Es paßt zu ihm

Monday, 11. February 2013

Ich konnte es, heute mit einer Grippe fast ständig zuhause im Bett, erst nicht glauben, als ich von der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts durch meinen besten Freund hörte - wahrscheinlich war ich auch noch zu benebelt vom Fieber. Ich wollte es aber auch nicht glauben.

Doch als auch mir dann klar wurde, daß das keine Ente ist, dachte ich: es paßt zu ihm.

Josef Ratzinger hat nie viel Aufhebens um seine Person gemacht. Was manche Leute anfangs für ein “überhebliches Understatement” hielten, nämlich seine erste päpstliche Selbstbeschreibung als “einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn” zeigt sich eben jetzt in Konsequenz. Hinter der Rücktrittsankündigung steckt bei ihm aber jetzt womöglich - reine Spekulation meinerseits - eine ernsthaftere Erkrankung, so daß ich ihm alles nur erdenklich Gute wünsche. Sein Wunsch, seinen Lebensabend in Gebet und Meditation zu verbringen, nach einem Leben für die Harmonie von Theologie und Vernunft, kommt auch nicht überraschend.

Das Wohl und Wehe der Kirche liegt trotz allen enormen Einflusses nicht am Papst, es ist nicht seine Kirche. Und schon vor Jahrzehnten schrieb der damalige Professor Ratzinger als Hauptgrund für sein Verbleiben in der Kirche, daß es eben Seine Kirche sei, die Kirche Jesu Christi. Alles andere ist weniger wichtig.

Ich habe kein Recht darauf, weil ich nichts dazu getan habe, aber ich bin dennoch auf diesen Papst stolz. Sogar durch seinen Rücktritt zeigt er einmal mehr, daß es nur um den Einen gehen kann, um den Zimmermannssohn aus Nazareth, nicht um die kirchliche Selbstdarstellung.

Möge Gott uns wieder einen Papst schenken, der weiß, daß es die Hauptaufgabe seines Amtes ist, auf Jesus und Seine Kirche zu verweisen.


Die Pillen danach oder ein Stimme mehr im Konzert, nämlich meine

Friday, 08. February 2013

Nachdem schon fast alles zu dem Kölner Fall des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers gesagt wurde, nur noch nicht von jedem, sehe ich mich mittlerweile gezwungen, auch mal was dazu zu schreiben.

Als Arzt (wenn auch kein Frauenarzt) kenne ich vielleicht ein paar Informationsquellen, die selbst dem Erzbischof von Köln - meinem Ortsbischof - nicht zugänglich gemacht werden und die daher zu seiner Stellungnahme führen, die mich doch etwas irritiert hat, da diese Stellungnahme, kurz gesagt, wissenschaftlich nicht haltbar ist (zugegebenermaßen bleibt der Kardinal klugerweise sehr vage). Es gibt keine Pille danach, die sicher die Einnistung nicht verhindert! Das werfe ich ihm nicht vor, aber vielleicht kann ihm das jemand mitteilen, der zufällig über diesen Beitrag stolpert. Dazu gleich mehr.

Erstaunlich fand ich den Wortlaut einer gemeinsamen Erklärung des Bundesverbandes der Frauenärzte (bvf) und der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF). Dort ist folgendes zu lesen:

Liebe KollegInnen, leider wird in diesen Tagen viel Unsinn über die Pillen danach, EllaOne und Pidana, verbreitet. Einzig richtig ist, dass beide Pillen den Eisprung verschieben und somit die Spermien keine Gelegenheit finden, eine Eizelle zu befruchten.

Das klingt vielleicht überzeugend, weil es von Fachgesellschaften stimmt, wird dadurch aber nicht korrekt. Medizinische Erkenntnis beruht auf Belegen (Evidenz) und nicht auf Autoritäten (Eminenz). Für eine wissenschaftliche Stellungnahme ist der Sprachduktus zudem sehr ungewöhnlich (mal neutral formuliert).

Unsinn wurde vielleicht verbreitet, aber es ist eben nicht einzig richtig, daß die beiden genannten Mittel (Wirkstoffe Ulipristalacetat bei EllaOne und Levonorgestrel bei Pidana) den Eisprung verhindern. Sicher tun sie das, weil beide Mittel, EllaOne noch viel mehr als Pidana, das für Eisprung und Schwangerschaft wichtige Hormon Progesteron ver- bzw. behindern.

Soweit so nicht abtreibend. Aber warum bin ich der Meinung - und zwar nicht allein - daß dennoch beide Mittel, auch das favorisierte EllaOne, abtreibende Funktion haben, weil sie die Einnistung in die Gebärmutter des sich entwickelnden Menschen verhindern?

In der Fachinformation (auch als Beipackzettel bekannt) von EllaOne als dem Ulipristalactet, findet sich der Hinweis, daß das Präparat auch noch 5 Tage(!) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr (GV) wirkt. Sollte der Eisprung am Tag oder kurz nach dem GV stattgefunden haben, so kann das Präparat, obwohl es trotzdem wirkt(!), diesen natürlich nicht rückwirkend verhindern. Gleichzeitig dauert es keine fünf Tage bis zur Befruchtung, da die Eizelle nur weniger als einen Tag nach Eisprung überhaupt “befruchtungsfähig” ist (seltsames Wort, aber macht die Sache klar). Deswegen muß es eine andere Wirkweise haben - nämlich die Verhinderung der Einnistung, auch Nidationshemmung genannt.

Die Schleimhaut der Gebärmutter nennt man übrigens Endometrium, dort würde sich das Ei einnisten und diese Schleimhaut wird normalerweise regelmäßig abgestoßen - mit folgender Blutung, wenn auf den monatlichen Eisprung keine Befruchtung folgt, für Frauen ein bekanntes Phänomen.

Und nun gibt es noch eine Organisation, die im Gegensatz zu den oben genannten keine finanziellen Interessen an der Fortpflanzung oder ärztlichen Konsultation hat, die übergeordnete “Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft”. In deren Infoschreiben zu EllaOne findet sich folgender Passus:

Ulipristalacetat ist ein oral wirkender synthetischer Progesteron-Rezeptor-Modulator mit Bindung am menschlichen Progesteron-Rezeptor. Als Wirkungsmechanismus werden die Hemmung oder Verzögerung der Ovulation sowie eine Beeinflussung des Endometriums dargestellt. Eine Aussage zur Sicherheit, sollte das Mittel während einer bestehenden Frühschwangerschaft eingenommen werden, kann nicht getroffen werden. Eine Schwangerschaft muss daher vor Einnahme ausgeschlossen werden.

