Ungeschminkt

Saturday, 12. May 2007

Ich weiß von einigen Menschen, die diesen Blog ab und an lesen, und die eigentlich nicht unbedingt jetzt mehr das kulturell “Normale” mit dem christlichen Glauben und dem Christentum am Hut haben, den meisten von ihnen habe ich das mal en passant erwähnt, manchen am Abeitsplatz, manchen anderswo.
Tja, und neulich sagte mit jemand recht ungeschinkt, daß mein Verhalten in seiner manchmal auftretenden Launenhaftigkeit nicht unbedingt dem entspräche, was ich hier zu repräsentieren vorgebe.

Ich gebe zwar nicht vor bzw. hoffe den Eindruck nicht zu erwecken - ganz im Gegenteil - daß mich für einen exzeptionellen Christen halte, aber diese verbale Dusche ist doch extrem wichtig, sie relativiert vieles von dem hier Verzapften.

Wenn unser Leben wirklich das einzige von den Menschen noch wahrgenommene Evangelium ist, dann gibt es einiges zu tun und vor allem einiges zu ändern… (und dafür bitte ich um Euer Gebet…)


Theo

Friday, 27. April 2007

So heißt das neue Magazin, das die katholische Kirche in Düsseldorf seit neuestem vierteljährlich herausbringt. Sehr gutes Design und lesenswert. Schön, daß endlich mal “modernes Design auf alten Fundamenten” (nämlich dem unveränderlichen Glauben) - und dieses Motto hat auch das gelungene Maxhaus als Stadthaus der Kirche in Düsseldorf sich zu eigen gemacht - in der Kirche Einzug gehalten hat.
Es gefällt mir nicht alles, aber fast.


Oh Schreck!

Thursday, 26. April 2007

Ich bin wohl ein Konservativer.

Was ich schon vorher wußte. ;-)

Und als Katholik passe ich deswegen nicht in das politische Parteispektrum meines Landes…


Beschämend

Monday, 16. April 2007

Vor Jahren schrieb ich bereits einmal, daß ich Franziskus meine eigentliche Bekehrung verdanke (okay, natürlich verdanke ich sie ausschließlich dem Herrn, aber ist ja klar, wie das gemeint ist), aber bis heute ist es bloß eine Bekehrung des Verstandes, nicht des ganzen Menschen. Immer wieder wenn ich mich mit Franziskus beschäftige, sehe ich, wie meilenweit weg ich bin von diesem ganz normalen sündigen Menschen, in seiner Art der Nachfolge Christi.

Manchmal beschäftigen mich Fragen des Alltags, die mir in ihrer Bürgerlichkeit die Schamesröte ins Gesicht treiben, sobald ich mich frage, was der Kleine aus Assisi wohl dazu sagen würde…


Überfällig

Saturday, 14. April 2007

Auch wenn ich ein ziemlich schlechter laikaler Nachfolger des Hl. Franziskus bin (auch noch nicht in einer offiziellen Franziskanischen Gemeinschaft), so ist es doch schon längst überfällig, mehr von diesem Heiligen aus Assisi zu erzählen. Da das andere viel besser können als ich, möchte ich hier zwei Sachen verlinken, die ich auf der Seite der von mir verehrten Franziskaner gefunden habe (bzw. besser: bisher nicht gewürdigt hatte):

1. eine Lebensbeschreibung des Franziskus von Assisi

2. eine Erklärung zum sogenannten Tau-Zeichen (Hinweis: bei mir findet man es immer bei einem Zitat, wie bspw. im vorherigen Beitrag).

Beides sind pdf-Dateien.

(Noch ein Hinweis: mit “laikal” meine ich, daß ich nicht in einem klassischen Orden bin - auch wenn ich das für mehrere Jahre sein wollte - , also einer, der nicht mit Kutte in einem Kloster lebt - was man sich eben so im allgemeinen vorstellt, auch wenn das auf das Franziskanische nicht zwingend zutrifft, aber das ist ein anderes Thema…
Ich interessiere mich sehr für die Franziskanische Gemeinschaft, den sog. Dritten Orden, bin aber wie gesagt noch nicht Mitglied einer solchen)


Treffer

Saturday, 14. April 2007

Martin bringt hier das bisher einzig für mich wirklich überzeugende Argument, mehr Latein in der Messe zu verwenden (kannte es bisher nicht, leuchtete aber sofort ein):

Latein bewahrt mich vor der Illusion, ich würde verstehen, was die liturgischen Texte sagen. Die Wahrheit ist: Ich verstehe nur wenig. In deutscher Sprache fällt das nur nicht so auf.

