Mindestlohn aus katholischer Sicht
In die Reihe der “Sozialromantiker” und “sozialistischen Tagträumer” wurde nicht nur ich einst von einem Kommentator gestellt, da ich für einen gesetzlichen Mindestlohn bin, sondern ich finde da - erstaunen kann’s nur den, der die ganze katholische Lehre nicht kennt - auch alle Päpste seit Leo XIII.
Die Kirche lehrt seit über 100 Jahren, daß der Lohn eines(!) Erwachsenen, zumeist des Vaters, ausreichen muß, um einen angemessenen Lebensstandard für die gesamte Familie zu sichern. Dabei wird dieses “angemessen” zwar nicht genauer definiert, es wird aber von einer normalen Arbeitszeit/Woche ausgegangen einschließlich ausreichender Ruhezeiten.
Die Lehre der Kirche dazu habe ich hier schon mal angerissen, umfänglicher findet sich dort etwas (überhaupt eine gute Seite für die Katholische Soziallehre, natürlich schon lange in der Linkliste).
Ich weiß, es scheint wenige Katholiken zu geben - zumindest weniger lautstarke - die sowohl für ein Durchsetzen der Soziallehre in der Politik einstehen und nicht minder zum Rest der Lehre stehen. Ich habe nie verstanden, warum das so ist.
Jetzt gibt es ja seit einigen Monaten ein dezidiert katholischen Arbeitskreis in der Partei, die sich auf ein christliches Menschenbild beruft, das sie sicherheitshalber nicht genauer beschreibt. Auf deren Seite fand ich nichts zu dem aus katholischer Sicht skandalösen Umstand der vielen “Aufstocker”.
Auch im Archiv des Kongresses, der von sich behauptet, sich voll am Katechismus der Kirche zu orientieren, fand ich nichts zu diesem Thema, das Millionen bei uns angeht und wohl näher ist als manche innerkirchliche Debatte.
Vielleicht findet da jemand etwas oder weiß mehr, als die Seiten kund tun.
Oder bedeutet Katholischsein hierzulande und heutzutage auf allen Seiten selektive Wahrnehmung?