Da haben wir es, eine “Beeinflussung des Endometriums”, also die Verhinderung der Einnistung, was nichts anderes ist als eine Frühabtreibung (wie auch Kardinal Meisner feststellt).

Deswegen werde ich auch weiterhin kein Rezept für die Pille danach, welche auch immer, ausstellen.

Nebenbei sei noch erklärt, warum ein Schwangerschaftstest (SS-Test) gemacht werden muß vor der Einnahme: niemand kann garantieren, daß es nicht zu Fehlbildungen des Kindes kommt, wenn die SS schon besteht. Viel wahrscheinlicher ist ein Frühabort (also auch Abtreibung), da ein starker Abfall des Progesteron eben häufig dazu führt - wie jede weiß, die schon mal eine ungewollte Fehlgeburt miterleben mußte. Der SS-Test mißt ja das ß-HCG, was wiederum nach Einnistung in der Gebärmutter produziert wird, also diese voraussetzt. Daher bedeutet ein neg. ß-HCG auch eigentlich nicht “nicht schwanger”, sondern “nichts eingenistet”.

Noch ein sehr wichtiger Nachtrag: in diesem Interview mit dem Domradio spricht Dr. Albring, Vorsitzender des oben genannten bvf, von neuen Studien der letzten zwei Jahre, die sicher gezeigt hätten, daß keine Nidationshemmung stattfindet. Da ich immer skeptisch bin, wenn von “neuen Studien” die Rede ist, ohne daß diese benannt werden - nun ist vielleicht so ein Interview auch nicht der Zeitpunkt dafür - habe ich gerade selber mal geschaut.

Ich weiß nicht, ob Dr. Albring was aktuelleres als November 2012 vorzuweisen hat, aber vor 4 Monaten erschien in dem “Cleveland Clinic Journal of Medicine” der Artikel “Emergency contraception: Separating fact from fiction“, also wie gemacht für diese Debatte.

Dort heißt es zu Ulipristalacetet (bei uns EllaOne), Erklärungen in [ ] dazu von mir:

Ulipristal is structurally similar to mifepristone [die Abtreibungspille RU 486 oder Mifegyne], and its mechanism of action varies depending on the time of administration during the menstrual cycle. When unprotected intercourse occurs during a time when fertility is not possible, ulipristal behaves like a placebo. When intercourse occurs just before ovulation, ulipristal acts by delaying ovulation and thereby preventing fertilization (similar to levonorgestrel [Pidana]). Ulipristal may have an additional action of affecting the ability of the embryo to either attach to the endometrium or maintain its attachment, by a variety of mechanisms of action. Because of this, some in the popular press and on the Internet have spoken out against the use of ulipristal [was nachvollziehbar ist].

The ACOG considers pregnancy to begin not with fertilization of the egg but with implantation, as demonstrated by a positive pregnancy test [das ist bekanntlich nicht die Sicht der Kirche und die der Biologie, sondern eine Frage der Nachweisbarkeit].

Of note, the copper IUD [bekannt als Spirale oder Intrauterinpessar] also prevents implantation after fertilization, which likely explains its high efficacy.

Women who have detailed questions about this can be counseled that levonorgestrel works mostly by preventing ovulation, and that ulipristal and the copper IUD might also work via postfertilization mechanisms. However, they are not considered to be abortive, based on standard definitions of pregnancy.

If a woman is pregnant and she takes levonorgestrel-based emergency contraception, this has not been shown to have any adverse effects on the fetus (similar to oral contraceptives).


Und wieder Krieg

Friday, 25. January 2013

Zu dem rüstet sich anscheinend auch immer mehr die Bundeswehr.

Jetzt hat sie angekündigt, Drohnen für den Kriegseinsatz zu beschaffen (für Aufklärungszwecke hat sie diese schon seit langem).

Natürlich sind das alle “hochpräzise” Waffen, die zivilen Opfer solcher Drohnen in Pakistan, Afghanistan und andernorts waren halt zur falschen Zeit am falschen Ort oder sahen falsch aus oder haben sich militärisch unklug verhalten. (Satire aus)

Während ich schon im vorletzten Beitrag dargelegt habe, daß das Recht auf den gerechtfertigten Krieg ein Recht der Selbstverteidígung eines Volkes beschreibt - und Selbstverteidigung kann man eben nicht an andere Länder delegieren - ist der Krieg mit Drohnen ein Krieg ohne jegliche moralische Rechtfertigung.

Drohnen dienen nämlich hauptsächlich dazu, Menschen zu töten, die in dem Moment gerade nicht angreifen, die - wie bspw. im Irak - auch den Kontrolleur der Drohne nie angegriffen haben.

Es ist erstaunlich, daß man zu dieser Playstation-Entwicklung des realen Krieges so wenig an Protesten hört.

Wahrscheinlich sind uns die anderen wirklich so egal, wie es scheint.


Noch mal über Weihnachten

Friday, 25. January 2013

(Die folgenden Ausführungen verdanke ich Dr. Michael Barbers Podcast von thesacredpage.com über die Geburt Jesu)

Gut, wir sind liturgisch wieder “im Jahreskreis” (irgendwie mag ich das Wort nicht, klingt wie Stuhlkreis), aber bezugnehmend auf den oben genannten Podcast (und ihn erweiternd) möchte ich noch was über die Geburtserzählungen in den Evangelien sagen und wie tief kulturelle Traditionen unser Bibelverständnis prägen.

Jeder wird Krippendarstellungen kennen. Jesus wird geboren, hierzulande in einem Stall dargestellt, auch wenn es faktisch eher eine Höhle war, dazu gesellen sich Schafshirten und die Weisen aus dem Morgenland. So ist die übliche Darstellung, ggf. mit Ochs und Esel und manchmal auch ein paar Engel.

Diese Darstellung führte dazu, daß ich mich immer fragte, warum das Epiphanie-Fest erst zwei Wochen nach Weihnachten gefeiert wird (am 06.01.). Kürzlich dachte ich mir dann: gut, wahrscheinlich kamen die Weisen aus dem Morgenland erst ein paar Tage später hinzu, Maria war noch im Wochenbett und daher nicht ganz so mobil.

Doch erst durch den Podcast wurde mir klar, daß das alles biblisch gesehen äußerst unwahrscheinlich ist und daß ich von einer einfachen Krippendarstellung zutiefst geprägt worden bin in meinem historischen Verständnis dessen, was damals passiert ist.

Also, Matthäus berichtet überhaupt nicht von der konkreten Geburt Jesu, obwohl er schreibt (1,18) “Mit der Geburt Jesu Christi war es so”. Er berichtet dann davon, daß Josef die Schwangerschaft bemerkt, ihm der Engel erscheint etc., er dem Sohn den Namen Jesus gab und daß dann “als Jesus geboren worden war” (2,1) die Sterndeuter kamen.