Insgesamt sehe ich das entspannt und bete das Stundengebet auf Deutsch (allerdings nach der Komplet der Gruß an die Gottesmutter, der wird auf Latein gesungen).


Zuwachs

Friday, 13. April 2007

Zwei neue Blogs in der Liste, zum Teil schon etwas länger betrieben:

Gott vor uns (franziskanisch inspiriert!)

Am Anfang war das Wort (dominikanisch inspiriert. “We’re cousins”, sagte mal der ehemalige Generalminister des Predigerordens Timothy Radcliffe zu mir…)


“Rebellen wie Jesus”

Wednesday, 11. April 2007

Tja, da weiß es einer mal wieder genauer, nein, da wissen es mehrere genauer. Da weiß einer mal wieder, daß Jesus die Eucharistie nicht im Rahmen eines ritualisierten Mahles eingesetzt hat (obwohl es doch so war, das Pessach-Mahl eben). Da weiß einer genau, nach 2000 Jahren, was Jesus meint und will - die gesamte Kirche weiß es seit 2000 Jahren nicht, er dagegen schon.

Queremos ser rebeldes al modo de Jesús

zu Deutsch “wir wollen Rebellen sein wie Jesus”, sagt einer der drei Priester von Entrevías in Madrid (siehe den vorletzten Eintrag), als die vom Erzbischof untersagte und dennoch gefeierte Osternachtsmesse zur antikirchlichen Demonstration verkommt - mit viel Presse, mit viel Pathos (wir die Guten, Bischof & Co. die Bösen), mit Kuchen als “Leib Christi” (wie bereits erwähnt steht liturgisch fest, welche Substanz - Mehl und Wasser, mehr nicht - gewandelt werden muß, damit es sicher Leib Christi wird)

und einmal rumgereichte Weingläser für alle(!) als Blut Christi

Sieht doch sehr ehrfurchtsvoll aus, oder? Hier steht übrigens unter dem Bild (zur Quelle einfach draufklicken), daß der gezeigte spanische Schauspieler “Wein aus einem Glas trinkt”, vom Blut Christi ist nicht die Rede…

Ich weiß nicht, was die da gefeiert haben, aber es war keine katholische Messe, die es ja nur in Einheit mit Papst und den Bischöfen gibt - nunja, sollen die ihr eigenes Ding drehen. Der Priesterrat der Erzdiözese Madrid hatte ja die Schließung der Gemeinde ohne Gegenstimme (49 dafür, eine Enthaltung) aufgrund der liturgischen Katastrophen befürwortet.

Als Filmchen gibt es das ganze auch, wahlweise hier oder dort.


Halleluja! Er ist wahrhaft auferstanden!

Sunday, 08. April 2007

EIN FROHES UND GESEGNETES OSTERFEST!!!

Und da dieses Jahr ja der Ostertermin sowohl des (westkirchlichen) Gregorianischen als auch des (ostkirchlichen) Julianischen Kalenders auf den gleichen Tag fallen, sollten wir vor allem um eins beten, vor der großen Einheit vielleicht erst einmal die kleinen Schritte:

Daß sich die Kirchen auf gemeinsame Termine für die Feiern einigen und die Kalenderfrage ad acta gelegt werden kann.

Ich dachte übrigens immer, Ostern sei immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Das das ganze viel komplizierter ist findet sich bei Wikipedia hier.

(Selbst kann ich für die Ökumene mit den Kirche der Orthodoxie nicht viel “machen”, aber vielleicht ist ja ein Link zur Osterbotschaft des Patriarchen Alexeij II. von Moskau (auf Englisch) etwas.)


Schade

Tuesday, 03. April 2007

Traurig, daß kurz vor dem wichtigsten Fest der Welt so etwas noch passieren muß: aufgrund von liturgischen Eigenwegen (gelinde gesagt) wurde die Pfarrei des Hl. Karl Borromäus des Erzbistums Madrid von selbigem (also durch den Erzbischof) aufgelöst - und das ganze dient natürlich der säkularen Presse als gefundenes Fressen in Spanien.

