten ändert sich die Theologie”…).
Gustavo Gutiérrez OP (seit vergleichsweise kurzer Zeit bei den Dominikanern) erläutert in “Wo werden die Armen schlafen?” (¿Dónde dormirán los pobres?) das grundlegende Anliegen der Befreiungstheologie (in Kürze: wie erkläre ich einem Armen, dem es am Allernotwendigsten fehlt, daß Gott ihn liebt?)- natürlich sind alle anderen Beiträge der beiden auch sehr lesenswert.

Also, wer jenseits von Streit und Pamphlet eine anspruchsvolle Würdigung dieser für die Kirche eminent wichtigen Theologie erfahren möchte, dem sei dies hiermit empfohlen.


Beziehung beendet

Thursday, 23. February 2006

In der neuesten Studie der EKD über das Profil ihrer Mitglieder, sie ist sehr umfangreich und kann käuflich erworben werden, findet sich u.a. das Ergebnis, daß rund ein Drittel der Landeskirchler nicht (mehr?) beten.

Also nicht wenig, ein paar mal im Monat oder Jahr, sondern gar nicht mehr.

Viel Hoffnung das zu ändern haben die Verantwortlichen da anscheinend nicht. Sie wollen sich nämlich vermehrt den Konfessionslosen zuwenden, da diese immerhin zu einem Viertel beten würden (und mich stört dieser ökonomisch geprägte Wortschatz ungemein, das nur nebenbei).

Auch ein interessantes Verlorenes-Schaf-Bild.


Nicht gekünstelt

Wednesday, 22. February 2006

Da arbeitet eine Künstlerin als Darstellerin beim X-Day, eine Art Festival der “Church of the Subgenius” (ja, war auch mir neu). Ist eine Gruppe von Leuten, die die christl. Religion verar… bzw. sie lächerlich machen. Soweit so schlecht (nein, ich möchte das nicht verbieten, keine Sorge. Ich find’s nur armselig, ist halt meine kleine persönliche freie Meinungsäußerung).

Tja, und jetzt sieht ein Richter Szenen dieses Auftrittes, kann sich so etwas nur mit absoluter Durchgeknalltheit der betreffenden Person(en) erklären und entzieht der Frau daraufhin das Sorge- und Kontaktrecht für den Sohn. Ist natürlich ein böser strenger Katholik, der Richter. Und die Frau hat jetzt ‘nen Blog.


Da war doch noch was…

Monday, 20. February 2006

Daß sich manche Hindus mit Gewalt bei Christen, ob neu konvertiert oder nicht, in Erinnerung bringen wollen, ist relativ gut bekannt (ein recht aktuelles Beispiel hier). Über manche Muslime muß niemand mehr ein Wort verlieren diesbezüglich. Doch was denken Buddhisten? WWBD - What would Buddha do? Ein kleiner realistischer Einblick findet sich auf Englisch dort.


Angeblogged

Monday, 20. February 2006

So, die Internet-Welt hat mich wieder. Und ich sie. :-)


Selbst-Bewußtsein

Thursday, 16. February 2006

Es passiert immer wieder, diesmal in einem Internetdiskussionsforum, daß der Begriff des Sünderseins sehr negativ besetzt ist. Ich habe ja bereits früher einmal angemerkt, daß ich das nicht verstehe und denke, daß damit der Kern des Christentums aufgegeben wird.

Die Kirche lehrt, daß gewisse Denk- und Verhaltensweisen der gottgewollten Natur des Menschen widersprechen und nennt dies Sünde. Somit ist dies zumeist eine Frage der Anthropologie, des “was ist der Mensch”. Daneben gibt es meines Erachtens (also kein Anspruch auf kirchliche Rede jetzt!) noch sündige Denk- und Verhaltensweisen, die gegen das eigentliche Wesen einer bestimmten Person ist, obwohl es zu einer anderen passen würde. Beispielsweise wird ein Mensch Erzieher, obwohl es seinem Wesen viel eher entspräche, Schriftsteller zu sein, er diesen Wunsch auch im Inneren hegt, aber aus welchen Gründen auch immer sich nicht traut. Andere wollen Erzieher sein, trauen sich aber ebenfalls nicht und machen was anderes.

Beides ist, so denke ich, Sünde. Das erste, was von der Kirche auch so genannt werden kann ob seiner allgemeinen Aussage, weil ein bestimmter Mensch Mensch ist, das zweite, was natürlich nicht von der Kirche genauer bestimmt werden kann wegen der individuellen Unterschiede, weil ein bestimmter Mensch er selbst ist.

Und durch Christus Jesus haben wir die Erlösung von all dieser Sündhaftigkeit. Wir schaden uns letztendlich immer selbst, wenn wir sündigen.

Interessanterweise gäbe es heute vermutlich mehr Konsens in der Gesellschaft bzgl. des zweiten Aspektes der Sünde, bzgl. der Sünde aufgrund der eigenen Personalität. Sich-selbst-finden ist das Zauberwort.
Doch die Welt scheint vergessen zu haben, was der Mensch ist, will es selber bestimmen und definieren, da passen anthropologische Grundaussagen nicht ins Konzept, sie gelten als falsch, weil sie den Stempel des “veraltet” bekommen. Es wird suggeriert, der Mensch hätte sich allein aufgrund der Erkenntnisse von naturwiss. und soziolog.-psycholog. Zusammenhängen verändert. Beispiele dafür finde ich aber keine.


Abgeblogged

Wednesday, 15. February 2006

Da ich am Wochenende von dieser Kleinstadt in jene Großstadt zurückziehen werde, die für mich aber irgendwie auch wie ein Dorf ist und in der ich schon mehrfach Gott suchte, bin ich ab Freitag oder Samstag für wenige Tage ohne Netzzugang.


Zitate

Wednesday, 15. February 2006

Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.

Mohandas Karamchand Gandhi, genannt “Mahatma”

Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muß zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.

Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens, 1835-1910)


Arme Jungs

Wednesday, 15. February 2006

Daß manche sich Schriftsteller nennende Menschen ihr Recht auf ihren Nationalsport, dem “Einhauen auf Pfaffen”, evtl. mal beschnitten sehen könnten, veranlaßt sie zu diesem Artikel (hier ein Auszug, die dt. Übersetzung beim Perlentaucher):

Il ne s’agit pas seulement d’être libre de se tromper. La vérité, c’est que nous sommes libres de blasphémer. Il y a quelque chose d’assez déconcertant, en France, en 2006, dans le fait de devoir rappeler qu’on a droit au blasphème. Que bouffer du curé fut longtemps un sport national, comme vendre L’Huma avec Pif Gadget le dimanche dans les cités. Que bien sûr les croyants, retour de messe, s’en offusquaient. Ce qui ne les empêchait pas de s’encanailler avec l’intégrale de Brassens dans leurs salons.

Die aufschreiende Linke hat noch nicht begriffen, daß die westl. Regierungen doch nicht wegen irgendwelcher Karikaturen beschwichtigen wollen. Die sind denen egal. Es geht ums Kapital, sonst nichts, der große islam. Markt soll nicht verloren gehen.