Vom Tag der Geburt als solches wird nichts berichtet, das steht alles bei Lukas.

Was die Geschichte mit den Sterndeutern (oder in Deutschland die Hl. Drei Könige) angeht, so ist die Sache wohl ganz anders gelaufen. Sie sahen den “Stern” bereits in ihrer Heimat, machten sich dann auf den Weg, um das Kind anzubeten. Der Weg hat bnestimmt einiges an Zeit in Anspruch genommen, auch mit Last- und Reittieren. Um ziemlich sicher zu sein, wann denn dieser neue König geboren wurde, läßt sich ja Herodes “von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war” (2,7) - um anschließend alle Jungen in und um Bethlehem im Alter bis zu zwei Jahre ermorden zu lassen.
Daß somit der Besuch der Sterndeuter, die die Jesus mit seinen Eltern ja auch nicht in einer Höhle, sondern in einem Haus vorfanden (2,11), wahrscheinlich erst mindestens ein Jahr später stattfand, ist somit ziemlich wahrscheinlich.
Natürlich kann auch Herodes einfach mal so einen “Sicherheitsabstand” von zwei Lebensjahren bei der Beurteilung der möglichen Rivalen einsetzen, aber begründet werden müßte das schon.

Wie sehr doch eine einfache Krippe mich (und womöglich andere) beeinflussen kann.


Die Kirche und der Krieg

Sunday, 13. January 2013

Vor einigen Tagen hatte ich auf Facebook eine Diskussion mit anderen Katholiken darüber, was ein Christ denn gutheißen solle in Situationen wie bspw. Syrien, also die Frage, ob militärischer Einsatz von außen nicht nur zu rechtfertigen, sondern zu fordern sei.
Begonnen hatte diese Diskussion mit der Behaptung, Pazifisten würden tatenlos zusehen und das Schicksal der Leidenden sei ihnen egal.

Ich weiß, über dieses Thema sind Bibliotheken geschrieben worden, aber ich möchte auch mal meinen Senf dazu geben.

In der Diskussion habe ich die pazifistische Meinung vertreten (und zwar aus Überzeugung, nicht als rhetorische Übung)

Es ist unschwer zu überprüfen, daß für einen Christen mit dem Glauben an Jesus Christus dessen Anweisungen aus dem Evangelium eindeutig nicht in Richtung Kriegsführung, sondern in Richtung Friedfertigkeit und Erduldung von Unrecht gehen.

Aber das soll jetzt gar nicht das Thema sein, das ist ja eindeutig (man nehme nur die Bergpredigt). Mir wurde gesagt, ich solle mich doch einfach mal an den Katechismus der Katholischen Kirche halten, und genau das habe ich getan. Angesichts der Lehre vom “Gerechten Krieg” (ich bevorzuge ja die Übersetzung “Gerechtfertigter Krieg”, was ebenso stimmt und die Konnotation des Gut-Sein im Wort “gerecht” wegläßt) dachte ich zuerst, ich würde etwas finden, was meiner Meinung widerspricht.

Doch mitnichten!

Gleichsam eine Lebensanleitung für Gewaltlosigkeit ist Nr. 2306:

Wer auf gewaltsame und blutige Handlungen verzichtet und zur Wahrung und Verteidigung der Menschenrechte Mittel einsetzt, die auch den Schwächsten zur Verfügung stehen, legt Zeugnis ab für die Liebe des Evangeliums, sofern dabei nicht die Rechte und Pflichten der anderen Menschen und der Gesellschaft verletzt werden. Er bezeugt zu Recht, welch schwerwiegende physische und moralische Gefahren der Einsatz gewaltsamer Mittel mit sich bringt, der immer Zerstörungen und Tote hinterläßt.

Warum sinkt seit Jahren die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland? Nicht weil die Unfallchirurgie so enorme Fortschritte gemacht hätte, sondern weil die Sicherheitsmaßnahmen immer besser werden, weil also die Gefahr für das Menschenleben sinkt, Gefahren erst gar nicht entstehen können. Prävention vor Zusammenflickenmüssen! Das bedeutet hier also: keinen Waffenexport und keinen Anspruch, bei Waffensystemen vorne dabei zu sein!

Im Katechismus steht das unter 2315:

Die Anhäufung von Waffen erscheint vielen als ein paradoxerweise geeignetes Vorgehen, mögliche Gegner vom Krieg abzuhalten. Sie sehen darin das wirksamste Mittel, um den Frieden zwischen den Nationen zu sichern. Gegenüber einer solchen Abschreckung sind schwere moralische Vorbehalte anzubringen. Der Rüstungswettlauf sichert den Frieden nicht. Statt die Kriegsursachen zu beseitigen, droht er diese zu verschlimmern. Die Ausgabe ungeheurer Summen, die für die Herstellung immer neuer Waffen verwendet werden, verhindert, daß notleidenden Völkern geholfen wird. Somit hält die übermäßige Rüstung die Entwicklung der Völker auf. Sie vervielfacht die Konfliktgründe und verstärkt die Gefahr der Ausbreitung von Kriegen.

Und was ist mit dem “gerechten Krieg”? Die Bedingungen dazu finden sich in 2309:

Die Bedingungen, unter denen es einem Volk gestattet ist, sich in Notwehr militärisch zu verteidigen, sind genau einzuhalten. Eine solche Entscheidung ist so schwerwiegend, daß sie nur unter den folgenden strengen Bedingungen, die gleichzeitig gegeben sein müssen, sittlich vertretbar ist:

- Der Schaden, der der Nation oder der Völkergemeinschaft durch den Angreifer zugefügt wird, muß sicher feststehen, schwerwiegend und von Dauer sein.

- Alle anderen Mittel, dem Schaden ein Ende zu machen, müssen sich als undurchführbar oder wirkungslos erwiesen haben.

- Es muß ernsthafte Aussicht auf Erfolg bestehen.

- Der Gebrauch von Waffen darf nicht Schäden und Wirren mit sich bringen, die schlimmer sind als das zu beseitigende Übel. Beim Urteil darüber, ob diese Bedingung erfüllt ist, ist sorgfältig auf die gewaltige Zerstörungskraft der modernen Waffen zu achten.

Dies sind die herkömmlichen Elemente, die in der sogenannten Lehre vom „gerechten Krieg” angeführt werden.

Die Beurteilung, ob alle diese Voraussetzungen für die sittliche Erlaubtheit eines Verteidigungskrieges vorliegen, kommt dem klugen Ermessen derer zu, die mit der Wahrung des Gemeinwohls betraut sind.