Die Antwort der Gläubigen dort (hauptsächlich aus den unteren sozialen Schichten):

DE AQUÍ NO SE VA NADIE
(dt. “Von hier geht keiner”)

Die drei vorstehenden Priester haben den Gemeindemitgleidern in einem feierlichen “Akt” den Schlüssel zur Gemeinde übergeben und werden sich der Anordnung des Bischofs nach eigener Aussage nicht beugen. Wohlgemerkt: es geht, so zumindest der Wortlaut des Bistums (und warum dem nicht glauben?), nicht um die wichtige und richtige Sozialarbeit und Hinwendung zu den Ausgegrenzten der Gesellschaft (mit Hilfe des Erzbistums übrigens!), sondern um die Tatsache, daß es dort bei der Eucharistiefeier eben ab und zu nicht Brot, sondern Kuchen als “Leib Christi” gibt.

Dazu schreibt die Gemeinde, die sich im Rest des Schreibens sehr häufig auf das Zweite Vatikanum bezieht:

Si nos empeñamos en seguir al pie de la letra, y nada más que al pie de la letra, el diseño litúrgico del Misal romano con sus pormenorizadas rúbricas, damos como muerta toda vida y creatividad litúrgica. Más que en creadores nos convertimos entonces en recitadores mecánicos de fórmulas litúrgicas, que nos impiden llevar a la celebración eucarística la realidad viva de nuestro tiempo, de nuestra gente, de nuestra comunidad y de nuestras personas concretas.

¿Por qué una comunidad de hoy no puede crear sus oraciones propias como lo hacían las comunidades anteriores en sus respectivas circunstancias? ¿Qué hace suponer que aquellas fórmulas –particulares de entonces- deben ser asumidas al pie de la letra y no puedan ser sustituidas por otras de hoy? Lo esencial -que es lo que hay que guardar- es permanente; pero lo accidental, cambia y es variable. Esta estéril y aburrida repetición de fórmulas y modelos del pasado es lo que ha llevado a calificar a buena parte de nuestra liturgia de momia sagrada.

Kurz zusammengefaßt meinen die Autoren, daß das alleinige Befolgen des Meßbuches ein Für-tot-erklären des “liturgischen Lebens und der liturgischen Kreativität” sei (”damos como muerta toda vida y creatividad litúrgica”). Man sei dann bloß mechanischer Wiederholer, nicht mehr Schöpfer. Wichtig sei das Verheutigen der Liturgie mit Einbeziehen aller Bestandteile. Das Wesentliche sei unwandelbar, vieles aber dem kulturellen und zeitgenössischen Einfluß unterworfen und daher ein Entwerfen eigener Gebete nicht nur erlaubt, sondern gar geboten.

Und das alles im Namen des Zweiten Vatikanischen Konzils, in dem steht, daß niemand das Recht habe, die Liturgie nach eigene Gutdünken zu ändern - selbst ein Priester nicht! Dies steht nur dem Apostolischen Stuhl zu, sprich dem Papst selbst, und auch dies in nur eingeschränktem Maße. Kuchen kann selbst der nicht zulassen.

Das Konzil stellt fest:

A) Allgemeine Regeln

22. § 1. Das Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu. Diese Autorität liegt beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechtes beim Bischof.

§ 2. Auch den rechtmäßig konstituierten, für bestimmte Gebiete zuständigen Bischofsvereinigungen verschiedener Art steht es auf Grund einer vom Recht gewährten Vollmacht zu, innerhalb festgelegter Grenzen die Liturgie zu ordnen.

§ 3. Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.

Ich bin ehrlich, mit solchen Aktionen wird mal wieder das berechtigte Anliegen der Zuwendung zu den Ausgegrenzten und das Beachten dieses Unrechtes (daß es überhaupt Ausgegrenzte gibt!) mit den Füßen getreten. Hochmut kommt vor dem Fall, Sonderkirchen gibt es bereits zuhauf.
Wer sich wirklich an das Konzil zu halten meint, kann es für so eine Selbstgerechtigkeit nicht mißbrauchen!


Kern

Monday, 26. March 2007

Der Kern des Christentums ist nicht das Befolgen der Gebote, es ist auch nicht die Liebe gegenüber dem Nächsten.

Kern ist das Zulassen der Vergebung an einem selbst. Daraus erwächst alles andere.