Das Wichtigste steht im ersten Satz: es geht um das Recht eines Volkes, sich zu verteidigen. Es geht eben nicht darum, eine Staatsform oder Werte in fernen Hügeln zu verteidigen. So etwas rechtfertigt keine zivilen Opfer (die es immer gibt!)

Christen sollen Jesus nachfolgen. Wie viel Unrecht, das er sicher auch gesehen hat (wie Mißhandlungen durch die Besatzer, Wucher-Zölle und Erniedrigungen der Frauen) hat er denn anders als durch das Wort und Beispiel zu verhindert versucht?


Neuer OFS-Blog

Sunday, 13. January 2013

Alle mal reinschauen und sich auf die Seelenpfade begeben. Möge dem Blog ein langes und immer wieder aktualisiertes Leben beschieden sein!


Gespalten

Thursday, 10. January 2013

Jesus sagt (Mt Mk 3,24):

Wenn ein Reich mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.

Gerry Straub ofs schreibt passenderweise (auch wenn es nicht um diese Aussage Jesu geht):

We are familiar with the Gospel, but the Gospel is not familiar with us.

It seems to me most Christians “preach” one gospel and live another. We preach the Good Samaritan and ignore the poor. We preach the gospel of trust but lock our church doors. We preach the lilies of the field and allocate large amounts of our monthly paychecks to pension and insurance plans. We preach the gospel of peace but plot to destroy our enemies. We preach the gospel of forgiveness but build prisons. We preach the gospel of tolerance but are rigid and judgmental. We preach a gospel of unity but live in ghettos of separateness. We preach the gospel of simplicity but live in mansions. We preach the gospel of service but we want to be served. We preach the gospel of prayer but prefer to be entertained. We preach the gospel of love but easily succumb to hatred.

I am tired of the divisions within myself.

The best in us seeks unity. The worst in us seeks conformity. But it seems most people today desire conformity and have little interest in unity. Modern life is marked by division; we are separated by class, education, religion, culture, money and power.

Einiges an “food for thought”…


2. Brief für meine Geschwister

Friday, 04. January 2013

Stell Dir vor Du wirst verhaftet. Dann wegen des Mordverdachtes inhaftiert. Wenige Monate später stellt sich der Mörder der Polizei. Und vier Jahre später bist Du immer noch inhaftiert, weil noch kein Richter, der in diesem Land den Strafbefehl aufheben muß, sich die Muße gegeben hat, genau das zu tun.

Und wer wurde getötet?

Ein Hinduführer in einem mehrheitlich hinduistischen Staat mit einer starken hindu-nationalistischen und antichristlichen Bewegung.

Und was bist Du?

Genau, ein Christ.

Als ich bei AsiaNews das hier vor einigen Tagen las, dachte ich “das darf doch nicht wahr sein!” Viele werden sich noch an die Christenpogrome erinnern, die 2008 im indischen Staat Orissa (seit 2011 Odisha) diesem Mord folgend stattgefunden haben - und die Männer, allesamt Familienväter, sitzen immer noch im Knast.

Daher folgt jetzt mein zweiter Brief für meine Geschwister, der erste liegt schon wieder viel zu lange zurück, auch wenn das Thema dort immer noch aktuell ist (ursprünglich wollte ich ja monatlich einen schreiben). Das heißt, auch der erste kann noch sinnvollerweise verschickt werden, nur muß da jetzt ein anderer Präsidentenname drauf: Mohammed Waheed Hassan. Und wie ich bzgl. des aktuellen Briefes herausgefunden habe, hat der Chief Minister, an den der Brief geht, mehr exekutive Macht als der Gouverneur des jeweiligen indischen Bundestaates (nur falls sich jemand wundern sollte).

Der Brief zum Download

Und nicht vergessen: Kopien schickt man am besten sowohl an die Botschafterin Indiens in Deutschland als auch den zuständigen Bundestagsabgeordneten und/oder Landtagsabgeordneten, die man hier findet.


Nur Schall und Rauch?

Friday, 04. January 2013

Gestern feierte die Kirche einen Tag bzw. ein Gedenken an etwas, was erst einmal seltsam erscheint: einen Namen, und zwar den Namen Jesu. Dabei ist ein Name erst einmal nichts anderes als eine Bezeichnung, und das Aussprechen eines Namens ein Erzeugung physikalisch näher bestimmbarer Zustände von Druckverhältnissen in der Luft. Doch kann man darauf einen Namen reduzieren?

Es ist nicht nur so, daß der Name Identität verleiht, sondern die Aussprache als solches, und zwar nicht nur des Namens, hat große Kraft und Macht, im religiösen wie säkularen Kontext.

- Es gibt mündlich geschlossene Verträge - allein durch das Wort entsteht ein Vertragsverhältnis.
- Standesamtlich verheiratet ist man durch das “Ja-Wort”, nicht durch die am Schluß folgende Unterschrift (wie u.a. unsere Standesbeamtin betonte) - übrigens gilt das gleiche in der Kirche.
- mit die größten Verletzungen fügen Menschen einander durch Worte zu
- rein mündliche Prüfungen entscheiden über Lebensverläufe zahlreicher Menschen

das nur aus dem säkularen Bereich, jetzt aus dem kirchlichen

- in der Kirche hat der Priester die Vollmacht, daß nur durch das gesprochene Wort aus Brot der Leib Christi wird und bleibt.
- durch das Wort des Priesters nach der Beichte geschieht Sündenvergebung

um nur zwei für mich besonders starke Beispiele zu bringen.

Sprache hat also Macht, und auch der Name kann Macht haben.

Schon im Vaterunser ist die erste Bitte (an uns selbst und andere): “Dein Name werde geheiligt”. Die Verunehrung des Namens Gottes wird auch in den Zehn Geboten verboten (im 2. Gebot, manche zählen es auch als 3.). Also hat der Name an sich und der Name Gottes im speziellen eine besondere Würde.

Und jetzt kam im 14. Jahrhundert, stark verbreitet durch den Franziskaner Bernhardin von Siena, die Form der Namensverehrung Jesu auf. Dabei ist diese christliche Verehrung andernorts, nämlich bei den Ostkirchen (seien sie in Einheit mit der Kirche von Rom oder nicht) schon seit viel längerer Zeit weit verbreitet, nämlich durch das sog. Jesusgebet, welches in der kürzesten Form einfach nur aus der Anrufung des Namens “Jesus” besteht. Die Nennung des Namens Jesu hat, so schon die Erfahrung der frühesten Mönche, eine besondere Kraft und bewirkt eine besondere Hilfe der göttlichen Gnade.

Nebenbei sei noch bemerkt, daß das “Enblem” des Jesuitenordens, das Symbol IHS, ursprünglich von dem genannten Bernhardin stammt. Der Gründer der Jesuiten Ignatius von Loyola hat es ca. 100 jahre später für seinen Orden übernommen.

Halten wir uns also an Jesus, nicht nur als Person, sondern konkret an seinen Namen, wenn wir von ihm Hilfe brauchen.

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner


Richtig verschätzt

Thursday, 27. December 2012

Wer sich häufiger mal mit Statistiken beschäftigt (oder von Berufs wegen beschäftigen muß), der reagiert im allgemeinen sehr verhalten, wenn Äußerungen fallen wie “es wird geschätzt” oder “man schätzt”.
Insbesondere bei politisch brisanten Themen ist es sinnvoll, der Frage nachzugehen, wer was aufgrund welchen Interesses behauptet.

Nur drei Beispiele:

Heute las ich auf ZEIT Online den Artikel über einen Priester, der wegen Untreue zu seinem Versprechen in gefühlte Existenznot kam. Dort steht, daß “laut Schätzungen” 20% aller weltweiten Priester ihr Versprechen der Keuschheit nicht einhalten.
Natürlich steht da nicht, wer da schätzt. Nein, Schätzungen an und für sich haben anscheinend schon einen offiziellen Touch.
Und ebenso natürlich ist diese Zahl einem Vertreter einer Organisation, die sich gegen den Zölibat einsetzt, viel zu niedrig. Er glaubt an 50%. Geschätzt natürlich. Auch hier fehlen Belege.

Oder: alljährlich gehen mittlerweile mehrere Tausend Menschen in Berlin auf den Marsch für das Leben und tragen dabei 1000 Kreuze (was ich begrüße). Dabei stehe jedes Kreuz für ein Kind, das an einem Tag in Deutschland abgetrieben werde. Offiziell gibt es rund 120.000 gemeldete Abtreibungen pro Jahr, mal ein paar mehr, mal ein paar weniger. Natürlich sind das keine 1000/Tag, dann wären es ja 365.000. Aber “man schätzt” die Dunkelziffer viel höher.

Oder: in nahezu allen medizinischen Informationen, von den betreffenden Seiten auf wikipedia bis zu thematischen Infos von amerikanischen Regierungsstellen, findet man die Behauptung, daß bis zu 50% aller ungeborenen Kinder (dort dann meistens “befruchteter Mehrzeller” oder so genannt, bin ich ja auch) unbemerkt abgetrieben werden, also Spontanaborte seien.
Belege habe ich dafür nie gefunden. Auch methodisch hatte ich meine Zweifel, da man dann ja die Frauen täglich untersuchen müßte. Nach einiger Recherche fand ich dann genau zwei kleine amerikanische Studien dazu, hochwertig publiziert, die eine mit 520, die andere mit 220 Frauen, die man tatsächlich täglich untersucht hat (Schwangerschaftstest im Urin) - eine sehr kleine Fallzahl übrigens. Und wie waren die Zahlen dort? 14% bzw. 25% (übrigens die kleinere Rate bei der Studie mit mehr Frauen, was eigentlich größere Studien verlangen würde).
Die oft genannten 50% stammen aus einer kanadischen Arbeit, dort beruhen sie aber der Einfachheit halber auf einer bloßen Behauptung ohne jegliche Daten.

Was ich damit sagen will: macht die Augen auf, fragt nach, warum wer was als “Schätzung” verkaufen will - und glaubt es erst einmal nicht. Trotz eines evtl. unterstützenswerten Anliegens schadet sich letztlich jeder selbst, wenn er Behauptungen aufstellt, die auf unbelegbaren Schätzungen beruhen.


Wie wird es sein?

Sunday, 23. December 2012

Die Tasche mit den wichtigsten Utensilien ist gepackt, jeden Tag kann es soweit sein. Ausgezählt für übermorgen, aber man weiß ja nie.

Nervosität.

Und freudige Unruhe.

Das Zimmer ist auch schon eingerichtet, Sachen gekauft, die Familie freut sich mit und alle sind gespannt.

Gut, üben kann man vieles davor, doch wie wird es dann wirklich sein?

Sicher mit weniger Schlaf.

Sicher mit weniger Freizeit, weniger Party, vielleicht auch weniger Zeit für die Freunde.

Und werden es die Freunde verstehen, wenn man ab dann die Welt anders wahrnimmt, alles anders wird, die einen Sachen unwichtiger und andere Sachen wichtiger werden?

Doch - wie man es von anderen so hört - möchte man es danach nie mehr anders. Ob das auch stimmt?

Es soll eine Liebe sein, die man noch nie verspürt hat.

Erst dann soll man wirklich wissen, was bedingungslose Liebe heißt.

Ist das nicht alles übertrieben?

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich kenne das Davor und das Danach. Ich weiß wie es ist, wenn manche Nahestenden es nicht verstehen, daß man die Welt plötzlich anders wahrnimmt. Wenn alles anders wird. Wenn man eine Ahnung davon bekommt, was zu 100% bedingungslose und unverdiente Liebe sein kann. Doch auch ich möchte es nie mehr anders.
Und ich wünsche mir sehr, wie Franziskus von Assisi es mal vorschlug, daß wir Maria gleich Jesus jeden Tag neu gebären und Er durch uns in die Welt kommt, durch unsere Gedanken, Worte und Werke.
Möge er uns immer in freudiger Unruhe vorfinden und gut vorbereitet, wenn Er kommt.

Frohe Weihnachten!


Regel Kapitel 2.10

Tuesday, 11. December 2012

Letzter Teil: 2.9

17. In der Familie pflegen sie den franziskanischen Geist des Friedens, der Treue und der Achtung vor dem Leben. Dadurch versuchen sie ein Zeichen zu setzen für die bereits in Christus erneuerte Welt. Vor allem die Eheleute bezeugen in der Welt die Liebe Christi zu seiner Kirche, indem sie aus der Gnade des Ehesakramentes leben. Mit einer christlichen Erziehung zu Einfachheit und Aufgeschlossenheit, auf die geeignete Berufswahl jedes ihrer Kinder wohl bedacht, gehen sie froh mit ihnen ihren menschlichen und geistlichen Lebensweg.