Spieglein, Spieglein

Friday, 23. March 2007

Die Fastenzeit ist dieses Jahr nicht die Zeit des großen inneren Umbruches - sie ist für mich zuerst die Zeit der inneren Reflexion bzw. der Überlegung darüber, wie mein Christsein überhaupt nach außen und auf andere wirkt.

Und ich stelle fest: zumeist gar nicht, weil ich fast nie “als Christ” auffalle.

Franziskus legte größten Wert darauf, daß wir zuerst durch das Leben evangelisieren und, so schreibt er in seiner sogenannten Nichtbullierten Regel (also nicht durch ein päpstliches Schreiben bestätigt), nur dann das Wort Gottes verbal verkünden sollen, wenn es dem Herrn gefällt. Das ist ja beileibe nicht immer. Durch das Leben dagegen können wir immer das Evangelium predigen, ganz wortlos.

Nur, ich tue es fast nie, zumindest sagen es mir Leute in meinem beruflichen und privaten Umfeld ganz ehrlich.

Ganzjähriges “Fasten” angesagt sozusagen.


Gepennt

Friday, 23. March 2007

Da hat mein Nachbar Marco schon seit Dezember letzten Jahres einen noch kleinen (und extrem vielversprechenden) Blog und ich habe es nicht gemerkt (er sagt aber auch nichts, der Schlingel!).

Also: Mystik im Dialog


Nix verstann?

Thursday, 08. March 2007

Hier berichtet der “Humanistische Pressedienst” (ein lustiger Name, gibt es auch einen in-humanistischen oder inhumanen? Wäre der dann animalisch?) über ein anscheinend verblüffendes Statement von Karl Kardinal Lehmann, seines Zeichens Bischof von Mainz und oberster Repräsentant der dt. Bischöfe, daß dieser “nicht an die Kirche glaube” (sondern nur an Gott) und vor allen sich dadurch selbst außerhalb des Glaubens der Kirche gestellt habe.

Nope.

Hat er nicht, er ist immer noch dabei.

Daß aber ein Religionsverächter wie Schmidt-Salomon, Lehmanns Diskussionspartner in der dort erwähnten Sendung, das nicht schon vorher wußte, ist ein erbärmliches Zeichen.

Noch mal zum Mit- und Abschreiben:

Katholiken glauben nicht “an” die Kirche, sondern wir “glauben eine Heilige, Katholische und Apostolische Kirche”, d.h. wir glauben, daß die Kirche Gottes eben Eine ist (nicht mehrere real existierende), Heilig (durch Gott und Seine Sakramente, nicht durch die Menschen in ihr!), Katholisch (allumfassend) und Apostolisch (d.h. die Weihesakramente und die Eucharistie wie von Beginn an bewahrend).

So einfach, und so stet es auch im lateinischen Original (von mir da hervorgehoben). Da steht kein “et in”, das “en” ist nicht da (ganz im Gegensatz zu den Glaubenssätzen zu Vater, Sohn und Hl. Geist, da steht das “in” sehr wohl):

Credo in unum Deum, Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae, visibilium omnium et invisibilium.
Et in unum Dominum Iesum Christum, Filium Dei unigenitum,
et ex Patre natum ante omnia saecula, Deum de Deo, lumen de lumine, Deum verum de Deo vero, genitum, non factum, consubstantialem Patri: per quem omnia facta sunt;
qui propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis, et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria virgine, et homo factus est, crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato, passus et sepultus est, et resurrexit tertia die secundum Scripturas, et ascendit in caelum, sedet ad dexteram Patris, et iterum venturus est cum gloria, iudicare vivos et mortuos: cuius regni non erit finis.
Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, qui ex Patre Filioque procedit, qui cum Patre et Filio simul adoratur et conglorificatur, qui locutus est per prophetas. Et unam sanctam catholicam et apostolicam Ecclesiam. Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum. Et exspecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi saeculi. Amen.


“Kinos sind wie Klöster”

Tuesday, 27. February 2007

Es ist über ein halbes Jahr her, und kürzlich kam bei mir die DVD des Filmes an, der jetzt auch in den USA läuft und anscheinend einen ähnlichen Eindruck auf die Menschen dort hinterläßt. Hier ist ein sehr gutes Interview mit (dem Düsseldorfer!) Philip Groening auf Englisch zu lesen.

Nobody goes to a monastery to become a specialist in monasteries—you go to a monastery to become yourself. A film about a monastery that is really about a monastery is a film where you come out of the film and you know a little bit more about yourself but you know nothing about a monasteries because you have been in a monastery. If you want know about monasteries, go to a good historian.