An anderer Stelle, in den sogenannten Konstitutionen des OFS, der genaueren Ausgestaltung der hier zitierten Regel, wird die Familie als der “erste Bereich” bezeichnet, in dem die christliche und franziskanische Berufung gelebt werden soll. Daher ist dieser kleine Abschnitt enorm wichtig. Die Adventszeit mit der nahen Weihnachtszeit und dem Weihnachtsfest ist ein besonders guter Zeitpunkt, um über unsere Familien nachzudenken.
Oftmals fällt es leichter, andere Brüder und Schwestern zu nennen, als die eigenen familiären Brüder und Schwestern so zu behandeln, wie man es sich geschwisterlich wünscht. Was bedeutet denn bspw. “brüderlich teilen”? Teilen wir denn mit unseren Geschwistern? Auch erwachsen geworden bleiben meine Geschwister meine Geschwister …

Der Geist des Friedens soll von den Gliedern des OFS in die eigene Familie ausstrahlen, der Geist der Treue und der Achtung vor dem Leben (vom Beginn bis zum Ende). Das letzte ist eher einfach zu bewerkstelligen, wenn man eben Prinzipien teilt, die mit Abtreibung, Euthanasie, Krieg oder anderen Tötungsplänen nichts am Hut haben.
Der Geist der Treue ist hier nicht nur auf die Ehe gemünzt, sondern hier bedeutet m.E nach Treue die Treue gegenüber der Erfüllung der familiären Pflichten. Wer eine Familie gründet, gibt ein gehobenes Maß an Selbstbestimmung auf. Für mich ist die Familie auch eine Schule der Selbstbeschränkung.
Und der Geist des Friedens ist die Gnade schlechthin, denke ich. Diesen Geist auszustrahlen ist immenses Glück - bemühen müssen wir uns tagtäglich, doch unser Versuchen bleibt immer Stückwerk. Hier ist Franziskus ein ganz großes Vorbild. Wenn jemand den Geist des Friedens ausstrahlen konnte, dann er.

Weiter wird das Ehesakrament als Gnadenmittel betont. Es ist das einzige Sakrament, was sich Laien tagtäglich schenken können - und das Bewußtsein dafür ist meiner Meinung nach ziemlich unterentwickelt. Es ist ein wirkliches Sakrament, d.h. jeden Tag aufs neue bestätigt der Herr selbst diesen Bund, und die weise Meinung der Kirche, daß so ein Zusammenleben Sakrament ist, liegt wohl auch in der Erfahrung der möglichen Schwierigkeit und Konfliktträchtigkeit begründet. Wenn es klappt, muß es Gnade gewesen sein :-)

(Mir teilte mal ein orthodoxer Priester mit, daß der Grund der Krönung der Ehepaare im byzant. Ritus der sei, daß eine Ehe eben auch Martyrium sei …)

Häufig, nicht immer, gehören zu einer christlichen Ehe (was immer genau das sein mag) auch Kinder. Dieser Absatz spricht in meinen Ohren wohltuend zurückhaltend von der Erziehung und läßt jeden Ton von Indoktrinierung glücklicherweise vermissen. Wir können unsere Kinder für das Leben ausstatten und im Leben begleiten, aber sie in eine vorgedachte Form zu pressen wäre sicher nicht der Weg, der basierend auf der unaufgebbaren Würde des einzelnen von Gott geliebten Menschenkindes den Namen christlich verdienen würde.


Was so heilig ist

Wednesday, 28. November 2012

Es sei für ihn eine Art “heiliger Akt”, wenn er zuhause eine Schallplatte aus der Hülle entnehme und auf einen seiner vier Schallplattenspieler lege und abspiele, hörte ich gestern im Autoradio einen DJ (und Schriftsteller) sagen.

God is a DJ” sang schon vor 14 Jahren die Band mit dem bezeichnenden Namen “Faithless”, glaubenslos.

Was ist noch heilig?

Ich bin ja der - von mir nicht empirisch belegbaren - Ansicht, daß der gesellschaftlioche Wandel, der u.a. zu einer faktischen Bedeutunglosigkeit der Kirche geführt hat, in dem Verlust des Heiligen zu finden ist. Wirklich heilig als gesellschaftlicher Konsens ist nichts mehr, da ist die Kirche und der Glauben bloß ein Opfer unter vielen. Die ganzen Überlegungen, wie denn die Kirche aus sich heraus aus diesem Tief herauskommen könnte, halte ich daher schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Eine Kirche ohne Heiliges hat keine Existenzberechtigung, eine Gesellschaft ohne Heiliges braucht keine Kirche.
Weitere Opfer gibt es viele, keine davon abgemurkst, sondern einfach dem Belieben des einzelnen anheim gestellt und somit potentieller Ballast, den man abwerfen kann (eine Auswahl): die Ehe, die Ehre, das gegebene Wort und nicht zuletzt das Leben selbst und dann nicht nur von einem selbst.


Immer noch gültig

Wednesday, 31. October 2012

Im Januar 2006 hier erstmals zitiert:

Bloggen wir täglich, haben wir kein Sozialleben.
Bloggen wir selten, ist das Blog nicht interessant.
Bloggen wir kurze Einträge, fehlt das Talent für längere Texte.
Bloggen wir lange Einträge, haben wir nichts besseres zu tun.
Ist das Design zu schlicht, hat das Blog kein authentisches Gesicht.
Ist das Design bunt, ist das Blog nicht cool genug.
Ist das Design selbstgemacht, ist man einer dieser Nerds/Geeks.
Ist das Design nicht selbstgemacht, ist es billigste Massenware.
Schreibt man anspruchsvoll, will man sich nur wichtig machen.
Schreibt man einfach nur so, verfasst man überflüssige Banalitäten.
Schreibt man Unterhaltung, will man bloss um Besucher buhlen.
Schreibt man Nachdenkliches, ist man peinlicher Befindlichkeitsblogger.
Wird man nicht von Ehrgeiz getrieben, ist man anspruchslos.
Wird man von Ehrgeiz getrieben, fühlt man sich über andere erhaben.
Wird man von Gefühlen geleitet, ist man heulsusig bis weinerlich.
Wird man nicht von Gefühlen geleitet, ist man gefühlskalt.
Ist man hilfsbereit, wird man ausgenutzt.
Ist man nicht hilfsbereit, wird man beschimpft.
Ist man offen für Kommunikation in den Comments, ist man wahllos und manipulierbar.
Ist man zurückhaltend in den eigenen Comments, ist man arrogant und unhöflich.
Interessiert man sich für Toplisten und die eigene Position darin, ist man eine arme Wurst.
Interessiert man sich nicht für Toplisten und die eigene Position, dann deswegen, weil man sowieso nicht mithalten könnte.
Läuft das Blog auf der eigenen Website, nimmt man das Bloggen zu wichtig.
Läuft das Blog bei einem Bloghosting-Provider, ist Bloggen einem kein echtes Blog wert.
Kümmert man sich um seine eigenen Angelegenheiten, ist man nicht vernetzt genug.
Kümmert man sich um das, was andernblogs geschieht, ist man nur auf Backlinks aus.
Kümmert man sich um das Blogosphärengeschehen, hat man wohl kein echtes Leben.
Kümmert man sich nicht um die Blogosphäre, ist man ignorant und sowieso von vorgestern.
Bloggt man als Frau Fotos von sich, will man nur den Mädchenbonus ausspielen.
Bloggt man als Frau keine Fotos von sich, ist man zu hässlich dafür.
Bloggt man friedlich, fehlt die Durchschlagkraft.
Bloggt man nicht friedlich, hat man Defizite.
Hat man eine Blogroll, bewegt man sich im Sumpf verfilzter Kreise.
Hat man keine Blogroll, ist man unbeliebt.
Hat man ein Impressum, hält man sich für zu wichtig.
Hat man kein Impressum, ist man eine anonyme Lachnummer.
Erzählt man, wenn man Probleme hat, ist man ein exhibitionistischer Jammerlappen.
Erzählt man es nicht, wenn man Probleme hat, ist man oberflächlich, wahlweise verkorkst.
Erzählt man, wenn man andere Blogger trifft, ist man ein Angeber.
Erzählt man nicht, wenn man andere Blogger trifft, hat man was zu verbergen.
Reagiert man auf Memes, Stöckchen, Trackbacks und Co, schleimt man rum.
Reagiert man nicht auf Memes, Stöckchen und Co, ist man arrogant.
Schreibt man Einträge übers Bloggen, will man nur Reaktionen fischen.
Schreibt man keine Einträge übers Bloggen …