Und am Schluß wird Groening exzellent (das ganze ist sehr lesenswert), auch wenn diese Einschätzung von mir manchen vielleicht verwundern wird:

The way you know that a religion is your religion is that you have problems with it. If you don’t have problems with it, it’s not your religion.


Bloggen ist gefährlich

Monday, 26. February 2007

Und dies offensichtlich nicht nur für die, deren Meinungsmonopol angegriffen wird. Beispiele wie die des Ägypters Kareem Amer (derzeit scheint die Seite, die seine Freilassung fordert, nicht erreichbar zu sein. Warum?) zeigen, daß die Erfindung des Weblog nicht nur für amerikanische Präsidentschaftskampagnen wichtig ist (dort werden sie auch offensiv gebraucht) - jeder kann jederzeit an jedem Ort mit Netzzugang alles für alle lesbar kommentieren. Dieses Recht dürfen wir uns nicht nehmen lassen, von niemandem. Und daß es gelesen wird, zeigt die Haft von Kareem Amer.
Die Mächtigen bekommen Angst - gut so.


Sein Reich?

Sunday, 25. February 2007

Dies Domini.

Das heutige Evangelium, das in der Liturgie des Ersten Fastensonntags gelesen wurde, ist eines meiner liebsten (und wurde vor fast drei Jahren schon einmal kommentiert). Die Versuchungsgeschichte, die Lukas recht ausführlich schildert, beinhaltet - meines Erachtens nach immens wichtig - den Hinweis, daß die “Reiche dieser Welt”, also die irdischen Königtümer, die politischen und militärischen Supermächte, die mächtigen Industrienationen, der große Einfluß in der Welt, der persönliche Ruhm und Reichtum, die Staaten und Völker, daß eben all das und noch viel mehr nicht unmitelbar der Herrschaft Gottes unterliegen. Nein, es war für mich bem ersten Mal eine große Überraschung festzustellen, daß hier so en passant festgehalten wird, daß Gott selbst diese Reiche dem Teufel überlassen hat, der sie gibt, wem er will.

Das nur mal so als Hinweis.


Ratgeber

Wednesday, 21. February 2007

Ich bin zwar kein großer Fan von den zum Teil fließbandartig produzierten Texten des Benediktiners Anselm Grün OSB, doch die alten Texte von ihm, insbesondere die sogenannten Kleinschriften aus dem klostereigenen Vier-Türme-Verlag, sind durchaus zu empfehlen. Ein stetiger Begleiter durch meine Fastenzeit ist dieses Heftchen hier (ich habe allerdings eine ältere Auflage und kann nicht sagen, ob die neue irgendwie modern umgearbeitet wurde):


Wichtiger?

Wednesday, 14. February 2007

Bereits zuvor hatte ich geschrieben, daß mich die ganze Aufregung um die Alte oder Neue Liturgie nicht wirklich interessiert - ganz ehrlich erscheint sie mir wie ein Paradebeispiel kirchlicher Nabelschau, so sehr auch eine Menge Herzblut von jeder Seite da reinfließt und so ehrlich das gemeint ist. Mein Ansatz mag unfrei erscheinen - aber ich höre da einfach auf die Kirche, denn die Frage nach der Liturgie ist nicht meine Berufung als Laie.

Mich beschäftigt viel mehr die Frage, warum ich immer wieder bei Gesprächen auf Menschen treffe, wie vor wenigen Tagen erst, die anscheinend nach immerhin 10-13 Jahren verfassungsmäßig garantiertem Religionsunterricht (von wenigen Bundesländern jetzt mal abgesehen) Null bis Nullkommafünf davon mitbekommen haben - bzw. nein, das wundert mich nicht, war bei mir ja nicht anders. Ich mußte mich ja von einer verqueren Katechese deswegen nicht befreien, weil ich faktisch nie eine hatte.

Nein, mich wundert, daß diese Menschen (die ich also so treffe und mit denen ich darüber spreche) es als eine Befreiung empfinden, wenn man ihnen sagt, daß man Gott auch durchaus anschreien dürfe, daß man sauer auf Ihn sein darf, daß man auch mal auf Beziehungspause geht (was ich alles schon getan habe - man gehe einfach u.a. bei den Psalmen in die Lehre).