Und so weiter.


Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht

Wednesday, 17. October 2012

Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht
und sagt: Ich bin.
Ein Gott, der seine Stärke eingesteht,
hat keinen Sinn.
Da musst du wissen, dass dich Gott durchweht
seit Anbeginn,
und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät,
dann schafft er drin.

Rilke


Danke, Franz

Thursday, 04. October 2012

Heute ist mal wieder der Tag des Mannes, dem ich das Evangelium wirklich verdanke, Franziskus von Assisi.
Mir wurde gestern bei der “Transitus”-Feier (Feier zum Tod des Franziskus, wörtlich “Übergang”) mal wieder bewußt, was für ein miserabler Franziskaner ich bin. Ich hoffe nur, der Herr sieht drüber hinweg und gibt mir die Kraft, gnädig mit mir zu sein und mich dennoch zu bessern.


Steckt Strategie dahinter?

Friday, 21. September 2012

Demnächst sollen diejenigen, die “aus der Kirche ausgetreten sind”, also keine Kirchensteuer mehr zahlen wollen, dieses Schreiben bekommen.

Ich vermute angesichts des dortigen Tonfalles, daß die dt. Bischöfe das Ziel der kleinen Herde anstreben.

Schlechter hätte man ein solches Schreiben nämlich kaum verfassen können.


Eine kleine Erinnerung

Sunday, 02. September 2012

Wie in den letzten Tagen zu lesen war, ist vor zwei Tagen Carlo Maria Cardinal Martini, ehemaliger Erzbischof von Mailand, im Alter von 85 Jahren gestorben.

Die “Liberalen” liebten ihn, die “Konservativen” mochten ihn nicht, aber beide Seiten haben - so behaupte ich - zu wenig von der Kirche verstanden. Wichtig war er alle mal und wird es weiterhin sein. Nur durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen hat die Kirche je Fortschritte (im Sinne von Präzisierungen) des Glaubens gemacht, nur dadurch sind so wunderschöne Formulierungen entstanden wie die, die unser Glaubensbekenntnis bestimmen.

Für mich persönlich war er schon früh eine wichtige Person, da ich seine Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Intellektuellen schon früh verfolgt habe. Als Kind des 21.Jh.ist für mich die intellektuelle Verantwortung des Glaubens seit jeher ein großes Thema, wenn nicht das Thema überhaupt, was mich weiter Bücher über Bücher lesen läßt.

Über Cardinal Martini kann ich nichts anderes sagen als das, was Georg schon hervorragend angemerkt hat.


Christen für heute V

Thursday, 30. August 2012

Nach wieder langer Zeit mal ein neuer Beitrag in dieser kleinen Reihe. Hier sind die Teile I, II, III und IV.

Meistens zeichnen sich Heilige unter anderen dafür aus, daß sie ein Herz für die Armen hatten und etwas für sie taten, zum Teil extrem hingebungsvoll.

Doch wie können sie für die zum Vorbild werden, die selber arm sind?

Manches Mal sind Heilige auch die, die schon von kleiner Jugend an eine besondere Persönlichkeit hatten, die ihre Heiligkeit aufscheinen ließ. Diese eigenen sich ebenso schlecht als Vorbild für die, die mit zahlreichen Lastern und einer schwierigen Persönlichkeitsstruktur zu kämpfen haben.

Dann scheint es noch ein wichtiges Merkmal der Heiligkeit zu sein, besonders viel für andere zu tun. Doch was ist, wenn dies jemand mangels Zeit und Geld nicht kann?

Für all diese Menschen, die weder wohlhabend noch innerlich total ausgeglichen sind, und die auch über nicht viel Freizeit verfügen - also für viele Normale - gibt es einen Christen, den sie sich definitiv als Vorbild nehmen können. Seine Heiligkeit bestand darin, wie er im Alltag mit anderen umging, ganz einfach, und sich selbst nicht so arg wichtig nahm.

Leider gibt es über ihn nichts ausführliches auf Deutsch, über Matt Talbot (*1856, +1925). Und außer dem obigen Foto findet sich auch kein gutes Bild.

Er war ganz unten, als Armer und als Schlucker. Gott hob ihn da raus, ohne ihm seine Armut zu nehmen, um ihn dafür mit Gnade zu übergießen. Wie es auf der verlinkten Seite heißt:

Matt sets before us a radical example which demonstrates that ordinary people can do extraordinary things.


Keine 30 Tage mehr

Thursday, 30. August 2012

Die internationale Zeitschrift 30Giorni, zu deutsch 30Tage, wird eingestellt. Die jetzige Ausgabe ist zugleich die letzte.

Ich habe sie immer sehr gerne online gelesen und bedauere diese Aufgabe der Publikation, weil sie umfassend auch von unbekannteren Teilen der Kirche berichtete und sich nicht irgendeinem Sensationsjournalismus hingab. Häufig fanden sich sehr gute lange Interviews, die notwendige Hintergrundinformationen lieferten - kurz: diese Zeitschrift war und ist im besten Sinn kirchlich und katholisch.

Nicht nur ich werde sie vermissen.


Ein Jahr des Glaubens

Monday, 27. August 2012

Der Hl. Vater hat für ca. 2013 ein sog. “Jahr des Glaubens” ausgerufen. Es beginnt im Oktober 2012 und endet im November 2013 (warum so und warum nicht ein normales Kirchenjahr?).

Auch wenn es immr mal wieder solche besondere “Jahre” gibt, so zuletzt das “Jahr der Priester”, so finde ich die Namensgebung für das jetzt kommende schon etwas schwierig. Irgendwie klingt das wie “Jahr des Ballsports” für einen Fußballfan. Aber der Hintergrund ist klar, das eigentliche, auf gut rheinisch lateinisch “Proprium”, also der Kern des ganzen, nämlich der Glaube an den Gottmenschen Jesus Christus, soll wieder in den Mittelpunkt gestellt werden, also dahin, wo der Kern eh hingehört.

Sozusagen eine Reform zum Ursprung. :-)

Wie soll sich dieses Blog an diesem Glaubensjahr beteiligen?

Ich kann natürlich mehr über meinen Glauben schreiben, über das wie und seit wann und überhaupt, bezweifle aber, daß das von allgemeinem Interesse ist.

Daher bitte ich um Rückmeldung für ein blogales Wunschkonzert zum Thema Jahr des Glaubens. Was soll hier passieren zu diesem Thema?

Nur eines ist sicher: Themen für ein ganzes Jahr jeden Tag habe ich nicht zu liefern, und die Eckdaten 10/12-11/13 sind auch nicht unbedingt zwingend einzuhalten.


Ein kurzes Hallo

Monday, 13. August 2012

Welches aus (hoffentlich nachvollziehbaren) familiären Gründen nach längerer Zeit erfolgt und kurz bleibt.

Auch wenn er “Juni-Psalm” heißt, möchte ich, da er im Moment so gut paßt, diesen Text des unvergesslichen Hanns Dieter Hüsch einstellen:

Herr
Es gibt Leute, die behaupten,
Der Sommer käme nicht von dir
Und begründen mit allerlei und vielerlei Tamtam
Und Wissenschaft und Hokuspokus
Dass keine Jahreszeit von dir geschaffen
Und dass ein Kindskopf jeder
Der es glaubt
Und dass doch keiner dich bewiesen hätte
Und dass du nur ein Hirngespinst
Ich aber hör nicht drauf
Und hülle mich in deine Wärme
Und saug mich voll mit Sonne
Und lass die klugen Rechner um die Wette laufen
Ich trink den Sommer wie den Wein
Die Tage kommen groß daher
Und abends kann man unter deinem Himmel sitzen
Und sich freuen
Dass wir sind
Und unter deinen Augen
Leben.


Wunder 2.0

Sunday, 22. July 2012

3460 Gramm, 50cm, eine kleine Schwester. Alle anderen sind glücklich, sie hoffentlich auch.


Der Götze Gesundheit

Friday, 06. July 2012

Das umstrittene Urteil des Kölner Landgerichtes, welches die Beschneidung von kleinen Jungen aufgrund religiöser Regeln (Judentum, Islam) als Straftatbestand ansah, ist eigentlich kein Angriff auf die Religionsfreiheit, es ist nur ein Beispiel mehr dafür, daß die Gesundheit neben der Kohle die beiden wichtigsten Götzen unserer Gesellschaft sind.

Abgewogen wurde letztlich das Grundrecht auf Körperliche Unversehrheit des einen gegen das Recht auf Persönlichkeitsentfaltung des anderen (Elternsein mit entsprechender Entscheidungsbefugnis gehört bei Eltern nun einmal mit dazu).

Aber wie sieht es jetzt mit der Konsequenz aus?

Eigentlich müßte es nach dem gleichen Grundsatz ein Straftatbestand sein, wenn Eltern in der eigenen Wohnung im Beisein der Kinder rauchen (so in einem Forum angedacht).

Genauso müßte es verboten sein, mit anderen Menschen im Auto zu fahren. Nur noch allein fahren wird erlaubt. Warum? Handys am Ohr sind schon verboten wegen der Risikoerhöhung aufgrund des Aufmerksamkeitsmangels. Aber schon seit Jahren ist bekannt, daß Freisprecheinrichtungen da keinen Unterschied machen - die Kommunikation als solche lenkt eben ab. Daher wäre es nur folgerichtig, das Mitfahren zu verbieten.

Das aktuelle Urteil ist nur ein Beispiel, was passiert, wenn man Götzen anbetet.


Sie hatte von Jesus gehört.

Tuesday, 03. July 2012

Dieser lapidare Satz im Evangelium vom letzten Sonntag begleitet mich nun schon zwei Tage. Er betrifft die Frau, die schon seit Jahren an Blutungen litt und bei meinen Kollegen von annodazumal schon ihr ganzes Vermögen ohne Besserung ihres Leidens gelassen hatte (manche Sachen ändern sich wenig …).

Sie hatte von Jesus gehört.

Was mag sie von Ihm gehört haben? Daß Er heilt sicherlich, sonst hätte sie nicht gehofft, daß das Berühren schon Seines Gewandes ihr helfen würde. Daß Er es gut meint mit denen, die Hilfe brauchen. Daß Er sich denen zuwendet, die in der Gesellschaft weniger angesehen sind (Frauen!). All das wird sie womöglich gehört haben, von Ihm, Jesus.

Doch von wem hatte sie all das über Jesus gehört? Von den Aposteln, der größeren Jüngerschar? Doh wohl eher nicht, weil gerade der Evangelist Markus, der diese Episode berichtet, immer Wert darauf legt, daß Jesus keinen Wert auf Ruhm legte und anderen das Erzählen Seiner Werke verbot. Womöglich war es ein Augenzeuge, ein einfacher Galiläer, der Jesu Taten aus der Ferne beobachtet hatte und zutiefst beeindruckt war.

Was bedeutet das für uns? Welche Rolle spielen wir dabei?

Kennen wir Menschen wie diese chronisch kranke Frau?
Und wenn ja, glauben wir als postaufklärerische Menschen des 21. Jahrhunderts, daß die Begegnung mit Jesus so einem Menschen eine Art Heilung bringen kann, wenn auch nicht immer direkt körperlich?
Und wenn ja, können wir dann auf Bischöfe, Priester und andere “Hauptamtliche” warten, die doch meistens über Jesus nur zu denen sprechen, die Ihn eh schon zu kennen meinen?

Derjenige, der damals von Jesus sprach, so daß diese Frau Hoffnung schöpfte, ob direkt zu ihr gesprochen oder nur so, daß sie es mitbekam, hat eigentlich schon alles Wichtige getan.

Ich selbst erwische mich eigentlich nie dabei. Dabei bleibt noch so viel zu tun …