Wer Mensch wird, will auch so behandelt werden. Alles andere ist keine Beziehung.

Mich wundert, daß diese Menschen (und das habe ich über Jahre hinweg in verschiedenen Ländern von verschiedenen Nationalitäten schon gehört) es kaum glauben können, daß ein bereuter Fehler durch die Beichte vergeben wird, auch wenn man mehr als nur ahnt, daß ähnliches oder gleiches wieder passieren wird. Oder daß die Taufe wirklich alles vergibt (und die Krankensalbung ebenfalls, wird gerne vergessen).

Allein schon, daß in der Sicht des Glaubens das Leiden zwar nicht erklärt werden kann (würde ja auch nichts bringen), aber mit Glaubenssicherheit nicht das letzte Wort hat, ist manchmal schon eine Überraschung im Gespräch.

Gut, für können uns unter den Gläubigen auch weiter auf die Frontal- oder Rückenansicht der Priester konzentrieren … (man verzeihe mir diese Spitze)


Hauptsache demokratisch?

Sunday, 11. February 2007

Dies Domini.

Schon früher habe ich hier den Zerfall der Anglikanischen Kirche erwähnt, die Weihe des bekennenden Homosexuellen Robinson zu einem Bischof in der Episcopal Church in den USA brachte das Faß ja dann zum Überlaufen. Fraktionen des Südens mit ihrem Bekenntnis zur Hl. Schrift und Tradition stehen denen des Nordens mit ihrem Anspruch der Aufklärung und Gerechtigkeit nachwievor unversöhnlich gegenüber, der Abgrund scheint mir auch nicht überbrückbar.

Der Zerfall geht weiter (Englisch) und wurde auch vom Ehrenvorsitzenden der Anglikanischen Gemeinschaft, dem Erzbischof von Canterbury, des öfteren und öffentlich für kaum noch aufhaltbar gehalten.
Natürlich versucht man sich jetzt in allerlei Sitzungen und Gesprächsrunden, die einheit einer kirchlichen Gemeinschaft ist ja auch ein extrem hohes Gut.

Doch ich denke, daß gerade an diesem Beispiel, einer Gemeinschaft mit vielen Millionen gläubigen Mitgliedern in der gesamten Welt, einmal mehr klar wird, wo man landet, wenn ein letztverbindliches Lehramt fehlt, wenn der Glaube und seine Konseqeunzen im Leben an die Mehrheitsmeinung gebunden wird.


Stimmenchor

Friday, 09. February 2007

Bisher habe ich zu der Frage nach der allgemeinen Wiederzulassung des sogenannten “Alten Ritus”, also dem vor der Liturgiereform unter Papst Paul VI., der über 400 Jahre Gultigkeit hatte, wenig geschrieben. Es berührt mich nicht so, ich bin durch den sogenannten “Neuen Ritus” kirchlich sozialisiert, habe durch ihn intensive Gotteserfahrung in der Eucharistie gewinnen können, stehe aber dem “Alten” nicht ablehnend gegenüber, wüßte auch nicht warum. In der Kirche gibt es seit jeher verschiedene Riten, und eine Strenge der Form würde manchen Wildwuchs verhindern. Mich regt es bspw. auf, daß im hiesigen Erzbistum (immerhin dem des Leiters der Liturgiekommission der Bischofskonferenz) fast immer eine der beiden Lesungen weggelassen wird, als dürfe man das den Menschen nicht zumuten.

Aber hier fühle ich mich bemüßigt, mal ein unbedeutendes Wort einzuwerfen, und zwar bezüglich eines Kommentares, der von einem Herrn Nagel auf der Seite des Liturgieinstitutes in Trier steht, scipio und Martin haben diesen bereits entdeckt und das ihrige dazu gesagt. Mich wundert, daß der Tonfall des Herrn Nagel so nach Rückzugsgefecht klingt (mit all den negativen Folgen für die schwache Wortwahl) - sehe jetzt erst, daß Martin das wohl auch so vorkommt, anscheinend droht für ihn (Nagel) mit dem Alten Ritus der Ausverkauf des gesamten Zweiten Vatikanischen Konzils (daß der neue Ritus gar nicht da drin steht, ist ja nachzulesen, aber in zu weites Feld, um dieses Faß jetzt aufzumachen). Nun, ich erlaube mir hier erst einmal das komplette Zitat samt Quellenangabe zu bringen:

Eine Zeitung berichtet über eine Auftaktveranstaltung zu einer umfassenden Kirchenrenovierung. Das Foto zeigt den Zustand der Kirche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor dem alten Hochaltar (der seit den 70er Jahren im Seitenschiff steht) ist ein Volksaltar einmontiert, der sich vor dem künftigen Hintergrund freilich ausgesprochen mickerig ausnimmt. Aus Wien kommen Berichte über die endgültige Entfernung des Volksaltars aus einer Kirche – triumphierend wird da verkündet: Versus populum ist out! In Rom laufen gewisse Kreise, unterstützt durch bestimmte Medien, massiv Sturm für die generelle Wiederzulassung des Ritus von 1962 und erzeugen den Eindruck, es gebe in der heutigen Kirche nichts wichtigeres als diesen Schritt. Als Begleitmusik in den betreffenden Medien ist dazu zu hören: Die Liturgiereform ist gescheitert. Gegen all diese Machenschaften noch einmal aufzustehen ist heute die „Generation Konzil“ gefordert, die aus biologischen Gründen allmählich abtritt. Sie soll und darf bekennen, dass so Manches noch nicht erreicht ist, was die Väter des Konzils zusammen mit Gottes ganzem heiligem Volk damals von dieser Reform erhofften. Sie soll sich auch an der eigenen Nase fassen, wo sie bis heute Fehler macht und damit den Gegnern der Reform unnötige Angriffsflächen und Munition bietet. Sie soll sich noch einmal anstrengen, damit deutlich wird, welche theologische und spirituelle Kraft in der erneuerten Liturgie steckt. Ältere Priester sollen bekennen, welche Befreiung es für sie war, dass sie Gottes Wort jetzt in der Muttersprache den Gläubigen selbst verkünden und das Gebet in ihrem Namen laut und verständlich sprechen dürfen und keinen Dolmetscher dafür brauchen. Sie sollen sagen, wie buchstäblich verkehrt es ist, Menschen, die man anspricht, den Rücken zuzuwenden. Wer an einer der mit bischöflicher Erlaubnis stattfindenden Messe im Ritus von 1962 teilnimmt, wird feststellen: Es ist eine eher traurige Gruppe, die sich hier zusammenfindet und ihre Andacht verrichtet, während vorn ein Priester die Messe liest. Freude und Aufbruchstimmung kam in den letzten 100 Jahren von der Jugend- und der Liturgischen Bewegung in die Kirche, Traditionalisten verbreiten vor allem Klagen und Missmut, erfährt

Ihr Eduard Nagel

Mein Kommentar dazu: ich gehöre schon altersmäßig definitiv nicht zur “Generation Konzil”, will es auch nicht. Ich bemühe mich täglich, zur “Generation Katholisch” zu gehören.


Hirte

Tuesday, 06. February 2007

Ein Rebell gegen den Papst und somit gegen die Grundstruktur der Kirche war er nie, auch wenn ihn säkulare Medien (und säkulare Kirchenreformer) dafür vor ihren Karren ziehen wollten. Der Kirche, wie er selbst mal sagte, verdanke er alles in seinem Leben, und er ist mit Leib und Seele leidenschaftlicher Priester. Bis heute ist er seiner Gewissensentscheidung treu geblieben und hält den Ausstieg aus der staatlichen (und somit Schein-abhängigen) Schwangerschaftskonfilktberatung für falsch, die Papst Johannes Paul II. mit diesem Schreiben verfügte, doch war er sich im klaren darüber, was priesterlicher Gehorsam bedeutete und er verkündete öffentlich und vollkommen korrekt, daß JPII die Verantwortung für diese Entscheidung vor Gott zu tragen habe (ich teile hier die Ansicht des Papstes, aber das Faß möchte ich jetzt nicht aufmachen).
Nur nebenbei waren es nur er und Erzbischof Johannes Dyba (R.I.P.), die ihrem Gewissen in dieser Frage stets treu blieben, wenn auch mit jeweils gegenteiligen Entscheidungen, und ihnen gebührt somit am meisten Respekt.

Franz Kamphaus war und ist ein sehr beliebter Bischof, beileibe keine schlechte Auszeichnung (es mag ja Menschen geben, die ihren Standpunkt eher am Gegenwind messen und sich daran hochziehen). Seinem Namenspatron aus Assisi und dessen Orden eng verbunden, lebt er bis heute eine Einfachheit und Demut bei gleichzeitig großer Gabe für eine starke Rede und Auslegung des Wortes Gottes, die “ankommen”.

Für viele ist er ein Vorzeige-Bischof - und dennoch ist der Trend in seinem Bistum bzgl. des Rückganges an Katholiken und Priestermangel nicht anders gewesen als in den meisten anderen Bistümern.

Das darf uns aber nicht abhalten, mehr auf die Saat als auf die Ernte zu achten, denn wachsen läßt Er, säen sollen wir.


Nachhilfe?

Monday, 05. February 2007

In seinem Blog läßt sich Herr Alipius über das Verhalten von Italienern in bzw. besser in und vor einer Straßenbahn aus. Mein Verständnis von Italienern habe ich wie folgt erweitert, deswegen wundere ich mich, daß Herr Alipius sich wundert:



Überarbeitet

Sunday, 04. February 2007

Dies Domini.

Die Franziskaner haben ihren Netzauftritt überarbeitet. Wurde auch Zeit (wenn ich das mal brüderlich so sagen darf) und ist jetzt auch deutlich besser. Jetzt fehlt aber u.a. noch eine reibungslose Kompatibilität mit Firefox und so…


Gutes Beispiel

Thursday, 01. February 2007

Daß sich die muslimische Welt oft mißverstanden und im Westen mißrepräsentiert fühlt, ist ja mittlerweile Allgemeinplatz. Oftmals fragt sich die westliche-säkulare Welt, woran man das denn überhaupt festmachen könne, das ganze erscheine doch etwas übertrieben aus einem Gefühl der angeblichen Unterlegenheit und sei eher Trotz als Objektivität.

Ein sehr sinnfälliges Beispiel für die Wahrheit dieser in der muslimischen Welt oft gehörten Aussage (jeder kann einschlägige Studien dazu heranziehen) findet sich in einem Kommentar des bereits früher erwähnten und sehr lesenwerten Islamica Magazine, den ich hier wage, einfach mal komplett und unübersetzt auf Englisch zu zitieren:

Is One Offensive Cleric More Important Than 38 Reasonable Ones?

By Firas Ahmad

On October 12th 38 highly respected and theologically diverse clerics from the Muslim world wrote what is widely considered a respectful and engaging “Open Letter” to the Pope in response to his controversial comments about Islam made during his Regensburg address in September. Not only was the letter of historical significance, but it also represented an articulate and reasoned invitation to dialogue from Muslims with the Papacy on matters of theology and faith. The signatories included top scholars from Bosnia, Croatia, Egypt, the United States, the United Kingdom, Jordan, Kosovo, Oman, Russia, Turkey, Uzbekistan and Iran.

Around the same time, a single Muslim cleric in Australia, Sheik Taj Aldin al-Hilali, delivered a sermon to about 500 followers where he allegedly compared some women who do not dress modestly to uncovered meat being left out for a cat.

I wonder which story received more news coverage.

If we follow the Google news aggregator as a gauge, at the height of the news coverage of the Open Letter to the Pope, the story appeared in about 220 different news sites across the world. The only major English language news web site to carry the story on the front page was BBC. Most notably, the major US media outlets almost entirely ignored the event. With the exception of a front page story that week in the Christian Science Monitor and a small story aired on CNN, the letter came and went without much fanfare.

As the fury over Hilali’s remarks continue to gain momentum, according to Google there are currently over 800 news services carrying the story. That is quadruple the coverage of the Open Letter. I would expect this to increase before it subsides. The cleric’s remarks are drawing furious reactions from around the globe, and the life of the story is likely being extended by the already tense debate over Muslim women who wear veils in the UK.

The open letter signed by 38 scholars, who represent all eight major schools of thought in the Islam, is more representative of the global Muslim community than this one lone Australian cleric. However, judging by the prevailing media coverage any casual reader would think the exact opposite.

When Pat Roberston or Jerry Fallwell make embarrassingly ignorant comments, they are dismissed as the rantings and ravings of old senile men. When any Muslim cleric does something similar, in the court of public opinion Islam is guilty of the offense until proven otherwise. When it comes to the media, Muslims can hardly catch a break.

The sad reality is that if the 38 scholars who wrote the Open Letter really wanted the world to hear what they had to say, they should have first congregated in Cairo and burned an effigy of the Pope.

Firas Ahmad is Senior Editor of Islamica Magazine